Festival Mediaval XII

Ein spannendes Wochenende liegt hinter allen Mittelalter-freunden, die vom 06. bis 08. September den Weg in das ober fränkische Selb gefunden haben. Hier fand zum nunmehr zwölften Mal das Festival Mediaval statt, welches für sich in Anspruch nehmen darf, Europas größtes Open Air-Mittelalter-Musikfestival zu sein. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „New Stepps“ und präsentierte eine illustre Anzahl an Künstlern, die das Festival zuvor in dieser Form noch nicht beehrt hatten.

Das Programm konnte sich dabei auch wahrlich sehen lassen. Musikalisch gab es für die Besucher in diesem Jahr so einiges zu erleben. So fesselte beispielsweise am Samstagabend die Ausnahme-band Heilung die Massen mit einer Show, die mehr einer uralten Zeremonie als einem gewöhnlichen Konzert glich und wohl unbestritten für viele das absolute Highlight des Wochenendes gewesen sein dürfte. In der Nacht zuvor hatten bereits viele die Chance genutzt, ein letztes Mal die Niederländer von Thundercrow live zu erleben, die dort ihr in dieser Besetzung letztes Konzert gaben und die Zuhörer mit ihrer sphärischen Musik mit auf eine Traumreise nahmen. Freunde lauterer Töne kamen hingegen bei den Konzerten von Eluveitie und Leaves‘ Eyes voll auf ihre Kosten.

Ebenfalls sehr attraktiv war das Angebot an Folk und World Music aller Arten. Vom Nordic Folk mit Skrömta über Klezmer von Kroke bis hin zu den bretonischen Klängen von Bran gab es in diesem Bereich unheimlich viel zu entdecken. Oro luden bei ihrem Set sogar auf eine musikalische Reise durch die verschiedensten klanglichen Traditionen ein.

Doch das Festival Mediaval trüge seinen Namen zu Unrecht, wenn dort nicht auch immer wieder das Mittelalter im Fokus stünde. So lohnte es sehr, beim Gang über das Gelände beide Augen gut offen zu halten, denn es gab einige liebevoll gestaltete Heerlager zu entdecken und sich auf Handels- und Handwerkermarkt mit allem einzudecken, was das Herz begehrte. Und natürlich wurden auch Fans mittelalterlicher Marktmusik an jenem Wochenende reich beschenkt. Wer es gerne etwas lauter und treibender haben wollte, war bei den Schweizern von Koenix gut aufgehoben oder rockte gleich zu Beginn des Festivals mit Narrengold ab. Ruhigere Töne fand man hingegen unter anderem bei Canzonetta Tedesca, welche dem Publikum mit ihren ins Neudeutsche übersetzten Texten einen ganz neuen Einblick in die Denkweise des Mittelalters eröffneten. Und auch das stets beliebte Pipes and Drums Genre war vertreten und wurde durch Bands wie Celtica Pipes Rock oder die Red Hot Chilli Pipers würdig repräsentiert. Mit den Danceperados Of Ireland gab es sogar eine vielumjubelte irische Stepptanz-Darbietung zu erleben.

Auch abseits der großen Bühnen wartete ein vielseitiges Programm. Allerorten fand man verschiedene spannende und amüsante Kleinkunst-Darbietungen. So unterhielten Gaukler wie Opus Furore das Publikum mit Witz und Talent, während die Flugträumer tagsüber auf charmante und unterhaltsame Art mit Jonglage und Akrobatik sowie zu später Stunde dann noch mit einer zauberhaften Feuershow lockten. Ein weiterer Publikumsmagnet war das Living Chess. Hier wurden berühmte Schachpartien von lebenden Schachfiguren nachgestellt, was sehr amüsant umgesetzt wurde. Wer zuerst die nachgespielte Partie erriet, durfte sich auch noch über einen Preis freuen.

Ein wenig abseits wartete die Goldbergbucht auf einen Besuch, den man sich auch besser nicht entgehen ließ. Hier hatten die Piraten ihr Nest und es gab spektakuläre Auftritte von Bands wie Ye Banished Privateers und Barbar’O’Rhum. Wer gerne etwas Neues lernen und ins Gespräch kommen wollte, war im Zelt der Begegnung gut aufgehoben. Dort trafen die verschiedensten Religionen aufeinander. Christentum, Islam und Neuheidentum waren vertreten und freuten sich auf anregenden Dialog. Und wem einmal alles zu viel, zu laut und zu bunt wurde, der war gut beraten, dem Literaturzelt einen Besuch abzustatten. In gemütlicher Atmosphäre lasen hier drei Tage lang die unterschiedlichsten Autoren. Es gab Fantasy, historische Romane und sogar ein wenig Horror. Mit dabei waren große Namen wie Iny Lorentz oder auch Birgit Jaeckel, die während ihrer Lesung sogar musikalisch äußerst stimmungsvoll von den zwei Damen von PurPur begleitet wurde.

Nach zwei Jahren Pause fand in diesem Jahr zur allgemeinen Freude auch wieder die Verleihung des Festival-Mediaval-Awards statt. Je drei Bands traten in den Kategorien Spielmann und Mittelalter-Rock gegeneinander an. Die Sieger – Kupfergold und Kapeiken, die das Publikum und die Jury beide mit hervorragenden Performances überzeugten – erhalten im kommenden Jahr die Chance, auf einer der Hauptbühnen des Festivals aufzutreten. Den Zweitplatzierten Delva und Deus Vult winkt ein Auftritt auf dem tschechischen Schwesterfestival in Asch.

Das Festival Mediaval bot am vergangenen Wochenende ein derart reiches und interessantes Programm, dass das größtenteils eher durchwachsene Wetter eigentlich kaum ins Gewicht fiel. Immer gab es irgendwo etwas zu sehen und das hochkarätige Line-Up sorgte schon von sich aus dafür, dass es auch während der schlimmsten Regenphasen niemals leer wurde auf dem Gelände und vor den Bühnen.

Auch im nächsten Jahr erwartet die Besucher wieder ein spannendes Festival. Vom 04. bis 06. September 2020 lockt das Festival Mediaval mit einem Rock-und Metal Special zur härtesten Auflage aller Zeiten. Mit dabei sein sollen so klangvolle Namen wie Wardruna, Alestorm oder Korpiklaani. Das kann eigentlich nur ein Erlebnis werden, welches man nicht verpassen möchte!

Victoria Eckwerth

Festival Mediaval XI, 06.-09.09.2018

Vom 6. bis 9. September 2018 lud das bereits 11. Festival Mediaval wieder auf den Goldberg nach Selb ein, um dort ein Wochenende im Mittelalter zu verbringen. Neben einem einzigartigen Programm auf den großen und kleinen Bühnen gibt es auch auf dem Händler und Handwerkermarkt viel zu sehen.

Der Eröffnungstag am Donnerstag startete mit der Begrüßung durch den Veranstalter Bläcky und das gesamte Orga-Team bereits um 15 Uhr. Danach konnte man entweder über den noch überwiegend leeren Markt schländern und die vielen Stände und Lager begutachten oder direkt an der Schlossbühne bleiben und bei der ersten Band des Festivals, Winterstorm, das Haar zu Metalriffs schütteln. Erstes Highlight des Tages: Corvus Corax Fantastical „Der Fluch des Drachen“; eine Mischung aus Lesung und Konzert mit bekannten Gästen wie Katja Moslehner und Ji-In Cho, die mit ihrer Band „And Then She Came“ ebenfalls einen Auftritt auf dem Mediaval hatte.

Neu im Programm war die Latrina Band. Eigentlich sind sie die Freiwilligen, die auf dem Mediaval die Toiletten in Schuss halten. Jedoch hat sich mit den Jahren eine Band gefunden, die entweder vor den Toiletten oder diesmal sogar auf der Bühne, ihre wie sie selbst nennen „Scheißmusik“ zum Besten geben. Klobürsten wurden geschwungen und die kurzweiligen Texte ließen die Zuhörer herzhaft Lachen.

An Abend gaben dann Elfenthal ihr 10-jähriges Jubiläumskonzert und auch einziges Konzert 2018 auf der Burgbühne. Sichtlich glücklich nach 2017 wieder auf dem Festival Mediaval spielen zu können, gab Maite alles und war zwischenzeitlich mehr außer Atem als ihre drei Tänzer/innen.
Wer zu später Stunde noch auf dem Festivalgelände unterwegs war, der konnte sich entweder an eine der Tavernen setzen, in der Goldbergbucht auf dem Floss feiern oder beim Headliner des Donnerstags, Subway to Sally mitsingen.

Da der Freitag musikalisch erst um 14:30 Uhr begann, konnte die Stunde vorher gut genutzt werden, um mal im Literaturzelt vorbeizuschauen. Dort gaben sich die Autoren das ganze Wochenende die Klinke in die Hand und lasen aus ihren neuesten Erscheinungen u.a. Bernhard Hennen und Tommy Krappweis. Auch die Goldbergbucht erwachte zum Leben und so konnten dort Kahira und die Hexe Ariana angesehen werden. Wer lieber kleine Bühnen mag, der konnte dort auch, in kleinem aber feinem Rahmen, sitzend die Konzerte von Triskilian und Dandelion Wine genießen.

Auf dem restlichen Gelände erwachten die Kleinkünstler: Zirkus Meer zeigte eindrucksvolle Akrobatik und baute aus Kästen eine Brücke, Vir Street Theatre zeigte eine Geschichte rund um Untote und natürlich die große Liebe und auf der Theaterbühne brachten Pampatut die Leute zum Lachen (und manchmal musizierten sie auch).
Als Berlinski Beat am frühen Abend auf die Bühne kamen, stand kein Fuß mehr still. Mit viel berliner Schnauze im Stil der 20er Jahre und Balkan Beats hält es niemanden mehr auf den Bänken und so schlängelte sich bald eine lange Polonäse durch das Publikum.

Als dann das mit Spannung erwartete einzige Konzert Omnias in Deutschland starten sollte, öffnete der Himmel seine Pforten. Der Regen war so stark, dass der Beginn des Konzertes nach hinten verschoben wurde, weil es dem Publikum nicht zuzumuten war bei diesem Wetter vor der Bühne stehen zu bleiben. Einige Fans gaben aber trotzdem ihren hart umkämpften Platz nicht auf, während andere sogar unter der Bühne Schutz suchten. Als dann das Omnia-Collective auf die Bühne kam, war das schlechte Wetter vergessen. Mit Gastmusikern aus diversen Bands wie Heilung/Euzen, SeeD, Shireen und Irfan haben Steve und Jenny ein ganz neues Konzept auf die Bühne gebracht. Alte Omnia-Lieder, Schamanismus und vor allem Steve als gehörnte Kreatur standen im Vordergrund und wurden von den Fans gefeiert.

Da das Konzert von Omnia erst später begann überschnitt sich der Auftritt mit dem von Qntal auf der Burgbühne, sodass die Besucher nach und nach auch den Weg wieder nach unten fanden. Feinste elektronische Mittelaltermusik gab es dort auf die Ohren und auch Beatrice Baumann hatte gegen Ende noch einen Gastauftritt.

Headliner am Freitag waren Faun, die den ganzen Platz vor der Schlossbühne füllten und ihren Mix aus alten und neuen Liedern spielten, das Publikum zum Brunftruf animierten und gegen Ende bei „Feuer“ sogar eine Feuershow zündeten.
Um Mitternacht begann das letzte Konzert des Freitags. Auch wenn eigentlich alle nach dem anstrengenden Tag ins Bett wollten, konnte doch niemand Euzen verpassen, die in diesem Jahr nur sehr wenige Konzerte gegeben haben. Die Zuschauer wurden belohnt mit einem großartigen Konzert und außergewöhnlichen Lichtshow und waren froh, doch noch geblieben zu sein.

Der Samstag konnte wieder ganz entspannt begonnen werden. Bei bestem Wetter im Sonnenschein schlendert es sich bestens über den Markt, lauscht der Musik von PurPur oder hört Astrid Rauner bei der Vorstellung der „Wodan-Saga“ zu. Der Drache Fangdorn war auch noch etwas schläfrig, doch der „besonders gutaussehende“ Faun und die Elfen schafften es ihn zu wecken und das Versteckt des Elfenschatzes zu erfahren. Bei Pampatut, diesmal auf der großen Bühne, wurde wieder herzhaft gelacht und, diesmal zu viert auf der Bühne, auch erstaunlich viel Musik gemacht. Neben Ballycotton, Horch und Poeta Magica gab es auch an diesem Tag viel Kleinkunst auf den vielen Bühnen zu sehen. Auf dem Markt zeigte der Eisenhans, dass er mit bloßen Händen ein Hufeisen verbiegen und zehn Kinder schweben lassen kann. Auf der Theaterbühne verzauberte Beatrice Baumann mit ihrer Kontaktjonglage die Zuschauer und immer wieder war sie als Stelzenläuferin auf dem Markt unterwegs.

Besten Irish Folk gab es am Nachmittag von Cara, die ihr 15-jähriges Bestehen auf dem Festival Mediaval feierten. In der prallen Sonne, aber trotzdem bestens gelaunt und voller Spielfreude gaben sie ein tolles Konzert. Am Abend sollte es noch eine „kleine“ Fortsetzung geben, denn Gudrun Walther und Jürgen Treitz von Cara gaben im Literaturzelt mit Geige, Akkordeon und Gitarre ein ruhiges Konzert zum Abschalten und Nachdenken.

Ob man am Samstag von nur einem Headliner sprechen kann, wage ich zu bezweifeln. Ab 18:30 Uhr reihte sich ein Highlight an das nächste. Zuerst spielten Schandmaul ihr Akustik-Set aus älteren und neuen Liedern. Auf der Bühne hatten sie eine Bar aufgebaut und sichten sich gleich zu Beginn des Konzertes vier Zuschauer, die das ganze Konzert an der Bar auf der Bühne bei einem Getränk erleben durften.
Im Anschluss direkt Versengold, die definitiv die größere Bühne verdient hätten. Und auch das Publikum hätte etwas mehr Platz gehabt, denn gefühlt waren alle gekommen, um sich Versengold anzusehen. Und keiner wurde enttäuscht, denn wenn die Band Spaß hat, dann hat auch das Publikum Lust zu feiern; spätestens als die Weltkugel über das Publikum flog und der Bassist einen Moonwalk hinlegte.

Das Festival Mediaval hatte in diesem Jahr keine Mühen gescheut und top Künstler engagiert. So auch die Größen Alan Stivell und Carlos Núnez, die sich die Spielzeit teilten und ein „Celtic-Power-Concert spielten“. Alan Stivell, Meister der keltischen Harfe und Carlos Núnez, Meister der Gaita, lockten neben dem Publikum auch Mitmusiker an, die genauso glücklich waren ihre Idole live zu sehen. Für sie selbst sicher der Höhepunkt als sie zu ihnen auf die Bühne durften.
In der Goldbergbucht war zur gleichen Zeit ebenfalls die Hölle los. Die Niederländer „Pyrates“ feierten in der vollen Bucht eine wilde Party und genossen Cocktails aus der Kokosnuss. Beim nächsten Mal hätten sie eine größere Bühne definitiv verdient.

Sonntag. Warum startet der vierte und letzte Festivaltag immer so früh? Alle waren sich einig, dass eine Stunde später auch gut gewesen wäre, doch trotzdem waren pünktlich zum Start von Triakel die Fans an der Burgbühne versammelt. Den ruhigen schwedischen und manchmal sehr düsteren Geschichten, die Triakel am frühen Sonntagmorgen auf die Bühne brachten, kann man bestens im Sitzen oder beim ersten Kaffee genießen.

Oben gaben die Griechen von Daemonia Nymphe ihr Bestes. Die maskierten Sängerinnen ließen elfengleichen Gesang ertönen, während um sie herum die Tänzerinnen ausdrucksstark mit Tüchern, Feuerfächern oder Seilen über die Bühne wirbelten. Definitiv ein interessantes Konzert, das allerdings am Abend noch besser gewirkt hätte.

Dandelion Wine betraten am Sonntag bereits zum dritten Mal die Bühnen des Festival Mediaval und waren auch diesmal voller Spielfreude dabei. Sängerin Naomi, die seit dem Mediaval 2013 immer noch die blaue Haarfarbe trägt, für die das Publikum abgestimmt hatte, bedankte sich bei Markus van Langen. Dieser hatte der Band fast die gesamten Instrumente geliehen, da die eigenen kurz vorher geraubt wurden. Angemerkt hat man es ihnen nicht, dass die Instrumente nicht die Vertrauten waren.

Wenn das Festival Mediaval eins schafft, dann ist es besondere Musiker und Künstler zu gewinnen. Zum zweiten Mal hat das FM-Team es geschafft die schwedische Band Garmarna für das einzige Konzert in Deutschland 2018 zu holen. Spielten sie beim letzten Auftritt noch alte Lieder, so gab es diesmal einen Mix aus dem neuesten Album „6“ und alten Klassikern. Highlight des Konzerts: Sängerin Emma lässt beim Lied „Herr Mannelig“ das Publikum alleine die letzte Strophe singen, als sie merkt, dass alle Textsicher sind. Sichtlich ergriffen verabschieden sich Garmarna danach, um 2019 hoffentlich mit einem neuen Album wieder auf Tour zu gehen.

Irish Folk in ihrer besten Form gab es danach auf der Burgbühne bei Fiddlers Green inklusive Circle Pit und Wall of Folk. Direkt nebenan gab es die Fortsetzung der Schlacht um die Goldbergbucht. In dieser kämpften die Wikinger gegen untote Schotten und Orks um ein Artefakt, das stark nach zwei Kokosnüssen aussah. Mächtige Kanonenschüsse und ein Katapult kämpften gegen das Fußvolk, doch am Ende gingen die Wikinger als Sieger hervor.

Als Ausklang des 11. Festival Mediaval gaben Schandmaul ihr zweites, diesmal rockiges Konzert. Ein letztes Mal füllte sich der Platz vor der Schlossbühne, bevor alle mit einem weinenden und einem lachenden Auge den Heimweg antraten. Das Lineup führ 2019 steht in Teilen bereits und verspricht nur neue Programmpunkte. Wir sind gespannt was das Team des Festival Mediaval beim nächsten Mal aus dem Hut zaubert und freuen uns bereits auf ein Wiedersehen!

https://www.festival-mediaval.com/

Festival Mediaval VII

Der Freitag

Es wäre wirklich vermessen gewesen nach 6 Ausgaben Festival Mediaval bei zum Teil strahlendem Sonnenschein zu hoffen, dass ausgerechnet beim Irish Schottisch Special die Sonne nur so lacht. Etwas schöner hätte es aber schon sein können, der einzigartigen Stimmung und dem Spaß der Konzertbesucher die gerade am Freitag schon ziemlich geduscht wurden, tat das aber keinen Abbruch. Trotzdem schade für die Veranstalter, die ganzen Marktstände und die Helfer, die sich soviel Mühe machten einmal mehr ein einzigartiges Festival zu bieten und das geht nur mit entsprechend vielen Besuchern. Und obwohl man 30 % mehr Karten im Vorverkauf abgesetzt hat, fehlten diesmal einfach die Tagesbesucher, die man Dank, Sauwetter, nicht vorm Ofen vorlocken konnte. Sonst wäre das Festival das mit Abstand Besucherstärkste und die Piratenfloss-Attraktion im frei zugänglichen Außenbereich sicher auch für viele Selber einen Besuch wert gewesen. So war aber auch das Boot mehr oder weniger in Festivalbesucherhand, die sich nicht nur aber Konzerte von den Pyrates und Attila und Friends freuen konnten, sondern sich auch am, Rum für die Welt, wie es so schön im Vroudenspil Kultsong heißt erfreuen konnten. Dass dann als das Festival offiziell beendet wurde die Pyrates ganz spontan ein weiteres Konzert auf dem Floß abhielten und noch derbe weitergefeiert wurde für alle die noch nicht gehen wollten, ist ein dickes Kompliment an den Veranstalter, der nicht nur viele Besucher mit seinen Ideen und der musikalischen Qualität immer wieder verzückt, sondern auch viele Musiker zu echten Fans des Festivals werden lässt. Und so kann man auch immer wieder das eine oder andere bekannte Gesicht entdecken, obwohl nicht im Line-Up des Festivals eingebunden. So wie die großartige Wadokyo Trommlerin Barbara Busch, die Sängerin der Steampunk Band Drachenflug Dr. Wiba Wer, Nico Niederlich von Ignis Fatuu, die im nächsten Jahr dabei sein werden und Neil Mitra von Faun, um nur mal 4 zu nennen, nicht zu vergessen Oli und Rudel, die obwohl nicht mehr Teil der Orga es sich auch nicht nehmen liesen mal wieder vorbeizuschauen. Langsam sollte sich nun wirklich herumgesprochen haben, wie wunderschön das Festival Mediaval jedes Jahr ist, wie großartig und einmalig das Publikum, das egal ob in Deutschland nicht so bekannte Bands wie Woodland oder Firkin genauso entzückte wie die großen der Branche Subway to Sally.
Und das dickste Kompliment machte den Festivalbesuchern beim Abschlusskonzert The Dublin Legends, die sich in diesem Jahr eigentlich endgültig von deutschen Bühnen verabschieden wollten und sich während des Konzertes zu der Bemerkung, dass sie sich über ein Wiedersehen 2015 in Selb freuen würden, hinreissen ließen. Und zuvor haben die Legenden des Irish Folk , wie viele andere Musiker auch, das Festival Gelände erkundet um im Pech Stand mal schnell eine kleine Whiskey Verkostung durchzuführen, oder im Backstage mit Omnia etwas zu jammen. Aber dazu später noch mehr.

Und auch wenn das Wetter nicht so ganz mitfeiern wollte und am Sonntag echtes Wacken Feeling aufkam mit Schlamm wohin man schaut, so haben die bis zu 80 Helfer sensationelles geleistet. Dafür nicht nur ein dickes Kompliment sondern sicher auch im Namen der unzähligen Künstler die an diesem Wochenende mitgewirkt haben ein großer Dank. Einzig Drache Fangdorn, der letzte lebende Drache war etwas verschissen (tschuldigung), da er etwas Anschubhilfe brauchte um sich bewegen zu können. Somit ist auch Dank des 7. Festivals Mediaval das letzte Rätsel der Tierwelt geklärt warum Drachen Feuer spucken. Nämlich um den Boden vor sich zu trocknen, denn Schlamm mögen sie überhaupt nicht.
Genug der Vorrede, lassen wir uns eine Bilanz der 3 tollen Tage ziehen

Die Rabenbrüder

Auftaktband nach der Begrüßung durch den gewandeten neuen OB Pötsch waren die Rabenbrüder Ralf der Rabe, Ekkehard der Barde und Jacques le Loup, denen es zwar nicht gelang den Regen zu vertreiben, aber dennoch die Menschen vor der Bühne zum Tanzen und Mitsingen anzuregen. Und das mit ihrer modernen Folk und Rockelementen gewürzten mittelalterlichen Spielmannskunst. Und so geht es in ihren größtenteils selbstgeschriebenen Songs um mehr als Weiber, Wein und Hunde.
Lebenslust aber auch Frust sind immer ein Thema und so hat man mit, Geteert und Gefedert, auch einen selbstgeschriebenen Song im Programm der Kultcharakter hat und , die da Oben, jeden Tag beim Aufstehen und Einschlafen anhören sollten:

Wie geht`s dem Lande doch so schlecht, man spricht von leeren Kassen,
Du sollst den Gürtel enger schnallen, und die da Oben prassen,
gehst du zum Einkauf auf den Markt , was ist das Leben teuer
Hoch lebe unsre Obrigkeit, brumt auf uns noch ne Steuer
Die gehörn geteert und gefedert, gestreckt und gerädert ,.

Aber es kriegt in dem Lied nicht nur die Politik ihr Fett weg, sondern das ganze schnöde Geld, dass den Menschen verdarb.
Gesellschaftskritik einmal anders, gut verpackt , genial und doch so wahr.
Sie können aber auch wesentlich lustiger daherkommen wie in Met macht blet mit freundlichen Grüßen an Nase-Weis. Eine Band die etwas zu sagen hat und ein gelungener Auftakt des Festivals während Beatrice zeitgleich erstmals die Besucher auf der Theaterbühne verzauberte und Basseltan für viel Lacher sorgten.

Triskilian

Das ist aber so beim Festival Mediaval, man kann halt nicht überall gleichzeitig sein, so wie auch bei Kelvin Kalvus und PurPur während das Auftaktkonzert der Burgbühne mit Triskilian mit einer strahlenden Jule Bauer und als Verstärkung Knud Seckel ablief. Die Musik von Triskilian ist mit Mittelalterlicher Weltmusik schon sehr gut beschrieben, da man sich neben historischem auch von orientalischer und eurasischer Musik inspirieren lässt und sich neuerdings auch nicht scheut mit elektronischer Musik zu experimentieren. Man kann wirklich gespannt sein, wo die Reise der Band noch hinfährt. Da ist sicher noch einiges zu erwarten in der Zukunft. Aber schon jetzt kam die Musik, egal ob instrumental und gesungen sehr gut an.

Versengold

Eines der absoluten Highlights eines jeden Festivals, so auch in Selb, ist die ,Mittelalter Partyband, Versengold. Völlig egal, dass der Regen wieder stärker wurde, bei Versengold vergisst man alles um sich herum und ruhig stehen geht eh nicht. Und schon nach wenigen
Takten geht die Schlossbühnen-Mediaval-Party ab. Versengold, das Festival Mediaval und das Publikum, das passt einfach und gehört zusammen und so wurde es sicher auch für die Jungs aus dem Norden, die ausgerechnet in diesem Jahr bei ihren Auftritten im Süden immer ziemlich schlechtes Wetter hatten, eines der Highlights des diesjährigen Konzertkalenders. Es hat auch schon eine ganz besondere Qualität, wenn der ganze Platz vor der Bühne ganze Textzeilen allein singt, während die Musiker strahlend auf der Bühne das Treiben beobachten. Und so waren die Jungs auch ziemlich traurig, dass sie relativ schnell 460 Kilometer weiter zum MPS mussten. übrigens, wer mal sehen will, wieviel Spaß das Publikum beim Auftritt von Versengold hatte, dem sei Folge 11 des Tourtagebuchs der Band auf ihrer Homepage empfohlen. Da kann man dann auch erfahren, dass Pinto einen wirklich gesunden Schlaf hat und wie Selbs Wahrzeichen, die Porzellankaffeekanne auf dem Kreisverkehr aus dem Bandbus bei Regen ausschaut. Klasse Auftritt, große Show, hoffentlich bald wieder.

Rapalje

Die Irish-Folk Band aus den Niederlanden passt mit ihren Traditionals aus Irland, Schottland, England und den Niederlanden und eigenen Songs genial zum Festival Mediaval. Und Was wollen wir trinken 7 Tage lang klingt mit Wat zullen we drinken zeven dagen lang ja auch in Holländisch richtig schön. Die in Kilts gekleideten Musiker machen mächtig was her und wenn Bandmitglied William die Stimme erhebt, dann hat das echt Gänsehautfeeling. Kein Wunder, dass sich der Platz auf der Burgbühne nach dem furiosen Versengoldauftritt schnell fällte und immer mehr Leute von der schönen Musik angezogen wurden. Nach der rauschenden Party zuvor ging es nun etwas ruhiger zu, aber deshalb nicht weniger schön.

Saor Patrol

Nach dem letzten Konzert des Tages auf der Burgbühne hörte man schon von weiten die mächtigen Drums von Saor Patrol die die Menschen auf die Schlossbühne lockten. Die Band, die erstmals beim Festival Mediaval dabei war, konnte mit ihrem furiosen Auftritt viele neue Fans gewinnen. Vor allem auch Dank der Drums, die zwar nicht ganz die Qualität von Wadokyo haben, aber ebenfalls wirklich ein gewaltiges Spektakel veranstalten und unverzichtbarer und wichtigster Bestandteil der Instrumentalmusik von Saor Patrol sind. Die Schotten aus Kincardine spielen ihre fast ausnahmslos eigenen Stöcke neben den Trommeln noch mit Great Highland Bagpipe und E-Gitarre. Alle Bandmitglieder gehören zum Clanranald Trust for Schottland, einer gemeinnützigen Organisation. Und so sind die Schotten ähnlich wie die Blues Brothers, die im Namen des Herrn unterwegs waren im Auftrag Schottlands unterwegs mit dem Ziel die Schottische Kultur zu erhalten und zu verbreiten. Dies versucht man auch mit dem Nachbau eines mittelalterlichen schottischen Dorfes, dass die Band finanziell kräftig unterstützt. Bemerkenswert übrigens, dass Charlie Allan das Dudelsackspielen autodidaktisch erlernt hat, er ist ein großartiger Dudelsackspieler geworden. Da Schotten ja auch extrem gastfreundlich sind, sogar zu Niederländern (hehe) durfte Rob van Barschot, im Hauptberuf Omnia Trommler während des Konzerts auch mal ran und hatte mächtig Spaß am Trommeln mit Saor Patrol, die beeindruckend zeigten, dass nicht immer gesungen werden muss, um für Stimmung und gute Laune zu sorgen.

Adam Hurst

Als regelmäßiger Festival Mediaval Besucher, weiß man, dass die Theaterbühne zwar Theaterbühne heißt, ein Name, der für das was geboten wird aber eher schlecht gewählt ist. Entertainbühne wäre zutreffender, denn Theater ist nur ein kleiner Teil des vielfäligen Angebots an den 3 Tagen. Und schwerpunktmäßig wird musiziert. So auch von Adam Hurst aus Amerika, der als Special Guest schon fast mehr durch Zufall noch ins Lineup gerutscht ist. Und der mit seinem Cello und den Samples einen absoluten Kontrast zum kompletten Musikprogramm des Tages auf den anderen Bühnen setzte. Völlig in seiner (Musik-) Welt eingetaucht saß er da auf der Bühne, das Publikum überhaupt nicht wahrnehmend und entlockte dem Cello die melodischsten Töne. Allerdings mit der dem Cello anhaftenden Traurigkeit. Ein Partyinstrument kann auch ein Adam Hurst nicht daraus machen. Die Musik mit Einflüssen aus Indien, den Mittleren Osten , Osteuropa, als auch dem Keltischen nicht zu vergessen Amerikanische und Latin-Einflüsse, ist auch als Musik für Soundtracks sehr gefragt und mit inzwischen 14 verüffentlichten Cds hat der Mann auch schon einen gewaltigen Musikkatalog aufgebaut.
Ein wirklich sehr spezieller Vortrag ohne Frage, aber auch Dank des großartigen Lichts mit dem man Adam Hurst in Szene setzte und dem guten Sound absolut einen Besuch wert. Und auch wenn der Amerikaner noch so introvertiert und in sich gekehrt wirkte, so war er alles andere als kontaktscheu und es macht wirklich viel Spaß sich mit dem außergewöhnlichen Musiker zu unterhalten. Ein echter Farbtupfer eines mit Highlights gespickten Festivals

Johnny Robels

Auch Dr Jeckyl und Mr Hyde in der Person von Jonny Robels muß man erlebt haben. Denn gerade ihn gibt es mit 2 musikalisch unterschiedlichen Gesichtern. Auf der einen Seite dem Barden mit der Harfe im Stil eines Alan Stivell, seines großen Vorbilds und dann die andere Seite mit extrem witzigen Texten moderner Songs als Spaßvogel. Beides am Wochenende zu erleben, am Freitag wanderte er erstmals auf der Theaterbähne auf den alten Pfaden der keltischen Barden, wie es so schön im Programmheft heißt. Robels der äbrigens so ganz nebenbei seine Instrumente auch noch selbst baut singt in Deutsch, Englisch und auch in Gälisch und Bretonisch und komponiert auch selbst, zum Teil in Bretonischer Sprache. Als ehemaliges Poeta Magica Mitglied hat er es selbst, im Gegensatz zu seiner alten Band, aber bisher noch nicht nach Selb geschafft und ist an dem Wochenende zu einem großen Fan des Festivals geworden. Wie auch viele Besucher von ihm, die auch die spaßige Seite des vielseitigen Künstlers kennenlernen und schätzen lernten. Und so sprach er mit dem großartigen Harfencover „Ich muss nur noch kurz mein Zelt retten“ nicht wenigen aufgrund des Regenwetters aus der Seele
Er, der mit seiner humorvollen Seite gerne die Mittelaltermärkte und Szene und seine Besucher etwas aufs Korn nimmt ist eine echte Bereicherung und kommt hoffentlich bald wieder nach Selb. Und wie sagte er so schön, er ist ein echt glücklicher Mann. Er darf noch einmal die Dublin Legends sehen und wird dafür sogar bezahlt.

Fangdorn

Ein absolutes Erlebnis war ohne Frage die Fangdorn Vorstellung weit nach Mitternacht. Der letzte lebende Drache der Welt, hatte zwar wie schon erwähnt große Probleme sich durch den Matsch zu kämpfen, was dazu führte dass am Wochenende vieles nicht so ablaufen konnte wie geplant. Aber auch so, war es wirklich noch sehenswert genug, den Drachen Feuer spucken zu sehen und ein gewisser Grusel ist nicht zu verleugnen wenn auf einmal einer der gegen ihn antretenden Kämpfer Feuer fängt und brennend davonrennt.
Und das ganze Schauspiel mit den Tänzerinnen und einem tollen finalen Feuerwerk war ein beeindruckender Schlusspunkt eines ersten Festivaltages, bei dem das Wetter wirklich zur Nebensache wurde und der unbändigen Lust auf die nächsten 2 Tage machte, so dass es gar nicht so einfach war bei so vielen Eindrücken und mit der Vorfreude in den Schlaf zu finden.
Damit wollen wir es mit dem ersten Tag mal gut sein lassen, wissend dass es noch soviel zu berichten gibt wie z.B. was am Piratenfloß geboten war, was die Bühne auf dem Handwerkermarkt und Handelsmarkt an Programm hatten, wie die Raubvogelshow ankam, was sich im Workshopbereich tat usw. Ehrlich gesagt ich hab keine Ahnung, man kann leider nicht überall gleichzeitig sein, leider.

Der Samstag

Wer schon einmal ein Festival Medival besucht hat, der weiß genau, dass es sich lohnt am Samstag und Sonntag früh aufzustehen und dem „Wettbewerb um den Goldenen Zwerg“ beizuwohnen. Denn Jahr für Jahr bietet der Sangeswettbewerb um den Mediaval Award ein erstaunlich hohes Niveau, nicht selten finden sich richtige musikalische Perlen darunter. Es sei nur an Bands wie Omdulö, Vroudenspil, Elmsfeuer und Winterstorm erinnert, die nicht nur den begehrten Zwerg gewinnen konnten, sondern im Jahr darauf bei ihrem Auftritt, der neben dem Zwerg als Gewinn winkt, die Zuhörer total begeistert haben.
Und auch in diesem Jahr war das Niveau in der Kategorie Spielmann und am Sonntag in der Kategorie Mittelalterrock sehr hoch. Aber sehr oft, auch in diesem Jahr sind die Gewinner einfach hörbar noch einen Tick besser als die starke Konkurrenz. Die sich diesmal in der Kategorie Spielmann nur auf die Bands The Celtic Gobshites und Hillarious beschränkte. Warum der im Programmhefrt angekündigte Minnesänger Richard von Minnesang mit Abwesenheit glänzte, kann ich leider nicht sagen. Aber ärgerlich ist es allemal, schon allein für das Publikum, die gerne noch einen dritten Wettbewerbsteilnehmer erlebt hätten. Aber auch für viele andere Bands/Sänger-innen, die ebenfalls gerne am Wettbewerb teilgenommen hätten. So gab es aber einen hörenswerten Zweikampf zwischen dem späteren Gewinner The Celtic Gobshites und Hillarious zu erleben.
The Celtic Gobshites aus Berlin, die mit Bodhránspieler Markus Pede aus Lichtenfels auch einen Oberfranken in ihren Reihen haben, erwiesen sich schon bei der Vorstellung der Band als äußerst witzige Truppe und glänzten in der Folge mit einer bunten Mischung aus Irish Folk, Celtic Folk und Singer-Songwritersongs. Mit Susanne Mahl aus dem Vogtland und dem Engländer Andy Beck haben sie zwei starke Stimmen zu bieten und spielen neben traditionellem Liedgut wie das allseits bekannte Whisky in the Jar auch weniger Bekanntes und Eigenes. Und brachten eine gut besuchten Theaterbühne damit schon am frühen Morgen zum wippen und tanzen.
Und jeder, der zu faul zum auftstehen war und sie verpasst hat, darf sich zurecht ins Achterdeck beißen, aber zumindest aufs nächste Jahr freuen, wo man sie dann eine Stunde lang erleben kann und das wird nach allem was man am frühen Samstag gehört und gesehen hat, ein klasse Konzert werden. Jede Wette.
Aber auch Hillarious konnten wahrlich überzeugen. Davon zeugt schon allein trotz so früher Stunde die große Publikumsmenge, die auch an Hillarious und ihrem, wie sie es so schön bezeichnen, Irish Sheep Folk mächtig Spaß hatten. Die traditionelle irische Folklore mischt man gekonnt mal mit etwas Reggae, mal mit etwas Ska und Rock und fertig ist ein höchst hörenswertes Gebräu, das mindestens so gut mundet wie ein kaltes irisches Guiness. Und so machten auch ihre Balladen, Trink und Rebellenlieder sehr viel Spaß.

Impius Mundi

Den hatte auch Impius Mundi, die Zwergengewinner der Kategorie Mittelalterrock vom letzten Jahr. Die hatten dem weiblichen Zwerg einen BH um die goldene Brust verpasst und machten genau da weiter, wo man 2013 in Selb aufgehört hatte, mit Spielfreude die Bühne rocken. Mit Liedern voller Lebensfreude, von Festen, wilden Schlachten aber auch der Pest und dem Tod handelnd brachte man Bewegung ins Goldbergvolk und präsentierte Songs der inzwischen aus 2 CDs bestehenden Diskographie. Dabei verstehen sie es aber nicht nur in In Extremo-Manier loszupreschen als gebe es kein Morgen mehr oder sich bis zum Umfallen zu verausgaben, sondern sie schaffen auch den Spagat zu sanfteren und nachdenklicheren Weisen.
Partymachen, mitgröhlen und Augen zu machen und genießen, bei Impius Mundi alles kein Problem und daneben gibts bei den Niedersachsen auch noch Action auf der Bühne. Livemusik macht einfach Spaß, Impius Mundi auch.

PurPur

Christine und Judith bzw. Gabria und Leonora gehören zum Festival Mediaval, wie die 3 Hauptbühnen, wie der Handwerkermarkt, die Fressmeile, Hajo der Bettler oder Beatrice Baumann. Sie sind quasi Inventar, es würde etwas Unersetzbares fehlen. Und im Fall der Zwillinge sind es neben dem alljährlichen Ratespiel wer nun wer ist die tollen Stimmen der beiden, die den größtenteils aus Eigenkompositionen bestehenden wie sie selbst so schön sagen instrumental purpuristischen Mittelalter-Fantasy-Zwillings-Folk so hörenswert macht. Und genauso beharrlich, wie sie sich verweigern sich optisch deutlicher voneinander zu unterscheiden, so ausdauernd sind sie darin Jahr für Jahr das zahlreiche Zuhörervolk mit ihren Liedern zu verwöhnen, egal ob auf der Burgbühne, der Theaterbühne oder sonst wo am Gelände. Sie sind sehr zur Freude vieler Besucher mehrmals im Einsatz und bezaubern als Duo PurPur immer wieder.

Firkin

Die Ungarn Firkin sind sicher eine der ganz großen Überraschungen des Wochenendes. Nicht nur, dass sie irische Musik der schnelleren Art im Sinne der Pogues, der Dropkick Murphys oder von Flogging Molly, die sofort ins Ohr geht, präsentierten, auch die eingespielte spielfreudige Band macht mächtig Spaß.
Und mit Barna Marthy hat man einen charismatischen Sänger nicht nur auf, sondern sogar vor der Bühne als er schnell mal mit dem Hut sammeln geht. Nicht zu vergessen natürlich die hübsche Lili Virag, an der Violine, die besonders die männlichen Blicke auf sich zog.
Die Wacken erprobte Band war eine echte Entdeckung am Samstag.

Pampatut

Über Holger Hoffmann Hopfenstreich und Max von Gluchowe braucht man eigentlich keine Worte mehr verlieren. Die zwei die weder Ritter, Tod noch Teufel fürchten, ganz wie der Titel des von ihnen veröffentlichten Buches, fürchten sich auch nicht von mehr oder weniger spontanen Äußerungen des Publikums. Ganz im Gegenteil,
egal ob man sie auf der Burgbühne, der Theaterbühne oder auf der Bühne am Handwerkermarkt erlebt, etwas Lustiges fällt ihnen immer ein. Sprachlos hab ich die zwei noch nie erlebt und je mehr Interaktion mit dem Publikum möglich ist, desto mehr laufen sie zur Hochform auf.
Sehr zur Freude des immer zahlreich vertretenen Publikums. Und auch wenn dann schon mal das Musikprogramm etwas zu kurz kommt. Aber das kann man locker verschmerzen, Pampatut sind die Allzweckwaffe gegen jegliche Art von Depressionen wie Wetterdepression, Herbstdepression, Winterdepression oder Mittelalter-Schlager-
depression. 5 Minuten Pampatut und man ist gut drauf, ganz ohne Pillen oder Drogen. Wer braucht die schon, wenn es Pampatut gibt. Und mit Timmi am Schlagzeug hat man noch einen Mitmusiker gefunden der immer witziger und spontaner Pampatut langsam zum grandiosen Trio macht.

Woodland

Wenn man seine Lachmuskeln grade wieder so halbwegs geordnet und sich nach Pampatut auf der Schlossbühne versammelt hat, nehmen einen die Amerikaner von Woodland in ihre musikalische Traumwelt mit. Um die Celloklänge von Ausnahmecellisten Adam Hurst verstärkt, erlebt das Publikum in Selb eine tolle amerikanische Band die übrigens gar nichts mit der Lübecker Death Metal Band gleichen Namens zu tun hat. Das musste auch ein Death Metal Fan erkennen, der sich auf andere Klänge eingestellt hatte. Aber vielleicht konnte auch er den folkigen Fantasyklängen der Band einen gewissen Reiz abgewinnen. Viele Besucher auf alle Fälle, das zeigte sich danach am Merchandise, sehr zur Freude der Band, die völlig von der Nachfrage überrascht und sehr glücklich waren, den weiten Weg aus Amerika nach Selb auf sich genommen zu haben um beim Festival Mediaval dabei zu sein.

Schagai

Bereits zun zweiten Mal durfte Schagai das Festival Mediaval rocken. Das Mongolenprojekt von Marcus van Langen fetzt, auch wenn die mongolischen Klänge der Pferdekopfgeige, der mongolischen Oboe und des Hackbretts in Kombination mit Schlagzeug und E-Gitarren schon etwas gewöhnungsbedürftig sind, genauso wie der Ober- und Untertongesang der Mongolischen Rasselbande, zu denen sich im Laufe der Show auch noch mit Lauren Weser und Peter Pagany 2 Lockvögel gesellten. So exotisch wie sich das jetzt liest und so exotisch wie sich das vielleicht zeitweise anhörte, Schagai fetzten ohne Frage und machen auch optisch gewaltig etwas her. Auch wenn Marcus von Langen trotz aufgeklebtem Mongolenbart nicht wirklich als Orginalmongole sondern eher als orgineller Mongole durchgeht.

Cara

Eine der absoluten Publikumslieblinge des Festivals Mediaval 2013 waren Cara und auch 2014 kam die Deutsch-Schottisch- Irische Folkband wieder großartig an. Gudrun Walther, Gründungsmitglied und laut der deutschen Fachzeitschrift Folker „best fiddler on scene“ fühlte sich sichtbar wohl mit dem Mediaval Publikum und die mit der Band Cara, die auch den Musikern von Omnia viel Freude machten. Soviel, dass sie ihnen dann später sogar ein Lied widmeten. Kein Wunder, dass Cara inzwischen als Deutscher Musikexportartikel auch international sehr gefragt sind. Egal ob Instrumentalnummer oder, Dank zweier erstklassiger Sängerinnen, Songs mit Text. Cara, die Pipes und Flöten machen einfach auch 2014 gewaltig Spaß. Handgemachte Musik die mitreisst und trotz gewaltiger paralleler Konkurenz mit Knud Seckel, PurPur und der Fangdorn Show die alle gleichzeitig auftraten, viele Leute anlockte.
Aber auch beim Drachen war gewaltig viel los, die Leute standen in Dreier- und Viererreihen um den feuerspuckenden Drachen zu erleben. Allerdings machte der Nachts mit den Feuerkünstlern und dem Feuerwerk noch deutlich mehr her.

The Rapparees

Gleich nach Cara gabs im Rahmen des Irish-Scottish Specials mit den Rapparees aus Irland eine Orginal Irische Folkband, die sich schon voller Vorfreude mit dem einen oder anderen Bierchen die Zeit von München nach Selb vertrieben hat (Ausnahme natürlich der Fahrer), wie man ihrer Homepage entnehmen konnte. Als Rapparees bezeichnete man übrigens die irischen Rebellen, die im 17. Jahrhundert der englischen Krone schwer zu schaffen machten. Und so ist es deren Geist, der sich in den Rapparees -Sound wiederfindet. Mit Banjo, Fiddle, Bodhran, Bouzouki, Gitarren und E-Bass und den Stimmen aller Musiker glänzten die Iren auch in Selb. Das Publikum lies sich gerne auf eine Reise in die faszinierende musikalische Welt des Irish Folk mitnehmen oder genoss etwas weiter weg bei einem Met oder Bier das Geschehen auf und vor der gutgefüllte Burgbühne und stimmte sich auf eine der beiden absoluten Konzerthighlights des Tages ein. Erst der nun anstehende Omnia Gig und dann Subway to Sally.

Omnia

Für Omnia ist das Festival Mediaval trotz vieler Konzerte und den ganzen MPS Auftritten in diesem Jahr immer ein ganz besonderes Konzert. Und so legte man die Woche Urlaub einfach in die Umgebung von Selb, fotografierte sich und die Pilze im Wald, nutze die Zeit um Rob eine neue Frisur zu verpassen, musizierte am Lagerfeuer und probte auch kräftig für das Konzerthighlight des Jahres.
Vor allem auch den Song, den es dann als Dankeschön erstmals live zu hüren gab. Und wie in Selb üblich gab es mit Kelvin Kalvus und Yuyla Kholeva auch wieder 2 Künstler, die den Omnia Auftritt optisch bereicherten. Und im Vergleich zum großartigen Schlosshof-Gig waren die Holländer mit ihrem neuen Gitarristen Satrya Karsono noch dynamischer und sprühten nur so vor Tatendrang. Und als kleines Dankeschön an das tobende Publikum flogen dann noch ne CD und Shirts ins Publikum und man bedankte sich mit einer extra langen Autogrammstunde am nächsten Tag, so dass auch wirklich jeder der ein Autogramm oder ein persönliches Foto wollte dies auch wirklich bekommen konnte. Schön, dass man Omnia auch im nächsten Jahr erleben kann, die lustigen Holländer sind fär das Festival einfach unverzichtbar.

Irishsteirisch

Irishsteirisch waren sicher im Vorfeld die am meisten diskutierte Band im Lineup. Eine ästerreichische (Volks-) Musikband bei einem Mittelalter-Festival, das verwundert. Und auch wenn das Ziel Irische Klänge mit Steierischem (Volks-)Folk zu verbinden und Fiddle mit Harmonika zu kombinieren den einen oder anderen einen weiten Bogen um die Burgbühne machen lies, viel los war beim Auftritt der österreichischen Sympathieträger auf alle Fälle. Und es wurden im Laufe des Auftritts immer mehr und viele hatten auch richtig Spaß an den ungewohnten Klängen aus Österreich. Und so wurde einmal mehr der Mut der Festivalmacher belohnt auch ungewohnten Klängen ein Forum zu geben.

Subway to Sally

Wenn es um Nekrophillie, also eine Sexualpräferenz, die auf Leichen ausgerichtet ist, geht, wie im Song Schwarze Seide thematisiert, dann kann nur Subway to Sally auf der Bühne stehen die uns die düsteren Mördergeschichten von Mitgift dem Konzeptalbum und neuesten Werk der Band präsentierten. Und das tut man auch optisch durchaus beeindruckend mit einem überdimensionalen Gitterkäfig hinter dem ein blendend aufgelegter Eric Fish mächtig Spaß am performen beim Festival Mediaval hat. Das Übertrug sich auch sofort aufs Publikum. Auch wenn Frau Schmitt eigentlich just an jenem Tag ihre Hochzeit geplant hatte und sie wegen dem Festival noch einmal verschieben musste, selbst sie hat es bestimmt nicht bereut so begeistert wie das Publikum Subway feierte. Aber auch zurecht, die Band hatte einen Glanztag erwischt und das auch noch bei bestem Konzertlicht, das den Zuschauern ermöglichte das Geschehen auf der Bühne und die Musiker auch mal von weiter hinten zu sehen. Ich kann mich an kein Subway Konzert mit so gutem Licht erinnern.
Wirklich ein toller Auftritt auf einer beeindruckenden Bühne mit einer Setlist in der großartige neuen Song wie zum Beispiel Arme Ellen Schmitt genauso ihren Platz haben, wie Klassiker ala Maria oder Sieben. Furios.

Die Session der Spielleute

Auch in diesem Jahr ging der Samstag mit einer Session der Spielleute zu Ende. Unter anderem mit der kompletten „Des Teufels Lockvögel“ Besetzung, mit Mitgliedern der „Pyrates“ und den „Celtic Gobshits“. „Knut Seckel“ konnte man in der Meute genauso entdecken wie z.B „Johnny Robels“. Und dann wurde losgejammt, ne nette Idee aber so richtig Stimmung kam trotzdem nicht auf. Zu wild ging es durcheinander mit Ton und so manch anderen Problemen. Nicht wirklich gelungen, leider und wer nach Subway selig das Gelände verlassen hatte der hatte nicht wirklich etwas verpasst und etwas Schlaf gewonnen galt es doch zum Wetbewerb wieder pünktlich da zu sein.

Der Sonntag
Der Kampf um den Goldenen Zwerg mit
Narrator

Morgenstund hat Gold im Mund sagt ein altes Sprichwort und meint damit, dass es sich lohnt früh aufzustehen. Beim Festival Mediaval 2014 hat sich dies auf alle Fälle bewahrheitet. Punkt 10 Uhr gabs bereits auf 2 Bühnen parallel sehens- und hörenswertes zu erleben. Zuerst aber zum Kampf um den Goldenen Zwerg in der Kategorie Mittelalterrock mit Narrator, eine Folk-Metal Band aus der Schweinfurter Ecke, die mit Flöten und Sackpfeifen, Gitarren und Drums die Lebensgeister der zahlreichen , aber noch etwas verschlafen wirkenden Besucher wieder zu erwecken versuchte. Dies gelang auch problemlos, haben die „Erzähler“ mit Songs aus ihrer EP Von Kreaturen und Kriegern doch so einiges zu erzählen. Wer die Band verpasst hat, kann dies übrigens beim diesjährigen Tanzt! nachholen, da werden sie dann München sicher ähnlich aufmischen, wie die Theaterbühne am Goldberg.

Krayenzeit

„Wir sind erwacht“, die Textzeile von Krayenzeit passte perfekt zum Auftritt der Band, die immer mehr erwachte Besucher vor die Bühne locken konnte. Krayenzeit haben ebenfalls durchaus „Metal“ im Blut, ihre Musik ist aber vielschichtiger, da hat eine akkustische Ballade genauso Platz im Programm, wie Folkrock und folkloristische Einfüsse. Ein Gemischtwarenladen der durchaus Spaß beim Zuhören bringt.

Carpe Noctem

Wenn nach zwei überzeugenden Bands der dritte Teilnehmer loslegt und man sich bereits nach dem ersten Song sicher ist, es kann nur Carpe Noctem den Zwerg gewinnen, dann muss schon eine ganz besondere Truppe auf der Bühne stehen. Und das sind die Jungs wirklich, die im Jugendorchester Jena erste musikalische Gehversuche starteten. Zu 2 Cellos und Kontrabass kamen, E-Bass, Drums und die Geige dazu, Carpe Noctem haben ihre Idealbesetzung gefunden und starteten damit ihren Großangriff auf den Zwergensieg. Und der war so dermaßen nachhaltig, das sie nicht nur den Zwerg und einen Auftritt im nächsten Jahr gewinnen konnten, sondern es auch eine der sehenswertesten und erlebenswertesten Konzerte des gesamten Festivalwochenendes wurde. Und das wohlgemerkt ohne Gesang, mit faszinierdem, wie sie selbst sagen, String Metal, eine Mischung aus Klassik, Rock und Metal. Eigenständig, eingängig, fetzig und absolut faszinierend. Martin, Sascha, Daniel, Cornelius und Friedel müssen sich wirklich ziemlich dämlich anstellen, wenn sie damit nicht unglaublich erfolgreich und bekannt werden würden. Die Finnen haben Apocalyptica, in Deutschland gibt es Carpe Noctem und die Finnen dürfen sich warm anziehen. Man sollte sich deshalb auch schon heute dick im Kalender fürs Festival 2015 den Namen Carpe Noctem schreiben, es wird sicher auch 2015 eines der absoluten Festivalhighlights werden. Chapeu Jungs.

Saitenweise und Brigandu

Sarah Krause und Michael Höfer muss man echt hoch anrechnen, dass sie im letzten Jahr nach ihrem knappen Spielleute-Award Sieg 2013 angekündigt haben 2014 mit den knapp unterlegenen Brigandu aufzutreten. Sie hielten Wort und so konnte man sich auch 2014 an beiden Bands erfreuen, die als Saitenweise und Friends um 10:00 auf der Schlossbühne aufspielten und während des Auftritts ziemlich überrascht über die lange Spielzeit wirkten. Hatte man sich doch auf nur 45 Minuten eingestellt. Die 15 Minuten mehr zu Füllen war aber genauso wenig ein Problem wie das gemeinsame Musizieren. Das ging ganz spontan und unkompliziert und während Brigandu gerade spielten kann man dies ja auch schon mal für eine Zigarettenpause nützen und den Kolleginnen beim musizieren zuhören.
Saitenweise prääsentieren bereits seit 2004 mit Lautenklang zweistimmig (Zitat Homepage:) Verliebtes und Verlorenes, Fröhliches und Anzügliches, Selbstgeschriebenes und Gestohlenes. Absolut hörenswertes fehlt in der Aufstellung noch, zum Glück gibt es inzwischen auch eine CD mit Songs der beiden und die ist echt toll geworden. Vor allem zwei Songs, die es auch live zu hören gab , muss man echt gehört haben und wird sich sehr schnell in die Songs verlieben. Die vergessenen Kinder mit seiner Söldnerthematik ist gerade in der heutigen Zeit wieder topaktuell und der Refrain „Wir haben den Krieg nicht gebracht, doch hat er uns gemacht“ will einen nicht mehr aus dem Kopf gehen. Genauso wie „Feiere Dein Leben“ eine Lebensbejahende Hymne, der Soundtrack des Lebens schlechthin. Vom Leben geschafft? Einfach mal feiere dein Leben anhören und darüber nachdenken.

M & M sind nicht nur eine süße Versuchung für den Gaumen, sondern Miriam und Miriam (M&M) als Brigandu auch fürs Ohr und es ist Miriam 1 wirklich zu wünschen, dass es ihre Krankheit zulässt noch ganz lange mit Miriam 2 auf der Bühne zu sein. Zwei die sich großartig verstehen und musikalisch ihrer Liebe für keltische und nordische Lieder und Tänze auch in Selb eine Stimme geben, da jedoch ganz pur, nicht wie sonst mit ihrem Percussionisten verstärkt . Etwas Trommelunterstützung gab es dafür vom Tanzebom-Trommler
Und so hatte das Publikum die Gelegenheit neben den großartigen 2 von Saitenweise auch wieder die musikalische Welt der symphatischen Musikerinnen mit dem gleichen Vornamen kennen zu lernen.

Irdorath

Das absolute Kontrastprogramm gab es dann auf der Burgbühne zu erleben. Aber nicht die österreichische Trashmetal Combo gleichen Namens, sondern die Folkband mit der süßesten Zahnlücke des Festivals 2014 aus Minsk in Weirußland. Keine Ahnung wo die Macher des Festivals die wieder ausgegraben haben, die Weißrussen und ihre hochattraktive Sängerin waren eine echte Bereicherung des Festivalprogramms. Auch wenn der sicher noch die eine oder andere Gesangsstunde hilft noch besser zu werden. Das Fantasy Mediaval Show Projekt ist ein echter Hingucker, nicht nur wegen der Leadsängerin im sexy Outfit. Und auch die Instrumentierung mit Dudelsack, Bouzouki, Digeridoo in Verbindung mit Keyboard macht richtig Spaß, von den Texten versteht man aufgrund fehlender Russischbildung natürlich eher nichts. Das tut dem Spaß Irdorath aber keinen Abbruch, eine echte Entdeckung diese weißrussische Band, die man hoffentlich bald mal wieder irgendwo in Deutschland erleben kann. Auch Didgespieler Daphyd Sens von Omnia hätte sicher daran seine Freude gehabt, wäre die Schlafmütze mal rechtzeitig aus dem Bett gekommen. Aber so ist es halt beim Festival Mediaval, es sind nicht nur die Headliner, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Tibetrea

Tibetrea sind eine Deutsche Folk Band aus Geretsried bei München und ihr Name ist aus den Vornamen der Bandgründerinnen Bettina Baindl und Andrea Bannert entstanden. Mit ihrem Fantasy Folk sind sie keine trypische Mittelalterband, sondern es finden sich genauso Lieder indianischen Ursprungs wie die Vertonung altdeutscher Texte im Programm. Und genauso beeindruckend wie die Sprachenenvielfalt mit denen man die Lieder singt angefangen von Altägyptisch, Altenglisch, Altisländisch, Bretonisch, Kroatisch, Lettisch, Schwedisch bis zu Maori und den Cree Indianern um nur einige zu nennen, genauso beeindruckend ist das Instrumentarium mit Schalmeien, Flöten, Harfe, Harmonium, Cister, Djembe, Cajon usw.
Und damit das ganze nicht zu klassisch wird hat man neben dem Gassenhauer Herr Mannelig in einer sehr reizvollen Version als echtes Highlight noch einen ganz besonderen Unterhaltungskünstler auf die Bühne gebracht, der unter anderem als betrunkener Seemann die Lacher auf seiner Seite hatte.

Tunichtgut

Tunichtgut stammen aus Sangershausen in Sachsen-Anhalt und sind mit ihrer Art Folkmusik gerngesehene Gäste auf Weltmusikfestivals, weil sie sich mit ihrer Art Musik nicht nur auf den Irishfolk, auch wenn sie den besonders schätzen, beschränken sondern auch Schwedische und Französische Tänze sowie keltische Balladen im Programm haben. Und so zielt die Musik, wie so schön in der Anmoderation gesagt auf Herz, Hirn und Hose. Und auch um Sauf- und Trinklieder machte das Trio keinen Bogen.

The Fretless

Wie Tunichtgut waren auch the Fretless aus dem Kanadischen Vancouver Island ein Programmpunkt im Rahmen des Irish Schottisch Specials. Die relativ junge typische Kanadische „Fiddle Band“ wurde bereits mehrfach für ihr Debütalbum „Waterbound“ ausgezeichnet u.a. als Instrumenal Album of the Year und beim Kandischen Folkmusikaward als Band des Jahres. Hochdekoriert konnten die Kanadier auch in Selb unter Beweis stellen, wieso man sich in einer so kurzen Zeit bereits so einen guten Ruf erspielen konnte.

Mr. Hurley und die Pulveraffen

Eine große Kulisse gabs beim Auftritt von Mr Hurley und seine Pulveraffen, bei denen sexy Ms Ivy Cox leider diesmal nicht mit dabei war. Dafür hat man aber glücklicherweise durch die Pyrates Unterstützung erhalten, und die Pyrates-Maus konnte ihr Achterdeck auch genauso gekonnt schütteln wie Ms. Cox. überhaupt scheinen sich die beiden Bands eh sehr gut zu verstehen, da taucht schon mal ein Pyrate-Leichtmatrose auf der Bühne auf oder einer läuft während des Konzertes im Graben auf und ab und macht die Pyrates CD hochhaltend Werbung für die Pyrates CD. Werbung in eigener Sache machte auch Mr Hurley mit einem ganz starken Auftritt unter fleißiger Mitwirkung des Publikums das man schnell auf seine Seite gezogen hatte. Denn trotz erstaunlich wenig echten Mr Hurley Fans (im Gegensatz zum Feuertanz Festival) kochte die Stimmung auch in Selb sehr schnell hoch. Kein Wunder bei den Mr. Hurley Gassenhauern wie Blau wie das Meer, Geißel der See, Piratenbraut oder Komm zur Marine.
Auch Dank des Talents der Band, ihr Publikum zu bespaßen und zum mitmachen zu motivieren.
Der Grog`n`Roll der Piraten geht auch bei den Nichtpiraten übers Ohr sehr schnell ins Bein und funktioniert auch ohne entsprechend hohe Promillewerte verdammt gut. So gut und mit einem so unglaubluch großem Publikumszuspruch, dass man die Osnabrücker Brüder hoffentlich auch im nächsten Jahr in „Monkey-Selbland“ wieder abfeiern darf. Daran geht nach der Vorstellung 2014 eigentlich kein Weg vorbei. Und schon gleich wenn das am 14. November erscheinende Album Plank Rockt genauso fetzt, wie die 2 bisherigen Scheiben der geilen Piratenband bisher.

Folk Noir

Ein absolutes Highlight des Wochenendes war ohne Frage auch der Auftritt von Folk Noir. Das Zweitprojekt von Faun Bandchef Oliver Pade, der den Faun-Drehleierspieler Stephan Groth mitgebracht hatte, hat sich aus einem 2-Mann Unternehmen inzwischen zu einem absolut sehenswerten und beeindruckenden Live-Act weiterentwickelt. Und das liegt vor allem und gerade auch an der weiblichen Stimme von Folk Noir Kaat Geevers, ein blonder Engel am Mikrofon mit großartiger Stimme und gewaltig Charisma, die den düsteren Balladen und altenglischen Folksongs Leben einhauchte. Das funktioniert in Verbindung mit Oliver Pades Stimme ausgesprochen gut und die gewohnt kurzweilig unterhaltsamen Ansagen machen Folk Noir zu einem Bandprojekt das beste Unterhaltung garantiert. Umso trauriger, dass der Auftritt in Selb die Abschiedsvorstellung von Kaat Geevers war, wie man gleich danach auf Facebook lesen musste. Es steht einem sicher nicht an, interne Bandentscheidungen zu kommentieren, das ist ohne Frage Sache der Musiker, objektiv gesehen ist das trotzdem eine Katastrophe, Kaat wird bei dem Talent sicher auch ohne Folk Noir ihren Weg gehen, ob man dies auch für Folk Noir ohne seine weibliche Stimme sagen kann, darf erst mal zurecht bezweifelt werden. Wirklich sehr sehr schade.

Niamh Ni Charra

Die Irin Niamh Ni Charra aus Killarney durfte auf der Burgbühne die Lichter für das Jahr 2014 ausmachen, war es doch das letzte Konzert überhaupt auf der zweitgrößten Bühne des Festivalgeländes und das vorletzte im Rahmen des Irish Scottish Specials. Bereits mit 4 Jahren begann sie Musik zu machen und stand als Teenager mit den schon legendären Chieftains auf der Bühne. Um möglichst unabhängig zu sein, studierte sie Elektrotechnik, die Liebe zur Musik war trotz Abschluss mit Auszeichnung aber größer und nach einigen Jahren als Riverdance Mitglied konnte man sie in Selb mit ihrer eigenen Band erleben. Und da überraschte sie das Publikum neben ihren musikalischen Qualitäten mit guten Deutschkenntnissen, einem extrem gewinnenden Wesen und mit einem „Riverdance“ Tänzer als zusätzlichen Showeffekt. Ein Auftritt der ebenfalls sehr gut besucht war.

The Dublin Legends

Die Dubliners sind sicher eine der, wenn nicht die einflußreichste Band des Irish Folk und bestimmten die Entwicklung der letzten 50 Jahre entscheidend mit. Bis im Jahre 2012 das letzte lebende Gründungsmitglied Barney Mc Kenna verstorben ist und man die Auflösung beschlossen hat.
Und so haben sich die anderen umbenannt um als Dublin Legends noch einmal den Spirit des Irish Folk auf die Bühnen der Welt zu bringen. Die anderen, das sind der großartig witzige Sänger und Moderator der Show Sean Cannon, Eamonn Campbell, Patsy Watchorn und Paul Kelly. Und wer jetzt denkt was will man denn mit 4 alten Säcken, der hätte sich das Erlebnis Dublin Legends mal gönnen sollen. Da geben die 4 noch bis 1 Minute vor Konzertbeginn im Backstage ein Interview um danach ganz cool auf die Bühne zu schlurfen und einen beeindruckenden Set abzuliefern. Und zuvor hat man das Festivalgelände erkundet, schnell mal gemütlich eine kleine Whiskeyverkostung durchgeführt oder sich mit den anderen Musikern unterhalten. Keine Starallüren, nichts zu spüren vom Superstarstatus und das macht den Auftritt nur noch beeindruckender. Und davon können sich die Möchtegernstars der Musikszene echt etwas abschauen.
Und was machen die 4 nach dem Konzert, nach der gemeinsamen Party mit dem Publikum das sie zurecht abfeierten und nach Songs wie Whiskey in the Jar, Dirty Old Town und Molly Malone? Was wohl, natürlich Musik. Jammen mit Omnia und dann, wenn die Jugend von heute mal so langsam aus der Disko heimkommt und so langsam auch mal ins Bett geht , dann gehen die 4 auch mal schlafen, nachdem man zuvor im Quartier mit Mr Hurley noch eine Bierverkostung durchgeführt hat. Und selbst so routinierte Musiker die schon so viel erlebt haben kann man dann doch auch noch verblüffen. Zumindest Bläcky, der im Eck der Bühne voller Begeisterung schnell mal ein Tänzchen riskierte, was erstaunte Musikerblicke zur Folge hatte.
Ein beeindruckender Auftritt großer Musiker, den auch eine ganze Reihe von Kollegen interessiert verfolgten.

Man könnte wie in jedem Jahr noch viel schreiben, von den Workshops, von den Künstlern auf den anderen Bühnen die auch am Sonntag für Begeisterung und Verzückung sorgten. So wie Kugelmann Kelvin Kalvus, dessen Kugeln immer noch schwerelos zu sein scheinen, wie
das Tanz Theater Al, Entrada aus der Ukraine, das mit viel Dynamik, Leidenschaft und Farbenfreude mitriss und auch als Walking Act am Gelände unterwegs war, wie Katrin la Coquillarde, wie Hopsa Viva Insgemein, Beatrice, Knut Seckel und und und.
Und dann gäbs noch einiges vom Piratenfloß zu berichten, auf dem am Sonntag mit Attila and Friends, eine Deutsch Ungarische Kombination mit Bandchef Attila Tapolczai und Peter Pagani ihre Bluegrass und Irishfolksongs sowie den einen oder anderen Punkcover zum besten gaben und sich als perfekte Floßband erwiesen.
Nicht zu vergessen die vielen Helfer, die einmal mehr ein unvergessliches Festival ermöglichten, eine umsichtige Security und natürlich dieses großartige Publikum, für die sich auch 2014 jeder Schweisstropfen der Helfer lohnte. Auf ein neues 2015.

Bernd Sonntag

Das 6.Festival Mediaval vom 06-08.09 in Selb

Wenn man sehnsuchtsvoll die Tage bis zum Festivalbeginn zählt, wenn selbst die Bands ins schwärmen kommen und das Festival zum Highlight des jährlichen Tourplans zählt, wenn Omnia das Publikum in Selb mit „Endlich wieder daheim“ begrüßen und man massig Positives auf Facebook lesen kann, dann haben die Veranstalter wieder vieles richtig gemacht. Und das ist in diesem Jahr umso bemerkenswerter da 8 ganz wichtige Orgamitglieder nach 5 Jahren Festival Mediaval diesmal nicht mehr zur Verfügung standen. Doch Blacky Schwarz und sein neues Orgateam haben es geschafft auch die 6. Ausgabe zu einem unvergesslich schönen Event zu machen. Und zwar mit Unterstützung großartiger Musiker/innen, Künstler, der ganzen Lagergruppen und den Fieranten. Vor allem aber einmal mehr mit Hilfe eines begeisterungsfähigen , bestens gelaunten , entspannten Publikums das beste dass man sich als Konzertveranstalter nur wünschen kann. Und so vergingen die 3 Tage ohne Stress für die wie immer gut gelaunte und freundliche „Selber Security“ wie im Fluge. Und als Corvus Corax und Wadokyo am Sonntag einen spektakulären Schlusspunkt setzen hatte man das Gefühl wieder nur einen Teil des reichaltigen Angebots erlebt zu haben und beginnt die Tage zu zählen bis 2014 zum 7. mal das Festival Mediaval ansteht. Dann wieder mit einem musikalischen Schwerpunkt nach dem Nordic Special 2013.

Der Freitag

Traditionell beginnt das Festival am Freitag mit der Eröffnung des Handwerkermarks, des Händlernarktes und der Fressmeile. Bevor Totus Gaudeo um 16.30 das schon zahlreich erschienene Publikum auf der Schlossbühne zum feiern und tanzen animieren durften, nützte man die Chance dem Publikum die verantwortlichen Orgamitglieder einmal persönlich vorzustellen. Eine schöne Idee, die auch die komplett versammelte Band Omnia mit Interesse verfolgte und die ihre Wertschätzung genauso zum Ausdruck brachte, wie viele Besucher durch ihren kräftigen langanhaltenden Applaus. Dann stürmte Totus Gaudeo die Bühne, die nun das zweite Mal in Selb auftraten. Machte man beim ersten Auftritt 2011 die Bühnenlichter Samstag Nacht aus, so durfte man sie diesmal anschalten. Sicher nicht die dankbarste Aufgabe , ein Festival zu eröffnen, doch mit Blick auf das tanzende und mitsingende Publikum bereits beim ersten Song „Aus der Bredouille“ muss man feststellen, dass die Niederbayern mit ihrer Vagantenmusik dies mit Bravour lösten. Mit ihrem reichhaltigen Instrumentenfundus, wie Drehleier, Geige, diverse Pfeifen , Flöten sowie Gitarre und Davul und viel Spielfreude war man ein perfekter Festivalauftakt. Egal ob lateinisch oder Deutsch gesungen, Totus Gaudeo machen Spaß und besonders das Lied vom Seeräuber Sven erwies sich als heimlicher Hit. Totus Gaudeo hat übrigens Bayerns einzigen hauptberuflichen Dudelsackbauer in seinen Reihen. Der IT-Spezialist Florian Ganslmeier hat kurzerhand seinen gut dotierten Job hingeschmissen, beim Schandmaul Jubiläumskonzert konnte man seine Dudelsäcke bewundern, in Selb mit Totus Gaudeo seine musikalischen Qualitäten.
Zweite Band des Freitags und erste im Rahmen des Nordic Specials waren Unshine aus Finnland. Der Gothic Metal war ein krasser Kontrast zum Totus Gaudeo Sound, Kontraste die das Festival Mediaval so einmalig und besonders machen. Von ruhig bis hart, von Klangkunst bis zur Populärmusik. Vom jungen Newcomer bis zum Chartbreaker, das Festival ist so vielschichtig , wie sonst keines in Deutschland mit dem Schwerpunkt Mittelaltermusik. Aber zurück zu Unshine, die Aufgrund eines Wadenkrampfes des Gitarristen während des Auftritts gezwungen waren die Bühne kurz zu verlassen. Die Setlist bestand größtenteils aus Songs des vor kurzem erschienenen dritten regulären Albums Dark Half Rising . Nach 4 neuen Songs gab es dann 3 vom Album Nummer 2 The Enigma of immortals, somit konnte man sich recht gut ein Bild machen, wie und ob sich der Sound der Band in den letzten Jahren verändert hat. Oder besser gesagt könnte, leider war der Sound alles andere als perfekt gemischt , die Sängerin oft zu leise und die Instrumente zu laut. Und so konnte Unshine nur bedingt Werbung für das hörenswerte neue Werk machen.
Die Finnen zeigten sich übrigens schwer beeindruckt vom Festival Mediaval und waren auch Samstag so lange als möglich am Goldberg unterwegs.
Ein Festival Mediaval ohne Omnia , es würde echt etwas fehlen. In diesem Jahr drohte das, glücklicher Weise hatte eine Band im Vorfeld abgesagt , so dass Omnia doch noch in das Lineup rutschten. Sehr zur Freude der extrem gut gefüllten Schlossbühne . Wo sind denn nur die ganzen Leute hingekommen wunderte sich ein neuer Fierant, doch ein langjähriger Kollege klärte ihn schnell auf. Es spielt doch Omnia. Die Holländer die in der bisher kleinsten Besetzung zu viert zum sechsten Mal beim Festival Mediaval auftraten hatten sich auch diesmal wieder einige Freunde eingeladen. Kevin Kalvus lies seine Kugeln kreisen, die Feuerkünstlerin Ayuna verzauberte zu den Omnia Klängen das Publikum und das Duett von Steve und Euzen Sängerin Maria Franz war der absolute Höhepunkt des gelungenen Omnia Auftritts, die mit ihrem Pagan Folk die Massen zum toben brachten. Kein Wunder sind Omnia in ihrem „Wohnzimmer“ ja Jahr für Jahr besonders gut drauf.
Das mit dem besonders gut drauf sein gilt in gleichem Maße auch für Feuerschwanz, die ebenfalls zum zweiten Mal in Selb auftraten. Die Spaßcombo aus dem Nürnberger Raum, hat auch in Selb viele Fans, was eine gutgefüllte Burgbühne eindrucksvoll bewies. Optisch unterstützt von den bildhübschen Miezen heizten Hauptmann Feuerschwanz Sir Lanzeflott, Prinz Hodenherz , Hans der Aufrechte , Knappe Latte und nicht zu vergessen Johanna von der Vogelweide das Publikum so richtig ein. Star des Abends war aber die Fee aus dem Publikum , die dem ganzen Spaß auf der Bühne die Krone aufsetzte. Ein Glücksgriff, der einen spaßigen Auftritt noch unterhaltsamer und lustiger machte.
Der Ausspruch von Faun Sänger Oliver SaTyr „Es gibt doch tatsächlich noch Leute die denken , wir machen Popmusik“ sorgte für großen Jubel und Gelächter im Publikum. Denn auch in Selb zeigte die Band Faun mit neuer Frau Katja Moslehner, am Micro einen gewohnt guten Auftritt. Mit vielen alten Songs und mit dieser kalten Nacht einen einzigen „Von den Elben Song“ in der Setlist. Da man erfreulicherweise auch die Bässe etwas dezenter einsetzte konnten sich viele alte und neue Faunfans an den Münchnern erfreuen. Genauso wie Omnia sind auch Faun bisher jedes Jahr in Selb dabei gewesen und mit Beatrice Baumann hatte man auch optisch wieder einen ganz besonderen Gast, sehr zur Freude auch der auffallend vielen Fotografen zu bieten.
Als Schlusspunkt des Freitags gabs diesmal keine Feuershow , sondern ein Theaterstück zu sehen. Theatre of Shadow Evolution mit ihrem Stück Fin Amor gaben sich größte Mühe das Publikum zu fesseln , was trotz großem optischen Aufwand und unfreiwilligen Sturz eines Stelzenläufers nur bedingt glückte. Vielleicht wäre es besser gewesen dem zahlreich erschienenen Publikum das Stück vom Beginn der Liebe mit Zuneigung über den schwierigen Kampf gegen die Versuchungen des Lebens bis zum ersehnten Preis für Entbehrung und Abweisung im Vorfeld zu erläutern, so guckte aber nicht nur ich etwas ratlos auf das zumindest optisch recht ansprechende Geschehen eines äußerst gelungenen ersten Festivaltages.

Der Samstag

Erfahrene Besucher des Festivals Mediaval wissen genau, dass es sich in Selb besonders lohnt früh aufzustehen. Steht doch jedes Jahr der Nachwuchswettbewerb an. Und der erweist sich Jahr für Jahr mit vielen klasse Nachwuchsbands als ein ganz besonderes Highlight im Festivalprogramm. In guter Tradition haben sich auch in diesem Jahr am Samstag 3 Bands eingefunden um sich in einem 30 minütigen Auftritt in die Herzen des Publikums zu spielen. Samstag nahmen Brigandu, Tanzebom und Saitenweise in der Kategorie Spielmann das Battle auf.
Tanzebom erwecken die Musik des Mittelalters und des Frühbarock mit viel Spielfreude zum Leben. Brigandu passten mit ihren Liedern und Tänzen aus dem nordischen und keltischen Raum perfekt zum Nordic Special, auch weil die doppelte Miriam am Mikrofon, Sängerin Miriam Bohse und Miriam Carl so schön elfengleich nordisch klangen. Und die Gewinner Saitenweise, keine Unbekannten in Selb, haben allein schon deshalb den Zwerg verdient, haben sie mit der lebensbejahenden Hymne „Feiere Dein Leben“ einen echten „Mittelalter-Hit“ im Gepäck, der wie geschaffen als Hymne des Festivals Mediaval geeignet ist. Und so dürfen sich Saitenweise freuen im nächsten Jahr eine Stunde die Burgbühne zu bespielen, auch eine gute Tradition in Selb für den Gewinner. Da die bei der Siegerehrung aber der Meinung waren, dass auch die beiden anderen Bands den Preis verdient hätten und Cheforganisator Bläcky Schwarz spontan sofort sein ok gab, wird der gemeinsame Auftritt im nächsten Jahr zu einem ganz besonderen Festivalhighlight werden.
Ein Gewinner des Vorjahres sorgte dann um 12.00 Uhr auf der Burgbühne für ausgelassenste Stimmung im Publikum. Die Piratenband Elmsfeuer hat 2012 bereits beeindruckt, warum sie gewinnen konnten und inzwischen zu einer herausragenden (Piraten-)Band gereift sind konnte jeder eine Stunde überdeutlich erleben. Fesselnd, mitreissend, Elmsfeuer machen selbst Tanzfaulen Beine. Tanzen zappeln und Schunkeln, man kann gar nicht anders und Anni, Franzi und ihre Jungs wissen glaub ich selbst noch nicht wirklich wie gut sie sind. Wenn die Truppe so weitermacht, weiter so klasse Songs schreibt und sich auch in Zukunft so gut versteht, dann wird die Band zum Headliner heranreifen, wetten!
Typisch Festival Mediaval, erst gehts mit 180 auf der Autobahn dahin (Elmsfeuer) und dann gehts runter vom Gas bis fast zur Vollbremsung. Für die sorgte Kaunan und das soll gar nicht negativ klingen. Das Nordic Folk Project von Oliver SaTyr (Faun) und Boris Koller (Poeta Magica) ist nur extrem ruhig, klassisch und mit 2 Nyckelharpas bzw Bouzoukis sehr speziell instrumentiert. Nur in Selb ist es denkbar den beiden eine solch große Bühne für ihre Art der schwedischen Volksmusik zur Verfügung zu stellen und die füllen die beiden für die Liebhaber dieser Art Mittelaltermusik auch großartig aus. Der „schwedische Österreicher“ Boris Koller ist übrigens ein ganz spezieller Künstler, so bewundernswert er als Musiker agiert, so herausragend ist er auch als Maler unterwegs. Deshalb kleiner Tip unbedingt einmal seine Bilder anschauen.
Mit Satolstellamanderfanz ging es auf der Burgbühne weiter. Keine Ahnung was die Band geritten hat, sich einen solch schlecht zu merkenden unaussprechlichen Namen zuzulegen. Die Musik der Band, die sich das Ziel gesetzt haben eine Brücke zwischen den Herzen und Seelen aller Menschen zu bauen. Wie man auf der Homepage lesen kann vermischen sie mit einem Augenzwinkern moderne Rhythmen mit exotischen Romanzen und schmücken eigenwillige Interpretationen mittelalterlicher Stücke mit mystisch-musikalischer Erzählkunst aus. Das ganze auch optisch durchaus sehenswert und aus einem Guss wirkend, obwohl mit Karoline Frick ein neues Bandmitglied Satolstellamanderfanz erstmals bei einem Festival unterstützte.
Ein Hoch auf Crowdfunding , denn gäbe es das nicht, hätten die Besucher des Festival Mediavals keine Chance gehabt erstmals eine Band aus Down Under in Selb zu erleben. Selbst hätte man die Kosten für den Flug nicht aufbringen können und nur Dank viel finanzieller Unterstützung konnte man den teueren Flug bezahlen. Als Gegenleistung konnten die Spender u.a neben einem Privatkonzert auch die Haarfarbe von Sängerin Naomi Henderson beim Auftritt bestimmen. Und so verschönte ein leuchtendes Atlantic Blue die charismatische Sängerin , die nicht nur auf der Bühne sondern an den 3 Tagen auch auf dem Festivalgelände eine strahlend positive Erscheinung abgab. Kein Wunder fühlten sich die Australier doch pudelwohl in Selb und zeigten sich begeistert von dem großartigen Festival. Das merkte man den beiden auch auf der Bühne an und die Dark Electro World Music der Australier und Naomis Stimmgewalt kamen durchaus an. Und auch wenn trotz WGT-Auftritt die Band bisher in Deutschland noch sehr unbekannt ist, hat man sicher in Selb viele neue Fans gewinnen können.
Davon hat Maria Franz in Selb schon mehr als genug, mit Auftritten als Faun und Omnia Support ist sie in Selb schon ein bekanntes Gesicht. Mit ihrer eigenen Band Euzen war sie im Rahmen des Nordic Specials fraglos ein Highlight des Wochenendes. Die Musik der Dänischen Band mit Norwegischer Sängerin in der sich alle Björk und Valravn Fans sofort verlieben sollten. Aber nicht nur die, die spannende Mischung aus Elektrobeats und Akusticsound, aus tranceartigen Beats und ruhiger Ballade ist fesselnd. Und live mit der bildhübschen ausdrucksstarken Sängerin schon zweimal. Euzen, gesprochen „You seen“ sind trotz zweier klasse CDs immer noch ein Geheimtip. Ein ganz heißer sogar. Und davon konnten sich auch viele Musikerkollegen überzeugen , die dem Auftritt mit Begeisterung beiwohnten. Allen voran die befreundete Band Omnia, Steve und Jenny unterstützten Euzen auch bei einem Lied auf der Bühne und Steve übernahm nach dem Konzert die Führung der Menge zu Merchandise, wo die CDs reissenden Absatz fanden. Der starke Auftritt schreit nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr.
Als Paradebeispiel für die Abwechslung die das Festival Mediaval seinen Besuchern bietet steht die ebenfalls aus Dänemark stammende Band Gny mit ihrer wunderschönen nordischen Folkmusik. Die war nicht nur ein krasser Kontrast zum Euzen-Auftritt, Sängerin Nanna Solveig Barslev-Larsen verwandelte die große Fläche vor der Schlossbühne zum Freilufttanzsaal und ein Teil des Publikums machte begeistert mit, der andere Teil schaute tiefenentspannd sitzend oder liegend dem bunten Treiben zu. Mit rekonstruierten Mittelalterinstrumenten interpretieren sie bekannte und unbekanntere Nordische Folksongs auf traditioneller Weise und eine Sängerin die einen Teil des Konzertes mitten im Publikum verbrachte hatte Selb auch noch nicht gesehen.

Nach den ruhigen Gny-Klängen hatten die Sandsacks den klaren Auftrag, das Feiergen des Publikums wieder wachzurüteln. Mit druckvollem Sound und kräftigen Gesang fiel es der Truppe leicht mit „finest irish folk und medieval music“ das Publikum mitzureissen und zum Tanzen, Mitsingen und Partymachen zu bewegen. Und die hatten, zahlreich erschienen, genauso viel Spaß wie die Truppe auf der Bühne. Und damit machte die Berliner Band nicht nur tolle Eigenwerbung sondern auch darauf, was die Besucher 2014 erwartet, wenn als Schwerpunkt ein Irisch-Schottisch-Special geben wird. Die Messlatte haben die Sandsacks auf alle Fälle schon einmal mächtig hochgelegt. Chapeau.

Mit etwas Sorge musste man trotz prächtigen Festivalwetters den Auftritt von Poeta Magica entgegenschauen. Hatte man doch 2011 einen Sturm entfacht, ein Unwetter das den Auftritt damals jäh beendete, gerade als die Zuschauer an dem schwierigen Edda-Stoff so richtig Freude gefunden haben. Der Frust bei der Truppe sitzt noch immer tief, doch diesmal blieb zum Glück alles ruhig und Holger E Funke und seine Musiker konnten die mystische Liedersammlung in einer dem Zuschauer einiges abverlangenden Verbindung aus Rezession und Musik präsentieren. Verstärkt mit Musikern aus Schweden und Norwegen boten sie dem Publikum in Selb die wichtigste Quelle altnordischer Mytologie in einer zeitgemäßen Umsetzung auch optisch beeindruckend dar.

Danach war Babybedingt für mich der Samstag beendet und so hab ich den für viele absoluten Höhepunkt des Wochendes den Auftritt von Garmana nach 12 Jahren Konzertpause, sowie den von Winterstorm und Die Grosse Session der Spielleute zum Abschluss des 2 Festivaltages verpasst. Leider.

Netterweise hat meine Fotokollegin Valeria einen kleinen Bericht verfasst:

Als ganz besonderes Highlight hat die Orga des Festival Mediavals es geschafft, die Kultband Garmarna wieder auf die Bühne zu holen. Die Schweden, die seit zwölf Jahren kein Konzert in Deutschland gespielt haben, konnten für ein einmaliges Konzert gewonnen werden. Die Erwartungen waren groß, denn obwohl ich die Band noch nie live gesehen hatte, eilt ihnen ein guter Ruf voraus.

Spätestens bei den ersten Tönen von „Herr Mannelig“ war ich restlos begeistert. Der ganze Platz hörte andächtig zu, als Emma Härdelin die Zeilen des Ritters Mannelig und der Trollin sang und wagte es nicht die mystische Atmosphäre zu stören. Bei den schnelleren Liedern wirbelten Gotte Ringqvist und Stefan Brisland-Ferner mit Gitarre und Geige, über die Bühne, während Emma fast regungslos an ihrem Mikro stand. Und man konnte allen ansehen, dass es ihnen wirklich Spaß machte wieder aufzutreten und auch Bläcky konnte es nicht lassen neben der Bühne mitzutanzen. Gotte wäre einmal sogar fast vom Bühnenrand in den Graben gefallen, konnte sich aber noch rechtzeitig fangen.

Bei der Spielfreude und der guten Resonanz aus dem Publikum bleibt zu hoffen, dass Garmarna es nicht bei diesem einen Konzert belassen werden.

Sonntag

Der erste Pflichttermin des Sonntags stand um 10.00 Uhr auf der Theaterbühne an. Zum Rock Award hatten The Privateer den Weckruf übernommen. Unter den interessierten Zuhörern beobachtete auch Elmsfeuer Akkordeonspielerin Anni mit großem Interesse was die sechsköpfige Piratentruppe musikalisch zu bieten hat. Inspiriert von klassischen Heavy Metal, Death Metal und ein klein bißchen Power Metal haben sie um ihren ausdrucksstarken Sänger ihre ganz eigene harte Variante des Piratenrocks entwickelt , der besonders den Freunden härterer Klänge mächtig Spaß machte. Somit waren die Ohren nach dem Auftritt prächtig durchgeblasen und voll aufnahmefähig für Band Nummer zwei Sacred Silence, die mit Sänger Robert Kobler und ihrer Mischung aus Minnesang und Heavy Metal einen krassen Kontrast zu Band Nummer eins darstellten. Der polarisierende musicalartig-opernhafte Gesang war sicher nicht jedermanns Geschmack, spannend war es trotzdem Sacred Silence zu erleben.
Die späteren Gewinner des Goldenen Zwergs Impius Mundi waren die dritte Band an diesem Tag im Wettbewerb und setzten das schon hohe Niveau definitiv noch etwas nach oben. Die sich der rockigen Auslegung der Mittelaltermusik verschriebene Band ist Wacken erprobt und lieferte einen höchst unterhaltsamen und überzeugenden Auftritt ab. Damit ist man auch 2014 dabei und man kann sich schon heute darauf freuen. Denn die Auftritte der Zwerggewinner sind Jahr für Jahr ein Highlight des Festivals und die Gewinner 2012 Sagax Furor machten da auch keine Ausnahme. Um 11.00 früh waren schon überraschend viele Menschen vor der Bühne versammelt und die erfreuten sich am furiosen Auftritt der spielfreudigen Magdeburger Band, erprobten sich im Schwengeltanz, sangen kräftig mit und warfen BHs und Höschen auf die Bühne. Ganz nach dem Bandmotto immer Sagax, immer Furor beieindruckten die 6 nachhaltig mit ihrer Spielfreude.
Dass man auch in Lettland gute Medieval Music macht, stellten Obscurus Orbis eindrucksvoll unter Beweis. Und dass ein muskulärer Körperbau sich nicht negativ auf das Stimmvolumen auswirkt auch. Aber Trommeln macht stark und eine starke Erscheinung ist der „Michelin-Trommler“ von Obscurus Orbis zweifellos. Die lettische Band , die als einzige Gruppe Lettlands eine Drehleier verwendet, nützte ihre Chance sich in Europa etwas bekannter zu machen und dafür ist das Festival Mediaval die perfekte Bühne.
Namensgeber der Deutsch- Schwedischen Band Strömkarlen war der gleichnamige nordische Wassergeist, der mit unwiderstehlichem Fiedelspiel seine Opfer in den Bann und dann in die Tiefe zieht. Mit Geige, Kontrabass, Bodhran und Tin Whistle versuchte das Trio ähnliches, zumindest das Publikum für sich zu gewinnen. Leider hatte man allerdings nur eine relativ kleine Zuhörerschaft dafür zur Verfügung und man wunderte sich schon sehr, wo denn die ganzen Besucher hingekommen sind, noch dazu wo Strömkarlen hörenswerte traditionelle Nordische Musik abliefererten die weit mehr Publikum verdient hätte. Die Erklärung lieferte die Theaterbühne, denn hier gab es aufgrund des Zuschauerantrangs kaum ein Durchkommen mehr.
Soviele Besucher gab es in 6 Jahren Festival Mediaval vor der Theaterbühne noch nie und Schuld daran hatten die 7 Taiko-Trommler von Wadokyo, die die Massen zur Theaterbühne lockten. Die Röhrentrommeln und die spektakuläre Art diese zu bearbeiten machte neugierig und Wadokyo brauchen sich vor den bekanntesten Gruppen Japans Ondekoza und Yamato sicher nicht zu verstecken.
Kraftvoll, leidenschaftlich, dynamisch „The Power of Drums“ war ein ganz besonderes Erlebnis und ein absoluter Höhepunkt des Festivals 2013 und er machte unheimlich neugierig auf den Auftritt mit Corvus Corax als Abschluss des Festivals.
Wadokyo ist nicht nur einfaches Trommeln , das ist Entertainment , Schönheit, Action, Lebensfreude, Harmonie, perfekte Choreografie, Spaß pur und schreit nach einem Widersehen 2014 auf der Schlossbühne.
Gut, dass mit Berlinski Beat das Corvus Corax Zweitprojekt als nächstes auf der Bühne stand. Jede andere Band hätte es schwer gehabt die Stimmung nach Wadokyo zu halten, die Berliner hatten damit kein Problem. Mag man über die Corvus Corax Musiker ja denken was man will, ihre musikalische Kreativität steht außer Frage und die Idee den Balkan Beat Bläsersound mit DJ Tracks und Dudelsäcken zu mischen muss man erst mal haben und wenn Corvus Corax etwas auf die Bühne bringen, dann ist das musikalisch und optisch immer vom Feinsten. Und da machen die Berlinski Beat Musiker im schicken Anzug und stylischen Hüten in blau schwarzer Farbkombi keine Ausnahme. Das ganze ist extrem tanzbar und fetzt vom ersten bis zum letzten Ton. Einzig die Texte sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss, aber Berlinski Beat machen live wirklich irre Spaß.
Kontrastprogramm auf der Burgbühne. Etwas Folk Metal, etwas Doom Metal, etwas Black Metal und etwas Rock und heraus kommt der Musikmix der Russischen Band Wolfmare aus St. Petersburg. Da die Band bisher 3 recht unterschiedliche Alben veröffentlicht hat klingen die Lieder von fröhlich bis doomig brutal recht unterschiedlich und die ganze Performance litt doch etwas unter dem durchwachsen abgemischten Sound. Mit Elena Chikulaeva an der Violine und am Mikrofon hat man ohne Zweifel den attraktivesten Bauch des Festivals zu bieten. Absolut beeindruckend auch was Andrei Stepanov mit seinen Drumsticks so anstellte. An Wolfmare hatten vor allem die Liebhaber härterer Klänge ihre wahre Freude, dafür kamen mit Cara die Fans ruhigerer und traditioneller Folkmusik voll auf ihre Kosten. Kein Wunder, dass die Deutsch Irisch Schottische Band bisher mit Preisen überhäuft wurde, sie waren aufgrund ihrer hohen musikalischen Qualität und ihrer Bühnenpräsenz eine der absoluten Entdeckungen des Festivals. Die im Jahre 2003 gegründete Band hat schon einige Besetzungswechsel hinter sich, der Qualität hat dies keinesfalls geschadet. Der bandname Cara stammt aus dem Irischen und bedeutet Freund und neue Freunde hat die Band in Selb massig gefunden. Das zeigte sich auch am Merchandise Stand der nach dem Auftritt dicht umlagert wurde. Kein Wunder, dass Cara sich auch in den USA einen Namen machen konnten, in Selb blieben sie auf alle Fälle in sehr positiver Erinnerung und es bleibt zu hoffen, dass es ein baldiges Wiedersehen mit der symphatischen Band geben wird.
Kein Wiedersehen wird es dagegen mit Valravn geben, die in Selb ihr letztes Konzert vor der Auflösung spielten. Und dafür legten sich Anna Katrin Egilstöd und Juan Pino nochmals so richtig ins Zeug. Mit den 3 Mädels des String Trios Sirenerne hat man im Juni beim Feuertanz Festival noch einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt, Selb war da um Klassen besser , auch wenn man auch da den Bass bisweilen aus und überreizte. Trotzdem entfaltete der eigenwillige Mix aus tranceartigem Elekrobeats, eigenwilligen (Folk-) Klängen, gepaart mit Anna Katrins faszinierenden Stimme und den 3 Streicherinnen unter den Augen vieler Musikerkollegen seinen besonderen Reiz , der Valravn viele Fans beschert hat. Und die waren zurecht ziemlich traurig und so flossen hinter der Bühne auch die eine oder andere Träne.
Letzte Band der 3 tollen Tage von Selb, die Angie aus München einfach als Selbastisch bezeichnete, waren die Jungs von Corvus Corax und die setzten mit Wadokyo einen denkwürdigen Schlusspunkt. Welch geniale Idee von Norri mit den Taiko Trommlern etwas gemeinsam zu machen. Ist der Corvus Corax Trommelsound ja schon ein Erlebnis, wenn der durch Wadokyo noch vertärkt wird, bleibt einem der Mund offen stehen. Und wenn dann noch die Dudelsäcke einsetzen und dazu das tolle optische Erscheinungsbild der Band das ist wirklich großes Kino. Und das wurde zum Abschluss mit großer Publikumskulisse und Anteilnahme so richtig zelebriert. Die neue, ganz auf Nordeuropa ausgerichtete Scheibe Sverker, passt eh schon sehr gut zum Nordischen Programmschwerpunkt des Festivals, mit Wadokyo und der unbändigen Spielfreude aller Akteure entwickelte sich ein rauschhafter Sound der sich in Kopf Bein und Ohr gleichermaßen festsetzte. Sicher sind die Cantus Buranus Vorstellungen der Band noch beeindruckender, das was man mit Wadokyo Unterstützung in Selb ablieferte stand dem aber kaum nach und war ein würdiger Abschluss des tollen Festivals.
Neben viel Musik hat Selb aber noch soviel mehr zu bieten, angefangen von ganz viel tollen („Klein“-) Künstlern wie der Meister der Glaskugeln Kelvin Kalvus oder Beatrice (Baumann), die neben ihren Vorstellungen immer wieder als Eyecatcher die Besucher auf dem Festivalgelände großartig unterhielt. Oder der österreichische Kraftwürfel namens Eisenhans, der nicht nur extrem kräftig, sondern auch witzig und unterhaltsam ist, oder Baseltan, die nicht nur als Moderatorenduo, sondern auch bei den eigenen Auftritten mit ganz viel Situationskomik glänzten und ohne die das Festival nicht denkbar ist. Oder Pur Pur, die wo immer sie auftraten viele Zuhörer hatten, oder die Artistik Gruppen oder oder oder. Es gibt soviel zu sehen und zu erleben, dass es jeden Artikel sprengt. Workshops wie Drehleierspielen oder Rahmentrommel bei Fauns Rüdiger Maul, die Schaukämpfe und Highlandgames, den Kohlemeiler, und ein extra Kinderprogramm machen das Festival als Familienevent zu etwas Besonderem. Und im nächsten Jahr mit dem Irisch-Schottisch Schwerpunkt und den legendären Legends of Dublin („Dubliners“), mit Subway to Sally um nur mal 2 Bands zu nennen. Das Ganze gibts für die Besucher des Festivals 2013 als kleines Dankeschön zum Schnäppchenpreis von 65 Euro für 3 Tage.
Und seit die letzten Töne auf der Bühne verstummt sind zählen nicht wenige die Tage bis es 2014 zum 7. mal heißt Festival Mediaval und dann hoffentlich wieder bei so wunderschöen Festivalwetter.

Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2013

In unserer kleinen Serie über die „Da muss ich hin“ Festivals 2013 möchten wir Euch auf die 6 Ausgabe des Festivals Mediaval hinweisen. Das „ganz besondere Festival“ im Länderdreieck von Sachsen, Bayern und Tschechien war all die Jahre ein Muß im Festival-Plan und daran wird sich mit Blick auf das diesjährige Programm auch 2013 nichts ändern. Neben einem Nordic Special u.a mit Garmana, Valravn und Euzen freuen wir uns besonders auf einen der ganz raren Auftritte von Corvus Corax zusammen mit Wadokyo ( Taiko Trommler) , auf Elmsfeuer (die Piratenband mit Zukunft) und natürlich auf Omnia, die bei allen 5 Festivals bisher dabei waren und gerade in Selb immer in Höchstform sind. Daneben gibt es natürlich auch ganz viele Künstler, die man einfach mal gesehen haben muss, wie Beatrische oder Kelvin Kalvus um nur einmal zwei von vielen zu nennen. Allein die 3 Bühnen des weitläufigen Festivals lassen an den 3 Tagen sicher keine Langeweile aufkommen.Ein großer Händler- und Handwerkermarkt, viele Workshops, ein buntes Rahmenprogramm und natürlich reichlich zum Essen und Trinken , das Festival Mediaval ist wirklich einen Besuch wert.
Wir haben dem Hauptorganisator „Bläcky“ Schwarz etwas auf den Zahn gefühlt, auch weil in letzter Zeit doch viele völlig unbegründete Sorgen und Gerüchte über das Festival im Netz zu lesen waren. Aber lest selbt:

1)Bevor wir zum Festival 2013 kommen noch ein kurzes Resümee zur unvergesslichen Ausgabe 2012 mit vielen tollen Konzerten. Wie fällt euer Fazit aus? Wart ihr mit dem Besuch zufrieden, welche Konzerte blieben Euch als Veranstalter am positivsten in Erinnerung, gab es Anlass zu Klagen.

Blöcky: Das F-M V war super, so viele Besucher, wie noch nie, eine tolle
Atmosphäre auf dem Platz, viele tolle Konzerte, vor allem Versengold,
Schandmaul und Omnia haben herausgestochen. Ein kleiner negativer Aspekt
waren die Diebstähle auf dem Camping-Gelände, hier werden wir dieses
Jahr Security Streife laufen lassen, um die Diebe abzuschrecken.

2)Wie auf Facebook zu lesen war, haben sich mit Rudl und Oli 2 aus dem Orgateam verabschiedet. Wieso das und wie willst Du allein die ganze Arbeit stemmen?

Bläcky: Rudl und Oli sind aus privaten Gründen ausgestiegen, es wurde ihnen einfach zu viel. Die Arbeit der beiden wurde aufgeteilt, so dass das weiter kein Problem ist, es gab schon immer ein Orga-Team von ca. 20 Leuten, daran hat sich auch nichts geändert, nur dass einige neue Leute dazugekommen und alte gegangen sind.

3) Nun aber zur Ausgabe 2013. Im Vorfeld gab es wegen der OB-Wahl viele Gerüchte. Inzwischen hat Selb einen neuen, jungen OB der sich schon öffentlich positiv zum Festival geäußert hat. Habt ihr auch in diesem Jahr dieselbe positive Unterstützung seitens der Stadt Selb und dem ehemaligen Bürgermeister Kreil?

Bläcky: Haben wir. Ich hatte bereits vor der Wahl, zur Sicherheit, einen Antrag auf weitere 5 Jahre Mediaval gestellt und einen Vertrag bekommen, dann habe ich nach der Wahl sofort Kontakt mit dem neuen Bürgermeister aufgenommen und dieser hat mir versichert, dass er ein Fan des Festivals sei. Bei der großen Koordinationssitzung in Selb im März, wurde dann
alles bestätigt, es kann also bis zum 10ten ohne Probleme weitergehen.

4)Ihr habt in diesem Jahr ein Nordic-Special geplant. Nun haben aber Gjallarhorn leider abgesagt. Nicht zum ersten Mal. Trauen die sich nicht nach Selb?

Bläcky: Das hat mich sehr geärgert, vor allem, da die Band sich nicht gemeldet hat, sondern ich erst auf mehrmalige Nachfrage erfahren musste, dass die Sängerin beschlossen hat Mutter zu werden und deswegen ab Herbst kein Konzert mehr gibt. Dies war für sie bereits klar, bevor wir Flyer und Plakate gedruckt haben, auf denen nun Gjallarhorn steht und nicht Omnia.

5)Ich persönlich finde das ja gar nicht schlimm, weil ihr mit Omnia nicht nur eine meiner absoluten Lieblingsbands wieder verpflichtet habt, sondern weil das Omnia Konzert 2012 sicher eines der absoluten Highlights war. Viele Besucher werden Euch nach dem unglaublichen Festivalabschluss der Niederländer im letzten Jahr sicher sehr dankbar dafür sein. War es schwierig Omnia so kurzfristig zu überzeugen, wieder nach Selb zu kommen?

Bläcky: Nein überhaupt nicht, Omnia hatte mehrmals angefragt, ob sie nicht doch kommen können und sich das WE freigehalten, das Ganze hat 30 Minuten gedauert, dann war der Ersatz geklärt. Für Omnia ist das Mediaval eins ihrer 2 Lieblingsfestivals und wird von Ihnen bedingungslos unterstützt.

6)Das Festival Mediaval ist jedes Jahr auch deshalb etwas ganz besonderes im großen Angebot an sehenswerten Festivals, weil ihr es immer wieder schafft Bands nach Selb zu locken, die man sonst eher selten bis gar nicht live erleben kann. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr als besonderes Highlight?

Bläcky: Nun die Sensation ist sicherlich der Auftritt von Garmarna, der von der Kritik als besten Folk-Band Skandinaviens eingestuften Kultband, die seit nunmehr 12 Jahren auf keinem Festival und schon gar nicht mehr in Deutschland aufgetreten sind. Dann gibt es die Wiederholung des EDDA-Projektes von Poeta Magica, das vor 2 Jahren wegen Sturm abgebrochen werden musste, dieses Konzert gibt es in dieser Art sonst nirgends. Oliver Satyr von Faun macht den einzigen Festival-Auftritt mit seinem Nebenprojekt Kauna und dann natürlich noch der Auftritt von Corvus Corax zusammen mit den Wadokyo-Taiko-Trommlern, die so sonst nur in Wacken und dem Summer Breeze zu sehen sind. Besonders sind sicherlich auch die Konzerte von Unshine aus Norwegen, Obscurus Orbis aus Lettland und Wolfmare aus Russland.

8) Mit Dandelion Wine habt ihr diesmal eine Band aus Australien verpflichtet. Die haben aber Probleme die nicht unerheblichen Flugkosten zu finanzieren. Oder ist das Problem inzwischen behoben.

Bläcky: Z. Zt. dieser Antwort sieht es nicht schlecht aus. Wir werden uns auch am Crowd-Founding beteiligen und die Haarfarbe von Naomi für die Europa-Tournee ersteigern, dies kann dann von den Fans des Medival per Abstimmung festgelegt werden.

9)Etwas für Irritationen hat Eure Suche nach einem Bierzelt-Festwirt gesorgt. War die Suche erfolgreich und wie muss man sich das vorstellen, ein Mittelalter-Bierzelt auf dem Goldberg?

Bläcky: Nein, kein Bierzelt, einen bayrischen Biergarten wird es geben, dies hatte ich ausgeschrieben, um das beste Angebot zu bekommen. Es wird also auf der ehemaligen Workshopwiese einen großen Biergarten geben, das ist alles geregelt.

10)Ein absolutes Highlight des Wochenendes sind für einen Teil der Besucher auch die Workshops. Ist es schwierig Eure Künstler z.B. die tolle Beatrice Baumann zu gewinnen?

Bläcky: Nein, die Küstler machen das gerne, da sie alle übereinstimmend sagen, dass die Teilnehmer extrem motiviert sind und die Workshops unheimlich Spaß machen. Die Workshops werden dieses Jahr alle am und um das Kriegerdenkmal stattfinden.

11) Wo krankt es denn noch? Habt ihr genug freiwillige Helfer? Wie sieht es mit Unterkünften aus, die in Selb und Umgebung ja nicht zu zahlreich zur Verfügung stehen?

Bläcky: Ohne die Volontäre kann das Festival nicht umgesetzt werden, hier haben wir immer genügend Anmeldungen, von denen allerdings dann einige nicht erscheinen, so dass wir bisher immer ein wenig unterbesetzt waren, aber es hat bisher geklappt und wird dies auch weiterhin. Die Stimmung im Team ist super, falls also jemand Lust hat einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein Teil des Mediaval-Teams zu werden, soll er/sie sich doch bitte über das Formular auf der HP bewerben. Die meisten Besucher buchen ihre Zimmer bereits bei Abreise für das nächste Jahr, so dass schon Anfang des Jahres kaum mehr eine Unterkunft in Selb und Umgebung zu finden ist, man muss dann halt ein wenig weiter ausweichen, in Richtung Hof oder die fränkische Schweiz, dort sind noch genügend Zimmer buchbar. Wir selbst reservieren die Unterkünfte für die Orga und die Künstler auch schon sehr frühzeitig, um alle unterzubringen.

12) Gibt’s sonst noch was Bläcky, was Du gerne loswerden willst?
Bläcky: Ich möchte mich bei allen Besuchern, Helfern, Marktleuten und Künstlern bedanken, dass das, was ich erreichen wollte, nämlich ein Festival, das Gegensätze vereinigt und Grenzen überwindet, so toll funktioniert. Die super Atmosphäre auf dem F-M ist immer wieder beeindruckend und es ist schon ein tolles Gefühl, über den Platz zu laufen und nur lächelnden
und strahlenden Gesichtern zu begegnen. Das Schlagwort vom „Woodstock des Mittelalters“ ist ein Kompliment für mich. Vielleicht noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Die nächsten Jahre wird es noch einige Motto-Festivals geben, 2014 ein Irish-Scottish-Special, dann noch ein Balkan- und ein Celtic-Special. Im 10ten Jahr solle es dann „Back-to-the-Roots“ heißen, also mit einem 1-Tages-Festival parallel auf der tschechischen Seite und das 11te wird dann das „Best of 10 years“.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und bis bald in Selb

Caro und Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2012-Teil 3-der Sonntag

Sagax Furor, Ars Floreo und Senos Sento, der Nachwuchswettbewerb im Bereich Spielmannsmusik

Sonntag hieß es dann noch etwas früher aufzustehen, denn diesmal ging der Nachwuchswettbewerb nun in der Kategorie Spielmannsmusik schon um 10.00 Uhr los. Sagax Furor hatten die schwierige Aufgabe den Weckruf über den Goldberg zu schicken, was ihnen so bravurös gelang, dass sie den Wettbewerb auch für sich entscheiden konnten. Mit Dudelsäcken, wilden Getrommel und stimmunsvollen Songs rissen sie das immer zahlreicher erscheinende Publikum mit. Das gelang allerdings auch problemlos Ars Floreo, die zu dritt mit launigen Ansagen und stimmlicher Qualität überzeugen konnten. Da die dritten im Bunde Senos Sento mit ihrer akustischen Musik ebenfalls für Verzückung sorgten hatte es Jury und Publikum wirklich schwer, den Sieger zu bestimmen.

Winterstorm

Apropos Sieger, Winterstorm, der haushohe Gewinner des letzten Jahres, stand um 12 Uhr auf der Bühne und lieferte ein dermaßen gnadenloses Rockbrett ab, dass selbst die verkatertste Metleiche aufgeweckt wurde. So gut gefüllt war die TB um die frühe Zeit noch nie und die Wacken erprobten Jungs aus Bayreuth und Umgebung nützten ihr Heimspiel bravourös. Das Programm, eine Mischung aus Songs von der ersten CD A Coming Storm und den Songs von der neuen, Kings will fall, die erst kurz vor dem Festival Mediaval erschienen ist, kam großartig beim Publikum an, so dass die 100 mitgebrachten CDs bei Weitem nicht reichten. Kein Wunder, selbst wenn man Metal nicht so mag, die gelungene Mischung die die Band für sich gefunden hat kommt einfach an und mit ihren harten, aber höchst melodischen Songs können sie auch die Anhänger der ruhigeren Töne erreichen. Und mit Alex hat man den perfekten Sänger gefunden, er kann singen, performen, die Leute unterhalten nur was die Haare betrifft, da kann er mit den anderen Jungs in der Band nicht mithalten. Eine Stunde Winterstorm verging wie im Flug und wer sie verpasst hat darf sich zurecht ärgern. Eindrucksvoll konnten die Jungs belegen, wieso sie als ganz große Deutsche Metal-Hoffnung gelten.

Chor on Air

Nach dem absoluten Ohrenfreiblasen was Winterstorm zur Perfektion geschafft haben, haben die Veranstalter einen famosen Kontrastpunkt gesetzt. Es war ja schon am Morgen krass, als ein Doppelachsbus die Auffahrt zum VIP-Zelt hochfuhr, sich die Türen öffneten und Mann um Mann und Frau für Frau dem Bus entstiegen. Das wollte gar nicht mehr aufhören und die Festival Mediaval Besucher konnten um 12.00 Uhr alle live miterleben wieso so ein großer Bus für den nächsten Act nötig war. The Chor on Air mit über 70 Leuten stand auf der Bühne. Das hatte es bei einem Festival Mediaval auch noch nicht gegeben. Schon von Weitem waren die stimmgewaltigen Frauen und Männer gut zu hören und lockten immer mehr Neugierige an. Wie geschaffen für das Festival Medival ist dieses gemeinnützige Chorprojekt aus Speyer, die mit ihrer Show Celtic Night Mut bewiesen haben. Entstanden ist es aus der Idee ihres Chorleiters Stefan Golea, der nach einem gemeinsamen Auftritt mit dem Belgischen Scala-Chor ein neues Programm suchte. Mutig deshalb, weil sicher nicht alle Chormitglieder Celtic, Gothic oder Mittelaltermusikfans sind, geschweige denn die Zuhörer, es sei denn man tritt in Selb auf.
Bei mir hatten sie ja schon gleich am Anfang gewonnen, als sie einen der schönsten Subway to Sally Songs Eisblumen in ein wunderhübsches Chorgewand hüllten. Weiter ging es u.a. mit Songs von Nightwish und Epica um nur mal 2 Bands zu nennen. Einen zweiten sehr emotionalen Glanzpunkt setzte man, als man Blackys Tochter und einem Bandmitglied musikalisch mit einem gesungenen Happy Birthday zum Geburtstag gratulierte. Blackys Tochter hatte sich das wahrlich verdient, denn wie die Tage zuvor so musste sie auch an diesem Tag für das Festival arbeiten, wie übrigens viele andere freiwillige Helfer die keinen Geburtstag hatten natürlich auch.

Van Langen

Van Langen zum Dritten hieß es um 12.45 auf der Theaterbühne. Ganz allein stand er da. Grund war eine verlorene Wette mit Blacky. Mit dem hat Marcus Van Langen gewettet, dass es die 3 keine 5 Jahre durchhalten. Falls doch wird er allein auftreten, etwas das ja nicht so oft vorkommt. Und so stand er nun allein auf der Bühne, kämpfte mit einem widerspenstigen Notenständer und dem Wind der seine Text und Notenblätter über die Bühne verteilte. Erst ein Stein gereicht von einer freundlichen Zuhörerin ermöglichtete es, dass es losgehen konnte und Blacky der zum kontrollieren, ob die Wette auch eingelöst wird, auch anwesend war, hatte sicher genauso viel Spaß wie die Leute im Publikum an Marcus van Langen einmal ganz solo.

Lotus Ensemble

Den nächsten Kontrastpunkt gab es um 13.00 Uhr mit dem Lotus Ensemble aus Vietnam. Wie jedes Jahr haben es sich Rudel, Blacky und Oli nicht nehmen lassen Bands auf die Bühne zu holen, die man so in Deutschland nicht oder nie auf einem Festival erleben kann. Egal ob sie aus dem hintersten Sibirien kommen und kein Wort deutsch oder englisch können, wie 2009 Veda Kolod aus Sibirien, oder wie 2012 eben aus Vietnam. Die 2 Frauen und der Bandchef trugen Volkslieder und volkstümliche Melodien aus Nord-, Mittel- und Südvietnam vor. Leider bei recht kleiner Zuschauerkulisse. Viele haben sie verpasst, die zugehört haben hatten bestimmt ihre Freude an den fremdländischen Klängen und den exotischen Instrumenten. Was man von den Asiaten noch lernen konnte ist ihre Gelassenheit. Da wird bei dem Riss einer Seite einfach die Bühne verlassen und ganz cool einfach ein neues Instrument aus dem Kofferraum geholt, ohne das der Sound merklich leidet. Zwar auch, weil ein Teil leider von Band kam, aber trotzdem waren das Lotus Ensemble einen Besuch wert. Schon allein wegen den netten Ansagen ans Publikum.

Spiritual Seasons

Spiritual Seasons aus der Ukraine kann man auch nicht alle Tage hören, Im Gegenteil. Der Auftritt der Folkband war der einzige in Deutschland. Manch einer hat sie zuvor schon auf der Theaterbühne gehört, nun durften sie auch eine Stunde auf der SB ihr Können unter Beweis stellen. Mit tratitionellen Mittelalterklängen, sowie irischen und skandinavischen Folksongs klangen die Ukrainer gar nicht so anders wie man es vielleicht zuvor vermutet hätte.

PurPur

Als absoluter Zuschauermagnet erwies sich um 15.00 Uhr einmal mehr PurPur. Auseinanderhalten kann ich die Zwillinge Judith und Christine bis heute nicht, es sei denn sie stehen ausnahmsweise knapp nebeneinander. Dann hilft der Größenvergleich. Das wars dann aber auch mit dem Unterschied und genauso ähnlich wie die 2 sind, genauso gut passen ihre Stimmen zusammen, die das gemütlich sitzende Auditorium verzauberten. Ich bin immer noch völlig fasziniert davon, wieviel Zuhörer dem Mittellalter-Fantasy-Zwillings-Folk (verstärkt mit Leihgeiger Matthias von der Band Tir Na Nog), wie sie selbst gern ihre Musik bezeichnen, andächtig lauschten.

Viel Applaus und strahlende Gesichter waren der Lohn für die 2 Mädels die ja fast im Dauereinsatz waren. Vor allem Christine mit ihren 9 Auftritten neben PurPur auch mit Saitenweise und Heiter bis Folkig hatte sich ein echtes Mammutprogramm aufgehalst. Es zeigt aber auch wie die 2 die Musik leben. Und daneben werden natürlich auch noch die lieben Kollegen abgefeiert, wie z.B. Omnia beim Abschlusskonzert.

Schelmish

Eine Träne vergiesen musste man dann um 16.00 Uhr als Schelmish letztmalig in Selb auftraten. Letztmalig deshalb, weil sie Ende des Jahres den Namen Schelmish beerdigen. Zum Glück und das ist das einzig positive daran wird man sie auch weiterhin als Musiker erleben. Wir haben ja schon beim Crana Historica davon berichtet, uns war klar das Dextro und Band das durchziehen und das hat Dextro in Selb auch noch einmal deutlich gemacht. Auch wenn manche, die es nicht wussten, dies erst als Witz auffassten. Es ist ja auch schwer zu glauben und irgendwie auch schwer zu verstehen, wenn man die Band auf der Bühne erlebt. Da geht der Punk ab. Vor allem der geschätzte 2 Meter- Trommler Roderick, der von Dextro von Konzert zu Konzert immer wieder mal mit einem neuen Namen bedacht wird, tut der Band und den Sound richtig gut. Jetzt haben sie wieder eine Idealbesetzung gefunden und jetzt soll alles vorbei sein. Noch nicht ganz, es gibt noch eine Tour zusammen mit Saor Patrol und dann natürlich die Rockshow zum Abschluss von 13 Jahren Schelmish live. Und dann wird auch wieder gesungen. Anders wie in Selb, wo die Mittelaltershow auf dem Programm stand. Mit der Rockshow war man ja schon mal live beim Festival Mediaval dabei, fleißige Mediaval Besucher hatten somit das Glück beides live erleben zu können. Und diesmal auch noch Dextro in Crocs auf der Bühne, denn die eigentlichen Bühnenschuhe vergisst der schusselige Dextro schon mal gerne.

Cradem Aventure

Nach der Goldenen Zwerg Verleihung machte die Band Cradem Aventure den Abschluss auf der BB. Die letzten Ostgoten, wie sie sich gern nennen, haben bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Optisch ohne Frage ein Highlight und sehr passend ist die Musik für mich dann doch etwas zu eintönig und wenig abwechslungsreich. Und 2 Mal Instrumentalmusik in Folge mit stark Dudelsacklastigem Sound echt anstrengend. Schade eigentlich, denn die Show und vor allem die Feuerkünstlerin war optisch sehr passend.

Omnia

So das wars fast mit meinem Bericht vom Festival Mediaval. Es fehlt eigentlich nur noch ein paar Worte über das Abschlusskonzert zu verlieren. Wobei was heißt schon „nur noch“. Ganz nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ gabs zum 5. Mal , wegen des Poetry Auftritts letztes Jahr eigentlich zum 6. Mal Omnia live in Selb. Und jedesmal ist die holländische Band ein absolutes Muss und echtes Erlebnis. Soviele Zuhörer haben sich noch nie Sonntag zum Abschlusskonzert vor der Bühne versammelt, schon beim Soundcheck herrschte prächtige Stimmung und Steve Sic Evans van der Harten war in seinem Wohnzimmer (und das ist Selb zweifellos) wie gewohnt schon da zum Scherzen aufgelegt.

Ich möchte gar nicht verhehlen, dass ich die Musik der Band total mag, die Jungs und natürlich Jenny sehr schätze, das haben sie sich aber auch in Selb mit phantastischen Auftritten erspielt. Als ich sie beim ersten Mal gehört habe , war ich völlig fasziniert und die Faszination wird immer stärker. Denn egal was sie an Liedern auch abliefern, ob man Lilly Marlen auf Deutsch singt oder eigentlich viel zu selten neue Songs herausbringt. Es klingt einfach nur schön und wundern braucht sich Steve wirklich nicht, dass sich so viele für den Pagan-Folk der Band begeistern können, wie er das in Selb öffentlich beim Konzert kundtat. Ein schlechtes Omnia Konzert hab ich noch nie erlebt aber eins ist auch Fakt in Selb sind die Holländer schon immer besonders gut. Das haben sie diesmal auch wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen können.

Eins hab ich aber auch noch nicht erlebt, Steve hat alle Ansagen in Deutsch gemacht, sehr zur Freude des Publikums die an dem Spezial-Deutsch des charismatischen Frontmanns so richtig ihre Freude hatten. Vor allem wenn er dann mal wieder für ein, zwei Worte ins Englisch abtrifftete oder nach dem Deustchen Wort suchte. Das war sicher auch eine Wertschätzung an das Publikums und an das wunderbare Festival, was die Band auch dadurch kund tat, dass sie zum 5 Jährigen Jubiläum CDs ins Publikum verschenkten und Steve mit größter Freude kostenlos T-Shirts ins Publikum feuerte. Und man kann ihm das auch getrost glauben, dass er gerne jeden eins schenken würde, aber sie sind halt „independent“, wie er so schön sagte.

Übrigens, lieber Steve, das mit dem „Love in the Forrest“ hat auch so seine negativen Seiten. Welche hatte ein Waldfan am eigenen Leib erleben müssen, als ihn ein schießwütiger Jäger am frühen Morgen keine 6 km vom Festplatz weg, gnadenlos über den Haufen schoss, weil er dachte er ist ein Wildschwein. Omnias Love in the Forrest kann aber nicht der Grund gewesen sein, was den bedauernswerten Kerl bewogen hat um 6 Uhr früh durch den Wald und das angrenzende Maisfeld zu streifen, das Konzert war einen Tag später. Man wird es wohl nie mehr erfahren, warum er sich um 6 Uhr da herumgetrieben hat.

Herrlich auch die Idee, das Publikum mal zu fotografieren und mit wem geht das besser als mit den 3 Fotografen die das Booklet der neuen Live CD mit ihren Fotos bereichert haben: Schade, dass Facebook es nicht zulässt dass sich jeder, der sich erkennt auch markieren kann. Es wär eine geniale Liste geworden, leider lässt Facebook das nicht zu.

2 Zugaben und das stürmisch geforderte „The Morrigan“ als Schlusspunkt bei dem Scherzbold Steve den bedauernswerten Schreiber dieser Zeilen mit seinem Schwert zum Ritter schlagen wollte (hihi), beendeten einmal mehr eine denkwürdige Omnia Vorstellung verbunden mit der Hoffnung auf ein Neues 2013.

Mask

Ganz am Ende war man allerdings noch nicht, als kleines Dankeschön und als musikalischen Rausschmeisser standen die 3 Macher auf der Bühne um Rudi Meier genannt Rudel und seine Band Mask anzukündigen.
Ein richtig stimmungsvoller Abschied war das und Lust wieder in den Alltag zurückzukehren hatte wohl kein einziger der vielen vielen Besucher, die immer noch am Platz verweilten und zum Teil leidenschaftlich mitsangen.

Das Drumherum

Soviel zum Musikprogramm , ein paar Sätze möchte ich jetzt aber unbedingt noch über das Rahmenprogramm verlieren. Denn das macht das Flair dieses Festivals auch aus. Egal ob das Kleinkunstprogramm , das wie jedes Jahr sowohl was Fotos anbelangt, wie auch im Bericht eigentlich viel zu kurz kommt, die Workshops bei denen man sich im Drehleier- , Digeridoo-, Rahmentrommel- und Dudelsackspielen ausbilden lassen konnte. Oder in Kontaktjonglage, Orientalischem Tanz, Mittelalter-Tanz, Schleiertanz, in Poi und besonders exotisch in Khoomei-Obertongesang. Die Kurse hatten großen Zulauf und mit Rüdiger Maul von Faun, Daphd Sens von Omnia, Axel Zwingmann von Ignis Fatuu und Beatrice Baumann auch bekannte Lehrmeister um einmal 4 Namen zu nenen. Apropos Beatrice, sie war auch in diesem Jahr ein strahlender Mosaikstein, egal ob selbst mit Kontaktjonglage solo, oder mit Omnia und Versengold auf der Bühne. Und natülich wenn sie als Stier oder Einhorn mit ihren selbst entworfenen und gefertigten Kostümen über den Platz stelzte und nicht nur die Kinder in Verzückung versetzte. Die Kleinkünstler, egal ob Basseltan, die 2 Herolde die außerdem noch die Moderation wo auch immer sie gebraucht wurden übernahmen, der witzige Gaukler Lupus der mit Jonglage und Akrobatik glänzte, ob Artistica Anam Cara, das Räubertheater Hopsa Viva Insgemein usw., oder die ganzen Lagergruppen von Bautzen bis Erding, die ganzen Kinderprogramme und viele großartige Händler, die Fressstände nicht zu vergessen. Sie alle tragen gewaltig zu der Einmaligkeit dieses Festivals bei. Am meisten jedoch die zahlreichen Besucher, die großartig gewande,t oder ganz normal gekleidet, der wichtigste Teil dieses Festivals sind. Und dies nicht nur wegen ihres Besuchs, sondern ihrer ganzen Art. Das merkt man auch, wenn man sich Tage danach durch Selb bewegt, da wird überall geschwärmt, sei es über die Sauberkeit der Besucher, die Freundlichkeit oder die großartigen Kleider.

Waren die Selber am Anfang sehr reserviert so sind viele inzwischen mächtig stolz auf „Ihr “ Festival und möchten dies auch nicht mehr missen. Vielleicht war auch die Beteiligung des Vereins ENKL Ausdruck dieser Wertschätzung . Der Verein der jedes Jahr in Selb ein großes Meilerfest ausrichtet, hat es sich nicht nehmen lassen und am Wochenende live am Festivalgelände Holzkohle produziert.

Bestimmt haben wir noch 1000 Sachen vergessen zu erwähnen, man möge es uns nachsehen. Wir von Jarwinbenadar.de und gruftimusik.de möchten uns ausdrücklich noch einmal bei den Machern des Festivals bedanken, die viel Herzblut und auch finanzielles Risiko nun schon 5 Jahre investiert haben um jedes Jahr von Neuem ganz vielen Menschen eine große Freude zu machen (die vielen freiwilligen Helfer nicht zu vergessen) und viele positive Reaktionen allein auf Facebook zeugen davon. Und auch das ist ja auch nicht immer üblich , meist heißt Schweigen ja war ok und nur die Kritik wird laut. Zum Glück ist das hier auch etwas anderes.

Der Wermutstropfen des Wochenendes

So bleibt nur noch Lacrimosa und ihren neuen Song „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ zu zitieren. Der Arsch in diesem Fall waren gleich mehrere, die die Gelegenheit nutzten um die Festivalbesucher und Händler massiv zu beklauen. Das erschreckende daran ist, dass das keine Einzelfälle mehr sind, sondern das ganze scheinbar von Musikfestival zu Festival Bandenmässig organisiert ist. Bei Wacken soll es allein über 800 Fälle gegeben haben und in Selb hat die Security scheinbar auch eine Diebesabnde erwischt. Das schlimmste daran, nachdem die mittellaterlichen Foltermethoden ja abgeschafft sind, passiert ihnen nichts. Man nimmt ihnen die Sachen ab und lässt sie wieder frei. Da könnte man sie auch gleich wieder auf den Goldberg fahren. Aber vielleicht muss man sich in Zukunft gerade darauf speziell einstellen, aber das ist bei der Weiträumigkeit des Zeltgeländes und der Parkplätze ein schwieriges und vor allem auch sehr teueres Unterfangen, das letztlich jeder Konzertbesucher zahlen muss. Traurig echt.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Security noch einmal explizit loben, man hat sofort versucht zumindest soweit möglich darauf zu reagieren. verhindern konnte man die zahlreichen Diebstähle der 3 Tage natürlich nur bedingt. Und auch auf dem Festplatz machten sie unauffällig und freundlich ihren Job.
Carolin und Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2012-Teil 2-der Samstag

Der Festival Mediaval Award mit Elmsfeuer , Drachenflug und Spiegelkeller

Nach der langen Nacht ging es um 10:30 auf der Theaterbühne (TB) wie es in Selb ja schon gute Tradition ist mit dem Wettbewerb um den Mediaval Award im Bereich Mittelalter-Rock unchristlich früh weiter. Der Wettbewerb ist versteckt auf der kleinen Bühne trotzdem ein kleines Highlight, schafft man es doch immer wieder qualitativ extrem gute Bands dafür zu finden. Und denen winkt neben dem goldenen Zwerg auch ein Auftritt auf der BB im nächsten Jahr. Und viele tolle Bands haben hier ihre Visitenkarte abgegeben und seitdem geht es stetig voran, mit Winterstorm, Omdulö und Vroudenspiel sind hier mal nur 3 Beispiele erwähnt.

Auch in diesem Jahr haben sich 3 völlig unterschiedliche und richtig gute Mittelalter-Rockbands eingefunden und es geschafft das Publikum mitzureißen und großartig zu unterhalten. Allen voran Elmsfeuer, die Piratenband die völlig verdient den Zwerg gewinnen konnte und auf die man sich schon jetzt 2013 extrem freuen darf. Es ist nicht schwer, der Truppe, wenn sie weiter an sich arbeiten, eine sehr erfolgreiche Musikkarriere vorauszusagen. Ähnliches kann man über Drachenflug sagen. Die Musik der Steampunk-Band aus Hamburg ist wesentlich spezieller und polarisiert viel mehr als die von Elmsfeuer. Zusätzlich war die Band durch die Knochenbrüche einer der Sängerinnen in ihrer Performancefähigkeit sichtlich eingeschränkt. Trotzdem ist das Steampunk-Outfit auch mit der dicken Beinschiene noch schön anzuschauen. Überhaupt ist das Outfit aller Bandmitglieder sehr gelungen und es ist sicher spannend zu beobachten was aus den Hamburgern in den nächsten Jahren noch so wird.

Aus Rostock kam mit Spiegelkeller die dritte Band des Wettbewerbs, die ebenfalls nicht enttäuschten und für zufriedene Gesichter beim Publikum sorgten.

Fremitus

Auch einer dieser Award-Gewinner sind die Spielleute von Fremitus, die um 12.00 Uhr auf der Burgbühne das Programm eräffneten. Auf Instrumenten, die sie von ihren Reisen mitbrachten, wie es so schön auf ihrer Bandhomepage schreiben, spielten sie für das noch etwas verschlafene Publikum eine Stunde auf.

Heiter bis Folkig

Mit Heiter bis Folkig ging es dann auf der SB um 13.00 Uhr weiter, Die Band gehört ja ähnlich wie Faun und Omnia zum Inventar des Festivals Mediaval, ohne sie würde echt was fehlen. Bei ihnen ist der Name einfach Programm, der Spaß kommt nie zu kurz, egal ob auf der großen Bühne oder während des Tages am Handwerkermarkt, wo die kleine Bühne ganz dicht umlagert wurde, als man unverstärkt Musik machte. Und damit es den Musikern nicht zu langweilig wurde standen alle Samstag Nacht als Rausschmeisser als ein Teil der Larp-Band nochmals auf der Bühne. Extra fürs Festival Mediaval, extra um den Besuchern etwas ganz besonderes zu bieten, Klasse!

Schagai

Schagai, den nächste Act auf der BB haben sicher die wenigsten gekannt. Und wenn man das Programm zuvor gelesen hat und dann über „mongolische Gesänge“ gestolpert ist, hat bestimmt der eine oder andere gesagt: Essenspause, Trinkpause, Shopping-Pause.

Pech gehabt. Hinter Schagai verbirgt sich eines der Projekte des Mittelalter- Musikverrückten Marcus van Langen, der von seinem Besuch in die Mongolei einige monoglische Musiker mitgebracht hat, die mit ihm die BB gerockt haben. Mit einem fremdländischen und doch faszinierenden und sehr spannenden Sound, der vielleicht den Mongolen selbst ziemlich fremd war konnten sie das Publikum überraschen. Klasse Vorstellung, eine klasse Optik und um das ganze noch zu steigern holte er dann seine 2 Lockvögel mit einer um die Nasenspitze noch etwas blassen Juliane und einen Sänger aus dem Iran auf die Bühne.

Wenn auch nicht für jeden so haben Schagai doch viele der Zuhörer mit ihrem so eigenen und fremdländischen Sound berührt bzw. fasziniert. Eine der absoluten Entdeckungen des Festivals 2013, wenn auch zugegeben eine sehr spezielle. Marcus van Langen hat den Mongolentest bestanden, er darf auch mit Schagai gerne wieder kommen und für die Jungs aus der Mongolei war die Atmosphäre des Festival Mediavals und das begeisterte Publikum sicher auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Stellamara

Mit Stellamara, die Band der neuen Faun Sängerin Sonja Drakulich hatte das Festival Mediaval erstmals eine Band aus Übersee zu Gast. Ehrensache dass nicht nur die Musiker von Faun sondern auch von Omnia gespannt zuhörten wie der elektronisch verstärkte Ost-Europa-Balkan -Mix sich denn live anhört. Auf die Idee, das ist ne Band aus Übersee, kämen bei den Klängen sicher die wenigsten. Genauso gespannt waren viele Festivalbesucher die in großer Zahl sitzend und zum Teil bewußt den Schatten suchend das Konzert verfolgten.

Pampatut

Völlig anders was den Besuchern auf der BB danach geboten wurde. Eigentlich muss man nur den Namen Pampatut erwähnen, dann weiß jeder was die nächste Stunde geboten wurde. Es ist echt der helle Wahnsinn, was Max von Gluchowe und Holger Hopfenstreich, verstärkt um einen ebenfalls extrem gutgelaunten Trommler abliefern. Mittelalter-Comedy wie es besser nicht geht. Die Truppe die ja auch außerdem noch am Samstag auf den Handwerkermarkt den Handelsmarkt und der Theaterbühne aufgetreten ist, ist nie langweilig. Und noch krasser, keine aber wirklich keine Show gleicht auch nur annähernd der anderen. Was den zweien an Blödsinn einfällt ist der Wahnsinn, einzige Gemeinsamkeit aller Shows , es wird relativ wenig gesungen. Somit braucht Pampatut auch mehr Spielzeit um auch mal alle Songs einer CD vorzustellen. Der Auftritt auf der BB langt da bei Weitem nicht.

Ballycotton und Shatabdi Groove Express

Da ich die nächsten beiden Bands Ballycotton und Shatabdi Groove Express so gut wie gar nicht gehört habe, verbietet sich darüber etwas zu schreiben. Bei Ballycotton weil ich am Verhungern und verdursten war und exotischer Obertongesang nicht so meins ist und mich auch der Groove Express nicht so wirklich erreichte.

Faun

Ganz anders war da schon der Auftritt von Faun, eine der Bands die ich mir immer wieder anhören könnte. Nach dem Abgang von Rairda war ich wirklich auf die 2 Neuen in der Band Sonja Drakulich und Stephan Groth, ein wahrer Virtuose auf der Drehleier, gespannt. Der Sound klingt durch die 2 auch wieder etwas anders, logisch und doch wie Faun und wie immer richtig gut. Hinzu kommt einmal mehr ein großartiges Licht und ein guter Sound, der den Faun Auftritt jedesmal veredelt. Durch die neuen Musiker, so spielt Sonja Drakulich neben Percussions auch Hackbrett, werden für die Band neue Klangmöglichkeiten möglich. Die konnte man am Samstag beim Auftritt bei vielen neu arrangierten Stücken auch hören.

Mediaval-Award

Nach dem Faun-Gig wurde der Mediaval-Award in der Kategorie Mittelalter-Rock an Elmsfeuer verliehen, die den großen Goldenen Zwerg von den 2 kautzigen Fichtelgebirgs-Zwergen freudestrahlend in Empfang nahmen. Somit wird man die Freibeuter-Crew 2013 wieder sehen und man sollte sich schon jetzt eine geistige Notiz machen, dass man sich diese Band unbedingt anschauen muss.

Versengold

Danach musste man aber schnell sein um rechtzeitig auf der BB den Auftritt von Versengold nicht zu verpassen. Und jede Minute , die man die Jungs nicht sieht ist eine Minute zuviel. Eigentlich war klar, wenn man sie im letzten Jahr in Selb erlebt hat, der Auftritt kann nur gut werden. Aber was auf der BB dann wirklich abging lässt mich heute noch mit dem Kopf schütteln und treibt einem das Grinsen ins Gesicht. Unfassbar, wie das Publikum die Jungs abgefeiert und mit ihnen gefeiert hat. Snorre, Pinto, Hengest der Lange, Honza und Paule waren aber auch sowas von gut drauf, das ging gar nicht anders. Man musste mitsingen, mitschunkeln, mitgrölen. Irre!

Ein ganz großer Pluspunkt von Versengold sind neben ihrer so publikumswirksamen, spontanen, supersympathischen Offenheit vor allem auch die Texte der Songs. Alle selbst geschrieben schaffen sie es zeitkritsich, lustig , unterhaltsam , witzig, romantisch und auch nachdenklich zu sein. Ein Verbrechen, dass es diesen grandiosen Auftritt nicht als Live-Tondokument zu kaufen gibt. Auch, weil das Publikum so großartig war und so intensiv mitgesungen hat. 1000te von Menschen feiern eine Party wie sie schöner nicht hätte sein können mit allerdings einem echten Makel. Sie ist einfach viel viel zu früh zu Ende. Ich bin sicher nicht nur ich, sondern ganz ganz viele Festival Mediaval Besucher wünschen sich Versengold auch nächstes Jahr und zwar endlich einmal auf der Schlossbühne. Damit die Metburg so richtig ins Wackeln kommt. Und kaum auszudenken wenn sie den Auftritt vom Samstag nochmals toppen.

Schandmaul

Auf die nächste Band war ich ebenfalls extrem gespannt. Schandmaul, Headliner des ganzen Festivals, eine der Wunschbands, die das Orgateam seit Jahren so gerne beim Festival Mediaval gesehen hätte waren endlich da und mit ihnen die Massen. Der ganze Platz auf der SB voller erwartungsfreudiger Menschen und im Hintergrund der 40 Tonner der Band, der das Equipment für die ganz große Schandmaul Show nach Selb mitgebracht hat. Besonders gespannt war ich auch deshalb, weil ich die CDs der Band extrem mag, sie mich live aber noch nicht wirklich überzeugt haben. Unter anderem, weil ich fand, dass Sänger Thomas Lindner nicht so wirklich auf das Publikum eingeht bzw. sein Publikum wahrnimmt. Diesen Eindruck muss ich nach dem Auftritt definitiv relativieren. So stark hab ich Schandmaul noch nie gesehen, so rockig aber auch noch nicht. Richtig klasse die Wink-Spielchen mit der Menge. Ein unglaubliches Bild den kompletten Platz in Zeitlupe winken zu sehen.

Erstmals seit langen waren die 2 Damen der Band Anna Katharina Kränzlein und Birgit Muggenthaler wieder dabei. Die fehlten ja bekanntlich Schwangerschaftsbedingt öfters (die unglücklichen Worte von Sänger Thomas Lindner dazu möchte ich hier jetzt lieber nicht wiederholen). In Selb war man auf alle Fälle komplett und es ist sicher einer der Gründe, warum Schandmaul so erfolgreich geworden ist. Die Bandbesetzung ist seit Gründung annähernd gleichgeblieben, einzig der Bassmann Matthias Richter kam 2002 neu dazu und das ist ja auch schon eine halbe Ewigkeit her. Auch die Fannähe ist nie verloren gegangen, egal ob 1000 oder 30000 Leute Schandmaul verkriecht sich nicht und auch in Selb waren die Bandmitglieder am Goldberg unterwegs. Und haben nach dem Konzert Autogramme geschrieben. Aber nochmals zurück zum Konzert und zur Songauswahl. Die ist bei Schandmaul eh zweitranging, haben sie doch inzwischen im Repertoire so viele tolle Lieder die jeder kennt und die viele mitsingen können. Was ich aber noch nie bei einem Konzert erlebt habe ist ein männlicher Security, der alle Songs der Band problemlos mitsingen kann und dies auch tut. Natürlich ohne die feiernde Menge aus dem Auge zu lassen, aber er hätte sich ruhig mal umdrehen können. denn wie jedes Jahr hatten die Leute nur eins im Sinn, ein wunderschönes Konzert zu erleben und dafür tat Schandmaul alles. Und so gab es mächtig was auf die Ohren bis Thomas Lindner beschloss auch mal auf die Bremse zu treten und zwei wunderschöne Balladen unters Volk zu bringen. Vor allem „Willst Du“ ist zum dahinschmelzen und wegen seines grandiosen Textes das schönste Antragslied für Verliebte was man sich überhaupt vorstellen kann. Und bestimmt haben sich in dem Moment nicht wenige Verliebte tief in die Augen geschaut und in ihnen „rührte sich ein Geföhl das brennt“, wie so wunderschön poetisch in dem Song geschrieben. Großes Romantikkino, große Show einer der erfolgreichsten Mittelalterbands überhaupt.

Capella Bardica Mythodeanis

Für die ganz ausdauernden unter den Besuchern hatte das Festival Mediaval 2012 zum Nachtkonzert um 0.00 Uhr noch eine ganz besondere Überraschung parat. Die Capella Bardica Mythodeanis stand erstmals auf der Bühne. Die vereinigten Larp-Barden Mythodeas sind ein Zusammenschluss verschiedender Künstler, die aus allen Teilen Bayerns zusammengekommen sind um für diesen ganz besonderen Auftritt extra für das Mediaval Publikum zu proben, was bei sovielen Leute gar nicht so einfach zum koordinieren war. Immerhin hat man es tatsächlich geschafft die 14 Musiker ordentlich auf die Bühne zu stellen und tontechnisch perfekt abzustimmen.

Der Aufwand hat sich fraglos gelohnt und das Publikum dankte es den Künstlern mit einem guten Besuch zu so später Zeit und mit viel Applaus, den sich die Damen und Herren auf der Bühne auch wahrlich verdient haben. Die ruhigen Balladen und zünftigen Tavernenlieder von Larp-Klassikern bis zum Fantasy-Folk waren ein gelungener und einmaliger (im wahrsten Sinne des Wortes) Ausklang eines erlebnisreichen Tages.

Carolin und Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2012

Vom 07.-09.09. findet nun bereits zum 5 Mal Europas größtes Mittelalterfestival in Selb (Oberfranken) statt. Das besonders familienfreundliche und urgemütliche Festival hat auch in diesem Jahr ein herausragendes Programm wie z.B. der Auftritt von Schandmaul und Saltatio Mortis oder der Holländer von Omnia , die bisher jedesmal dabei waren und in Selb immer herausragende Konzerte abgeliefert haben. Außerdem wird es eines der letzten Gelegenheiten sein Schelmish live zu erleben, die sich ja bekanntlich zum Jahresende auflösen, sehr zu unserem Bedauerern. Winterstorm , die den Nachwuchspreis im letzten Jahr gewonnen haben sind nach Wacken nun in Selb mit neuer CD am Start. Selbst einen echten Chor und eine Larp Bigband wird es geben, nicht zu vergessen die vielen Künstler auf der Kleinkunstbühne und auf dem Gelände. Grund genug also für uns vorab, 7 Tage vor Beginn des Festivals, mit einem der Macher Oliver Karolkewik ein kleines Interview zu führen.

1) Die wichtigste Frage zuerst gibt’s noch Karten auch für Kurzentschlossene am Festivaltag?

Es gibt auf alle Fälle noch Karten, auch für Kurzentschlossene. Auch noch am 07.09 zu Beginn des Festivals. Ist wichtig zu sagen, dass das nicht der VVK-Preis ist, der am Freitag zu zahlen ist Wie die Nachfrage in diesem Jahr ist, ist etwas schwierig zu beantworten. Leider mussten wir den Kartenpreis etwas anheben, so dass ein Umsatzanstieg schon daraus resultiert. Eine verbindliche Aussage kann man somit letztlich erst machen, wenn die Bändchen gezählt werden. Auch bei den Familienkarten weiß man letztlich erst am Festivaltag wieviele Personen dann wirklich kommen. Aber der allgemeine Eindruck ist schon, dass der Vorverkauf besser läuft.

2) Ein Highlight des Festival Mediavals sind die Workshops die u.a. auch von Musiker n geleitet werden wie z.B. der Rahmentrommelworkshop von Rüdiger Maul . Gibt’s noch freie Plätze?

Mittlerweile schaffen wir es, dass Musiker mitmachen. Es startete als Experiment wir wollten uns da ganz bewusst von anderen Festivals etwas abheben. Wir versuchen mit dem Festival Mediaval etwas über das normale Maß hinaus bieten. Dazu gehören auch die Workshops und die werden auch extrem gut angenommen. Für die Musiker hat es den netten Nebeneffekt, dass sie auch noch etwas Geld dazu verdienen und der Kontaklt zu den Fans wird enger. Und für die Fans ist das natürlich auch etwas Besonderes, wer kann schon von sich behaupten dass er z.B. bei Rüdiger Maul Trommeln gelernt hat. Plätze für die Workshops gibt es schon noch, am besten im Internet auf unserer Seite schauen. Anmeldungen sind da noch kurzfristig möglich. Oder aber man geht bis spätestens 30 Minuten vor Workshopbeginn zum Infostand und erkundigt sich dort direkt.

3) Auf was freut man sich als Veranstalter besonders?

Ganz klar Schandmaul, vor allem auch weil sie bei uns, so wie es ausschaut, sogar in Originalbesetzung spielen. Durch die Schwangerschaft waren sie in dem Jahr oft mit Ersatzmusikern unterwegs. Für uns ist das so ein kleines Geschenk zum 5- jährigen Jubiläum, wir bemühen uns ja schon länger um die Band.
Da werde ich denk ich dann auch mal mein Funkgerät zur Seite legen.

4) Ich finde man muss das Festival unbedingt 3 Tage erleben. Gibt’s überhaupt noch Unterkunftsmöglichkeiten?

Erfahrungsgemäß wird das jedes Jahr um die Zeit schon sehr knapp. Die Ferienwohnungen sind ja schon immer spätestens im März weg, ob es in der Turnhalle noch Übernachtungen gibt kann ich nicht sagen weil das ja die Turnerschaft in Eigenregie macht. Aber am
Campingplatz gibt es immer Platz.

5) Die ersten 4 Festivals kann man mit den Worten urgemütlich und extrem familienfreundlcih gut umschreiben. Ist das auch beim 5. Festival so?

Klar auch in diesem Jahr ist das Festival Mediaval ein Festival für die ganze Familie. Und so gibt es auch für die Kids wieder genug zu erleben. Handwerkerstände , Kerzenziehen, Kinderanimation mit Kinderritterspielen und unser großes Rad um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen. Nicht zu vergessen natürlich unsere Gaukler und Kleinkünstler.

6) Ihr habt eigentlich das Bundesverdienstkreuz verdient für Eueren Mut ausgerechnet in einer strukturschwachen Region die noch dazu alles aneder als eine Konzerthochburg ist, von 0 an das größte Mittelalterfestival Europs auf die Beine zu stellen. Nicht wenige haben Euch bestimmt für verrückt erklärt. Habt ihr das je bereut euch für Selb entschieden zu haben?

Nein bereut nicht. Wobei man wirklich sagen muss es war der Mut der Naiven. Wenn man in allen Details gewusst hätte auf was man sich da einläässt, ob wan es dann wirklich in so großem Rahmen aufgezogen hätte weiß ich nicht.
Höchstens einzelne Entscheidungen, die man nicht bereut, aber sagen muss mit der jetzigen Erfahrung hätte ich mich damals anders entschieden. Es war bisher eine schöne aber auch schwierige Zeit.

Für so ein Projekt muss man entweder naiv oder verrückt sein oder beides.

7) Gab es von Politikerseite wenigstens jegliche Unterstützung? Die E-Musik wird ja immer auch finanziell unterstützt bei der U-Musik sieht es da ja ganz anders aus.

Im ersten Jahr war die Skepsis sehr sehr groß. Das nehme ich auch keinem übel. 3 Verrückte kommen daher und sagen wir entweihen den heiligen Berg und machen da ein Mittelalterfestival. Wenn man die Gewandeten durch die Stadt ziehen sieht trägt das auch nicht zu weniger Skepsis bei. Aber nach dem 1. FM war die Begeisterung da. Die Unterstützung war zwar schon von vornherein da, aber es ist der Stadt dann leichter gefallen Zusagen zu machen u.a. auch was Sponsoring betrifft.
Man hat zwar nur das Feedback derer, die zum Goldberg kommen, aber das sind inzwischen schon recht viele und aus allen Altersschichten und auch parteiübergreifend.

8) Am Anfang wurde das Festival grenzüberschreitend geplant mit Konzert in Tschechien. Dann kam der Brand des Veranstaltungsortes dazwischen. Wie ist die Situation heute inwieweit bindet man Tschechien noch ein?

Es war ein gigantischer finanzieller und organisatorischer Aufwand ohne jeglichen Nutzen.Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür es grenzübergreifend zu machen oder die Bürokratie noch zu stark.

9) Denkt ihr eigentlich schon über das 5. Festival hinaus?

Jain. Man muss zwar an der einen oder anderen Stelle schon weiterdenken. Aber prinzipiell ist die Zeitrechnung immer von einem zum anderen Festival. Erst wenn wir alles abgebaut haben und man dann nach Hause führt und 1-2 Nächte darüber geschlafen hat fängt man an über das nächste intensiver nachzudenken. Erst mal hat man den Kopf voll mit dem aktuellen

10) Gibt es ein 6 Festival?
Wir haben uns 5 Jahre als Ziel gesetzt und wollen danach erst einmal Bilanz ziehen. Die Absicht ist zwar klar da, aber man muss einfach mal schauen ob es sich auch finanziell rentiert

11) Ich kenn mich etwas im Bereich Musik aus und kenn auch viele Bands auch im Bereich der Mittelalterszene. Ihr schafft es aber immer wieder Bands zu finden von denen man noch nichts gehört hat und die auch noch nie in Deutschland aufgetreten sind oder schon ewig nimmer. Wie kommt man auf solche Acts?

Das sind in erster Linie die Ideen von Bläcky (Schwarz einer der 3 Macher des Festivals-Anmerkung des Interviewers). Wir drei setzen uns dann zusammen und horchen uns das an. Wir müssen auch abwägen, was zieht die Leute. Schließlich können wir ja nicht nur tolle Musik präsentieren irgendwann müssen wir auch einmal Geld verdienen damit. Alan Stivell ist da so ein Beispiel. Klasse Musik aber er hat nicht wirklich die Leute angezogen. Es ist also auch immer ein ökonomischer Aspekt dabei. Wieviel kostet eine Band, dann die Frage wie klingt sie, passt sie zu unserem Festival und wie bekannt ist sie.
Manchmal werden wir dann aber auch selbst noch positiv überrascht wie z.B. bei Winterstorm im letzten Jahr.

12) Früher wurde Mittelalter und Gothic ziemlich als eins betrachtet. Inzwischen dividiert sich das etwas auseinander. es gibt inzwischen auch reine Mittelalter-Musikzeitungen. Den bereich Gothic habt ihr schon immer ziemlich ausgespart was ich persönlich schade finde da es sehr gute Acts finde die auch noch gut auf den Goldberg passen würden wie z.B ASPs Zaubererbrüder. Warum ist das so?

Eigentlich haben wir von vornherein gesagt wir wollen Gegensätze verbinden.Viele Musikrichtungen (Gothic, Metal, Mittelater, Folk) sollen zusammenfließen. Das Problem ist natürlich, dass manches sehr speziell wenn z. B. eine Gothic-Electro Band hier spielt dann steigen mir die Mittelalterfans aufs Dach. Es ist wirklich sehr schwierig hier eine Auswahl zu finden die allen passt.
Der Wille war schon da etwas Gothic-lastiger zu sein aber eine Band die vor 5 Jahren Gothic war muss es jetzt auch nicht mehr sein. Wir hätten gerne noch ein deutlich gemischteres Publikum.

13) Wenn ihr jede Summe zur Verfügung hättet was wäre euere Traumband

Da fällt mir ganz spontan Loreena McKennitt und Blackmores Night ein.

14) Noch mal zurück zum Festival nächste Woche. Was ist euer größter Wunsch und euere größte Sorge

Das alles glatt geht, es keine Querelen gibt z.B. unten am Campingplatz wegen des Verkehrs. Und natürlich die Hoffnung finanziell wenigstens mit einer schwarzen Null rauszukommen.
Die größte Sorge ist natürlich das Wetter und dadurch bei Regen der entsprechende Zuschauermangel
Und das alle Bands wie vereinbart gesund ankommen, bisher gibt es glücklicherweise keine Absage.