In Extremo – Kunstraub

Seit Ende September ist das 11. Album der Mittelalter-Rockband In Extremo da.

Mit „Kunstraub“ präsentiert sich die Band einmal mehr als Rockband mit mittelalterlichen Instrumenten, denn Gitarren und Schlagwerk dominieren das neue Machwerk eindeutig.

Aber auch die mittelalterlichen Klänge kann man klar heraushören, denn sie fügen sich nahezu perfekt in die Kompositionen ein und ergänzen so das komplette Werk.

Das man sich auch in vielen Jahren des Bestehens einer Band stetig entwickeln kann, ist dem neuen Album von InEx deutlich anzuhören. Die Jungs sind bei allen 12 Songs dem Deutschen treu geblieben und mehr noch, haben alle selbst geschrieben.

Stücke wie „Der die Sonne schlafen schickt“, „Feuertaufe“, „Wege ohne Namen“ oder „Lebemann“ sind eingängig und haben die perfekte Mischung aus lauten, harten aber auch leisen Tönen.

Die Texte des letzten Einhorns sind einmal mehr Grund genug, genau hinzuhören, auch wenn ein mancher am liebsten nur abzappeln möchte. Das ist beinahe durch das gesamte Album praktizierbar und daher eignet sich die Scheibe prima für zukünftige Live-Auftritte der Band.

Es gibt keinen Song auf diesem Album, den man sich extra herauspicken müsste, weil man ein Manko feststellen kann.

Alles in allem werden Fans der Berliner voll auf ihre Kosten kommen und mit diesem Kleinod ihre wahre Freude erleben!

Bleibt abzuwarten, ob das ein oder andere gute Stück bald einem „Kunstraub“ zum Opfer fallen wird, aber bis dahin können sich die Herren um Michael Rhein an ihrem kleinen Kunstwerk erfreuen und damit alle Fans von In Extremo!

Katharina von Kleve

Das 6.Festival Mediaval vom 06-08.09 in Selb

Wenn man sehnsuchtsvoll die Tage bis zum Festivalbeginn zählt, wenn selbst die Bands ins schwärmen kommen und das Festival zum Highlight des jährlichen Tourplans zählt, wenn Omnia das Publikum in Selb mit „Endlich wieder daheim“ begrüßen und man massig Positives auf Facebook lesen kann, dann haben die Veranstalter wieder vieles richtig gemacht. Und das ist in diesem Jahr umso bemerkenswerter da 8 ganz wichtige Orgamitglieder nach 5 Jahren Festival Mediaval diesmal nicht mehr zur Verfügung standen. Doch Blacky Schwarz und sein neues Orgateam haben es geschafft auch die 6. Ausgabe zu einem unvergesslich schönen Event zu machen. Und zwar mit Unterstützung großartiger Musiker/innen, Künstler, der ganzen Lagergruppen und den Fieranten. Vor allem aber einmal mehr mit Hilfe eines begeisterungsfähigen , bestens gelaunten , entspannten Publikums das beste dass man sich als Konzertveranstalter nur wünschen kann. Und so vergingen die 3 Tage ohne Stress für die wie immer gut gelaunte und freundliche „Selber Security“ wie im Fluge. Und als Corvus Corax und Wadokyo am Sonntag einen spektakulären Schlusspunkt setzen hatte man das Gefühl wieder nur einen Teil des reichaltigen Angebots erlebt zu haben und beginnt die Tage zu zählen bis 2014 zum 7. mal das Festival Mediaval ansteht. Dann wieder mit einem musikalischen Schwerpunkt nach dem Nordic Special 2013.

Der Freitag

Traditionell beginnt das Festival am Freitag mit der Eröffnung des Handwerkermarks, des Händlernarktes und der Fressmeile. Bevor Totus Gaudeo um 16.30 das schon zahlreich erschienene Publikum auf der Schlossbühne zum feiern und tanzen animieren durften, nützte man die Chance dem Publikum die verantwortlichen Orgamitglieder einmal persönlich vorzustellen. Eine schöne Idee, die auch die komplett versammelte Band Omnia mit Interesse verfolgte und die ihre Wertschätzung genauso zum Ausdruck brachte, wie viele Besucher durch ihren kräftigen langanhaltenden Applaus. Dann stürmte Totus Gaudeo die Bühne, die nun das zweite Mal in Selb auftraten. Machte man beim ersten Auftritt 2011 die Bühnenlichter Samstag Nacht aus, so durfte man sie diesmal anschalten. Sicher nicht die dankbarste Aufgabe , ein Festival zu eröffnen, doch mit Blick auf das tanzende und mitsingende Publikum bereits beim ersten Song „Aus der Bredouille“ muss man feststellen, dass die Niederbayern mit ihrer Vagantenmusik dies mit Bravour lösten. Mit ihrem reichhaltigen Instrumentenfundus, wie Drehleier, Geige, diverse Pfeifen , Flöten sowie Gitarre und Davul und viel Spielfreude war man ein perfekter Festivalauftakt. Egal ob lateinisch oder Deutsch gesungen, Totus Gaudeo machen Spaß und besonders das Lied vom Seeräuber Sven erwies sich als heimlicher Hit. Totus Gaudeo hat übrigens Bayerns einzigen hauptberuflichen Dudelsackbauer in seinen Reihen. Der IT-Spezialist Florian Ganslmeier hat kurzerhand seinen gut dotierten Job hingeschmissen, beim Schandmaul Jubiläumskonzert konnte man seine Dudelsäcke bewundern, in Selb mit Totus Gaudeo seine musikalischen Qualitäten.
Zweite Band des Freitags und erste im Rahmen des Nordic Specials waren Unshine aus Finnland. Der Gothic Metal war ein krasser Kontrast zum Totus Gaudeo Sound, Kontraste die das Festival Mediaval so einmalig und besonders machen. Von ruhig bis hart, von Klangkunst bis zur Populärmusik. Vom jungen Newcomer bis zum Chartbreaker, das Festival ist so vielschichtig , wie sonst keines in Deutschland mit dem Schwerpunkt Mittelaltermusik. Aber zurück zu Unshine, die Aufgrund eines Wadenkrampfes des Gitarristen während des Auftritts gezwungen waren die Bühne kurz zu verlassen. Die Setlist bestand größtenteils aus Songs des vor kurzem erschienenen dritten regulären Albums Dark Half Rising . Nach 4 neuen Songs gab es dann 3 vom Album Nummer 2 The Enigma of immortals, somit konnte man sich recht gut ein Bild machen, wie und ob sich der Sound der Band in den letzten Jahren verändert hat. Oder besser gesagt könnte, leider war der Sound alles andere als perfekt gemischt , die Sängerin oft zu leise und die Instrumente zu laut. Und so konnte Unshine nur bedingt Werbung für das hörenswerte neue Werk machen.
Die Finnen zeigten sich übrigens schwer beeindruckt vom Festival Mediaval und waren auch Samstag so lange als möglich am Goldberg unterwegs.
Ein Festival Mediaval ohne Omnia , es würde echt etwas fehlen. In diesem Jahr drohte das, glücklicher Weise hatte eine Band im Vorfeld abgesagt , so dass Omnia doch noch in das Lineup rutschten. Sehr zur Freude der extrem gut gefüllten Schlossbühne . Wo sind denn nur die ganzen Leute hingekommen wunderte sich ein neuer Fierant, doch ein langjähriger Kollege klärte ihn schnell auf. Es spielt doch Omnia. Die Holländer die in der bisher kleinsten Besetzung zu viert zum sechsten Mal beim Festival Mediaval auftraten hatten sich auch diesmal wieder einige Freunde eingeladen. Kevin Kalvus lies seine Kugeln kreisen, die Feuerkünstlerin Ayuna verzauberte zu den Omnia Klängen das Publikum und das Duett von Steve und Euzen Sängerin Maria Franz war der absolute Höhepunkt des gelungenen Omnia Auftritts, die mit ihrem Pagan Folk die Massen zum toben brachten. Kein Wunder sind Omnia in ihrem „Wohnzimmer“ ja Jahr für Jahr besonders gut drauf.
Das mit dem besonders gut drauf sein gilt in gleichem Maße auch für Feuerschwanz, die ebenfalls zum zweiten Mal in Selb auftraten. Die Spaßcombo aus dem Nürnberger Raum, hat auch in Selb viele Fans, was eine gutgefüllte Burgbühne eindrucksvoll bewies. Optisch unterstützt von den bildhübschen Miezen heizten Hauptmann Feuerschwanz Sir Lanzeflott, Prinz Hodenherz , Hans der Aufrechte , Knappe Latte und nicht zu vergessen Johanna von der Vogelweide das Publikum so richtig ein. Star des Abends war aber die Fee aus dem Publikum , die dem ganzen Spaß auf der Bühne die Krone aufsetzte. Ein Glücksgriff, der einen spaßigen Auftritt noch unterhaltsamer und lustiger machte.
Der Ausspruch von Faun Sänger Oliver SaTyr „Es gibt doch tatsächlich noch Leute die denken , wir machen Popmusik“ sorgte für großen Jubel und Gelächter im Publikum. Denn auch in Selb zeigte die Band Faun mit neuer Frau Katja Moslehner, am Micro einen gewohnt guten Auftritt. Mit vielen alten Songs und mit dieser kalten Nacht einen einzigen „Von den Elben Song“ in der Setlist. Da man erfreulicherweise auch die Bässe etwas dezenter einsetzte konnten sich viele alte und neue Faunfans an den Münchnern erfreuen. Genauso wie Omnia sind auch Faun bisher jedes Jahr in Selb dabei gewesen und mit Beatrice Baumann hatte man auch optisch wieder einen ganz besonderen Gast, sehr zur Freude auch der auffallend vielen Fotografen zu bieten.
Als Schlusspunkt des Freitags gabs diesmal keine Feuershow , sondern ein Theaterstück zu sehen. Theatre of Shadow Evolution mit ihrem Stück Fin Amor gaben sich größte Mühe das Publikum zu fesseln , was trotz großem optischen Aufwand und unfreiwilligen Sturz eines Stelzenläufers nur bedingt glückte. Vielleicht wäre es besser gewesen dem zahlreich erschienenen Publikum das Stück vom Beginn der Liebe mit Zuneigung über den schwierigen Kampf gegen die Versuchungen des Lebens bis zum ersehnten Preis für Entbehrung und Abweisung im Vorfeld zu erläutern, so guckte aber nicht nur ich etwas ratlos auf das zumindest optisch recht ansprechende Geschehen eines äußerst gelungenen ersten Festivaltages.

Der Samstag

Erfahrene Besucher des Festivals Mediaval wissen genau, dass es sich in Selb besonders lohnt früh aufzustehen. Steht doch jedes Jahr der Nachwuchswettbewerb an. Und der erweist sich Jahr für Jahr mit vielen klasse Nachwuchsbands als ein ganz besonderes Highlight im Festivalprogramm. In guter Tradition haben sich auch in diesem Jahr am Samstag 3 Bands eingefunden um sich in einem 30 minütigen Auftritt in die Herzen des Publikums zu spielen. Samstag nahmen Brigandu, Tanzebom und Saitenweise in der Kategorie Spielmann das Battle auf.
Tanzebom erwecken die Musik des Mittelalters und des Frühbarock mit viel Spielfreude zum Leben. Brigandu passten mit ihren Liedern und Tänzen aus dem nordischen und keltischen Raum perfekt zum Nordic Special, auch weil die doppelte Miriam am Mikrofon, Sängerin Miriam Bohse und Miriam Carl so schön elfengleich nordisch klangen. Und die Gewinner Saitenweise, keine Unbekannten in Selb, haben allein schon deshalb den Zwerg verdient, haben sie mit der lebensbejahenden Hymne „Feiere Dein Leben“ einen echten „Mittelalter-Hit“ im Gepäck, der wie geschaffen als Hymne des Festivals Mediaval geeignet ist. Und so dürfen sich Saitenweise freuen im nächsten Jahr eine Stunde die Burgbühne zu bespielen, auch eine gute Tradition in Selb für den Gewinner. Da die bei der Siegerehrung aber der Meinung waren, dass auch die beiden anderen Bands den Preis verdient hätten und Cheforganisator Bläcky Schwarz spontan sofort sein ok gab, wird der gemeinsame Auftritt im nächsten Jahr zu einem ganz besonderen Festivalhighlight werden.
Ein Gewinner des Vorjahres sorgte dann um 12.00 Uhr auf der Burgbühne für ausgelassenste Stimmung im Publikum. Die Piratenband Elmsfeuer hat 2012 bereits beeindruckt, warum sie gewinnen konnten und inzwischen zu einer herausragenden (Piraten-)Band gereift sind konnte jeder eine Stunde überdeutlich erleben. Fesselnd, mitreissend, Elmsfeuer machen selbst Tanzfaulen Beine. Tanzen zappeln und Schunkeln, man kann gar nicht anders und Anni, Franzi und ihre Jungs wissen glaub ich selbst noch nicht wirklich wie gut sie sind. Wenn die Truppe so weitermacht, weiter so klasse Songs schreibt und sich auch in Zukunft so gut versteht, dann wird die Band zum Headliner heranreifen, wetten!
Typisch Festival Mediaval, erst gehts mit 180 auf der Autobahn dahin (Elmsfeuer) und dann gehts runter vom Gas bis fast zur Vollbremsung. Für die sorgte Kaunan und das soll gar nicht negativ klingen. Das Nordic Folk Project von Oliver SaTyr (Faun) und Boris Koller (Poeta Magica) ist nur extrem ruhig, klassisch und mit 2 Nyckelharpas bzw Bouzoukis sehr speziell instrumentiert. Nur in Selb ist es denkbar den beiden eine solch große Bühne für ihre Art der schwedischen Volksmusik zur Verfügung zu stellen und die füllen die beiden für die Liebhaber dieser Art Mittelaltermusik auch großartig aus. Der „schwedische Österreicher“ Boris Koller ist übrigens ein ganz spezieller Künstler, so bewundernswert er als Musiker agiert, so herausragend ist er auch als Maler unterwegs. Deshalb kleiner Tip unbedingt einmal seine Bilder anschauen.
Mit Satolstellamanderfanz ging es auf der Burgbühne weiter. Keine Ahnung was die Band geritten hat, sich einen solch schlecht zu merkenden unaussprechlichen Namen zuzulegen. Die Musik der Band, die sich das Ziel gesetzt haben eine Brücke zwischen den Herzen und Seelen aller Menschen zu bauen. Wie man auf der Homepage lesen kann vermischen sie mit einem Augenzwinkern moderne Rhythmen mit exotischen Romanzen und schmücken eigenwillige Interpretationen mittelalterlicher Stücke mit mystisch-musikalischer Erzählkunst aus. Das ganze auch optisch durchaus sehenswert und aus einem Guss wirkend, obwohl mit Karoline Frick ein neues Bandmitglied Satolstellamanderfanz erstmals bei einem Festival unterstützte.
Ein Hoch auf Crowdfunding , denn gäbe es das nicht, hätten die Besucher des Festival Mediavals keine Chance gehabt erstmals eine Band aus Down Under in Selb zu erleben. Selbst hätte man die Kosten für den Flug nicht aufbringen können und nur Dank viel finanzieller Unterstützung konnte man den teueren Flug bezahlen. Als Gegenleistung konnten die Spender u.a neben einem Privatkonzert auch die Haarfarbe von Sängerin Naomi Henderson beim Auftritt bestimmen. Und so verschönte ein leuchtendes Atlantic Blue die charismatische Sängerin , die nicht nur auf der Bühne sondern an den 3 Tagen auch auf dem Festivalgelände eine strahlend positive Erscheinung abgab. Kein Wunder fühlten sich die Australier doch pudelwohl in Selb und zeigten sich begeistert von dem großartigen Festival. Das merkte man den beiden auch auf der Bühne an und die Dark Electro World Music der Australier und Naomis Stimmgewalt kamen durchaus an. Und auch wenn trotz WGT-Auftritt die Band bisher in Deutschland noch sehr unbekannt ist, hat man sicher in Selb viele neue Fans gewinnen können.
Davon hat Maria Franz in Selb schon mehr als genug, mit Auftritten als Faun und Omnia Support ist sie in Selb schon ein bekanntes Gesicht. Mit ihrer eigenen Band Euzen war sie im Rahmen des Nordic Specials fraglos ein Highlight des Wochenendes. Die Musik der Dänischen Band mit Norwegischer Sängerin in der sich alle Björk und Valravn Fans sofort verlieben sollten. Aber nicht nur die, die spannende Mischung aus Elektrobeats und Akusticsound, aus tranceartigen Beats und ruhiger Ballade ist fesselnd. Und live mit der bildhübschen ausdrucksstarken Sängerin schon zweimal. Euzen, gesprochen „You seen“ sind trotz zweier klasse CDs immer noch ein Geheimtip. Ein ganz heißer sogar. Und davon konnten sich auch viele Musikerkollegen überzeugen , die dem Auftritt mit Begeisterung beiwohnten. Allen voran die befreundete Band Omnia, Steve und Jenny unterstützten Euzen auch bei einem Lied auf der Bühne und Steve übernahm nach dem Konzert die Führung der Menge zu Merchandise, wo die CDs reissenden Absatz fanden. Der starke Auftritt schreit nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr.
Als Paradebeispiel für die Abwechslung die das Festival Mediaval seinen Besuchern bietet steht die ebenfalls aus Dänemark stammende Band Gny mit ihrer wunderschönen nordischen Folkmusik. Die war nicht nur ein krasser Kontrast zum Euzen-Auftritt, Sängerin Nanna Solveig Barslev-Larsen verwandelte die große Fläche vor der Schlossbühne zum Freilufttanzsaal und ein Teil des Publikums machte begeistert mit, der andere Teil schaute tiefenentspannd sitzend oder liegend dem bunten Treiben zu. Mit rekonstruierten Mittelalterinstrumenten interpretieren sie bekannte und unbekanntere Nordische Folksongs auf traditioneller Weise und eine Sängerin die einen Teil des Konzertes mitten im Publikum verbrachte hatte Selb auch noch nicht gesehen.

Nach den ruhigen Gny-Klängen hatten die Sandsacks den klaren Auftrag, das Feiergen des Publikums wieder wachzurüteln. Mit druckvollem Sound und kräftigen Gesang fiel es der Truppe leicht mit „finest irish folk und medieval music“ das Publikum mitzureissen und zum Tanzen, Mitsingen und Partymachen zu bewegen. Und die hatten, zahlreich erschienen, genauso viel Spaß wie die Truppe auf der Bühne. Und damit machte die Berliner Band nicht nur tolle Eigenwerbung sondern auch darauf, was die Besucher 2014 erwartet, wenn als Schwerpunkt ein Irisch-Schottisch-Special geben wird. Die Messlatte haben die Sandsacks auf alle Fälle schon einmal mächtig hochgelegt. Chapeau.

Mit etwas Sorge musste man trotz prächtigen Festivalwetters den Auftritt von Poeta Magica entgegenschauen. Hatte man doch 2011 einen Sturm entfacht, ein Unwetter das den Auftritt damals jäh beendete, gerade als die Zuschauer an dem schwierigen Edda-Stoff so richtig Freude gefunden haben. Der Frust bei der Truppe sitzt noch immer tief, doch diesmal blieb zum Glück alles ruhig und Holger E Funke und seine Musiker konnten die mystische Liedersammlung in einer dem Zuschauer einiges abverlangenden Verbindung aus Rezession und Musik präsentieren. Verstärkt mit Musikern aus Schweden und Norwegen boten sie dem Publikum in Selb die wichtigste Quelle altnordischer Mytologie in einer zeitgemäßen Umsetzung auch optisch beeindruckend dar.

Danach war Babybedingt für mich der Samstag beendet und so hab ich den für viele absoluten Höhepunkt des Wochendes den Auftritt von Garmana nach 12 Jahren Konzertpause, sowie den von Winterstorm und Die Grosse Session der Spielleute zum Abschluss des 2 Festivaltages verpasst. Leider.

Netterweise hat meine Fotokollegin Valeria einen kleinen Bericht verfasst:

Als ganz besonderes Highlight hat die Orga des Festival Mediavals es geschafft, die Kultband Garmarna wieder auf die Bühne zu holen. Die Schweden, die seit zwölf Jahren kein Konzert in Deutschland gespielt haben, konnten für ein einmaliges Konzert gewonnen werden. Die Erwartungen waren groß, denn obwohl ich die Band noch nie live gesehen hatte, eilt ihnen ein guter Ruf voraus.

Spätestens bei den ersten Tönen von „Herr Mannelig“ war ich restlos begeistert. Der ganze Platz hörte andächtig zu, als Emma Härdelin die Zeilen des Ritters Mannelig und der Trollin sang und wagte es nicht die mystische Atmosphäre zu stören. Bei den schnelleren Liedern wirbelten Gotte Ringqvist und Stefan Brisland-Ferner mit Gitarre und Geige, über die Bühne, während Emma fast regungslos an ihrem Mikro stand. Und man konnte allen ansehen, dass es ihnen wirklich Spaß machte wieder aufzutreten und auch Bläcky konnte es nicht lassen neben der Bühne mitzutanzen. Gotte wäre einmal sogar fast vom Bühnenrand in den Graben gefallen, konnte sich aber noch rechtzeitig fangen.

Bei der Spielfreude und der guten Resonanz aus dem Publikum bleibt zu hoffen, dass Garmarna es nicht bei diesem einen Konzert belassen werden.

Sonntag

Der erste Pflichttermin des Sonntags stand um 10.00 Uhr auf der Theaterbühne an. Zum Rock Award hatten The Privateer den Weckruf übernommen. Unter den interessierten Zuhörern beobachtete auch Elmsfeuer Akkordeonspielerin Anni mit großem Interesse was die sechsköpfige Piratentruppe musikalisch zu bieten hat. Inspiriert von klassischen Heavy Metal, Death Metal und ein klein bißchen Power Metal haben sie um ihren ausdrucksstarken Sänger ihre ganz eigene harte Variante des Piratenrocks entwickelt , der besonders den Freunden härterer Klänge mächtig Spaß machte. Somit waren die Ohren nach dem Auftritt prächtig durchgeblasen und voll aufnahmefähig für Band Nummer zwei Sacred Silence, die mit Sänger Robert Kobler und ihrer Mischung aus Minnesang und Heavy Metal einen krassen Kontrast zu Band Nummer eins darstellten. Der polarisierende musicalartig-opernhafte Gesang war sicher nicht jedermanns Geschmack, spannend war es trotzdem Sacred Silence zu erleben.
Die späteren Gewinner des Goldenen Zwergs Impius Mundi waren die dritte Band an diesem Tag im Wettbewerb und setzten das schon hohe Niveau definitiv noch etwas nach oben. Die sich der rockigen Auslegung der Mittelaltermusik verschriebene Band ist Wacken erprobt und lieferte einen höchst unterhaltsamen und überzeugenden Auftritt ab. Damit ist man auch 2014 dabei und man kann sich schon heute darauf freuen. Denn die Auftritte der Zwerggewinner sind Jahr für Jahr ein Highlight des Festivals und die Gewinner 2012 Sagax Furor machten da auch keine Ausnahme. Um 11.00 früh waren schon überraschend viele Menschen vor der Bühne versammelt und die erfreuten sich am furiosen Auftritt der spielfreudigen Magdeburger Band, erprobten sich im Schwengeltanz, sangen kräftig mit und warfen BHs und Höschen auf die Bühne. Ganz nach dem Bandmotto immer Sagax, immer Furor beieindruckten die 6 nachhaltig mit ihrer Spielfreude.
Dass man auch in Lettland gute Medieval Music macht, stellten Obscurus Orbis eindrucksvoll unter Beweis. Und dass ein muskulärer Körperbau sich nicht negativ auf das Stimmvolumen auswirkt auch. Aber Trommeln macht stark und eine starke Erscheinung ist der „Michelin-Trommler“ von Obscurus Orbis zweifellos. Die lettische Band , die als einzige Gruppe Lettlands eine Drehleier verwendet, nützte ihre Chance sich in Europa etwas bekannter zu machen und dafür ist das Festival Mediaval die perfekte Bühne.
Namensgeber der Deutsch- Schwedischen Band Strömkarlen war der gleichnamige nordische Wassergeist, der mit unwiderstehlichem Fiedelspiel seine Opfer in den Bann und dann in die Tiefe zieht. Mit Geige, Kontrabass, Bodhran und Tin Whistle versuchte das Trio ähnliches, zumindest das Publikum für sich zu gewinnen. Leider hatte man allerdings nur eine relativ kleine Zuhörerschaft dafür zur Verfügung und man wunderte sich schon sehr, wo denn die ganzen Besucher hingekommen sind, noch dazu wo Strömkarlen hörenswerte traditionelle Nordische Musik abliefererten die weit mehr Publikum verdient hätte. Die Erklärung lieferte die Theaterbühne, denn hier gab es aufgrund des Zuschauerantrangs kaum ein Durchkommen mehr.
Soviele Besucher gab es in 6 Jahren Festival Mediaval vor der Theaterbühne noch nie und Schuld daran hatten die 7 Taiko-Trommler von Wadokyo, die die Massen zur Theaterbühne lockten. Die Röhrentrommeln und die spektakuläre Art diese zu bearbeiten machte neugierig und Wadokyo brauchen sich vor den bekanntesten Gruppen Japans Ondekoza und Yamato sicher nicht zu verstecken.
Kraftvoll, leidenschaftlich, dynamisch „The Power of Drums“ war ein ganz besonderes Erlebnis und ein absoluter Höhepunkt des Festivals 2013 und er machte unheimlich neugierig auf den Auftritt mit Corvus Corax als Abschluss des Festivals.
Wadokyo ist nicht nur einfaches Trommeln , das ist Entertainment , Schönheit, Action, Lebensfreude, Harmonie, perfekte Choreografie, Spaß pur und schreit nach einem Widersehen 2014 auf der Schlossbühne.
Gut, dass mit Berlinski Beat das Corvus Corax Zweitprojekt als nächstes auf der Bühne stand. Jede andere Band hätte es schwer gehabt die Stimmung nach Wadokyo zu halten, die Berliner hatten damit kein Problem. Mag man über die Corvus Corax Musiker ja denken was man will, ihre musikalische Kreativität steht außer Frage und die Idee den Balkan Beat Bläsersound mit DJ Tracks und Dudelsäcken zu mischen muss man erst mal haben und wenn Corvus Corax etwas auf die Bühne bringen, dann ist das musikalisch und optisch immer vom Feinsten. Und da machen die Berlinski Beat Musiker im schicken Anzug und stylischen Hüten in blau schwarzer Farbkombi keine Ausnahme. Das ganze ist extrem tanzbar und fetzt vom ersten bis zum letzten Ton. Einzig die Texte sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss, aber Berlinski Beat machen live wirklich irre Spaß.
Kontrastprogramm auf der Burgbühne. Etwas Folk Metal, etwas Doom Metal, etwas Black Metal und etwas Rock und heraus kommt der Musikmix der Russischen Band Wolfmare aus St. Petersburg. Da die Band bisher 3 recht unterschiedliche Alben veröffentlicht hat klingen die Lieder von fröhlich bis doomig brutal recht unterschiedlich und die ganze Performance litt doch etwas unter dem durchwachsen abgemischten Sound. Mit Elena Chikulaeva an der Violine und am Mikrofon hat man ohne Zweifel den attraktivesten Bauch des Festivals zu bieten. Absolut beeindruckend auch was Andrei Stepanov mit seinen Drumsticks so anstellte. An Wolfmare hatten vor allem die Liebhaber härterer Klänge ihre wahre Freude, dafür kamen mit Cara die Fans ruhigerer und traditioneller Folkmusik voll auf ihre Kosten. Kein Wunder, dass die Deutsch Irisch Schottische Band bisher mit Preisen überhäuft wurde, sie waren aufgrund ihrer hohen musikalischen Qualität und ihrer Bühnenpräsenz eine der absoluten Entdeckungen des Festivals. Die im Jahre 2003 gegründete Band hat schon einige Besetzungswechsel hinter sich, der Qualität hat dies keinesfalls geschadet. Der bandname Cara stammt aus dem Irischen und bedeutet Freund und neue Freunde hat die Band in Selb massig gefunden. Das zeigte sich auch am Merchandise Stand der nach dem Auftritt dicht umlagert wurde. Kein Wunder, dass Cara sich auch in den USA einen Namen machen konnten, in Selb blieben sie auf alle Fälle in sehr positiver Erinnerung und es bleibt zu hoffen, dass es ein baldiges Wiedersehen mit der symphatischen Band geben wird.
Kein Wiedersehen wird es dagegen mit Valravn geben, die in Selb ihr letztes Konzert vor der Auflösung spielten. Und dafür legten sich Anna Katrin Egilstöd und Juan Pino nochmals so richtig ins Zeug. Mit den 3 Mädels des String Trios Sirenerne hat man im Juni beim Feuertanz Festival noch einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt, Selb war da um Klassen besser , auch wenn man auch da den Bass bisweilen aus und überreizte. Trotzdem entfaltete der eigenwillige Mix aus tranceartigem Elekrobeats, eigenwilligen (Folk-) Klängen, gepaart mit Anna Katrins faszinierenden Stimme und den 3 Streicherinnen unter den Augen vieler Musikerkollegen seinen besonderen Reiz , der Valravn viele Fans beschert hat. Und die waren zurecht ziemlich traurig und so flossen hinter der Bühne auch die eine oder andere Träne.
Letzte Band der 3 tollen Tage von Selb, die Angie aus München einfach als Selbastisch bezeichnete, waren die Jungs von Corvus Corax und die setzten mit Wadokyo einen denkwürdigen Schlusspunkt. Welch geniale Idee von Norri mit den Taiko Trommlern etwas gemeinsam zu machen. Ist der Corvus Corax Trommelsound ja schon ein Erlebnis, wenn der durch Wadokyo noch vertärkt wird, bleibt einem der Mund offen stehen. Und wenn dann noch die Dudelsäcke einsetzen und dazu das tolle optische Erscheinungsbild der Band das ist wirklich großes Kino. Und das wurde zum Abschluss mit großer Publikumskulisse und Anteilnahme so richtig zelebriert. Die neue, ganz auf Nordeuropa ausgerichtete Scheibe Sverker, passt eh schon sehr gut zum Nordischen Programmschwerpunkt des Festivals, mit Wadokyo und der unbändigen Spielfreude aller Akteure entwickelte sich ein rauschhafter Sound der sich in Kopf Bein und Ohr gleichermaßen festsetzte. Sicher sind die Cantus Buranus Vorstellungen der Band noch beeindruckender, das was man mit Wadokyo Unterstützung in Selb ablieferte stand dem aber kaum nach und war ein würdiger Abschluss des tollen Festivals.
Neben viel Musik hat Selb aber noch soviel mehr zu bieten, angefangen von ganz viel tollen („Klein“-) Künstlern wie der Meister der Glaskugeln Kelvin Kalvus oder Beatrice (Baumann), die neben ihren Vorstellungen immer wieder als Eyecatcher die Besucher auf dem Festivalgelände großartig unterhielt. Oder der österreichische Kraftwürfel namens Eisenhans, der nicht nur extrem kräftig, sondern auch witzig und unterhaltsam ist, oder Baseltan, die nicht nur als Moderatorenduo, sondern auch bei den eigenen Auftritten mit ganz viel Situationskomik glänzten und ohne die das Festival nicht denkbar ist. Oder Pur Pur, die wo immer sie auftraten viele Zuhörer hatten, oder die Artistik Gruppen oder oder oder. Es gibt soviel zu sehen und zu erleben, dass es jeden Artikel sprengt. Workshops wie Drehleierspielen oder Rahmentrommel bei Fauns Rüdiger Maul, die Schaukämpfe und Highlandgames, den Kohlemeiler, und ein extra Kinderprogramm machen das Festival als Familienevent zu etwas Besonderem. Und im nächsten Jahr mit dem Irisch-Schottisch Schwerpunkt und den legendären Legends of Dublin („Dubliners“), mit Subway to Sally um nur mal 2 Bands zu nennen. Das Ganze gibts für die Besucher des Festivals 2013 als kleines Dankeschön zum Schnäppchenpreis von 65 Euro für 3 Tage.
Und seit die letzten Töne auf der Bühne verstummt sind zählen nicht wenige die Tage bis es 2014 zum 7. mal heißt Festival Mediaval und dann hoffentlich wieder bei so wunderschöen Festivalwetter.

Bernd Sonntag

15 Jahre Schandmaul -30. und 31.08 in Köln

Wenig überraschend, dass Gitarrist Ducky Duckstein bereits am Freitag Abend zu Beginn des Schandmaul-Konzertes feuchte Augen bekam, wie er strahlend am Samstag Nachmittag zugab. Kein Wunder, wurde die Band zum 15- jährigen Jubiläum von ca 8000 Leuten am Freitag und vor ausverkauftem Haus mit ca. 11000 Fans am Samstag doch gnadenlos abgefeiert. Das ging bereits am Freitag Mittag los, als die Tore zum Kölner Tanzbrunnen noch verschlossen waren. Die schon zahlreich erschienenen Konzertbesucher sangen der Band stimmgewaltig ein „Happy Birthday“ und stimmten Schandmaul- Songs und Schlachtrufe an. Für die Bayerische Band ist Köln neben München eine echte Hochburg. Da sich mit dem Tanzbrunnen eine der schönsten Open-Air Locations mitten in der Stadt befindet, die auch noch gleich neben dem Hauptbahnhof liegt und praktischerweise ein Campingplatz sich gleich daneben befindet, fiel die Entscheidung relativ schnell auf Köln. Bevor es aber so richtig mit den 2 Konzerten am Wochenende los ging, konnte man Schandmaul bereits am Mittwoch beim Warm-Up erleben. Hier bewies die Band einmal mehr ein großes Herz und unterstützte das Charity Project von Hedwig Neven DuMont „Wir helfen-weil Lernen jedem Kind eine Chance gibt“. Und so durften sich die Verantwortlichen über die Konzerteinnahmen freuen und Schandmaul über ein Warm Up mit Publikum.
Warum Köln, dies beantwortet Thomas Lindner dann beim Konzert selbst auch noch einmal mit einem einzigen Wort-DESHALB!- mit Blick auf die begeisterten Menschenmassen. Sehr zur Freude des Publikums das lautstark nicht nur Schandmaul feierten sondern auch die eingeladenen befreundeten Bands, sowie ein klein wenig auch sich selbst. Und bis auf Omnia ließen es sich diese auch nicht nehmen Schandmaul mit einem Coversong zum Jubiläum musikalisch zu gratulieren.
Etwas über 30 Minuten standen Omnia am Freitag zur Verfügung, mehr als eine kleine musikalische Visitenkarte konnten Spaßvogel Steve Sic , Ehefrau Jenny, Schlagzeuger Rob und Didgeridoospieler Daphyd somit nicht abgeben. Die fiel aber trotzdem beeindruckend genug aus und wer mehr von Omnia hören will, und das lohnt sich wirklich, sollte sich einfach einmal auf der Bandhomepage informieren, wo die nöchsten Auftritte stattfinden werden.
Für musikalische Überraschungen ist die Pagan Folk Band immer gut. Hatte man ja schon auf der letzten CD den beeindruckenden Beweis angetreten, dass Rap und Pagan Folk gut funktionierten, konnte das Publikum diesmal erleben dass Reggae und Pagan Folk ebenfalls ganz toll zusammenpassen. Zu hören wird das dann auf der neuen Scheibe sein. Die Besucher in Köln durften sich schon vorab davon überzeugen. Genauso davon, dass Steve immer für einen Scherz gut ist. So hatte er diebische Freude vor dem Konzertbeginn wie ein Osterhase ständig über die Bühne zu laufen, was jedesmal mit einem begeisterten Applaus des Publikums quittiert wurde.
Etwas mehr als eine Stunde Zeit hatte dann Saltatio Mortis für ihre Rockshow bekommen. Schandmaul kann sich echt glücklich schätzen, eine bessere Band als die aktuelle Nummer Eins der Album Charts als Support hätte man Freitag gar nicht finden können. Bereits da kochte die Stimmung fast über, unzählige Hände in der Luft sorgten für ein beeindruckendes Bild und mit dem Schandmaul Song Geisterschiff dankte und gratulierte SaMo den Jubilaren auch musikalisch.
Da SaMo bekanntlich eine der besten Mittelalterrockshows zu bieten hat und dies auch in Köln überdeutlich wurde, tat Schandmaul gut daran, den nun folgenden ersten Teil der Jubiläumsshow akustisch anzugehen. Im Anzug setzte man auch optisch einen Kontrastpunkt, die Streicherfraktion u.a mit Ally the Fiddle, die viele als Schandmaulmitglied während der Babypause der 2 Damen live ja bereits erleben konnten, veredelten die Songs ganz im Stile der Kunststück CD und 1000te begeisterte Konzertbesucher sangen bei fast jedem Lied, egal ob uralt oder ganz neu begeistert mit. Gänsehautstimmung immer wieder, traumhaft schön und auch für die Band sichtbar ein ganz bewegendes Erlebnis. Als man dann vielleicht Deutschlands schönstes Liebeslied Willst Du anstimmte wurde auch der härteste Kerl zum schmusigen Softie. Welch ein Jubiläumsauftakt, welch eine grandiose Stimmung, die sich am nächsten Tag unfassbarerweise sogar noch steigern sollte.
Doch zuerst einmal versuchte der Wettergott der prächtigen Stimmung mit einem Regenguss den Garaus zu machen Das funktionierte allerdings nicht wirklich. Geduldig blieb die lange Reihe unerschütterlich ungeschützt und sehr viele ohne Regenschutz im Regen vor dem Wellenbrecher stehen, um die heißbegehrten Bändchen zu bekommen, die zum Eintritt in den vordersten Bereich vor dem Wellenbrecher berechtigten. Der war eine der Auflagen der Stadt Köln, genauso wie die Lautstärke, beides sorgte bei einigen Besuchern für Missmut. Pünktlich zum Versengold-Auftritt war allerdings dann Schluss mit Regen , von einigen Spritzern einmal abgesehen.
Versengold freuten sich trotz nur 30 Minuten Auftrittszeit übrigens sehr über die Gelegenheit beim Schandmaul Jubiläum aufzutreten und bedankten sich beim Gastgeber mit einer gewohnt mitreissenden Versengold Show und dem Schandmaul-Cover Walburgisnacht. Laute Zugabe Rufe ließen keinerlei Zweifel aufkommen, dass Versengolds Auftritt ankam. Kein Wunder sind die Nordlichter doch eine begnadete Live- Band und ein Muss für jeden Folk- und Mittelalterfan.
Nicht ganz überraschend war im Vorfeld, dass die Folk-Metal Band Lyriel die Chance bekam beim Schandmaul Jubiläum aufzutreten. Die in Gummersbach gegründete Band hat ja mit Thomas Lindner zusammen den Song „Wenn die Engel fallen“ veröffentlicht. Leider gab es an diesem Tag jedoch kein gemeinsames Duett, dafür aber mit „Die Melodie“ auch eine Lyriel Interpretation eines Schandmaul Songs. Mit ihrer Musik, die sie selbst als Dark Romantic Celtic Rock bezeichnen, waren sie ein positiver musikalischer Gegenpol zu den Stimmungsbands des Tages. Und Dank der hübschen Damen auch noch ein absoluter Hingucker. Äußerst schade, dass sich die Band auf den Konzertbühnen so rar macht.
Für den nächsten musikalischen Gegenpol waren dann die Musiker der Kammer zuständig. Marcus Testory , Matthias Ambre und die großartige Kammerband hatten sicher die ungewöhnlichsten Klänge der 2 Tage zu bieten. Eine Tuba ist in der Volksmusik ein Muss, doch damit haben die Damen und Herren der Kammer trotz Tubaspieler gar nichts am Hut. Handmade Music nach guter alter Singer Songwriter Tradition mit Gothic, Folk und Celticeinflüssen sind ihr Ding und mit The Orphanage schafft man es gleich mit Lied eins ein gewaltiges musikalisches Ausrufezeichen zu setzen. So ungewöhnlich wie die Musik, so sympathisch und unterhaltsam präsentiert man sich in Köln und spätestens als Testorys tiefe Stimme „Prinzessin schließe die Augen. Schlafe nur seelenruhig ein!“ anstimmte um nach der ersten Strophe den wunderschönen Schandmaul Song in einen Kammerhit mit Tuba zu verwandeln jubelten die Massen. 2014 ist die Kammer übrigens der Toursupport für Schandmaul, auch deshalb sollte man sich schon jetzt um Karten bemühen.
Als absoluter Publikumsliebling erwies sich dann Fiddlers Green, die am meisten von allen Bands der zwei Tage gefeiert wurden. Völlig zurecht, hat man mit Winners and Boozers doch ein großartiges neues Album herausgebracht und irgendiwe scheint die Band von Jahr zu Jahr nur noch besser zu werden. Fiddlers Green garantiert Party pur und da ließen sich die Besucher aus ganz Deutschland aus der Schweiz, den Niederlanden, Östereich und woher auch immer man noch zum Schandmaul Jubiläum angereist war, nicht lange bitten. Da wurde getanzt, geschunkelt, gegrölt mitgefeiert und mitgesungen. Nur strahlende Gesichter wo immer man hinschaute und so ging es kurzweilig und mit prächtiger Stimmung dem Höhepunkt der zwei Tage entgegen. Und der war natürlich dem Jubilar vorbehalten. Das zweite mal gab es Schandmaul satt, wieder zweieinhalb Stunden zum Genießen, Dahinschmelzen, zum Feiern und Mitsingen. Und wieder ließ sich das Publikum nicht lange bitten sondern war vom ersten Lied an voll mit dabei. Auch wenn man sich diesmal im wesentlich rockigeren Gewand präsentierte, ruhige und gefühlvolle Momente gab es auch diesmal zuhauf. Vor allem die Frau mit dem schönsten Rückenauschnitt der zwei Tage, Anna Katharina Kränzlein, strahlte mit der untergehenden Sonne um die Wette. Und wer nicht ganz vorne stand, der konnte das Geschehen auf der Bühne dank der zwei großen Leinwände am Bühnenrand mitverfolgen. Aber auch die waren ganz hinten kaum mehr zu erkennen, doch selbst da wurde mit einer dermaßen großen Begeisterung lautstark mitgesungen, wie ich es bisher noch auf keinem Konzert in dieser Intensität so erlebt habe. Und so machte ein phantastisches Publikum die 2 Tage von Köln mit Sicherheit zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten, allen voran den Mitgliedern von Schandmaul, die es sich nicht nehmen ließen auch an den beiden Tagen Viva con Agua zu unterstützen. So wird das Becherpfand der gespendeten Becher dazu verwendet, dass Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen bekommen. Trinkwasser das es übrigens an den beiden Tagen kostenlos für die Besucher zum trinken gab. Auch etwas Besonderes an einem ganz besonderen Konzertwochenende.

Bernd Sonntag

Castlefest 2013

Ein tolles Gelände, viele Stände, abwechslungsreiche Musik und gutes Wetter haben das diesjährige Castlefest zu einem perfekten Festival gemacht.

Wenn es einmal im Jahr im Keukenhof in Lisse nicht um die schöne Blumenpracht geht, für die die Parkanlage so berühmt ist, dann strömen viele tausende Menschen zum Castlefest. Das größte Festival der Szene in den Niederlanden vereint Fantasy, Mittelalter, Steampunk sowie Keltische und Folkelemente und findet immer am ersten Wochenende im August (Freitag bis Sonntag) statt.

Die Marktstände waren über das weitläufige Gelände verteilt und boten unter anderem selbstgemachtem Schmuck, mittelalterliche und Fantasykleidung, Schwerter, Rüstungen, Bögen, Instrumente und Spiele, aber auch Außergewöhnliches wie Feenflügel.

Bei einem großen Rundgang über das Gelände kam man vorbei am LARP-Dorf, dem Steampunkgarten, dem Spiele-Zelt, dem Dorf der Heiden, dem Kinderreich, den drei Musikbühnen und natürlich am Kasteel Keukenhof. In der Lifestyle-Ecke konnte man sich tätowieren, massieren und sich die Haare in Dreadlocks verwandeln lassen. Es gab viel zu sehen und zwar nicht nur wegen des Programmes. Viele Besucher kamen aufwändig kostümiert/gewandet und machten einen großen Teil der schönen Atmosphäre des Festivals aus. Denn Personen in Jeans und Hemd hat man kaum gesehen. Man taucht ein in eine alternative Welt, in der jeder nach seinen Wünschen und Vorstellung gekleidet ist.

Musikalisch hatte das Castlefest die besten Bands zu bieten, die in der Szene vertreten sind. Neben den Dauergästen Faun und Omnia, die jedes Jahr als Headliner antreten, kamen aber auch Bands, die man nicht alle Tage sieht. Aus Dänemark wurden Asynje und Virelai eingeflogen, aus England The Dolmen und Sieben, aus Belgien Rastaban und aus Polen Dikanda. Besondere, wenn nicht einmalige Konzerte gab es auch zu hören. So traten Cesair mit Orchester und Chor, Triskilian mit dem NEO-Projekt und die Bands Kelten Zonder Grenzen, Orfeo und Ball Noir mit der K.O.B.Conspiracy auf. Für einen ganz besonderen Auftritt konnte Valravn gewonnen werden, die ihr letztes Konzert in den Niederlanden spielten, bevor sich die Band Ende des Jahres auflösen wird.

Vor der Bühne tanzten die Besucher zur Musik. Entweder jeder auf seine eigene Art oder die beim Balfolk erlernten Kreis- und Paartänze. Etwas abseits der tanzenden Menge wurde mit Pois, Stöcken und Bällen jongliert, der Hula Hoop Reifen geschwungen oder einfach nur im Gras der Musik gelauscht.

Beim Castlefest geht es nicht nur darum ein Wochenende lang Spaß zu haben. Die Natur spielt eine große Rolle. So hatten Greenpeace einen Stand, die Toiletten wurden mit Grundwasser gespült und das Festivalshirt ist aus Bio-Wolle hergestellt. Das nicht-musikalische Highlight des Festivals war die Verbrennung des Wickerman am Samstagabend, der in diesem Jahr die Form des Greenman hatte. Opfergaben konnten von den Besuchern in die hölzerne Figur gelegt werden, bevor die Figur in einem großen Ritual vom Veranstalter angezündet wurde. Wie wichtig dieser Moment für das Festival und die Besucher war, zeigt die Menschenmenge, die den gesamten Platz vor der Hauptbühne füllte.

Eigentlich gibt es am Festival nichts zu bemängeln. Alles lief reibungslos und die vielen freiwilligen Helfer schafften es, dass man vom ganzen organisatorischen Drumherum nichts mitbekam. Man kann ein Wochenende lang in eine andere Welt eintauchen und den Alltag hinter sich lassen und bei einem kühlen Mangolassi die einzigartige Atmosphäre genießen.

Im nächsten Jahr findet vom 1.-03. August 2014 zum 10. Mal das Castlefest statt und es soll eine besondere Jubiläumsveranstaltung werden. Weitere Infos folgen auf www.castlefest.com

Amphi Festival 2013 in Köln

Das „IX. Amphi Festival“ ist vorüber und wir dürfen wohl ohne Übertreibung vom heißesten Festival des Jahres sprechen!

Mit mehr als 16.000 Besuchern aus über 30 Nationen bereits zum fünften Mal ausverkauft, startete das diesjährige Amphi Festival mit der traditionellen Pre-Party im Alten Wartesaal und dem Eröffnungsevent „Call The Ship To Port“ auf der MS Rheinenergie. An Bord von Europas größtem Binneneventschiff erlebten 1111 Gäste eine stimmungsvolle Gothic-Rundfahrt auf dem Rhein mit exklusiven Konzerten von CLASSIC & DEPECHE, WELLE: ERDBALL (als 80er Synthi-Duo) und COVENANT.

Startete die Amphi-Cruise am Freitag schon bei traumhaftem Wetter, legte der Sommer am Samstag und Sonntag jeweils noch ein paar Grad nach, während über 40 Acts auf drei Bühnen beste Unterhaltung aus allen Bereichen der Gothic-Kultur boten. Ob elektronische, rockige, mittelalterliche oder romantische Klänge, hier fand jeder Besucher sein musikalisches Highlight.

Unsere diesjährigen Headliner VNV NATION und FIELDS OF THE NEPHILIM zeichneten den stilistischen Kreis vor, in dem Top-Acts wie ALIEN SEX FIEND, ANNE CLARK, SUICIDE COMMANDO, OOMHPH!, PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB, PETER HEPPNER, AGONOIZE und viele mehr die Brücke zwischen tanzbarer Elektronik und atmosphärischen Dark-Rock spannten. Dabei begeisterten zudem eine große Zahl an Bands, die bislang noch nicht auf dem Amphi Festival zu sehen waren (u.a. ATARI TEENAGE RIOT, DIE FORM, UMBRA ET IMAGO, STAHLMANN, CHROM und FABRIK C).

Während der geneigte Sonnenanbeter entspannt die Traumkulisse des BEACHCLUBS genoss, sorgte das THEATER AM TANZBRUNNEN in der Hitze des Gefechts für ein wenig Abkühlung und lockte mit interessanten Specials, wie dem Konzert der französischen Formation ROSA CRUX, den Folk-Noir Romantikern ROME, Pianist LARS ARNOLD, WELLE: ERDBALL mit einem Jubiläumsbeitrag oder DR. MARK BENECKE, der vor vollem Haus erneut interessante Einblicke in die Welt der Kriminalbiologe gewährte.

Vielen Dank an alle Besucher für ein fantastisches AMPHI FESTIVAL 2013. Ihr seid Amphi! Auch möchte wir allen Bands, DJs, Lesern, Händlern, Helfern, Medien- & Clubpartnern, Street-Teamern, Sponsoren und unserer unermüdlichen Festivalcrew danken, die bei diesem Wetter eine wahre Herkulesaufgabe stemmte. Wir danken zudem allen Mitarbeitern des Kölner Tanzbrunnens, der gesamten Crew der MS RheinEnergie und den Securityfirmen LSC Leipzig und CCS Köln für einen harmonischen Ablauf.

BESUCHERUMFRAGE 2013 ONLINE

Wie gewohnt könnt Ihr uns wieder Euer Feedback zur Organisation und Bandwünsche zum 10jährigen Jubiläum mitteilen. Die aktuelle BESUCHERUMFRAGE findet Ihr online unter www.amphi-festival.de. Euer Feedback ist uns wie immer sehr wichtig und hilft dabei das Festival in Zukunft weiter zu verbessern. Unter allen Einsendungen verlosen wir 5×2 VIP-Tickets für das nächste – das 10jährige Amphi Jubiläumsfestival!

10 JAHRE AMPHI FESTIVAL – VORVERKAUFSSTART AM 1. AUGUST

Am 1. August startet der Vorverkauf für unser 10jähriges Jubiläum am 26. & 27. Juli 2014. Original Festivaltickets erhaltet ihr dann exklusiv über den AMPHI SHOP unter www.amphi-shop.de einschließlich der heiß begehrten 5+1 Gruppentickets (kaufe sechs, zahle fünf). Bitte denkt daran, dass diese Gruppentickets wie gewohnt streng limitiert sind und beim letzten Mal bereits nach wenigen Wochen vergriffen waren. Zögert daher nicht Euer Gruppenbundle direkt zu bestellen, um eines der sechs Tickets für das Jubiläumsfestival gratis zu erhalten. Wie immer gibt es die Gruppentickets als Wochenend- oder Tagestickets.

Wir sehen uns 2014,
Euer Amphi Festival Team

MPS Köln

Mein erstes Mittelalterfestival auf dem MPS Köln 2013

Der Marktvogt Edgar von Sonnenberg begrüßte uns gleich am Anfang und hieß uns willkommen.
In der feierlichen Markteröffnung mit Edgar von Sonnenberg und Bruder Rectus wurden die Händler und Gastronomen den angereisten Mittelalterinteressierten vorgestellt. Schreckliche Monster, Orks genannt, waren auch zum Anfassen da.

Tolle Bands warteten auf ein begeistertes Publikum. Saltatio Mortis startete voll durch. Die Moderation des Bandleaders und Masterminds Lasterbalk der Lästerliche, machte seinem Namen alle Ehre. Diesmal musste der Tambour dran glauben. Er wurde als Veganer und Alkoholentsager entlarvt und hatte den Spott natürlich auf seiner Seite. Alea der Bescheidene riss jeden und jede mit seiner Energie mit. Lucie das L machte fleissig mit.

Wir streiften die Folkbühne mit der Band Rapalie aus den Niederlanden die mit fetzigem Celticfolk aufspielten. Viele Stände, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur, lockten mit allerlei schönen Dingen. Einen kleinen Liebestrunk ließ ich mir natürlich bei der Beerenweinkutsche munden. Ach war das ein Spass. Hier gab es auch Keuschheitsgürtel. „Gibt es auch so etwas für Männer ?“ fragte ich Bombadil, der verneinte weise.

Auf der Festivalbühne unterhielt das Gauglerduo Forzarello ihr Publikum mit lustigen Sprüchen und Klasse Jonglage mit musikalischer Untermalung.

Die Fechtkampfgruppe Fictum zeigte wie Mann gegen Mann kämpfte, ein echter Hingucker, auch für mich, die den Zweikampf lieber nicht austrägt.
ARS EQUITANDI dagegen ganz anders – sie zeigten mit ihren Pferden wie Ritter im Tunierkampf überzeugen. Viele Zuschauer zogen ihre Blicke auf sich.

Danach ging ich alleine auf Entdeckungstour und fand Adictum, 2 Künstlerjoungleure und ein Musiker vom Feinsten mit Feuerfackeln, Bratpfanne und echtem Ei. Einfach Klasse ! Siehe Video.
Danach gönnte ich mir einen persischen Mokka, etwas klein aber dafür lecker mit reichlich Kardamon was Mann und Frau bei diesem schönen einladenden Wetter echt genießen sollte. Dann kam die ausgedehnte Umbauzeit von Omnia. Die anfängliche Begeisterung über die Band konnte sich leider nicht konstant halten. Weniger Stücke, also mehr Klasse statt Masse, wäre hier erfolgreich am Platz gewesen. Nun denn, die jungen Musiker gaben ihr Bestes. Der Fanartikelverkauf lief sehr gut was die Band auch braucht, denn sie lehnen die Vermarktung durch eine Plattenfirma ab.

Das Festivalgelände begeisterte mich persönlich sehr, da es ausreichend Platz gab wo Gruppen, Familien, Fans und Hunde feiern, baden, flanieren und großzügig auf Strohballen sich niederlassen konnten. Ein echtes Event also mit viel Freiraum sich zu bewegen, zu tanzen, zu shoppen und sich auch zu präsentieren mit phantasievollen Kostümen und Mittelalterlicher Gewandung. Dann kam mein persönliches Highlight mit der Band Faun.

„Jeder Auftritt ist ein besonderes Erlebnis, optisch oder akustisch“ so Bombadil. Diesmal mit der neuen Sängerin Katja Moslehner. Oliver betonte noch die Wichtigkeit im Einklang mit der Natur zu sein, für seine Band. Ein wirklich sehr gelungener Tag!

Solaris

Cardillac Complex Forgotten Reasons und Interview

Mit Forgotten Reasons von Cardillac Complex hat uns im Mai eine EP einer uns bisher unbekannten Band erreicht, die uns so gut gefallen hat, dass wir es nicht nur Wert finden, ein paar Worte darüber zu verlieren, sondern es uns auch brennend interessiert hat, wer sich eigentlich hinter Cardillac Complex verbirgt. In einem kleinen Interview mit Sänger Ole könnt auch Ihr etwas mehr über Cardillac Complex erfahren.

Zuerst aber ein paar Worte zur EP, die aus 5 sehr abwechslungsreichen Songs besteht. Bereits die ersten Klänge des Titelsongs gehen sofort ins Ohr. In Englisch gesungen entfalten die düsteren Songs eine durchaus hörenswerte Stimmung. Die Songs sind musikalisch abwechslungsreich von melancholisch ruhig bis ziemlich rockig instrumentiert. Die Band versteht es zweifellos Songs zu schreiben, die ins Ohr gehen. Sowohl Gothic Liebhaber, wie auch Verehrer des Darkrocks könnte Cardillac Complex gefallen, vor allem wenn man mehr die ruhigeren Töne schätzt.

Einziger Schwachpunkt und völlig aus der Art geschlagen ist das einzige in Deutsch gesungene Stück „Der Weg“, das sprachlich, und musikalisch nicht so wirklich zum Rest der englisch gesungenenen EP passen will. Dass es extrem reizvoll sein kann mit Deutsch und Englisch zu operieren, können Blutengel immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen. Hier ist der Versuch, auch wegen der anderen Stimmfarbe des Sängers als eher unglücklich zu bezeichnen. Dafür folgt gleich darauf mit dem letzten Song des Albums das 7 Minuten Werk Belief 2, das absolute Highlight der EP:

Eine dunkle, fast symphonische Ballade die von Gewitterstimmen über Akustikparts und orchestralen Elementen so richtig Spaß und Lust auf mehr von Cardillac Complex macht.
Lassen wir nun die Band selbst zu Wort kommen:

Ihr habt Ende April mit Forgotten Reasons euere erste EP veröffentlicht. Seit 2010 gibt es Cardillac Complex aber schon. Trotzdem kam erst jetzt die erste EP raus. Ein Vorbote für das demnächt erscheinende Album?

Ole: Erst jetzt? Machst du jedem One-Night-Stand gleich einen Heiratsantrag?

Jede Beziehung (auch die musikalische) will erst auf ein solides Fundament gestellt werden, bevor man den nächsten Schritt geht – es sei denn, man wurde im Rahmen einer großen TV-Show gecastet. Ganz nebenbei braucht man ja auch genügend Songs, aus denen man wiederum ein paar auswählt usw.

Hinzu kommt: Musik ist für uns eine Leidenschaft, aber eben kein Beruf. Daher ist das Zeitfenster zwischen Jobs, Studium und (außermusikalischem) Privatleben recht überschaubar. Vor allem, wenn man sich in den Kopf gestetzt hat, den ganzen Aufnahmeprozess selbst zu machen. Wir hatten zwar viele Freunde und Bekannte, die uns mit Rat, Räumen und Ragouts zur
Seite standen, aber die schweißtreibende Arbeit haben wir doch höchstselbst ausgeführt.

Erst beim beim Cover haben wir uns an (wiederum befreundete) Profis gewandt. Nennenswerte Kosten sind uns erst
bei Mix, Mastering und Pressung entstanden. Als „Forgotten Reasons“ dann schlussendlich im Kasten war, war bei uns erstmal die Luft raus. Aber in der Zwischenzeit sind einige neue Songs entstanden und so langsam bekommen wir auch wieder Lust, ein Vollzeit-Album aufzunehmen.

Die EP enthält vier englische Songs und ein deutsches Stück, das auch musikalisch ziemlich von dem Rest der Songs abweicht. Wie kam es dazu den Song in Deutsch aufzunehmen und war das ein einmaliges Experiment
oder wird es in Zukunft Cardillac Complex als deutsches und englisches Projekt geben?
Ole: Mit Sicherheit war „Der Weg“ zunächst ein Experiment. Schließlich hatte ich vorher noch keine deutschen Texte geschrieben, geschweige denn: zu einem Song verarbeitet. Meist ist bei mir die Musik zuerst da, danach kommt erst der Text. So auch im Fall „Der Weg“. Nur mit dem Unterschied, dass die ersten Worte, die mir in den Sinn kamen, deutsch statt englisch waren. Das war zwar neu, hing aber ohne Zweifel mit meiner damaligen Situation zusammen.

Andererseits: Warum sollte ich gegen diesen Impuls arbeiten? Schließlich geht es beim Musikmachen (zumindest nach meinem Verständnis) zunächst einmal um den künstlerischen Ausdruck, und dann erst ums „Verkaufen“. Es ist zwar eine Heidenarbeit, aber das Ergebnis dieses „Experiments“ finde ich ganz gelungen. Daher ist es zukünftig sicherlich nicht ausgeschlossen, auch in Deutsch zu texten.

Kannst Du uns etwas über die Bandmitglieder erzählen? Da ihr bisher ja vor allem im Raum Münster aufgetreten seid, hat man in weiten Teilen Deutschlands von Cardillac Complex ja bisher fast nichts gehört.

Ole: Gern.Tobias Ide spielt E-Gitarre und singt, Matthias Teuber spielt Bass und singt, Ole Arntz singt und spielt Akustik-Gitarre, Alexander van Stein spielt Keyboards und Christoph Schmidt spielt Schlagzeug. Prägt Euch die Namen gut ein, die kommen in der nächsten Klassenarbeit dran.

Habt ihr musikalische Einflüsse und Vorbilder, haben Euch Bands besonders inspiriert zu den Songs der EP?
Ole: Die musikalischen Vorbilder über die gesamte Band verteilt sind natürlich breit gefächert. Da bislang alle Songs entweder von Alex oder mir stammen, kommen naturgemöäßEinflüsse aus Gothic, Rock und Metal zum Tragen. Das können HIM, Dreadful Shadows / Zeraphine und The Mission genauso sein wie Paradise Lost, Anathema oder Katatonia.

Beim Anhören des Albums fiel mir auf, dass die einzelnen Songs sehr unterschiedlich sind, von ruhig bis hart, von balladesk bis rockig. Irgendwie von allem etwas. Bezeichnet ihr Eure Musik deshalb als „Dark Glam Rock“ bzw. was versteht ihr darunter?

Ole: Gut erkannt. Die Vielfalt ist bei uns nicht nur Programm, sondern volle Absicht. Das Leben ist schließlich zu bunt, um immer nur als Fledermaus durch die Welt zu flattern. Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Je tiefer die Nacht, desto näher der Tag. Genauso verhält es sich mit unseren musikalischen Vorlieben: Selbstverständlich finden sich in unseren CD-Regalen mehr Abteilungen als „Gothic“ und „Metal“. Daher haben wir das Spiel mit Glanz und Finsternis in die Genre-Bezeichnung aufgenommen.

Beim ersten flüchtigen Lesen hab ich Eueren Namen als Cadillac Complex gelesen. Habt ihr keine Angst, dass viele das R überlesen? Wie ist der Name Cardillac entstanden?

Ole: Der Name bezieht sich auf René Cardillac, eine Figur aus dem „Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann. Einen Goldschmied, der seine Kunstwerke zuerst verkauft, und sie sich später zurückholt, indem er seine Kunden umlegt. Die Novelle spielt im feudalen Frankreich des 17. Jahrhunderts. Daher spricht man den guten Mann auch „kardiak“ aus.

Allerdings war uns das mögliche Missverständnis von Anfang an bewusst. Wir haben zwar mit amerikanischen Edel-Schlitten persönlich wenig bis gar nichts am Hut, aber es gibt schlimmere Assoziationen, oder?

Außerdem: Wer uns gut findet und zu unseren Konzerten kommt, darf uns aussprechen, wie er will.

Ihr habt ja schon einige Konzerte gespielt. Mit fünf Songs ist das ja nicht denkbar. Was spielt ihr außer den fünf EP-Songs sonst noch?

Ole: Das hast du ganz richtig erkannt. Wir spielen die Stücke der „Forgotten Reasons“-EP, aber auch ältere und neuere Songs. Damit kommen wir zurzeit auf circa 90 Minuten. Du willst wissen, wie das klingt? Komm doch zum nächsten Konzert, dann weißt du’s. Aktuelle Termine, Musik, Bilder und News: www.cardillac-complex.com.

Wird man Euch demnächst auch deutschlandweit hören können, eventuell auch als Toursupport für eine Band?

Ole: Nichts dagegen. Geplant ist bislang zwar nichts, aber wenn sich jemand die Arbeit machen will, eine Tour zu planen bzw. uns unter seine organisatorischen Fittiche zu nehmen, werden wir sicherlich nicht nein sagen.

Cardillac Complex ist absolut independent. Es gab keine Plattenfirma im Hintergrund, oder?

Ole: Nein, absolut null. Alles selbst geklöppelt und handgestrickt. Vom Songwriting bis zum Vertrieb. Die Rolle der Labels im Musikgeschäft ist seit den 2000er Jahren ohnehin immer fraglicher geworden. Außerdem werden Technik und Infrastruktur für Musiker immer erschwinglicher und jederzeit verfügbar. Dadurch können (und müssen) Musiker heutzutage immer mehr können als „nur“ Musik zu machen. Ob das immer nur gut ist, wissen wir zwar auch nicht immer so genau, aber anstatt uns darüber zu totzugrübeln, machen wir einfach, was wir für richtig halten.

Gibt es sonst noch etwas was man über Cardillac Complex unbedingt wissen sollte? Dann verrate uns das doch bitte.

Ole: Alles, was es über uns zu wissen gibt, ist bereits gesagt oder gibt es bereits online zu lesen. Über die mysteriösen Riten im Backstage oder unsere regen Beziehungen zum Mossad und der NSA schweigen wir aber lieber. Schließlich gehürt eine nebulöse Aura zum Rockstar-Image dazu…

Vielen Dank für das Interview und wir werden Euch sicher live demnächst mal bei einem Konzert besuchen und sind schon sehr gespannt darauf.

Bernd Sonntag

Feuertanz 2013

Ein Mittelaltermarkt im Burghof, Marktmusik mit Heiter bis Folkig am Freitag und Trollfaust am Samstag, Gaukeley z.B. mit Lupus, eine Feuershow, viel leckeres Essen und die malerische Burg wären 2013 allein schon Grund genug gewesen, einmal beim Feuertanz in Abenberg vorbeizuschauen. Aber natürlich hat das Concertbüro Franken es auch in diesem Jahr hervorragend verstanden, nicht nur ein sehens- und hörenswertes Festival-Lineup zusammenzustellen, auch die Organisation lies keine Wünsche offen. Und der direkte Draht nach oben scheint auch perfekt zu funktionieren, kein Regen und traumhaftes Wetter, wie gemacht für die alljährliche Mittelalterparty im rund 5400 Einwohner zählenden „Wacken Mittelfrankens“.

Bereits Freitag um kurz vor 13.00 Uhr durften sich die Moderatoren des ersten Festivaltages Max von Gluchowe und Holger Hopfenstreich Hoffmann, besser bekannt als Pampatut, über eine große Menschenmenge vor der Bühne freuen, die gespannt auf die Lokalmatatoren Ignis Fatuu und ihren neuen Sänger P.G. warteten. Der war bis kurz vor Festivalbeginn aber gar nicht sicher, musste man krankheitsbedingt doch den Gitarristen ersetzen und dies auch noch in gerade einmal 3 Bandproben, die als Vorbereitung blieben. Kein leichtes Unterfangen, wen wundert es da, dass man doch etwas nervös das Feuertanz 2013 eröffnete. Doch das bestens aufgelegte Publikum machte es den Mittelfranken echt leicht und sorgte ab Song eins für eine tolle Stimmung. Und auch wenn der Soun , sicher auch wegen fehlenden Soundchecks, nicht gerade perfekt klang und man der Gruppe schon anmerkte, dass man aufgrund Umbesetzungen sich noch in der Findungsphase befindet, so konnte man doch sehr gut unter Beweis stellen, dass man von Ignis Fatuu noch sehr viel Positives erwarten kann. Auch weil der Neue am Micro mit seiner tollen Bühnenpräsenz gut zum Ignis Fatuu-Sound passt.

Daumen hoch und ein fettes „Gefällt mir“, dies hatten die 2 von Pampatut nach dem Konzert auch gleich als Handschuh mitgebracht und als Dunkelschön mit dem Aufbau beschäftigt war, durften die zwei Spaßvögel sich 30 Minuten auf der Bühne austoben und die Leute zum Lachen bringen. Leuten ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, je mehr desto besser, ist wirklich eine große Kunst. Dies beherrschen die zwei wie kaum sonst jemand auf der Bühne unglaublich gut. Was den beiden immer wieder spontan an witzigen Bemerkungen einfällt, wie sie das, was gerade vor ihnen, hinter ihnen oder über ihnen passiert für ihr Programm nutzen verblüfft mich jedes mal aufs Neue. So wie z.B. als mitten im Programm Dunkelschöns Davulspieler Christian Wittkopf die Davul testete und Max sofort darauf ansprang und sich fragte wie das Batteriefach des Duracell-Häschens hinter ihm wohl ausschauen möge. Pampatut sind ein großer Spaß, und so ganz nebenbei auch eine tolles Moderatorenteam, was sie am Abend noch öfters unter Beweis stellen konnten.

Relativ neue Gesichter gibt es bekanntlich auch bei Dunkelschön zu sehen und da deren musikalische Liebe mehr dem Metal gilt, ist der Dunkelschön-Sound noch einmal deutlich rockiger geworden, was der Show wirklich gut tut. Eine der nettesten und unkompliziertesten Mittelalterbands hat durch die neue Besetzung noch einmal gewonnen und versteht es in der Unplugged-Variante auch die Liebhaber ruhigerer Töne zu begeistern. Am Freitag war aber Rocken angesagt und auch wenn, wie bei Ignis Fatuu, auch bei Dunkelschön der Sound etwas am fehlenden Soundckeck litt, so sorgte die unterfränkische Band doch für mächtig Stimmung und viele strahlende Gesichter im Publikum.
Das kann man auch vom Auftritt der Irish-Folk-Band Rapalje, die aus Groningen in den Niederlanden stammt, behaupten .Bestens gelaunt sorgten Dieb, Maceal, William und David für mächtig Stimmung . Bekannte Irische und Schottische Traditionals und eigene Songs verführten immer mehr Zuhörer zum Tanzen,, Mitklatschen und Mitsingen und besonders William mit seiner tiefen Stimme sorgte für große Begeisterung unter den Zuhörern, die trotz großer Hitze eine großartige Folk-Party feierten. Eine absolute Stimmungsband mit hoher musikalischer Qualität sorgte bei ihrem Auftritt für viele glückliche Gesichter im Publikum .

Mit Feuerschwanz stand dann die zweite Band auf der B´ühne, die in Abenberg einen echten Heimvorteil hat ist die Fanbase der mittelfränkischen Met-Vernichter doch gerade in und um Nürnberg und Erlangen besonders gro. Wie immer schön anzuschauen waren die 2 Miezen, die für die kurzweilige Bühnenshow genauso unersetzbar sind wie die Met-Maschine auf die sich ein Teil des Publikums auch diesmal voller Freude stürzte. Kein Problem für Feuerschwanz mit der unterhaltsamen Show die Stimmung am Kochen zu halten und neben den Miezen war besonders Johanna mit ihrem sehenswerten Bühnenoutfit mehr als einen Blick wert.

Dass Pampatut eine Band auch einmal völlig anders und extrem passend anmoderieren können nämlich mit sphärischen Klangschalklängen bewiesen sie dann in der Anmoderation zum Omnia Auftritt.

Omnia war der perfekte musikalische Kontrast zu den beiden „Party-Bands“ zuvor. Nicht weniger stimmungsvoll präsentierten die Holländer ein buntes Programm aus ihrer hörenswerten Banddiskographie und Omnia wären nicht Omnia, wenn es nicht die eine oder andere Überraschung für das Publikum gäbe. In Abenberg sogar derer 3, nämlich 3 neue Songs. Natärlich lies es sich Steve Sic auch nicht nehmen dem Publikum seine Sicht der Dinge pro Umwelt und für eine bessere Welt mitzuteilen. Und auch die Abreibung für die viel zu mächtigen Politker unsererer Erde durfte natürlich nicht fehlen. Dies alles gibt es übrigens in immer besserem deutsch zu hören. Steve Sic hat fleißig Deutsch gelernt und ihm fällt es immer leichter sich auch in deutsch auszudrücken. Neben dem klasse Konzert auch dafür ein dickes Kompliment. Und dass bei Omnia nicht nur das Konzert ein ganz besonderes Erlebnis ist, sondern der Soundcheck mit Publikum extrem viel Spaß macht, konnten alle Besucher die sich schon 30 Minuten vor Beginn vor der Bühne einfanden live miterleben.

Headliner des Abends waren die Lokalmatatoren von Fiddlers Green die den Heimvorteil perfekt zu nutzen verstanden. Die Erlanger Band, die mit der neuen CD „Winners and Boozers“ im Oktober in ganz Deutschland unterwegs ist, brachte das durch die Sonne und die bisherigen Bands extrem aufgewärmte Publikum vollends zum Kochen. Überall tanzende und feiernde Menschen beim Irish Independent Speedfolk der Mittelfranken, unfassbar wie schnell die Zeit bis zum Ende des furiosen Auftritts dahinraste. Überhaupt ging der Tag viel zu schnell vorbei. Und wer noch nicht genug hatte, der konnte dann nochmals Pampatut beim Mitternachtskonzert erleben, oder im Marktbereich den einen oder anderen Met vernichten und einen tollen gelungenen ersten Festivaltag feuchtfröhlich ausklingen lassen..

Bericht vom Samstag

Alle Besucher, die den zweiten Tag Feuertanz 2013 miterlebt haben, werden sicher unterschreiben, dass man Feiern lieber mit V schreiben sollte. Denn der „V-Tag beim Feuertanz mit Vermaledyt, Vroudenspil und Versengold hatte gleich 3 feiererwütige Stimmungsbands zu bieten. Zuerst aber galt es etwas Niveau ins Publikum zu streuen und dafür waren Martin Spieß und Sören Vogelsang als „Das Niveau“ zuständig, die für die Begrüßung, Moderation des Tages und das Mitternachtkonzert verpflichtet wurden. Eine gute Wahl, sind die 2 Berliner doch recht witzig und verstehen es das Publikum zu unterhalten und mitzureissen. Den beiden langt eine Gitarre, ein loses Mundwerk, viel Spontanität und „niveauvolle“ Texte, wie z.B. das Lied vom Schwingschleifer und schon kommt Stimmung auf.

Und auch wenn noch nicht alle so richtig wach waren, spätestens nach dem Premierenauftritt beim Feuertanz von Vermaledyt aus Memmingen durfte auch die letzte verschlafene Seele aus dem Bett gegrochen und zur Bühne gepilgert sein, reizte die mit Cello, Schalmei, Bouzouki und Dudelsack aufspielenden Vermaledyt die Beine der Besucher zum mittanzen, die Münder zum mitsingen und die müden Körper zum herumzappeln. Bei inzwischen 3 richtig guten Alben hat die Band genug Songs um richtig Gas geben zu können und einen begeisternden Auftritt hinzulegen. Passend zum Tag erwies sich die Cellistin der Band Vivianne von der Saar nicht nur als Fotografenliebling sondern als prägendes Element der Vermaledyt-Musik.

Gleich danach heizte „Das Niveau“ das Publikum weiter an und wer bis dahin noch immer nicht zappeln wollte, um den war es bei strahlenden Sonnenschein spätestens bei Vroudenspil geschehen. Der Piratenrock der Münchner ist aber auch sowas von fetzig , dass man einfach mitmachen muss und trotz einiger Besetzungswechsel scheint die Band immer besser zu werden. Leider steht ja auch demnächst schon wieder ein Besetzungswechsel an, wenn 4-Finger-Jane die Band auf eigenen Wunsch mangels Zeit verlassen wird. Die Abenberger hatten immerhin das Glück sie nochmals live erleben zu dürfen. Und so bereitete ein begeistertes Publikum mit Crowd-Surfing und wilden Polonaisen im Publikum ihr einen denkwürdigen Feuertanz-Abschied.

Nach dem Auftritt strümte erst einmal alles ausgetrocknet oder ausgehungert zu den „Fressständen“ oder flüchtete vor der gnadenlos leuchtenden Sonne in den Schatten, sofern man einen finden konnte.

Die nächste V-Band des Abends passte dann so gar nicht zu den „Veier-Bands“ und das war wirklich gut so. Nach den furiosen Festivalauftakt war Anna Katrin Egilstrod mit Band für einen musikalischen Break und die extravagantesten Klänge des Wochenendes zuständig. Die mit viel elektronischen Samples und Spielereien aufgepimpte Musik der Band und der extrem an Björk erinnernde, eindrucksvolle Gesang von Anna Katrin polarisieren, wie wohl keine andere Band an den beiden Tagen. Entsprechend war der Platz auch deutlich leerer als zuvor bei Vroudenspil. Alle die sich auf die tranceartige Folkmusik eingelassen haben, konnten einen der letzten Valravn-Auftritte genießen, gibt die Band beim Festival Mediaval ja ihr allerletztes Konzert. Leider gehörte der Auftritt beim Feuertanz sicher nicht zu den besten Gigs der Band. Hatte man doch hörbar mit Tonproblemen zu kämpfen, die schon den Soundcheck erheblich verzögerten und beim Konzert immer wieder auftraten. Immerhin konnte man erleben, wie weh ein zu starker Bass dem Gehör tun kann, ein Erlebnis auf das man fraglos verzichten kann. Fragwürdig war auch die Bühnenaufteilung, die eine Hälfte der Bühne leer dafür das Streichertrio im Eck plaziert wirkten wenig inspirierend, wie auch die 3 bildhübschen Damen selbst, die etwas die Freude am Musizieren vermissen ließen. Das geht sicher besser, so sehr sich die Sängerin auch bemühte und ins Publikum strahlte.

Als nächstes durfte sich Versengold schon einmal im Wacken Mittelfrankens auf den bevorstehenden großen Wacken-Auftritt 2013 warmspielen. Aber eine bessere Stimmung kann es da auch kaum geben. Snorre, Pinto, Paule, Honza und Hengest machten wie gewohnt bei ihren Auftritt mit extremster Spielfreude das Auditorium zum Tollhaus und das Publikum lies sich voller Begeisterung darauf ein. Die 5 sprangen auf die Bühne und hatten mit ihrer handgemachten Mittelaltermugge die Massen sofort im Griff. Die intelligenten Texte der Live-Band per Excellance machen genauso Spaß, wie die furiose Bühnenshow die keine Wünsche offenlässt. Versengold sind eine „Stimmungsband“ auf höchstem Niveau und eine Bereicherung für jedes Festival Line-Up. Und selbst wenn die Flöte von Snorre mitten in der Show den Geist aufgibt, geht die voller Dynamik nur so strozende Show ohne Pause weiter. Doch Versengold verstehen es auch mit ruhigeren Tönen Herz und Geist anzusprechen. Hoffentlich gleich nächstes Jahr wieder beim Feuertanz.

Bevor Eluveitie loslegten wurde das Publikum vom „Niveau“ erstmals auf die korrekte Aussprache des Bandnamens hingewiesen. Danach gabs so richtig was auf die Ohren. Die lauteste, bisweilen etwas zu laute, Band der zwei Tage sorgte für Schweissperlen bei der Security, die die unzähligen Crowdserver gutgelaunt am Bühnenrand einfingen. Absolut beeindruckende Bilder konnten all jene erleben, die während des Auftritts die Treppen zum Turm erklommen haben. Ein riesiger Moshpit und wild um sich springende Konzertbesucher wirken von oben noch viel beeindruckender und auch die riesige Staubwolke die während des Eluveitie-Auftritts wie eine Dunstglocke über den Köpfen schwebte, konnte man besonders gut von oben betrachten. Und selbst von ganz oben war der wie wild auf sein Schlagzeug einschlagende Trommler Merlin Sutter, der optisch und spieltechnisch etwas an den grandiosen Schlagzeuger der Muppets-Show erinnerte noch zu sehen.

Schwer vorstellbar, dass es Saltatio Mortis schaffen würden, die schon tolle Stimmung noch ein paar Dezibel nach oben zu schrauben. Doch für Springfloh und Sänger Alea und seine spielfreudige Band ist das keine echte Herausforderung. Zählt Alea zwar nicht zu Deutschlands größten Sängern, aber sicher zu einem der sehenswertesten Live-Performer der das Publikum beeindruckend mitreissen und um den Finger wickeln kann. Kein Wunder, dass sich Saltatio zu einem Top-Headliner entwickelt hat und auch optisch Dank der tollen Entwürfe von Lucardis Feist gewaltig etwas her macht.

Neben vielem Bekannten gab es auch Neues zu hören, wie die sehr kontrovers diskutierte neue Single „Wachstumüber alles“, in der musikalisch und textlich das Deutschlandlied verarbeitet wurde. Einmal mehr ein Beweis für eine Band die etwas zu sagen hat, belanglos kann ja jeder. Problemlos schafft man den Spagat Zeitkritsches mit dem „Mittelalter“ zu verbinden. Dass die neue Single auf keinen Fall als Nazi-Propaganda gedacht ist teilte Lasterbalk bei der Anmoderation dem Publikum in aller Deutlichkeit mit, die mit erhobenen Fäusten und lauten „Nazi raus“ Rufen gleich lautstark ihre Antipathie beeindruckend zum Ausdruck brachten. Besuche von Naseweis und seinem gut gefüllten Met-Tablett und von Versengold rundeten das auf viel Begeisterung stoßende Konzert ab. Die Lichter auf der Burg machte dann das Niveau mit dem Mitternachtskonzert in einem viel zu kleinen Burgsaal aus. 2 tolle Feuertanz-Tage waren Geschichte und schon jetzt kann man sich auf 2014 freuen, wenn bei Ausgabe 13 wieder Party pur angesagt ist. Abschließend bleibt neben der klasse Organisation allen die für den reibungslosen Ablauf des Festivals gesorgt haben zu Danken, angefangen bei der freundlichen Security, über alle Mitarbeiter die sich 2 Tage mit höchstem Einsatz um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert habe , nicht zu vergessen die Sanitäter und die Feuerwehr mit ihrerer Schlaucherfrischung fürs Publikum. Der größte Dank gilt aber allen Konzertbesuchern, die einmal mehr das Festival zu etwas ganz Besonderem (auch für die Musiker) gemacht haben

Bernd Sonntag

Deva Premal & Miten with Manose in Bonn

Auf ihrer aktuellen Welttournee gastierten Deva Premal & Miten with Manose am 5. Juni 2013 auch in der Beethovenhalle in Bonn.

Ein unvergessenes Erlebnis von melodischen Musikstücken bis hin zu altbekannten meditativen Mantras boten das Trio mit drei weiteren Gastmusikern;
Maneesh de Moor am Synthesizer,
Mathew Schoening am Cello und PRAFUL am Saxophon in hervorragender Akustik und leuchtender Optik.

Jeder an seinem Instrument ist ein wahrer Virtuose.

Höchste spirituelle Klänge bis hin zur Stille boten dem Publikum die Möglichkeit tiefe Erfahrungen zu machen und die Akteure ganz persönlich zu erleben.

In tiefer Verbundenheit mit der bedingungslosen Liebe nahmen sie das Publikum mit auf die Reise und boten Mantren zum mitsingen an. 1200 Konzertbesucher & Besucherinnen beteiligten sich dabei lebhaft. Das Gayatri Mantra wurde begeistert wie alle anderen Mantras mitgesungen. Buddha Shakyamuni wurde mit dem Mantra „Om muni muni maha muni svaha“ 108mal angerufen.

In den erstaunlichen Solos erkannte das Publikum die Größe und Vielfalt der
Musiker. Die hervorragende „goldene“ Stimme von Deva Premal war bis zur letzten Zugabe ein unvergleichlicher Genuss.
Miten betonte seine tiefe melodische Chakterausformung an der Gitarre. Er scheint selbst zeitlos zu sein.
Manose ein begnadeter Bambusflötist aus Nepal gab mit seinem Spiel sein Können feil.

Ein spirituelles genährt sein, in tiefer Verbundenheit zur Musik gaben alle Musiker ihr bis zur letzten Minute.
Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum dafür.
Blumengeschenke des Veranstalters der Uta Akademie aus Köln an alle Musiker rundeten den gelungenen Abend ab.

Vielen Dank für dieses großartige spirituelle Konzert.

Von Anke Fergen

Festival Mediaval 2013

In unserer kleinen Serie über die „Da muss ich hin“ Festivals 2013 möchten wir Euch auf die 6 Ausgabe des Festivals Mediaval hinweisen. Das „ganz besondere Festival“ im Länderdreieck von Sachsen, Bayern und Tschechien war all die Jahre ein Muß im Festival-Plan und daran wird sich mit Blick auf das diesjährige Programm auch 2013 nichts ändern. Neben einem Nordic Special u.a mit Garmana, Valravn und Euzen freuen wir uns besonders auf einen der ganz raren Auftritte von Corvus Corax zusammen mit Wadokyo ( Taiko Trommler) , auf Elmsfeuer (die Piratenband mit Zukunft) und natürlich auf Omnia, die bei allen 5 Festivals bisher dabei waren und gerade in Selb immer in Höchstform sind. Daneben gibt es natürlich auch ganz viele Künstler, die man einfach mal gesehen haben muss, wie Beatrische oder Kelvin Kalvus um nur einmal zwei von vielen zu nennen. Allein die 3 Bühnen des weitläufigen Festivals lassen an den 3 Tagen sicher keine Langeweile aufkommen.Ein großer Händler- und Handwerkermarkt, viele Workshops, ein buntes Rahmenprogramm und natürlich reichlich zum Essen und Trinken , das Festival Mediaval ist wirklich einen Besuch wert.
Wir haben dem Hauptorganisator „Bläcky“ Schwarz etwas auf den Zahn gefühlt, auch weil in letzter Zeit doch viele völlig unbegründete Sorgen und Gerüchte über das Festival im Netz zu lesen waren. Aber lest selbt:

1)Bevor wir zum Festival 2013 kommen noch ein kurzes Resümee zur unvergesslichen Ausgabe 2012 mit vielen tollen Konzerten. Wie fällt euer Fazit aus? Wart ihr mit dem Besuch zufrieden, welche Konzerte blieben Euch als Veranstalter am positivsten in Erinnerung, gab es Anlass zu Klagen.

Blöcky: Das F-M V war super, so viele Besucher, wie noch nie, eine tolle
Atmosphäre auf dem Platz, viele tolle Konzerte, vor allem Versengold,
Schandmaul und Omnia haben herausgestochen. Ein kleiner negativer Aspekt
waren die Diebstähle auf dem Camping-Gelände, hier werden wir dieses
Jahr Security Streife laufen lassen, um die Diebe abzuschrecken.

2)Wie auf Facebook zu lesen war, haben sich mit Rudl und Oli 2 aus dem Orgateam verabschiedet. Wieso das und wie willst Du allein die ganze Arbeit stemmen?

Bläcky: Rudl und Oli sind aus privaten Gründen ausgestiegen, es wurde ihnen einfach zu viel. Die Arbeit der beiden wurde aufgeteilt, so dass das weiter kein Problem ist, es gab schon immer ein Orga-Team von ca. 20 Leuten, daran hat sich auch nichts geändert, nur dass einige neue Leute dazugekommen und alte gegangen sind.

3) Nun aber zur Ausgabe 2013. Im Vorfeld gab es wegen der OB-Wahl viele Gerüchte. Inzwischen hat Selb einen neuen, jungen OB der sich schon öffentlich positiv zum Festival geäußert hat. Habt ihr auch in diesem Jahr dieselbe positive Unterstützung seitens der Stadt Selb und dem ehemaligen Bürgermeister Kreil?

Bläcky: Haben wir. Ich hatte bereits vor der Wahl, zur Sicherheit, einen Antrag auf weitere 5 Jahre Mediaval gestellt und einen Vertrag bekommen, dann habe ich nach der Wahl sofort Kontakt mit dem neuen Bürgermeister aufgenommen und dieser hat mir versichert, dass er ein Fan des Festivals sei. Bei der großen Koordinationssitzung in Selb im März, wurde dann
alles bestätigt, es kann also bis zum 10ten ohne Probleme weitergehen.

4)Ihr habt in diesem Jahr ein Nordic-Special geplant. Nun haben aber Gjallarhorn leider abgesagt. Nicht zum ersten Mal. Trauen die sich nicht nach Selb?

Bläcky: Das hat mich sehr geärgert, vor allem, da die Band sich nicht gemeldet hat, sondern ich erst auf mehrmalige Nachfrage erfahren musste, dass die Sängerin beschlossen hat Mutter zu werden und deswegen ab Herbst kein Konzert mehr gibt. Dies war für sie bereits klar, bevor wir Flyer und Plakate gedruckt haben, auf denen nun Gjallarhorn steht und nicht Omnia.

5)Ich persönlich finde das ja gar nicht schlimm, weil ihr mit Omnia nicht nur eine meiner absoluten Lieblingsbands wieder verpflichtet habt, sondern weil das Omnia Konzert 2012 sicher eines der absoluten Highlights war. Viele Besucher werden Euch nach dem unglaublichen Festivalabschluss der Niederländer im letzten Jahr sicher sehr dankbar dafür sein. War es schwierig Omnia so kurzfristig zu überzeugen, wieder nach Selb zu kommen?

Bläcky: Nein überhaupt nicht, Omnia hatte mehrmals angefragt, ob sie nicht doch kommen können und sich das WE freigehalten, das Ganze hat 30 Minuten gedauert, dann war der Ersatz geklärt. Für Omnia ist das Mediaval eins ihrer 2 Lieblingsfestivals und wird von Ihnen bedingungslos unterstützt.

6)Das Festival Mediaval ist jedes Jahr auch deshalb etwas ganz besonderes im großen Angebot an sehenswerten Festivals, weil ihr es immer wieder schafft Bands nach Selb zu locken, die man sonst eher selten bis gar nicht live erleben kann. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr als besonderes Highlight?

Bläcky: Nun die Sensation ist sicherlich der Auftritt von Garmarna, der von der Kritik als besten Folk-Band Skandinaviens eingestuften Kultband, die seit nunmehr 12 Jahren auf keinem Festival und schon gar nicht mehr in Deutschland aufgetreten sind. Dann gibt es die Wiederholung des EDDA-Projektes von Poeta Magica, das vor 2 Jahren wegen Sturm abgebrochen werden musste, dieses Konzert gibt es in dieser Art sonst nirgends. Oliver Satyr von Faun macht den einzigen Festival-Auftritt mit seinem Nebenprojekt Kauna und dann natürlich noch der Auftritt von Corvus Corax zusammen mit den Wadokyo-Taiko-Trommlern, die so sonst nur in Wacken und dem Summer Breeze zu sehen sind. Besonders sind sicherlich auch die Konzerte von Unshine aus Norwegen, Obscurus Orbis aus Lettland und Wolfmare aus Russland.

8) Mit Dandelion Wine habt ihr diesmal eine Band aus Australien verpflichtet. Die haben aber Probleme die nicht unerheblichen Flugkosten zu finanzieren. Oder ist das Problem inzwischen behoben.

Bläcky: Z. Zt. dieser Antwort sieht es nicht schlecht aus. Wir werden uns auch am Crowd-Founding beteiligen und die Haarfarbe von Naomi für die Europa-Tournee ersteigern, dies kann dann von den Fans des Medival per Abstimmung festgelegt werden.

9)Etwas für Irritationen hat Eure Suche nach einem Bierzelt-Festwirt gesorgt. War die Suche erfolgreich und wie muss man sich das vorstellen, ein Mittelalter-Bierzelt auf dem Goldberg?

Bläcky: Nein, kein Bierzelt, einen bayrischen Biergarten wird es geben, dies hatte ich ausgeschrieben, um das beste Angebot zu bekommen. Es wird also auf der ehemaligen Workshopwiese einen großen Biergarten geben, das ist alles geregelt.

10)Ein absolutes Highlight des Wochenendes sind für einen Teil der Besucher auch die Workshops. Ist es schwierig Eure Künstler z.B. die tolle Beatrice Baumann zu gewinnen?

Bläcky: Nein, die Küstler machen das gerne, da sie alle übereinstimmend sagen, dass die Teilnehmer extrem motiviert sind und die Workshops unheimlich Spaß machen. Die Workshops werden dieses Jahr alle am und um das Kriegerdenkmal stattfinden.

11) Wo krankt es denn noch? Habt ihr genug freiwillige Helfer? Wie sieht es mit Unterkünften aus, die in Selb und Umgebung ja nicht zu zahlreich zur Verfügung stehen?

Bläcky: Ohne die Volontäre kann das Festival nicht umgesetzt werden, hier haben wir immer genügend Anmeldungen, von denen allerdings dann einige nicht erscheinen, so dass wir bisher immer ein wenig unterbesetzt waren, aber es hat bisher geklappt und wird dies auch weiterhin. Die Stimmung im Team ist super, falls also jemand Lust hat einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein Teil des Mediaval-Teams zu werden, soll er/sie sich doch bitte über das Formular auf der HP bewerben. Die meisten Besucher buchen ihre Zimmer bereits bei Abreise für das nächste Jahr, so dass schon Anfang des Jahres kaum mehr eine Unterkunft in Selb und Umgebung zu finden ist, man muss dann halt ein wenig weiter ausweichen, in Richtung Hof oder die fränkische Schweiz, dort sind noch genügend Zimmer buchbar. Wir selbst reservieren die Unterkünfte für die Orga und die Künstler auch schon sehr frühzeitig, um alle unterzubringen.

12) Gibt’s sonst noch was Bläcky, was Du gerne loswerden willst?
Bläcky: Ich möchte mich bei allen Besuchern, Helfern, Marktleuten und Künstlern bedanken, dass das, was ich erreichen wollte, nämlich ein Festival, das Gegensätze vereinigt und Grenzen überwindet, so toll funktioniert. Die super Atmosphäre auf dem F-M ist immer wieder beeindruckend und es ist schon ein tolles Gefühl, über den Platz zu laufen und nur lächelnden
und strahlenden Gesichtern zu begegnen. Das Schlagwort vom „Woodstock des Mittelalters“ ist ein Kompliment für mich. Vielleicht noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Die nächsten Jahre wird es noch einige Motto-Festivals geben, 2014 ein Irish-Scottish-Special, dann noch ein Balkan- und ein Celtic-Special. Im 10ten Jahr solle es dann „Back-to-the-Roots“ heißen, also mit einem 1-Tages-Festival parallel auf der tschechischen Seite und das 11te wird dann das „Best of 10 years“.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und bis bald in Selb

Caro und Bernd Sonntag

Corvus Corax feat Wadokyo Sverker Live DVD

„Corvus Corax muss man live gesehen haben.“ wird man von jedem hören, der schon auf einem ihrer Konzerte gewesen ist. Und mit ihrem neuesten Projekt „Corvus Corax feat. Wadokyo“ haben die Berliner mal wieder bewiesen, dass mittelalterliche Musik nicht auf Dudelsäcke begrenzt ist.

Zusammen mit den Düsseldorfer Taiko-Trommlern Wadokyo haben die Könige der Spielleute 2012 zwei Auftritte auf dem Summer Breeze in Dinkelsbühl und dem Castlefest in Lisse (Niederlande) gehabt und diese in Film und Ton aufgenommen. Daraus ist die neueste DVD entstanden, die mit drei Stunden Spielzeit die geballte Ladung Corvus Corax enthält. Das besondere daran ist, dass die DVD über ein Crowdfundingportal direkt von den Fans finanziert wurde.

Auf beiden mitgeschnittenen Auftritten kommt die Stimmung der Konzerte gut rüber, wobei die Atmosphäre auf dem Summer Breeze etwas besser ist, da das Konzert nachts stattfand und nicht wie auf dem Castlefest am frühen Abend im Sonnenschein. In jedem Fall kommt die Spielfreude gut rüber und vor allem die Musik in guter Qualität aus den Boxen. Auch wenn vor allem die Taiko-Trommeln live noch imposanter klingen, sind die Aufnahmen auf jeden Fall sehenswert und stehen einem reinen Corvus Corax Konzert in nichts nach.

Neben den beiden Konzerten sind auf der DVD noch zwei Extras vorhanden. Einmal Aufnahmen des Fantreffens 2012 bestehend aus Interviews von Besuchern und verschiedenen Eindrücken der Tage. Wer überlegt, einmal zum Fantreffen zu gehen, bekommt einen kleinen Eindruck von der Stimmung, dem Programm und der Location. Als zweites Extra ist noch die Live-Aufnahme von „La Filha Du Ladre“ aus der Passionskirche in Berlin drauf. Die Aufnahmen sind teilweise etwas unscharf, aber da das Lied dort nach 19 Jahren dort erneut Premiere feierte, ist das zu verkraften.

Auch 2013 werden Corvus Corax zusammen mit Wadokyo auf ausgewählten Festivals spielen:

02.08.2013 Wacken Open Air

08.09.2013 Festival Mediaval, Selb

Wer die Möglichkeit hat zu einem der beiden Auftritte zu kommen, der sollte sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen. Und allen, die nicht kommen können, denen empfehle ich die Live-DVD.

www.corvuscorax.de

Faun 2013

Interview mit Oliver von Faun im März 2013

Ihr habt Anfang des Jahres wie aus dem Nichts Katja als neue Sängerin vorgestellt. Wie habt ihr zueinander gefunden?

Oliver: Der Vorteil ist, wir kannten uns schon länger. Wir haben vor ein paar Jahren mit ihr schon auf einem Mittelaltermarkt in Wilhelmshaven gespielt und dort war sie uns schon mit ihrer ersten Band sympathisch. Dann ist noch ein schönes Videoclip von ihr mit ihrer alten Band Lai Quendi im Umlauf mit Feuershow etc. Den kannten auch viele von der Band. Und da sie sogar in Berlin wohnt und wir in Berlin produziert haben, war es naheliegend sie anzurufen. Und ziemlich spontan haben wir einen Termin vereinbart und es hat geklappt.

Als ich das Video „Diese Kalte Nacht“ gesehen habe sind bei mir ungewollt Erinnerungen an Lisa Pawelke hochgekommen. Da habe ich gedacht, ob das Zufall oder ist das eine Fügung ist?

Oliver: Das weiß man nicht. Sie hat gewisse Ähnlichkeit, das stimmt. Wir arbeiten ja auch mit Sonja zusammen und es ist eine gute Zusammenarbeit. Aber es war wirklich toll, weil es auch im Zeitplan ziemlich eng wurde und wir dann Katja getroffen haben. Es war wirklich wie eine Fügung. Wie so oft im Leben hat uns einer geholfen.
Wie ist es dazu gekommen, dass Sonja bei den Akustikkonzerten und Katja bei den Festivals auf der Bühne ist. Wieso nicht umgekehrt?
Natürlich ein ganz pragmatischer Grund ist, dass die Akustiktour schon lange geplant war, auch im Vorverkauf. Egal was mit der Platte passiert wäre, das ist eine schöne Tour und sie liegt uns sehr am Herzen. Die wollen wir durchziehen und war mit Sonja schon geplant. Man muss natürlich sagen, dass Sonja noch eine Band in Amerika hat (Stellamara) und ist dort sehr viel tätig. Die ersten Festivals sind im April und gehen bis in den Oktober rein. Deswegen ist es schwierig es terminlich miteinander zu vereinbaren. Bei der Akustiktour spielen wir in zwei Monaten 18 Shows und das lässt sich ein bisschen besser organisieren.

Ihr habt euch entschieden das Konzert in Bochum anlässlich der Earth Hour im Kerzenschein zu spielen. Könnte man nicht eine komplette Tour ohne künstliches Licht machen?

Oliver: Könnte man machen, aber es ist ja eine symbolische Geste. Ich glaube eine symbolische Geste wirkt auch stärker, wenn es einmalig ist. Bei unseren früheren Akustikkonzerten haben wir sehr viel mit Kerzen gearbeitet und es war oft auch ein immenser Aufwand. Dann muss man Feuerwehrleute haben und dann sieht es doch nicht so toll aus. Dann braucht man auch schöne Kerzenständer. Dann wiederum ist es nicht erlaubt. Dann ist manchmal auch schon ein tolles Licht da, was schöner aussieht. So romantisch wie es ist, es hindert uns auch in der Sichtweise, manchmal ist es schön wenn man ein Lied herausarbeiten kann. Und wenn Rüdiger sein Trommelsolo spielt und er auf einmal auftaucht und man merkt, dass das jetzt das Solo ist. Wir haben es ausprobiert und es ist gar nicht gut so etwas Permanentes zu machen. Für heute so als Symbol, springen wir gerne auf. Weil es ist uns auch sehr viel gelegen, dass es den Leuten im Bewusstsein bleibt, dass man halt nicht die Energie so verschwendet und so weit entfernt ist, von dem was man macht. Dass man jetzt das Licht anschaltet und lange brennen lässt, das hat keinen sinnigen Zusammenhang mehr mit der Tatsache, dass Stickstoff in der Luft ist oder Ruß ausgestoßen wird. Da ist es gut mit so einer Aktion darauf aufmerksam zu machen.

Ich muss immer noch gerne an früher denken, Heidnisches Dorf 2003, wo ihr die Feuershows gemacht habt.

Oliver: Die Show war auch sehr schön. Wir wollen in Zukunft auch gerne mit Artisten zusammenarbeiten.

Ihr seid in letzter Zeit mehrmals im Fernsehen aufgetreten. Sind diese Auftritte anders als Konzerte?

Oliver: Das ist stressiger. Man ist natürlich aufgeregt, weil man auf den Punkt hin arbeiten muss. Man hat den ganzen Tag Anreise. Man hat denselben Aufwand, wie bei einem Konzert und dann geht es um drei Minuten. Man ist auch nervös. Wir sind Neulinge in dem ganzen Metier, aber gerade diese ganzen Sendungen wie Abendschau und Morgenmagazin, die kleineren Formate, sind sehr nett, weil man auch ein bisschen reden kann über die Musik. Dort haben wir einen riesen Rücklauf bekommen.
Bei Carmen Nebel haben sich nur ein paar neue Leute interessiert, aber das Morgenmagazin zum Beispiel hat mehr gebracht, weil die Leute mehr Informationen bekommen haben. Ich finde es auch schön, die ganze Band dort zu haben und zu spielen. Das macht lebendig und auch menschlich und ich glaube, das wollen die Leute auch im Fernsehen sehen.

Mit „Von den Elben“ seid ihr auf Platz 7 der Album-Charts aufgestiegen. Hättet ihr so einen Erfolg erwartet?

Oliver: Keine Ahnung. Wir haben das Ding gemacht. Wir haben es durchgezogen. Wir haben uns gefreut, dass wir Partner hatten, weil „Eden“ hat mich persönlich so viel an Energie gekostet, was auch gut war. Ich wollte es machen, ich wollte es durchziehen. Ich habe mir aber selber geschworen, keine CD den nächsten Winter zu machen. Ich war im Kopf schon im Indien-Urlaub und dann kamen im Juni die ersten Anfragen. Da haben wir gesagt, es wäre schon toll, wenn uns einer hilft. „Eden“ hat die ganze Band sehr ausgelaugt. Die ganze Promo voranzutreiben und finanziell hat es uns auch in den Ruin getrieben. Aber wir wissen auch, dass es mindestens noch zwei Jahre lang gedauert hätte, bis wir die Energie und die Finanzen hätten, um wieder eine gute CD zu stemmen. Und dadurch, dass jetzt ein Partner kam, der gesagt hat „Bleib hier, wir nehmen euch als Produzent an die Hand. Ihr geht ins Studio und alles andere machen wir.“ Fotos, Promotion, Videoclips, das ganze Drumherum, was uns etwas mehr Zeit gekostet hätte. Das ist eine Erfahrung, die wir mitnehmen wollten. Deshalb war die Hoffnung groß, weil wir auch einen so großen Partner hatten, dass das richtig was werden könnte. Aber wir haben uns auch davon frei gemacht zu sagen dass wir in die Top 10 müssen.

Das Video ist absolut der Hammer, das gefällt mir richtig gut.

Oliver: Für Folk Noir habe ich den Videoclip gemacht; alles Eigenregie. Da habe ich morgens selbst die Butterbrote für die Crew geschmiert. Und für Faun haben wir vor vier Jahren Videos gemacht. Man steckt ganz viel Energie hinein und am Schluss hat man doch das Gefühl, dass es irgendwie noch nicht ganz 100 %. Und die Gelegenheit mit Profis zusammenzuarbeiten ist etwas ganz anderes. Wir hatten von Anfang an einen ganz tollen Draht zu der Filmcrew. Die waren total nett und haben sich auf die Musik eingelassen und mit uns geredet. Wir saßen lange in der Hotelbar und haben durch die Gegend gesponnen und es hat Spaß gemacht. Es war kalt, aber es hat Spaß gemacht.

Hat sich jetzt etwas verändert?

Oliver: Wir saßen heute im Bus und hatten eine Leinentasche, die bis zum Rand gefüllt war mit Autogrammkarten. Stefan hat den Satz gebracht: „Ruhm wurde mir versprochen und jetzt muss ich doofe Autogramme schreiben.“ (lach). So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Das ist auch eine andere Art von Fans, die wir in den Fernsehshows gewonnen haben. Es ist ein Publikum, das uns noch gar nicht kennt und noch nie auf einem Mittelaltermarkt war, aber die Band toll findet. Anfangs waren wir neugierig darauf, wie es klappt und ob dies den Leuten gefüllt, was wir wirklich so machen. Es ist ja nur ein kleiner Einblick, in das was wir machen in den Fernsehshows. Aber uns hat dies auf der Akustiktour umso mehr gefreut. Es waren so im Schnitt ein Drittel bis zur Hälfte, Leute im Publikum, das uns noch nie gesehen hatte auf dieser Tour. Durch die Bank weg hatten wir die Häuser voll, Standing Ovations und eine ganz tolle Stimmung. Die Leute waren wirklich, das haben wir gesehen, die ersten zwei Lieder geschockt. Die dachten da ist eine große Band mit Lichtshow und großer Trommel und „Tanz Mit Mir“. Und dann kam unsere Akustikshow. Konzerthallen mit Sitzen und wir erzählen lange Geschichten und gehen ins Kulturelle. Das haben wir gestemmt, deswegen freut es uns umso mehr, dass wir so weitermachen können, was wir bisher gemacht haben. Und das ist uns wirklich wichtig.

Hermann Kurz & The Raven

Folk Noir

Vor dem Konzert im Cotton Club in Kaiserslautern, hatte ich das Vergnügen mich mit Oliver
über Folk Noir zu unterhalten…..

Interview Folk Noir

Was unterscheidet die Musik von Folk Noir von anderen Folkbands?

Ich glaube, wir haben auch das, was Faun ein bisschen auszeichnet: Das Balladen erzählen. Wir wollen auf Geschichten eingehen, wie von der Frau, die am Grab weint bis zu Fantasiewesen, die wir besingen. Das vereint uns und das machen andere Folkbands nicht so. Aber dann scheuen wir uns nicht, was z. B. bei Faun der Fall ist, in die Moderne zu spielen, wie Effekte auf die Instrumente zu legen und mit dem Klavier etwas zu machen. Wo uns zum Beispiel bei Faun die Hände gebunden sind, können wir hier etwas freier agieren.

Und ihr singt international: Englisch.

Wir singen eigentlich nur Englisch. Man muss sagen, dass Deutsch eine schöne Sprache ist und ich liebe sie, aber es ist zum Texten eine ganz schwierige Sprache. Englisch ist viel einfacher, hat viel kürzere Worte und viel mehr Reime und deswegen ist es für mich ein bisschen eine Befreiung. Privat spreche ich Englisch mit meiner Freundin, die meisten meiner Freunde sind englischsprachig…da ist es ehe naheliegend. Ich habe auch viele englische Lieder herumliegen und gedacht, bei Faun da passt es eh nicht so richtig rein. Aber es schadet ihnen, sie verstauben zu lassen.

Wird es bald eine „Songs from Home Nr. 2“ geben?

Glaube ich nicht, weil „Songs from Home“ war ein Konzept, bei dem man gesagt hat, man sitzt im Winter zuhause auf der Couch und nimmt mit Gitarre und Gesang ganz ruhige Lieder auf. Dadurch, dass die Zusammenarbeit mit Stephan so toll lief, haben wir das Bandkonzept gemacht und als wir nun wussten, dass es auf die Festivals geht, haben wir diese Up Tempo Nummern entwickelt, die auf den Festivals Spaß machen. Das macht uns so viel Spaß, dass wir eher an einer großen CD arbeiten, die auch ein bisschen in alle Richtungen aufschlägt. „Songs from Home“ wird es bestimmt irgendwann nochmal geben, auch Songs, die zu ruhig sind und die man alleine macht, aber das ist erst einmal hinten angestellt.

Habt ihr denn schon einen Plan wann und wie etwas in der Richtung kommen könnte?

Noch nicht so richtig. Das schöne daran ist das es bei Faun so ist, man lebt davon, dass heißt man hat auch ein bisschen Druck. Hier ist es so, dass man es sich entwickeln lassen kann. Wir haben jetzt ein paar tolle Nummern, aber wir sagen uns, wenn wir zehn elf Nummern haben und wir sagen, hinter denen stehen wir wirklich , dann nehmen wir sie auf.

Wie waren die Reaktionen der Leute auf euren bisherigen Konzerten?

Schön. Wir waren ziemlich nervös, auch weil wir nicht wussten, was uns erwartet. Es lief sehr gut und wir wissen auch woran wir noch arbeiten müssen, also in welche Richtung man sich nun entwickelt. Ein paar Songs passen nicht zu den anderen. Es ist immer so, wenn man ein neues Projekt hat . Die Reaktionen waren sehr, sehr positiv. Gerade gestern das zweite Konzert in Heidelberg, es hatte sich richtig, richtig gut eingelaufen an den Abend und ich denke wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie sind speziell die Reaktionen auf „Dear Misery“?

Sehr gut. Ich glaube es gerade so ein Zahn der Zeit, aber es war nicht beabsichtigt, wir wollten nicht auf irgend etwas aufspringen. Wenn man sich z. B. „The Mumford and Sons“ anschaut, die gerade weltweit tierisch erfolgreich sind und eigentlich auch nur eine Folkband sind. Das Interesse ist da und das ist eine Musik, die ich schon lange mache, schnellgefegte Gitarre und englische Songs. Ich glaube da sind wir ganz gut am Zahn der Zeit. Und „Dear Misery“ ist so ein Song, der Spaß macht, aber der mittlerweile der schwächste Livesong geworden ist. Wir haben jetzt zwei Konzerte hinter uns und das ist die Nummer, die am wenigsten zieht. Vielleicht entwickelt er sich noch. Auf dem Video hat er echt Spaß gemacht, er ist auch eine schöne Nummer, aber mittlerweile favorisieren wir persönlich eher andere Nummern sogar noch viel mehr.

Wohin wird euch der Weg noch führen?

Als junge Band ist es schon schwierig die Leute zu begeistern. Wir hoffen jetzt, dass es sich durch die ersten Konzerte herumspricht, dass wir eine Liveband sind und würden uns wünschen, dass wir im nächsten Jahr viele Festivals mitnehmen. Denn ich denke das ist der richtige Weg, dass die Leute einen kennen lernen. Wir werden bald ohne Stress an Songs für eine CD arbeiten. Wir werden weiter ohne Stress an Livematerial arbeiten. Wir werden dieses Jahr auf dem Castlefest spielen, das ist der nächste Termin, den wir haben. Wir überlegen, ob wir im Winter dann noch irgendetwas machen.

Das ist auch schon die nächste Frage. Sind noch weitere Konzerte in diesem Jahr geplant?

Ich hoffe es. Es ist noch die Frage, ob wir im Dezember etwas machen. Wir hätten Lust darauf, aber wenn nicht, dann in 2014. Es ist schön diese Entspannung zu haben und es ein bisschen exklusiver zu halten. Faun ist natürlich mein Baby und davon leben wir. Da sind wir sehr viel unterwegs und auch toll unterwegs. Aber wenn mal ein großes Loch im Kalender ist und wir alle vier sagen, wir haben Lust und Zeit, dann machen wir das.

Wie kommt es dazu, dass euch „Sieben“ auf eurer Tour begleitet?
Es passt einfach alles super zusammen. Wir haben damals mit Faun auch die CD zusammen gemacht und die Tour. Und als wir jetzt die Tour geplant haben, muss man ehrlich sagen, dass wir nicht genug Lieder für einen ganzen Abend hatten. Wir haben gesagt wir wollen kein Support, es ist ein Doppelkonzert. Jeder macht die Hälfte. Wir wollen jetzt nicht auf Teufel kommt raus irgendwelche schwachen Nummern spielen und zehn Covernummern spielen, um den Abend voll zu kriegen. Wir wollen lieber auf Qualität setzen. Ein kurzes Set, was sehr gut ist. Er (Matt Howden/Sieben) hat den Style, mit Weste und Hemd und mit der Geige. Er hat ein bisschen Folk, die akustischen Instrumente, wie die Geige. Dann aber auch das Düstere, das Bedrohliche, die englischen Songs. Die Mischung ist super. Er spielt auch bei zwei unserer Songs mit. Es ist eine traumhafte Mischung.

Alle Mitglieder von Folk Noir sind auch in anderen Bands aktiv. Wie schafft ihr es euch für jedes Projekt genug Zeit zu nehmen?

Ich glaube das geht auch deswegen, weil wir den Druck ein bisschen raus genommen haben. Wir haben jetzt die zwei Festivals zugesagt und die paar Gigs, aber es ist jedem klar, dass bei Stephan und mir zum Beispiel, dass Faun Vorrang hat. Man ist dort eh sehr gut beschäftigt und wenn dann mal ein Loch ist, dann macht man das. Das heißt nicht, dass man versuchen muss gegeneinander zu arbeiten oder mit Ehrgeiz und das klappt glaube ich. Wir haben auch eine lange Show und wir haben uns letzten Winter schon öfters getroffen und an Songs gearbeitet. Es ist nicht so, dass wir sehr kurzfristig arbeiten. Wir haben es in aller Ruhe reifen lassen. Die EP kam ja auch vor zwei Jahren raus. Wir haben jetzt zwei Jahre keine Konzerte gemacht, obwohl es die CD schon gab. Das ist das Schöne, wenn man sich nicht unter Druck setzen lässt. Das ist glaube ich unser Geheimnis.