Cardillac Complex Forgotten Reasons und Interview

Mit Forgotten Reasons von Cardillac Complex hat uns im Mai eine EP einer uns bisher unbekannten Band erreicht, die uns so gut gefallen hat, dass wir es nicht nur Wert finden, ein paar Worte darüber zu verlieren, sondern es uns auch brennend interessiert hat, wer sich eigentlich hinter Cardillac Complex verbirgt. In einem kleinen Interview mit Sänger Ole könnt auch Ihr etwas mehr über Cardillac Complex erfahren.

Zuerst aber ein paar Worte zur EP, die aus 5 sehr abwechslungsreichen Songs besteht. Bereits die ersten Klänge des Titelsongs gehen sofort ins Ohr. In Englisch gesungen entfalten die düsteren Songs eine durchaus hörenswerte Stimmung. Die Songs sind musikalisch abwechslungsreich von melancholisch ruhig bis ziemlich rockig instrumentiert. Die Band versteht es zweifellos Songs zu schreiben, die ins Ohr gehen. Sowohl Gothic Liebhaber, wie auch Verehrer des Darkrocks könnte Cardillac Complex gefallen, vor allem wenn man mehr die ruhigeren Töne schätzt.

Einziger Schwachpunkt und völlig aus der Art geschlagen ist das einzige in Deutsch gesungene Stück „Der Weg“, das sprachlich, und musikalisch nicht so wirklich zum Rest der englisch gesungenenen EP passen will. Dass es extrem reizvoll sein kann mit Deutsch und Englisch zu operieren, können Blutengel immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen. Hier ist der Versuch, auch wegen der anderen Stimmfarbe des Sängers als eher unglücklich zu bezeichnen. Dafür folgt gleich darauf mit dem letzten Song des Albums das 7 Minuten Werk Belief 2, das absolute Highlight der EP:

Eine dunkle, fast symphonische Ballade die von Gewitterstimmen über Akustikparts und orchestralen Elementen so richtig Spaß und Lust auf mehr von Cardillac Complex macht.
Lassen wir nun die Band selbst zu Wort kommen:

Ihr habt Ende April mit Forgotten Reasons euere erste EP veröffentlicht. Seit 2010 gibt es Cardillac Complex aber schon. Trotzdem kam erst jetzt die erste EP raus. Ein Vorbote für das demnächt erscheinende Album?

Ole: Erst jetzt? Machst du jedem One-Night-Stand gleich einen Heiratsantrag?

Jede Beziehung (auch die musikalische) will erst auf ein solides Fundament gestellt werden, bevor man den nächsten Schritt geht – es sei denn, man wurde im Rahmen einer großen TV-Show gecastet. Ganz nebenbei braucht man ja auch genügend Songs, aus denen man wiederum ein paar auswählt usw.

Hinzu kommt: Musik ist für uns eine Leidenschaft, aber eben kein Beruf. Daher ist das Zeitfenster zwischen Jobs, Studium und (außermusikalischem) Privatleben recht überschaubar. Vor allem, wenn man sich in den Kopf gestetzt hat, den ganzen Aufnahmeprozess selbst zu machen. Wir hatten zwar viele Freunde und Bekannte, die uns mit Rat, Räumen und Ragouts zur
Seite standen, aber die schweißtreibende Arbeit haben wir doch höchstselbst ausgeführt.

Erst beim beim Cover haben wir uns an (wiederum befreundete) Profis gewandt. Nennenswerte Kosten sind uns erst
bei Mix, Mastering und Pressung entstanden. Als „Forgotten Reasons“ dann schlussendlich im Kasten war, war bei uns erstmal die Luft raus. Aber in der Zwischenzeit sind einige neue Songs entstanden und so langsam bekommen wir auch wieder Lust, ein Vollzeit-Album aufzunehmen.

Die EP enthält vier englische Songs und ein deutsches Stück, das auch musikalisch ziemlich von dem Rest der Songs abweicht. Wie kam es dazu den Song in Deutsch aufzunehmen und war das ein einmaliges Experiment
oder wird es in Zukunft Cardillac Complex als deutsches und englisches Projekt geben?
Ole: Mit Sicherheit war „Der Weg“ zunächst ein Experiment. Schließlich hatte ich vorher noch keine deutschen Texte geschrieben, geschweige denn: zu einem Song verarbeitet. Meist ist bei mir die Musik zuerst da, danach kommt erst der Text. So auch im Fall „Der Weg“. Nur mit dem Unterschied, dass die ersten Worte, die mir in den Sinn kamen, deutsch statt englisch waren. Das war zwar neu, hing aber ohne Zweifel mit meiner damaligen Situation zusammen.

Andererseits: Warum sollte ich gegen diesen Impuls arbeiten? Schließlich geht es beim Musikmachen (zumindest nach meinem Verständnis) zunächst einmal um den künstlerischen Ausdruck, und dann erst ums „Verkaufen“. Es ist zwar eine Heidenarbeit, aber das Ergebnis dieses „Experiments“ finde ich ganz gelungen. Daher ist es zukünftig sicherlich nicht ausgeschlossen, auch in Deutsch zu texten.

Kannst Du uns etwas über die Bandmitglieder erzählen? Da ihr bisher ja vor allem im Raum Münster aufgetreten seid, hat man in weiten Teilen Deutschlands von Cardillac Complex ja bisher fast nichts gehört.

Ole: Gern.Tobias Ide spielt E-Gitarre und singt, Matthias Teuber spielt Bass und singt, Ole Arntz singt und spielt Akustik-Gitarre, Alexander van Stein spielt Keyboards und Christoph Schmidt spielt Schlagzeug. Prägt Euch die Namen gut ein, die kommen in der nächsten Klassenarbeit dran.

Habt ihr musikalische Einflüsse und Vorbilder, haben Euch Bands besonders inspiriert zu den Songs der EP?
Ole: Die musikalischen Vorbilder über die gesamte Band verteilt sind natürlich breit gefächert. Da bislang alle Songs entweder von Alex oder mir stammen, kommen naturgemöäßEinflüsse aus Gothic, Rock und Metal zum Tragen. Das können HIM, Dreadful Shadows / Zeraphine und The Mission genauso sein wie Paradise Lost, Anathema oder Katatonia.

Beim Anhören des Albums fiel mir auf, dass die einzelnen Songs sehr unterschiedlich sind, von ruhig bis hart, von balladesk bis rockig. Irgendwie von allem etwas. Bezeichnet ihr Eure Musik deshalb als „Dark Glam Rock“ bzw. was versteht ihr darunter?

Ole: Gut erkannt. Die Vielfalt ist bei uns nicht nur Programm, sondern volle Absicht. Das Leben ist schließlich zu bunt, um immer nur als Fledermaus durch die Welt zu flattern. Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Je tiefer die Nacht, desto näher der Tag. Genauso verhält es sich mit unseren musikalischen Vorlieben: Selbstverständlich finden sich in unseren CD-Regalen mehr Abteilungen als „Gothic“ und „Metal“. Daher haben wir das Spiel mit Glanz und Finsternis in die Genre-Bezeichnung aufgenommen.

Beim ersten flüchtigen Lesen hab ich Eueren Namen als Cadillac Complex gelesen. Habt ihr keine Angst, dass viele das R überlesen? Wie ist der Name Cardillac entstanden?

Ole: Der Name bezieht sich auf René Cardillac, eine Figur aus dem „Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann. Einen Goldschmied, der seine Kunstwerke zuerst verkauft, und sie sich später zurückholt, indem er seine Kunden umlegt. Die Novelle spielt im feudalen Frankreich des 17. Jahrhunderts. Daher spricht man den guten Mann auch „kardiak“ aus.

Allerdings war uns das mögliche Missverständnis von Anfang an bewusst. Wir haben zwar mit amerikanischen Edel-Schlitten persönlich wenig bis gar nichts am Hut, aber es gibt schlimmere Assoziationen, oder?

Außerdem: Wer uns gut findet und zu unseren Konzerten kommt, darf uns aussprechen, wie er will.

Ihr habt ja schon einige Konzerte gespielt. Mit fünf Songs ist das ja nicht denkbar. Was spielt ihr außer den fünf EP-Songs sonst noch?

Ole: Das hast du ganz richtig erkannt. Wir spielen die Stücke der „Forgotten Reasons“-EP, aber auch ältere und neuere Songs. Damit kommen wir zurzeit auf circa 90 Minuten. Du willst wissen, wie das klingt? Komm doch zum nächsten Konzert, dann weißt du’s. Aktuelle Termine, Musik, Bilder und News: www.cardillac-complex.com.

Wird man Euch demnächst auch deutschlandweit hören können, eventuell auch als Toursupport für eine Band?

Ole: Nichts dagegen. Geplant ist bislang zwar nichts, aber wenn sich jemand die Arbeit machen will, eine Tour zu planen bzw. uns unter seine organisatorischen Fittiche zu nehmen, werden wir sicherlich nicht nein sagen.

Cardillac Complex ist absolut independent. Es gab keine Plattenfirma im Hintergrund, oder?

Ole: Nein, absolut null. Alles selbst geklöppelt und handgestrickt. Vom Songwriting bis zum Vertrieb. Die Rolle der Labels im Musikgeschäft ist seit den 2000er Jahren ohnehin immer fraglicher geworden. Außerdem werden Technik und Infrastruktur für Musiker immer erschwinglicher und jederzeit verfügbar. Dadurch können (und müssen) Musiker heutzutage immer mehr können als „nur“ Musik zu machen. Ob das immer nur gut ist, wissen wir zwar auch nicht immer so genau, aber anstatt uns darüber zu totzugrübeln, machen wir einfach, was wir für richtig halten.

Gibt es sonst noch etwas was man über Cardillac Complex unbedingt wissen sollte? Dann verrate uns das doch bitte.

Ole: Alles, was es über uns zu wissen gibt, ist bereits gesagt oder gibt es bereits online zu lesen. Über die mysteriösen Riten im Backstage oder unsere regen Beziehungen zum Mossad und der NSA schweigen wir aber lieber. Schließlich gehürt eine nebulöse Aura zum Rockstar-Image dazu…

Vielen Dank für das Interview und wir werden Euch sicher live demnächst mal bei einem Konzert besuchen und sind schon sehr gespannt darauf.

Bernd Sonntag

Feuertanz 2013

Ein Mittelaltermarkt im Burghof, Marktmusik mit Heiter bis Folkig am Freitag und Trollfaust am Samstag, Gaukeley z.B. mit Lupus, eine Feuershow, viel leckeres Essen und die malerische Burg wären 2013 allein schon Grund genug gewesen, einmal beim Feuertanz in Abenberg vorbeizuschauen. Aber natürlich hat das Concertbüro Franken es auch in diesem Jahr hervorragend verstanden, nicht nur ein sehens- und hörenswertes Festival-Lineup zusammenzustellen, auch die Organisation lies keine Wünsche offen. Und der direkte Draht nach oben scheint auch perfekt zu funktionieren, kein Regen und traumhaftes Wetter, wie gemacht für die alljährliche Mittelalterparty im rund 5400 Einwohner zählenden „Wacken Mittelfrankens“.

Bereits Freitag um kurz vor 13.00 Uhr durften sich die Moderatoren des ersten Festivaltages Max von Gluchowe und Holger Hopfenstreich Hoffmann, besser bekannt als Pampatut, über eine große Menschenmenge vor der Bühne freuen, die gespannt auf die Lokalmatatoren Ignis Fatuu und ihren neuen Sänger P.G. warteten. Der war bis kurz vor Festivalbeginn aber gar nicht sicher, musste man krankheitsbedingt doch den Gitarristen ersetzen und dies auch noch in gerade einmal 3 Bandproben, die als Vorbereitung blieben. Kein leichtes Unterfangen, wen wundert es da, dass man doch etwas nervös das Feuertanz 2013 eröffnete. Doch das bestens aufgelegte Publikum machte es den Mittelfranken echt leicht und sorgte ab Song eins für eine tolle Stimmung. Und auch wenn der Soun , sicher auch wegen fehlenden Soundchecks, nicht gerade perfekt klang und man der Gruppe schon anmerkte, dass man aufgrund Umbesetzungen sich noch in der Findungsphase befindet, so konnte man doch sehr gut unter Beweis stellen, dass man von Ignis Fatuu noch sehr viel Positives erwarten kann. Auch weil der Neue am Micro mit seiner tollen Bühnenpräsenz gut zum Ignis Fatuu-Sound passt.

Daumen hoch und ein fettes „Gefällt mir“, dies hatten die 2 von Pampatut nach dem Konzert auch gleich als Handschuh mitgebracht und als Dunkelschön mit dem Aufbau beschäftigt war, durften die zwei Spaßvögel sich 30 Minuten auf der Bühne austoben und die Leute zum Lachen bringen. Leuten ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, je mehr desto besser, ist wirklich eine große Kunst. Dies beherrschen die zwei wie kaum sonst jemand auf der Bühne unglaublich gut. Was den beiden immer wieder spontan an witzigen Bemerkungen einfällt, wie sie das, was gerade vor ihnen, hinter ihnen oder über ihnen passiert für ihr Programm nutzen verblüfft mich jedes mal aufs Neue. So wie z.B. als mitten im Programm Dunkelschöns Davulspieler Christian Wittkopf die Davul testete und Max sofort darauf ansprang und sich fragte wie das Batteriefach des Duracell-Häschens hinter ihm wohl ausschauen möge. Pampatut sind ein großer Spaß, und so ganz nebenbei auch eine tolles Moderatorenteam, was sie am Abend noch öfters unter Beweis stellen konnten.

Relativ neue Gesichter gibt es bekanntlich auch bei Dunkelschön zu sehen und da deren musikalische Liebe mehr dem Metal gilt, ist der Dunkelschön-Sound noch einmal deutlich rockiger geworden, was der Show wirklich gut tut. Eine der nettesten und unkompliziertesten Mittelalterbands hat durch die neue Besetzung noch einmal gewonnen und versteht es in der Unplugged-Variante auch die Liebhaber ruhigerer Töne zu begeistern. Am Freitag war aber Rocken angesagt und auch wenn, wie bei Ignis Fatuu, auch bei Dunkelschön der Sound etwas am fehlenden Soundckeck litt, so sorgte die unterfränkische Band doch für mächtig Stimmung und viele strahlende Gesichter im Publikum.
Das kann man auch vom Auftritt der Irish-Folk-Band Rapalje, die aus Groningen in den Niederlanden stammt, behaupten .Bestens gelaunt sorgten Dieb, Maceal, William und David für mächtig Stimmung . Bekannte Irische und Schottische Traditionals und eigene Songs verführten immer mehr Zuhörer zum Tanzen,, Mitklatschen und Mitsingen und besonders William mit seiner tiefen Stimme sorgte für große Begeisterung unter den Zuhörern, die trotz großer Hitze eine großartige Folk-Party feierten. Eine absolute Stimmungsband mit hoher musikalischer Qualität sorgte bei ihrem Auftritt für viele glückliche Gesichter im Publikum .

Mit Feuerschwanz stand dann die zweite Band auf der B´ühne, die in Abenberg einen echten Heimvorteil hat ist die Fanbase der mittelfränkischen Met-Vernichter doch gerade in und um Nürnberg und Erlangen besonders gro. Wie immer schön anzuschauen waren die 2 Miezen, die für die kurzweilige Bühnenshow genauso unersetzbar sind wie die Met-Maschine auf die sich ein Teil des Publikums auch diesmal voller Freude stürzte. Kein Problem für Feuerschwanz mit der unterhaltsamen Show die Stimmung am Kochen zu halten und neben den Miezen war besonders Johanna mit ihrem sehenswerten Bühnenoutfit mehr als einen Blick wert.

Dass Pampatut eine Band auch einmal völlig anders und extrem passend anmoderieren können nämlich mit sphärischen Klangschalklängen bewiesen sie dann in der Anmoderation zum Omnia Auftritt.

Omnia war der perfekte musikalische Kontrast zu den beiden „Party-Bands“ zuvor. Nicht weniger stimmungsvoll präsentierten die Holländer ein buntes Programm aus ihrer hörenswerten Banddiskographie und Omnia wären nicht Omnia, wenn es nicht die eine oder andere Überraschung für das Publikum gäbe. In Abenberg sogar derer 3, nämlich 3 neue Songs. Natärlich lies es sich Steve Sic auch nicht nehmen dem Publikum seine Sicht der Dinge pro Umwelt und für eine bessere Welt mitzuteilen. Und auch die Abreibung für die viel zu mächtigen Politker unsererer Erde durfte natürlich nicht fehlen. Dies alles gibt es übrigens in immer besserem deutsch zu hören. Steve Sic hat fleißig Deutsch gelernt und ihm fällt es immer leichter sich auch in deutsch auszudrücken. Neben dem klasse Konzert auch dafür ein dickes Kompliment. Und dass bei Omnia nicht nur das Konzert ein ganz besonderes Erlebnis ist, sondern der Soundcheck mit Publikum extrem viel Spaß macht, konnten alle Besucher die sich schon 30 Minuten vor Beginn vor der Bühne einfanden live miterleben.

Headliner des Abends waren die Lokalmatatoren von Fiddlers Green die den Heimvorteil perfekt zu nutzen verstanden. Die Erlanger Band, die mit der neuen CD „Winners and Boozers“ im Oktober in ganz Deutschland unterwegs ist, brachte das durch die Sonne und die bisherigen Bands extrem aufgewärmte Publikum vollends zum Kochen. Überall tanzende und feiernde Menschen beim Irish Independent Speedfolk der Mittelfranken, unfassbar wie schnell die Zeit bis zum Ende des furiosen Auftritts dahinraste. Überhaupt ging der Tag viel zu schnell vorbei. Und wer noch nicht genug hatte, der konnte dann nochmals Pampatut beim Mitternachtskonzert erleben, oder im Marktbereich den einen oder anderen Met vernichten und einen tollen gelungenen ersten Festivaltag feuchtfröhlich ausklingen lassen..

Bericht vom Samstag

Alle Besucher, die den zweiten Tag Feuertanz 2013 miterlebt haben, werden sicher unterschreiben, dass man Feiern lieber mit V schreiben sollte. Denn der „V-Tag beim Feuertanz mit Vermaledyt, Vroudenspil und Versengold hatte gleich 3 feiererwütige Stimmungsbands zu bieten. Zuerst aber galt es etwas Niveau ins Publikum zu streuen und dafür waren Martin Spieß und Sören Vogelsang als „Das Niveau“ zuständig, die für die Begrüßung, Moderation des Tages und das Mitternachtkonzert verpflichtet wurden. Eine gute Wahl, sind die 2 Berliner doch recht witzig und verstehen es das Publikum zu unterhalten und mitzureissen. Den beiden langt eine Gitarre, ein loses Mundwerk, viel Spontanität und „niveauvolle“ Texte, wie z.B. das Lied vom Schwingschleifer und schon kommt Stimmung auf.

Und auch wenn noch nicht alle so richtig wach waren, spätestens nach dem Premierenauftritt beim Feuertanz von Vermaledyt aus Memmingen durfte auch die letzte verschlafene Seele aus dem Bett gegrochen und zur Bühne gepilgert sein, reizte die mit Cello, Schalmei, Bouzouki und Dudelsack aufspielenden Vermaledyt die Beine der Besucher zum mittanzen, die Münder zum mitsingen und die müden Körper zum herumzappeln. Bei inzwischen 3 richtig guten Alben hat die Band genug Songs um richtig Gas geben zu können und einen begeisternden Auftritt hinzulegen. Passend zum Tag erwies sich die Cellistin der Band Vivianne von der Saar nicht nur als Fotografenliebling sondern als prägendes Element der Vermaledyt-Musik.

Gleich danach heizte „Das Niveau“ das Publikum weiter an und wer bis dahin noch immer nicht zappeln wollte, um den war es bei strahlenden Sonnenschein spätestens bei Vroudenspil geschehen. Der Piratenrock der Münchner ist aber auch sowas von fetzig , dass man einfach mitmachen muss und trotz einiger Besetzungswechsel scheint die Band immer besser zu werden. Leider steht ja auch demnächst schon wieder ein Besetzungswechsel an, wenn 4-Finger-Jane die Band auf eigenen Wunsch mangels Zeit verlassen wird. Die Abenberger hatten immerhin das Glück sie nochmals live erleben zu dürfen. Und so bereitete ein begeistertes Publikum mit Crowd-Surfing und wilden Polonaisen im Publikum ihr einen denkwürdigen Feuertanz-Abschied.

Nach dem Auftritt strümte erst einmal alles ausgetrocknet oder ausgehungert zu den „Fressständen“ oder flüchtete vor der gnadenlos leuchtenden Sonne in den Schatten, sofern man einen finden konnte.

Die nächste V-Band des Abends passte dann so gar nicht zu den „Veier-Bands“ und das war wirklich gut so. Nach den furiosen Festivalauftakt war Anna Katrin Egilstrod mit Band für einen musikalischen Break und die extravagantesten Klänge des Wochenendes zuständig. Die mit viel elektronischen Samples und Spielereien aufgepimpte Musik der Band und der extrem an Björk erinnernde, eindrucksvolle Gesang von Anna Katrin polarisieren, wie wohl keine andere Band an den beiden Tagen. Entsprechend war der Platz auch deutlich leerer als zuvor bei Vroudenspil. Alle die sich auf die tranceartige Folkmusik eingelassen haben, konnten einen der letzten Valravn-Auftritte genießen, gibt die Band beim Festival Mediaval ja ihr allerletztes Konzert. Leider gehörte der Auftritt beim Feuertanz sicher nicht zu den besten Gigs der Band. Hatte man doch hörbar mit Tonproblemen zu kämpfen, die schon den Soundcheck erheblich verzögerten und beim Konzert immer wieder auftraten. Immerhin konnte man erleben, wie weh ein zu starker Bass dem Gehör tun kann, ein Erlebnis auf das man fraglos verzichten kann. Fragwürdig war auch die Bühnenaufteilung, die eine Hälfte der Bühne leer dafür das Streichertrio im Eck plaziert wirkten wenig inspirierend, wie auch die 3 bildhübschen Damen selbst, die etwas die Freude am Musizieren vermissen ließen. Das geht sicher besser, so sehr sich die Sängerin auch bemühte und ins Publikum strahlte.

Als nächstes durfte sich Versengold schon einmal im Wacken Mittelfrankens auf den bevorstehenden großen Wacken-Auftritt 2013 warmspielen. Aber eine bessere Stimmung kann es da auch kaum geben. Snorre, Pinto, Paule, Honza und Hengest machten wie gewohnt bei ihren Auftritt mit extremster Spielfreude das Auditorium zum Tollhaus und das Publikum lies sich voller Begeisterung darauf ein. Die 5 sprangen auf die Bühne und hatten mit ihrer handgemachten Mittelaltermugge die Massen sofort im Griff. Die intelligenten Texte der Live-Band per Excellance machen genauso Spaß, wie die furiose Bühnenshow die keine Wünsche offenlässt. Versengold sind eine „Stimmungsband“ auf höchstem Niveau und eine Bereicherung für jedes Festival Line-Up. Und selbst wenn die Flöte von Snorre mitten in der Show den Geist aufgibt, geht die voller Dynamik nur so strozende Show ohne Pause weiter. Doch Versengold verstehen es auch mit ruhigeren Tönen Herz und Geist anzusprechen. Hoffentlich gleich nächstes Jahr wieder beim Feuertanz.

Bevor Eluveitie loslegten wurde das Publikum vom „Niveau“ erstmals auf die korrekte Aussprache des Bandnamens hingewiesen. Danach gabs so richtig was auf die Ohren. Die lauteste, bisweilen etwas zu laute, Band der zwei Tage sorgte für Schweissperlen bei der Security, die die unzähligen Crowdserver gutgelaunt am Bühnenrand einfingen. Absolut beeindruckende Bilder konnten all jene erleben, die während des Auftritts die Treppen zum Turm erklommen haben. Ein riesiger Moshpit und wild um sich springende Konzertbesucher wirken von oben noch viel beeindruckender und auch die riesige Staubwolke die während des Eluveitie-Auftritts wie eine Dunstglocke über den Köpfen schwebte, konnte man besonders gut von oben betrachten. Und selbst von ganz oben war der wie wild auf sein Schlagzeug einschlagende Trommler Merlin Sutter, der optisch und spieltechnisch etwas an den grandiosen Schlagzeuger der Muppets-Show erinnerte noch zu sehen.

Schwer vorstellbar, dass es Saltatio Mortis schaffen würden, die schon tolle Stimmung noch ein paar Dezibel nach oben zu schrauben. Doch für Springfloh und Sänger Alea und seine spielfreudige Band ist das keine echte Herausforderung. Zählt Alea zwar nicht zu Deutschlands größten Sängern, aber sicher zu einem der sehenswertesten Live-Performer der das Publikum beeindruckend mitreissen und um den Finger wickeln kann. Kein Wunder, dass sich Saltatio zu einem Top-Headliner entwickelt hat und auch optisch Dank der tollen Entwürfe von Lucardis Feist gewaltig etwas her macht.

Neben vielem Bekannten gab es auch Neues zu hören, wie die sehr kontrovers diskutierte neue Single „Wachstumüber alles“, in der musikalisch und textlich das Deutschlandlied verarbeitet wurde. Einmal mehr ein Beweis für eine Band die etwas zu sagen hat, belanglos kann ja jeder. Problemlos schafft man den Spagat Zeitkritsches mit dem „Mittelalter“ zu verbinden. Dass die neue Single auf keinen Fall als Nazi-Propaganda gedacht ist teilte Lasterbalk bei der Anmoderation dem Publikum in aller Deutlichkeit mit, die mit erhobenen Fäusten und lauten „Nazi raus“ Rufen gleich lautstark ihre Antipathie beeindruckend zum Ausdruck brachten. Besuche von Naseweis und seinem gut gefüllten Met-Tablett und von Versengold rundeten das auf viel Begeisterung stoßende Konzert ab. Die Lichter auf der Burg machte dann das Niveau mit dem Mitternachtskonzert in einem viel zu kleinen Burgsaal aus. 2 tolle Feuertanz-Tage waren Geschichte und schon jetzt kann man sich auf 2014 freuen, wenn bei Ausgabe 13 wieder Party pur angesagt ist. Abschließend bleibt neben der klasse Organisation allen die für den reibungslosen Ablauf des Festivals gesorgt haben zu Danken, angefangen bei der freundlichen Security, über alle Mitarbeiter die sich 2 Tage mit höchstem Einsatz um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert habe , nicht zu vergessen die Sanitäter und die Feuerwehr mit ihrerer Schlaucherfrischung fürs Publikum. Der größte Dank gilt aber allen Konzertbesuchern, die einmal mehr das Festival zu etwas ganz Besonderem (auch für die Musiker) gemacht haben

Bernd Sonntag

Deva Premal & Miten with Manose in Bonn

Auf ihrer aktuellen Welttournee gastierten Deva Premal & Miten with Manose am 5. Juni 2013 auch in der Beethovenhalle in Bonn.

Ein unvergessenes Erlebnis von melodischen Musikstücken bis hin zu altbekannten meditativen Mantras boten das Trio mit drei weiteren Gastmusikern;
Maneesh de Moor am Synthesizer,
Mathew Schoening am Cello und PRAFUL am Saxophon in hervorragender Akustik und leuchtender Optik.

Jeder an seinem Instrument ist ein wahrer Virtuose.

Höchste spirituelle Klänge bis hin zur Stille boten dem Publikum die Möglichkeit tiefe Erfahrungen zu machen und die Akteure ganz persönlich zu erleben.

In tiefer Verbundenheit mit der bedingungslosen Liebe nahmen sie das Publikum mit auf die Reise und boten Mantren zum mitsingen an. 1200 Konzertbesucher & Besucherinnen beteiligten sich dabei lebhaft. Das Gayatri Mantra wurde begeistert wie alle anderen Mantras mitgesungen. Buddha Shakyamuni wurde mit dem Mantra „Om muni muni maha muni svaha“ 108mal angerufen.

In den erstaunlichen Solos erkannte das Publikum die Größe und Vielfalt der
Musiker. Die hervorragende „goldene“ Stimme von Deva Premal war bis zur letzten Zugabe ein unvergleichlicher Genuss.
Miten betonte seine tiefe melodische Chakterausformung an der Gitarre. Er scheint selbst zeitlos zu sein.
Manose ein begnadeter Bambusflötist aus Nepal gab mit seinem Spiel sein Können feil.

Ein spirituelles genährt sein, in tiefer Verbundenheit zur Musik gaben alle Musiker ihr bis zur letzten Minute.
Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum dafür.
Blumengeschenke des Veranstalters der Uta Akademie aus Köln an alle Musiker rundeten den gelungenen Abend ab.

Vielen Dank für dieses großartige spirituelle Konzert.

Von Anke Fergen

Festival Mediaval 2013

In unserer kleinen Serie über die „Da muss ich hin“ Festivals 2013 möchten wir Euch auf die 6 Ausgabe des Festivals Mediaval hinweisen. Das „ganz besondere Festival“ im Länderdreieck von Sachsen, Bayern und Tschechien war all die Jahre ein Muß im Festival-Plan und daran wird sich mit Blick auf das diesjährige Programm auch 2013 nichts ändern. Neben einem Nordic Special u.a mit Garmana, Valravn und Euzen freuen wir uns besonders auf einen der ganz raren Auftritte von Corvus Corax zusammen mit Wadokyo ( Taiko Trommler) , auf Elmsfeuer (die Piratenband mit Zukunft) und natürlich auf Omnia, die bei allen 5 Festivals bisher dabei waren und gerade in Selb immer in Höchstform sind. Daneben gibt es natürlich auch ganz viele Künstler, die man einfach mal gesehen haben muss, wie Beatrische oder Kelvin Kalvus um nur einmal zwei von vielen zu nennen. Allein die 3 Bühnen des weitläufigen Festivals lassen an den 3 Tagen sicher keine Langeweile aufkommen.Ein großer Händler- und Handwerkermarkt, viele Workshops, ein buntes Rahmenprogramm und natürlich reichlich zum Essen und Trinken , das Festival Mediaval ist wirklich einen Besuch wert.
Wir haben dem Hauptorganisator „Bläcky“ Schwarz etwas auf den Zahn gefühlt, auch weil in letzter Zeit doch viele völlig unbegründete Sorgen und Gerüchte über das Festival im Netz zu lesen waren. Aber lest selbt:

1)Bevor wir zum Festival 2013 kommen noch ein kurzes Resümee zur unvergesslichen Ausgabe 2012 mit vielen tollen Konzerten. Wie fällt euer Fazit aus? Wart ihr mit dem Besuch zufrieden, welche Konzerte blieben Euch als Veranstalter am positivsten in Erinnerung, gab es Anlass zu Klagen.

Blöcky: Das F-M V war super, so viele Besucher, wie noch nie, eine tolle
Atmosphäre auf dem Platz, viele tolle Konzerte, vor allem Versengold,
Schandmaul und Omnia haben herausgestochen. Ein kleiner negativer Aspekt
waren die Diebstähle auf dem Camping-Gelände, hier werden wir dieses
Jahr Security Streife laufen lassen, um die Diebe abzuschrecken.

2)Wie auf Facebook zu lesen war, haben sich mit Rudl und Oli 2 aus dem Orgateam verabschiedet. Wieso das und wie willst Du allein die ganze Arbeit stemmen?

Bläcky: Rudl und Oli sind aus privaten Gründen ausgestiegen, es wurde ihnen einfach zu viel. Die Arbeit der beiden wurde aufgeteilt, so dass das weiter kein Problem ist, es gab schon immer ein Orga-Team von ca. 20 Leuten, daran hat sich auch nichts geändert, nur dass einige neue Leute dazugekommen und alte gegangen sind.

3) Nun aber zur Ausgabe 2013. Im Vorfeld gab es wegen der OB-Wahl viele Gerüchte. Inzwischen hat Selb einen neuen, jungen OB der sich schon öffentlich positiv zum Festival geäußert hat. Habt ihr auch in diesem Jahr dieselbe positive Unterstützung seitens der Stadt Selb und dem ehemaligen Bürgermeister Kreil?

Bläcky: Haben wir. Ich hatte bereits vor der Wahl, zur Sicherheit, einen Antrag auf weitere 5 Jahre Mediaval gestellt und einen Vertrag bekommen, dann habe ich nach der Wahl sofort Kontakt mit dem neuen Bürgermeister aufgenommen und dieser hat mir versichert, dass er ein Fan des Festivals sei. Bei der großen Koordinationssitzung in Selb im März, wurde dann
alles bestätigt, es kann also bis zum 10ten ohne Probleme weitergehen.

4)Ihr habt in diesem Jahr ein Nordic-Special geplant. Nun haben aber Gjallarhorn leider abgesagt. Nicht zum ersten Mal. Trauen die sich nicht nach Selb?

Bläcky: Das hat mich sehr geärgert, vor allem, da die Band sich nicht gemeldet hat, sondern ich erst auf mehrmalige Nachfrage erfahren musste, dass die Sängerin beschlossen hat Mutter zu werden und deswegen ab Herbst kein Konzert mehr gibt. Dies war für sie bereits klar, bevor wir Flyer und Plakate gedruckt haben, auf denen nun Gjallarhorn steht und nicht Omnia.

5)Ich persönlich finde das ja gar nicht schlimm, weil ihr mit Omnia nicht nur eine meiner absoluten Lieblingsbands wieder verpflichtet habt, sondern weil das Omnia Konzert 2012 sicher eines der absoluten Highlights war. Viele Besucher werden Euch nach dem unglaublichen Festivalabschluss der Niederländer im letzten Jahr sicher sehr dankbar dafür sein. War es schwierig Omnia so kurzfristig zu überzeugen, wieder nach Selb zu kommen?

Bläcky: Nein überhaupt nicht, Omnia hatte mehrmals angefragt, ob sie nicht doch kommen können und sich das WE freigehalten, das Ganze hat 30 Minuten gedauert, dann war der Ersatz geklärt. Für Omnia ist das Mediaval eins ihrer 2 Lieblingsfestivals und wird von Ihnen bedingungslos unterstützt.

6)Das Festival Mediaval ist jedes Jahr auch deshalb etwas ganz besonderes im großen Angebot an sehenswerten Festivals, weil ihr es immer wieder schafft Bands nach Selb zu locken, die man sonst eher selten bis gar nicht live erleben kann. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr als besonderes Highlight?

Bläcky: Nun die Sensation ist sicherlich der Auftritt von Garmarna, der von der Kritik als besten Folk-Band Skandinaviens eingestuften Kultband, die seit nunmehr 12 Jahren auf keinem Festival und schon gar nicht mehr in Deutschland aufgetreten sind. Dann gibt es die Wiederholung des EDDA-Projektes von Poeta Magica, das vor 2 Jahren wegen Sturm abgebrochen werden musste, dieses Konzert gibt es in dieser Art sonst nirgends. Oliver Satyr von Faun macht den einzigen Festival-Auftritt mit seinem Nebenprojekt Kauna und dann natürlich noch der Auftritt von Corvus Corax zusammen mit den Wadokyo-Taiko-Trommlern, die so sonst nur in Wacken und dem Summer Breeze zu sehen sind. Besonders sind sicherlich auch die Konzerte von Unshine aus Norwegen, Obscurus Orbis aus Lettland und Wolfmare aus Russland.

8) Mit Dandelion Wine habt ihr diesmal eine Band aus Australien verpflichtet. Die haben aber Probleme die nicht unerheblichen Flugkosten zu finanzieren. Oder ist das Problem inzwischen behoben.

Bläcky: Z. Zt. dieser Antwort sieht es nicht schlecht aus. Wir werden uns auch am Crowd-Founding beteiligen und die Haarfarbe von Naomi für die Europa-Tournee ersteigern, dies kann dann von den Fans des Medival per Abstimmung festgelegt werden.

9)Etwas für Irritationen hat Eure Suche nach einem Bierzelt-Festwirt gesorgt. War die Suche erfolgreich und wie muss man sich das vorstellen, ein Mittelalter-Bierzelt auf dem Goldberg?

Bläcky: Nein, kein Bierzelt, einen bayrischen Biergarten wird es geben, dies hatte ich ausgeschrieben, um das beste Angebot zu bekommen. Es wird also auf der ehemaligen Workshopwiese einen großen Biergarten geben, das ist alles geregelt.

10)Ein absolutes Highlight des Wochenendes sind für einen Teil der Besucher auch die Workshops. Ist es schwierig Eure Künstler z.B. die tolle Beatrice Baumann zu gewinnen?

Bläcky: Nein, die Küstler machen das gerne, da sie alle übereinstimmend sagen, dass die Teilnehmer extrem motiviert sind und die Workshops unheimlich Spaß machen. Die Workshops werden dieses Jahr alle am und um das Kriegerdenkmal stattfinden.

11) Wo krankt es denn noch? Habt ihr genug freiwillige Helfer? Wie sieht es mit Unterkünften aus, die in Selb und Umgebung ja nicht zu zahlreich zur Verfügung stehen?

Bläcky: Ohne die Volontäre kann das Festival nicht umgesetzt werden, hier haben wir immer genügend Anmeldungen, von denen allerdings dann einige nicht erscheinen, so dass wir bisher immer ein wenig unterbesetzt waren, aber es hat bisher geklappt und wird dies auch weiterhin. Die Stimmung im Team ist super, falls also jemand Lust hat einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein Teil des Mediaval-Teams zu werden, soll er/sie sich doch bitte über das Formular auf der HP bewerben. Die meisten Besucher buchen ihre Zimmer bereits bei Abreise für das nächste Jahr, so dass schon Anfang des Jahres kaum mehr eine Unterkunft in Selb und Umgebung zu finden ist, man muss dann halt ein wenig weiter ausweichen, in Richtung Hof oder die fränkische Schweiz, dort sind noch genügend Zimmer buchbar. Wir selbst reservieren die Unterkünfte für die Orga und die Künstler auch schon sehr frühzeitig, um alle unterzubringen.

12) Gibt’s sonst noch was Bläcky, was Du gerne loswerden willst?
Bläcky: Ich möchte mich bei allen Besuchern, Helfern, Marktleuten und Künstlern bedanken, dass das, was ich erreichen wollte, nämlich ein Festival, das Gegensätze vereinigt und Grenzen überwindet, so toll funktioniert. Die super Atmosphäre auf dem F-M ist immer wieder beeindruckend und es ist schon ein tolles Gefühl, über den Platz zu laufen und nur lächelnden
und strahlenden Gesichtern zu begegnen. Das Schlagwort vom „Woodstock des Mittelalters“ ist ein Kompliment für mich. Vielleicht noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Die nächsten Jahre wird es noch einige Motto-Festivals geben, 2014 ein Irish-Scottish-Special, dann noch ein Balkan- und ein Celtic-Special. Im 10ten Jahr solle es dann „Back-to-the-Roots“ heißen, also mit einem 1-Tages-Festival parallel auf der tschechischen Seite und das 11te wird dann das „Best of 10 years“.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und bis bald in Selb

Caro und Bernd Sonntag

Corvus Corax feat Wadokyo Sverker Live DVD

„Corvus Corax muss man live gesehen haben.“ wird man von jedem hören, der schon auf einem ihrer Konzerte gewesen ist. Und mit ihrem neuesten Projekt „Corvus Corax feat. Wadokyo“ haben die Berliner mal wieder bewiesen, dass mittelalterliche Musik nicht auf Dudelsäcke begrenzt ist.

Zusammen mit den Düsseldorfer Taiko-Trommlern Wadokyo haben die Könige der Spielleute 2012 zwei Auftritte auf dem Summer Breeze in Dinkelsbühl und dem Castlefest in Lisse (Niederlande) gehabt und diese in Film und Ton aufgenommen. Daraus ist die neueste DVD entstanden, die mit drei Stunden Spielzeit die geballte Ladung Corvus Corax enthält. Das besondere daran ist, dass die DVD über ein Crowdfundingportal direkt von den Fans finanziert wurde.

Auf beiden mitgeschnittenen Auftritten kommt die Stimmung der Konzerte gut rüber, wobei die Atmosphäre auf dem Summer Breeze etwas besser ist, da das Konzert nachts stattfand und nicht wie auf dem Castlefest am frühen Abend im Sonnenschein. In jedem Fall kommt die Spielfreude gut rüber und vor allem die Musik in guter Qualität aus den Boxen. Auch wenn vor allem die Taiko-Trommeln live noch imposanter klingen, sind die Aufnahmen auf jeden Fall sehenswert und stehen einem reinen Corvus Corax Konzert in nichts nach.

Neben den beiden Konzerten sind auf der DVD noch zwei Extras vorhanden. Einmal Aufnahmen des Fantreffens 2012 bestehend aus Interviews von Besuchern und verschiedenen Eindrücken der Tage. Wer überlegt, einmal zum Fantreffen zu gehen, bekommt einen kleinen Eindruck von der Stimmung, dem Programm und der Location. Als zweites Extra ist noch die Live-Aufnahme von „La Filha Du Ladre“ aus der Passionskirche in Berlin drauf. Die Aufnahmen sind teilweise etwas unscharf, aber da das Lied dort nach 19 Jahren dort erneut Premiere feierte, ist das zu verkraften.

Auch 2013 werden Corvus Corax zusammen mit Wadokyo auf ausgewählten Festivals spielen:

02.08.2013 Wacken Open Air

08.09.2013 Festival Mediaval, Selb

Wer die Möglichkeit hat zu einem der beiden Auftritte zu kommen, der sollte sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen. Und allen, die nicht kommen können, denen empfehle ich die Live-DVD.

www.corvuscorax.de

Faun 2013

Interview mit Oliver von Faun im März 2013

Ihr habt Anfang des Jahres wie aus dem Nichts Katja als neue Sängerin vorgestellt. Wie habt ihr zueinander gefunden?

Oliver: Der Vorteil ist, wir kannten uns schon länger. Wir haben vor ein paar Jahren mit ihr schon auf einem Mittelaltermarkt in Wilhelmshaven gespielt und dort war sie uns schon mit ihrer ersten Band sympathisch. Dann ist noch ein schönes Videoclip von ihr mit ihrer alten Band Lai Quendi im Umlauf mit Feuershow etc. Den kannten auch viele von der Band. Und da sie sogar in Berlin wohnt und wir in Berlin produziert haben, war es naheliegend sie anzurufen. Und ziemlich spontan haben wir einen Termin vereinbart und es hat geklappt.

Als ich das Video „Diese Kalte Nacht“ gesehen habe sind bei mir ungewollt Erinnerungen an Lisa Pawelke hochgekommen. Da habe ich gedacht, ob das Zufall oder ist das eine Fügung ist?

Oliver: Das weiß man nicht. Sie hat gewisse Ähnlichkeit, das stimmt. Wir arbeiten ja auch mit Sonja zusammen und es ist eine gute Zusammenarbeit. Aber es war wirklich toll, weil es auch im Zeitplan ziemlich eng wurde und wir dann Katja getroffen haben. Es war wirklich wie eine Fügung. Wie so oft im Leben hat uns einer geholfen.
Wie ist es dazu gekommen, dass Sonja bei den Akustikkonzerten und Katja bei den Festivals auf der Bühne ist. Wieso nicht umgekehrt?
Natürlich ein ganz pragmatischer Grund ist, dass die Akustiktour schon lange geplant war, auch im Vorverkauf. Egal was mit der Platte passiert wäre, das ist eine schöne Tour und sie liegt uns sehr am Herzen. Die wollen wir durchziehen und war mit Sonja schon geplant. Man muss natürlich sagen, dass Sonja noch eine Band in Amerika hat (Stellamara) und ist dort sehr viel tätig. Die ersten Festivals sind im April und gehen bis in den Oktober rein. Deswegen ist es schwierig es terminlich miteinander zu vereinbaren. Bei der Akustiktour spielen wir in zwei Monaten 18 Shows und das lässt sich ein bisschen besser organisieren.

Ihr habt euch entschieden das Konzert in Bochum anlässlich der Earth Hour im Kerzenschein zu spielen. Könnte man nicht eine komplette Tour ohne künstliches Licht machen?

Oliver: Könnte man machen, aber es ist ja eine symbolische Geste. Ich glaube eine symbolische Geste wirkt auch stärker, wenn es einmalig ist. Bei unseren früheren Akustikkonzerten haben wir sehr viel mit Kerzen gearbeitet und es war oft auch ein immenser Aufwand. Dann muss man Feuerwehrleute haben und dann sieht es doch nicht so toll aus. Dann braucht man auch schöne Kerzenständer. Dann wiederum ist es nicht erlaubt. Dann ist manchmal auch schon ein tolles Licht da, was schöner aussieht. So romantisch wie es ist, es hindert uns auch in der Sichtweise, manchmal ist es schön wenn man ein Lied herausarbeiten kann. Und wenn Rüdiger sein Trommelsolo spielt und er auf einmal auftaucht und man merkt, dass das jetzt das Solo ist. Wir haben es ausprobiert und es ist gar nicht gut so etwas Permanentes zu machen. Für heute so als Symbol, springen wir gerne auf. Weil es ist uns auch sehr viel gelegen, dass es den Leuten im Bewusstsein bleibt, dass man halt nicht die Energie so verschwendet und so weit entfernt ist, von dem was man macht. Dass man jetzt das Licht anschaltet und lange brennen lässt, das hat keinen sinnigen Zusammenhang mehr mit der Tatsache, dass Stickstoff in der Luft ist oder Ruß ausgestoßen wird. Da ist es gut mit so einer Aktion darauf aufmerksam zu machen.

Ich muss immer noch gerne an früher denken, Heidnisches Dorf 2003, wo ihr die Feuershows gemacht habt.

Oliver: Die Show war auch sehr schön. Wir wollen in Zukunft auch gerne mit Artisten zusammenarbeiten.

Ihr seid in letzter Zeit mehrmals im Fernsehen aufgetreten. Sind diese Auftritte anders als Konzerte?

Oliver: Das ist stressiger. Man ist natürlich aufgeregt, weil man auf den Punkt hin arbeiten muss. Man hat den ganzen Tag Anreise. Man hat denselben Aufwand, wie bei einem Konzert und dann geht es um drei Minuten. Man ist auch nervös. Wir sind Neulinge in dem ganzen Metier, aber gerade diese ganzen Sendungen wie Abendschau und Morgenmagazin, die kleineren Formate, sind sehr nett, weil man auch ein bisschen reden kann über die Musik. Dort haben wir einen riesen Rücklauf bekommen.
Bei Carmen Nebel haben sich nur ein paar neue Leute interessiert, aber das Morgenmagazin zum Beispiel hat mehr gebracht, weil die Leute mehr Informationen bekommen haben. Ich finde es auch schön, die ganze Band dort zu haben und zu spielen. Das macht lebendig und auch menschlich und ich glaube, das wollen die Leute auch im Fernsehen sehen.

Mit „Von den Elben“ seid ihr auf Platz 7 der Album-Charts aufgestiegen. Hättet ihr so einen Erfolg erwartet?

Oliver: Keine Ahnung. Wir haben das Ding gemacht. Wir haben es durchgezogen. Wir haben uns gefreut, dass wir Partner hatten, weil „Eden“ hat mich persönlich so viel an Energie gekostet, was auch gut war. Ich wollte es machen, ich wollte es durchziehen. Ich habe mir aber selber geschworen, keine CD den nächsten Winter zu machen. Ich war im Kopf schon im Indien-Urlaub und dann kamen im Juni die ersten Anfragen. Da haben wir gesagt, es wäre schon toll, wenn uns einer hilft. „Eden“ hat die ganze Band sehr ausgelaugt. Die ganze Promo voranzutreiben und finanziell hat es uns auch in den Ruin getrieben. Aber wir wissen auch, dass es mindestens noch zwei Jahre lang gedauert hätte, bis wir die Energie und die Finanzen hätten, um wieder eine gute CD zu stemmen. Und dadurch, dass jetzt ein Partner kam, der gesagt hat „Bleib hier, wir nehmen euch als Produzent an die Hand. Ihr geht ins Studio und alles andere machen wir.“ Fotos, Promotion, Videoclips, das ganze Drumherum, was uns etwas mehr Zeit gekostet hätte. Das ist eine Erfahrung, die wir mitnehmen wollten. Deshalb war die Hoffnung groß, weil wir auch einen so großen Partner hatten, dass das richtig was werden könnte. Aber wir haben uns auch davon frei gemacht zu sagen dass wir in die Top 10 müssen.

Das Video ist absolut der Hammer, das gefällt mir richtig gut.

Oliver: Für Folk Noir habe ich den Videoclip gemacht; alles Eigenregie. Da habe ich morgens selbst die Butterbrote für die Crew geschmiert. Und für Faun haben wir vor vier Jahren Videos gemacht. Man steckt ganz viel Energie hinein und am Schluss hat man doch das Gefühl, dass es irgendwie noch nicht ganz 100 %. Und die Gelegenheit mit Profis zusammenzuarbeiten ist etwas ganz anderes. Wir hatten von Anfang an einen ganz tollen Draht zu der Filmcrew. Die waren total nett und haben sich auf die Musik eingelassen und mit uns geredet. Wir saßen lange in der Hotelbar und haben durch die Gegend gesponnen und es hat Spaß gemacht. Es war kalt, aber es hat Spaß gemacht.

Hat sich jetzt etwas verändert?

Oliver: Wir saßen heute im Bus und hatten eine Leinentasche, die bis zum Rand gefüllt war mit Autogrammkarten. Stefan hat den Satz gebracht: „Ruhm wurde mir versprochen und jetzt muss ich doofe Autogramme schreiben.“ (lach). So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Das ist auch eine andere Art von Fans, die wir in den Fernsehshows gewonnen haben. Es ist ein Publikum, das uns noch gar nicht kennt und noch nie auf einem Mittelaltermarkt war, aber die Band toll findet. Anfangs waren wir neugierig darauf, wie es klappt und ob dies den Leuten gefüllt, was wir wirklich so machen. Es ist ja nur ein kleiner Einblick, in das was wir machen in den Fernsehshows. Aber uns hat dies auf der Akustiktour umso mehr gefreut. Es waren so im Schnitt ein Drittel bis zur Hälfte, Leute im Publikum, das uns noch nie gesehen hatte auf dieser Tour. Durch die Bank weg hatten wir die Häuser voll, Standing Ovations und eine ganz tolle Stimmung. Die Leute waren wirklich, das haben wir gesehen, die ersten zwei Lieder geschockt. Die dachten da ist eine große Band mit Lichtshow und großer Trommel und „Tanz Mit Mir“. Und dann kam unsere Akustikshow. Konzerthallen mit Sitzen und wir erzählen lange Geschichten und gehen ins Kulturelle. Das haben wir gestemmt, deswegen freut es uns umso mehr, dass wir so weitermachen können, was wir bisher gemacht haben. Und das ist uns wirklich wichtig.

Hermann Kurz & The Raven

Folk Noir

Vor dem Konzert im Cotton Club in Kaiserslautern, hatte ich das Vergnügen mich mit Oliver
über Folk Noir zu unterhalten…..

Interview Folk Noir

Was unterscheidet die Musik von Folk Noir von anderen Folkbands?

Ich glaube, wir haben auch das, was Faun ein bisschen auszeichnet: Das Balladen erzählen. Wir wollen auf Geschichten eingehen, wie von der Frau, die am Grab weint bis zu Fantasiewesen, die wir besingen. Das vereint uns und das machen andere Folkbands nicht so. Aber dann scheuen wir uns nicht, was z. B. bei Faun der Fall ist, in die Moderne zu spielen, wie Effekte auf die Instrumente zu legen und mit dem Klavier etwas zu machen. Wo uns zum Beispiel bei Faun die Hände gebunden sind, können wir hier etwas freier agieren.

Und ihr singt international: Englisch.

Wir singen eigentlich nur Englisch. Man muss sagen, dass Deutsch eine schöne Sprache ist und ich liebe sie, aber es ist zum Texten eine ganz schwierige Sprache. Englisch ist viel einfacher, hat viel kürzere Worte und viel mehr Reime und deswegen ist es für mich ein bisschen eine Befreiung. Privat spreche ich Englisch mit meiner Freundin, die meisten meiner Freunde sind englischsprachig…da ist es ehe naheliegend. Ich habe auch viele englische Lieder herumliegen und gedacht, bei Faun da passt es eh nicht so richtig rein. Aber es schadet ihnen, sie verstauben zu lassen.

Wird es bald eine „Songs from Home Nr. 2“ geben?

Glaube ich nicht, weil „Songs from Home“ war ein Konzept, bei dem man gesagt hat, man sitzt im Winter zuhause auf der Couch und nimmt mit Gitarre und Gesang ganz ruhige Lieder auf. Dadurch, dass die Zusammenarbeit mit Stephan so toll lief, haben wir das Bandkonzept gemacht und als wir nun wussten, dass es auf die Festivals geht, haben wir diese Up Tempo Nummern entwickelt, die auf den Festivals Spaß machen. Das macht uns so viel Spaß, dass wir eher an einer großen CD arbeiten, die auch ein bisschen in alle Richtungen aufschlägt. „Songs from Home“ wird es bestimmt irgendwann nochmal geben, auch Songs, die zu ruhig sind und die man alleine macht, aber das ist erst einmal hinten angestellt.

Habt ihr denn schon einen Plan wann und wie etwas in der Richtung kommen könnte?

Noch nicht so richtig. Das schöne daran ist das es bei Faun so ist, man lebt davon, dass heißt man hat auch ein bisschen Druck. Hier ist es so, dass man es sich entwickeln lassen kann. Wir haben jetzt ein paar tolle Nummern, aber wir sagen uns, wenn wir zehn elf Nummern haben und wir sagen, hinter denen stehen wir wirklich , dann nehmen wir sie auf.

Wie waren die Reaktionen der Leute auf euren bisherigen Konzerten?

Schön. Wir waren ziemlich nervös, auch weil wir nicht wussten, was uns erwartet. Es lief sehr gut und wir wissen auch woran wir noch arbeiten müssen, also in welche Richtung man sich nun entwickelt. Ein paar Songs passen nicht zu den anderen. Es ist immer so, wenn man ein neues Projekt hat . Die Reaktionen waren sehr, sehr positiv. Gerade gestern das zweite Konzert in Heidelberg, es hatte sich richtig, richtig gut eingelaufen an den Abend und ich denke wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie sind speziell die Reaktionen auf „Dear Misery“?

Sehr gut. Ich glaube es gerade so ein Zahn der Zeit, aber es war nicht beabsichtigt, wir wollten nicht auf irgend etwas aufspringen. Wenn man sich z. B. „The Mumford and Sons“ anschaut, die gerade weltweit tierisch erfolgreich sind und eigentlich auch nur eine Folkband sind. Das Interesse ist da und das ist eine Musik, die ich schon lange mache, schnellgefegte Gitarre und englische Songs. Ich glaube da sind wir ganz gut am Zahn der Zeit. Und „Dear Misery“ ist so ein Song, der Spaß macht, aber der mittlerweile der schwächste Livesong geworden ist. Wir haben jetzt zwei Konzerte hinter uns und das ist die Nummer, die am wenigsten zieht. Vielleicht entwickelt er sich noch. Auf dem Video hat er echt Spaß gemacht, er ist auch eine schöne Nummer, aber mittlerweile favorisieren wir persönlich eher andere Nummern sogar noch viel mehr.

Wohin wird euch der Weg noch führen?

Als junge Band ist es schon schwierig die Leute zu begeistern. Wir hoffen jetzt, dass es sich durch die ersten Konzerte herumspricht, dass wir eine Liveband sind und würden uns wünschen, dass wir im nächsten Jahr viele Festivals mitnehmen. Denn ich denke das ist der richtige Weg, dass die Leute einen kennen lernen. Wir werden bald ohne Stress an Songs für eine CD arbeiten. Wir werden weiter ohne Stress an Livematerial arbeiten. Wir werden dieses Jahr auf dem Castlefest spielen, das ist der nächste Termin, den wir haben. Wir überlegen, ob wir im Winter dann noch irgendetwas machen.

Das ist auch schon die nächste Frage. Sind noch weitere Konzerte in diesem Jahr geplant?

Ich hoffe es. Es ist noch die Frage, ob wir im Dezember etwas machen. Wir hätten Lust darauf, aber wenn nicht, dann in 2014. Es ist schön diese Entspannung zu haben und es ein bisschen exklusiver zu halten. Faun ist natürlich mein Baby und davon leben wir. Da sind wir sehr viel unterwegs und auch toll unterwegs. Aber wenn mal ein großes Loch im Kalender ist und wir alle vier sagen, wir haben Lust und Zeit, dann machen wir das.

Wie kommt es dazu, dass euch „Sieben“ auf eurer Tour begleitet?
Es passt einfach alles super zusammen. Wir haben damals mit Faun auch die CD zusammen gemacht und die Tour. Und als wir jetzt die Tour geplant haben, muss man ehrlich sagen, dass wir nicht genug Lieder für einen ganzen Abend hatten. Wir haben gesagt wir wollen kein Support, es ist ein Doppelkonzert. Jeder macht die Hälfte. Wir wollen jetzt nicht auf Teufel kommt raus irgendwelche schwachen Nummern spielen und zehn Covernummern spielen, um den Abend voll zu kriegen. Wir wollen lieber auf Qualität setzen. Ein kurzes Set, was sehr gut ist. Er (Matt Howden/Sieben) hat den Style, mit Weste und Hemd und mit der Geige. Er hat ein bisschen Folk, die akustischen Instrumente, wie die Geige. Dann aber auch das Düstere, das Bedrohliche, die englischen Songs. Die Mischung ist super. Er spielt auch bei zwei unserer Songs mit. Es ist eine traumhafte Mischung.

Alle Mitglieder von Folk Noir sind auch in anderen Bands aktiv. Wie schafft ihr es euch für jedes Projekt genug Zeit zu nehmen?

Ich glaube das geht auch deswegen, weil wir den Druck ein bisschen raus genommen haben. Wir haben jetzt die zwei Festivals zugesagt und die paar Gigs, aber es ist jedem klar, dass bei Stephan und mir zum Beispiel, dass Faun Vorrang hat. Man ist dort eh sehr gut beschäftigt und wenn dann mal ein Loch ist, dann macht man das. Das heißt nicht, dass man versuchen muss gegeneinander zu arbeiten oder mit Ehrgeiz und das klappt glaube ich. Wir haben auch eine lange Show und wir haben uns letzten Winter schon öfters getroffen und an Songs gearbeitet. Es ist nicht so, dass wir sehr kurzfristig arbeiten. Wir haben es in aller Ruhe reifen lassen. Die EP kam ja auch vor zwei Jahren raus. Wir haben jetzt zwei Jahre keine Konzerte gemacht, obwohl es die CD schon gab. Das ist das Schöne, wenn man sich nicht unter Druck setzen lässt. Das ist glaube ich unser Geheimnis.

Blutengel Interview zur Monument Tour am 11.03.2013

Vor dem Konzert in Nürnberg hatte ich Gelegenheit, mich mit Chris Pohl und Ulrike Goldmann von Blutengel zu unterhalten. Ich traf auf 2 tiefenentspannte Musiker , die sich sichtbar auf den Konzertabend in Nürnberg freuten. Geduldig beantworteten sie meine Fragen, dafür auch auf diesem Wege nochmals vielen Dank. Bevor es los geht noch ein Hinweis zur Tour. Wie nicht anders zu erwarten ist die Show wieder großes Kino und die neue CD mehr als hörenswert. Entsprechend groß ist auch die Nachfrage nach Tickets und fast jedes Konzert der bisherigen Tour ist ausverkauft. Also unbedingt die Karten schnell ordern, es lohnt sich.
Nun aber Feuer frei, los gehts mit dem Blutengel-Interview.

Eure neue CD kam jetzt raus und landete gleich auf Platz 4 in der ersten Woche. Ward ihr völlig von den Socken?

Chris: Ja, auf jeden Fall! Man hofft es natürlich immer, unser letztes Album landete ja auf Platz 12 und man hofft dann immer, dass man sich verbessert. Vielleicht ist ja Top10 drin. Als dann der Anruf von meinem Label kam, dass wir auf Platz 4 sind, sagte ich so, auf welchem Platz sind wir denn wirklich? Es war schon irgendwie krass. Es war irgendwie ganz unwirklich. Selbst das Label hatte damit nicht gerechnet. Obwohl man die Charts nicht überbewerten sollte, man muss ja heutzutage gar nicht mehr so viel verkaufen um vorne zu sein, aber es war schon sehr überwältigend. Es hat uns auch etwas stolz gemacht, dass wir das alles ohne große Promotion, also ohne Fernsehwerbung oder Presse geschafft haben. Sondern wir haben das wirklich nur den Fans zu verdanken, die gesagt haben da kommt ein neues Album und wir kaufen das. Ohne dass man diese Mediale Aufmerksamkeit hatte. Und scheinbar trotzdem haben alle Fans in der ersten Woche die CD gekauft, wir sind da echt sehr dankbar, das war schon Hammer.

Es gibt in letzter Zeit immer wieder Bands die mit Produktionsteams arbeiten, um dann gezielt auf die Charts zu zielen z.B. Faun mit Valicon. Das war für euch aber nie ein Thema. Ihr wollt natürlich auch Euere Musik verkaufen, aber habt Euch nie für den Erfolg verbogen. Es gab aber bestimmt auch bei Euch Anfragen, gerade jetzt natürlich wieder?

Chris: Es ist immer so. Wir hatten schon viele Verhandlungen usw.. Natürlich waren da die Bedingungen, wenn sie das machen wollen, sie auch in bestimmten Maße mit eingreifen wollen. Aber ich mach das ja jetzt doch schon etwas länger und ich konnte mich nie mit dem Gedanken anfreunden, dass da irgendjemand so wirklich viel verändert. Wir hatten ja unsere neue Platte mit Henning Verlage von Unheilig gemacht. Aber ich kenn ihn natürlich auch schon viel länger, wir sind ja zusammen auch schon auf Tour gewesen und für ihn und uns war klar was wir machen wollen. Wir wollten das machen was ich bisher gemacht habe, nur etwas schicker. Er hat zwar hier und da Ideen eingebracht aber er hat nicht versucht irgendetwas zu verändern, wie es bei einen Majorvertrag ja oft passiert. So ein Produzententeam anzuheuern um noch einen Schritt weiter zu gehen, käme für mich nicht in Frage. Dafür mach ich es schon zu lange, dafür läuft es ok und ich mag mich echt nicht verbiegen. Dafür bin ich zu alt, dafür mach ichs zu lange und wenn es immer so läuft , wie es jetzt läuft dann ist alles in Ordnung

Euer nächstes Album kann man mit dem Oberbegriff Thema Vampire versehen, oder?

Chris: Jein, es geht eher um das Thema „Anderssein“. Wir haben das ja in der letzten CD schon mit dem Song „Anderssein“ angedeutet. Wir haben immer mehr Lust zu zeigen, dass es auch anders geht, also diese Lebenseinstellung, dass man sagt wir machen im musikalischen was wir wollen und jeder Mensch sollte das machen was er möchte, solange er damit keinem weh tut und solange er damit niemand schädigt. Aber dieses individuell sein und keine Angst zu haben nicht in die Masse zu passen, das ist so ein großes Thema. Da rein spielt natürlich auch die Sache mit diesem Vampirthema, hier auf einer anderen Weise als bei der Twilight-Saga, die doch mehr auf das Teenieschema passt. Sondern dass man sagt, Vampire leben anders als normale Menschen. Wir möchten dadurch einfach das Thema „Anderssein“ fixieren.

Das Thema Blut spielt ja nicht nur in eurem Namen eine Rolle, sondern es gibt auch keinen Auftritt bei dem nicht irgendwann Kunstblut verwendet wird.

Chris:Ja, klar. Ich mag dieses Thema. Ich mag gute Vampirfilme, oder generell gruselige Horrorfilme. Ich finde das schön. Mich unterhält einfach ein gut gemachter Vampir- oder Horrorfilm und auf der Bühne möchte ich ja auch unterhalten und meine Sicht der Dinge den Menschen zeigen und da fliest eben mal Kunstblut. Das möchte ich aber auch so rüber bringen.

Du hast ja nicht nur Blutengel sondern auch Terminal Choice und Miss Construction. Jetzt habe ich gehört du willst ein Soloprojekt starten? Angst vorm Burn out hast du nicht, oder?

Chris: Ja, da gab es ein paar Überlegungen. Also Angst nicht. Es ist schon viel was ich mache. Das muss ich schon zugeben. Ich arbeite sehr viel, aber auch sehr gerne und solange ich kann möchte ich so viel probieren wie ich schaffe. Klar man wird ja auch älter und freut sich wenn man immer mal ein Wochenende frei hat, aber burn out hab ich nicht und hoffe auch, dass es so schnell nicht passiert.

Gibt’s Blutengel irgendwann auch mal mit einem französischen Song? Wegen deiner Liebe zu Mylene Farmer?

Chris: Wir hatten tatsächlich mal überlegt!
Ulli: Bloß das ist immer schwierig. Ich kann so ein bisschen Schulfranzösisch aber so richtig nicht. Da müsste man jemanden haben der das richtig übersetzt.
Chris: Ich mag die Sprache gern. Aber vielleicht machen wir da mal etwas Kleines, Eingestreutes! Es wäre auf jeden Fall eine Herausforderung.

Warum gibt es zum letztjährigen Blutengel- Highlight „Gothic meets Classic“ noch keine CD? Woran scheitert das?

Chris: Es scheitert gar nicht, es ist einfach noch nicht die Zeit. Wir werden da sicherlich was machen, aber da wir jetzt erst mal mit dem Album beschäftigt waren, haben wir uns darauf konzentriert. Es wird aber in absehbarer Zeit auch da etwas auf Tonträger geben. Das war auch für uns mal was ganz Neues. Man musste ganz anders üben, es war wahnsinnig anstrengend, es war auch schwer sich auf ein 40 Mann Orchester einzustellen und ich war noch nie bei einem Auftritt so aufgeregt. Aber das hat uns auch so neugierig gemacht, dass man auch heute Abend Teile von diesem „Gothic meets Classic“ hören kann.

Was ist bei euch zum 15- jährigen Bandjubiläum geplant? Vielleicht mit Symphonieorchester?

Chris:Vielleicht. Wir haben uns schon Gedanken gemacht. Es wird auf jeden Fall dieses Jahr noch etwas passieren. So viel kann ich sagen, mehr aber auch noch nicht. 15 Jahre ist zwar schon ne lange Zeit. Ich will das aber gar nicht überbewerten sonst denkt man Mensch sind wir alt. Wir machen dieses Jahr auf jeden Fall noch ein paar Sachen, die wir so noch nie gemacht haben.

Ihr habt ja jetzt eine Sängerin verloren und macht die Show jetzt noch zu zweit – das ist schon anstrengender als vorher, oder?

Ulli: Ja es sind natürlich nicht mehr so viele Päuschen wie früher. Da konnte ich wenn meine Kollegin gesungen hat mal hinter die Bühne und was trinken, aber es macht auch Spaß. Wenn du erst mal drin bist und rockst, dann sind die 2 Stunden auch ganz schnell vorbei.

Wie findet ihr den Hirsch hier in Nürnberg als Location für euer Programm und eure Bühnenshow? Hier ist ja immer eine tolle Stimmung.

Chris: Das ist ja gut für uns. Nürnberg finde ich jedes Mal toll. Zwar können wir hier , wegen der kleinen Bühne nicht alles machen , was wir sonst in den Shows zeigen, aber es überrascht mich immer, dass die so mitgehen. Wir haben ja auch bei unserer letzten DVD die wir raus gebracht haben viele Aufnahmen aus Nürnberg genommen, weil die Bilder einfach super waren. Das macht halt auch Spaß auch wenn es nicht 1000 Leute sind, sondern nur 500. Aber wenn du gute Stimmung hast dann ist das mehr wert, als viele Leute ohne Stimmung.

Blutengel am 11.03.2013 in Nürnberg

Joe Bonamassa oder doch lieber Blutengel hat sich vielleicht nicht nur ein Besucher aus Amberg im Vorfeld des Konzertes vom Blutengel im Hirsch gefragt, der sich dann nach langer Überlegung für Blutengel und gegen Bonamassa entschieden hat, der zur gleichen Zeit in der Meistersingerhalle aufspielte. Bereut hat er seine Entscheidung sicher nicht, genauso wenig wie all die anderen Besucher im gutgefüllten Hirsch, die auch in diesem Jahr für die gewohnte Blutengel-Saunatemperatur sorgten. Trotzdem wollte sich Chris trotz lautstarken Ausziehen-Rufen von weiblichen Besucherinnen wieder einmal nicht ausziehen. „The same procedure as every year“ könnte man meinen. Und doch war an diesem Abend vieles anders, ganz anders als man es von Blutengel bisher gewohnt war.

15 Jahre gibt es das Bandprojekt Blutengel nun schon, 15 Jahre waren die Liveauftritte immer großes Kino mit Live-Gesang, die Musik dazu kam jedoch vom Band was beim einen oder anderen Konzertbesucher doch leise Kritik hervorrief.

So schauten die Blutengel Fans diesmal etwas verwundert, als nach dem gelungenen Auftritt der Vorband Melotron, dazu später noch mehr, Schlagzeuger Michael hinter dem Schlagzeugaufbau Platz nahm, Carolines Violine und Katharinas Cello verkabelt wurden und sich hinter dem Piano Konrad einfand. Und spätestens als Chris Pohl, Sänger, kreativer Kopf und Bandchef zusammen mit Ulrike Goldmann die Bühne betrat und die Band die ersten Klänge des Intros Legend erklingen liesen, war auch dem Letzten im Saal klar, heute gilt es Blutengel mit Live-Band ganz neu zu entdecken.

Spätestens seit dem grandiosen Gothic meets Classic Auftritt im letzten Jahr, für das die Band mit Lob geradezu überschüttet wurde, ist bei Chris Pohl der Plan gereift, all den vielen Blutengel-Fans im Lande wenigstens in kleiner Besetzung vorzuführen, welche Pracht die Songs mit Streicherbegleitung live entfalten können. ein mutiger Schritt, der die Faszination Blutengel live erleben noch viel reizvoller macht. Gerade auch, weil es gelungen ist, Musiker zu finden die den Blutengel-Sound von CD perfekt live auf der Bühne umzusetzen verstehen, allen voran Drummer Michael, der sich mit seinen beleuchteten Drumsticks und seiner ungewöhnlichen Drumstickhaltung als echter Glücksgriff erwies.

Einen Ersatz für die Ende 2012 augestiegene Sängerin Anja Milow gibt es nicht, wieso auch, wenn man mit Uli Goldmann eh schon eine großartige Sängerin in der Band hat, deren Stimme nun schon 8 Jahre einfach perfekt zu der von Chris Pohl passt. Und neben den vielen gemeinsam gesungen Songs bleibt auch ihr starker Soloauftritt beim Konzert unterstützt von 2 Tänzerinnen extrem im Gedächtnis haften.

Apropos Tänzerinnen, ein unverzichtbarer Bestandteil einer Blutengel Show, egal ob als Vampire, als Göttin Athena oder als Nonne verkleidet, die Damen sind immer einen oder ganz viele Hingucker wert und setzten die Songs visuell perfekt in Szene und der Live Show die Krone auf. Auch wenn wegen den beengten Bühnenverhältnissen im Hirsch nicht alles, was man gerne hätte zeigen wollen, möglich gewesen war. So musste man leider ohne Feuershow auskommen, doch auch ohne Feuer war es immer noch ein sehenswertes Spektakel was die Blutengel-Crew an diesem Abend ablieferte. Tour auf Tour lässt man sich immer wieder eine komplett neue Show mit neuen Tanzschritten, Choreographien und Outfits einfallen und bis auf das Kunstblut, dass diesmal nicht ganz so reichlich wie im letzten Jahr floss, war auch 2013 vieles eben nicht „The same procedure as every year“. Auch weil man eine neue Tänzerin dabei hatte, für meinen Geschmack sind Nicky, Vicky und Nadine die stärkste Tanzbesetzung der 15 Jährigen Blutengel-Bandhistorie.

Von Null auf Platz 4 der Charts schoss das zur Tour gehörige Album The Monument in der ersten Woche des Erscheinens. Nicht nur die beste Chartsplazierung aller Zeiten für Blutengel, sondern ein eindrucksvoller Beweis, dass man auch ohne großen Major im Rücken, ohne gewaltigen Werbeaufwand, ohne sich kommerziell zu verbiegen und ohne Heavy Rotation im Radio extrem erfolgreich sein kann. Und so besteht die Show natürlich aus vielen Songs des neuen Doppel-Albums wie Willst Du, Save our Souls, You walk away und natürlich Monument als letzten Song des Abends. Selbstverständlich gibt es aber auch genug Platz für ältere Songs, auch wenn die Songauswahl bei einem solch großen Songkatalog der in den 15 Jahren inzwischen entstanden ist, von Jahr zu Jahr immer schwieriger wird. Probleme scheint Chris Pohl damit aber keine zu haben, schafft er doch jedesmal ein homogenes Set aus alt und neu, aus tanzbaren schnellen Nummern und ans Herz gehenden Balladen zusammen zu stellen die wie aus einen Guß wirken, so dass die kapp 2 Std auch nach 3 Zugaben gefühlten 60 Minuten entsprachen und man einfach noch gerne viel mehr gehört hätte.

Blutengel sind ja eigentlich eine Elektroband, trotzdem kommt man inzwischen auch bei einem Song einmal völlig ohne Elektro aus, ungewohnt vielleicht, jedoch musikalisch noch einmal ein riesiger Schritt nach vorne. Chapeu Chris Pohl.

Nürnberg hat sich übrigens einmal mehr als dankbares Blutengel Publikum erwiesen und Chris Pohl weiß auch, was er an seinen „Nürnbergern“ hat. Nicht umsonst hat man beim Tränenherz-Konzertfilm zur letzten Tour den es auf der Nachtbringer CD als Bonus dazu gibt, viele Songs vom Auftritt in Nürnberg ausgewählt und Nürnberg ist für Chris Pohl immer ein Highlight, wie uns ein tiefenentspannter Chris Pohl vor dem Konzert erzählte.

Und so sollte einem baldigen Wiedersehen in Nürnberg nichts im Wege stehen, auch wenn sich der größte Wunsch von Chris Pohl , dass der ganze Saal den Song Monument lautstark mitsingt leider noch nicht erfüllte. Aber vielleicht heißt es im nächsten Jahr dann auch was das Mitsingen anbelangt, eben nicht „The same procedure as every year, Chris“.

Nun noch einige Sätze zum Auftritt von Melotron. Die im Jahr 1995 gegründete Band aus Neubrandenburg ist mit ihrem Synthiepop ein idealer Einheizer an diesem Abend. Und diese Rolle macht den 3 Jungs von Melotron um Snger Andy Krüger sichtbar Spaß. Trotz einem Auftritt beim Bundesvision Song Contest im Jahr 2007 für Meck-Pomm und immerhin bereits 6 regulären Alben ist der Bekanntheitsgrad der „Jungs“ in Deutschland noch ausbaufähig. Und pünktlich zum Tourstart hat man mit „Stuck in the Mirror“ auch einen neuen Song herausgebracht, ein Vorgeschmack auf die kommende CD Werkschau. Wird auch Zeit Vorgänger Propaganda ist bereits im Jahr 2007, also vor 6 Jahren erschienen.

Und dass die Jungs Selbstvertrauen haben sieht man daran, dass man sich doch tatsächlich getraut hat einen Rio Reiser Song zu covern. Menschenfresser klingt zwar nicht mehr wirklich nach Rio Reiser und weit mehr nach Melotron, aber das ist auch gut so. Denn eins braucht sicher niemand, eine Synthiepop-Band die nach Rio Reiser klingt. So macht der Song, genauso wie der Auftritt von Melotron aber durchaus Spaß. Und nach dem Konzert nahm man sich übrigens wie auch die 2 von Blutengel viel Zeit um Autogramme zu schreiben oder Fotowünsche zu erfüllen.

Bernd Sonntag

Corvus Corax, 15.02.2013, Krefeld

Castus von CorvusCorax hat vor dem Konzert in Krefeld am 15.02.2013 sich die Zeit genommen uns ein paar Fragen über die Tour, neue CDs und DVDs und Berlinski Beat zu beantworten.

Jarwinbenadar: Seit gestern seid ihr auf Tour. Wie war der Tourauftakt? Wie waren die Reaktionen von den Fans?

Castus: Großartig! Sagen wir es mal so, die Hamburger sind ja so, dass sie erst mal gucken und dann ist es entweder gut oder nicht gut. Denen hat es gefallen und wir hatten also auch gute Laune mit dem Hamburgern zusammen. Es hat alles wunderbar geklappt. Wir hatten ein bisschen Angst am Anfang, weil die Instrumente wirklich sehr empfindlich sind und wir sie jetzt ein paar Monate nicht gespielt haben. Wir haben sie aber auch drei Tage in Berlin eingeweicht und gespielt und es ist alles gut gegangen.

Jarwinbenadar: Ihr habt auf der Galatai-Tour mehrere wechselnde Support-Bands. Wieso habt ihr euch für so viele unterschiedliche entschieden?

Castus: Das sind meistens lokale Gruppen und wenn sie es anbieten probieren wir es aus. Es war natürlich damals großartig, als wir mit Hosoo unterwegs waren, dem mongolischen Obertonsänger. Er war die ganze Tour mit dabei. Es ist wirklich sehr schwer eine Support-Band für Corvus Corax zu finden, die die ganze Tour mitführt, weil wir eben keine Gitarren dabei haben. Einen Tag eine Gitarrenband ist ok. Jeden Tag wollen wir das selber auch gar nicht und so haben wir gesagt, es soll sich abwechseln. Morgen ist eine Band mit Cello dabei, also jeden Tag etwas anderes.

Jarwinbenadar: Nachdem ihr mit Sverker thematisch in den Hohen Norden gegangen seid, habt ihr schon Pläne für die nächste CD?

Castus: Das haben wir schon. Die nächste CD wird wieder thematisch im Hohen Norden stattfinden, weil die Reaktion der Fans einfach so großartig war. Sie haben es sich noch einmal gewünscht. Wenn wir nach Hause zurückkommen, dann geht es wieder zurück ins Studio. Ich war inzwischen schon in Island mit Arndis Halla und habe dort über nordische Musik mit ihr geredet und ich habe auch die Aussprache verschiedener Stücke, die ich singen werde, bei ihr gelernt. Dann haben wir auch einen alten isländischen Tanz mitgebracht, den wir mit Corvus Corax bearbeiten werden. Dann habe ich in Bonn an der Hochschule Leute getroffen. Die haben mir noch Altenglisch und Altgälisch beigebracht. Ich habe ganz spezielle Texte herausgesucht mit großartiger Story. Ich glaube die nächste CD wird eine CD mit einer ganz, ganz fetten Story. Ganz großartige Geschichten, die es so bei Corvus Corax noch nicht gab. Ganz, ganz alte Storys, böse und gute und krasse Geschichten.

Jarwinbenadar: Seit mehr als 24 Jahren gibt es Corvus Corax. Hättet ihr gedacht, dass es die Band so lange gibt?

Castus: Wir haben darüber gar nicht nachgedacht. Ein Spielmann sollte so ein bisschen in den Tag hineinleben. Wir machen natürlich eine Zukunftsplanung, die geht aber nicht über drei, vier Jahre hinaus. Wir haben uns schon bei 10 Jahre Corvus Corax gewundert. Wir sind im Prinzip immer noch nicht erwachsen geworden. Dann 15 und 20 Jahre. Es hat sich immer eine ganze Menge verändert. Aber eben auch zum Positiven. Wir haben jetzt eine Besetzung, die aus gestandenen Künstlern und Musikern besteht. Das zeigen wir ja auch dadurch, dass wir mit einem anderen Projekt auch Erfolg haben; mit Berlinski Beat, wo wir einmal komplett die Instrumente wechseln. In Zukunft werden wir auch schottische Dudelsäcke bei Berlinski Beat spielen, weil wir dachten es passt ganz gut dazu. Es ist ein großartiger Spaß und es wird auch so weiter gehen.

Jarwinbenadar: Im Netz habt ihr die Fans aufgerufen euch bei der Finanzierung der neuen Live-DVD mit den Taiko-Trommlern von Wadokyo zu helfen. Und innerhalb eines Monats hattet ihr das Geld zusammen. Die Auftritte mit Wadokyo scheinen sehr gut bei den Fans angekommen zu sein.

Castus: Wir hatten leider erst zwei. Einen auf dem Castlefest und einen auf dem Summer Breeze und wir haben beides mitgeschnitten. Diese beiden Mitschnitte werden als DVD rauskommen. Dann haben wir noch ein kleines Special mit drauf. Einen Titel, den wir seit 19 Jahren nicht gespielt haben und jetzt auf der Tour spielen, La Filha Dau ladre. Er handelt von einem Leprakranken und seiner Tochter. Er wird live aus der Passionskirche noch mit drauf sein, weil viele Fans gesagt haben, das sei ein großartiges Stück und es gerne dabei haben wollen.

Jarwinbenadar: Wir haben euch mit Wadokyo auf dem Castlefest gesehen. Es ist schon beeindruckend.

Castus: Es geht weiter. In Selb (Festival Mediaval) spielen wir mit Berlinski Beat, CorvusCorax und Wadokyo zusammen. Wir werden dieses Programm auf Wacken auch spielen. Es ist geplant es auch an anderen Orten dieser Welt aufzuführen, da wird sich noch einiges entwickeln.

Jarwinbenadar: Cantus Buranus scheint im Moment zu ruhen. Sind weitere Auftritte oder eine neue CD geplant?

Castus: Es sind Auftritte nicht nur geplant. Alle sind herzlich eingeladen am 19. März in Moskau dabei zu sein.

Jarwinbenadar: Das ist ganz schön weit.

Castus: Ja. Und die Karten sind auch sehr günstig. Die kosten dort 200 €, aber das scheint dort ganz normal zu sein. Es gibt auch günstigere für 70 €. Wir werden wie gesagt in Moskau spielen. Dann ist auch noch einiges in Mexiko geplant. Polen ist auch geplant. Interessanterweise spielen wir in Deutschland nicht, wenn wir nicht gefragt werden. Dann spielen wir erst, wenn Cantus Buranus III rauskommt, aber wir haben noch nicht damit angefangen. Man kann nicht sagen, wann das sein wird. Wir haben ein bisschen rumgesponnen und ein bisschen was geschrieben, aber darüber brauchen wir nicht reden. Sicherlich wird es zwei bis drei Jahre dauern. Wir haben im Moment sehr viel zu tun.

Jarwinbenadar: Corvus Corax und Berlinski Beat. Zwei total unterschiedliche Musikrichtungen. Wie seid ihr darauf gekommen?

Castus: Es ist so, dass wir viele Sachen von Berlinski Beat schon vor Corvus Corax gespielt haben. Angefangen hat es damals bei Tippelklimper, wo Wim und ich auch mitgespielt haben. Es war damals ein Gemisch: Folklore, osteuropäische Folklore. Teilweise hatten wir natürlich auch irische und schottische Sachen. Das war gemischt mit mittelalterlicher Musik. Wir haben uns mit Corvus Corax auf diese mittelalterliche Musik konzentriert. Und dann haben wir gesagt, wir wollen wieder etwas Neues machen.
Tanzwut ist sozusagen für uns durch, da haben wir keine Lust mehr drauf gehabt. Cantus Buranus ist eben etwas Besonderes, mit Corvus Corax sind wir viel unterwegs. Dann haben wir noch Corvus Corax mit Wadokyo, aber das reicht uns immer noch nicht. Dann brauchen wir jetzt etwas Neues. Wir haben einfach mit Berlinski Beat angefangen und die älteren Stücke rausgeholt von früher. Kakwa Moma, dieses bulgarische Stück zum Beispiel. Dann haben wir gesagt Bohème, wir sitzen auch gerne mit abgespreiztem Finger im Café-Haus, okay 20 Jahre Berlin kommt auch noch mit rein. Und die Berliner Schnauze, die ich dann singe. Und flux war Berlinski Beat da. Die Leute tanzen und haben mit uns zusammen gute Laune.

Jarwinbenadar: Berlinski Beat ist für 2013 für das Festival Mediaval gebucht. Wie passt ihr mit Anzug und Hut auf ein Mittelalterfestival?

Castus: Das entscheiden wir ja nicht, das entscheidet der Veranstalter. Sagen wir es mal so, wir haben eine gute Managerin.

Jarwinbenadar: Möchtest du sonst noch etwa loswerden?

Castus: Ende April kommt die neue DVD raus: Corvus Corax feat. Wadokyo live auf dem Summer Breeze und Castlefest. Und nicht vergessen, Ende Oktober kommt die neue CD von Corvus Corax. Die heißt Gimlir. Das bedeutet das goldene Zeitalter ist angebrochen und es bedeutet auch, dass wir es genauso sehen. Es geht voran, es geht weiter. Nächstes Jahr werden wir mit Berlinski Beat im April/Mai eine neue CD rausbringen. Wir arbeiten sporadisch dran, es geht aber eigentlich erst im Sommer los. Wir müssen ja auch noch viel spielen. Und wir freuen uns natürlich jetzt auf die Saison und sind total begeistert, weil wir zwischendurch so verrückte Touren haben. Zum Beispiel fliegen wir nach Vancouver, also nach Kanada. Und auf dem Rückweg machen wir noch Halt auf den Azoren und spielen dort zweimal. In Kanada spielen wir mit Corvus Corax und Berlinski Beat und auf den Azoren auch noch. Auf den Azoren haben wir noch zwei Tage Zeit. Wim und ich haben schon gesagt, dass wir uns dort ein Auto mieten und hoch zum Vulkan fahren. Denn im Vulkan ist ein See, in dem man Baden kann.

Jarwinbenadar: Wann hat man schon mal die Möglichkeit.

Castus: Deswegen sind wir auch so froh, über unsere Berufung. Dass wir das Hobby zum Beruf gemacht haben und uns rumtreiben können in der Welt und die Welt dabei auch noch sehen. Und davon leben können und das hoffentlich bis zum Ende. Noch 150 Jahre. 75 Jahre CorvusCorax werden wir alle noch feiern können.

TANZT! 2013

In unserer Reihe Euch auf besondere Festivals hinzuweisen gibts nun nach dem Schandmaul Open Air nun ein kleines Interview mit Michael Sackermann, dem Macher von TANZT!
übrigens findet ihr natürlich Bilder und einen Bericht zum Festival 2012 auf unsereren Seiten, so bekommt man einen guten Eindruck , was einen bei TANZT! auch 2013 erwartet.

Jarwin: Erstaunlich schnell steht für das TANZT! 2013 im November ja schon das Line-Up – lass uns zuerst nochmal einen kurzen Rückblick auf 2012 machen. Was ist Dir als Veranstalter besonders positiv und negativ in Erinnerung geblieben und wie war das Feedback auf das TANZT! 2012?

Michael: Das ist richtig, es vergingen genau genommen nur drei Wochen nach TANZT! 2012 bis ich mit dem Booking für die diesjährige Ausgabe angefangen und die erste Mail an das Management von Vogelfrey geschrieben habe. Zum einen liegt das ganz klar daran, dass ich persönlich nach der gelungenen letzten Ausgabe bereits der nächsten Ausgabe entgegen fiebere, zum anderen liegt es aber auch daran, dass wir frühzeitig im Gespräch sein möchten, was die Jahresplanung von Konzerten und Festivals der Fans für das kommende Jahr angeht. Besonders positiv in Erinnerung blieb mir die gute und ausgelassene Stimmung der Fans, die jede Band derart intensiv abfeierten, wie ich es anderswo nur selten erlebt habe. Ebenso blieb der überwiegend reibungslose Ablauf mit allen beteiligten Bands und Crews in positiver Erinnerung. Einerseits sehr schön, andererseits aber auch schade für viele Fans, die keine Tickets mehr bekommen haben, ist natürlich auch die Tatsache, dass wir bereits eine Woche vor dem Festival restlos ausverkauft waren. Leider gab es auch Dinge, die nicht positiv verlaufen sind. Dazu gehört mitunter, dass wir den Händlerbereich bereits sehr früh räumen mussten, da dort im Anschluss eine Party stattfand. Auch das höchst unschöne Benehmen zweier Musiker einer Band, von dem ich aber aus Respekt gegenüber den beteiligten Personen nicht öffentlich erzählen möchte, blieb nicht positiv in Erinnerung. Alles in allem war es für mich die beste und schönste Ausgabe des Festivals.

Jarwin: Nun aber zu TANZT! 2013: Das Line-Up hat sich ja nochmals verändert, weil ihr eine Band richtigerweise wieder ausgeladen habt, wofür man Euch wirklich sehr loben muss. Kannst Du nochmals kurz die Gründe erläutern für alle, die es über Facebook nicht mitbekommen haben.

Michael: Wir (das Backstage und ich) hatten uns dazu entschieden den Auftritt der Band Waldtraene abzusagen, da ihr als unpolitisch auftretendes Label in einer für uns und unsere Medienpartner unklaren Verbindung mit einem umstrittenen Versand steht, der in seinem Shop zahlreiche rassistische Merchandise-Artikel verkauft. Wir bekamen zuvor mehrere Hinweise von Fans und Medien zu der Sachlage und sahen uns in der Pflicht zu handeln. Zwar unterstellen wir der Band nicht mit extrem rechter Gesinnung zu sympathisieren, jedoch können und möchten wir nicht verantworten, dass das TANZT! Festival durch den Auftritt der Band mit dem umstrittenen Versand in Verbindung gebracht wird. Leider erreichten uns nach der Absage der Band einige äußerst feindselige Nachrichten von Leuten in Facebook und per E-Mail. Aus diesem Grund möchte ich hier erneut allen Fans sowie der Band ausdrücklich mitteilen, dass uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist, da die Band mit ihrer Musik eine Bereicherung für unser Festival gewesen wäre und wir sie ihren Fans gerne bei TANZT! präsentiert hätten.

Jarwin: Wie hat die Band drauf reagiert?

Michael: Nach anfänglich kooperativen Telefonaten, sind die Fronten mittlerweile leider verhärtet, da sie sich in einer öffentlichen Stellungnahme von uns distanziert. Wir stehen über dieser Tatsache und wünschen der Band alles Gute für die Zukunft. Zudem hoffen wir, dass sich die Sachlage schnellstmöglich aufklären wird, damit es zu keinen weiteren Absagen, Distanzierung seitens der Medien und sonstigen Unstimmigkeiten für sie kommen wird.

Jarwin: Nun aber zu Erfreulicherem und den beteiligten Bands 2013. Was erwartet den Besucher in diesem Jahr?

Michael: Den Besucher erwartet erneut ein sehr abwechslungsreiches Line-Up mit nationalen und internationalen Bands. Neben Feuerschwanz, einem der Senkrechtstarter der vergangenen Jahre in Deutschland, werden gleich drei Newcomer der deutschen Mittelalter-Szene – Vogelfrey, Vermaledeyt und Undschuldig – die Besucher begeistern und ihr Debüt bei TANZT! geben. Zudem dürfen natürlich auch die Lokalmatadoren Vroudenspil in ihrem Heimathafen nicht fehlen. Nach ihrem CD-Releasekonzert am 6. April in München zur neuen Scheibe „Pulverdampf“ wird der Auftritt am TANZT! der einzige im Großraum München 2013 sein – und wer bereits bei mehreren Ausgaben von TANZT! war weiß, dass sich die Piraten für jeden Auftritt bei TANZT! etwas ganz besonderes einfallen lassen! International wird es dieses Jahr erneut mit den Russen Troll Bends Fir, den großen Publikumslieblingen des vergangen Jahres sowie mit den Ungarn Dalriada, die Folk-Metal auf höchstem Niveau spielen. Die heimische Band The Real Motherfolkers ist auf vielfachen Wunsch wieder mit dabei und wird zusammen mit den ebenfalls aus der Gegend stammenden Fatzwerk für kurzweilige Umbaupausen und etwas Alternativprogramm zur großen Bühne im Werk sorgen. Insgesamt werden satte neun Bands für Kurzweil sorgen – und das zu einem mehr als fairen Eintrittspreis von nur 20 Euro + Gebühr des jeweiligen Ticketanbieters.

Jarwin: Ihr seid noch auf der Suche nach Händlern, wenn ich richtig informiert bin, Also raus mit der Sprache, was benötigt ihr noch oder wünscht ihr Euch das TANZT! 2013 genauso ein Erfolg wird wie 2012?

Michael: TANZT! ist ein eintägiges Musikfestival in einer Halle. Unser Schwerpunkt liegt also definitiv weiterhin bei der Musik als auf Händlerständen. Trotzdem oder gerade deshalb ist es allerdings schön, den Besuchern ein überschaubares Angebot von Waren an wenigen ausgewählten Ständen anbieten zu können. Konkret suchen wir für TANZT! mittelalterliche Händlerstände, die Accessoires, CDs, Hörner, Kleidung, Schmuck usw. verkaufen. Unsere Bedingungen sind dabei sehr entgegenkommend. Wir erheben keine Standgebühr, Biertische und Stromanschluss sind vorhanden, die Beleuchtung ist selbst mitzubringen. Der Verkauf von Speisen und Getränken ist jedoch ausgeschlossen. Interessierte Händler schreiben bitte an info@tanzt-festival.de

Jarwin: Welche Art Musik muss eine Band machen, dass sie beim TANZT! spielen kann? Ihr habt hier ja einen ganz bestimmten musikalischem Anspruch.

Michael: Die Band sollte im weitesten Sinne Folk-Rock/-Metal bzw. Mittelalter-Rock/-Metal spielen. Wir nehmen keine Bands, deren Folk- und Mittelalter-Einflüsse ausschließlich in den Texten zur Geltung kommen oder die für das Genre typische Instrumente und Melodie nur von Band einspielen. Allgemein sollte die Musik mitreißen, gut gemacht sein und etwas Neues bieten. Bands, die ausschließlich „Ai vis lo lop“ „Totus Floreo“ oder das „Palästinalied“ in der x-ten „Neufassung“ covern haben eher schlechte Karten, da man diese Lieder auch bei jedem Mittelaltermarkt zu hören bekommt. Wir nehmen jedoch dieses Jahr mit Fatzwerk wieder eine „Marktmusikband“ mit ins Boot, weil uns ihre Musik schlicht und ergreifend gefüllt und hervorragend auf die zweite Bühne passt. Man kann uns natürlich jederzeit eine Bewerbung zukommen lassen, jedoch ist unsere Liste bereits ziemlich lang. ? Kontakt: booking@tanzt-festival.de

Michael, vielen Dank für das kleine Interview, wir freuen uns schon sehr auf TANZT! 2013
Bernd Sonntag

Elfenthal Rock-Opera Reichenbach 02.02.2013

Wenn einem auch beim vierten Auftritt einer Band immer noch der Mund vor Staunen offen stehen bleibt, weil man nicht glauben kann was man da zu hören bekommt, dann hat eine Band verdammt viel richtig gemacht. Es ist ein unträgliches Zeichen, dass es sich um eine ganz besonderen Act handelt, den man gerade live erleben kann. Eine solche ist die Band Elfenthal zweifellos. Und zum „Mund offen stehen“ und ungläubigen Kopfschütteln bringt mich jedes Mal aufs Neue vor allem Maite Itoiz mit dieser unglaublichen Stimme. Wie kann eine solch hübsche zierlich kleine Person solch ein Stimmvolumen aufweisen. Natürlich hat sie neben einer unglaublichen Menge an Talent , das ihr von einem musikalischen Vater praktisch in die Wiege gelegt wurde und einer guten Ausbildung auch viel Bühenerfahrung aufzuweisen und so kann sie bis heute auf eine beeindruckende musikalische Biografie blicken. Angefangen von Auftritten mit den bekanntesten klassischen symphonischen Chören Spaniens, als Solistin diverser Klassikalben, als Opernsängerin bis zur „Blue Elf`s Dream“ Produktion. Das Album ist 2008 erschienen und seitdem ist sie zusammen mit Ehemann John Kelly und wechselnden Begleitmusikern immer wieder auch in Deutschland unterwegs. So auch am Samstag im Reichenbacher Neuberinhaus. Und die Reichenbacher können sich wirklich glücklich schätzen, dass die 2 extra nur wegen dem Konzert aus Spanien angereist sind, um die Geschichte von dem blauen Elfen zu erzählen.

Das Neuberinhaus , benannt nach der (1697 in Reichenbach geborenen) ersten großen deutschen Schauspielerin ist eine perfekte Location für die Rockoper, das merkt man spätestens als sich kurz nach 20:00 der Vorhang öffnete und das Bühnenbild mit dem gelungenen stimmungsvollen Foto im Hintergrund sichtbar wurde. Passend zum bescheidenen Wetter der letzten Wochen ist das Bild ein phantastischer fotografischer Beweis dafür, dass die Natur nicht nur bei Sonne schön anzuschauen ist. Und es passt mit seiner Stimmung perfekt zu Elfenthal. Leider saß ich allerdings so ungünstig, dass auf den Bildern sowohl die Mitmusiker, wie auch die Bühnenstimmung kaum zu sehen sind.

Elfenthal ist aber natürlich nicht nur Maite, deren Liebe zum pompösen, zur klassischen Opernmusik bis zum Metal in der Musik vor allem auf sie zurückzuführen ist. Elfenthal ist im gleichen Maße auch Ehemann John Kelly, der mit seinem irischen Einfluss und seiner Liebe zu Balladen und Volksliedern einen wunderbaren musikalischen Gegenpart schafft. Und so ist „The Blue Elf`s Dream“ eine perfekte Mischung aus vielen musikalischen Einflüssen und Stilen vom Symphonic Metal bis zum traditionellen Volkslied geworden . Stets abwechslungsreich, höchst unterhaltsam und für jeden etwas, auch wenn sicher nicht jeder die lautesten und heftigsten Symphonic Metal Parts ala Nightwish so sehr mag wie ich. Apropos Nightwish, es gibt mit der Ex-Sängerin der Band Tarja Turunen eine Sängerin die diese Art Musik zu einem unglaublichen Popularitätsschub verholfen hat und als eine der besten Sängerinnen im Pop/Rockbereich gilt. Sie hat mit Ihrem Abschied bei Nightwish Fußstapfen hinterlassen, die bis heute nicht zu füllen waren. So hat man die Nachfolgerin ja vor einiger Zeit verabschiedet und ist nun wieder schon länger auf der Suche nach einer Stimme für Nightwish. Man sollte mal in Spanien suchen, Maite braucht sich vor Tarja überhaupt nicht verstecken, problemlos kann sie genauso toll und grandios singen, wie am Samstag ein Stück von Puccini. Und so sehr wie ich Symphonic Metal mag, so wenig konnte ich bisher mit Opernmusik anfangen. Am Samstag hat sie mich aber selbst damit fasziniert. Das Puccini-Stück war echt ergreifend, wunderschön und unfassbar beeindruckend anzuhören.Und passte perfekt dazu. Kein Wunder, dass sich John danach im Spaß zur Bemerkung „ich geh jetzt“ hinreissen ließ, während über Maite ein Jubelsturm hereinbrach. Aber das ist natürlich Quatsch, denn „The Blue Elfs Dream“ funktioniert eben gerade auch Dank des Talents des irischen Sängers so toll und so entstehen tiefgreifende Emotionen, soweit der Einzelne im Publikum bereit ist diese auch zuzulassen. Denn Elfenthal ist neben ganz viel Musik, Energie, Phantasie und perfekter Unterhaltung auch ein Plädoyer für die Liebe.

John und Maite kennen sich seit Kindheit, kennengelernt durch die Eltern, ist aus Freundschaft Liebe entstanden, die mit der Hochzeit 2001 gekrönt wurde. Das ist zwar jetzt schon immerhin 12 Jahre her, die 2 sind also schon fast ein altes Ehepaar, aber bei jedem Konzert macht es aufs Neue Spaß zu beobachten wie liebevoll die 2 miteinander umgehen. So wie auch an diesem Abend als John Maite die Haare aus dem Gesicht strich beim Singen, so dass sie fast einen Lachanfall bekommen hätte, oder als er seine Traumfrau mit neuem wunderschönen roten Kleid ankündigte. Da haben sich menschlich und musikalisch zwei gefunden und trotz völlig unterschiedlicher musikalischer Wurzeln, vielleicht auch musikalischen Vorlieben haben sie eine Rockoper geschaffen, die man gesehen haben muss. Wenn man dieser Art Musik aber wenig abgewinnen kann, eher auf ruhige Mittelaltermusik mit hohem historischen Anspruch steht, dann kommt man ebenfalls an Elfenthal nicht vorbei. Denn Elfenthal gibt es bekanntlich auch als „Early Music Ensemble“, völlig anders und auf andere Weise faszinierend anzuhören. Wer mehr darüber wissen will, auch vom Auftritt des „Early Music Ensembles“ gibt es hier einen Bericht und Bilder zu sehen.
Und was die Zukunft bringt deuteten die 2 in Reichenbach auch schon an, als aus der blauen Elfe ein schwarz gekleideter Mann mit weißer Maske wurde. Denn die zwei arbeiten fleissig an einem neuen Werk, das in diesem Jahr noch erscheinen soll und auf das ich voller Ungeduld warte. Und nicht nur ich, sicher auch viele der begeisterten Zuschauer, die die 2 nicht nur einmal mit Standing Ovations feierten und gar nicht mehr von der Bühne lassen wollten. Und die beiden bedankten sich auf ihre Weise, angefangen damit , dass man einige Besucher auf die Bühne holte über diverse Zugaben, bis zu einer ausgedehnten Autogrammstunde mit Fotoshooting nach dem Konzert. Und erst als auch wirklich der letzte sein Autogramm und sein Bild mit Maite oder John schießen konnte war für die beiden das Konzert beendet, nicht ohne vorher noch den Organisatoren Dank zu sagen.

Bendanken müsen sich aber vor allem auch die Besucher für den wunderschönen Abend und die Verantwortlichen in Reichenbach tun wirklich gut daran, Elfenthal, dann mit neuer Show fürs nächste Jahr wieder zu verpflichten. Eine ganz große Zahl der Besucher kommt mit Sicherheit nicht nur gerne wieder, sondern bringt auch noch gleich einige Bekannte mit. Und sicher kommen auch die beiden gerne wieder nach Reichenbach, denn die „Reichenbacher“ geizten wirklich nicht mit Applaus und ich hab selten so eine nette Autogrammstunde mit soviel positiven Reaktionen seitens des Publikums erlebt. Und das haben sich 2 der liebenswertesten Musiker überhaupt auch wirklich verdient.

Maite Itoiz ist aber schon bald wieder in Deutschland zu erleben, diesmal im Rahmen einer Lesung zusammen mit Bernhard Hennen, einem Deutschen Autor für Fantasy -Literatur und historische Erzählungen und Verfasser des Elfenzykluses. Da die Musik von Maite Itoiz ihm unheimlich inspirierte, lag es nahe sie gleich als musikalische Untermalung dem Publikum zu präsentieren. Und da in der modernen Fantasy -Literatur die Elfen oft als feenähnliche Wesen mit feenhaft kleinem Wuchs beschrieben werden, kommt Maite diesem Bild ja doch ziemlich nahe. Auch wenn ich mir immer noch sicher bin, dass sie eher ein menschgewordener Engel ist.
Bernd Sonntag

Schandmaul-Interview zum Jubiläumskonzert 2013

Auch wenn es noch gar nicht nach Sommer ausschaut, so kommt er genauso sicher, wie der Weltuntergang ausblieb. Und mit dem Sommer kommen auch die Open Airs und in diesem Jahr stehen wieder einige ganz besonders besuchenswerte an. Ein absolutes Sommerhighlight wird definitiv das Schandmaul Jubiläumskonzert in Köln. 15 Jahre Schandmaul, 15 Jahre großartige Musik und das wird mit einem ganz besonderen 2 Tages-Open-Air gefeiert. Grund genug für uns, sich bei Martin „Ducky“ Duckstein erste Infos zu holen. Und das tat der Schandmaul Gitarrist ohne zu zögern. Vielen vielen Dank dafür.

Jarwin: In diesem Jahr steht ja mit dem 15 jährigen Bandjubiläum und einem tollen Open-Air in Köln ein absolutes Band-Highlight an, wieso hat sich eine Band aus dem Raum München gerade den Kölner Tanzbrunnen als Location ausgesucht ?
Ducky: Wir haben unser 10-Jähriges in München gefeiert. Zum 15-Jährigen wollten wir etwas anderes. Ein Festival über 2 Tage mit befreundeten Bands. Ein Open Air mit Rahmenprogramm. Dafür galt es eine zentral gelegene, gut erreichbare Location zu finden, die zum einen das Festival-Wochenende ermöglicht, zum anderen genügend Platz und Örtlichkeiten für das Gesamtprogramm bietet. Hier ist der Tanzbrunnen in Köln einfach perfekt!
Jarwin: Ihr habt , was man bisher so hört ein Line-Up zusammengestellt, auf das ganz viele Konzertveranstalter neidisch blicken können. Mit Saltatio Mortis, Fiddlers Green und Omnia habt ihr absolute Headliner dabei und die Kammer und Lyriel sind auch absolut einen Konzertbesuch wert. Und natürlich dann auch noch die 2 Schandmaul-Auftritte. Wer hat sich denn das Programm ausgedacht und was erwartet die Besucher der 2 tollen Tage von Köln noch so.
Ducky: Das Programm haben ausschließlich wir selbst uns ausgedacht. Wir wollten dem Publikum ein tolles und stimmiges Line Up bieten. Zusätzlich wird es an den Konzerttagen abends jeweils eine Party geben, wir werden einen Mittelaltermarkt aufbauen, der am Rande des Geländes stehen wird. Es wird eine Ausstellung zu 15 Jahren Schandmaul mit vielen Fotos, Exponaten, Raritäten geben. Außerdem haben wir uns ein paar tolle Überraschungen ausgedacht, da gibt es bald mehr dazu .

Jarwin: Ihr kümmert Euch scheinbar um alles, selbst um das Frühstück für die Besucher an den 3 Tagen und Kinder bis 10 haben auch noch freien Eintritt. Das klingt nach einem richtigen Familienevent. Täuscht das?
Ducky: Nein, das täuscht nicht. Wir feiern Geburtstag, da möchte man als Band schon auch einmal DANKE sagen für all die Jahre Treue. Zudem sind unsere Konzerte inzwischen sowieso Familienevents durch alle Altersschichten und da wir fast alle selbst Kinder haben, wollen wir eben ein Rundum-Sorglos-Paket bieten.
Jarwin: Neben der Planung für das Event und bestimmt auch das eine oder andere weitere Konzert 2013 arbeitet ihr auch an einer neuen CD die ebenfalls 2013 erscheinen soll. Könnt ihr uns neugierige Schandmaul-Fans schon etwas dazu sagen?
Ducky: Es wird 2013 tatsächlich keine weiteren Konzerte geben (mit einer Ausnahme). Wir haben 2012 eine tolle Best Of Platte aufgenommen. Wir wollten keine einfache Zusammenstellung einzelner Titel aus den ganzen Alben. Die Songs haben sich im Laufe der Jahre ebenso verändert, wie wir uns selbst. Also lag es nahe, diesen Schritt auch auf CD zu bringen. Zudem wird es auf diesem Album 3 völlig neue Titel geben. Momentan schreiben wir an einem neuen Studioalbum, welches wir in der ersten Hälfte 2013 aufnehmen und Anfang 2014 präsentieren werden.
Jarwin: Ihr seid eine Band, die irre aktiv mit den Fans kommuniziert. Da gibt es ein Tourtagebuch, das auch schon mal hohe Wellen schlagen kann, einen aktiven Facebook Auftritt, Podcasts und so weiter. Habt ihr hier eine PR Firma die das für Euch übernimmt oder ist das alles 100% Schandmaul.
Ducky: Das ist alles 100 % Schandmaul. Jeder Fan, der uns schreibt, egal auf welchem Weg, erhält Antwort von der Band, nicht von irgendwelchen Angestellten, die so tun als ob. Das nimmt auch täglich mehrere Stunden Zeit in Anspruch, ist uns aber wichtig. Ebenso, wie wir nach wie vor nach jedem Konzert zu den Fans rauskommen.
Jarwin: Noch mal zurück zum Köln-Open Air. Bleibt an diesem Wochenende überhaupt Zeit auch die tollen Kollegen anzuhören.
Ducky: Die meiste Zeit nimmt die Vorbereitung in Anspruch. Das Wochenende selbst werden wir durchaus Zeit finden, zumindest teilweise in die Konzerte reinzuhören.
Jarwin: Neben Schandmaul haben eigentlich alle Musiker ja noch weitere Babys, die man aktiv pflegt, wie z.B. Weto, Sava nicht zu vergessen Anna Katharina Kränzlein die gerade auf Tour unterwegs ist. Gibt’s bei Euch auch mal ein paar Wochen Totalauszeit vom Musikbusiness mit nem schönen Urlaub oder beschäftigt einen das Musikmachen fast rund um die Uhr.
Ducky: Eine totale Auszeit ist tatsächlich schwierig. Weniger allerdings wegen der Sideprojekte. Das sind unsere „Spielwiesen“, auf denen man sich auch nur austobt, wenn es die Zeit – privat und beruflich – zulässt. Aber allein Schandmaul ist eine große Firma, die eine Menge Arbeit neben der Musik mit sich bringt. U.a. wie oben geschrieben der Kontakt zu den Fans. Da darf es keinen großen Stillstand geben. Aber natürlich verabschiedet man sich auch mal in einen Urlaub, das ist auch wichtig.
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Jarwin: Mir ist aufgefallen , dass Du ein richtig großer Familienmensch bist. Du bist ja nicht der einzige in der Band , der Kinder hat. Ist es nicht irre schwer Musik und Familie richtig gut unter einen Hut zu bringen.
Ducky: Ich glaube, dass wir das sehr geschickt und familienfreundlich anstellen und planen. So gibt keine mehrwöchigen Tourneen am Stück mehr, sondern nach spätestens 5 Tagen ist man wieder für ein paar Tage zuhause. Ich glaube sogar, dass die Zeit, die wir mit unseren Familien verbringen können, viel intensiver ist als beim klassischen Bürojob, wo du morgens das Haus verlässt und abends heimkommst, wenn das Kind schon fast im Bett liegt. Insofern ist das eine Planungsangelegenheit, aber durchaus machbar!

Vielen Dank für das Interview, keine Frage die 2 tollen Tage von Köln sind einen Besuch wert. Jede Wette. Wer übrigens mehr zur Kammer wissen will, auf unserer Interview-Seite gibts eines mit den 2 Kammer-Köpfen Max und Matze. Und natürlich auch Bilder vom Konzert.

Bernd Sonntag