Dunkelschön Unplugged in Schonungen 19.01.2013

Wenn man bei Wikipedia unter Unplugged nachschaut, findet man erstaunlich wenig darüber. Immerhin ist zu lesen dass es sich bei Unplugged um die „Akustikversion von Musik, die ursprünglich mit Hilfe elektronischer Veränderungen produziert wurde und nun nur auf akustischen Instrumenten gespielt wird“ handelt. Es wird also bei Unplugged der Stecker gezogen, üblicherweise aber nicht aus dem Mikrofon. Noch wesentlich radikaler gehen allerdings Dunkelschön mit dem Begriff unplugged um. Denn bei ihnen wird auch aus dem Mikrofon der Stecker gezogen, sprich es gibt gar keine Mikrofone. Das habe ich so auch noch nie erlebt. Ein ganzes Konzert völlig ohne Mikros und das in einer alten Kirche, deren beeindruckende Größe vor dem Konzert mich schon fragen lässt, ob das gut gehen kann. Kann man sich bei der kraftvollen Stimme von Vanessa ja noch gut vorstellen, aber der wesentlich leiser singende Michael Kaiser und die ganze Band ohne Mikro?
Es geht gut, und wie. Davon zeugt auch der langanhaltende Applaus des begeisterten Publikums, die die Band am Ende gnadenlos feierten. Sicher auch für den Mut, ein solch außergewöhnliches Konzerterlebnis Jahr für Jahr in Schonungen abzuhalten.
Dass es überhaupt funktioniert ist aber vor allem dem Publikum zu verdanken, ein so aufmerksames und gespannt lauschendes Publikum hat man selten und selbst die Jüngsten im Publikum machen da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, als ein kleiner Junge begeistert ein Lied mitsang und kurzerhand den Refrain übernahm, weil Vanessa für seinen Geschmack etwas zu langsam war, lachte die ganze Kirche und Vanessa wollte den Kleinen gleich zum mitsingen mit auf die Bühne holen. Das war ihm dann aber doch nicht ganz geheuer. Aber allein dieser kleine Vorfall zeigt deutlich, was den Reiz eines Dunkelschön-Konzertes auch ausmacht, die herrliche Spontanität, ansteckende Fröhlichkeit und Freude mit der man auf der Bühne steht, allen voran die Frau in Blond am Mikrofon.
Die Konzerte in der alten Kirche Schonungen sind wirklich legendär, gekauft werden die Eintrittskarten direkt bei Dunkelschön , meist schon viele Monate zuvor. Und wenn dann die Tore der Kirche sich öffnen und die Menschen hereinströmen, werden sie von den 2 Damen der Band Vanessa Istvan und Monika Klöpfel begrüßt und ihnen die Platzkarten ausgehändigt. Das ist genauso ungewöhnlich bei einem Konzert, wie ein mit dem eigenen Namen beschrifteter Sitzplatz und es untersteicht die Einmaligkeit des Auftrittes in Schonungen. Und so ganz nebenbei funktionieren die Eintrittskarten noch ganz toll als Liedblatt, Gänsehautstimmung am Ende als die „ganze Kirche“ begeistert mitsingt.
Als pünktlich um 20:00 das Konzert losging und Vanessa Istvan einige Überraschungen ankündigte, lauschte ein aufmerksames Publikum von den ersten Harfen, Gitarren und Celloklängen an aufmerksam und gespannt darauf, was die Truppe sich für den Abend so ausgedacht hatte.
Vielen Dunkelschön-Kennern wird sicher schon zu Beginn aufgefallen sein, dass 2 neue Musiker die Bühne bereichern. Denn berufsbedingt mussten Gitarrist Nicolas von Stolzmann und Schlagzeuger Andre Straub ersetzt werden. Wobei Ersatz sicher das falsche Wort ist, die beiden Neuen bereichern auf ihre Art die Musik der Band. Das wurde schon beim ersten Auftritt überdeutlich.
Auch wenn gerade Schlagzeuger Lukas Stumpf unplugged wenig Möglichkeiten hatte, wirklich zu zeigen was in ihm steckt. Man kann wirklich gespannt sein, wenn der „Metal-Schlagzeuger“ eingestöpselt sein Schlagzeug mal so richtig bearbeiten darf. Und dass „Heavy-Metal-Schlagzeuger“ den Sound einer Band extrem gut tun ist durch Simon Michael von Subway to Sally ja hinlänglich bekannt. Mit 19 Jahren drückt Lukas den Schnitt der Band gewaltig nach unten, wie Vanessa bei der Vorstellung eines der größten Schlagzeugtalente Deutschlands lachend bemerkte.
Leichter hatte es da schon der neue Gitarrist der Band Jan Jansohn (All will know, Adorned Brood), der optisch ein bißchen wie der kleine Bruder von Bassist Bernie Horn ausschaut. Das war sicher kein Einstellungskriterium, eher schon das versierte Gitarrenspiel, dass er zum Dunkelschön Sound beisteuerte. Die dritte personelle Überraschung war Gabi Koss, die als Gastsängerin den Abend zusätzlich zu etwas ganz besonderem machte. 6 Jahre Sängerin bei Haggard, eine der Stimmen von Equilibrium und nun am neuesten Musikprojekt für alte Musik der Renaissance und des Barack Cantus Lunaris arbeitend ist die Sopran-Sängerin eine extrem spannende musikalische Entdeckung an diesem Abend. Auch weil sie über eine gewaltige Stimmrange verfügt und beim einen oder anderen Lied auch schon mal wesentlich tiefere Klänge beisteuern kann. Wie mag das nur klingen, wenn Dunkelschön eingestöpselt einmal mit ihr auftreten? Schön, dass man ihr auch Gelegenheit gab, mit Cellounterstützung der großartigen Monika Klöpfel ganz allein ein Lied zu performen, wunderschön passend zum Motto des Abends „Es ist ein Schnee gefallen-mittelalterliche Klänge zur Winterzeit“. Nicht umsonst hat man das Cello in die Mitte der Bühne plaziert, ist die bildhübsche Cellistin und ihr großartiges Cellospiel nicht nur unplugged ein zentrales musikalisches Element im Bandgefüge. Und dass sie auch richtig toll singen kann ist nicht erst seit Schonungen 2013 bekannt.
Das Repertoire an diesem Abend war zweigeteilt. Angefangen mit Aeris über Dornenreich, es ist ein Schnee gefallen bis zu den ganz ungewöhnlichen Klängen von Petruschka wurden die Leute in die Pause entlassen, die jeder zum Plausch mit der Band nutzen konnte oder um sich zu stäken, auch daran hatte man gedacht. Mit Bacchus, über Zauberwort und Spielmann ging es dann genauso stimmungsvoll weiter wie schon vor der Pause bis nach 20 Liedern Vanessa eine weitere Überraschung ankündigte, nämlich ausnahmsweise keine Zugabe. Das war natürlich nur Spaß, ein Dunkelschönkonzert ohne Liebster ging auch gar nicht und als nach Ai vis lo lop alle Lichter in der Kiche ausgingen und nur von den Kerzen erleuchtet „Ein letztes Mal“ angestimmt wurde war das Ende eines unvergesslichen Konzertabends gekommen. Leider muss man sagen, der Abend mit der spielfreudigen Band die auch mit den 2 Neuen im Team nichts an ihrem Reiz verloren hat verging einfach wie im Flug. Und danach war natürlich noch lange nicht Schluß, nun war fleißig Autogrammeschreiben angesagt. Egal ob Davulspieler Chrsitian Wittkopf oder Bandchef Michael Kaiser, jeder nahm sich gerne Zeit für die Besucher und so ging der Konzertabend genauso persönlich zu Ende wie er um kurz nach 19:00 mit dem Einlass angefangen hatte. Und alle die auch einmal Lust haben Dunkelschön extrem reduziert und musikalisch intim zu erleben, wie sonst nie auf Tour sollte sich schon jetzt um Karten für 2014 bemühen. Denn Schonungen ist immer eine Reise wert, auch wegen der perfekten Location für einen Unplugged-Gig. Alle Oberfranken sollten sich übrigens schon jetzt den 13. April in den Kalender dick anstreichen, dann kann man sie akustisch in Hof erleben.

Bernd Sonntag

Schelmish in Wuppertal, November 2012

Interview mit Schelmish am 24.11.2012 im LCB Wuppertal

Schön, dass Ihr das noch einmal tut – heute gebt Ihr das letzte Interview dieser Tour und auch das letzte Interview als Schelmish-

Gerne und ja, das ist das letzte Mal, sowohl als auch.

Hier in Wuppertal ist es quasi ein Heimspiel für viele Eurer Fans.

Glauben wir auch. Viele in Wuppertal kennen Schelmish, also kann man wohl von einem Heimspiel sprechen. Es werden auch hoffentlich viele alte Bekannte hier sein.

Letztes Konzert der Torag Tour. Letztes Konzert im reinen Mittelalter-Stil und wohl das letzte Konzert für längere Zeit?

Ja, für Schelmish wird es das letzte Mittelalter-Konzert sein. Morgen sind wir noch einmal auf dem letzten Mittelalter-Markt, am 15.12. werden wir die letzte Rockshow in Bonn spielen und danach ist der Name Schelmish Legende.

Dann wird der Name würdig zu Grabe getragen.

Sozusagen.

Gebt doch mal ein kleines Fazit zur Tour bislang.

Super! Geil! Hammer!

Hab schon viel gehört, alles reinweg positiv.

Es hat bislang alles prima geklappt, die Bands haben sich gefunden, sind untereinander super geil klar gekommen. Es gab leichte, na Anlaufschwierigkeiten würde ich das nicht nennen, aber die Jungs von Soar Patrol kannten den Touralltag so eben auch nicht. Aber wir sind alle super gut rein gekommen, haben viel gelacht und wenn es irgendwelche Missverständnisse gab, wurde diese extrem schnell bereinigt. Man muss alles in allem sagen, es war für alle Beteiligten super, dass wir das so durchgezogen haben. Weder Soar Patrol noch wir möchten diese Erfahrung missen.

Das hört sich gut an. Spaß sollte eine solche Angelegenheit ja schließlich auch machen, da der Stress schließlich nicht ausbleibt.

Ja, stressig ist es vor allem in der Hinsicht, dass wir keine Nightliner-Tour fahren, sondern dass wir mit eigenen Bussen unterwegs sind. Dadurch hast du natürlich noch die Fahrerei am Hacken kleben, die Shows spielen wir meist sehr spät und wir können danach auch nicht gleich aufs Hotelzimmer gehen. Und morgens um acht Uhr heißt es meist wieder raus und weiterfahren.

(Picus): Dafür hassen wir es dann auch manchmal, das wir uns dafür entschieden haben, selbst zu fahren.

(Dextro) Ja, aber das passiert halt immer mal wieder. Wir hatten nur einen einzigen Tag auf dieser Tour, wo wir mal alle um ein Uhr in den Betten lagen, wo wir auch wirklich keinen Bock hatten, nach dem Konzert noch lange zusammen zu sitzen. Aber den Rest der Zeit saßen und sitzen wir sonst noch lange zusammen.

Mit den Erlebnissen der letzten Wochen im Rückblick, was kommt noch in Bonn?

In Bonn wird es noch eine Rockshow geben. Und das, was wir immer in Bonn gemacht haben. Wir versuchen, eine Show hinzulegen, die glasklar ist. Wir haben zwei Vorbands und wir haben eine kleine Überraschung zwischendurch. Unsere Vorbands sind unsere Special Guests, eine Heavy Metal Band und eine Mittelalter-Gothic-Neo-Punk-Band, kann man gar keine Bezeichnung für finden. Die Leute dürfen auf jedem Fall Spaß erwarten und auch gute Musik. Wir werden noch einmal unser altes Programm spielen und danach ist auch dieses Thema für immer durch.
Das wird der krönende Abschluss sein.

Die Rockshow ist ja auch noch mal ein Muss zum Schluss, oder?

Ja, wir haben natürlich auch gute Mittelaltershows in diesem Jahr gespielt und denken, dass wir die Rockshow auch noch gut hinlegen werden, ohne große Pannen.

Da kommt dann wieder der Perfektionist durch bei Dir, Dextro.

Ja klar, denn als Musiker ist es nun mal auch deine Hauptaufgabe, dass auch wirklich gut hinzubekommen. Das ist der letzte Kick, denn am Ende musst du sagen, wie geil war das denn. Oft bekommen die Leute die Fehler auch nicht mit, aber auf der Bühne und als Musiker macht einen das dann schon sauer. Denn mir entgeht so schnell nichts.

Wenn man Dich im Laufe der letzten 13 Jahre immer mal so beobachtet hat, hat man immer gemerkt, wo der Fehler wann passiert ist. Selbst, wenn man den Fehler vorher selbst gar nicht mitbekommen hat.

Ja, ich kann das halt leider nicht abschalten. Ich versuche, so professionell wie möglich zu sein, aber das kann ich einfach nicht ablegen.

Es ist okay, wenn man diesen Anspruch hat.

Ja, auf jeden Fall. Wir haben auch immer gesagt, wir verabschieden uns vom Namen Schelmish auf hohem Niveau. Auf dem Mittelalter-Sektor konnten wir das auch halten, wie ich finde. Die gesamte Abschlusstour war, mit kleinen Patzern hier und da, liebenswert.

(Picus) Es war keine Katastrophe dabei, nein.

Wurde also keiner bestraft dieses Mal?

Doch, das schon! Aber, um bestraft zu werden, müssen bei uns keine Katastrophen passieren.

Schwingt ein wenig Wehmut bei den letzten Konzerten mit?

Ich blicke selten zurück in die Vergangenheit. Ich weiß, ich habe mit Schelmish viel erlebt. Wirklich viel erlebt. Viele schöne Sachen und auch jede Menge Scheiße. Aber selbst aus der Scheiße zieht man sich noch das Schöne raus. Aus diesem Grund schließe ich das Thema, also ich habe das Thema schon längst abgeschlossen und schaue einfach nur nach vorne. Ich schau, wohin uns der Weg weiter führen wird. Was wird passieren? Machen wir weiter?
Wir wollen schon, aber wir müssen uns noch zusammen setzen und reden. Müssen besprechen, wo es hingehen soll. Es wird sich sicher nicht so weit von dem entfernen, was wir jetzt machen. Das Rockprojekt werden wir erst einmal eine Zeit ruhen lassen, denn dafür müssten wir erst einmal neue Leute suchen. Aber einen Mittelalter-Indo-Punk-Act könnten wir mit den aktuellen fünf Mann durchziehen. Aber ob wir das machen, wissen wir noch nicht. Wir haben alle Bock, zumindest haben das alle signalisiert, aber ob wir das auch durchziehen, müssen wir, wie schon gesagt, besprechen.
Wir müssen uns fragen, wie ernst es uns damit ist, weil wir den Erfolgsdruck von vorher nicht mehr wollen. Das ist ja auch einer der Gründe, weswegen wir aufhören. Aber unser Ehrgeiz ist eben trotzdem, doch etwas Gutes auf die Beine zu stellen. Etwas, von dem wir sagen können, dass es es wert ist. Und wenn das dann erfolgreich wird, na ja. Das ist erst einmal aber vollkommen egal. Es geht in erster Linie um den Spaß.

Ihr haltet uns hier sicher immer auf dem Laufenden?

Ja, natürlich!

(Picus) Aber ich hab schon Wehmut.

(Dextro) Und ich Wermut. Der hilft dann gegen den Wehmut.

13 Jahre ist eine ziemlich geile Zahl. Fand die 13 immer schon sehr gut! Gibt es in diesen vielen Jahren Erlebnisse und Anekdoten, über die Ihr immer mal wieder sprecht, oder an die Ihr Euch gern erinnert? Selbst, wenn man nicht gern zurückblickt, wie Du sagst?

Ja klar, aber die Anekdoten sind im Kopf drin. Und es sind so viele, dass du da keine rauspicken kannst. Heute kannst du noch gut die Klamotten von gestern im Kopf und so ist es eigentlich immer. Klar, in einer ruhigen Minute sitzt man dann schon mal da und spricht über einzelne Dinge. Es gibt auch of viel Gelächter über alte Geschichten, aber das sind mittlerweile so viele, und die waren dann meist auch alle so gut, dass man sich gar kein Highlight herausfiltern kann.
Würden wir darüber ein Buch schreiben, wäre das ein sehr fettes!

Ich kann mich noch gut an die Tourberichte erinnern, die Ihr selbst verfasst habt. Die konnte man immer sehr gut lesen und sie stellten auch jedes Mal ein prima feedback aus Eurer Sicht der Dinge dar. Die Fans machen sich ja ihre eigenen Gedanken, da war es sehr gut, auch die Euren einmal erfahren zu haben.

(Picus) Klar, aber das, was sich in dieser Band tagtäglich zuträgt, kann man nicht aufschreiben, das kann man sogar oft nicht fassen.

(Dextro) Es ist auch einfach so, dass Du oft etwas erlebst, was du auch schnell wieder vergisst. Das mit den Tourberichten war in der Szene anfangs wohl nicht weit verbreitet, zumindest ist mir keine Band bekannt, die das so gemacht hat. Am Schluss stellen wir fest, dass es fast jeder macht. Genau an diesem Punkt haben wir dann auch aufgehört, es selbst zu tun.

Aber die eigene Sicht der Dinge war immer eine gute Chance für den Fan, auch mal diese Seite kennenzulernen, also eine sehr gute Sache!

Ja, das stimmt. Aber oft ist es ja auch so, dass die Zeit dafür fehlte. Gerade in den letzten Jahren hatten wir viel Stress, sowohl in der Band selbst, als auch vom organisatorischen her. Wir hatten mitunter 90 Auftritte im Jahr zu spielen und dabei zieht dein Leben eben auch, wie auf einer Autobahn, an dir vorbei. Das bleibt dann leider nicht aus. Und so hast Du auch irgendwann keine Zeit mehr.

Über die Zukunft haben wir nun schon ein wenig geplaudert. Ich denke, wir können nun auf Bonn gespannt sein und auf das, was Ihr dort noch verkünden werdet.

Es wird ein ganz normales Rockprogramm. Wir wissen noch nicht, wie lange wir spielen. Drei Stunden werden es sicher nicht werden, da wir ja zwei länger spielende Vorbands haben. Wir spielen einfach so lange, wie wir Lust und Laune haben. Sicherlich wird es danach viel Fanarbeit geben. Wir werden und wollen danach auch noch Erklärungen geben, da die uns wichtig sind.
Wir werden auch im Netz noch unser statement platzieren, warum wir nun wirklich aufhören. Im Vorfeld sei aber gesagt, dass dies unsere eigene Entscheidung war und wir uns lange damit auseinandergesetzt haben. Diese Entscheidung werden wir versuchen zu erklären. Natürlich will man auch nicht aus dem tiefsten Nähkästchen plaudern, aber wir möchten versuchen, den Leuten klar zu machen, was los ist.

(Desdemonia) Der Zeitpunkt, jetzt aufzuhören ist ein gut gewählter, meiner Meinung nach. Das Ende hat jetzt noch Würde und von daher ist er einfach gut.

(Dextro) Ja, wir haben viel gemacht und man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Aber schade wäre es dennoch, wenn Ihr nun gar nicht mehr spielen würdet. Zumal das letzte Album genial war!

Ja. Aber wir müssen nun erstmal anfangen mit der neuen Platte, denn wenn es eine neue Band gibt, dann gibt es auch ein neues Programm. Natürlich reicht es erstmal, wenn wir das neue Programm für eine Stunde konzipieren. Die zweite Stunde können wir immer noch Schelmish spielen. Die Stücke könnten wir dann sogar noch mal neu arrangieren, je nachdem, was uns da alles einfällt. Und das kann sicherlich keine andere Band so gut, wie man selbst.
Es wird einfach Zeit, wenn wir neu anfangen, auch etwas Neues zu kreieren.

(Picus) Wir wollen dann auch mit alt hergebrachten Konventionen brechen. Also ganz bewusst viel spielen, experimentieren und uns überhaupt nicht in eine bestimmte Schublade stecken lassen. Das mit dem Mittelalter wird sicherlich vorgehen, denn das ist unsere Attitüde in der Hauptsache. Es werden aber auch Elemente reinkommen, die man im Moment noch nicht erwartet. Und das ist natürlich auch für uns spannend. Auf das Ergebnis freuen wir uns daher schon selbst.

Wartet nicht zu lange damit, die neuen Ideen zu Papier zu bringen und gebt rechtzeitig Bescheid!

Noch heißt es abwarten.

Gibt es denn noch andere Projekte, die Ihr verfolgt. Andere Bands, in denen Ihr spielt?

Nein. Alle, außer dem Schlagwerker, sind an diese Band gebunden. Wir machen aber auch andere Sachen, z. B. wollen wir wieder anfangen zu leben, also weg von dem ganzen Trubel. Es gibt genug im Garten zu tun und es gibt noch weit mehr Sachen, wie Freundschaften zu pflegen, die man 13 Jahre lang nicht pflegen konnte, weil man immer nur unterwegs war.
Für uns war Schelmish immer eine Berufung, wir haben nicht 100, sondern 150 % gegeben, d. h. der komplette Kreis, der außen um uns herum ist, haben wir vernachlässigt, weil wir nur für die Band gelebt haben. Das ist eben auch gerade der Punkt, auch wo das Alter sich so langsam bemerkbar macht, man anfangen muss, andere Prioritäten zu setzen.

Ja, gesundheitlich ging es gerade bei Dir immer mal wieder hoch her.

Genau. Daher muss man jetzt auch einfach mal sagen, dass man runter kommen muss. So gern man das auch alles macht. Es wird eben alles immer stressiger und das gehört nicht in die Musik. Der Spaß sollte immer dominieren. Die Leute unterhalten soll Spaß machen, aber es ist auch jede Menge Arbeit. Und dafür müssen der Kopf frei und der Körper gesund sein. Und daran müssen und werden wir jetzt arbeiten.

Dann freuen wir uns gleich auf das vorletzte Konzert hier in Wuppertal! Wie lange spielt Ihr heute?

Wir freuen und natürlich auch und jeder von uns hat eine Stunde Spielzeit. Es gibt auf dieser Tour ja keinen Headliner. Und so sind wir heute als zweites dran. Gestern war es umgekehrt, da wir uns jedes Mal abwechseln. Am Ende spielen wir noch zwei, drei Stücke gemeinsam.

Klingt super. Vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns wirklich alle auf das was kommt und wünschen Euch dafür nur das Beste!

Vielen Dank und bis bald!

KvK

X-VIVO Out Of The Smell Of Decay

Die Industrial/Alternatative Metal Band X-Vivo bringt am 25.01.13 bereits ihre dritte Scheibe auf den Markt. Nach der ersten EP „Evil One“ und dem Debütalbum „Egophobia“ soll jetzt „Out Of The Smell Of Decay“ das Licht der Welt erblicken.

Die fünf Berliner haben sich für eine Remix EP entschieden, um den neuen Sound der Band nach dem großen Besetzungswechsel vorzustellen. Alle Titel sind auch auf dem 2009 erschienenen Album „Egophobia“ zu finden und geben in einer knappen halben Stunde einen Einblick in die neue Band.

In die fünf Songs + Bonustrack muss man sich erst mal einhören, denn von simplen Kompositionen hält X-Vivo nichts. Harte Riffs, Synths, elektronische Beats, Piano und bis zu vier Gesangsstimmen vereinen die Stücke, die trotz ihrer Komplexität sofort ins Ohr gehen und erst nach mehrmaligem Hören alle Facetten zeigen. Auch die Stimmen von Alina, Kai, Alex und Olli passen gut zusammen, denn neben die helle Stimme Alinas mischen sich Grunts und Rapparts.

Eine Besonderheit ist der Bonustrack „Irrtümer“ (The End Remix). Dieser Song wurde noch von mit der alten Besetzung aufgenommen und der ehemaligen Sängerin Anna gesungen. Man hört sofort, dass sich X-Vivo in den letzten zwei Jahren positiv entwickelt haben und auch mit ihrer neuen Sängerin einen großen Schritt nach Vorn gemacht haben.

Mit der EP hat X-Vivo die Wartezeit auf das nächste Album verkürzt und man darf gespannt sein, wie sich das nächste mit neuen Songs in neuer Besetzung anhören wird. Wer selbst in die neue Scheibe reinhören will, der kann auf www.x-vivo.de vier Songs der EP kostenlos runterladen.

Die Releaseshow zur EP „Out Of The Smell Of Decay“ findet am 25.01.2013 im K17 in Berlin statt

Genre: Industrial/Alternative Metal
Veröffentlichung am 25.01.2013

Trackliste:
1. Reflection (Digital Pain Remix)
2. Last Drop (Forsaken Remix)
3. Egophobia (Dirty Veins Remix)
4. Daymares (Beyond The Lethargy Remix)
5. Realität (Dualism Remix)
6. Irrtümer (The End Remix) (Bonus Track)

Die Kammer im Gespräch

Anlässlich des Leipziger Releasekonzertes waren die 2 Herren der Kammer, Marcus (Max) Testory und Matthias (Matze) Ambrö so nett uns ein kleines Interview zu geben. In lustiger und entspannter Atmosphäre wurde viel gelacht und unsere Neugier vollauf befriedigt. Leider ist es total schwer, dies schriftlich wiederzugeben, da weder das blinzeln in den Augen der zwei, noch das schelmische Grinsen oder das herzhafte Lachen zwischen den Zeilen erkennbar wird. Trotzdem haben wir versucht, zumindest das wichtigste wiederzugeben, wenn nicht anders vermerkt (Max) sprach Matze mit uns.
Übrigens war offenkundig , dass sich die 2 unheimlich auf den Abend freuten, um ihr tolles Werk dem Publikum live vorzustellen und das werden sie demnächst noch öfters tun. Auch beim großen Schandmaul Jubiläumskonzert Ende August in Käln, über das ihr hier demnächst noch mehr lesen könnt.
1 „Die Kammer“ ist eigentlich nichts anderes als die Übersetzung von „Chamber“. Hättet ihr da nicht mit dem alten Namen weiter machen können?
Es ist definitiv eine andere Band. Es ist zwar auch Singersongwriter- ähnlich, auch Streicher kommen vor, aber es ist dann doch eine andere Sache. Wir arbeiten da auch zu zweit, haben auch lange überlegt, aber wir wollten nicht, dass der Name „Chamber“ drauf steht, weil es eine andere Geschichte ist. Chamber ist offiziell beerdigt, also besser gesagt hat die Bühne verlassen, damit die Kammer leben kann.
2 Warum habt ihr euch die Moritzbastei in Leipzig als Location für euer Release- Konzert ausgesucht?
Es kommen ja noch mehrere. Entstanden ist das ganze Projekt bei einem Glas Rotwein zu Hause auf der Terrasse. Wir haben da gesessen, haben irgendwann die Gitarren rausgeholt und haben ein paar Takte gespielt. Da haben wir festgestellt wie viel Spaß das macht so zu zweit und es gab auch noch gar keine richtige Idee wie das alles werden soll, sondern es war einfach ein schöner Nachmittag/Abend. Dann haben wir das regelmäßiger gemacht und so fing das langsam an, dass wir dachten das muss auf die Bühne. Wir haben ja vorher schon mit ASP und Chamber miteinander gearbeitet und dann haben wir beschlossen das zu machen- aber wenn, dann Vollgas! Und dann ging alles ganz schnell. Die Leute vom WGT haben dann gefragt, ob wir nicht unser Debut dort geben wollen – total verrückt, da wir nur 6 Stücke im Layout fertig hatten, 3 halbfertige Layouts, das Ganze in 8 Wochen stattfand und wir 1Stunde spielen sollten- aber wir machten es trotzdem.
Danach haben wir auch gleich die Single gemacht mit dem tollen Scherenschnitt- Video von Ingo Römling, dann auch direkt aus Marketingzwecken das Album, da die Fans drauf gewartet haben. Das ist jetzt innerhalb eines Jahres von 0 auf 100 gegangen und deshalb werden das auch nicht die einzigen Release-Konzerte die es geben wird zu „Seeming and real“.
Wir haben die Idee gehabt, dass wir, wenn wir in Köln und in Leipzig spielen, mit 2 Konzerten das ganze Land abdecken. Aber aufgrund von Proteststürmen haben wir uns noch für Hamburg entschieden. Wir sind aber noch an mehreren Städten in unserer Heimat. Also Frankfurt und der Süden sollen auch noch „bekammert“ werden.

3 Ist es nicht ein merkwürdiges Gefühl, wenn die Leute einen kennen, aber mit früheren Projekten in Verbindung bringen und man dann mit einer ganz neuen Geschichte auf die Bühne geht?
Ja, aber umso schöner war es beim WGT am Völkerschlachtdenkmal zu sehen, dass es funktioniert. Eines der wichtigsten Elemente, neben der musikalischen Qualität, ist die Energie die übertragen werden muss, die Leidenschaft, dass der Funke überspringt. Ich gehe davon aus, dass es beim WGT geklappt hat, da die Resonanz der Leute sehr positiv war. Man hat uns dort auch sicher nur grinsen und strahlen sehen, weil wir wieder auf der Bühne stehe konnten. Und das ist das was es am Ende auch ausmacht. Das eine ist der Perfektion und das andere ist das Gefühl zu transportieren. Es gibt so viel Musik auf der Welt, aber nur wenn es dir gelingt auch die Herzen der Leute zu erreichen dann kannst du es schaffen. Musik ist keine Castingshow- Musik ist Herzenssache.

4 Beim Hören eurer Musik und auch durch das Scherenschnitt- Video kam es mir vor, als wolltet ihr ein Märchen erzählen- täuscht das oder ist da was Wahres dran?
Ich glaube, dass die Singersongwriter- Geschichte schon etwas Erzählendes an sich hat und letztendlich sind es zwar keine Märchen die wir erzählen, aber kleine Geschichten. Es ist aber nur ein Stilelement von vielen das wir ausleben möchten. Es kann auch sein, dass wir in einem Jahr im Rahmen der Kammer wieder etwas ganz anderes machen. Ein Konzept, dass wir mit unserer Musik Märchen erzählen möchten gibt es nicht. Wir wollten von Anfang an den Menschen, die uns kennen, die Möglichkeit geben an der Entstehung der Kammer teilzuhaben. Deswegen haben wir diese 8 Episoden gemacht.

5 Hat sich viel verändert, seit die CD auf dem Markt ist?
Nein, gar nicht. Durch die Live- Konzerte ist man mit dem Kopf auch schon wieder beim Nächsten. Man freut sich natürlich immer über tolle Rezensionen und wenn sich die Leute auch so positiv äußern. Das ist ein schönes Gefühl, aber verändert hat sich nichts.

6 Season 1 ist der Titel – also wird es in nöherer Zukunft auch eine Season 2 geben. Habt ihr darüber schon nachgedacht?
Ja und nein. Es wird definitiv eine Season 2 geben, aber im Moment haben wir so viele andere verschrobene Ideen, die mit Season überhaupt nichts zu tun haben, die wir am Anfang des Jahres erstmal angehen werden, über die ich aber nicht reden werde 😉
Season ist ja nicht nur ein Titel, sonders man könnte es auch als die Epochen bezeichnen. Season 0 war die Entstehung, Season 1 die Vergangenheitsbewältigung, Beobachtung der Welt- sozusagen ein Status Quo und die Season 1 werden wir auch sicher nächstes Jahr bespielen.

7 Deine Stimme hat in der Musikszene ja einen sehr hohen Wiedererkennungswert, ähnlich wie der Graf von Unheilig, der Sänger von Deine Lakaien Veljanov oder auch Peter Heppner. Ist so eine Stimme eher Fluch oder eher Segen? Denn man ist in den Möglichkeiten, die man musikalisch hat, auf eine bestimmte Richtung festgelegt.
Max: Da hab ich noch nicht drüber nachgedacht. Also bis jetzt war es Segen. Es stimmt schon, dass man festgelegt ist, aber es wäre höchstens eine Herausforderung etwas anderes zu machen, im Rahmen eines Kunstprojektes. Deshalb mach ich auch nur das was ich kann 😉

8 Welche Musik hört ihr so privat?
Max: Ich höre sehr wenig Musik, und wenn dann ganz andere Genres. Z.B Klassik, Folk und anderes experimentelles Zeug. Wenig Rock und im Allgemeinen sehr wenig Musik.
Matze: Geht mir auch so. Ich höre fast gar keine Musik. Das liegt auch daran, wenn du im Studio arbeitest bist du froh, wenn du abends nicht auch noch Musik hörst. Da ist dann Ruhe angesagt.

9 Max, du bist ja Österreicher und schon ziemlich lange in Deutschland, hat man da nicht irgendwann mal Heimweh?
Ja doch. Heimweh. Aber mein Lebensmittelpunkt ist nun mal hier und früher oder später würde ich schon gerne wieder mal nach Österreich, aber das ist noch in ferner Zukunft.

10 Wünsch dir was – mit wem würdet ihr gerne, im Rahmen der Kammer, mal etwas zusammen machen. Egal ob Sänger oder Sängerin.
Ja da gibt es Einige. Und es wird wohl auch, längerfristig gedacht, irgendwann dazu kommen, dass man sozusagen in die Kammer Gäste einlädt. Es kommt auch auf das Lied an, wenn man dann ein neues Stück komponiert hat kann man sich einen bestimmten Sänger oder eine bestimmte Sängerin dann dazu vorstellen.

Vielen Dank Euch 2 und viel Spaß mit Euerem tollen Projekt!
Carolin und Bernd Sonntag

Stahlzeit 29.12.2012 in Hof

Auf Wikipedia kann man unter anderem zu Tribute-Band lesen „Mit möglichst authentischer musikalischer Darbietung, Bühnengarderobe, Instrumenten und Show-Einlagen versuchen Coverbands beim Publikum die Illusion zu erzeugen, ein Konzert der Originalformation zu besuchen.“. Spannend ist auch die Beispielliste, hier findet man Bands wie z.B. die Wise Guys, Scala, Adoro, J.B.O, Leningrad Cowboys, die Boss Hoss oder Max Raabe.

Ein Name fehlt aber leider auf der Liste und der hätte es mehr als verdient darauf zu stehen, nämlich Stahlzeit. Eigentlich steh ich den Coverbands und dem ganzen Tribute-Gedudel ja nicht wirklich positiv gegenüber, vor allem die Partybands die es 100fach gibt und die meist völlig zu Unrecht viel mehr Kohle verdienen, als viele großartige Musiker, die auf ihre eigene Musik setzen, find ich nicht gerade toll. Es gibt aber in dem Bereich schon Ausnahmen, die es echt wert sind, dass man ihre Konzerte besucht, wie alle oben erwähnten zum Beispiel. Im besonderen Maße gilt dies auch für Stahlzeit. Denn eins unterscheidet die Band von allen anderen Tribute- und Coverbands die es in Deutschland so gibt. Der Aufwand, den man live betreibt. Denn wie das große Vorbild Rammstein geizt auch Stahlzeit nicht mit Pyrotechnik und die ist nicht nur spektakulär und absolut sehenswert, sondern es ist auch kein billiges Element und trotzdem ist der Eintrittspreis dafür gerade auch im Vergleich zu Rammstein geradezu günstig. Und wer jetzt sagt, ist ja auch nur eine Coverband, der sollte sich Stahlzeit erst mal anschauen. Denn neben einer tollen Show hat man noch etwas ganz anderes zu bieten. Nämlich einen Till Lindemann-Klon, der zwar nicht Lindemann sondern Reißenweber heißt, aber nicht weniger beeindruckend und charismatisch ist, wie der Rammstein-Frontmann. Und genauso wie bei Rammstein ist es bei Stahlzeit vor allem er, auf den sich die Blicke richten. Bei Stahlzeit wohl sogar noch etwas mehr als bei Rammstein, wo vor allem Keyboarder Flake Lorenz mehr Teil der Show ist.

Es ist aber auch wirklich verblüffend wie ähnlich in Aussehen und vor allem Stimme sich die 2 sind und egal was Reißenweber auch singt, man wird unweigerlich erst mal an Rammstein denken. So auch, bei den Songs von Maerzfeld, der zweiten Band der Stahlzeit-Musiker, die 2012 mit „Tief“ ein erstes Album herausbrachten, dass schon allein wegen des großartigen Coverbildes stark an Rammstein erinnert. Auf Maerzfeld können sich übrigens die Besucher von Castle Rock und dem Feuertanz, zwei der renomiertesten und schönsten Open-Air-Festivals in Deutschlands besonders freuen, auch Maerzfeld sind einen Konzertbesuch wert.

Aber zurück zu Stahlzeit und ihrem Auftritt in Hof, der fast 3000 Leute in Verzückung versetzte. Bietet die neue Freiheitshalle ja auch alles, was für einen perfekten Auftritt nötig ist. Ausreichend Platz um die Bühne in voller Höhe und Länge aufzubauen und eine Feuerwehr und ein Gewerbeaufsichtsamt, dass im Vorfeld die Pyroelemente wohlwollend abgesegnet hatten, was nicht bei jedem Konzert von Stahlzeit immer der Fall ist. In Hof konnte Stahlzeit also alles auffahren, was man an Sound, Licht- und Pyrotechnik so zu bieten hat und das tat man mit einer fast 3 stündigen Show auch mit sichtbarer Freude und so krachte, zischte, brannte und rauchte es pausenlos, ganz wie von Rammstein gewohnt und nicht weniger spektakulär von Stahlzeit in Szene gesetzt. Es machte wirklich extrem Spaß dem Auftritt der Oberfranken zu erleben, der süchtig macht nach mehr. Nicht nur nach Stahlzeit live, sondern auch nach Rammstein und ihrer Musik, aber allein an Tickets zu kommen ist ja nicht gerade einfach und auch wie schon gesagt kein billiges unterfangen. Inzwischen sind ja nur die größten Hallen Deutschlands Rammstein geeignet und innerhalb von Stunden ausverkauft. Aber dafür gibt es ja zum Glück Stahlzeit, die die Musik der wohl genialsten Deutschen Rockband „ever“ auch in die kleineren Hallen bringen.

Rammstein sind aber auch noch aus anderem Grund ein Gewinner dieses Abends. Denn Stahlzeit machen beeindruckend deutlich, wieviele tolle Lieder die Band Rammstein bisher schon geschrieben hat, besteht der Abend doch aus einem Best of mit allen Hits wie Links 2 3 4, Keine Lust, Mein Teil, Du hast, Ohne Dich, Rammstein, Mein Herz brennt, Reise Reise , Benzin um nur ein paar davon zu nennen.

Aber nicht nur die ganz bekannten Songs gab es , Stahlzeit haben auch das eine oder andere Lied wie z.B. Heirate mich im Programm, dass sicher nicht zum Standard-Konzertrepertoire der Band Rammstein gehört.

Es klappt zwar nicht jedes Pyroelement, so wollte der Flammenwerfer bei „Mein Teil“ seine 6 Meter Flammen einfach nicht werfen, sondern war mit 2 Metern zufrieden und auch die Milchkanne machte , was sie wollte, nämlich nix, sehr zum Verdruss des 7 Meter über dem Publikum auf einer Plattform stehenden Heli. Das lässt sich aber locker verschmerzen, war die Inszenierung auch so spektakulär genug. Und zwar nicht nur die Pyros, auch die Lichttechnik, die Bühne mit den 2 rießigen Ventilatoren und die Bühnenbilder verdienen höchstes Lob. Einzig der Sound war mir einfach zu Basslastig und die Musik im Verhältnis zur Stimme des Sängers einfach etwas zu laut gemischt. Allein schon das lange Intro, das zwar gewaltig Spannung aufbaute tat andererseits aber auch den Ohren schon ziemlich weh.

Papierschnitzelkanone, die Trockeneisfontänen die die aufgeheizte Halle in den ersten Reihen merklich abkühlten, eine Schlauchbootfahrt durch die Menge mit Geschenken fär die Besucher und Funkenregen, Stahlzeit sparten nicht mit Showeffekten die die fast 3 Stunden zu einen extrem kurzweiligen Vergnügen und gefühlt kurzen 60 Minuten machten. Und Heli Reißenweber gab mit beeindruckender Mimik und Gestik den richtig bösen, harten Lindemann, lies es sich aber nicht nehmen das Hofer Publikum zu begrüßen und auf Maerzfeld hinzuweisen und für kurze Zeit wurde aus dem bösen Sänger ein symphatischer und schelmisch grinsender Zeitgenossen. Und er hatte gleich noch eine tolle Nachricht fü den gutgefüllten Saal dabei. Denn auch im nächsten Jahr wird Stahlzeit nach Hof kommen und jeder der Rammstein-Musik mag sollte sich den 21.12 dick in den Kalender schreiben. Denn dann gibt’s wieder die „Big Show“ in Hof , 300000 Watt und 12 Tonnen Stahl und beste Unterhaltung für das Publikum.

Natürlich gabs auch einige Zugaben und mit Engel den absoluten optischen Höhepunkt des Konzertes zu bestaunen als Heli mit 70 kg Engelsflügel die Bühne betrat und den größten Rammsteinhit anstimmte.

Großes Kino einer tollen Band die sich nicht zu schade war, trotz des kraftraubenden Abends sofort nach der Show den dicht umlagerten Merchstand zu besuchen. Nochmal zurück zum Anfang und zu Wikipedia und dem Satz „die Illusion zu erzeugen, ein Konzert der Originalformation zu besuchen“. Ganz so ist es bei Stahlzeit nicht. Ihnen geht es nicht darum 1:1 eine Show nachzustellen oder Rammstein zu kopieren, sie huldigen die Rockband Deutschlands auf ihre eigene Weise. Und das tun sie auf beeindruckende Weise und somit sind Stahlzeit nicht nur für den Rammstein Fan ein muß. Einzig wenn man mit Rammstein Musik gar nichts anfangen kann, wird man auch an Stahlzeit wenig finden, ansonsten sollte man sich aber schnellstens Konzertkarten besorgen, es lohnt sich wirklich. Und es ist ein toller Weg sich dem musikalischen Schaffen von Rammstein live zu nähern, selbst wenn man den Zugang dazu vielleicht noch nicht so ganz gefunden hat.

Bernd Sonntag

München Tanzt! am 17.11.2012

Für jeden hatte das 6. Tanzt! Festival in München etwas zu bieten. Die einen, die mehr auf die härteren Klänge standen, wurden mit dem Celtic-Folk-Metal der Italienischen Band Furor Gallico bestens bedient, wer mehr auf Piratenrock steht hatte am Auftritt von Vroudenspil seine wahre Freude und die Mittelalter Rockfans fühlten sich bei den Headlinern von Ignis Fatuu bestens aufgehoben. Wers etwas Bierseeliger will, den rissen Troll Bends Fir mit ihrem Humpa-Metal mit und dass aus München auch hörenswerte Bands kommen bewiesen neben Vroudenspil auch Musica Immortalis. Und da das noch nicht reichte gabs besonders für die vielen italienischen Fans im Publikum einen furiosen Folkstone-Auftritt mit Band zum Anfassen am Ende.

Es gab gute alte Bekannte zu erleben, wie Vroudenspil die bei allen Tanzt! Festivals dabei waren oder Neues zu entdecken wie z.B. die Russen von Troll Bends Fir, die erst ihren zweiten Deutschlandauftritt hatten, oder gleich ein ganz neuer Sänger am Mikrofon, aber dazu später mehr.

Es gab aber nicht nur was auf die Ohren, auch das Auge wurde kräftig bedient von gut geformten nackten Männeroberkörpern angefangen, über gut geformte Alkoholkörper bis zum weiblichen Eyecatcher, wie z.B. Amelia von Musica Immortalis gab es viel zum sehen und genießen. Bestens bedient wurde aber auch das Tanzbein, es wurde getanzt, gezappelt und wild umhergesprungen und so wurde die sechste Auflage des Festivals so ganz nebenbei auch noch zu einem richtigen Workout für Bauch, Beine und Po, wenn man das denn wollte. Man konnte aber auch einfach nur zuhören wie ein Teil der vielen Besucher, die das Backstage erstmals in der 6-jährigen Festivalgeschichte schon Tage zuvor ausverkauften. Kein Wunder, dass ein zufriedener Michael Sackermann und sein Orgateam aus dem Strahlen nicht mehr herauskamen, nachdem sich auch die letzten Sorgenfalten gelegt hatten. Die waren dadurch entstanden, dass wegen einer Sperre auf der Brennerautobahn Furror Gallico völlig verspätet in München eintrafen und die 2 Fanbusse der italienischen Bands auch noch im Verkehr steckenblieben. Völlig ungewöhnlich für ein Festival und trotz ambitioniertem und extrem engem Zeitplan entschied man sich ein paar Minuten zu warten, bis auch diese Busse im Backstage eintrafen, damit auch die weitgereisten Fans aus Italien ihre Bands erleben können.

Und am Ende gabs dann ein weiteres Geschenk, Auflage Nummer 7 wurde durch eine Stimme aus dem Off für den November angekündigt. Dann in der größten Halle des Backstage, damit man nicht mehr soviele Kartenwünsche ablehnen muss . Hoffentlich wieder mit Vroudenspil, sie gehören einfach zum Inventar des Festivals.

Nun aber ein kleiner Rückblick auf Ausgabe Nummer 6, der fünfzehn Minuten verspätet mit Musica Immortalis began.

Musica Immortalis

Musica Immortalis dürften den wenigsten ein Begriff sein, Amelia und ihre 6 Jungs aus dem Raum München machen Mittelalterrock der härteren Art. Mit E-Gitarren, Schlagzeug, Flöten, Schalmei, Davul und Sackpfeifen gibt’s was auf die Ohren, die Eigenkompositionen haben aber auch die eine oder andere ruhigere Passage mit sanften Gesang, für die in erster Linie die Dame im hübschen Kleid zuständig ist. Neben den Eigenkompositionen gibt’s auch das eine oder andere traditionelle Liedgut im Programm, das man auf ganz eigene Weise interpretiert auch um der Bandidee, eine Verbindung zwischen eingängig ruhigen Mittelalterklängen und härteren Rock und Metalklängen herzustellen genüge zu tun. Und das soll dann möglichst auch noch gut klingen, einen Beweis den die Band auch Dank zweier sehr unterschiedlicher Sänger trotz kurzem Auftritt auch antreten konnte. Den hatten sie zwar durch den langen Auftritt auch selbst verschuldet, man hätte ihnen aber trotzdem noch ein paar Minuten zugestehen können, noch dazu, da man danach ja extra etwas länger auf die Italiener gewartet hat. Und dass man ihnen dann das Mikrophon einfach abdreht und der Sänger sich nicht mal mehr sich vom Publikum verabschieden kann war auch etwas unglücklich und hat sicher für schlechte Laune bei Musica Immortalis gesorgt.

Furror Gallico

Mit Furror Gallico ging es dann weiter und die mit Schminke bemahlten Musiker im Rock ließen schon beim Aufbau die Spannung steigen und einen wilden Auftritt erwarten. Den gab es dann auch, die Italienische Band aus Monza ist in Deutschland ja noch ziemlich unbekannt . Das kann sich vor allem bei Anhängern diverser Metal-Spielarten recht schnell ändern, denn die Italiener müssen sich vor Bands wie z.B. Korpiklaani oder Eluveitie nicht verstecken. Und Leadsänger Davide Cicalese hat auch Stimme und die nötige Bühnenpräsenz dafür. Die Folk-Melodien mit keltischem Ursprung waren sicher die härtesten des Tages, da hat es die kleine Harfenspielerin Becky Rossi (auch schon bei Folkstone) und ihre kleine Harfe leider echt schwer sich Gehör zu verschaffen. Davide Cicalese hat mit seiner Stimme und seinen Gekeife und Gegrowle da weniger Mühe sich gegen die harten Gitarrenriffs durchzusetzen. Der Name Furror Gallico geht übrigens auf Julius Caesar zurück der in De Bello Gallico den Zorn der keltischen Krieger beschrieb. Und so machte die zornige Band die 2011 ihr Debütalbum mit gleichnamigen Namen herausbrachte mit einem zornigen , leidenschaftlichen Auftritt ihrem Namen alle Ehre und sorgte vor allem bei den italienischen Besuchern für kollektives Ausrasten, was sich besonders in Mosh und Circle Pits entlud. Verständlicherweise führte dies nicht bei allen Besuchern zu Freudensprüngen, es gibt auch wirklich schöneres als völlig unerwartet von einem ausgeflippt herumspringenden Besucher mit voller Wucht fast umgenietet zu werden.

Troll Bends Fir

Band 3 ist in Deutschland erstaunlicherweise immer noch ein echt unbeschriebenes Blatt. Erst zum zweiten mal konnte man sich in Deutschland live präsentieren, die Premiere gab es 2011 beim Festival Mediaval. Und da haben sie mich mit einem grandiosen Auftritt so fasziniert, dass ich seitdem voller Spannung auf einen weiteren Liveauftritt hoffte. Und um es schon vorweg zu nehmen. Ich wurde wieder nicht enttäuscht Troll Bends Fir waren einmal mehr ein Ereignis und absolut sehenswert. Allerdings mit 2 sichtbaren Veränderungen im Vergleich zu Selb. So hat man eine neue Geigerin mitgebracht, die den Sound nochmals belebt. Die zweite betrifft Sängerin und Flötenspielerin Maria Lewandowa. Die war im Vergleich zu Selb zwar immer noch stimmlich und an der Flöte richtig toll, jedoch auch ungewöhnlich zurückhaltend agierte. Da sie außerdem körperlich ziemlich zugelegt hat liegt der Verdacht nahe, dass sie in anderen Umständen ist. Vielleicht schmeckt ihr aber auch das Bier recht gut, trinkfest scheint die Band aus St. Petersburg ja eh zu sein. Und das passt ja auch zur Russischen-Sauf-Aus-Band die mit ihrem Bier-Folk so richtig für Stimmung sorgen kann. Besonders der Obertroll Konstantin „Troll“ Rumjanzew ist mit seiner Mimik und Gestik einmal mehr ein Ereignis. St Petersburg ist musikalisch vor allem durch gute Ska-Bands ein Begriff , davon hebt sich die Musik der Trolle jedoch deutlich ab, genauso wie vom Viking Metall, den man unter Kostya Troll früher gemacht hat. Stimmung, gute Laune verbreiten und fetzig abzurocken verstehen sie aber genauso wie jede Ska-Band und der Humpa-Punk-Folk-Mix geht sofort übers Ohr ins Tanzbein. Mit Titeln wie z.B. Oktoberfest passen sie trotz russischem Gesang natürlich perfekt nach Deutschland und sind trotz immer noch Geheimtip-Status eine echte Bereicherung für jedes Festival, egal ob man versteht was sie singen oder nicht. Und mit solchen Auftritten, wie beim Tanzt! sollte sich das auch schnell herumsprechen und man muss nicht wieder ewig warten, bis man die Russen mal wieder in Deutschland hören kann.

Folk Stone

So ähnlich wie mitTroll Bends Fir ging es mir mit FolkStone. Die aus dem italienischen Bergamo stammende Band wurde bereits 2005 gegründet, das erste und bisher einzige Mal hab ich sie beim Festival Mediaval erlebt und dort sind sie mir ebenfalls bleibend in Erinnerung geblieben. Als tolle Mittelalter-Rockband mit Metal-Einschlag, charismatischem leidenschaftlichem Sänger, einer guten, spielfreudigen Band und sehenswerter Bühnenshow, also all das was das Münchner Publikum von der temperamentvollen Truppe auch am Samstag geboten bekam. Obwohl es bereits 5 CDs , die letzte mit dem Titel Il Confine 2012 erschienen, gibt und man sowohl beim Wave-Gothic-Treffen wie auf diversen Festivals in Deutschland gespielt hat u.a auch beim Feuertanz, ist auch Folk Stone im Vergleich zu Schelmish, Corvus Corax, In Extremo oder Subway to Sally auch in der Szene noch nicht ganz so bekannt. Völlig zu Unrecht, die Italiener müssen sich wirklich vor keiner Mittelalterband verstecken, eingängiger und nicht ganz so rauh wie Furor Callico haben sie vom ersten Lied an das Publikum vällig im Griff und nicht nur die Italiener, für die es am Ende des Konzerts kein Halten mehr gab als sie in Flashmop-Manier die Bühne stürmten. Die Musik mit traditionellen Stücken und Eigenkompositionen aussschließlich in italienisch gesungen ist eine extrem gelungene explosive Mischung aus mittelalterlicher Marktmusik und brachialerem Folk-Metal. Alles in den Topf geworfen, einmal umgerührt und mit Schlagwerk, Dudelsäcken, Flöte , Harfe, Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug instrumentiert geht der Punk ab. FolkStone machen Spaß, gewaltig Spaß, soviel Spaß, dass nicht nur die italiensichen Fans völlig aus dem Häuschen waren und begeistert Zugaben forderten. Es klingt aber einfach auch grandios , wenn 4 Dudelsäcke, E-Gitarre und Schlagzeug und dazu ein genialer Sänger loslegen. Aber auch für gefühlvolle Momente ist im Folkstone-Programm immer Platz und mit Clara am Mikrofon hat die Band auch stimmlich Abwechslung zu bieten. Überhaupt ist die Folk Stone Musik nie eintönig oder langweilig sondern Samstag vom ersten bis zum letzten Ton ein echtes Festival-Highlight.

Vroudenspil

Gerdazu perfekt war dann das nun folgende Kontrastprogramm der Band Vroudenspil, wie bereits erwähnt eine Band die untrennbar mit dem Tanzt! verbunden ist. Musikalisch höchst abwechslungsreich und wesentlich ruhiger gab es nun Piratenrock auf die Ohren. Und da durfte dann auch kräftig mitgesungen und geschunkelt werden. Seit dem Sieg beim Nachwuchswettbewerb beim Festival Mediaval, beobachte ich die Entwicklung der Band mit großem Interesse. Schon damals konnten sie das Publikum völlig in ihren Bann ziehen , doch seitdem hat sich die Band eindeutig qualitativ noch weiterentwickelt. Die Spielfreude haben sie sich bewahrt, das Programm ist dafür aber musikalisch noch deutlich vielseitiger geworden , die Band routinierter und es macht noch viel mehr Spaß einen Vroudenspil-Auftritt zuzuhören. Und auch wenn die Band bereits 5 Besetzungswechsel in 5 Jahren Bandgeschichte hinter sich hat, so konnten die Vroudenspil nicht wirklich schaden. Sicher auch , weil die Bandprägenden Gesichter wie „Sänger Ratz von der Planke“, die bildhübsche „Phyra“ an den Flöten und „Freibeuter Petz“ am Dudelsack zum Glück noch dabei geblieben sind. Mit dem „Seewolf“ hat man einen guten neuen Akkordeonspieler gefunden, der auch noch die Show sehr positiv unterstützt und „4-Finger-Jane“ am Bass fügt sich nicht nur nahtlos ein, sondern besticht mit viel Temperament und Spielfreude. „Dax vom Berg“ an Dudelsack und Schalmei sowie „Der Kraken“ am Schlagzeug und fertig ist die muntere Piratenmeute, die das Backstage zum toben brachte. Kein Wunder ,dass die Veranstalter die Band gerne buchen, bekommt man dafür doch einen tollen Live-Act und so haben Vroudenspil nicht nur inzwischen bei fast allen renomierten Festivals gespielt wie WGT , Feuertanz, dem MPS (Mittelalterlich Phantasie Spectaculum) , Festival Mediaval und Schlosshof-Festival und inzwischen auch in den Niederlanden beim Elf Fantasy und in Italien musikalische Spuren hinterlassen. Im April 2013 gibt’s das neue Album und dann dürfte die Erfolgsstory Vroudenspil sich ungebremst fortschreiben lassen. Einen Ausblick darauf gabs schon einmal beim Tanzt! als man 2 neue Stücke vorstellte. Diese krönen einen furiosen Autritt einer Band , die es nicht nur musikalisch, sondern auch immer optisch zu überzeugen versteht.

Zwar hat man mit Elmsfeuer eine weitere herausragende Piratenmeute im Nacken, aber 2 richtige tolle Piratenbands verträgt der deutsche Musikmarkt locker und beide gemeinsam bei einen Festival wär sicher auch ein unvergessliches Highlight.

Zwar hing man inzwischen kräftig im Zeitplan , trotzdem wollte man Vroudenspil nicht von der Bühne lassen so dass natürlich auch die Piratenmeute eine Zugabe spielen durfte. Danach begann wieder das große Gewusel auf der Bühne, der Umbau für Ignis Fatuu musste wie alle zuvor auch möglichst schnell klappen. Und hier ein echtes Lob an die Technik. Es ging wirklich erstaunlich schnell und ohne nennenswerte Probleme über die Bühne und der Sound stimmte bei allen Bands, man machte also einen klasse Job auch wenn Umbauzeiten nach Plan im Formel Eins Tempo nicht zu schaffen waren.

Ignis Fatuu

Der letzte Auftritt des Festivals und damit die Headliner-Position gehörte der 2004 gegründeten Mittelalter-Rockformation Ignis Fatuu aus Nürnberg. Ein Auftritt der mit viel Wehmut verbunden war. Nicht nur weil nach dem Auftritt das Ende eines tollen Festivals gekommen war, sondern noch viel mehr weil Abschied nehmen angesagt war. Zum Glück nicht von Ignis Fatuu, die machen weiter, sondern von Sänger Alexander Trappe, der nach 7 Jahren Ignis Fatuu aufhört und zwar „Freunde, wenn es am schönsten ist“, wie er dem wenig darüber begeisterten Publikum mitteilte. Doch Taschentücher rausholen war nicht angesagt, dafür sorgen die Lieder für zuviel Stimmung. Trotzdem ist es immer schwierig einen Sänger zu ersetzen und da Alex nicht nur stimmlich sondern auch mit seinen Geschichten und Anmoderationen die Auftritte von Ignis Fatuu entscheidend prägt wird es sicher kein leichtes Unterfangen ihn adäquat zu ersetzen dachten sich sicher viele im Publikum. Die Lösung präsentierte die Band dann selbst. Denn man hatte den neuen Sänger einfach gleich mitgebracht und anmoderiert von Alex durfte er auch gleich das Mikrofon übernehmen und Überraschung Überaschung auch gleich noch 2 ganz neue Songs vom im nächsten Jahr erscheinenden Album präsentieren. Sein Name kurz P.G. wie sich Andreas nennt. Früher Sänger bei Merlons Lichter hat er nach einer Bühnenpause von einigen Jahren wieder Lust auf Live-Music und ist bei Ignis Fatuu eingestiegen. Sicher sehr zur Freude von Peter, Irene, Alex, Volker und Robert. Die Band wird es also auch weiterhin geben und der Kurzauftritt zeigt schon deutlich wohin die Reise geht. Denn die beiden unterscheiden sich doch ziemlich voneinander, sowohl stimmlich, wie auch in der Bühnenperformance. Charisma hat er ohne Frage, singen kann er auch , das wurde überdeutlich und vor Leidenschaft und Energie sprüht er auch. Er hat also alle Voraussetzungen um ein erfolgreicher Frontmann einer Band zu werden, die es versteht gute Songs zu schreiben, wie zum Beispiel Nordwind, auch wenn der eine oder andere Ignis Fatuu-Fan da so seine Zweifel zu haben schien. Die legten sich auch nicht, als er mit Band zum Abschluss noch einen alten Song mit neuer Stimme präsentierte, richtig Stimmung im Publikum wollte zum Abschluss einfach nicht mehr aufkommen. Vielleicht auch den kleinen Pannen geschuldet die mit dem Auftritt von Ignis Fatuu verbunden waren, angefangen beim Sound bis zum Mikrofon, dass sich einfach nicht vom Ständer lösen lassen wollte.

Mir persönlich hat der Kurzauftritt von P.G durchaus gefallen und hat viel Lust auf mehr gemacht. Vor allem das stimmliche Zusammenspiel mit Irene Gawlik konnte mich voll überzeugen, der ich eh sehr gerne zuhöre und beim musizieren zusehe. Sie kam bei beiden Songs viel besser zur Geltung und das tut dem Ignis Fatuu Sound wirklich gut. Man braucht also um die Bandzukunft wirklich keine Angst haben, es wird etwas anders klingen aber ganz ehrlich, wer braucht eine Kopie die es eh nicht geben wird. Also Leute, wieder ab ins Studio und feste Songs schreiben, damit die Platte bald erscheinen kann. Gespannt genug darauf bin ich und sicher viele andere auch schon jetzt, die beiden neuen Songs sind jedenfalls schon sehr vielversprechend und machen gewaltig Lust auf mehr. Eins würde ich mir von der Band aber trotzdem wünschen, einmal über eine einheitlichere Optik nachzudenken. Ich weiß nicht ob es wirklich so prickelnd ist vom „AC/DC Gitarristen“ bis zur „Mittelaltermaid“ alles was ein Kleiderschrank so hergibt auf der Bühne zu sehen.

Vielleicht gibt’s das „Mehr“ von Ignis Fatuu dann beim nächsten Tanzt! Denn wie schon erwähnt wurde mit der Stimme aus dem Off Auflage Nummer 7 am 23.11.2013 angekündigt, und damit ging das Festival seinem Ende entgegen. Also Termin schon mal dick anstreichen, jede Wette, dass das extrem familiäre Festival auch 2013 ein tolles Lineup aufweisen kann, ganz viel für wenig Geld bieten wird und mich würde (sicher abhängig vom Lineup) nicht wundern wenn trotz größter Backstage-Halle auch schon Tage vorher „leider ausverkauft“ zu lesen ist. Deshalb unsere Weihnachstgeschenk-Idee für Mittelalterfans: Eine Karte für das Festival Mediaval im September und dann, um dann gut durch die Winterdepri zu kommen, eine Karte für die 7. Auflage von Tanzt!

Wer einige Worte zu den Real Motherfolkers vermisst oder zu dem Drumherum mit Markständen dem muss ich enttäuschen, das hab ich nicht mitbekommen zu sehr war ich mit dem was sich auf der Hauptbühne tut beschäftigt.

Peter Heppner+Solar Fake Tour-Konzert in Nürnberg

Es gibt Konzerte die bieten einen echten Mehrwert, nämlich dann, wenn die Vorgruppe selbst einen Besuch lohnt oder die noch unbekannte Band sich als echter Glücksgriff entpuppt. Einen solchen Mehrwert gab es auch beim Peter Heppner-Konzert mit dem Auftritt von Solar Fake, ein weiteres Projekt des Zeraphine Sängers Sven Friedrich, den ich leider bis heute noch nicht live gesehen habe , aber schon immer einmal sehen wollte, vor allem natürlich mit Zeraphine. Immerhin hatte ich nun wenigstens Gelegenheit ihn einmal mit Solar Fake, das konsequent elekotronisch gehaltenere Gegenstück zu Zeraphine live singen zu hören. Zusammen mit Keyboarder Frank Arnold hat er gerade einmal 30 Minuten Zeit sich dem Publikum vorzustellen. Das ist eigentlich dann doch einfach zu kurz. Schade dass man einen Sänger der deutliche musikalische Spuren in der Gothic und Darkwave Szene hinterlassen hat, egal was er bisher auch anpackte, sei es mit den Dreadful Shadows, Solar Fake oder Zeraphine, nicht wenigstens noch 15 Minuten gegönnt hat. Immerhin haben die 30 Minuten gereicht um zumindest einschätzen zu können, dass Sven Freidrich nicht zu unrecht einen guten Ruf als großartigen Sänger und charismatischen Frontmann genießt. Allerdings kommt die Stimme bei Zeraphine sicher noch besser zur Geltung als bei den zwar durchaus melodischen Futurepop-Songs mit EBM und Industrial-Einflüssen von Solar Fake. Neben den Eigenkompositionen bleibt bei der kurzen Auftrittszeit trotzdem zumindest auch Zeit für eine Coverversion, die wohl jeder im Saal als Ohrwurm bestens kannte. Das verbietet sich zwar, wie Friedrich grinsend erzählt, aber das ist uns egal und schon gings los. Und da die Welt ja bald untergeht und Geld somit keine große Rolle mehr spielt gibts von Solar Fake am Merchandise nach dem Konzert als Geschenk einen kostenlosen Song. Ein netter Zug der beiden symphatischen Musiker, die sich natürlich auch nicht zu schade waren nach dem Konzert und nach dem Heppner-Auftritt Autogramme zu schreiben , für Fotos mit Besuchern zur Verfügung zu stehen oder einfach etwas mit dem Publikum zu plauschen. Und auch wenn Solar Fake im Vergleich zur Heppner-Musik schon sehr unterschiedlich klingen, so ist vielleicht trotzdem der eine oder andere , der von Sven Friedrich noch nie etwas gehört hat, neugierig auf das musikalische Schaffen eines der kreativsten Köpfe der Gothicszene geworden. Wer sie wieder live sehen will hat im nächsten Jahr genug Gelegenheit. Sie werden die Project-Pitchfork-Tour supporten , dann hoffentlich mit längerer Auftrittszeit, und auch ein Auftritt beim Amphi-Festival ist inzwischen bestätigt. Und es wäre auch nicht verwunderlich, wenn wie 2012, wo man u.a auch in Moskau und England spielte, Auftritte im Ausland dazukommen. Nach Kalifornien wird es die Band allerdings nicht verschlagen und so wird meine Konzertnachbarin aus den USA wohl wieder nach Deutschland kommen müssen um sie zu hören. So wie für die Peter Heppner Tour, für die sie sich extra ins Flugzeug setzte um ihn einmal live erleben zu können. Und das nicht nur einmal, gleich alle Konzerte der Tour hat sie besucht und so ganz nebenbei sich auch noch etwas Deutschland angeschaut, wie sie mir nach dem Konzert erzählte. Überhaupt scheint Peter Heppner nicht nur in den USA Fans zu besitzen. So stand neben mir eine junge Dame aus Brasilien, die ihr ganz privates Glück indirekt auch ihm zu verdanken hat. Denn auf der Suche nach jemand , der ihr die Deutschen Texte übersetzten kann, damit sie sie in Brasilien verstehen kann, hat sie Dank Facebook jemand gefunden. Und daraus wurde Liebe und letztes Monat hat man dann in Nürnberg geheiratet und somit ist für die beiden das Konzert sicher ein ganz persönliches Highlight. Das ist es aber sicher auch für die anderen Zuhörer im gut besuchten Hirsch. Denn neben der außergewöhnlichen Stimme Peter Heppners mit hohem Wiedererkennungswert ist es ein perfekter Ton und eine sehenswerte Lichtshow die das Konzert zusätzlich zu einem Genuß werden lassen. Wenn man es schafft, dass bei einem Live-Konzert der Sänger bestens zu verstehen ist, die Musik genau die richtige Lautstärke hat und man auf Ohrstüpsel verzichten kann, dann hat ein Tontechniker einen klasse Job gemacht und das muss man ihm ebenso wie dem Lichttechniker hoch anrechnen. Kein Wunder dass sie am Ende des Konzertes namentlich von Peter Heppner erwähnt wurden. Das haben sich die 2 auch wahrlich verdient. Genauso die Band mit Lothar Manteuffel, Dirk Riegner an den Keyboards Gitarrist Carsten Klatte und Drummer Achim Färber, die sich wohltuend zurücknimmt und den zweifachen Echo-Preisträger mit einer der herausragensten Stimme eines deutschen Sängers auch den Raum zu geben den er verdient. Und den nützt er auch großartig aus, das Programm ist ein Best of Heppner und zeigt auf beeindruckende Weise welch großartige Songs mit seiner Mitwirkung entstanden sind. Denn neben den eigenen Songs hat er auch die beiden großartigen Schiller-Songs Dream of You und Leben.. I feel you im Programm, eine Zusammenarbeit die bei so großartigen Songs nach einer Fortsetzung geradezu schreit. Auch das mit DJ Paul Van Dyk entstandene Wir sind wir und den Witt Kracher Die Flut im zweiten Zugabeblock gabs live unter großem Publikumsjubel zu hören. Und auch Wolfsheim Songs wie das wunderschöne Kein Zurück standen im Programm. Naürlich auch Songs von der neuen, im April 2012 erscheinenen, sehr hörenswerten CD „My Heart of Stone“, nach dem man auch die Tour benannt hatte und die mit dem Auftritt in Nürnberg ihr Ende fßr 2012 fand. Es war ein Ausflug in „Meine Welt“ auf die man sich sehr gerne einließ und dies sicher sehr gerne wieder. Wünsche blieben eigentlich fast keine offen, einzig der einmalig schöne „Glasgarten Song“ der 2001 zusammen mit Goethes Erben entstanden ist, wäre noch ein Traum gewesen.

Aber auch so war das Konzert wirklich großartig, dies konnte man auch an den Augen vieler Besucher ablesen, die strahlend und funkelnd den melancholischen Songs Peter Heppners lauschten und vor sich hin träumten, wenn sie nicht gerade mit dem fotografieren beschäftigt waren. Denn Dank den neuen Smartphones mit zum Teil wirklich erstaunlich guter Bildqualität wurde viel fotografiert an diesem denkwürdigen Konzertabend. Und wer dann noch etwas Platz auf der Speicherkarte hatte, konnte nach dem Konzert auch noch ein Foto mit Peter Heppner erhaschen , der frei jeglicher Starallüren wie selbstverständlich den Merchandise Stand besuchte. Ein großartiges Konzert eines Ausnahmesängers mit Ausnahmeorgan, seine Stimme. Möge er uns noch ganz viele so schöne Lieder schenken wie die an diesem Abend , eingeschlossen dem Dream of Christmas mit denen das Konzert nach 2 Zugabeblöcken beendet wurde. Chapeau!

Carolin und Bernd Sonntag

Omnia Theater Tour 2012

„Ein pures intensives Musikerlebnis. Eine Reise in eine andere Welt.“, verspricht der Flyer von Omnias „Musick and Poetree“ Theater Tour 2012. Und das Theater in Hengelo ist wie eine andere Welt. Ungewohnt ist es bei einem Omnia-Konzert auf einem bequemen Sessel zu sitzen und dabei die ganze Bühne überblicken zu können.

Ohne großes Aufsehen oder Intro betreten Omnia die Bühne und fangen mit „Bran“ an. Schon nach den ersten Tönen verzaubern das Publikum und die intime Atmosphäre tut den Rest. Man ist von der Musik überwältigt, träumt sich in eine andere Welt. Ruhige, alte Stücke, die in der Festival-Show fehl am Platz wären, stehen im Mittelpunkt der Konzertes. Bran, Old Man Tree, Cernunnos, Moon und The Raven von Edgar Allan Poe entführen in eine andere, faszinierende Welt. Und man sieht es Omnia an, dass diese Stücke mehr für sie sind, als nur Musik.

In Kontrast dazu stehen die schnellen Lieder, wie Niiv, Witche’s Brew, Noodle The Poodle, Saltatio und Fee Ra Huri, die es einem wirklich schwer machen ruhig auf seinem Sessel sitzen zu bleiben. Anfangs traut sich niemand so Recht mitzuklatschen, was wohl an der Atmosphäre des Theaters liegt. Erst nachdem Steve das Publikum auffordert nach den Liedern länger zu klatschen, damit er Zeit hat Luft zu holen, taut das Publikum auf und geht mit der Musik mit.

Wie in Theatern üblich, gibt es nach der Hälfte der Zeit eine kurze Pause. Steves Vorschlag, um die Zeit zu überbrücken ist, den Hintern des Nachbarn zu massieren, damit das Blut in den Beinen wieder zirkulieren kann. Das Publikum geht dann doch lieber an der Bar etwas trinken oder schaut am Merch-Stand vorbei.

Oder man schaut sich Omnias Instrumente genau an. Sie haben viele mit dabei, die sie nicht auf die Festivalbühnen mitnehmen. Dulcimer, Davul, Darabuka, Harmonium und Zimbeln geben der Musik einen ganz anderen Klang.

Die zweite Hälfte beginnt mit dem ruhigen Stück „Moon“, die Lieder sind aber insgesamt lauter und schneller, was einige dazu bringt neben der Bühne zu Tanzen. Besonders die beiden Soli von Rob am Schlagzeug und Daphyd am Didgeridoo sind sehr eindrucksvoll. Man merkt, dass Omnia sich im Theater wohl fühlen. Steve redet viel und bringt das Publikum zum Lachen und auch Jenny kann während seiner Ansagen ein Lachen nicht unterdrücken.

Trotzdem haben Omnia schon immer eine Botschaft gehabt, die auch dieses Mal überzeugend und ernst erzählt wird. Die Natur zu bewahren, die Welt vor der Zerstörung zu schützen, die geldgierige Gesellschaft zu ignorieren und so zu leben, wie es einem gefällt, ohne auf das Gerede der anderen zu achten.

Omnia überzeugen mit ihrer Musik und mit ihrer Einstellung, sodass es am Ende Standing Ovations von einem sehr gemischten Publikum gab, in dem von der Rentnerin bis zum Gothic alles dabei war. Ein wirklich schöner Abend, der faszinierend und magisch, ruhig und mitreißend, aber auch zum Lachen und Nachdenken war. Wer eine andere Seite von Omnia kennenlernen möchte, der sollte sich die Theaterkonzerte nicht entgehen lassen.

www.worldofomnia.com

Die Kammer Releasekonzert in Leipzig am 30.11.2012

Mit John Grishams Roman „Die Kammer“ hat die gleichnamige Musikband zwar wenig zu tun, trotzdem war es mindestens genauso spannend zu beobachten was aus dem Projekt von Marcus (Max) Testory und Matthias (Matze) Ambre entstehen würde seit man im letzten Jahr eine gemeinsame Zusammenarbeit bekannt gegeben hatte. Der L`Orchestre De Chambre Noir (kurz Chamber) -Bandchef und der langjährige Gitarrist und Produzent von ASP, die sich ja auch aus gemeinsamer ASP-Zeit bestens kennen, zusammen in einer Band, das konnte ja nur gut werden. Mittels Youtube-Videos wird die Entstehungsphase der Band dokumentiert und mit dem Auftritt beim WGT 2012 hat man sich dann fast in einer Nacht und Nebelaktion unter großer Publikumsbegeisterung erstmals live vorgestellt. Man blieb den Besuchern damals genauso nachhaltig in Erinnerung, wie all jenen , die die Single „Welcome to the Orphenage“ erstmals gehört oder das von Ingo Römling hergestellte Scherenschnitt-Animations-Video dazu gesehen hatten und spätestens da war wohl auch dem letzten „Dark Music Liebhaber klar, dass da was ganz Großes entstehen wird. Inzwischen gibt’s auch die erste CD mit dem Titel Season I: The Seeming and the Real und was liegt da näher als mit Release-Konzerten die Musik dem Publikum live vorzustellen. Als erstes kamen die Kölner in den Genuss und heute waren die Leipziger dran und durften lauschen was die 2 Musiker ausgetüftelt haben. Dafür hat man mit der Moritzbastei die perfekte Location gefunden. Als sich die schweren Holztüren zum Saal öffneten, fühlte man sich etwas an das Video zurückerinnert.Es lag eine echte Spannung in der Luft, als um kurz nach 20 Uhr Die Kammer das Konzert eröffneten. Eine Spannung die sich auch auf die Musiker übertrug, wirkten sie beim Interview um 18.30 noch extrem entspannt und gelöst, so gab Max Testory seine Nervosität bereits in der ersten Ansage ans Publikum ganz offen auch zu.

Einen heimeligen Ort wollte man sich mit der Kammer schaffen und gemeinsam ehrliche Musik in bewährter Singer-Songwriter Tradition abliefern ist auf der Bandhomepage zu lesen, das hat man fraglos geschafft. Wie auch auf der CD ging es mit der Single The Orphenage los und das ist vielleicht der einzige Schwachpunkt des Abends und auch der CD. Mit seiner wunderschönen Melodie und dem eindrucksvollen tiefen Gesang Testorys hat man es geschafft ein melancholische Ballade zu schreiben in einer Qualität wie z.B. Nick Caves „where the wild roses grow“. Ein Song für die Ewigkeit, einen den man einmal gehört einfach nie mehr vergisst, der nicht mehr aus dem Ohr raus will, an dem man sich nicht satt hören kann und den man auch nach 100-fachen Hören immer wieder toll finden wird. Eine Qualität, die die anderen Songs so nicht aufweisen, aber es wäre auch vermessen dies zu erwarten. Man tut echt gut daran, am Ende das Konzerts den Song nochmals anzustimmen , das beste gabs also am Anfang und Ende zu Gehör. Dazwischen gabs dann den Rest der CD und der ist wahrlich ebenfalls ein Genuss, so wie z.B. das geringfühig schnellere Fate/Illusion gleich im Anschluss oder The Seeming and the Real das dem Album den Namen gab. Nicht nur in diesem Song geht es um Schein und Sein im Leben und es ist für Ambre und Testory ein leichtes die melancholische Stimmung der CD in den Saal zu zaubern. Unterstützt werden sie dabei von einer bestens harmonierenden Band mit Oliver Himmighoffen, ein alter ASP-Weggefährte an den Drums, Dirk Klinkhammer an der Tuba, Aline Deinert , die auch bei Haggard und Empyrium Geige spielt und Filmkomponist Matthias Raue an der Violine sowie Tabea Müller am Cello, die Max in der S-Bahn aufgelesen hat und die nun als festes Kammermitglied mit auf Tour unterwegs ist. Neben den ganzen eigenen Song gibt es aber auch noch einen kleinen Einblick , welche musikalischen Vorbilder die 2 so haben und schon erklingt Max Testory -Cash und der Song Hurt.
Man muss echt dankbar sein, dass die 2 den Mut aufgebracht haben alles bisherige über Bord zu werfen und nochmals ganz von vorne anzufangen , genug Wirbel und Ärger hat die Zusammenarbeit im Vorfeld ja eh verursacht und es ist wirklich jammerschade dass daran die Freundschaft zu ASP zerbrochen ist.
Aber vielleicht heilt auch hier die Zeit die Wunden, wie oft im Leben und was gibt es schöneres für den Musikliebhaber als mit ASP und der Kammer 2 so tolle Bands zu haben. Auf alle Fälle merkte man den beiden an, welchen Spaß es ihnen bereitete andiesem Abend in Leipzig aufzuspielen und dass sie nicht nur geniale Musiker sind, sondern es auch noch bestens verstehen ein Publikum zu unterhalten und in ihren Bann zu ziehen, konnten sie ebenfalls unter Beweis stellen. Es schadet nämlich gar nichts , dass zwischen den Songs in Moll auch mal herzhaft gelacht wird und schwer fällt das vor allem den lustigen
Österreicher mit Bart und Fleischbadekappe , dem der Schalk im Nacken sitzt überhaupt nicht, auch wenn er mit seinem Tattoo auf dem Kopf und seinem beim Singen manchmal etwas grimmigen Gesichtsausdruck einen anderen Eindruck vermittelt. Da haben sich 2 gefunden, die Kammer hat die Tür ganz weit aufgestoßen mit Album Nummer 1 und man kann sicher sein, dass noch ganz ganz viel von dem tollen Projekt zu erwarten ist. Bis es aber mit Album Nummer 2 weiter geht, gilt es das erste Album dem Publikum vorzustellen und dazu ist man gerade am Verhandeln wegen weiterer Konzerttermine. Mehr dazu sobald bekannt auf www.jarwinbenadar.de und allen die die Kammer noch nicht live gehört haben und die an dieser Art Musik gefallen finden ist der Besuch eines Konzertes sehr zu empfehlen.
Aber vorsicht, man wird die Musik und die Ausnahmestimme von Testory im Gedächtnis behalten und einen Ohrwurm bekommt man gratis zusätzlich mitgeliefert.Übrigens gibts auf www.jarwinbenadar.de auch noch ein ein Interview mit den beiden.
Und nun gibts die Kammer noch in Bildern zum Lust machen auf ein Live-Konzert.

Es lohnt sich!
Carolin und Bernd Sonntag

Schelmish

Interview mit Dextro (und Picus) von Schelmish am 09.11.2012 in der Kufa, Krefeld

Hermann : Wie seid Ihr eigentlich auf dieses Projekt gekommen, erzählt doch mal ein bisschen?

Dextro: Welches Projekt?

Hermann: Das Ihr jetzt durchzieht!

Dextro: Es gibt kein Projekt, das ist eine Tour. Wir hatten eigentlich vor, ein Projekt zu machen, aber dann ist es nicht dazu gekommen und jetzt ist es im Endeffekt eine gleichberechtigte Tour. Das heißt Saor Patrol spielt ihre Stücke, Schelmish spielt ihre Abschlussstücke, denn Schelmish gibt es zum Ende des Jahres ja nicht mehr und vielleicht spielen wir zum Schluss ein paar Stücke zusammen.
Das mit dem Projekt, welches wir geplant hatten, fing eigentlich auch ganz gut an, muss man sagen. Doch dann stellte man fest, dass alle keine Zeit hatten, Saor Patrol waren extrem viel unterwegs dieses Jahr. Wir waren weniger unterwegs, weil wir dringend eine Auszeit brauchten und haben an Stücken für den eventuellen Nachfolger von Schelmish geschrieben. Und so ist aus dem Projekt nichts geworden. Nun ist es eben nicht mehr Torag???, sondern die Torag, die gemeinsame Tour von Saor Patrol und Schelmish und vielleicht spielen wir zwei, drei Stücke zusammen, müssen wir mal schauen.
Wir haben angefangen, gemeinsam zu proben, doch bald gemerkt, dass die Zeit einfach nicht ausreicht. Saor Patrol waren viel mit dem MPS unterwegs das Jahr über und daher schon ziemlich fertig, da es arg schlaucht, jedes Wochenende zu fliegen, dazwischen noch nach Amerika und dies und das und jenes. Die gute Planung zu Anfang war gemacht, aber wir mussten bald feststellen, dass es einfach nicht möglich ist.

Hermann: Schade, denn ich kann mich erinnern, dass Ihr vor zwei oder drei Jahren schon darüber nachgedacht hattet, ein solches Projekt zu starten.

Dextro: Ja, wir haben darüber nachgedacht, waren auch auf einem richtigen Weg, aber dann hat es, wie das Leben eben so spielt, nicht hingehauen.
Nun ist das natürlich kein Beinbruch und am Ende wird es eine schöne gemeinsame Tour. Wir können den Jungs von Saor Patrol noch ein paar schöne deutsche Clubs zeigen, und das ist gut. Diese Woche machen die Jungs den Support für uns, nächste Woche tun wir dies für sie. So gibt es keinen „richtigen“ Headliner, sondern wir spielen gleichberechtigte Konzerte. Das finden wir auch in Ordnung. Klar, das mit dem eigentlichen Projekt ist schade, aber es klappt eben nicht immer alles im Leben.

Hermann: Habt Ihr irgendwelche Erwartungen an diese Tour?

Dextro: Ich habe die Erwartung an die Band, dass wir gut spielen und einen guten und würdigen Abschluss für Schelmish auf die Kappe kriegen. Ich glaube, das wird uns auch gelingen, denn die Laune bei uns ist auf jeden Fall Schweinegut. Wir haben letzte Woche ja schon den Auftakt in Lübeck gemacht, allerdings allein. Das gehörte noch nicht zur eigentlichen Tour. Das war ein richtig gutes Konzert, ein langes Konzert. Es hat den Zuschauern Spaß gemacht und uns Spaß gemacht. Wir wollen wirklich einen richtig guten Abschluss für das Projekt Schelmish, wollen das die Leute sagen können, sie sind mit Schelmish fertig geworden oder haben mit Schelmish auf einem guten und hohen Niveau aufgehört.

Picus: Es geht auch darum, dass die Mittelalter-Fans noch mal auf ihre Kosten kommen. In Bonn spielen wir ja gemischt, also nicht komplett Mittelalter, wie die anderen Konzerte auf dieser Tour.

Hermann: Was ich auf jeden Fall gehört habe ist, dass sich viele Fans angesagt haben.

Dextro: Wir hoffen, dass die Lokationen voll werden. So können wir allen auch noch mal Tschüß sagen, denn wir werden sie ja nicht alle auf einem Konzert sehen. Und das ist auch okay so. Ich will einfach nur gute Mucke machen und dabei viel Spaß haben. Ohne Druck und ohne Zwang. Und ich glaube, das gilt für alle, die an der Tour teilnehmen.
Was danach kommt, müssen wir halt sehen. Die Formation, die es jetzt bei Schelmish gibt, wird sicherlich nicht einfach ad acta gelegt, sondern wir werden ein anderes Projekt anfangen und natürlich rechtzeitig bekannt geben, ob wir das jetzt machen oder nicht. Genug Ideen sind vorhanden. Und Spaß ist ebenfalls da, auch untereinander.

Picus: Wir werden ja auch oft gefragt, ob wir im Streit auseinander gehen. Das ist völliger Quatsch. Es hat absolut nichts mit persönlichen Sachen zu tun. Wir sind nach wie vor eng befreundet, es gab keinen Streit oder Diskussionen und keine Unstimmigkeiten. Das hat ganz andere Gründe, die nicht in der Besetzung zu suchen sind.

Dextro: Zu den Gründen werde ich sicher nach dem Konzert in Bonn einiges sagen, zumindest meine Gründe offen legen, warum das so ist und das Projekt Schelmish beerdigt werden muss. Wir hatten eine schöne Zeit, haben mit Schelmish viel erreicht, haben viel Spaß gehabt und werden auch danach noch viel Spaß haben -obwohl, den Picus würde ich schon ganz gerne erschlagen.

Picus: Tja, was soll ich dazu sagen…

Allgemeines Gelächter

Hermann: Das lassen wir dann mal so stehen – vielen Dank an Euch!

Dextro: Wie, war’s das schon mit dem Interview? Wie unprofessionell is’n das?

to be continued…

Letzte Instanz – Matrix Bochum 11.10.2012

Letzte Instanz – Ewig-Tour, Matrix, Bochum – 11.10.2012

Das neue Album der Letzten Instanz ist da!
„Ewig“.
Das letzte Kapitel der Trilogie wird nach „Schuldig“ und „Heilig“ aufgeschlagen.Die dazu gehörige Tour 2012 startete in Köln und setzt sich in der Matrix als zweiten Austragungsort fort. Support auf ihrem Weg sind dieses Mal „Lord of the Lost“ aus Hamburg. Nach vierzig Minuten wilder Show der Vorband, betreten nach einer kurzen Unterbrechung die Herren Auch Sachsen, Bayern und Berlin die Bühne.

„Jeder Schuldige hat eine Zukunft. Jeder Heilige hat eine Vergangenheit. Und das wir ewig so sein.“Mit diesem pathetischem Zitat beginnt das jüngste Album und ebenso auch die aktuelle Tour. Die Matrix , wie eh und je gut gefüllt, war von der ersten Minute Auge und Ohr für die neuen Stücke. „Ewig“, „Nur für uns“, „Blind“ – so beginnt der Abend.
Auch alte und viel geliebte Stücke, wie „Unerreicht“, „Ohne dich“, „Der Garten“, „Flucht ins Glück“ und mein persönliches Lieblingsstück „Kopfkino“ (zugegebenermaßen aus einer sehr weit entfernten Ära) fehlen nicht.

Alles in allem schafft es die Letzte Instanz einmal mehr, die Angereisten zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen.Das größte Hit-Potential hat auf dem aktuellen Album wohl „Von Anfang an“, zu dem es bereits auch ein Musikvideo gibt und welches dargebracht natürlich auch auf dieser Tour nicht fehlt.

Hollys schöne und ausdrucksstarke Stimme begeistert von der ersten Minute und schwächelt auch am Schluss nicht.Alles in allem dominiert musikalisch das aktuelle Album den Abend. Beinahe jedes Stück der Scheibe wird in den zwei Stunden gespielt und vom Publikum sehr gut angenommen und sogar stimmlich wiedergegeben.

Die Matrix heizt sch immer mehr auf, was nicht nur an der schlechten Abluft liegt. Leider ist nach wie vor der Sound in dem kleinen Kellergewölbe nicht der allerbeste, aber man kann leider nicht alles haben.

Als Lokation ist das Gemäuer immer noch eines der Besten mit seinem Zwielicht und den schönen runden Bögen. Noch schöner wäre es nun noch, wenn man endlich wirklich durchsetzen künnte, das, in dem ohnehin schon stickigem Raum, das Rauchen auch tatsächlich komplett eingestellt werden könnte. Leider hält sich so gut wie keiner an das Rauchverbot direkt vor der Bühne und die ohnehin schon schlechte Luft, wird dadurch nicht besser.

Ein Konzert der Letzten Instanz ist auch nach inzwischen 11 Alben nicht langweilig und immer wieder eine Reise wert. Auch wenn das Album „Ewig“ sehr viel rocklastiger als die letzten beiden erscheinen, ist die visuelle Umsetzung sehr gelungen und macht Lust auf viel mehr!

KvK

Elfenthal akustisch in Lichtenberg

Primär ist es sicher das Ziel eines Musikers mit seiner Musik nicht nur Gehör zu finden, sondern im Idealfall davon leben zu können. Wenn es dann noch für einen Charterfolg langt umso schöner. Davon ist Elfenthal mit seiner Musik sicher weit entfernt. Und zwar nicht weil sie schlecht ist, ganz im Gegenteil. Sie ist nur sehr speziell und vermutlich alles andere als Chartstauglich. Und gerade ein junges Publikum damit zu begeistern wohl ein aussichtsloses Unterfangen. Oder doch nicht? Es kommt ganz drauf an, ob man sie akustisch oder in voller Rockbandbesetzung erlebt. Das sind 2 völlig verschiedene Gruppen, so verschieden wie vielleicht Rammstein und Philipp Poisel wenn man das ganze plastisch im Pop-Rockbereich verdeutlichen will. Bei den Burgfreunden Lichtenberg, ein rühriger Verein der sich dem Erhalt der Burgruine verschrieben hat und durch sein Burgfest immer bekannter wird, gab es die akustische Variante zu hören.

Elfenthal The Early Music Ensemble, die ruhige Seite von John Kelly und Maite Itoiz (Achtung nicht Kelly-also nicht die Tanzmaus der Kelly Family) und Begleitung sind gekommen um dem Publikum die Musik des Mittelalters auf historischen Instrumenten gespielt näher zu bringen. genauer gesagt Musik der Renaissance, des Barock vom Hofe Alfonsos des Zehnten von Kastilien, Musik von Hildegard von Bingen von Claudio Monteverdi oder von Bach.

Mit hohem, historischem Anspruch nachgespielt und doch mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit, die John Kelly und seine vier Frauen in die Songs einfließen lassen. Viola de Gamba, Flöten, eine sparsam eingesetzte Trommel, Nickelharpa, Harfe, mittelalterliche Gitarren und diverse andere Instrumente unterstützen dabei, und doch sind es vor allem die Stimmen, die den Abend bestimmen und zu einem andersartigen, aber nichts desto trotz absolut faszinierenden Konzertabend machten. Daran hatten auch das Lichtenberger Publikum einen gehörigen Anteil, das aufmerksam und mucksmäuschenstill das Konzert verfolgte. Damit machte man den großartigen Musikern das größte Geschenk und die kamen aus dem Strahlen nicht heraus. Vor allem der Engel in weiß Maite Itoiz strahlte vom einem Ohr zum anderen und fühlte sich sichtlich wohl an diesem Abend. Das mit dem Engel ist übrigens gar nicht so weit hergeholt, so stell ich mir einen weiblichen Engel vor, bildhübsch und mit einer Stimme gesegnet die nicht von dieser Welt zu kommen scheint und der man vom ersten Ton an verfällt. Genauso wie ihrem Lachen, ihrer Natürlichkeit , dem Charme und ihrer wundervollen Art Deutsch zu sprechen, der man allein stundenlang zuhören könnte. Deshalb tut man auch gut daran, dass Maite durch den Abend führt und das Publikum in die Stücke einführt. Auch wenn John Kelly ja perfekt deutsch spricht.

Es sind aber nicht nur die 2, auch die anderen Musiker sind großartig, wie die spanische Opernsängerin, die in der Stimmlage Alt im Chor mitsingt oder Jule Bauer die man sonst als Jule Sonnenklang mit Triskilian auf den Bühnen in Deutschland erleben kann.

Sie passen alle perfekt zusammen, es ist ein harmonisches Ganzes was sich da auf der Bühne um Maite herum gruppiert hat. Und dass John Kelly ebenfalls sehr gut singen kann, weiß man ja eh schon seit der Kelly Family, auch wenn alles was er musikalisch mit seiner Ehefrau Maite auf die Beine stellt, völlig anders als die Kelly-Musik von früher ist.

Und die ist es wirklich wert, dass man ihr Gehör schenkt auch wenn bis heute der Name Kelly bei manchem völlig zu unrecht negative Assoziationen auslöst.

Aber noch einmal zurück zum Auftritt, der von einer kurzen Pause unterbrochen zweigeteilt war. Wenn man John und Maite so ruhig und in der Musik versunken da sitzen sieht fällt es wirklich schwer zu glauben, dass die kleine Spanierin zusammen mit Ehemann John auch völlig anders kann, nämlich so richtig abrocken bei der Rock Oper. Wie sie mir danach verraten haben, arbeitet man derzeit an einem neuen Werk, dass die Geschichte der Blauen Elfe noch übertreffen soll. Und die ist schon sehenswert und der Burgplatz und die Ruine in Lichtenberg wären auch dafür die perfekte Kulisse.

Trotz der schweren ungewöhnlichen Kost verging der Abend irgendwie wie im Fluge und danach standen die Musiker dem Publikum Rede und Antwort und schrieben fleißig Autogramme. Michael Kaiser der im Juni mit Dunkelschön selbst in Lichtenberg aufgetreten ist und es sich zusammen mit Vanessa Istvan nicht nehmen lies die Kollegen von Elfenthal ebenfalls anzuhören, durfte sich übrigens erfolgreich an Jules Instrument erproben.

Damit haben die Burgfreunde Lichtenberg bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für ein ganz besonderes musikalisches Event gesorgt , dem hoffentlich noch ganz viele folgen mögen.

Eingeführt in den Abend als Vorband haben übrigens die 2 Damen von Lyra Musica aus Hof. Die 2 Spielweyber mittleren Alters (wie es auf ihrer Homepage so schön zu lesen steht) haben sjch ebenfalls der Bewahrung des traditionellen Mittelalterliedguts verschrieben und präsentieren auch mit allerlei Instrumentarium ihre Interpretationen. Das funktioniert trotz eines so dominanten Instruments wie dem Dudelsack erstaunlich gut. So passten beide wirklich perfekt zum Hauptact, führten gekonnt in den Abend ein und rundeten das Programm gelungen ab.

Ganz zum Schluss noch etwas anderes. Nightwish haben sich ja wieder von ihrer Sängerin verabschiedet. Nach dem Abgang von Tarja hat man ja ewig gesucht. Jetzt geht die Suche wieder los, dabei bräuchte man gar nicht suchen. Denn wenn einer stimmlich perfekt passen würde dann sicher Maite Itoiz, aber die ist bei Elfenthal bestens aufgehoben.

Bernd Sonntag

Louis Manke von Staubkind

Jarwin: Meine erste Begegnung mit Staubkind war 2006 in Hof. Ich weiß nicht ob du dich da noch dran erinnern kannst?
L.M.: Oh ja, das war das Franken- Schwarz- Festival und wir haben vergessen unsere Hotelschlüssel abzuholen, dann hatten wir nämlich kein Hotel.

Jarwin: Der Auftritt ist mir wegen dem Selig- Cover „Ohne dich“ im Gedächtnis geblieben. Gibt’s das heut auch wieder?
L.M.: ja, das gibt es heute auch wieder zu hören .

Jarwin: Seitdem hat sich aber einiges getan bei Staubkind. Und dieses Jahr war durch die Unheilig-Tour vermutlich das erfolgreichste. Wie kam die Verbindung zustande?
L.M.: Wir sind mit dem Grafen schon seit Anfang an bekannt und haben unser allererstes Konzert in Basel mit ihm gegeben. Auf der Ultimate Joice-Tour habe ich dann schon angefangen das erste Staubkind-Album zu schreiben, auf einem ganz alten Laptop. Das haben sowohl der Graf als auch Henning mitbekommen und noch ein paar Tipps gegeben. Von da an hat der Graf unsere musikalische Arbeit verfolgt und man ist sich immer wieder über den Weg gelaufen bei Festivals. Bei Traumfänger haben wir dann auch zusammen gearbeitet. Und als es beim Grafen dann immer mehr bergauf ging hat er uns auch immer wieder mit eingeladen. Dann haben wir die Unheilig und Friends Tour im Jahr 2009 mitgemacht. Wir waren da seit langer Zeit wieder auf einer so großen Bühne gestanden. 2011 kam dann der Anruf, dass in Heilbronn auf seiner „Heimreise-Tour“ eine Vorband ausgefallen ist. Mittwoch rief das Management an ob wir Samstag Lust hätten. Klar sind wir dann da hingefahren, haben dann vor 10000 Leuten gespielt und waren völlig aufgeregt. Es war dann aber so gut, dass die Leute sogar mitgesungen und das so toll aufgenommen haben. So dass sie uns gefragt haben ob wir die „Lichter der Stadt- Tour“ mitfahren wollen. So ist es dann entstanden. Es ist auch so, dass sich der Graf trotz des ganzen Erfolgs nicht verändert hat. Er ist immer noch der Gleiche wir vorher. Wir sind auch die ganze Tour über super behandelt, wie eine große Familie. Das technische Material war natürlich vom Feinsten. Wir sind echt super supportet worden.

Jarwin: Deine neue CD hat eingeschlagen wie eine Bombe. Gab es da, ähnlich wie bei Unheilig, Neider, die versucht haben den Erfolg madig zu machen?
L.M.: Wir haben mit mehr gerechnet als jetzt letztendlich passiert ist. Aber im Endeffekt hat man das und wir stehen der Sache eigentlich ganz offen gegenüber und diskutieren auch mit den Fans solange es im Rahmen ist. Wie die ersten Singles rauskamen hatten ja viele schon Angst, dass das Album etwas sanfter ist und dass wir uns in Richtung Kommerz verändert haben. Da haben wir immer über Facebook schon ziemlich viele Briefe geschrieben und mit den Fans auch drüber geredet und ich denke solche Ängste sollte man den Fans dann auch nehmen. Es ist ja auch verständlich, wenn die Fans einen 7 Jahre unterstützen, einem den Rücken stärken und es ja letztendlich ermöglichen, dass man unterwegs sein kann, und im 8. Jahr denken, oh Gott hoffentlich macht er jetzt keinen Schlager, dann sollte man solche Ängste schon ernst nehmen.

Jarwin: Ward ihr selber überrascht über den Erfolg der CD?
L.M.: Ja schon. Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Es hat aus verschiedenen Gründen jetzt 5 Jahre gedauert bis wir das 3. Album fertig hatten und dann kam dieser Anruf von Unheilig und wir haben es nochmal verschoben. Wir haben dann den Henning gefragt ob er es produzieren möchte. Ich wollte mal in ein richtiges Studio gehen. Die ersten beiden Alben hab ich in meinem Zimmerchen mit meinen technischen Kenntnissen als Musiker produziert. Dann muss man seine eigene Stimme abmischen und schneiden. Jetzt hatte man jemanden, der das alles gemacht hat mit sehr großem Knowhow. Dann konnte man sich jetzt voll auf die Musik konzentrieren und hatte Leute die einem noch gute Tipps gegeben haben. Also ich persönlich bin inhaltlich und technisch an dieser Produktion sehr gewachsen. Es ist auch das erste Album das fertig geworden ist. An den anderen Alben hätte man theoretisch noch 3 Jahre herum schrauben können. Ich hab das Album dann erstmal 3 Wochen gar nicht mehr gehört und dann ins Autoradio eingelegt und dachte mir „ja cool, das ist fett“. Die Gitarren und die Songs sind so wie ich sie mir vorgestellt habe. Einfach fertig. Musiker schrauben ja immer gerne ewig an ihren Sachen.

Jarwin: Was macht man als Musiker in den 5 Jahren in denen man an einer Platte arbeitet?
L.M.: Ich hab noch viele andere Sachen gemacht. Terminal Joice ist gewesen, wir haben ein Album zwischendurch raus gebracht, wir waren bei Blutengel mit unterwegs, haben das Bühnendesign und die Videohintergründe gemacht und schreibe Songs für andere Bands u.s.w.

Jarwin: Gothic meets Klassik. Wir bereitet man sich darauf vor. Es ist ja ein gewaltiger Unterschied mit einem Symphonieorchester zu arbeiten.
L.M.: Richtig. Also wir haben den Vorteil, dass wir für die Platte jetzt schon die Nummern die schon arrangiert waren nehmen konnten und das auf die Bonusversion mit drauf packen konnten. Das fanden wir eine sehr gute Idee auch mal was anderes zu machen und sind dadurch schon ein bisschen in der Geschichte drin. Wir haben jetzt morgen nochmal eine Probe mit dem Arrangeur und wir fahren jetzt übernächste Woche zum Proben nach Polen zu dem Orchester. Das wird für uns eine neue Erfahrung sein. Wie dynamisch arbeitet so ein Orchester? Wie singt man drauf? Die sind ja auch mal schneller, oder mal langsamer. Mal schauen, wir sind schon alle etwas aufgeregt. Es ist ja auch ein 360° Saal, d.h. ich muss mich als Sänger auch mal umdrehen. Da stellt sich die Frage wie wird die Performance aussehen wird, wie wird das ganze arrangiert. Eine völlig neue Situation für mich.

Jarwin: Ist man dann bei so Cross-over-Projekten nervöser als sonst?
L.M.: Ja klar. Das ist ja auch bei der Unheilig-Tour schon so gewesen. Da war das erste Konzert in einem Fußballstadion mit 15000 Leuten. Ich hatte vorher noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Aber nach dem 3., 4. Konzert pendelt sich das ein und man entwickelt eine gewisse Routine, man ist dann zwar immer noch aufgeregt, aber man hat schon eine Ahnung wies läuft und geht dann gleich anders ran. Ich bin ja eh ein Lampenfieber- Typ. Ich sterbe jedes Mal bevor ich auf die Bühne muss. Als ich bei der Unheilig- Tour das erste Mal raus musste hab ich hinter der Bühne auch gesagt – Mensch, hätte ich auf meine Mutter gehört und wäre Tischler geworden-. Auf der Bühne geht’s dann aber wieder.

Jarwin: Die Idee für das Projekt kam von Chris?
L.M.: Nein, das hat das Label organisiert. Also die hatten die Idee und haben das auch umgesetzt und haben uns als Bands dann eingeladen.

Jarwin: Was hörst du privat an Musik?
L.M.: Meine eigene Musik hör ich selten. Da man beruflich sehr viel mit Musik zu tun hat und auch sehr viel analysiert, sich viel Musik anhört um zu hören wie ist das gemacht wird, wieso gefällt mir das, bin ich dann doch ganz froh wenn einfach mal nur der Fernseher läuft und ich auf der Couch liegen kann. Ansonsten dudelt bei mir das Radio, also sehr „mainsteamig“. Früher hab ich gern Christina Aguilera angehört, weil ich die letzten beiden Alben ganz gut fand, nur ist das schon eine ganze Weile her.

Jarwin: Wir fotografieren ja hauptsächlich im Mittelalterbereich. Hast du dazu auch einen Bezug?
L.M.: Nein, Mittelalter weniger. Das ist nicht so ganz meins. Ich war als Jugendlicher immer mal gern auf diesen Mittelalter Spektakeln bei Dresden. Das hat mir ganz gut gefallen, aber die Musik gefällt mir, vor allem wegen den Dudelsäcken, nicht so wirklich. Aber das Eintauchen in eine andere Welt, die Atmosphäre ist schon schön.

Jarwin: Wo kommt denn der Name Louis her? Eigentlich heißt du ja Sven?
L.M.: Sven ist mein Zweitname. Den habe ich von meinem Opa. Sven ist zwar der Rufname aber nachdem sich bei Sven ca. 15 Leute umdrehen und bei Louis vielleicht 2 habe ich mich für diesen entschieden.

Jarwin: Staubkind wird ja schon immer zur schwarzen Szene gerechnet. Hast du einen Bezug zu der Szene?
L.M.: Also ich bin so ein bisschen rein gerutscht. Ich hab zwar früher auch gerne The Cure gehört, habe mich geschminkt und bin mit hoch tupierten Haaren gegangen, aber das hat für mich noch nichts mit schwarzer Szene zu tun gehabt. Vorher hab ich Metal gemacht und dann aber gemerkt, dass in der Szene relativ offen und großherzig mit den ganzen Gefühlen umgegangen wird und das hat mit sehr gut gefallen. Da hab ich mich mit meinen Gefühlen und Texten sehr wohl gefühlt. Hab aber auch immer betont, dass es zwar schön ist, dass wir den Platz gefunden haben, aber dass unsere Musik jeder hören kann. Ich finde es mittlerweile etwas schade, dass die Toleranz in der Szene und dieses ganze Drumherum gelitten hat und es eher noch darum geht, wie man sich präsentiert, nicht mehr so wie man es lebt. Ich finde die Szene mittlerweile etwas bröckelig, es geht nur noch darum sich zu verteidigen. Eigentlich ist „Leben und leben lassen“ immer das was die Szene gefordert hat. Man fand es auch immer ganz cool in Leipzig, wenn einer mal extrem anderes herum gelaufen ist. Das ist in der Szene ein bisschen verloren gegangen. Aber das ist einfach der Lauf der Dinge und vielleicht gibt es ja mal wieder ein paar Leute, die das wieder etwas hoch leben lassen. Ohne intolerant zu sein, ohne irgendwelche Leute auszugrenzen, die vielleicht anders aussehen. Das ist nämlich im Moment ein sehr großes Problem, dass Leute, die normal aussehen ausgegrenzt werden, obwohl wir früher ja das gleiche Problem hatten, weil man anders ausgesehen hat. Aber man vergisst recht schnell. Ja, ansonsten fühlen wir uns nach wie vor sehr wohl. Haben natürlich jetzt durch das Unheilig- Publikum eine bunte Mischung bekommen, das merken wir auch, dass alte Songs anders funktionieren als früher und die neuen Songs natürlich auch. Ich habe jetzt auf der Unheilig- Tour gelernt, mit dem Grafen und Andreas Burani, den ich kennen gelernt habe und der ja aus einer ganz anderen Musikrichtung kommt, zu akzeptieren, dass eben alle sich meine Musik anhören können, egal ob schwarzes, weißes oder buntes T-Shirt. Es gibt eben keine Schublade in die man die Fans reinstecken kann. Am Anfang war ich auch skeptisch, was die Unheilig-Tour angeht, bin aber mittlerweile sehr froh das gemacht zu haben. Das Schöne ist ja, dass man mittlerweile auf Konzerte jeglicher Musikrichtung einfach hingehen kann, egal aus welcher Richtung man kommt. Man kann auf ein Klassikkonzert gehen oder in die Oper, auch wenn man vorher noch nie dort war und ohne einen Frack zu besitzen, genauso wie auf ein Heavy Metal Konzert. Und warum soll nicht auch ein „Normaler“, mit buntem T-Shirt auf ein Gothic-Konzert gehen, wenn es ihm gefällt. Das schöne ist, wir hatten jetzt in Thurgau einen da, der völlig extrem aussah. Nietengürtel, gepierct, zerfetztes Hemd, tätowiert und daneben stand die Hausfrau mit ihrer Tochter. Das fand ich echt cool, es haben sich alle akzeptiert und toleriert und haben dann sogar miteinander ein Gespräh angefangen.

Jarwin: Ja das entwickelt sich im Moment sehr. Ich denke, dass da auch Unheilig mit dafür verantwortlich ist, dass Bands aus der schwarzen Szene immer mehr entdeckt werden und sich das Publikum etwas bunter mischt.
L.M.: Es gibt natürlich Bands, die sich darauf fest legen, die die schwarze Szene vertreten, wie z.B. auch Lacrimosa und ASP, das ist schon sehr szenenspezifisch. Man kann zum Grafen stehen wie man will, man kann auch sagen es ist fragwürdig wie er aus der Szene raue ist. Es hat jeder das Recht sich eine Meinung zu bilden. Das wichtigste ist einfach wie tolerant oder wie höflich man damit umgeht. Da sind ja wirklich Sachen an den Tag gelegt worden, wo ich dachte „mein Gott“. Man muss doch nicht Unheilig- Publikumsfotos machen nur um sie dann in Facebook zu posten und dann die Leute mit Kommentaren an den Pranger stellen, nur weil sie ein rotes T-Shirt tragen und bei Unheilig mitgesungen haben. Da habe ich mich dann schon ein bisschen ans 3.Reich erinnert gefühlt, wo die Menschen anhand ihres Aussehens beurteilt wurden. Da war ich etwas enttäuscht. Kritik kann man schon Äußern, aber es ist immer die Frage in welchem Ton man es macht. Da habe ich mich sofort von einigen Sachen distanziert und gesagt das kann ich nicht unterstützen.

Jarwin: Möchtest du noch irgendetwas los werden?
L.M.: Ja, dass es ein toller Sommer war und ich möchte allen Fans danken, die dabei waren und neu dazu gekommen sind.

Jarwin: Wünsch dir was! Wenn du heute die Möglichkeit hättest dir einen Duett Partner oder Partnerin zu wählen. Gäbe es da jemanden mit dem du gerne einmal zusammen arbeiten würdest?
L.M.: Schwierig. Es gibt im Moment niemanden. Ich überlege schon, wir haben auch jemanden im Auge, aber das möchte ich jetzt nicht verraten. Mit Andreas Burani haben wir damals ein Abschlussduett am letzten Tourtag gemacht. Das war sehr interessant.

Jarwin: Vielen Dank für die Zeit und die offenen Antworten! Es hat uns viel Spaß gemacht. Viel Erfolg weiterhin mit Staubkind.

Carolin und Bernd Sonntag