Castlefest 2013

Ein tolles Gelände, viele Stände, abwechslungsreiche Musik und gutes Wetter haben das diesjährige Castlefest zu einem perfekten Festival gemacht.

Wenn es einmal im Jahr im Keukenhof in Lisse nicht um die schöne Blumenpracht geht, für die die Parkanlage so berühmt ist, dann strömen viele tausende Menschen zum Castlefest. Das größte Festival der Szene in den Niederlanden vereint Fantasy, Mittelalter, Steampunk sowie Keltische und Folkelemente und findet immer am ersten Wochenende im August (Freitag bis Sonntag) statt.

Die Marktstände waren über das weitläufige Gelände verteilt und boten unter anderem selbstgemachtem Schmuck, mittelalterliche und Fantasykleidung, Schwerter, Rüstungen, Bögen, Instrumente und Spiele, aber auch Außergewöhnliches wie Feenflügel.

Bei einem großen Rundgang über das Gelände kam man vorbei am LARP-Dorf, dem Steampunkgarten, dem Spiele-Zelt, dem Dorf der Heiden, dem Kinderreich, den drei Musikbühnen und natürlich am Kasteel Keukenhof. In der Lifestyle-Ecke konnte man sich tätowieren, massieren und sich die Haare in Dreadlocks verwandeln lassen. Es gab viel zu sehen und zwar nicht nur wegen des Programmes. Viele Besucher kamen aufwändig kostümiert/gewandet und machten einen großen Teil der schönen Atmosphäre des Festivals aus. Denn Personen in Jeans und Hemd hat man kaum gesehen. Man taucht ein in eine alternative Welt, in der jeder nach seinen Wünschen und Vorstellung gekleidet ist.

Musikalisch hatte das Castlefest die besten Bands zu bieten, die in der Szene vertreten sind. Neben den Dauergästen Faun und Omnia, die jedes Jahr als Headliner antreten, kamen aber auch Bands, die man nicht alle Tage sieht. Aus Dänemark wurden Asynje und Virelai eingeflogen, aus England The Dolmen und Sieben, aus Belgien Rastaban und aus Polen Dikanda. Besondere, wenn nicht einmalige Konzerte gab es auch zu hören. So traten Cesair mit Orchester und Chor, Triskilian mit dem NEO-Projekt und die Bands Kelten Zonder Grenzen, Orfeo und Ball Noir mit der K.O.B.Conspiracy auf. Für einen ganz besonderen Auftritt konnte Valravn gewonnen werden, die ihr letztes Konzert in den Niederlanden spielten, bevor sich die Band Ende des Jahres auflösen wird.

Vor der Bühne tanzten die Besucher zur Musik. Entweder jeder auf seine eigene Art oder die beim Balfolk erlernten Kreis- und Paartänze. Etwas abseits der tanzenden Menge wurde mit Pois, Stöcken und Bällen jongliert, der Hula Hoop Reifen geschwungen oder einfach nur im Gras der Musik gelauscht.

Beim Castlefest geht es nicht nur darum ein Wochenende lang Spaß zu haben. Die Natur spielt eine große Rolle. So hatten Greenpeace einen Stand, die Toiletten wurden mit Grundwasser gespült und das Festivalshirt ist aus Bio-Wolle hergestellt. Das nicht-musikalische Highlight des Festivals war die Verbrennung des Wickerman am Samstagabend, der in diesem Jahr die Form des Greenman hatte. Opfergaben konnten von den Besuchern in die hölzerne Figur gelegt werden, bevor die Figur in einem großen Ritual vom Veranstalter angezündet wurde. Wie wichtig dieser Moment für das Festival und die Besucher war, zeigt die Menschenmenge, die den gesamten Platz vor der Hauptbühne füllte.

Eigentlich gibt es am Festival nichts zu bemängeln. Alles lief reibungslos und die vielen freiwilligen Helfer schafften es, dass man vom ganzen organisatorischen Drumherum nichts mitbekam. Man kann ein Wochenende lang in eine andere Welt eintauchen und den Alltag hinter sich lassen und bei einem kühlen Mangolassi die einzigartige Atmosphäre genießen.

Im nächsten Jahr findet vom 1.-03. August 2014 zum 10. Mal das Castlefest statt und es soll eine besondere Jubiläumsveranstaltung werden. Weitere Infos folgen auf www.castlefest.com

Amphi Festival 2013 in Köln

Das „IX. Amphi Festival“ ist vorüber und wir dürfen wohl ohne Übertreibung vom heißesten Festival des Jahres sprechen!

Mit mehr als 16.000 Besuchern aus über 30 Nationen bereits zum fünften Mal ausverkauft, startete das diesjährige Amphi Festival mit der traditionellen Pre-Party im Alten Wartesaal und dem Eröffnungsevent „Call The Ship To Port“ auf der MS Rheinenergie. An Bord von Europas größtem Binneneventschiff erlebten 1111 Gäste eine stimmungsvolle Gothic-Rundfahrt auf dem Rhein mit exklusiven Konzerten von CLASSIC & DEPECHE, WELLE: ERDBALL (als 80er Synthi-Duo) und COVENANT.

Startete die Amphi-Cruise am Freitag schon bei traumhaftem Wetter, legte der Sommer am Samstag und Sonntag jeweils noch ein paar Grad nach, während über 40 Acts auf drei Bühnen beste Unterhaltung aus allen Bereichen der Gothic-Kultur boten. Ob elektronische, rockige, mittelalterliche oder romantische Klänge, hier fand jeder Besucher sein musikalisches Highlight.

Unsere diesjährigen Headliner VNV NATION und FIELDS OF THE NEPHILIM zeichneten den stilistischen Kreis vor, in dem Top-Acts wie ALIEN SEX FIEND, ANNE CLARK, SUICIDE COMMANDO, OOMHPH!, PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB, PETER HEPPNER, AGONOIZE und viele mehr die Brücke zwischen tanzbarer Elektronik und atmosphärischen Dark-Rock spannten. Dabei begeisterten zudem eine große Zahl an Bands, die bislang noch nicht auf dem Amphi Festival zu sehen waren (u.a. ATARI TEENAGE RIOT, DIE FORM, UMBRA ET IMAGO, STAHLMANN, CHROM und FABRIK C).

Während der geneigte Sonnenanbeter entspannt die Traumkulisse des BEACHCLUBS genoss, sorgte das THEATER AM TANZBRUNNEN in der Hitze des Gefechts für ein wenig Abkühlung und lockte mit interessanten Specials, wie dem Konzert der französischen Formation ROSA CRUX, den Folk-Noir Romantikern ROME, Pianist LARS ARNOLD, WELLE: ERDBALL mit einem Jubiläumsbeitrag oder DR. MARK BENECKE, der vor vollem Haus erneut interessante Einblicke in die Welt der Kriminalbiologe gewährte.

Vielen Dank an alle Besucher für ein fantastisches AMPHI FESTIVAL 2013. Ihr seid Amphi! Auch möchte wir allen Bands, DJs, Lesern, Händlern, Helfern, Medien- & Clubpartnern, Street-Teamern, Sponsoren und unserer unermüdlichen Festivalcrew danken, die bei diesem Wetter eine wahre Herkulesaufgabe stemmte. Wir danken zudem allen Mitarbeitern des Kölner Tanzbrunnens, der gesamten Crew der MS RheinEnergie und den Securityfirmen LSC Leipzig und CCS Köln für einen harmonischen Ablauf.

BESUCHERUMFRAGE 2013 ONLINE

Wie gewohnt könnt Ihr uns wieder Euer Feedback zur Organisation und Bandwünsche zum 10jährigen Jubiläum mitteilen. Die aktuelle BESUCHERUMFRAGE findet Ihr online unter www.amphi-festival.de. Euer Feedback ist uns wie immer sehr wichtig und hilft dabei das Festival in Zukunft weiter zu verbessern. Unter allen Einsendungen verlosen wir 5×2 VIP-Tickets für das nächste – das 10jährige Amphi Jubiläumsfestival!

10 JAHRE AMPHI FESTIVAL – VORVERKAUFSSTART AM 1. AUGUST

Am 1. August startet der Vorverkauf für unser 10jähriges Jubiläum am 26. & 27. Juli 2014. Original Festivaltickets erhaltet ihr dann exklusiv über den AMPHI SHOP unter www.amphi-shop.de einschließlich der heiß begehrten 5+1 Gruppentickets (kaufe sechs, zahle fünf). Bitte denkt daran, dass diese Gruppentickets wie gewohnt streng limitiert sind und beim letzten Mal bereits nach wenigen Wochen vergriffen waren. Zögert daher nicht Euer Gruppenbundle direkt zu bestellen, um eines der sechs Tickets für das Jubiläumsfestival gratis zu erhalten. Wie immer gibt es die Gruppentickets als Wochenend- oder Tagestickets.

Wir sehen uns 2014,
Euer Amphi Festival Team

Feuertanz 2013

Ein Mittelaltermarkt im Burghof, Marktmusik mit Heiter bis Folkig am Freitag und Trollfaust am Samstag, Gaukeley z.B. mit Lupus, eine Feuershow, viel leckeres Essen und die malerische Burg wären 2013 allein schon Grund genug gewesen, einmal beim Feuertanz in Abenberg vorbeizuschauen. Aber natürlich hat das Concertbüro Franken es auch in diesem Jahr hervorragend verstanden, nicht nur ein sehens- und hörenswertes Festival-Lineup zusammenzustellen, auch die Organisation lies keine Wünsche offen. Und der direkte Draht nach oben scheint auch perfekt zu funktionieren, kein Regen und traumhaftes Wetter, wie gemacht für die alljährliche Mittelalterparty im rund 5400 Einwohner zählenden „Wacken Mittelfrankens“.

Bereits Freitag um kurz vor 13.00 Uhr durften sich die Moderatoren des ersten Festivaltages Max von Gluchowe und Holger Hopfenstreich Hoffmann, besser bekannt als Pampatut, über eine große Menschenmenge vor der Bühne freuen, die gespannt auf die Lokalmatatoren Ignis Fatuu und ihren neuen Sänger P.G. warteten. Der war bis kurz vor Festivalbeginn aber gar nicht sicher, musste man krankheitsbedingt doch den Gitarristen ersetzen und dies auch noch in gerade einmal 3 Bandproben, die als Vorbereitung blieben. Kein leichtes Unterfangen, wen wundert es da, dass man doch etwas nervös das Feuertanz 2013 eröffnete. Doch das bestens aufgelegte Publikum machte es den Mittelfranken echt leicht und sorgte ab Song eins für eine tolle Stimmung. Und auch wenn der Soun , sicher auch wegen fehlenden Soundchecks, nicht gerade perfekt klang und man der Gruppe schon anmerkte, dass man aufgrund Umbesetzungen sich noch in der Findungsphase befindet, so konnte man doch sehr gut unter Beweis stellen, dass man von Ignis Fatuu noch sehr viel Positives erwarten kann. Auch weil der Neue am Micro mit seiner tollen Bühnenpräsenz gut zum Ignis Fatuu-Sound passt.

Daumen hoch und ein fettes „Gefällt mir“, dies hatten die 2 von Pampatut nach dem Konzert auch gleich als Handschuh mitgebracht und als Dunkelschön mit dem Aufbau beschäftigt war, durften die zwei Spaßvögel sich 30 Minuten auf der Bühne austoben und die Leute zum Lachen bringen. Leuten ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, je mehr desto besser, ist wirklich eine große Kunst. Dies beherrschen die zwei wie kaum sonst jemand auf der Bühne unglaublich gut. Was den beiden immer wieder spontan an witzigen Bemerkungen einfällt, wie sie das, was gerade vor ihnen, hinter ihnen oder über ihnen passiert für ihr Programm nutzen verblüfft mich jedes mal aufs Neue. So wie z.B. als mitten im Programm Dunkelschöns Davulspieler Christian Wittkopf die Davul testete und Max sofort darauf ansprang und sich fragte wie das Batteriefach des Duracell-Häschens hinter ihm wohl ausschauen möge. Pampatut sind ein großer Spaß, und so ganz nebenbei auch eine tolles Moderatorenteam, was sie am Abend noch öfters unter Beweis stellen konnten.

Relativ neue Gesichter gibt es bekanntlich auch bei Dunkelschön zu sehen und da deren musikalische Liebe mehr dem Metal gilt, ist der Dunkelschön-Sound noch einmal deutlich rockiger geworden, was der Show wirklich gut tut. Eine der nettesten und unkompliziertesten Mittelalterbands hat durch die neue Besetzung noch einmal gewonnen und versteht es in der Unplugged-Variante auch die Liebhaber ruhigerer Töne zu begeistern. Am Freitag war aber Rocken angesagt und auch wenn, wie bei Ignis Fatuu, auch bei Dunkelschön der Sound etwas am fehlenden Soundckeck litt, so sorgte die unterfränkische Band doch für mächtig Stimmung und viele strahlende Gesichter im Publikum.
Das kann man auch vom Auftritt der Irish-Folk-Band Rapalje, die aus Groningen in den Niederlanden stammt, behaupten .Bestens gelaunt sorgten Dieb, Maceal, William und David für mächtig Stimmung . Bekannte Irische und Schottische Traditionals und eigene Songs verführten immer mehr Zuhörer zum Tanzen,, Mitklatschen und Mitsingen und besonders William mit seiner tiefen Stimme sorgte für große Begeisterung unter den Zuhörern, die trotz großer Hitze eine großartige Folk-Party feierten. Eine absolute Stimmungsband mit hoher musikalischer Qualität sorgte bei ihrem Auftritt für viele glückliche Gesichter im Publikum .

Mit Feuerschwanz stand dann die zweite Band auf der B´ühne, die in Abenberg einen echten Heimvorteil hat ist die Fanbase der mittelfränkischen Met-Vernichter doch gerade in und um Nürnberg und Erlangen besonders gro. Wie immer schön anzuschauen waren die 2 Miezen, die für die kurzweilige Bühnenshow genauso unersetzbar sind wie die Met-Maschine auf die sich ein Teil des Publikums auch diesmal voller Freude stürzte. Kein Problem für Feuerschwanz mit der unterhaltsamen Show die Stimmung am Kochen zu halten und neben den Miezen war besonders Johanna mit ihrem sehenswerten Bühnenoutfit mehr als einen Blick wert.

Dass Pampatut eine Band auch einmal völlig anders und extrem passend anmoderieren können nämlich mit sphärischen Klangschalklängen bewiesen sie dann in der Anmoderation zum Omnia Auftritt.

Omnia war der perfekte musikalische Kontrast zu den beiden „Party-Bands“ zuvor. Nicht weniger stimmungsvoll präsentierten die Holländer ein buntes Programm aus ihrer hörenswerten Banddiskographie und Omnia wären nicht Omnia, wenn es nicht die eine oder andere Überraschung für das Publikum gäbe. In Abenberg sogar derer 3, nämlich 3 neue Songs. Natärlich lies es sich Steve Sic auch nicht nehmen dem Publikum seine Sicht der Dinge pro Umwelt und für eine bessere Welt mitzuteilen. Und auch die Abreibung für die viel zu mächtigen Politker unsererer Erde durfte natürlich nicht fehlen. Dies alles gibt es übrigens in immer besserem deutsch zu hören. Steve Sic hat fleißig Deutsch gelernt und ihm fällt es immer leichter sich auch in deutsch auszudrücken. Neben dem klasse Konzert auch dafür ein dickes Kompliment. Und dass bei Omnia nicht nur das Konzert ein ganz besonderes Erlebnis ist, sondern der Soundcheck mit Publikum extrem viel Spaß macht, konnten alle Besucher die sich schon 30 Minuten vor Beginn vor der Bühne einfanden live miterleben.

Headliner des Abends waren die Lokalmatatoren von Fiddlers Green die den Heimvorteil perfekt zu nutzen verstanden. Die Erlanger Band, die mit der neuen CD „Winners and Boozers“ im Oktober in ganz Deutschland unterwegs ist, brachte das durch die Sonne und die bisherigen Bands extrem aufgewärmte Publikum vollends zum Kochen. Überall tanzende und feiernde Menschen beim Irish Independent Speedfolk der Mittelfranken, unfassbar wie schnell die Zeit bis zum Ende des furiosen Auftritts dahinraste. Überhaupt ging der Tag viel zu schnell vorbei. Und wer noch nicht genug hatte, der konnte dann nochmals Pampatut beim Mitternachtskonzert erleben, oder im Marktbereich den einen oder anderen Met vernichten und einen tollen gelungenen ersten Festivaltag feuchtfröhlich ausklingen lassen..

Bericht vom Samstag

Alle Besucher, die den zweiten Tag Feuertanz 2013 miterlebt haben, werden sicher unterschreiben, dass man Feiern lieber mit V schreiben sollte. Denn der „V-Tag beim Feuertanz mit Vermaledyt, Vroudenspil und Versengold hatte gleich 3 feiererwütige Stimmungsbands zu bieten. Zuerst aber galt es etwas Niveau ins Publikum zu streuen und dafür waren Martin Spieß und Sören Vogelsang als „Das Niveau“ zuständig, die für die Begrüßung, Moderation des Tages und das Mitternachtkonzert verpflichtet wurden. Eine gute Wahl, sind die 2 Berliner doch recht witzig und verstehen es das Publikum zu unterhalten und mitzureissen. Den beiden langt eine Gitarre, ein loses Mundwerk, viel Spontanität und „niveauvolle“ Texte, wie z.B. das Lied vom Schwingschleifer und schon kommt Stimmung auf.

Und auch wenn noch nicht alle so richtig wach waren, spätestens nach dem Premierenauftritt beim Feuertanz von Vermaledyt aus Memmingen durfte auch die letzte verschlafene Seele aus dem Bett gegrochen und zur Bühne gepilgert sein, reizte die mit Cello, Schalmei, Bouzouki und Dudelsack aufspielenden Vermaledyt die Beine der Besucher zum mittanzen, die Münder zum mitsingen und die müden Körper zum herumzappeln. Bei inzwischen 3 richtig guten Alben hat die Band genug Songs um richtig Gas geben zu können und einen begeisternden Auftritt hinzulegen. Passend zum Tag erwies sich die Cellistin der Band Vivianne von der Saar nicht nur als Fotografenliebling sondern als prägendes Element der Vermaledyt-Musik.

Gleich danach heizte „Das Niveau“ das Publikum weiter an und wer bis dahin noch immer nicht zappeln wollte, um den war es bei strahlenden Sonnenschein spätestens bei Vroudenspil geschehen. Der Piratenrock der Münchner ist aber auch sowas von fetzig , dass man einfach mitmachen muss und trotz einiger Besetzungswechsel scheint die Band immer besser zu werden. Leider steht ja auch demnächst schon wieder ein Besetzungswechsel an, wenn 4-Finger-Jane die Band auf eigenen Wunsch mangels Zeit verlassen wird. Die Abenberger hatten immerhin das Glück sie nochmals live erleben zu dürfen. Und so bereitete ein begeistertes Publikum mit Crowd-Surfing und wilden Polonaisen im Publikum ihr einen denkwürdigen Feuertanz-Abschied.

Nach dem Auftritt strümte erst einmal alles ausgetrocknet oder ausgehungert zu den „Fressständen“ oder flüchtete vor der gnadenlos leuchtenden Sonne in den Schatten, sofern man einen finden konnte.

Die nächste V-Band des Abends passte dann so gar nicht zu den „Veier-Bands“ und das war wirklich gut so. Nach den furiosen Festivalauftakt war Anna Katrin Egilstrod mit Band für einen musikalischen Break und die extravagantesten Klänge des Wochenendes zuständig. Die mit viel elektronischen Samples und Spielereien aufgepimpte Musik der Band und der extrem an Björk erinnernde, eindrucksvolle Gesang von Anna Katrin polarisieren, wie wohl keine andere Band an den beiden Tagen. Entsprechend war der Platz auch deutlich leerer als zuvor bei Vroudenspil. Alle die sich auf die tranceartige Folkmusik eingelassen haben, konnten einen der letzten Valravn-Auftritte genießen, gibt die Band beim Festival Mediaval ja ihr allerletztes Konzert. Leider gehörte der Auftritt beim Feuertanz sicher nicht zu den besten Gigs der Band. Hatte man doch hörbar mit Tonproblemen zu kämpfen, die schon den Soundcheck erheblich verzögerten und beim Konzert immer wieder auftraten. Immerhin konnte man erleben, wie weh ein zu starker Bass dem Gehör tun kann, ein Erlebnis auf das man fraglos verzichten kann. Fragwürdig war auch die Bühnenaufteilung, die eine Hälfte der Bühne leer dafür das Streichertrio im Eck plaziert wirkten wenig inspirierend, wie auch die 3 bildhübschen Damen selbst, die etwas die Freude am Musizieren vermissen ließen. Das geht sicher besser, so sehr sich die Sängerin auch bemühte und ins Publikum strahlte.

Als nächstes durfte sich Versengold schon einmal im Wacken Mittelfrankens auf den bevorstehenden großen Wacken-Auftritt 2013 warmspielen. Aber eine bessere Stimmung kann es da auch kaum geben. Snorre, Pinto, Paule, Honza und Hengest machten wie gewohnt bei ihren Auftritt mit extremster Spielfreude das Auditorium zum Tollhaus und das Publikum lies sich voller Begeisterung darauf ein. Die 5 sprangen auf die Bühne und hatten mit ihrer handgemachten Mittelaltermugge die Massen sofort im Griff. Die intelligenten Texte der Live-Band per Excellance machen genauso Spaß, wie die furiose Bühnenshow die keine Wünsche offenlässt. Versengold sind eine „Stimmungsband“ auf höchstem Niveau und eine Bereicherung für jedes Festival Line-Up. Und selbst wenn die Flöte von Snorre mitten in der Show den Geist aufgibt, geht die voller Dynamik nur so strozende Show ohne Pause weiter. Doch Versengold verstehen es auch mit ruhigeren Tönen Herz und Geist anzusprechen. Hoffentlich gleich nächstes Jahr wieder beim Feuertanz.

Bevor Eluveitie loslegten wurde das Publikum vom „Niveau“ erstmals auf die korrekte Aussprache des Bandnamens hingewiesen. Danach gabs so richtig was auf die Ohren. Die lauteste, bisweilen etwas zu laute, Band der zwei Tage sorgte für Schweissperlen bei der Security, die die unzähligen Crowdserver gutgelaunt am Bühnenrand einfingen. Absolut beeindruckende Bilder konnten all jene erleben, die während des Auftritts die Treppen zum Turm erklommen haben. Ein riesiger Moshpit und wild um sich springende Konzertbesucher wirken von oben noch viel beeindruckender und auch die riesige Staubwolke die während des Eluveitie-Auftritts wie eine Dunstglocke über den Köpfen schwebte, konnte man besonders gut von oben betrachten. Und selbst von ganz oben war der wie wild auf sein Schlagzeug einschlagende Trommler Merlin Sutter, der optisch und spieltechnisch etwas an den grandiosen Schlagzeuger der Muppets-Show erinnerte noch zu sehen.

Schwer vorstellbar, dass es Saltatio Mortis schaffen würden, die schon tolle Stimmung noch ein paar Dezibel nach oben zu schrauben. Doch für Springfloh und Sänger Alea und seine spielfreudige Band ist das keine echte Herausforderung. Zählt Alea zwar nicht zu Deutschlands größten Sängern, aber sicher zu einem der sehenswertesten Live-Performer der das Publikum beeindruckend mitreissen und um den Finger wickeln kann. Kein Wunder, dass sich Saltatio zu einem Top-Headliner entwickelt hat und auch optisch Dank der tollen Entwürfe von Lucardis Feist gewaltig etwas her macht.

Neben vielem Bekannten gab es auch Neues zu hören, wie die sehr kontrovers diskutierte neue Single „Wachstumüber alles“, in der musikalisch und textlich das Deutschlandlied verarbeitet wurde. Einmal mehr ein Beweis für eine Band die etwas zu sagen hat, belanglos kann ja jeder. Problemlos schafft man den Spagat Zeitkritsches mit dem „Mittelalter“ zu verbinden. Dass die neue Single auf keinen Fall als Nazi-Propaganda gedacht ist teilte Lasterbalk bei der Anmoderation dem Publikum in aller Deutlichkeit mit, die mit erhobenen Fäusten und lauten „Nazi raus“ Rufen gleich lautstark ihre Antipathie beeindruckend zum Ausdruck brachten. Besuche von Naseweis und seinem gut gefüllten Met-Tablett und von Versengold rundeten das auf viel Begeisterung stoßende Konzert ab. Die Lichter auf der Burg machte dann das Niveau mit dem Mitternachtskonzert in einem viel zu kleinen Burgsaal aus. 2 tolle Feuertanz-Tage waren Geschichte und schon jetzt kann man sich auf 2014 freuen, wenn bei Ausgabe 13 wieder Party pur angesagt ist. Abschließend bleibt neben der klasse Organisation allen die für den reibungslosen Ablauf des Festivals gesorgt haben zu Danken, angefangen bei der freundlichen Security, über alle Mitarbeiter die sich 2 Tage mit höchstem Einsatz um das leibliche Wohl der Besucher gekümmert habe , nicht zu vergessen die Sanitäter und die Feuerwehr mit ihrerer Schlaucherfrischung fürs Publikum. Der größte Dank gilt aber allen Konzertbesuchern, die einmal mehr das Festival zu etwas ganz Besonderem (auch für die Musiker) gemacht haben

Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2013

In unserer kleinen Serie über die „Da muss ich hin“ Festivals 2013 möchten wir Euch auf die 6 Ausgabe des Festivals Mediaval hinweisen. Das „ganz besondere Festival“ im Länderdreieck von Sachsen, Bayern und Tschechien war all die Jahre ein Muß im Festival-Plan und daran wird sich mit Blick auf das diesjährige Programm auch 2013 nichts ändern. Neben einem Nordic Special u.a mit Garmana, Valravn und Euzen freuen wir uns besonders auf einen der ganz raren Auftritte von Corvus Corax zusammen mit Wadokyo ( Taiko Trommler) , auf Elmsfeuer (die Piratenband mit Zukunft) und natürlich auf Omnia, die bei allen 5 Festivals bisher dabei waren und gerade in Selb immer in Höchstform sind. Daneben gibt es natürlich auch ganz viele Künstler, die man einfach mal gesehen haben muss, wie Beatrische oder Kelvin Kalvus um nur einmal zwei von vielen zu nennen. Allein die 3 Bühnen des weitläufigen Festivals lassen an den 3 Tagen sicher keine Langeweile aufkommen.Ein großer Händler- und Handwerkermarkt, viele Workshops, ein buntes Rahmenprogramm und natürlich reichlich zum Essen und Trinken , das Festival Mediaval ist wirklich einen Besuch wert.
Wir haben dem Hauptorganisator „Bläcky“ Schwarz etwas auf den Zahn gefühlt, auch weil in letzter Zeit doch viele völlig unbegründete Sorgen und Gerüchte über das Festival im Netz zu lesen waren. Aber lest selbt:

1)Bevor wir zum Festival 2013 kommen noch ein kurzes Resümee zur unvergesslichen Ausgabe 2012 mit vielen tollen Konzerten. Wie fällt euer Fazit aus? Wart ihr mit dem Besuch zufrieden, welche Konzerte blieben Euch als Veranstalter am positivsten in Erinnerung, gab es Anlass zu Klagen.

Blöcky: Das F-M V war super, so viele Besucher, wie noch nie, eine tolle
Atmosphäre auf dem Platz, viele tolle Konzerte, vor allem Versengold,
Schandmaul und Omnia haben herausgestochen. Ein kleiner negativer Aspekt
waren die Diebstähle auf dem Camping-Gelände, hier werden wir dieses
Jahr Security Streife laufen lassen, um die Diebe abzuschrecken.

2)Wie auf Facebook zu lesen war, haben sich mit Rudl und Oli 2 aus dem Orgateam verabschiedet. Wieso das und wie willst Du allein die ganze Arbeit stemmen?

Bläcky: Rudl und Oli sind aus privaten Gründen ausgestiegen, es wurde ihnen einfach zu viel. Die Arbeit der beiden wurde aufgeteilt, so dass das weiter kein Problem ist, es gab schon immer ein Orga-Team von ca. 20 Leuten, daran hat sich auch nichts geändert, nur dass einige neue Leute dazugekommen und alte gegangen sind.

3) Nun aber zur Ausgabe 2013. Im Vorfeld gab es wegen der OB-Wahl viele Gerüchte. Inzwischen hat Selb einen neuen, jungen OB der sich schon öffentlich positiv zum Festival geäußert hat. Habt ihr auch in diesem Jahr dieselbe positive Unterstützung seitens der Stadt Selb und dem ehemaligen Bürgermeister Kreil?

Bläcky: Haben wir. Ich hatte bereits vor der Wahl, zur Sicherheit, einen Antrag auf weitere 5 Jahre Mediaval gestellt und einen Vertrag bekommen, dann habe ich nach der Wahl sofort Kontakt mit dem neuen Bürgermeister aufgenommen und dieser hat mir versichert, dass er ein Fan des Festivals sei. Bei der großen Koordinationssitzung in Selb im März, wurde dann
alles bestätigt, es kann also bis zum 10ten ohne Probleme weitergehen.

4)Ihr habt in diesem Jahr ein Nordic-Special geplant. Nun haben aber Gjallarhorn leider abgesagt. Nicht zum ersten Mal. Trauen die sich nicht nach Selb?

Bläcky: Das hat mich sehr geärgert, vor allem, da die Band sich nicht gemeldet hat, sondern ich erst auf mehrmalige Nachfrage erfahren musste, dass die Sängerin beschlossen hat Mutter zu werden und deswegen ab Herbst kein Konzert mehr gibt. Dies war für sie bereits klar, bevor wir Flyer und Plakate gedruckt haben, auf denen nun Gjallarhorn steht und nicht Omnia.

5)Ich persönlich finde das ja gar nicht schlimm, weil ihr mit Omnia nicht nur eine meiner absoluten Lieblingsbands wieder verpflichtet habt, sondern weil das Omnia Konzert 2012 sicher eines der absoluten Highlights war. Viele Besucher werden Euch nach dem unglaublichen Festivalabschluss der Niederländer im letzten Jahr sicher sehr dankbar dafür sein. War es schwierig Omnia so kurzfristig zu überzeugen, wieder nach Selb zu kommen?

Bläcky: Nein überhaupt nicht, Omnia hatte mehrmals angefragt, ob sie nicht doch kommen können und sich das WE freigehalten, das Ganze hat 30 Minuten gedauert, dann war der Ersatz geklärt. Für Omnia ist das Mediaval eins ihrer 2 Lieblingsfestivals und wird von Ihnen bedingungslos unterstützt.

6)Das Festival Mediaval ist jedes Jahr auch deshalb etwas ganz besonderes im großen Angebot an sehenswerten Festivals, weil ihr es immer wieder schafft Bands nach Selb zu locken, die man sonst eher selten bis gar nicht live erleben kann. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr als besonderes Highlight?

Bläcky: Nun die Sensation ist sicherlich der Auftritt von Garmarna, der von der Kritik als besten Folk-Band Skandinaviens eingestuften Kultband, die seit nunmehr 12 Jahren auf keinem Festival und schon gar nicht mehr in Deutschland aufgetreten sind. Dann gibt es die Wiederholung des EDDA-Projektes von Poeta Magica, das vor 2 Jahren wegen Sturm abgebrochen werden musste, dieses Konzert gibt es in dieser Art sonst nirgends. Oliver Satyr von Faun macht den einzigen Festival-Auftritt mit seinem Nebenprojekt Kauna und dann natürlich noch der Auftritt von Corvus Corax zusammen mit den Wadokyo-Taiko-Trommlern, die so sonst nur in Wacken und dem Summer Breeze zu sehen sind. Besonders sind sicherlich auch die Konzerte von Unshine aus Norwegen, Obscurus Orbis aus Lettland und Wolfmare aus Russland.

8) Mit Dandelion Wine habt ihr diesmal eine Band aus Australien verpflichtet. Die haben aber Probleme die nicht unerheblichen Flugkosten zu finanzieren. Oder ist das Problem inzwischen behoben.

Bläcky: Z. Zt. dieser Antwort sieht es nicht schlecht aus. Wir werden uns auch am Crowd-Founding beteiligen und die Haarfarbe von Naomi für die Europa-Tournee ersteigern, dies kann dann von den Fans des Medival per Abstimmung festgelegt werden.

9)Etwas für Irritationen hat Eure Suche nach einem Bierzelt-Festwirt gesorgt. War die Suche erfolgreich und wie muss man sich das vorstellen, ein Mittelalter-Bierzelt auf dem Goldberg?

Bläcky: Nein, kein Bierzelt, einen bayrischen Biergarten wird es geben, dies hatte ich ausgeschrieben, um das beste Angebot zu bekommen. Es wird also auf der ehemaligen Workshopwiese einen großen Biergarten geben, das ist alles geregelt.

10)Ein absolutes Highlight des Wochenendes sind für einen Teil der Besucher auch die Workshops. Ist es schwierig Eure Künstler z.B. die tolle Beatrice Baumann zu gewinnen?

Bläcky: Nein, die Küstler machen das gerne, da sie alle übereinstimmend sagen, dass die Teilnehmer extrem motiviert sind und die Workshops unheimlich Spaß machen. Die Workshops werden dieses Jahr alle am und um das Kriegerdenkmal stattfinden.

11) Wo krankt es denn noch? Habt ihr genug freiwillige Helfer? Wie sieht es mit Unterkünften aus, die in Selb und Umgebung ja nicht zu zahlreich zur Verfügung stehen?

Bläcky: Ohne die Volontäre kann das Festival nicht umgesetzt werden, hier haben wir immer genügend Anmeldungen, von denen allerdings dann einige nicht erscheinen, so dass wir bisher immer ein wenig unterbesetzt waren, aber es hat bisher geklappt und wird dies auch weiterhin. Die Stimmung im Team ist super, falls also jemand Lust hat einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein Teil des Mediaval-Teams zu werden, soll er/sie sich doch bitte über das Formular auf der HP bewerben. Die meisten Besucher buchen ihre Zimmer bereits bei Abreise für das nächste Jahr, so dass schon Anfang des Jahres kaum mehr eine Unterkunft in Selb und Umgebung zu finden ist, man muss dann halt ein wenig weiter ausweichen, in Richtung Hof oder die fränkische Schweiz, dort sind noch genügend Zimmer buchbar. Wir selbst reservieren die Unterkünfte für die Orga und die Künstler auch schon sehr frühzeitig, um alle unterzubringen.

12) Gibt’s sonst noch was Bläcky, was Du gerne loswerden willst?
Bläcky: Ich möchte mich bei allen Besuchern, Helfern, Marktleuten und Künstlern bedanken, dass das, was ich erreichen wollte, nämlich ein Festival, das Gegensätze vereinigt und Grenzen überwindet, so toll funktioniert. Die super Atmosphäre auf dem F-M ist immer wieder beeindruckend und es ist schon ein tolles Gefühl, über den Platz zu laufen und nur lächelnden
und strahlenden Gesichtern zu begegnen. Das Schlagwort vom „Woodstock des Mittelalters“ ist ein Kompliment für mich. Vielleicht noch ein kurzer Ausblick in die Zukunft: Die nächsten Jahre wird es noch einige Motto-Festivals geben, 2014 ein Irish-Scottish-Special, dann noch ein Balkan- und ein Celtic-Special. Im 10ten Jahr solle es dann „Back-to-the-Roots“ heißen, also mit einem 1-Tages-Festival parallel auf der tschechischen Seite und das 11te wird dann das „Best of 10 years“.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und bis bald in Selb

Caro und Bernd Sonntag

TANZT! 2013

In unserer Reihe Euch auf besondere Festivals hinzuweisen gibts nun nach dem Schandmaul Open Air nun ein kleines Interview mit Michael Sackermann, dem Macher von TANZT!
übrigens findet ihr natürlich Bilder und einen Bericht zum Festival 2012 auf unsereren Seiten, so bekommt man einen guten Eindruck , was einen bei TANZT! auch 2013 erwartet.

Jarwin: Erstaunlich schnell steht für das TANZT! 2013 im November ja schon das Line-Up – lass uns zuerst nochmal einen kurzen Rückblick auf 2012 machen. Was ist Dir als Veranstalter besonders positiv und negativ in Erinnerung geblieben und wie war das Feedback auf das TANZT! 2012?

Michael: Das ist richtig, es vergingen genau genommen nur drei Wochen nach TANZT! 2012 bis ich mit dem Booking für die diesjährige Ausgabe angefangen und die erste Mail an das Management von Vogelfrey geschrieben habe. Zum einen liegt das ganz klar daran, dass ich persönlich nach der gelungenen letzten Ausgabe bereits der nächsten Ausgabe entgegen fiebere, zum anderen liegt es aber auch daran, dass wir frühzeitig im Gespräch sein möchten, was die Jahresplanung von Konzerten und Festivals der Fans für das kommende Jahr angeht. Besonders positiv in Erinnerung blieb mir die gute und ausgelassene Stimmung der Fans, die jede Band derart intensiv abfeierten, wie ich es anderswo nur selten erlebt habe. Ebenso blieb der überwiegend reibungslose Ablauf mit allen beteiligten Bands und Crews in positiver Erinnerung. Einerseits sehr schön, andererseits aber auch schade für viele Fans, die keine Tickets mehr bekommen haben, ist natürlich auch die Tatsache, dass wir bereits eine Woche vor dem Festival restlos ausverkauft waren. Leider gab es auch Dinge, die nicht positiv verlaufen sind. Dazu gehört mitunter, dass wir den Händlerbereich bereits sehr früh räumen mussten, da dort im Anschluss eine Party stattfand. Auch das höchst unschöne Benehmen zweier Musiker einer Band, von dem ich aber aus Respekt gegenüber den beteiligten Personen nicht öffentlich erzählen möchte, blieb nicht positiv in Erinnerung. Alles in allem war es für mich die beste und schönste Ausgabe des Festivals.

Jarwin: Nun aber zu TANZT! 2013: Das Line-Up hat sich ja nochmals verändert, weil ihr eine Band richtigerweise wieder ausgeladen habt, wofür man Euch wirklich sehr loben muss. Kannst Du nochmals kurz die Gründe erläutern für alle, die es über Facebook nicht mitbekommen haben.

Michael: Wir (das Backstage und ich) hatten uns dazu entschieden den Auftritt der Band Waldtraene abzusagen, da ihr als unpolitisch auftretendes Label in einer für uns und unsere Medienpartner unklaren Verbindung mit einem umstrittenen Versand steht, der in seinem Shop zahlreiche rassistische Merchandise-Artikel verkauft. Wir bekamen zuvor mehrere Hinweise von Fans und Medien zu der Sachlage und sahen uns in der Pflicht zu handeln. Zwar unterstellen wir der Band nicht mit extrem rechter Gesinnung zu sympathisieren, jedoch können und möchten wir nicht verantworten, dass das TANZT! Festival durch den Auftritt der Band mit dem umstrittenen Versand in Verbindung gebracht wird. Leider erreichten uns nach der Absage der Band einige äußerst feindselige Nachrichten von Leuten in Facebook und per E-Mail. Aus diesem Grund möchte ich hier erneut allen Fans sowie der Band ausdrücklich mitteilen, dass uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist, da die Band mit ihrer Musik eine Bereicherung für unser Festival gewesen wäre und wir sie ihren Fans gerne bei TANZT! präsentiert hätten.

Jarwin: Wie hat die Band drauf reagiert?

Michael: Nach anfänglich kooperativen Telefonaten, sind die Fronten mittlerweile leider verhärtet, da sie sich in einer öffentlichen Stellungnahme von uns distanziert. Wir stehen über dieser Tatsache und wünschen der Band alles Gute für die Zukunft. Zudem hoffen wir, dass sich die Sachlage schnellstmöglich aufklären wird, damit es zu keinen weiteren Absagen, Distanzierung seitens der Medien und sonstigen Unstimmigkeiten für sie kommen wird.

Jarwin: Nun aber zu Erfreulicherem und den beteiligten Bands 2013. Was erwartet den Besucher in diesem Jahr?

Michael: Den Besucher erwartet erneut ein sehr abwechslungsreiches Line-Up mit nationalen und internationalen Bands. Neben Feuerschwanz, einem der Senkrechtstarter der vergangenen Jahre in Deutschland, werden gleich drei Newcomer der deutschen Mittelalter-Szene – Vogelfrey, Vermaledeyt und Undschuldig – die Besucher begeistern und ihr Debüt bei TANZT! geben. Zudem dürfen natürlich auch die Lokalmatadoren Vroudenspil in ihrem Heimathafen nicht fehlen. Nach ihrem CD-Releasekonzert am 6. April in München zur neuen Scheibe „Pulverdampf“ wird der Auftritt am TANZT! der einzige im Großraum München 2013 sein – und wer bereits bei mehreren Ausgaben von TANZT! war weiß, dass sich die Piraten für jeden Auftritt bei TANZT! etwas ganz besonderes einfallen lassen! International wird es dieses Jahr erneut mit den Russen Troll Bends Fir, den großen Publikumslieblingen des vergangen Jahres sowie mit den Ungarn Dalriada, die Folk-Metal auf höchstem Niveau spielen. Die heimische Band The Real Motherfolkers ist auf vielfachen Wunsch wieder mit dabei und wird zusammen mit den ebenfalls aus der Gegend stammenden Fatzwerk für kurzweilige Umbaupausen und etwas Alternativprogramm zur großen Bühne im Werk sorgen. Insgesamt werden satte neun Bands für Kurzweil sorgen – und das zu einem mehr als fairen Eintrittspreis von nur 20 Euro + Gebühr des jeweiligen Ticketanbieters.

Jarwin: Ihr seid noch auf der Suche nach Händlern, wenn ich richtig informiert bin, Also raus mit der Sprache, was benötigt ihr noch oder wünscht ihr Euch das TANZT! 2013 genauso ein Erfolg wird wie 2012?

Michael: TANZT! ist ein eintägiges Musikfestival in einer Halle. Unser Schwerpunkt liegt also definitiv weiterhin bei der Musik als auf Händlerständen. Trotzdem oder gerade deshalb ist es allerdings schön, den Besuchern ein überschaubares Angebot von Waren an wenigen ausgewählten Ständen anbieten zu können. Konkret suchen wir für TANZT! mittelalterliche Händlerstände, die Accessoires, CDs, Hörner, Kleidung, Schmuck usw. verkaufen. Unsere Bedingungen sind dabei sehr entgegenkommend. Wir erheben keine Standgebühr, Biertische und Stromanschluss sind vorhanden, die Beleuchtung ist selbst mitzubringen. Der Verkauf von Speisen und Getränken ist jedoch ausgeschlossen. Interessierte Händler schreiben bitte an info@tanzt-festival.de

Jarwin: Welche Art Musik muss eine Band machen, dass sie beim TANZT! spielen kann? Ihr habt hier ja einen ganz bestimmten musikalischem Anspruch.

Michael: Die Band sollte im weitesten Sinne Folk-Rock/-Metal bzw. Mittelalter-Rock/-Metal spielen. Wir nehmen keine Bands, deren Folk- und Mittelalter-Einflüsse ausschließlich in den Texten zur Geltung kommen oder die für das Genre typische Instrumente und Melodie nur von Band einspielen. Allgemein sollte die Musik mitreißen, gut gemacht sein und etwas Neues bieten. Bands, die ausschließlich „Ai vis lo lop“ „Totus Floreo“ oder das „Palästinalied“ in der x-ten „Neufassung“ covern haben eher schlechte Karten, da man diese Lieder auch bei jedem Mittelaltermarkt zu hören bekommt. Wir nehmen jedoch dieses Jahr mit Fatzwerk wieder eine „Marktmusikband“ mit ins Boot, weil uns ihre Musik schlicht und ergreifend gefüllt und hervorragend auf die zweite Bühne passt. Man kann uns natürlich jederzeit eine Bewerbung zukommen lassen, jedoch ist unsere Liste bereits ziemlich lang. ? Kontakt: booking@tanzt-festival.de

Michael, vielen Dank für das kleine Interview, wir freuen uns schon sehr auf TANZT! 2013
Bernd Sonntag

München Tanzt! am 17.11.2012

Für jeden hatte das 6. Tanzt! Festival in München etwas zu bieten. Die einen, die mehr auf die härteren Klänge standen, wurden mit dem Celtic-Folk-Metal der Italienischen Band Furor Gallico bestens bedient, wer mehr auf Piratenrock steht hatte am Auftritt von Vroudenspil seine wahre Freude und die Mittelalter Rockfans fühlten sich bei den Headlinern von Ignis Fatuu bestens aufgehoben. Wers etwas Bierseeliger will, den rissen Troll Bends Fir mit ihrem Humpa-Metal mit und dass aus München auch hörenswerte Bands kommen bewiesen neben Vroudenspil auch Musica Immortalis. Und da das noch nicht reichte gabs besonders für die vielen italienischen Fans im Publikum einen furiosen Folkstone-Auftritt mit Band zum Anfassen am Ende.

Es gab gute alte Bekannte zu erleben, wie Vroudenspil die bei allen Tanzt! Festivals dabei waren oder Neues zu entdecken wie z.B. die Russen von Troll Bends Fir, die erst ihren zweiten Deutschlandauftritt hatten, oder gleich ein ganz neuer Sänger am Mikrofon, aber dazu später mehr.

Es gab aber nicht nur was auf die Ohren, auch das Auge wurde kräftig bedient von gut geformten nackten Männeroberkörpern angefangen, über gut geformte Alkoholkörper bis zum weiblichen Eyecatcher, wie z.B. Amelia von Musica Immortalis gab es viel zum sehen und genießen. Bestens bedient wurde aber auch das Tanzbein, es wurde getanzt, gezappelt und wild umhergesprungen und so wurde die sechste Auflage des Festivals so ganz nebenbei auch noch zu einem richtigen Workout für Bauch, Beine und Po, wenn man das denn wollte. Man konnte aber auch einfach nur zuhören wie ein Teil der vielen Besucher, die das Backstage erstmals in der 6-jährigen Festivalgeschichte schon Tage zuvor ausverkauften. Kein Wunder, dass ein zufriedener Michael Sackermann und sein Orgateam aus dem Strahlen nicht mehr herauskamen, nachdem sich auch die letzten Sorgenfalten gelegt hatten. Die waren dadurch entstanden, dass wegen einer Sperre auf der Brennerautobahn Furror Gallico völlig verspätet in München eintrafen und die 2 Fanbusse der italienischen Bands auch noch im Verkehr steckenblieben. Völlig ungewöhnlich für ein Festival und trotz ambitioniertem und extrem engem Zeitplan entschied man sich ein paar Minuten zu warten, bis auch diese Busse im Backstage eintrafen, damit auch die weitgereisten Fans aus Italien ihre Bands erleben können.

Und am Ende gabs dann ein weiteres Geschenk, Auflage Nummer 7 wurde durch eine Stimme aus dem Off für den November angekündigt. Dann in der größten Halle des Backstage, damit man nicht mehr soviele Kartenwünsche ablehnen muss . Hoffentlich wieder mit Vroudenspil, sie gehören einfach zum Inventar des Festivals.

Nun aber ein kleiner Rückblick auf Ausgabe Nummer 6, der fünfzehn Minuten verspätet mit Musica Immortalis began.

Musica Immortalis

Musica Immortalis dürften den wenigsten ein Begriff sein, Amelia und ihre 6 Jungs aus dem Raum München machen Mittelalterrock der härteren Art. Mit E-Gitarren, Schlagzeug, Flöten, Schalmei, Davul und Sackpfeifen gibt’s was auf die Ohren, die Eigenkompositionen haben aber auch die eine oder andere ruhigere Passage mit sanften Gesang, für die in erster Linie die Dame im hübschen Kleid zuständig ist. Neben den Eigenkompositionen gibt’s auch das eine oder andere traditionelle Liedgut im Programm, das man auf ganz eigene Weise interpretiert auch um der Bandidee, eine Verbindung zwischen eingängig ruhigen Mittelalterklängen und härteren Rock und Metalklängen herzustellen genüge zu tun. Und das soll dann möglichst auch noch gut klingen, einen Beweis den die Band auch Dank zweier sehr unterschiedlicher Sänger trotz kurzem Auftritt auch antreten konnte. Den hatten sie zwar durch den langen Auftritt auch selbst verschuldet, man hätte ihnen aber trotzdem noch ein paar Minuten zugestehen können, noch dazu, da man danach ja extra etwas länger auf die Italiener gewartet hat. Und dass man ihnen dann das Mikrophon einfach abdreht und der Sänger sich nicht mal mehr sich vom Publikum verabschieden kann war auch etwas unglücklich und hat sicher für schlechte Laune bei Musica Immortalis gesorgt.

Furror Gallico

Mit Furror Gallico ging es dann weiter und die mit Schminke bemahlten Musiker im Rock ließen schon beim Aufbau die Spannung steigen und einen wilden Auftritt erwarten. Den gab es dann auch, die Italienische Band aus Monza ist in Deutschland ja noch ziemlich unbekannt . Das kann sich vor allem bei Anhängern diverser Metal-Spielarten recht schnell ändern, denn die Italiener müssen sich vor Bands wie z.B. Korpiklaani oder Eluveitie nicht verstecken. Und Leadsänger Davide Cicalese hat auch Stimme und die nötige Bühnenpräsenz dafür. Die Folk-Melodien mit keltischem Ursprung waren sicher die härtesten des Tages, da hat es die kleine Harfenspielerin Becky Rossi (auch schon bei Folkstone) und ihre kleine Harfe leider echt schwer sich Gehör zu verschaffen. Davide Cicalese hat mit seiner Stimme und seinen Gekeife und Gegrowle da weniger Mühe sich gegen die harten Gitarrenriffs durchzusetzen. Der Name Furror Gallico geht übrigens auf Julius Caesar zurück der in De Bello Gallico den Zorn der keltischen Krieger beschrieb. Und so machte die zornige Band die 2011 ihr Debütalbum mit gleichnamigen Namen herausbrachte mit einem zornigen , leidenschaftlichen Auftritt ihrem Namen alle Ehre und sorgte vor allem bei den italienischen Besuchern für kollektives Ausrasten, was sich besonders in Mosh und Circle Pits entlud. Verständlicherweise führte dies nicht bei allen Besuchern zu Freudensprüngen, es gibt auch wirklich schöneres als völlig unerwartet von einem ausgeflippt herumspringenden Besucher mit voller Wucht fast umgenietet zu werden.

Troll Bends Fir

Band 3 ist in Deutschland erstaunlicherweise immer noch ein echt unbeschriebenes Blatt. Erst zum zweiten mal konnte man sich in Deutschland live präsentieren, die Premiere gab es 2011 beim Festival Mediaval. Und da haben sie mich mit einem grandiosen Auftritt so fasziniert, dass ich seitdem voller Spannung auf einen weiteren Liveauftritt hoffte. Und um es schon vorweg zu nehmen. Ich wurde wieder nicht enttäuscht Troll Bends Fir waren einmal mehr ein Ereignis und absolut sehenswert. Allerdings mit 2 sichtbaren Veränderungen im Vergleich zu Selb. So hat man eine neue Geigerin mitgebracht, die den Sound nochmals belebt. Die zweite betrifft Sängerin und Flötenspielerin Maria Lewandowa. Die war im Vergleich zu Selb zwar immer noch stimmlich und an der Flöte richtig toll, jedoch auch ungewöhnlich zurückhaltend agierte. Da sie außerdem körperlich ziemlich zugelegt hat liegt der Verdacht nahe, dass sie in anderen Umständen ist. Vielleicht schmeckt ihr aber auch das Bier recht gut, trinkfest scheint die Band aus St. Petersburg ja eh zu sein. Und das passt ja auch zur Russischen-Sauf-Aus-Band die mit ihrem Bier-Folk so richtig für Stimmung sorgen kann. Besonders der Obertroll Konstantin „Troll“ Rumjanzew ist mit seiner Mimik und Gestik einmal mehr ein Ereignis. St Petersburg ist musikalisch vor allem durch gute Ska-Bands ein Begriff , davon hebt sich die Musik der Trolle jedoch deutlich ab, genauso wie vom Viking Metall, den man unter Kostya Troll früher gemacht hat. Stimmung, gute Laune verbreiten und fetzig abzurocken verstehen sie aber genauso wie jede Ska-Band und der Humpa-Punk-Folk-Mix geht sofort übers Ohr ins Tanzbein. Mit Titeln wie z.B. Oktoberfest passen sie trotz russischem Gesang natürlich perfekt nach Deutschland und sind trotz immer noch Geheimtip-Status eine echte Bereicherung für jedes Festival, egal ob man versteht was sie singen oder nicht. Und mit solchen Auftritten, wie beim Tanzt! sollte sich das auch schnell herumsprechen und man muss nicht wieder ewig warten, bis man die Russen mal wieder in Deutschland hören kann.

Folk Stone

So ähnlich wie mitTroll Bends Fir ging es mir mit FolkStone. Die aus dem italienischen Bergamo stammende Band wurde bereits 2005 gegründet, das erste und bisher einzige Mal hab ich sie beim Festival Mediaval erlebt und dort sind sie mir ebenfalls bleibend in Erinnerung geblieben. Als tolle Mittelalter-Rockband mit Metal-Einschlag, charismatischem leidenschaftlichem Sänger, einer guten, spielfreudigen Band und sehenswerter Bühnenshow, also all das was das Münchner Publikum von der temperamentvollen Truppe auch am Samstag geboten bekam. Obwohl es bereits 5 CDs , die letzte mit dem Titel Il Confine 2012 erschienen, gibt und man sowohl beim Wave-Gothic-Treffen wie auf diversen Festivals in Deutschland gespielt hat u.a auch beim Feuertanz, ist auch Folk Stone im Vergleich zu Schelmish, Corvus Corax, In Extremo oder Subway to Sally auch in der Szene noch nicht ganz so bekannt. Völlig zu Unrecht, die Italiener müssen sich wirklich vor keiner Mittelalterband verstecken, eingängiger und nicht ganz so rauh wie Furor Callico haben sie vom ersten Lied an das Publikum vällig im Griff und nicht nur die Italiener, für die es am Ende des Konzerts kein Halten mehr gab als sie in Flashmop-Manier die Bühne stürmten. Die Musik mit traditionellen Stücken und Eigenkompositionen aussschließlich in italienisch gesungen ist eine extrem gelungene explosive Mischung aus mittelalterlicher Marktmusik und brachialerem Folk-Metal. Alles in den Topf geworfen, einmal umgerührt und mit Schlagwerk, Dudelsäcken, Flöte , Harfe, Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug instrumentiert geht der Punk ab. FolkStone machen Spaß, gewaltig Spaß, soviel Spaß, dass nicht nur die italiensichen Fans völlig aus dem Häuschen waren und begeistert Zugaben forderten. Es klingt aber einfach auch grandios , wenn 4 Dudelsäcke, E-Gitarre und Schlagzeug und dazu ein genialer Sänger loslegen. Aber auch für gefühlvolle Momente ist im Folkstone-Programm immer Platz und mit Clara am Mikrofon hat die Band auch stimmlich Abwechslung zu bieten. Überhaupt ist die Folk Stone Musik nie eintönig oder langweilig sondern Samstag vom ersten bis zum letzten Ton ein echtes Festival-Highlight.

Vroudenspil

Gerdazu perfekt war dann das nun folgende Kontrastprogramm der Band Vroudenspil, wie bereits erwähnt eine Band die untrennbar mit dem Tanzt! verbunden ist. Musikalisch höchst abwechslungsreich und wesentlich ruhiger gab es nun Piratenrock auf die Ohren. Und da durfte dann auch kräftig mitgesungen und geschunkelt werden. Seit dem Sieg beim Nachwuchswettbewerb beim Festival Mediaval, beobachte ich die Entwicklung der Band mit großem Interesse. Schon damals konnten sie das Publikum völlig in ihren Bann ziehen , doch seitdem hat sich die Band eindeutig qualitativ noch weiterentwickelt. Die Spielfreude haben sie sich bewahrt, das Programm ist dafür aber musikalisch noch deutlich vielseitiger geworden , die Band routinierter und es macht noch viel mehr Spaß einen Vroudenspil-Auftritt zuzuhören. Und auch wenn die Band bereits 5 Besetzungswechsel in 5 Jahren Bandgeschichte hinter sich hat, so konnten die Vroudenspil nicht wirklich schaden. Sicher auch , weil die Bandprägenden Gesichter wie „Sänger Ratz von der Planke“, die bildhübsche „Phyra“ an den Flöten und „Freibeuter Petz“ am Dudelsack zum Glück noch dabei geblieben sind. Mit dem „Seewolf“ hat man einen guten neuen Akkordeonspieler gefunden, der auch noch die Show sehr positiv unterstützt und „4-Finger-Jane“ am Bass fügt sich nicht nur nahtlos ein, sondern besticht mit viel Temperament und Spielfreude. „Dax vom Berg“ an Dudelsack und Schalmei sowie „Der Kraken“ am Schlagzeug und fertig ist die muntere Piratenmeute, die das Backstage zum toben brachte. Kein Wunder ,dass die Veranstalter die Band gerne buchen, bekommt man dafür doch einen tollen Live-Act und so haben Vroudenspil nicht nur inzwischen bei fast allen renomierten Festivals gespielt wie WGT , Feuertanz, dem MPS (Mittelalterlich Phantasie Spectaculum) , Festival Mediaval und Schlosshof-Festival und inzwischen auch in den Niederlanden beim Elf Fantasy und in Italien musikalische Spuren hinterlassen. Im April 2013 gibt’s das neue Album und dann dürfte die Erfolgsstory Vroudenspil sich ungebremst fortschreiben lassen. Einen Ausblick darauf gabs schon einmal beim Tanzt! als man 2 neue Stücke vorstellte. Diese krönen einen furiosen Autritt einer Band , die es nicht nur musikalisch, sondern auch immer optisch zu überzeugen versteht.

Zwar hat man mit Elmsfeuer eine weitere herausragende Piratenmeute im Nacken, aber 2 richtige tolle Piratenbands verträgt der deutsche Musikmarkt locker und beide gemeinsam bei einen Festival wär sicher auch ein unvergessliches Highlight.

Zwar hing man inzwischen kräftig im Zeitplan , trotzdem wollte man Vroudenspil nicht von der Bühne lassen so dass natürlich auch die Piratenmeute eine Zugabe spielen durfte. Danach begann wieder das große Gewusel auf der Bühne, der Umbau für Ignis Fatuu musste wie alle zuvor auch möglichst schnell klappen. Und hier ein echtes Lob an die Technik. Es ging wirklich erstaunlich schnell und ohne nennenswerte Probleme über die Bühne und der Sound stimmte bei allen Bands, man machte also einen klasse Job auch wenn Umbauzeiten nach Plan im Formel Eins Tempo nicht zu schaffen waren.

Ignis Fatuu

Der letzte Auftritt des Festivals und damit die Headliner-Position gehörte der 2004 gegründeten Mittelalter-Rockformation Ignis Fatuu aus Nürnberg. Ein Auftritt der mit viel Wehmut verbunden war. Nicht nur weil nach dem Auftritt das Ende eines tollen Festivals gekommen war, sondern noch viel mehr weil Abschied nehmen angesagt war. Zum Glück nicht von Ignis Fatuu, die machen weiter, sondern von Sänger Alexander Trappe, der nach 7 Jahren Ignis Fatuu aufhört und zwar „Freunde, wenn es am schönsten ist“, wie er dem wenig darüber begeisterten Publikum mitteilte. Doch Taschentücher rausholen war nicht angesagt, dafür sorgen die Lieder für zuviel Stimmung. Trotzdem ist es immer schwierig einen Sänger zu ersetzen und da Alex nicht nur stimmlich sondern auch mit seinen Geschichten und Anmoderationen die Auftritte von Ignis Fatuu entscheidend prägt wird es sicher kein leichtes Unterfangen ihn adäquat zu ersetzen dachten sich sicher viele im Publikum. Die Lösung präsentierte die Band dann selbst. Denn man hatte den neuen Sänger einfach gleich mitgebracht und anmoderiert von Alex durfte er auch gleich das Mikrofon übernehmen und Überraschung Überaschung auch gleich noch 2 ganz neue Songs vom im nächsten Jahr erscheinenden Album präsentieren. Sein Name kurz P.G. wie sich Andreas nennt. Früher Sänger bei Merlons Lichter hat er nach einer Bühnenpause von einigen Jahren wieder Lust auf Live-Music und ist bei Ignis Fatuu eingestiegen. Sicher sehr zur Freude von Peter, Irene, Alex, Volker und Robert. Die Band wird es also auch weiterhin geben und der Kurzauftritt zeigt schon deutlich wohin die Reise geht. Denn die beiden unterscheiden sich doch ziemlich voneinander, sowohl stimmlich, wie auch in der Bühnenperformance. Charisma hat er ohne Frage, singen kann er auch , das wurde überdeutlich und vor Leidenschaft und Energie sprüht er auch. Er hat also alle Voraussetzungen um ein erfolgreicher Frontmann einer Band zu werden, die es versteht gute Songs zu schreiben, wie zum Beispiel Nordwind, auch wenn der eine oder andere Ignis Fatuu-Fan da so seine Zweifel zu haben schien. Die legten sich auch nicht, als er mit Band zum Abschluss noch einen alten Song mit neuer Stimme präsentierte, richtig Stimmung im Publikum wollte zum Abschluss einfach nicht mehr aufkommen. Vielleicht auch den kleinen Pannen geschuldet die mit dem Auftritt von Ignis Fatuu verbunden waren, angefangen beim Sound bis zum Mikrofon, dass sich einfach nicht vom Ständer lösen lassen wollte.

Mir persönlich hat der Kurzauftritt von P.G durchaus gefallen und hat viel Lust auf mehr gemacht. Vor allem das stimmliche Zusammenspiel mit Irene Gawlik konnte mich voll überzeugen, der ich eh sehr gerne zuhöre und beim musizieren zusehe. Sie kam bei beiden Songs viel besser zur Geltung und das tut dem Ignis Fatuu Sound wirklich gut. Man braucht also um die Bandzukunft wirklich keine Angst haben, es wird etwas anders klingen aber ganz ehrlich, wer braucht eine Kopie die es eh nicht geben wird. Also Leute, wieder ab ins Studio und feste Songs schreiben, damit die Platte bald erscheinen kann. Gespannt genug darauf bin ich und sicher viele andere auch schon jetzt, die beiden neuen Songs sind jedenfalls schon sehr vielversprechend und machen gewaltig Lust auf mehr. Eins würde ich mir von der Band aber trotzdem wünschen, einmal über eine einheitlichere Optik nachzudenken. Ich weiß nicht ob es wirklich so prickelnd ist vom „AC/DC Gitarristen“ bis zur „Mittelaltermaid“ alles was ein Kleiderschrank so hergibt auf der Bühne zu sehen.

Vielleicht gibt’s das „Mehr“ von Ignis Fatuu dann beim nächsten Tanzt! Denn wie schon erwähnt wurde mit der Stimme aus dem Off Auflage Nummer 7 am 23.11.2013 angekündigt, und damit ging das Festival seinem Ende entgegen. Also Termin schon mal dick anstreichen, jede Wette, dass das extrem familiäre Festival auch 2013 ein tolles Lineup aufweisen kann, ganz viel für wenig Geld bieten wird und mich würde (sicher abhängig vom Lineup) nicht wundern wenn trotz größter Backstage-Halle auch schon Tage vorher „leider ausverkauft“ zu lesen ist. Deshalb unsere Weihnachstgeschenk-Idee für Mittelalterfans: Eine Karte für das Festival Mediaval im September und dann, um dann gut durch die Winterdepri zu kommen, eine Karte für die 7. Auflage von Tanzt!

Wer einige Worte zu den Real Motherfolkers vermisst oder zu dem Drumherum mit Markständen dem muss ich enttäuschen, das hab ich nicht mitbekommen zu sehr war ich mit dem was sich auf der Hauptbühne tut beschäftigt.

Tanzt! Die letzten News zum Festival

Am 17.11. startet zum sechsten Mal Tanzt!, diesmal im Backstage München. Mit IGNIS FATUU + VROUDENSPIL + FOLKSTONE + TROLL BENDS FIR + FUROR GALLICO + MUSICA IMMORTALIS + THE REAL MOTHERFOLKERS hat man ein tolles Line-Up zusammengestellt. Grund für uns mit dem Veranstalter in Person von Michael Sackermann ein kurzes Interview zu führen und ihm letzte Informationen zu entlocken.

Jarwin: Bereits 6 Jahre gibt es nun Tanzt!. Zuerst in Rosenheim, dann in Kufstein und nun im Backstage München. Ein Mittelalter und Folk-Rock-Metal Festival Tanzt! zu nennen ist eher ungewöhnlich. Wieso die Veranstaltung unter dem Namen Tanzt! ?

Michael S : Die Idee die Veranstaltung Tanzt! zu nennen, fiel uns – Petz, Ratz und Dax von Vroudenspil sowie mir – bei einem gemütlichen Fernsehabend im Frühjahr 2007 ein. Die Namensgebung erschien uns aus mehreren Gründen passend. In erster Linie sollten das Festival und die dort auftretenden Bands gute Laune verbreiten. Es gibt die Legende, dass die Menschen im Mittelalter glaubten, dass auf einer Wiese vor den Toren der Stadt der Tod mit den Klängen seiner Geige seine Opfer anlockte. Den Spielleuten sagte man nach, dass sie von Stadt zu Stadt zogen, um die Klänge des Todes zu übertönen, die Menschen somit von ihm fern hielten und sie zu ausgelassenem Tanz aufforderten. Außerdem gibt es etliche Querverweise in der gesamten Mittelalter-Rock-Szene, die die Thematik aufgreifen, ob Songtitel und -inhalte oder auch Bandnamen.

Jarwin: Bei Tanzt! sollen 7 Bands auftreten. Los geht’s um 17.30. Wie muss man sich das denn vorstellen? Umbaupausen gibt es ja sicher auch noch. Dauert das Festival bis 04.00 Uhr oder hat jede Band nur eine sehr begrenzte Zeit für den Auftritt oder gibt es gar 2 Bühnen?

Michael S: Bei Tanzt! bekommt jede Band eine angemessene Spielzeit. Wie auf fast jedem Festival üblich verlängert sich die Spielzeit vom Opener bis zu den Headlinern. Die beiden Headliner spielen jeweils eine Stunde, die anderen Bands knapp unter einer Stunde und die Newcomer von Musica Immortalis, die den Abend eröffnen, heizen dem Publikum mit einer Spielzeit von 30 Minuten ein. Zusätzlich zu den sechs Bands (Ignis Fatuu, Vroudenspil, Folkstone, Troll Bends Fir, Furor Gallico und Musica Immortalis), die in der Backstage Halle spielen, tritt zusätzlich eine siebte Band (The Real Motherfolkers) auf einer zweiten Bühne im Backstage Club mit drei kurzen Sets auf. Hier kann man bei diversen Händlern shoppen, ein Horn Met genießen und bei traditionellen Irish & Scottish Folk eine Auszeit von der schweißtreibenden Party in der Halle nebenan nehmen. Die Umbaupausen versuchen wir dank des professionellen Technik-Teams des Backstage so kurz wie möglich zu halten.

Jarwin: Was erwartet den Konzertbesucher noch?

Michael S: Wie oben bereits erwähnt gibt es eine Hand voll Händler, die CDs, Kleidung, Schmuck und diverse Accessoires anbietet. Natürlich wird neben den üblichen alkoholischen Getränken an der Bar auch Met ausgeschenkt.

Jarwin: Auf welche Band freut man sich als Veranstalter besonders?

Michael S: Da ich Fan der Musikrichtung bin und die Bands ausgesucht habe, freue ich mich auf alle Bands des Line-Ups. Jedoch gibt es natürlich einige persönliche Highlights. Darunter fallen in diesem Jahr die beiden italienischen Bands Folkstone und Furor Gallico, die mit zahlreichen Fans anreisen und mit denen ich in den vergangenen Jahren eine gute deutsch-italienische Freundschaft geschlossen habe. Ein weiteres persönliches Highlight ist ganz klar der Auftritt der Russen Troll Bends Fir, die wegen ihres unterhaltsamen Auftritts mit Sicherheit für den einen oder anderen Besucher DIE Neuentdeckung des Festivals sein könnten.

Jarwin: Besonders bemerkenswert ist, dass dem Mittelalter -Musikfan zu einem wirklich sehr fairen Eintrittspreis tolle Gruppen geboten werden. Wirtschaftlich ist das sicher gar nicht so leicht zu stemmen. Erfolgte deshalb der Umzug nach München und wieviel Zuschauer erhofft man sich als Veranstalter?

Michael S: Das ist in der Tat bemerkenswert. Ehrlich gesagt wäre das Festival wirtschaftlich nicht in seiner Form mit diesen tollen Gruppen realisierbar, wenn vor allem die internationalen Bands nicht außerordentlich entgegenkommend gewesen wären was ihre Vergütung angeht. Tanzt! ist immer noch ein Festival von Fans für Fans, auch wenn nun mit Backstage Concerts GmbH ein professionell agierender Veranstalter im Hintergrund auftritt. Ich hoffe sehr, dass wir im Laufe des Abends erstmals in der Geschichte des Festivals ausverkauft sein werden.

Jarwin: Plant ihr mit dem Tanzt! Festival schon über 2012 hinaus?

Michael S: Ja, die Pläne gibt es. Es steht auch bereits ein Datum fest, das ich hier an dieser Stelle auch gleich offiziell verkünden möchte. Die siebte Ausgabe von Tanzt! findet am 23. November 2013 im Backstage statt. Mehr kann ich aber noch nicht verraten.

Jarwin: Gibt es für alle Kurzentschlossenen, die noch nach München kommen wollen und auch eine Übernachtung suchen, was sicher in einer Stadt wie München nicht sehr schwierig sein wird, überhaupt noch Karten und habt ihr vielleicht sogar einen guten Übernachtungstip auf Lager.

Michael S: Es wird nach jetzigem Stand noch Tickets an der Abendkasse geben. Wir versuchen den Vorverkaufsstand auf unserer Website www.tanzt-festival.de so transparent wie möglich zu machen. Als Veranstalter hofft man einerseits, dass das Festival ausverkauft ist, andererseits jedoch niemanden nach Hause schicken zu müssen. Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls auf unserer Website aufgelistet

Vielen Dank für das kurze Interview, wir freuen uns schon sehr.

Carolin und Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2012-Teil 3-der Sonntag

Sagax Furor, Ars Floreo und Senos Sento, der Nachwuchswettbewerb im Bereich Spielmannsmusik

Sonntag hieß es dann noch etwas früher aufzustehen, denn diesmal ging der Nachwuchswettbewerb nun in der Kategorie Spielmannsmusik schon um 10.00 Uhr los. Sagax Furor hatten die schwierige Aufgabe den Weckruf über den Goldberg zu schicken, was ihnen so bravurös gelang, dass sie den Wettbewerb auch für sich entscheiden konnten. Mit Dudelsäcken, wilden Getrommel und stimmunsvollen Songs rissen sie das immer zahlreicher erscheinende Publikum mit. Das gelang allerdings auch problemlos Ars Floreo, die zu dritt mit launigen Ansagen und stimmlicher Qualität überzeugen konnten. Da die dritten im Bunde Senos Sento mit ihrer akustischen Musik ebenfalls für Verzückung sorgten hatte es Jury und Publikum wirklich schwer, den Sieger zu bestimmen.

Winterstorm

Apropos Sieger, Winterstorm, der haushohe Gewinner des letzten Jahres, stand um 12 Uhr auf der Bühne und lieferte ein dermaßen gnadenloses Rockbrett ab, dass selbst die verkatertste Metleiche aufgeweckt wurde. So gut gefüllt war die TB um die frühe Zeit noch nie und die Wacken erprobten Jungs aus Bayreuth und Umgebung nützten ihr Heimspiel bravourös. Das Programm, eine Mischung aus Songs von der ersten CD A Coming Storm und den Songs von der neuen, Kings will fall, die erst kurz vor dem Festival Mediaval erschienen ist, kam großartig beim Publikum an, so dass die 100 mitgebrachten CDs bei Weitem nicht reichten. Kein Wunder, selbst wenn man Metal nicht so mag, die gelungene Mischung die die Band für sich gefunden hat kommt einfach an und mit ihren harten, aber höchst melodischen Songs können sie auch die Anhänger der ruhigeren Töne erreichen. Und mit Alex hat man den perfekten Sänger gefunden, er kann singen, performen, die Leute unterhalten nur was die Haare betrifft, da kann er mit den anderen Jungs in der Band nicht mithalten. Eine Stunde Winterstorm verging wie im Flug und wer sie verpasst hat darf sich zurecht ärgern. Eindrucksvoll konnten die Jungs belegen, wieso sie als ganz große Deutsche Metal-Hoffnung gelten.

Chor on Air

Nach dem absoluten Ohrenfreiblasen was Winterstorm zur Perfektion geschafft haben, haben die Veranstalter einen famosen Kontrastpunkt gesetzt. Es war ja schon am Morgen krass, als ein Doppelachsbus die Auffahrt zum VIP-Zelt hochfuhr, sich die Türen öffneten und Mann um Mann und Frau für Frau dem Bus entstiegen. Das wollte gar nicht mehr aufhören und die Festival Mediaval Besucher konnten um 12.00 Uhr alle live miterleben wieso so ein großer Bus für den nächsten Act nötig war. The Chor on Air mit über 70 Leuten stand auf der Bühne. Das hatte es bei einem Festival Mediaval auch noch nicht gegeben. Schon von Weitem waren die stimmgewaltigen Frauen und Männer gut zu hören und lockten immer mehr Neugierige an. Wie geschaffen für das Festival Medival ist dieses gemeinnützige Chorprojekt aus Speyer, die mit ihrer Show Celtic Night Mut bewiesen haben. Entstanden ist es aus der Idee ihres Chorleiters Stefan Golea, der nach einem gemeinsamen Auftritt mit dem Belgischen Scala-Chor ein neues Programm suchte. Mutig deshalb, weil sicher nicht alle Chormitglieder Celtic, Gothic oder Mittelaltermusikfans sind, geschweige denn die Zuhörer, es sei denn man tritt in Selb auf.
Bei mir hatten sie ja schon gleich am Anfang gewonnen, als sie einen der schönsten Subway to Sally Songs Eisblumen in ein wunderhübsches Chorgewand hüllten. Weiter ging es u.a. mit Songs von Nightwish und Epica um nur mal 2 Bands zu nennen. Einen zweiten sehr emotionalen Glanzpunkt setzte man, als man Blackys Tochter und einem Bandmitglied musikalisch mit einem gesungenen Happy Birthday zum Geburtstag gratulierte. Blackys Tochter hatte sich das wahrlich verdient, denn wie die Tage zuvor so musste sie auch an diesem Tag für das Festival arbeiten, wie übrigens viele andere freiwillige Helfer die keinen Geburtstag hatten natürlich auch.

Van Langen

Van Langen zum Dritten hieß es um 12.45 auf der Theaterbühne. Ganz allein stand er da. Grund war eine verlorene Wette mit Blacky. Mit dem hat Marcus Van Langen gewettet, dass es die 3 keine 5 Jahre durchhalten. Falls doch wird er allein auftreten, etwas das ja nicht so oft vorkommt. Und so stand er nun allein auf der Bühne, kämpfte mit einem widerspenstigen Notenständer und dem Wind der seine Text und Notenblätter über die Bühne verteilte. Erst ein Stein gereicht von einer freundlichen Zuhörerin ermöglichtete es, dass es losgehen konnte und Blacky der zum kontrollieren, ob die Wette auch eingelöst wird, auch anwesend war, hatte sicher genauso viel Spaß wie die Leute im Publikum an Marcus van Langen einmal ganz solo.

Lotus Ensemble

Den nächsten Kontrastpunkt gab es um 13.00 Uhr mit dem Lotus Ensemble aus Vietnam. Wie jedes Jahr haben es sich Rudel, Blacky und Oli nicht nehmen lassen Bands auf die Bühne zu holen, die man so in Deutschland nicht oder nie auf einem Festival erleben kann. Egal ob sie aus dem hintersten Sibirien kommen und kein Wort deutsch oder englisch können, wie 2009 Veda Kolod aus Sibirien, oder wie 2012 eben aus Vietnam. Die 2 Frauen und der Bandchef trugen Volkslieder und volkstümliche Melodien aus Nord-, Mittel- und Südvietnam vor. Leider bei recht kleiner Zuschauerkulisse. Viele haben sie verpasst, die zugehört haben hatten bestimmt ihre Freude an den fremdländischen Klängen und den exotischen Instrumenten. Was man von den Asiaten noch lernen konnte ist ihre Gelassenheit. Da wird bei dem Riss einer Seite einfach die Bühne verlassen und ganz cool einfach ein neues Instrument aus dem Kofferraum geholt, ohne das der Sound merklich leidet. Zwar auch, weil ein Teil leider von Band kam, aber trotzdem waren das Lotus Ensemble einen Besuch wert. Schon allein wegen den netten Ansagen ans Publikum.

Spiritual Seasons

Spiritual Seasons aus der Ukraine kann man auch nicht alle Tage hören, Im Gegenteil. Der Auftritt der Folkband war der einzige in Deutschland. Manch einer hat sie zuvor schon auf der Theaterbühne gehört, nun durften sie auch eine Stunde auf der SB ihr Können unter Beweis stellen. Mit tratitionellen Mittelalterklängen, sowie irischen und skandinavischen Folksongs klangen die Ukrainer gar nicht so anders wie man es vielleicht zuvor vermutet hätte.

PurPur

Als absoluter Zuschauermagnet erwies sich um 15.00 Uhr einmal mehr PurPur. Auseinanderhalten kann ich die Zwillinge Judith und Christine bis heute nicht, es sei denn sie stehen ausnahmsweise knapp nebeneinander. Dann hilft der Größenvergleich. Das wars dann aber auch mit dem Unterschied und genauso ähnlich wie die 2 sind, genauso gut passen ihre Stimmen zusammen, die das gemütlich sitzende Auditorium verzauberten. Ich bin immer noch völlig fasziniert davon, wieviel Zuhörer dem Mittellalter-Fantasy-Zwillings-Folk (verstärkt mit Leihgeiger Matthias von der Band Tir Na Nog), wie sie selbst gern ihre Musik bezeichnen, andächtig lauschten.

Viel Applaus und strahlende Gesichter waren der Lohn für die 2 Mädels die ja fast im Dauereinsatz waren. Vor allem Christine mit ihren 9 Auftritten neben PurPur auch mit Saitenweise und Heiter bis Folkig hatte sich ein echtes Mammutprogramm aufgehalst. Es zeigt aber auch wie die 2 die Musik leben. Und daneben werden natürlich auch noch die lieben Kollegen abgefeiert, wie z.B. Omnia beim Abschlusskonzert.

Schelmish

Eine Träne vergiesen musste man dann um 16.00 Uhr als Schelmish letztmalig in Selb auftraten. Letztmalig deshalb, weil sie Ende des Jahres den Namen Schelmish beerdigen. Zum Glück und das ist das einzig positive daran wird man sie auch weiterhin als Musiker erleben. Wir haben ja schon beim Crana Historica davon berichtet, uns war klar das Dextro und Band das durchziehen und das hat Dextro in Selb auch noch einmal deutlich gemacht. Auch wenn manche, die es nicht wussten, dies erst als Witz auffassten. Es ist ja auch schwer zu glauben und irgendwie auch schwer zu verstehen, wenn man die Band auf der Bühne erlebt. Da geht der Punk ab. Vor allem der geschätzte 2 Meter- Trommler Roderick, der von Dextro von Konzert zu Konzert immer wieder mal mit einem neuen Namen bedacht wird, tut der Band und den Sound richtig gut. Jetzt haben sie wieder eine Idealbesetzung gefunden und jetzt soll alles vorbei sein. Noch nicht ganz, es gibt noch eine Tour zusammen mit Saor Patrol und dann natürlich die Rockshow zum Abschluss von 13 Jahren Schelmish live. Und dann wird auch wieder gesungen. Anders wie in Selb, wo die Mittelaltershow auf dem Programm stand. Mit der Rockshow war man ja schon mal live beim Festival Mediaval dabei, fleißige Mediaval Besucher hatten somit das Glück beides live erleben zu können. Und diesmal auch noch Dextro in Crocs auf der Bühne, denn die eigentlichen Bühnenschuhe vergisst der schusselige Dextro schon mal gerne.

Cradem Aventure

Nach der Goldenen Zwerg Verleihung machte die Band Cradem Aventure den Abschluss auf der BB. Die letzten Ostgoten, wie sie sich gern nennen, haben bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Optisch ohne Frage ein Highlight und sehr passend ist die Musik für mich dann doch etwas zu eintönig und wenig abwechslungsreich. Und 2 Mal Instrumentalmusik in Folge mit stark Dudelsacklastigem Sound echt anstrengend. Schade eigentlich, denn die Show und vor allem die Feuerkünstlerin war optisch sehr passend.

Omnia

So das wars fast mit meinem Bericht vom Festival Mediaval. Es fehlt eigentlich nur noch ein paar Worte über das Abschlusskonzert zu verlieren. Wobei was heißt schon „nur noch“. Ganz nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ gabs zum 5. Mal , wegen des Poetry Auftritts letztes Jahr eigentlich zum 6. Mal Omnia live in Selb. Und jedesmal ist die holländische Band ein absolutes Muss und echtes Erlebnis. Soviele Zuhörer haben sich noch nie Sonntag zum Abschlusskonzert vor der Bühne versammelt, schon beim Soundcheck herrschte prächtige Stimmung und Steve Sic Evans van der Harten war in seinem Wohnzimmer (und das ist Selb zweifellos) wie gewohnt schon da zum Scherzen aufgelegt.

Ich möchte gar nicht verhehlen, dass ich die Musik der Band total mag, die Jungs und natürlich Jenny sehr schätze, das haben sie sich aber auch in Selb mit phantastischen Auftritten erspielt. Als ich sie beim ersten Mal gehört habe , war ich völlig fasziniert und die Faszination wird immer stärker. Denn egal was sie an Liedern auch abliefern, ob man Lilly Marlen auf Deutsch singt oder eigentlich viel zu selten neue Songs herausbringt. Es klingt einfach nur schön und wundern braucht sich Steve wirklich nicht, dass sich so viele für den Pagan-Folk der Band begeistern können, wie er das in Selb öffentlich beim Konzert kundtat. Ein schlechtes Omnia Konzert hab ich noch nie erlebt aber eins ist auch Fakt in Selb sind die Holländer schon immer besonders gut. Das haben sie diesmal auch wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen können.

Eins hab ich aber auch noch nicht erlebt, Steve hat alle Ansagen in Deutsch gemacht, sehr zur Freude des Publikums die an dem Spezial-Deutsch des charismatischen Frontmanns so richtig ihre Freude hatten. Vor allem wenn er dann mal wieder für ein, zwei Worte ins Englisch abtrifftete oder nach dem Deustchen Wort suchte. Das war sicher auch eine Wertschätzung an das Publikums und an das wunderbare Festival, was die Band auch dadurch kund tat, dass sie zum 5 Jährigen Jubiläum CDs ins Publikum verschenkten und Steve mit größter Freude kostenlos T-Shirts ins Publikum feuerte. Und man kann ihm das auch getrost glauben, dass er gerne jeden eins schenken würde, aber sie sind halt „independent“, wie er so schön sagte.

Übrigens, lieber Steve, das mit dem „Love in the Forrest“ hat auch so seine negativen Seiten. Welche hatte ein Waldfan am eigenen Leib erleben müssen, als ihn ein schießwütiger Jäger am frühen Morgen keine 6 km vom Festplatz weg, gnadenlos über den Haufen schoss, weil er dachte er ist ein Wildschwein. Omnias Love in the Forrest kann aber nicht der Grund gewesen sein, was den bedauernswerten Kerl bewogen hat um 6 Uhr früh durch den Wald und das angrenzende Maisfeld zu streifen, das Konzert war einen Tag später. Man wird es wohl nie mehr erfahren, warum er sich um 6 Uhr da herumgetrieben hat.

Herrlich auch die Idee, das Publikum mal zu fotografieren und mit wem geht das besser als mit den 3 Fotografen die das Booklet der neuen Live CD mit ihren Fotos bereichert haben: Schade, dass Facebook es nicht zulässt dass sich jeder, der sich erkennt auch markieren kann. Es wär eine geniale Liste geworden, leider lässt Facebook das nicht zu.

2 Zugaben und das stürmisch geforderte „The Morrigan“ als Schlusspunkt bei dem Scherzbold Steve den bedauernswerten Schreiber dieser Zeilen mit seinem Schwert zum Ritter schlagen wollte (hihi), beendeten einmal mehr eine denkwürdige Omnia Vorstellung verbunden mit der Hoffnung auf ein Neues 2013.

Mask

Ganz am Ende war man allerdings noch nicht, als kleines Dankeschön und als musikalischen Rausschmeisser standen die 3 Macher auf der Bühne um Rudi Meier genannt Rudel und seine Band Mask anzukündigen.
Ein richtig stimmungsvoller Abschied war das und Lust wieder in den Alltag zurückzukehren hatte wohl kein einziger der vielen vielen Besucher, die immer noch am Platz verweilten und zum Teil leidenschaftlich mitsangen.

Das Drumherum

Soviel zum Musikprogramm , ein paar Sätze möchte ich jetzt aber unbedingt noch über das Rahmenprogramm verlieren. Denn das macht das Flair dieses Festivals auch aus. Egal ob das Kleinkunstprogramm , das wie jedes Jahr sowohl was Fotos anbelangt, wie auch im Bericht eigentlich viel zu kurz kommt, die Workshops bei denen man sich im Drehleier- , Digeridoo-, Rahmentrommel- und Dudelsackspielen ausbilden lassen konnte. Oder in Kontaktjonglage, Orientalischem Tanz, Mittelalter-Tanz, Schleiertanz, in Poi und besonders exotisch in Khoomei-Obertongesang. Die Kurse hatten großen Zulauf und mit Rüdiger Maul von Faun, Daphd Sens von Omnia, Axel Zwingmann von Ignis Fatuu und Beatrice Baumann auch bekannte Lehrmeister um einmal 4 Namen zu nenen. Apropos Beatrice, sie war auch in diesem Jahr ein strahlender Mosaikstein, egal ob selbst mit Kontaktjonglage solo, oder mit Omnia und Versengold auf der Bühne. Und natülich wenn sie als Stier oder Einhorn mit ihren selbst entworfenen und gefertigten Kostümen über den Platz stelzte und nicht nur die Kinder in Verzückung versetzte. Die Kleinkünstler, egal ob Basseltan, die 2 Herolde die außerdem noch die Moderation wo auch immer sie gebraucht wurden übernahmen, der witzige Gaukler Lupus der mit Jonglage und Akrobatik glänzte, ob Artistica Anam Cara, das Räubertheater Hopsa Viva Insgemein usw., oder die ganzen Lagergruppen von Bautzen bis Erding, die ganzen Kinderprogramme und viele großartige Händler, die Fressstände nicht zu vergessen. Sie alle tragen gewaltig zu der Einmaligkeit dieses Festivals bei. Am meisten jedoch die zahlreichen Besucher, die großartig gewande,t oder ganz normal gekleidet, der wichtigste Teil dieses Festivals sind. Und dies nicht nur wegen ihres Besuchs, sondern ihrer ganzen Art. Das merkt man auch, wenn man sich Tage danach durch Selb bewegt, da wird überall geschwärmt, sei es über die Sauberkeit der Besucher, die Freundlichkeit oder die großartigen Kleider.

Waren die Selber am Anfang sehr reserviert so sind viele inzwischen mächtig stolz auf „Ihr “ Festival und möchten dies auch nicht mehr missen. Vielleicht war auch die Beteiligung des Vereins ENKL Ausdruck dieser Wertschätzung . Der Verein der jedes Jahr in Selb ein großes Meilerfest ausrichtet, hat es sich nicht nehmen lassen und am Wochenende live am Festivalgelände Holzkohle produziert.

Bestimmt haben wir noch 1000 Sachen vergessen zu erwähnen, man möge es uns nachsehen. Wir von Jarwinbenadar.de und gruftimusik.de möchten uns ausdrücklich noch einmal bei den Machern des Festivals bedanken, die viel Herzblut und auch finanzielles Risiko nun schon 5 Jahre investiert haben um jedes Jahr von Neuem ganz vielen Menschen eine große Freude zu machen (die vielen freiwilligen Helfer nicht zu vergessen) und viele positive Reaktionen allein auf Facebook zeugen davon. Und auch das ist ja auch nicht immer üblich , meist heißt Schweigen ja war ok und nur die Kritik wird laut. Zum Glück ist das hier auch etwas anderes.

Der Wermutstropfen des Wochenendes

So bleibt nur noch Lacrimosa und ihren neuen Song „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ zu zitieren. Der Arsch in diesem Fall waren gleich mehrere, die die Gelegenheit nutzten um die Festivalbesucher und Händler massiv zu beklauen. Das erschreckende daran ist, dass das keine Einzelfälle mehr sind, sondern das ganze scheinbar von Musikfestival zu Festival Bandenmässig organisiert ist. Bei Wacken soll es allein über 800 Fälle gegeben haben und in Selb hat die Security scheinbar auch eine Diebesabnde erwischt. Das schlimmste daran, nachdem die mittellaterlichen Foltermethoden ja abgeschafft sind, passiert ihnen nichts. Man nimmt ihnen die Sachen ab und lässt sie wieder frei. Da könnte man sie auch gleich wieder auf den Goldberg fahren. Aber vielleicht muss man sich in Zukunft gerade darauf speziell einstellen, aber das ist bei der Weiträumigkeit des Zeltgeländes und der Parkplätze ein schwieriges und vor allem auch sehr teueres Unterfangen, das letztlich jeder Konzertbesucher zahlen muss. Traurig echt.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Security noch einmal explizit loben, man hat sofort versucht zumindest soweit möglich darauf zu reagieren. verhindern konnte man die zahlreichen Diebstähle der 3 Tage natürlich nur bedingt. Und auch auf dem Festplatz machten sie unauffällig und freundlich ihren Job.
Carolin und Bernd Sonntag

Festival Mediaval 2012-Teil 1-der Freitag

Es ist schon der Wahnsinn wie schnell 3 Tage vergehen können. Vor allem als Besucher des Festival Mediaval, da vergeht die Zeit wie im Fluge und man ärgert sich, weil man so viel noch gar nicht gesehen, erlebt und genossen hat und da ist es auch schon wieder vorbei und es heißt wieder ein ganzes Jahr warten. Ich denke so geht’s vielen, die bei sonnigstem Wetter das kleine 5-jährige Jubiläum in Selb erlebt haben und mit vielen tollen Bands, großartigen Gauklern und Künstlern und dem wunderbaren Publikum zusammen eine Party gefeiert haben, die wie Steve von Omnia so schön sagte, einen mit einem tolllen Gefühl über den Winter kommen lässt bis es hoffentlich 2013 die 6. Ausgabe des großartigen Festivals gibt.

Wir das Team von Jarwinbenadar mit Carolin, Valeria, Hermann und Bernd haben versucht in den 3 Tagen das ganze fotografisch etwas festzuhalten. Und so werden wir die nächsten Wochen unsere Galerien auf jarwinbenadar.de fällen. Auch auf www.gruftimusik.de gibt’s weitere Bilder. Und doch wird es nur ein kleines Streiflicht sein. Viele Besucher sind leider unfotografiert geblieben und wir haben sicher auch genug Tolles verpasst. Nicht traurig sein oder ärgern und wen es stört , dass er auf unseren Seiten auftaucht dann einfach ne Mail an uns und wir werden das Bild selbstverständlich entfernen.

Nun aber zuerst einige Worte zum Festival, das am Freitag mit einem tollen Festzug begann. Der ging vom Goldberg zum Rathaus, die Bürgermeister von Selb, Wolfgang Kreil und Rudolf Bruchnow, beide natürlich gewandet, wurden feierlich zum Goldberg geleitet. Danach ging es zurück über alle 3 Bereiche des Festplatzes und auf jedem wurde das Festival für eröffnet erklärt. Das machte Selbs Bürgermeister Kreil auf seine bekannt humorvolle Art. Und so konnte man auch wissenswertes erfahren, wie zum Beispie,l dass seine 2 Knappen (Enkel) die er dabei hatte, deshalb Knappen heißen, weil sie knapp an Wuchs sind.

Blunt

Um 17.00 Uhr stand mit Blunt dann die erste Band auf der Schlossbühne in der Folge nur noch SB genannt. Die 5 Belgier sind in ihrer Heimat keine Unbekannten mehr, in Deutschland sind sie auf gutem Wege sich mit ihrem größtenteils aus Eigenkompositionen bestehenden Folkrock eine Fangemeinde zu erspielen. Eine typische Folkrockband sind die Belgier aber auch wieder nicht, das ganze hat schon etwas durchaus eigenständiges und war eine perfekte Einstimmung auf 3 spannende Tage Musik.

Camerata Pledelinga

Erste Band auf der Burgbühne (BB) war Camerata Pledelinga aus Plattling, eine Band die seit 2004 Mittelaltermusik macht. Erst rein akustisch hat sich der Stil durch E-Gitarre, Schlagzeug und E-Bass mehr in Richtung kernigem Mittelalterrock verlagert, aber auch rein akustisch kann man sie noch auf Märkten antreffen.

Der Band gelang es viel Publikum anzulocken und man sah ihnen den Spaß an, den sie an ihrem ersten Auftritt bei einem Festival Mediaval hatten.

Triakel

Wesentlich ruhiger ging es danach auf der SB bei Triakel zu. 3 Musiker, Stimme, Violine und Harmonium und mit ganz wenig Equipment kommt wirklich ganz viel heraus. Die Schweden machen einen extrem ruhigen Folk, der sich vor allem auf traditionelle Weisen aus der Heimat stützt. Mit Emma Härdelin, nebenbei auch Sängerin der Band Garmarna steht jemand am Mikro, der das Singen wahrlich beherrscht und auch wenn der ruhige bisweilen etwas depressive Folk nicht jedermann gefiel, so waren andere Besucher restlos fasziniert davon. Aber das macht dieses Festival ja so spannend. Es gibt immer wieder genug Neues zu entdecken und es ist für jeden der Musik mag etwas dabei.

Des Teufels Lockvögel

So wie zum Beispiel „Des Teufels Lockvögel“ eines der Projekte von Marcus van Langen, gute alte Bekannte in Selb. Allerdings hat sich im Vergleich zum Auftritt von vor 2 Jahren Einiges geändert. Juliane La Fey ist Mutter geworden und mit Peter Pagany hat man einen neuen Drummer dabei, der den Sound mit seinem großen Trommelaufbau noch satter und voller macht. Ein echter Gewinn für die Band. Da ich bei der letzten Festivalteilnahme schon so viel über des Teufels Lockvögel geschrieben habe möchte ich mich deshalb etwas kürzer fassen. Auch wenn es mir schwer fällt, denn ich mag ihre Musik, die wie es so schön auf der Homepage steht von „Elfisch zart bis daemonisch hart“ einfach nur fetzt. Und Juliane ist einfach eine echte Granate auf der Bühne. Jedesmal wieder aufs neue schön zu erleben und auch Dank des neuen Trommlers der bisher beste Auftritt den ich von ihnen gesehen habe. Und das ist umso erstaunlicher, ging es Juliane vor dem Auftritt schon nicht besonders. Davon ließ sie sich aber gar nichts anmerken im Gegenteil.Vollgas vom ersten bis zum letzten Ton war da angesagt. Danach konnte einen aber echt Angst um Bange werden in welch bedauerlichem Zustand die hübsche Sängerin sich befand. Zum Glück brachten 2 Sanitäter sie nach einiger Zeit dann doch wieder einigermaßen auf die Beine. Das war übrigens auch der Grund warum sie nach dem Konzert keine Autogramme mehr schreiben konnte, es ging gesundheitlich einfach nicht mehr und sie war darüber selbst am unglücklichsten. Wenn es also eine Tapferkeitsmedaille gegeben hätte an dem Wochenende, sie hätte sie verdient.

Saltatio Mortis

Headliner des Freitags waren Saltatio Mortis, die zum zweiten Mal in Selb waren. Inzwischen gehören sie zu den ganz großen Bands der Szene, ihre CDs sind immer für eine Top-Verkaufsplazierung in den Media-Control-Verkaufscharts gut und trotzdem sind sie so normal sympathisch und nett geblieben, wie am Anfang ihrer Karriere, als sie die kleinsten Märkte als Spielleute bespielten. Auch wenn sich seitdem auch Besetzungstechnisch um Sänger Alea viel getan hat.

Beim letzten Festival Medival hat mich ihre Stroposkop-Show nicht gerade von dem Hocker gerissen, das war diesmal völlig anders. Ein grandioser, fetziger Auftritt war das, was die Spielleute aus Mannheim, Karlsruhe und Umgebung so ablieferten, frei nach dem selbstgewählten Motto: „Wer tanzt stirbt nicht“. Und zu sagen haben sie auch etwas nicht nur in ihren Liedern. Ihr Statement zu den Vorgängen um die Punk-Band Pussy Riot und dem Skandalurteil in Russland macht das Ganze zwar nicht ungeschehen oder die Situation der Frauen besser, aber trotzdem ist es ein wichtiges Signal und man wünscht sich, dass ganz viele Bands und Musiker aufstehen und sagen „so nicht!“. So wie es Omnia am Sonntag auch getan haben. Vielleicht würde das, mit ganz vielen Fans im Rücken, mehr bewegen als das Politikergeschwafel nach der Devise „Das ist nicht in Ordnung Herr Putin.“ Das Statement von Putin sollte aber auch noch im weiteren Fortgang der Show eine Rolle spielen, als Alea nämlich die Menge aufforderte sich zu teilen damit er einmal über die Bande bis nach hinten zu den Fans laufen konnte. Allerdings haben die seine Aufforderung nach ihm den Gang wieder zu schließen missverstanden und schon war der Gang geschlossen und der kleine Alea in der großen Menge verschwunden. Extrem lustig, weniger allerdings dann seine Begegnung mit einem Fan auf dem Weg zur Bühne, der scheinbar sein Missfallen zur Aktion Pro „Pussy Riot“ ausgedrückt hat. Man sah ihm seine Wut darüber förmlich an und man kann eigentlich nur mit dem Kopf schütteln, dass man Menschen die den Mut haben sich gegen zentralistische Strukturen aufzulehnen auch noch schlecht findet. Da wünscht man sich mal 2 Jahre Straflager fü den Herren. Zum Glück ließ Alea sich seine gute Laune aber nur ganz kurz vermiesen. Danach wurde wieder gefeiert , gerockt und singend gestagedived, was ich auch noch nie gesehen habe. Und bevor die Saltatio Rockshow am Naseweis-Metstand weiterging bis der Busfahrer des Nightliners aus dem benachbarten Marktredwitz zur Abfahrt mahnte ließ es sich Alea nicht nehmen Peter Sailer , dem Chefredakteur des Zillo Medieval für die Unterstützung in all den Jahren zu Danken. Manche Bands vergessen halt auch im Erfolg nicht und das macht sie eigentlich erst groß.

Festival Mediaval 2012-Teil 2-der Samstag

Der Festival Mediaval Award mit Elmsfeuer , Drachenflug und Spiegelkeller

Nach der langen Nacht ging es um 10:30 auf der Theaterbühne (TB) wie es in Selb ja schon gute Tradition ist mit dem Wettbewerb um den Mediaval Award im Bereich Mittelalter-Rock unchristlich früh weiter. Der Wettbewerb ist versteckt auf der kleinen Bühne trotzdem ein kleines Highlight, schafft man es doch immer wieder qualitativ extrem gute Bands dafür zu finden. Und denen winkt neben dem goldenen Zwerg auch ein Auftritt auf der BB im nächsten Jahr. Und viele tolle Bands haben hier ihre Visitenkarte abgegeben und seitdem geht es stetig voran, mit Winterstorm, Omdulö und Vroudenspiel sind hier mal nur 3 Beispiele erwähnt.

Auch in diesem Jahr haben sich 3 völlig unterschiedliche und richtig gute Mittelalter-Rockbands eingefunden und es geschafft das Publikum mitzureißen und großartig zu unterhalten. Allen voran Elmsfeuer, die Piratenband die völlig verdient den Zwerg gewinnen konnte und auf die man sich schon jetzt 2013 extrem freuen darf. Es ist nicht schwer, der Truppe, wenn sie weiter an sich arbeiten, eine sehr erfolgreiche Musikkarriere vorauszusagen. Ähnliches kann man über Drachenflug sagen. Die Musik der Steampunk-Band aus Hamburg ist wesentlich spezieller und polarisiert viel mehr als die von Elmsfeuer. Zusätzlich war die Band durch die Knochenbrüche einer der Sängerinnen in ihrer Performancefähigkeit sichtlich eingeschränkt. Trotzdem ist das Steampunk-Outfit auch mit der dicken Beinschiene noch schön anzuschauen. Überhaupt ist das Outfit aller Bandmitglieder sehr gelungen und es ist sicher spannend zu beobachten was aus den Hamburgern in den nächsten Jahren noch so wird.

Aus Rostock kam mit Spiegelkeller die dritte Band des Wettbewerbs, die ebenfalls nicht enttäuschten und für zufriedene Gesichter beim Publikum sorgten.

Fremitus

Auch einer dieser Award-Gewinner sind die Spielleute von Fremitus, die um 12.00 Uhr auf der Burgbühne das Programm eräffneten. Auf Instrumenten, die sie von ihren Reisen mitbrachten, wie es so schön auf ihrer Bandhomepage schreiben, spielten sie für das noch etwas verschlafene Publikum eine Stunde auf.

Heiter bis Folkig

Mit Heiter bis Folkig ging es dann auf der SB um 13.00 Uhr weiter, Die Band gehört ja ähnlich wie Faun und Omnia zum Inventar des Festivals Mediaval, ohne sie würde echt was fehlen. Bei ihnen ist der Name einfach Programm, der Spaß kommt nie zu kurz, egal ob auf der großen Bühne oder während des Tages am Handwerkermarkt, wo die kleine Bühne ganz dicht umlagert wurde, als man unverstärkt Musik machte. Und damit es den Musikern nicht zu langweilig wurde standen alle Samstag Nacht als Rausschmeisser als ein Teil der Larp-Band nochmals auf der Bühne. Extra fürs Festival Mediaval, extra um den Besuchern etwas ganz besonderes zu bieten, Klasse!

Schagai

Schagai, den nächste Act auf der BB haben sicher die wenigsten gekannt. Und wenn man das Programm zuvor gelesen hat und dann über „mongolische Gesänge“ gestolpert ist, hat bestimmt der eine oder andere gesagt: Essenspause, Trinkpause, Shopping-Pause.

Pech gehabt. Hinter Schagai verbirgt sich eines der Projekte des Mittelalter- Musikverrückten Marcus van Langen, der von seinem Besuch in die Mongolei einige monoglische Musiker mitgebracht hat, die mit ihm die BB gerockt haben. Mit einem fremdländischen und doch faszinierenden und sehr spannenden Sound, der vielleicht den Mongolen selbst ziemlich fremd war konnten sie das Publikum überraschen. Klasse Vorstellung, eine klasse Optik und um das ganze noch zu steigern holte er dann seine 2 Lockvögel mit einer um die Nasenspitze noch etwas blassen Juliane und einen Sänger aus dem Iran auf die Bühne.

Wenn auch nicht für jeden so haben Schagai doch viele der Zuhörer mit ihrem so eigenen und fremdländischen Sound berührt bzw. fasziniert. Eine der absoluten Entdeckungen des Festivals 2013, wenn auch zugegeben eine sehr spezielle. Marcus van Langen hat den Mongolentest bestanden, er darf auch mit Schagai gerne wieder kommen und für die Jungs aus der Mongolei war die Atmosphäre des Festival Mediavals und das begeisterte Publikum sicher auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Stellamara

Mit Stellamara, die Band der neuen Faun Sängerin Sonja Drakulich hatte das Festival Mediaval erstmals eine Band aus Übersee zu Gast. Ehrensache dass nicht nur die Musiker von Faun sondern auch von Omnia gespannt zuhörten wie der elektronisch verstärkte Ost-Europa-Balkan -Mix sich denn live anhört. Auf die Idee, das ist ne Band aus Übersee, kämen bei den Klängen sicher die wenigsten. Genauso gespannt waren viele Festivalbesucher die in großer Zahl sitzend und zum Teil bewußt den Schatten suchend das Konzert verfolgten.

Pampatut

Völlig anders was den Besuchern auf der BB danach geboten wurde. Eigentlich muss man nur den Namen Pampatut erwähnen, dann weiß jeder was die nächste Stunde geboten wurde. Es ist echt der helle Wahnsinn, was Max von Gluchowe und Holger Hopfenstreich, verstärkt um einen ebenfalls extrem gutgelaunten Trommler abliefern. Mittelalter-Comedy wie es besser nicht geht. Die Truppe die ja auch außerdem noch am Samstag auf den Handwerkermarkt den Handelsmarkt und der Theaterbühne aufgetreten ist, ist nie langweilig. Und noch krasser, keine aber wirklich keine Show gleicht auch nur annähernd der anderen. Was den zweien an Blödsinn einfällt ist der Wahnsinn, einzige Gemeinsamkeit aller Shows , es wird relativ wenig gesungen. Somit braucht Pampatut auch mehr Spielzeit um auch mal alle Songs einer CD vorzustellen. Der Auftritt auf der BB langt da bei Weitem nicht.

Ballycotton und Shatabdi Groove Express

Da ich die nächsten beiden Bands Ballycotton und Shatabdi Groove Express so gut wie gar nicht gehört habe, verbietet sich darüber etwas zu schreiben. Bei Ballycotton weil ich am Verhungern und verdursten war und exotischer Obertongesang nicht so meins ist und mich auch der Groove Express nicht so wirklich erreichte.

Faun

Ganz anders war da schon der Auftritt von Faun, eine der Bands die ich mir immer wieder anhören könnte. Nach dem Abgang von Rairda war ich wirklich auf die 2 Neuen in der Band Sonja Drakulich und Stephan Groth, ein wahrer Virtuose auf der Drehleier, gespannt. Der Sound klingt durch die 2 auch wieder etwas anders, logisch und doch wie Faun und wie immer richtig gut. Hinzu kommt einmal mehr ein großartiges Licht und ein guter Sound, der den Faun Auftritt jedesmal veredelt. Durch die neuen Musiker, so spielt Sonja Drakulich neben Percussions auch Hackbrett, werden für die Band neue Klangmöglichkeiten möglich. Die konnte man am Samstag beim Auftritt bei vielen neu arrangierten Stücken auch hören.

Mediaval-Award

Nach dem Faun-Gig wurde der Mediaval-Award in der Kategorie Mittelalter-Rock an Elmsfeuer verliehen, die den großen Goldenen Zwerg von den 2 kautzigen Fichtelgebirgs-Zwergen freudestrahlend in Empfang nahmen. Somit wird man die Freibeuter-Crew 2013 wieder sehen und man sollte sich schon jetzt eine geistige Notiz machen, dass man sich diese Band unbedingt anschauen muss.

Versengold

Danach musste man aber schnell sein um rechtzeitig auf der BB den Auftritt von Versengold nicht zu verpassen. Und jede Minute , die man die Jungs nicht sieht ist eine Minute zuviel. Eigentlich war klar, wenn man sie im letzten Jahr in Selb erlebt hat, der Auftritt kann nur gut werden. Aber was auf der BB dann wirklich abging lässt mich heute noch mit dem Kopf schütteln und treibt einem das Grinsen ins Gesicht. Unfassbar, wie das Publikum die Jungs abgefeiert und mit ihnen gefeiert hat. Snorre, Pinto, Hengest der Lange, Honza und Paule waren aber auch sowas von gut drauf, das ging gar nicht anders. Man musste mitsingen, mitschunkeln, mitgrölen. Irre!

Ein ganz großer Pluspunkt von Versengold sind neben ihrer so publikumswirksamen, spontanen, supersympathischen Offenheit vor allem auch die Texte der Songs. Alle selbst geschrieben schaffen sie es zeitkritsich, lustig , unterhaltsam , witzig, romantisch und auch nachdenklich zu sein. Ein Verbrechen, dass es diesen grandiosen Auftritt nicht als Live-Tondokument zu kaufen gibt. Auch, weil das Publikum so großartig war und so intensiv mitgesungen hat. 1000te von Menschen feiern eine Party wie sie schöner nicht hätte sein können mit allerdings einem echten Makel. Sie ist einfach viel viel zu früh zu Ende. Ich bin sicher nicht nur ich, sondern ganz ganz viele Festival Mediaval Besucher wünschen sich Versengold auch nächstes Jahr und zwar endlich einmal auf der Schlossbühne. Damit die Metburg so richtig ins Wackeln kommt. Und kaum auszudenken wenn sie den Auftritt vom Samstag nochmals toppen.

Schandmaul

Auf die nächste Band war ich ebenfalls extrem gespannt. Schandmaul, Headliner des ganzen Festivals, eine der Wunschbands, die das Orgateam seit Jahren so gerne beim Festival Mediaval gesehen hätte waren endlich da und mit ihnen die Massen. Der ganze Platz auf der SB voller erwartungsfreudiger Menschen und im Hintergrund der 40 Tonner der Band, der das Equipment für die ganz große Schandmaul Show nach Selb mitgebracht hat. Besonders gespannt war ich auch deshalb, weil ich die CDs der Band extrem mag, sie mich live aber noch nicht wirklich überzeugt haben. Unter anderem, weil ich fand, dass Sänger Thomas Lindner nicht so wirklich auf das Publikum eingeht bzw. sein Publikum wahrnimmt. Diesen Eindruck muss ich nach dem Auftritt definitiv relativieren. So stark hab ich Schandmaul noch nie gesehen, so rockig aber auch noch nicht. Richtig klasse die Wink-Spielchen mit der Menge. Ein unglaubliches Bild den kompletten Platz in Zeitlupe winken zu sehen.

Erstmals seit langen waren die 2 Damen der Band Anna Katharina Kränzlein und Birgit Muggenthaler wieder dabei. Die fehlten ja bekanntlich Schwangerschaftsbedingt öfters (die unglücklichen Worte von Sänger Thomas Lindner dazu möchte ich hier jetzt lieber nicht wiederholen). In Selb war man auf alle Fälle komplett und es ist sicher einer der Gründe, warum Schandmaul so erfolgreich geworden ist. Die Bandbesetzung ist seit Gründung annähernd gleichgeblieben, einzig der Bassmann Matthias Richter kam 2002 neu dazu und das ist ja auch schon eine halbe Ewigkeit her. Auch die Fannähe ist nie verloren gegangen, egal ob 1000 oder 30000 Leute Schandmaul verkriecht sich nicht und auch in Selb waren die Bandmitglieder am Goldberg unterwegs. Und haben nach dem Konzert Autogramme geschrieben. Aber nochmals zurück zum Konzert und zur Songauswahl. Die ist bei Schandmaul eh zweitranging, haben sie doch inzwischen im Repertoire so viele tolle Lieder die jeder kennt und die viele mitsingen können. Was ich aber noch nie bei einem Konzert erlebt habe ist ein männlicher Security, der alle Songs der Band problemlos mitsingen kann und dies auch tut. Natürlich ohne die feiernde Menge aus dem Auge zu lassen, aber er hätte sich ruhig mal umdrehen können. denn wie jedes Jahr hatten die Leute nur eins im Sinn, ein wunderschönes Konzert zu erleben und dafür tat Schandmaul alles. Und so gab es mächtig was auf die Ohren bis Thomas Lindner beschloss auch mal auf die Bremse zu treten und zwei wunderschöne Balladen unters Volk zu bringen. Vor allem „Willst Du“ ist zum dahinschmelzen und wegen seines grandiosen Textes das schönste Antragslied für Verliebte was man sich überhaupt vorstellen kann. Und bestimmt haben sich in dem Moment nicht wenige Verliebte tief in die Augen geschaut und in ihnen „rührte sich ein Geföhl das brennt“, wie so wunderschön poetisch in dem Song geschrieben. Großes Romantikkino, große Show einer der erfolgreichsten Mittelalterbands überhaupt.

Capella Bardica Mythodeanis

Für die ganz ausdauernden unter den Besuchern hatte das Festival Mediaval 2012 zum Nachtkonzert um 0.00 Uhr noch eine ganz besondere Überraschung parat. Die Capella Bardica Mythodeanis stand erstmals auf der Bühne. Die vereinigten Larp-Barden Mythodeas sind ein Zusammenschluss verschiedender Künstler, die aus allen Teilen Bayerns zusammengekommen sind um für diesen ganz besonderen Auftritt extra für das Mediaval Publikum zu proben, was bei sovielen Leute gar nicht so einfach zum koordinieren war. Immerhin hat man es tatsächlich geschafft die 14 Musiker ordentlich auf die Bühne zu stellen und tontechnisch perfekt abzustimmen.

Der Aufwand hat sich fraglos gelohnt und das Publikum dankte es den Künstlern mit einem guten Besuch zu so später Zeit und mit viel Applaus, den sich die Damen und Herren auf der Bühne auch wahrlich verdient haben. Die ruhigen Balladen und zünftigen Tavernenlieder von Larp-Klassikern bis zum Fantasy-Folk waren ein gelungener und einmaliger (im wahrsten Sinne des Wortes) Ausklang eines erlebnisreichen Tages.

Carolin und Bernd Sonntag

Castlefest Teil 2

Zweiter Tag des Castlefest und die Sonne scheint vom Himmel. Schönes Wetter, um früh aufzustehen und sich direkt die erste Band des Tages, AmmA anzusehen, die um 10:30 Uhr bereits auf der Folk Stage stehen. Es ist noch nicht viel los auf dem Gelände und die, die schon gekommen sind, sitzen vor der Bühne und genießen die Musik. Direkt im Anschluss spielen Rastaban, die die Leute aus ihrem Halbschlaf aufwecken und zum Tanzen bewegen. Mit Geige und Slidgeridoo werden die schnellen Rhythmen des Tribal Folk unters Volk gebracht. Wer allerdings in den Himmel schaut, der ahnt schon, dass es gleich zu regnen anfangen wird. Und beim unpassendsten Lied überhaupt („Desert“) fängt es wirklich an, wie aus Eimern zu regnen.

Als der Regen aufghört, pilgern die meisten zurück zum Markt. Unterwegs trifft man immer wieder seltsame Gestalten, wie etwa die Greenthings oder anmutige Elfen und Sagengestalten. Diese verkleideten/gewandeten Menschen prägen das Bild des Castlefests und machen es zu einem besonderen Festival. Es gehört dazu, dass man passend gekleidet ist, auch wenn es keine Voraussetzung ist. Ob Felle, Blumenketten, Hippie-Kleidung, Monstermaske oder Bandshirt: Alles ist vertreten. Um die normale Jeans zu finden, muss man in der Menge schon genau hinschauen.
Und es sind die Besucher, überwiegend Niederländer, die eine ganz andere Art haben zu feiern und das Festival zu etwas besonderem machen. Entspannt und ausgelassen freuen sie sich über die Musik, lassen ihrer Freude beim Tanzen freien Lauf oder wiegen sich förmlich in Trance. Auch ist es möglich problemlos seinen Platz in der ersten Reihe vor der Bühne zu verlassen und zurückzukommen, ohne dass jemand den Platz eingenommen hat. In Deutschland undenkbar, wo um jeden cm gekämpft wird.

Und genauso ist es dann bei den beiden folgenden Bands Shantalla und Asynje. Shantalla boten ruhigen irischen Folk wohingegen Asynje auch schnellere skandinavische Lieder im Repertoire hatten. Zu beiden Bands, so unterschiedlich sie sind, finden sich Leute, die vor der Bühne tanzen. Bei Asynje bilden sich sogar lange Menschenketten, die Kreistänze aufführten, die man auf dem Castlefest beim Balfolk erlernen kann.

Bei jedem Gang über den Markt entdeckt man etwas Neues. Feenhafte Skulpturen stehen neben der Lederey und der Stand mit Corsagen ist genauso interessant, wie die Rüstung am Nebenstand. Im Lifestyle-Bereich kann man sich spontan tätowieren lassen oder seine Haare in Dreads verwandeln. Dort ist das ganze Wochenende etwas los und selbst die Künstler sitzen dort selbst auf den Stühlen.

Auf der Vilage Stage spielen gerade Cesair, eine niederländische Folkband. Mit ihrer Vielfalt an Instumenten, bestehend aus Bodhran, Rahmentrommel, Schlagzeug, Drehleier, Gitarre, Geige, Cello und Akkordion, machen sie gute Laune und bringen auf der nahen Wiese die Pois zum fliegen. Im Schatten hören die Besucher der Gruppe zu und überlassen den (wie immer) tanzenden Besuchern den Platz vor der Bühne.

Ein seit Jahren festes Ritual auf dem Festival ist der Wickerman. Die Verbrennung der überdimensionalen Figur aus Zweigen findet immer Samstagabends statt. In diesem Jahr stellt sie Gaia da, um die Erde und die Natur zu ehren. Im Laufe des Tages wurden bereits viele Opfergaben in den Bauch Gaias gelegt, die mit ihr verbrannt werden. Für viele ist das Ritual etwas Besonderes und sie nehmen das Ritual sehr ernst. Kurz bevor Gaia entzündet wird erreicht ein Mann die Absperrung und bittet darum, noch eine Haarsträhne hineinlegen zu dürfen.Und der Wunsch wird ihm gewährt, denn auch den Veranstaltern liegt das Ritual am Herzen. Leider stört der Soundcheck von Corvus Corax auf der Forest Stage, sodass die feierliche Stimmung zerstört wird.

Deren Auftritt auf dem Castlefest soll etwas ganz besonderes werden. Zusammen mit den Taiko-Trommlern von Wadokyo haben sie eine 90-minütige Show auf die Bühne gestellt. Die Trommeln passen sehr gut zu den Dudelsäcken und der Show von Corvus Corax, die u.a. eine riesige Drehleier aufbauen.

Im Anschluss legt DJ Steve The Machine, ebenfalls Mitglied von Corvus Corax, noch die Platten auf. Zwei Musikwelten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch auch hier finden sich ein paar wenige, die dazu tanzen. Die meisten gehen allerdings nach Hause. Da der Markt bereits um 21 Uhr geschlossen hat und nur noch ein paar Versorgungsstände an der Hauptbühne geöffnet haben, bewegen sich die Leute gen Ausgang.

Am Sonntag ist der Blick aus dem Fenster nicht so erfreulich. Dunkle Wolken schieben sich am Himmel entlang und natürlich regnet passend zum Einlass um 10 Uhr. Aber das hält niemanden davon ab am Balfolk teilzunehmen. Im strömenden Regen lernen an die dreißig Besucher die Kreistänze, die später bei den Konzerten getanzt werden.

Bei Kelten Zonder Grenzen kann das neu Erlernte sofort angewendet werden. Auf dem Holzboden vor der Bühne macht es auch nichts, dass es viel geregnet hat. Mit zwei Harfen und einem Akkordeon wird der Takt zum Andro gespielt und die Menschenkette wird länger und länger. Fieke am Akkordeon ist nicht nur bei den Kelten Zonder Grenzen zu sehen. Sie spielt an diesem Wochenende auch bei Cesair mit, hat mehrere Gastauftritte bei anderen Bands und steht eigentlich permanent auf der Bühne.

Auf dem Weg über das Gelände trifft man die netten Leute von Greenpeace. Neben einem Infostand laufen sie noch als Bäume herum, die gerne umarmt werden wollen. Hinter der nächsten Ecke warten schon die Damen von Medusa mit ihrer Absinth-Kutsche. Und danach trifft man wieder auf besonders aufwändig verkleidete Besucher, sodass man immer damit beschäftigt ist jemanden zu fotografieren. Als nächstes betreten Irfan die Forest Stage. Die Bulgaren schaffen es wieder, dass Menschen tanzen und viele viele Seifenblasen fliegen, obwohl auf der Bühne nicht viel passiert. Allein durch die Musik und die Stimme der neuen Sängerin entsteht eine magische Atmosphäre.

Danach kommen Euzen, die ihren Stil als subsonic, avant garde progressive Rock beschreiben, der von klassischer und Popmusik beeinflusst wird. Man muss es gehört haben, um sich ein Urteil zu bilden. Die Besucher vom Castlefest gefällt es und sogar Omnia hören zu. Die Sängerin Maria hat eine enorme Ausstrahlung und eine gute Stimme. Da geraten die Herren der Band etwas in den Hintergrund, auch weil Maria mit ihrem pink-grünen Kleid neben den schwarzgekleideten Herren heraussticht.

Das Castlefest neigt sich langsam dem Ende. Ein letzter Rundgang über den großen Markt, durch die Heerlager und vorbei am Schloss. Die Parkanlage ist der perfekte Platz für dieses Festival. Als letztes spielen Berlinski Beat mit einer Mischung aus Dudelsack, Tuba, Trompete und dem Sound Berlins. Wieder ist diese Musikrichtung total anders, als das, was den restlichen Tag auf dem Castlefest gespielt wurde und trifft nicht jedermanns Geschmack. Uns so schließen sich die Tore für dieses Jahr. Aber nicht ohne bereits den Termin für 2013 bekannt zu geben.

8. Castlefest: 02.-04. 08. 2013
Eröffnungskonzert mit Scrum, Rapalje und Pater Moeskroen am 01.08.2013
www.castlefest.com

Festival Mediaval 2012

Vom 07.-09.09. findet nun bereits zum 5 Mal Europas größtes Mittelalterfestival in Selb (Oberfranken) statt. Das besonders familienfreundliche und urgemütliche Festival hat auch in diesem Jahr ein herausragendes Programm wie z.B. der Auftritt von Schandmaul und Saltatio Mortis oder der Holländer von Omnia , die bisher jedesmal dabei waren und in Selb immer herausragende Konzerte abgeliefert haben. Außerdem wird es eines der letzten Gelegenheiten sein Schelmish live zu erleben, die sich ja bekanntlich zum Jahresende auflösen, sehr zu unserem Bedauerern. Winterstorm , die den Nachwuchspreis im letzten Jahr gewonnen haben sind nach Wacken nun in Selb mit neuer CD am Start. Selbst einen echten Chor und eine Larp Bigband wird es geben, nicht zu vergessen die vielen Künstler auf der Kleinkunstbühne und auf dem Gelände. Grund genug also für uns vorab, 7 Tage vor Beginn des Festivals, mit einem der Macher Oliver Karolkewik ein kleines Interview zu führen.

1) Die wichtigste Frage zuerst gibt’s noch Karten auch für Kurzentschlossene am Festivaltag?

Es gibt auf alle Fälle noch Karten, auch für Kurzentschlossene. Auch noch am 07.09 zu Beginn des Festivals. Ist wichtig zu sagen, dass das nicht der VVK-Preis ist, der am Freitag zu zahlen ist Wie die Nachfrage in diesem Jahr ist, ist etwas schwierig zu beantworten. Leider mussten wir den Kartenpreis etwas anheben, so dass ein Umsatzanstieg schon daraus resultiert. Eine verbindliche Aussage kann man somit letztlich erst machen, wenn die Bändchen gezählt werden. Auch bei den Familienkarten weiß man letztlich erst am Festivaltag wieviele Personen dann wirklich kommen. Aber der allgemeine Eindruck ist schon, dass der Vorverkauf besser läuft.

2) Ein Highlight des Festival Mediavals sind die Workshops die u.a. auch von Musiker n geleitet werden wie z.B. der Rahmentrommelworkshop von Rüdiger Maul . Gibt’s noch freie Plätze?

Mittlerweile schaffen wir es, dass Musiker mitmachen. Es startete als Experiment wir wollten uns da ganz bewusst von anderen Festivals etwas abheben. Wir versuchen mit dem Festival Mediaval etwas über das normale Maß hinaus bieten. Dazu gehören auch die Workshops und die werden auch extrem gut angenommen. Für die Musiker hat es den netten Nebeneffekt, dass sie auch noch etwas Geld dazu verdienen und der Kontaklt zu den Fans wird enger. Und für die Fans ist das natürlich auch etwas Besonderes, wer kann schon von sich behaupten dass er z.B. bei Rüdiger Maul Trommeln gelernt hat. Plätze für die Workshops gibt es schon noch, am besten im Internet auf unserer Seite schauen. Anmeldungen sind da noch kurzfristig möglich. Oder aber man geht bis spätestens 30 Minuten vor Workshopbeginn zum Infostand und erkundigt sich dort direkt.

3) Auf was freut man sich als Veranstalter besonders?

Ganz klar Schandmaul, vor allem auch weil sie bei uns, so wie es ausschaut, sogar in Originalbesetzung spielen. Durch die Schwangerschaft waren sie in dem Jahr oft mit Ersatzmusikern unterwegs. Für uns ist das so ein kleines Geschenk zum 5- jährigen Jubiläum, wir bemühen uns ja schon länger um die Band.
Da werde ich denk ich dann auch mal mein Funkgerät zur Seite legen.

4) Ich finde man muss das Festival unbedingt 3 Tage erleben. Gibt’s überhaupt noch Unterkunftsmöglichkeiten?

Erfahrungsgemäß wird das jedes Jahr um die Zeit schon sehr knapp. Die Ferienwohnungen sind ja schon immer spätestens im März weg, ob es in der Turnhalle noch Übernachtungen gibt kann ich nicht sagen weil das ja die Turnerschaft in Eigenregie macht. Aber am
Campingplatz gibt es immer Platz.

5) Die ersten 4 Festivals kann man mit den Worten urgemütlich und extrem familienfreundlcih gut umschreiben. Ist das auch beim 5. Festival so?

Klar auch in diesem Jahr ist das Festival Mediaval ein Festival für die ganze Familie. Und so gibt es auch für die Kids wieder genug zu erleben. Handwerkerstände , Kerzenziehen, Kinderanimation mit Kinderritterspielen und unser großes Rad um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen. Nicht zu vergessen natürlich unsere Gaukler und Kleinkünstler.

6) Ihr habt eigentlich das Bundesverdienstkreuz verdient für Eueren Mut ausgerechnet in einer strukturschwachen Region die noch dazu alles aneder als eine Konzerthochburg ist, von 0 an das größte Mittelalterfestival Europs auf die Beine zu stellen. Nicht wenige haben Euch bestimmt für verrückt erklärt. Habt ihr das je bereut euch für Selb entschieden zu haben?

Nein bereut nicht. Wobei man wirklich sagen muss es war der Mut der Naiven. Wenn man in allen Details gewusst hätte auf was man sich da einläässt, ob wan es dann wirklich in so großem Rahmen aufgezogen hätte weiß ich nicht.
Höchstens einzelne Entscheidungen, die man nicht bereut, aber sagen muss mit der jetzigen Erfahrung hätte ich mich damals anders entschieden. Es war bisher eine schöne aber auch schwierige Zeit.

Für so ein Projekt muss man entweder naiv oder verrückt sein oder beides.

7) Gab es von Politikerseite wenigstens jegliche Unterstützung? Die E-Musik wird ja immer auch finanziell unterstützt bei der U-Musik sieht es da ja ganz anders aus.

Im ersten Jahr war die Skepsis sehr sehr groß. Das nehme ich auch keinem übel. 3 Verrückte kommen daher und sagen wir entweihen den heiligen Berg und machen da ein Mittelalterfestival. Wenn man die Gewandeten durch die Stadt ziehen sieht trägt das auch nicht zu weniger Skepsis bei. Aber nach dem 1. FM war die Begeisterung da. Die Unterstützung war zwar schon von vornherein da, aber es ist der Stadt dann leichter gefallen Zusagen zu machen u.a. auch was Sponsoring betrifft.
Man hat zwar nur das Feedback derer, die zum Goldberg kommen, aber das sind inzwischen schon recht viele und aus allen Altersschichten und auch parteiübergreifend.

8) Am Anfang wurde das Festival grenzüberschreitend geplant mit Konzert in Tschechien. Dann kam der Brand des Veranstaltungsortes dazwischen. Wie ist die Situation heute inwieweit bindet man Tschechien noch ein?

Es war ein gigantischer finanzieller und organisatorischer Aufwand ohne jeglichen Nutzen.Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif dafür es grenzübergreifend zu machen oder die Bürokratie noch zu stark.

9) Denkt ihr eigentlich schon über das 5. Festival hinaus?

Jain. Man muss zwar an der einen oder anderen Stelle schon weiterdenken. Aber prinzipiell ist die Zeitrechnung immer von einem zum anderen Festival. Erst wenn wir alles abgebaut haben und man dann nach Hause führt und 1-2 Nächte darüber geschlafen hat fängt man an über das nächste intensiver nachzudenken. Erst mal hat man den Kopf voll mit dem aktuellen

10) Gibt es ein 6 Festival?
Wir haben uns 5 Jahre als Ziel gesetzt und wollen danach erst einmal Bilanz ziehen. Die Absicht ist zwar klar da, aber man muss einfach mal schauen ob es sich auch finanziell rentiert

11) Ich kenn mich etwas im Bereich Musik aus und kenn auch viele Bands auch im Bereich der Mittelalterszene. Ihr schafft es aber immer wieder Bands zu finden von denen man noch nichts gehört hat und die auch noch nie in Deutschland aufgetreten sind oder schon ewig nimmer. Wie kommt man auf solche Acts?

Das sind in erster Linie die Ideen von Bläcky (Schwarz einer der 3 Macher des Festivals-Anmerkung des Interviewers). Wir drei setzen uns dann zusammen und horchen uns das an. Wir müssen auch abwägen, was zieht die Leute. Schließlich können wir ja nicht nur tolle Musik präsentieren irgendwann müssen wir auch einmal Geld verdienen damit. Alan Stivell ist da so ein Beispiel. Klasse Musik aber er hat nicht wirklich die Leute angezogen. Es ist also auch immer ein ökonomischer Aspekt dabei. Wieviel kostet eine Band, dann die Frage wie klingt sie, passt sie zu unserem Festival und wie bekannt ist sie.
Manchmal werden wir dann aber auch selbst noch positiv überrascht wie z.B. bei Winterstorm im letzten Jahr.

12) Früher wurde Mittelalter und Gothic ziemlich als eins betrachtet. Inzwischen dividiert sich das etwas auseinander. es gibt inzwischen auch reine Mittelalter-Musikzeitungen. Den bereich Gothic habt ihr schon immer ziemlich ausgespart was ich persönlich schade finde da es sehr gute Acts finde die auch noch gut auf den Goldberg passen würden wie z.B ASPs Zaubererbrüder. Warum ist das so?

Eigentlich haben wir von vornherein gesagt wir wollen Gegensätze verbinden.Viele Musikrichtungen (Gothic, Metal, Mittelater, Folk) sollen zusammenfließen. Das Problem ist natürlich, dass manches sehr speziell wenn z. B. eine Gothic-Electro Band hier spielt dann steigen mir die Mittelalterfans aufs Dach. Es ist wirklich sehr schwierig hier eine Auswahl zu finden die allen passt.
Der Wille war schon da etwas Gothic-lastiger zu sein aber eine Band die vor 5 Jahren Gothic war muss es jetzt auch nicht mehr sein. Wir hätten gerne noch ein deutlich gemischteres Publikum.

13) Wenn ihr jede Summe zur Verfügung hättet was wäre euere Traumband

Da fällt mir ganz spontan Loreena McKennitt und Blackmores Night ein.

14) Noch mal zurück zum Festival nächste Woche. Was ist euer größter Wunsch und euere größte Sorge

Das alles glatt geht, es keine Querelen gibt z.B. unten am Campingplatz wegen des Verkehrs. Und natürlich die Hoffnung finanziell wenigstens mit einer schwarzen Null rauszukommen.
Die größte Sorge ist natürlich das Wetter und dadurch bei Regen der entsprechende Zuschauermangel
Und das alle Bands wie vereinbart gesund ankommen, bisher gibt es glücklicherweise keine Absage.

Castlefest Teil 1

Lisse, Südholland.
Einmal im Jahr beherbergt der Keukenhof anstatt der sonst so schönen Blumenpracht, für die er bekannt ist, eines der bekanntesten Festivals der Szene. Immer am ersten Wochenende im August strömen fantasy-, mittelalter und folkbegeisterte Besucher in die große Parkanlage zum Castlefest. Waren es 2005 beim ersten Castlefest noch 3500 Besucher so sind es in diesem achten Jahr an die 25.000. Aber auf dem riesigen Gelände verlaufen sich die Massen und so erlebt man ein entspanntes Festival ohne viel Gedränge.

Zu sehen gibt es viel. Händler jeglicher Art mit Kleidung, Masken, Schmuck, Statuen, Schwerter, Seifen und natürlich Zubehör für Gothik, LARP, Reenactment und Steampunk und vieles mehr. Insgesamt ein riesiger Markt, der sich über das gesamte Gelände zieht, sodass es auf dem Weg immer etwas zu bestaunen gibt.

Hinzu kommen die unzähligen Versorgungsstände, die natürlich stilechtes Essen und Trinken anbieten. Pommes und Döner gibt es nicht, dafür aber viele mittelalterliche, ökologische, vegetarische und vegane Speisen. Ob vom Grill des Highlanders oder ein frisch gemachter Smoothie; es ist für jeden etwas dabei.

Neben dem Markt spielt natürlich die Musik und das weitere Programm eine große Rolle. Auf drei Bühnen (Forest Stage, Village Stage, Folk Stage) spielen am gesamten Wochenende Bands aus den Niederlanden, aber auch Deutschland, Ungarn, Schweden und sogar aus Kalifornien. Dabei ist das Programm so gestrickt, dass es möglich ist sich alle Bands anzusehen ohne in Hektik zu verfallen. In diesem Jahr auf den Bühnen standen: Wardruna, Faun, Corvus Corax & Wadokyo, Berlinski Beat, DJ Steve the Machine, Stellamara, Omnia, Shantalla, Euzen, Asynje, Vic Anselmo, Irfan, Rastaban, The Moon and the Nightspirit, Lisa Cuthbert, Cesair, Loell Duinn, Kelten Zonder Grenzen, Ball Noir, Orfeo, AmmA und Té.

Und nicht zu vergessen das Rahmenprogramm mit Balfolk, Wickerman, Abe de Verteller, Medusa und Greenthingz und Feuershows. Alles in einem sehr schön gestalteten und dicken Programmheft verewigt, das vor allem mit dem Geländeplan punktet.

Am Donnerstagabend schon geht es mit dem Eröffnungskonzert los. Allzu viele Besucher sind nicht gekommen, was daran liegen mag, dass es noch ein normaler Wochentag ist. Trotzdem sind die Auftritte von The Moon and the Nightspirit, Stellamara und Wardruna sehenswert und stimmen auf das Wochenende ein.

Freitag, 11 Uhr. Das Castlefest öffnet seine Tore. Noch ist es leer im Park und man hat Gelegenheit in Ruhe die Lager und Stände zu begutachten. Ein Rundgang übe das Geländer führt vorbei an der großen Forest Stage über einen Waldweg zum Steampunktuin (Steampunkgarten). Dort werden neben allerlei Zubehör, wie Broschen, Hüte auch Steampunk-Furbies angeboten. Hier treffen sich Steampunkbegeisterte zu Kaffee und Muffins. Am Garten vorbei kommt man zum Kasteel Keukenhof. Das kleine Schlösschen wird gern von Fotografen genutzt, um die Leute, die teils in sehr aufwändigen Kostümen erscheinen, vor dem Schloss in Szene zu setzen. Auf den Wiesen drumherum wird mit Pois gespielt oder einfach nur entspannt. In einer kleinen Lichtung befindet sich die zweite Bühne, die Village Stage. Dort spielen gerade The Moon and the Nightspirit auf, die die Besucher dazu bringen sich regelrecht in Trance zu tanzen. Gemütlich sitzen die Menschen vor der Bühne und lauschen der elfengleichen Stimme von Ágnes.

Über einen weiteren Waldweg gelangt man zum etwas abgelegenen Bereich, wo die letzte Bühne (Folk Stage) und weitere Lager und ein esoterischer Bereich zu finden sind. Ein Blick auf die Stände zeigt: hier werden nicht nur schöne Kleider und selbstgemachter Schmuck angeboten, sondern auch frisch gebackenen Luft inklusive Geschenkverpackung, zu einem eher fragwürdigen Preis.
Da heute auf der großen Forest Stage Stellamara, Omnia und Faun die einzigen Konzerte des Wochenendes geben geht es dorthin zurück. Alle anderen Bands an diesem Tag spielen ebenfalls an den folgenden Tagen, sodass man nichts verpasst. Vic Anselmo steht dort noch auf der Bühne, allerdings scheint ihre Gothic/Darkwave-Musik nicht den Geschmack der Meisten zu treffen.
Stellamara aus Kalifornien hingegen passen mit ihren orientalischen Klängen sehr gut ins Lineup. Es wird vor der Bühne getanzt und der Rasen füllt sich mich Besuchern. Danach wird es merklich voller vor der Forest Stage, denn Omnia werden als nächstes auftreten. Omnia, die Band die das Castlefest jahrelang geprägt hat und in den Niederlanden viele Fans hat, sind am Freitag neben Faun das Highlight. Leider spielen sie nur Freitag und nicht wie in den letzten Jahren an allen drei Tagen. Umso voller wird der Platz vor der Bühne. Auch ein starker Regenschauer hält niemanden davon ab weiter vor der Bühne zu bleiben, was die Band ihren Fans hoch anrechnet.

Direkt im Anschluss kommen Faun, die mit ihrer Musik und Lichtshow die Besucher verzaubern. Als die letzten Töne erklingen und die Lichtstrahlen vorbei an Sänger Oliver S.Tyr Muster in die Bäume zeichnen, ist der erste Tag auf den Castlefest auch schon fast vorbei.

Die noch folgende Feuershow ist nicht so mitreißend wie erwartet, also noch einen Besuch beim Merchstand des Festivals. Dort gibt es neben dem wirklich schön gestalteten und ökologischen Festivalshirt, der aktuellen CD usw. als kleines Andenken an das Festival ein Lanyard für nur 1€.
Um 24 Uhr gehen dann auf dem Castlefest auch die Lichter aus, denn am nächsten Tag geht es schon um 10 Uhr weiter. Der erste Tag war auf jeden Fall, bis auf den starken Regenschauer am Abend, ein voller Erfolg.