Omnia Theater Tour 2012

„Ein pures intensives Musikerlebnis. Eine Reise in eine andere Welt.“, verspricht der Flyer von Omnias „Musick and Poetree“ Theater Tour 2012. Und das Theater in Hengelo ist wie eine andere Welt. Ungewohnt ist es bei einem Omnia-Konzert auf einem bequemen Sessel zu sitzen und dabei die ganze Bühne überblicken zu können.

Ohne großes Aufsehen oder Intro betreten Omnia die Bühne und fangen mit „Bran“ an. Schon nach den ersten Tönen verzaubern das Publikum und die intime Atmosphäre tut den Rest. Man ist von der Musik überwältigt, träumt sich in eine andere Welt. Ruhige, alte Stücke, die in der Festival-Show fehl am Platz wären, stehen im Mittelpunkt der Konzertes. Bran, Old Man Tree, Cernunnos, Moon und The Raven von Edgar Allan Poe entführen in eine andere, faszinierende Welt. Und man sieht es Omnia an, dass diese Stücke mehr für sie sind, als nur Musik.

In Kontrast dazu stehen die schnellen Lieder, wie Niiv, Witche’s Brew, Noodle The Poodle, Saltatio und Fee Ra Huri, die es einem wirklich schwer machen ruhig auf seinem Sessel sitzen zu bleiben. Anfangs traut sich niemand so Recht mitzuklatschen, was wohl an der Atmosphäre des Theaters liegt. Erst nachdem Steve das Publikum auffordert nach den Liedern länger zu klatschen, damit er Zeit hat Luft zu holen, taut das Publikum auf und geht mit der Musik mit.

Wie in Theatern üblich, gibt es nach der Hälfte der Zeit eine kurze Pause. Steves Vorschlag, um die Zeit zu überbrücken ist, den Hintern des Nachbarn zu massieren, damit das Blut in den Beinen wieder zirkulieren kann. Das Publikum geht dann doch lieber an der Bar etwas trinken oder schaut am Merch-Stand vorbei.

Oder man schaut sich Omnias Instrumente genau an. Sie haben viele mit dabei, die sie nicht auf die Festivalbühnen mitnehmen. Dulcimer, Davul, Darabuka, Harmonium und Zimbeln geben der Musik einen ganz anderen Klang.

Die zweite Hälfte beginnt mit dem ruhigen Stück „Moon“, die Lieder sind aber insgesamt lauter und schneller, was einige dazu bringt neben der Bühne zu Tanzen. Besonders die beiden Soli von Rob am Schlagzeug und Daphyd am Didgeridoo sind sehr eindrucksvoll. Man merkt, dass Omnia sich im Theater wohl fühlen. Steve redet viel und bringt das Publikum zum Lachen und auch Jenny kann während seiner Ansagen ein Lachen nicht unterdrücken.

Trotzdem haben Omnia schon immer eine Botschaft gehabt, die auch dieses Mal überzeugend und ernst erzählt wird. Die Natur zu bewahren, die Welt vor der Zerstörung zu schützen, die geldgierige Gesellschaft zu ignorieren und so zu leben, wie es einem gefällt, ohne auf das Gerede der anderen zu achten.

Omnia überzeugen mit ihrer Musik und mit ihrer Einstellung, sodass es am Ende Standing Ovations von einem sehr gemischten Publikum gab, in dem von der Rentnerin bis zum Gothic alles dabei war. Ein wirklich schöner Abend, der faszinierend und magisch, ruhig und mitreißend, aber auch zum Lachen und Nachdenken war. Wer eine andere Seite von Omnia kennenlernen möchte, der sollte sich die Theaterkonzerte nicht entgehen lassen.

www.worldofomnia.com

Die Kammer Releasekonzert in Leipzig am 30.11.2012

Mit John Grishams Roman „Die Kammer“ hat die gleichnamige Musikband zwar wenig zu tun, trotzdem war es mindestens genauso spannend zu beobachten was aus dem Projekt von Marcus (Max) Testory und Matthias (Matze) Ambre entstehen würde seit man im letzten Jahr eine gemeinsame Zusammenarbeit bekannt gegeben hatte. Der L`Orchestre De Chambre Noir (kurz Chamber) -Bandchef und der langjährige Gitarrist und Produzent von ASP, die sich ja auch aus gemeinsamer ASP-Zeit bestens kennen, zusammen in einer Band, das konnte ja nur gut werden. Mittels Youtube-Videos wird die Entstehungsphase der Band dokumentiert und mit dem Auftritt beim WGT 2012 hat man sich dann fast in einer Nacht und Nebelaktion unter großer Publikumsbegeisterung erstmals live vorgestellt. Man blieb den Besuchern damals genauso nachhaltig in Erinnerung, wie all jenen , die die Single „Welcome to the Orphenage“ erstmals gehört oder das von Ingo Römling hergestellte Scherenschnitt-Animations-Video dazu gesehen hatten und spätestens da war wohl auch dem letzten „Dark Music Liebhaber klar, dass da was ganz Großes entstehen wird. Inzwischen gibt’s auch die erste CD mit dem Titel Season I: The Seeming and the Real und was liegt da näher als mit Release-Konzerten die Musik dem Publikum live vorzustellen. Als erstes kamen die Kölner in den Genuss und heute waren die Leipziger dran und durften lauschen was die 2 Musiker ausgetüftelt haben. Dafür hat man mit der Moritzbastei die perfekte Location gefunden. Als sich die schweren Holztüren zum Saal öffneten, fühlte man sich etwas an das Video zurückerinnert.Es lag eine echte Spannung in der Luft, als um kurz nach 20 Uhr Die Kammer das Konzert eröffneten. Eine Spannung die sich auch auf die Musiker übertrug, wirkten sie beim Interview um 18.30 noch extrem entspannt und gelöst, so gab Max Testory seine Nervosität bereits in der ersten Ansage ans Publikum ganz offen auch zu.

Einen heimeligen Ort wollte man sich mit der Kammer schaffen und gemeinsam ehrliche Musik in bewährter Singer-Songwriter Tradition abliefern ist auf der Bandhomepage zu lesen, das hat man fraglos geschafft. Wie auch auf der CD ging es mit der Single The Orphenage los und das ist vielleicht der einzige Schwachpunkt des Abends und auch der CD. Mit seiner wunderschönen Melodie und dem eindrucksvollen tiefen Gesang Testorys hat man es geschafft ein melancholische Ballade zu schreiben in einer Qualität wie z.B. Nick Caves „where the wild roses grow“. Ein Song für die Ewigkeit, einen den man einmal gehört einfach nie mehr vergisst, der nicht mehr aus dem Ohr raus will, an dem man sich nicht satt hören kann und den man auch nach 100-fachen Hören immer wieder toll finden wird. Eine Qualität, die die anderen Songs so nicht aufweisen, aber es wäre auch vermessen dies zu erwarten. Man tut echt gut daran, am Ende das Konzerts den Song nochmals anzustimmen , das beste gabs also am Anfang und Ende zu Gehör. Dazwischen gabs dann den Rest der CD und der ist wahrlich ebenfalls ein Genuss, so wie z.B. das geringfühig schnellere Fate/Illusion gleich im Anschluss oder The Seeming and the Real das dem Album den Namen gab. Nicht nur in diesem Song geht es um Schein und Sein im Leben und es ist für Ambre und Testory ein leichtes die melancholische Stimmung der CD in den Saal zu zaubern. Unterstützt werden sie dabei von einer bestens harmonierenden Band mit Oliver Himmighoffen, ein alter ASP-Weggefährte an den Drums, Dirk Klinkhammer an der Tuba, Aline Deinert , die auch bei Haggard und Empyrium Geige spielt und Filmkomponist Matthias Raue an der Violine sowie Tabea Müller am Cello, die Max in der S-Bahn aufgelesen hat und die nun als festes Kammermitglied mit auf Tour unterwegs ist. Neben den ganzen eigenen Song gibt es aber auch noch einen kleinen Einblick , welche musikalischen Vorbilder die 2 so haben und schon erklingt Max Testory -Cash und der Song Hurt.
Man muss echt dankbar sein, dass die 2 den Mut aufgebracht haben alles bisherige über Bord zu werfen und nochmals ganz von vorne anzufangen , genug Wirbel und Ärger hat die Zusammenarbeit im Vorfeld ja eh verursacht und es ist wirklich jammerschade dass daran die Freundschaft zu ASP zerbrochen ist.
Aber vielleicht heilt auch hier die Zeit die Wunden, wie oft im Leben und was gibt es schöneres für den Musikliebhaber als mit ASP und der Kammer 2 so tolle Bands zu haben. Auf alle Fälle merkte man den beiden an, welchen Spaß es ihnen bereitete andiesem Abend in Leipzig aufzuspielen und dass sie nicht nur geniale Musiker sind, sondern es auch noch bestens verstehen ein Publikum zu unterhalten und in ihren Bann zu ziehen, konnten sie ebenfalls unter Beweis stellen. Es schadet nämlich gar nichts , dass zwischen den Songs in Moll auch mal herzhaft gelacht wird und schwer fällt das vor allem den lustigen
Österreicher mit Bart und Fleischbadekappe , dem der Schalk im Nacken sitzt überhaupt nicht, auch wenn er mit seinem Tattoo auf dem Kopf und seinem beim Singen manchmal etwas grimmigen Gesichtsausdruck einen anderen Eindruck vermittelt. Da haben sich 2 gefunden, die Kammer hat die Tür ganz weit aufgestoßen mit Album Nummer 1 und man kann sicher sein, dass noch ganz ganz viel von dem tollen Projekt zu erwarten ist. Bis es aber mit Album Nummer 2 weiter geht, gilt es das erste Album dem Publikum vorzustellen und dazu ist man gerade am Verhandeln wegen weiterer Konzerttermine. Mehr dazu sobald bekannt auf www.jarwinbenadar.de und allen die die Kammer noch nicht live gehört haben und die an dieser Art Musik gefallen finden ist der Besuch eines Konzertes sehr zu empfehlen.
Aber vorsicht, man wird die Musik und die Ausnahmestimme von Testory im Gedächtnis behalten und einen Ohrwurm bekommt man gratis zusätzlich mitgeliefert.Übrigens gibts auf www.jarwinbenadar.de auch noch ein ein Interview mit den beiden.
Und nun gibts die Kammer noch in Bildern zum Lust machen auf ein Live-Konzert.

Es lohnt sich!
Carolin und Bernd Sonntag

Schelmish

Interview mit Dextro (und Picus) von Schelmish am 09.11.2012 in der Kufa, Krefeld

Hermann : Wie seid Ihr eigentlich auf dieses Projekt gekommen, erzählt doch mal ein bisschen?

Dextro: Welches Projekt?

Hermann: Das Ihr jetzt durchzieht!

Dextro: Es gibt kein Projekt, das ist eine Tour. Wir hatten eigentlich vor, ein Projekt zu machen, aber dann ist es nicht dazu gekommen und jetzt ist es im Endeffekt eine gleichberechtigte Tour. Das heißt Saor Patrol spielt ihre Stücke, Schelmish spielt ihre Abschlussstücke, denn Schelmish gibt es zum Ende des Jahres ja nicht mehr und vielleicht spielen wir zum Schluss ein paar Stücke zusammen.
Das mit dem Projekt, welches wir geplant hatten, fing eigentlich auch ganz gut an, muss man sagen. Doch dann stellte man fest, dass alle keine Zeit hatten, Saor Patrol waren extrem viel unterwegs dieses Jahr. Wir waren weniger unterwegs, weil wir dringend eine Auszeit brauchten und haben an Stücken für den eventuellen Nachfolger von Schelmish geschrieben. Und so ist aus dem Projekt nichts geworden. Nun ist es eben nicht mehr Torag???, sondern die Torag, die gemeinsame Tour von Saor Patrol und Schelmish und vielleicht spielen wir zwei, drei Stücke zusammen, müssen wir mal schauen.
Wir haben angefangen, gemeinsam zu proben, doch bald gemerkt, dass die Zeit einfach nicht ausreicht. Saor Patrol waren viel mit dem MPS unterwegs das Jahr über und daher schon ziemlich fertig, da es arg schlaucht, jedes Wochenende zu fliegen, dazwischen noch nach Amerika und dies und das und jenes. Die gute Planung zu Anfang war gemacht, aber wir mussten bald feststellen, dass es einfach nicht möglich ist.

Hermann: Schade, denn ich kann mich erinnern, dass Ihr vor zwei oder drei Jahren schon darüber nachgedacht hattet, ein solches Projekt zu starten.

Dextro: Ja, wir haben darüber nachgedacht, waren auch auf einem richtigen Weg, aber dann hat es, wie das Leben eben so spielt, nicht hingehauen.
Nun ist das natürlich kein Beinbruch und am Ende wird es eine schöne gemeinsame Tour. Wir können den Jungs von Saor Patrol noch ein paar schöne deutsche Clubs zeigen, und das ist gut. Diese Woche machen die Jungs den Support für uns, nächste Woche tun wir dies für sie. So gibt es keinen „richtigen“ Headliner, sondern wir spielen gleichberechtigte Konzerte. Das finden wir auch in Ordnung. Klar, das mit dem eigentlichen Projekt ist schade, aber es klappt eben nicht immer alles im Leben.

Hermann: Habt Ihr irgendwelche Erwartungen an diese Tour?

Dextro: Ich habe die Erwartung an die Band, dass wir gut spielen und einen guten und würdigen Abschluss für Schelmish auf die Kappe kriegen. Ich glaube, das wird uns auch gelingen, denn die Laune bei uns ist auf jeden Fall Schweinegut. Wir haben letzte Woche ja schon den Auftakt in Lübeck gemacht, allerdings allein. Das gehörte noch nicht zur eigentlichen Tour. Das war ein richtig gutes Konzert, ein langes Konzert. Es hat den Zuschauern Spaß gemacht und uns Spaß gemacht. Wir wollen wirklich einen richtig guten Abschluss für das Projekt Schelmish, wollen das die Leute sagen können, sie sind mit Schelmish fertig geworden oder haben mit Schelmish auf einem guten und hohen Niveau aufgehört.

Picus: Es geht auch darum, dass die Mittelalter-Fans noch mal auf ihre Kosten kommen. In Bonn spielen wir ja gemischt, also nicht komplett Mittelalter, wie die anderen Konzerte auf dieser Tour.

Hermann: Was ich auf jeden Fall gehört habe ist, dass sich viele Fans angesagt haben.

Dextro: Wir hoffen, dass die Lokationen voll werden. So können wir allen auch noch mal Tschüß sagen, denn wir werden sie ja nicht alle auf einem Konzert sehen. Und das ist auch okay so. Ich will einfach nur gute Mucke machen und dabei viel Spaß haben. Ohne Druck und ohne Zwang. Und ich glaube, das gilt für alle, die an der Tour teilnehmen.
Was danach kommt, müssen wir halt sehen. Die Formation, die es jetzt bei Schelmish gibt, wird sicherlich nicht einfach ad acta gelegt, sondern wir werden ein anderes Projekt anfangen und natürlich rechtzeitig bekannt geben, ob wir das jetzt machen oder nicht. Genug Ideen sind vorhanden. Und Spaß ist ebenfalls da, auch untereinander.

Picus: Wir werden ja auch oft gefragt, ob wir im Streit auseinander gehen. Das ist völliger Quatsch. Es hat absolut nichts mit persönlichen Sachen zu tun. Wir sind nach wie vor eng befreundet, es gab keinen Streit oder Diskussionen und keine Unstimmigkeiten. Das hat ganz andere Gründe, die nicht in der Besetzung zu suchen sind.

Dextro: Zu den Gründen werde ich sicher nach dem Konzert in Bonn einiges sagen, zumindest meine Gründe offen legen, warum das so ist und das Projekt Schelmish beerdigt werden muss. Wir hatten eine schöne Zeit, haben mit Schelmish viel erreicht, haben viel Spaß gehabt und werden auch danach noch viel Spaß haben -obwohl, den Picus würde ich schon ganz gerne erschlagen.

Picus: Tja, was soll ich dazu sagen…

Allgemeines Gelächter

Hermann: Das lassen wir dann mal so stehen – vielen Dank an Euch!

Dextro: Wie, war’s das schon mit dem Interview? Wie unprofessionell is’n das?

to be continued…

Letzte Instanz – Matrix Bochum 11.10.2012

Letzte Instanz – Ewig-Tour, Matrix, Bochum – 11.10.2012

Das neue Album der Letzten Instanz ist da!
„Ewig“.
Das letzte Kapitel der Trilogie wird nach „Schuldig“ und „Heilig“ aufgeschlagen.Die dazu gehörige Tour 2012 startete in Köln und setzt sich in der Matrix als zweiten Austragungsort fort. Support auf ihrem Weg sind dieses Mal „Lord of the Lost“ aus Hamburg. Nach vierzig Minuten wilder Show der Vorband, betreten nach einer kurzen Unterbrechung die Herren Auch Sachsen, Bayern und Berlin die Bühne.

„Jeder Schuldige hat eine Zukunft. Jeder Heilige hat eine Vergangenheit. Und das wir ewig so sein.“Mit diesem pathetischem Zitat beginnt das jüngste Album und ebenso auch die aktuelle Tour. Die Matrix , wie eh und je gut gefüllt, war von der ersten Minute Auge und Ohr für die neuen Stücke. „Ewig“, „Nur für uns“, „Blind“ – so beginnt der Abend.
Auch alte und viel geliebte Stücke, wie „Unerreicht“, „Ohne dich“, „Der Garten“, „Flucht ins Glück“ und mein persönliches Lieblingsstück „Kopfkino“ (zugegebenermaßen aus einer sehr weit entfernten Ära) fehlen nicht.

Alles in allem schafft es die Letzte Instanz einmal mehr, die Angereisten zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen.Das größte Hit-Potential hat auf dem aktuellen Album wohl „Von Anfang an“, zu dem es bereits auch ein Musikvideo gibt und welches dargebracht natürlich auch auf dieser Tour nicht fehlt.

Hollys schöne und ausdrucksstarke Stimme begeistert von der ersten Minute und schwächelt auch am Schluss nicht.Alles in allem dominiert musikalisch das aktuelle Album den Abend. Beinahe jedes Stück der Scheibe wird in den zwei Stunden gespielt und vom Publikum sehr gut angenommen und sogar stimmlich wiedergegeben.

Die Matrix heizt sch immer mehr auf, was nicht nur an der schlechten Abluft liegt. Leider ist nach wie vor der Sound in dem kleinen Kellergewölbe nicht der allerbeste, aber man kann leider nicht alles haben.

Als Lokation ist das Gemäuer immer noch eines der Besten mit seinem Zwielicht und den schönen runden Bögen. Noch schöner wäre es nun noch, wenn man endlich wirklich durchsetzen künnte, das, in dem ohnehin schon stickigem Raum, das Rauchen auch tatsächlich komplett eingestellt werden könnte. Leider hält sich so gut wie keiner an das Rauchverbot direkt vor der Bühne und die ohnehin schon schlechte Luft, wird dadurch nicht besser.

Ein Konzert der Letzten Instanz ist auch nach inzwischen 11 Alben nicht langweilig und immer wieder eine Reise wert. Auch wenn das Album „Ewig“ sehr viel rocklastiger als die letzten beiden erscheinen, ist die visuelle Umsetzung sehr gelungen und macht Lust auf viel mehr!

KvK

Elfenthal akustisch in Lichtenberg

Primär ist es sicher das Ziel eines Musikers mit seiner Musik nicht nur Gehör zu finden, sondern im Idealfall davon leben zu können. Wenn es dann noch für einen Charterfolg langt umso schöner. Davon ist Elfenthal mit seiner Musik sicher weit entfernt. Und zwar nicht weil sie schlecht ist, ganz im Gegenteil. Sie ist nur sehr speziell und vermutlich alles andere als Chartstauglich. Und gerade ein junges Publikum damit zu begeistern wohl ein aussichtsloses Unterfangen. Oder doch nicht? Es kommt ganz drauf an, ob man sie akustisch oder in voller Rockbandbesetzung erlebt. Das sind 2 völlig verschiedene Gruppen, so verschieden wie vielleicht Rammstein und Philipp Poisel wenn man das ganze plastisch im Pop-Rockbereich verdeutlichen will. Bei den Burgfreunden Lichtenberg, ein rühriger Verein der sich dem Erhalt der Burgruine verschrieben hat und durch sein Burgfest immer bekannter wird, gab es die akustische Variante zu hören.

Elfenthal The Early Music Ensemble, die ruhige Seite von John Kelly und Maite Itoiz (Achtung nicht Kelly-also nicht die Tanzmaus der Kelly Family) und Begleitung sind gekommen um dem Publikum die Musik des Mittelalters auf historischen Instrumenten gespielt näher zu bringen. genauer gesagt Musik der Renaissance, des Barock vom Hofe Alfonsos des Zehnten von Kastilien, Musik von Hildegard von Bingen von Claudio Monteverdi oder von Bach.

Mit hohem, historischem Anspruch nachgespielt und doch mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit, die John Kelly und seine vier Frauen in die Songs einfließen lassen. Viola de Gamba, Flöten, eine sparsam eingesetzte Trommel, Nickelharpa, Harfe, mittelalterliche Gitarren und diverse andere Instrumente unterstützen dabei, und doch sind es vor allem die Stimmen, die den Abend bestimmen und zu einem andersartigen, aber nichts desto trotz absolut faszinierenden Konzertabend machten. Daran hatten auch das Lichtenberger Publikum einen gehörigen Anteil, das aufmerksam und mucksmäuschenstill das Konzert verfolgte. Damit machte man den großartigen Musikern das größte Geschenk und die kamen aus dem Strahlen nicht heraus. Vor allem der Engel in weiß Maite Itoiz strahlte vom einem Ohr zum anderen und fühlte sich sichtlich wohl an diesem Abend. Das mit dem Engel ist übrigens gar nicht so weit hergeholt, so stell ich mir einen weiblichen Engel vor, bildhübsch und mit einer Stimme gesegnet die nicht von dieser Welt zu kommen scheint und der man vom ersten Ton an verfällt. Genauso wie ihrem Lachen, ihrer Natürlichkeit , dem Charme und ihrer wundervollen Art Deutsch zu sprechen, der man allein stundenlang zuhören könnte. Deshalb tut man auch gut daran, dass Maite durch den Abend führt und das Publikum in die Stücke einführt. Auch wenn John Kelly ja perfekt deutsch spricht.

Es sind aber nicht nur die 2, auch die anderen Musiker sind großartig, wie die spanische Opernsängerin, die in der Stimmlage Alt im Chor mitsingt oder Jule Bauer die man sonst als Jule Sonnenklang mit Triskilian auf den Bühnen in Deutschland erleben kann.

Sie passen alle perfekt zusammen, es ist ein harmonisches Ganzes was sich da auf der Bühne um Maite herum gruppiert hat. Und dass John Kelly ebenfalls sehr gut singen kann, weiß man ja eh schon seit der Kelly Family, auch wenn alles was er musikalisch mit seiner Ehefrau Maite auf die Beine stellt, völlig anders als die Kelly-Musik von früher ist.

Und die ist es wirklich wert, dass man ihr Gehör schenkt auch wenn bis heute der Name Kelly bei manchem völlig zu unrecht negative Assoziationen auslöst.

Aber noch einmal zurück zum Auftritt, der von einer kurzen Pause unterbrochen zweigeteilt war. Wenn man John und Maite so ruhig und in der Musik versunken da sitzen sieht fällt es wirklich schwer zu glauben, dass die kleine Spanierin zusammen mit Ehemann John auch völlig anders kann, nämlich so richtig abrocken bei der Rock Oper. Wie sie mir danach verraten haben, arbeitet man derzeit an einem neuen Werk, dass die Geschichte der Blauen Elfe noch übertreffen soll. Und die ist schon sehenswert und der Burgplatz und die Ruine in Lichtenberg wären auch dafür die perfekte Kulisse.

Trotz der schweren ungewöhnlichen Kost verging der Abend irgendwie wie im Fluge und danach standen die Musiker dem Publikum Rede und Antwort und schrieben fleißig Autogramme. Michael Kaiser der im Juni mit Dunkelschön selbst in Lichtenberg aufgetreten ist und es sich zusammen mit Vanessa Istvan nicht nehmen lies die Kollegen von Elfenthal ebenfalls anzuhören, durfte sich übrigens erfolgreich an Jules Instrument erproben.

Damit haben die Burgfreunde Lichtenberg bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für ein ganz besonderes musikalisches Event gesorgt , dem hoffentlich noch ganz viele folgen mögen.

Eingeführt in den Abend als Vorband haben übrigens die 2 Damen von Lyra Musica aus Hof. Die 2 Spielweyber mittleren Alters (wie es auf ihrer Homepage so schön zu lesen steht) haben sjch ebenfalls der Bewahrung des traditionellen Mittelalterliedguts verschrieben und präsentieren auch mit allerlei Instrumentarium ihre Interpretationen. Das funktioniert trotz eines so dominanten Instruments wie dem Dudelsack erstaunlich gut. So passten beide wirklich perfekt zum Hauptact, führten gekonnt in den Abend ein und rundeten das Programm gelungen ab.

Ganz zum Schluss noch etwas anderes. Nightwish haben sich ja wieder von ihrer Sängerin verabschiedet. Nach dem Abgang von Tarja hat man ja ewig gesucht. Jetzt geht die Suche wieder los, dabei bräuchte man gar nicht suchen. Denn wenn einer stimmlich perfekt passen würde dann sicher Maite Itoiz, aber die ist bei Elfenthal bestens aufgehoben.

Bernd Sonntag

Louis Manke von Staubkind

Jarwin: Meine erste Begegnung mit Staubkind war 2006 in Hof. Ich weiß nicht ob du dich da noch dran erinnern kannst?
L.M.: Oh ja, das war das Franken- Schwarz- Festival und wir haben vergessen unsere Hotelschlüssel abzuholen, dann hatten wir nämlich kein Hotel.

Jarwin: Der Auftritt ist mir wegen dem Selig- Cover „Ohne dich“ im Gedächtnis geblieben. Gibt’s das heut auch wieder?
L.M.: ja, das gibt es heute auch wieder zu hören .

Jarwin: Seitdem hat sich aber einiges getan bei Staubkind. Und dieses Jahr war durch die Unheilig-Tour vermutlich das erfolgreichste. Wie kam die Verbindung zustande?
L.M.: Wir sind mit dem Grafen schon seit Anfang an bekannt und haben unser allererstes Konzert in Basel mit ihm gegeben. Auf der Ultimate Joice-Tour habe ich dann schon angefangen das erste Staubkind-Album zu schreiben, auf einem ganz alten Laptop. Das haben sowohl der Graf als auch Henning mitbekommen und noch ein paar Tipps gegeben. Von da an hat der Graf unsere musikalische Arbeit verfolgt und man ist sich immer wieder über den Weg gelaufen bei Festivals. Bei Traumfänger haben wir dann auch zusammen gearbeitet. Und als es beim Grafen dann immer mehr bergauf ging hat er uns auch immer wieder mit eingeladen. Dann haben wir die Unheilig und Friends Tour im Jahr 2009 mitgemacht. Wir waren da seit langer Zeit wieder auf einer so großen Bühne gestanden. 2011 kam dann der Anruf, dass in Heilbronn auf seiner „Heimreise-Tour“ eine Vorband ausgefallen ist. Mittwoch rief das Management an ob wir Samstag Lust hätten. Klar sind wir dann da hingefahren, haben dann vor 10000 Leuten gespielt und waren völlig aufgeregt. Es war dann aber so gut, dass die Leute sogar mitgesungen und das so toll aufgenommen haben. So dass sie uns gefragt haben ob wir die „Lichter der Stadt- Tour“ mitfahren wollen. So ist es dann entstanden. Es ist auch so, dass sich der Graf trotz des ganzen Erfolgs nicht verändert hat. Er ist immer noch der Gleiche wir vorher. Wir sind auch die ganze Tour über super behandelt, wie eine große Familie. Das technische Material war natürlich vom Feinsten. Wir sind echt super supportet worden.

Jarwin: Deine neue CD hat eingeschlagen wie eine Bombe. Gab es da, ähnlich wie bei Unheilig, Neider, die versucht haben den Erfolg madig zu machen?
L.M.: Wir haben mit mehr gerechnet als jetzt letztendlich passiert ist. Aber im Endeffekt hat man das und wir stehen der Sache eigentlich ganz offen gegenüber und diskutieren auch mit den Fans solange es im Rahmen ist. Wie die ersten Singles rauskamen hatten ja viele schon Angst, dass das Album etwas sanfter ist und dass wir uns in Richtung Kommerz verändert haben. Da haben wir immer über Facebook schon ziemlich viele Briefe geschrieben und mit den Fans auch drüber geredet und ich denke solche Ängste sollte man den Fans dann auch nehmen. Es ist ja auch verständlich, wenn die Fans einen 7 Jahre unterstützen, einem den Rücken stärken und es ja letztendlich ermöglichen, dass man unterwegs sein kann, und im 8. Jahr denken, oh Gott hoffentlich macht er jetzt keinen Schlager, dann sollte man solche Ängste schon ernst nehmen.

Jarwin: Ward ihr selber überrascht über den Erfolg der CD?
L.M.: Ja schon. Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Es hat aus verschiedenen Gründen jetzt 5 Jahre gedauert bis wir das 3. Album fertig hatten und dann kam dieser Anruf von Unheilig und wir haben es nochmal verschoben. Wir haben dann den Henning gefragt ob er es produzieren möchte. Ich wollte mal in ein richtiges Studio gehen. Die ersten beiden Alben hab ich in meinem Zimmerchen mit meinen technischen Kenntnissen als Musiker produziert. Dann muss man seine eigene Stimme abmischen und schneiden. Jetzt hatte man jemanden, der das alles gemacht hat mit sehr großem Knowhow. Dann konnte man sich jetzt voll auf die Musik konzentrieren und hatte Leute die einem noch gute Tipps gegeben haben. Also ich persönlich bin inhaltlich und technisch an dieser Produktion sehr gewachsen. Es ist auch das erste Album das fertig geworden ist. An den anderen Alben hätte man theoretisch noch 3 Jahre herum schrauben können. Ich hab das Album dann erstmal 3 Wochen gar nicht mehr gehört und dann ins Autoradio eingelegt und dachte mir „ja cool, das ist fett“. Die Gitarren und die Songs sind so wie ich sie mir vorgestellt habe. Einfach fertig. Musiker schrauben ja immer gerne ewig an ihren Sachen.

Jarwin: Was macht man als Musiker in den 5 Jahren in denen man an einer Platte arbeitet?
L.M.: Ich hab noch viele andere Sachen gemacht. Terminal Joice ist gewesen, wir haben ein Album zwischendurch raus gebracht, wir waren bei Blutengel mit unterwegs, haben das Bühnendesign und die Videohintergründe gemacht und schreibe Songs für andere Bands u.s.w.

Jarwin: Gothic meets Klassik. Wir bereitet man sich darauf vor. Es ist ja ein gewaltiger Unterschied mit einem Symphonieorchester zu arbeiten.
L.M.: Richtig. Also wir haben den Vorteil, dass wir für die Platte jetzt schon die Nummern die schon arrangiert waren nehmen konnten und das auf die Bonusversion mit drauf packen konnten. Das fanden wir eine sehr gute Idee auch mal was anderes zu machen und sind dadurch schon ein bisschen in der Geschichte drin. Wir haben jetzt morgen nochmal eine Probe mit dem Arrangeur und wir fahren jetzt übernächste Woche zum Proben nach Polen zu dem Orchester. Das wird für uns eine neue Erfahrung sein. Wie dynamisch arbeitet so ein Orchester? Wie singt man drauf? Die sind ja auch mal schneller, oder mal langsamer. Mal schauen, wir sind schon alle etwas aufgeregt. Es ist ja auch ein 360° Saal, d.h. ich muss mich als Sänger auch mal umdrehen. Da stellt sich die Frage wie wird die Performance aussehen wird, wie wird das ganze arrangiert. Eine völlig neue Situation für mich.

Jarwin: Ist man dann bei so Cross-over-Projekten nervöser als sonst?
L.M.: Ja klar. Das ist ja auch bei der Unheilig-Tour schon so gewesen. Da war das erste Konzert in einem Fußballstadion mit 15000 Leuten. Ich hatte vorher noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Aber nach dem 3., 4. Konzert pendelt sich das ein und man entwickelt eine gewisse Routine, man ist dann zwar immer noch aufgeregt, aber man hat schon eine Ahnung wies läuft und geht dann gleich anders ran. Ich bin ja eh ein Lampenfieber- Typ. Ich sterbe jedes Mal bevor ich auf die Bühne muss. Als ich bei der Unheilig- Tour das erste Mal raus musste hab ich hinter der Bühne auch gesagt – Mensch, hätte ich auf meine Mutter gehört und wäre Tischler geworden-. Auf der Bühne geht’s dann aber wieder.

Jarwin: Die Idee für das Projekt kam von Chris?
L.M.: Nein, das hat das Label organisiert. Also die hatten die Idee und haben das auch umgesetzt und haben uns als Bands dann eingeladen.

Jarwin: Was hörst du privat an Musik?
L.M.: Meine eigene Musik hör ich selten. Da man beruflich sehr viel mit Musik zu tun hat und auch sehr viel analysiert, sich viel Musik anhört um zu hören wie ist das gemacht wird, wieso gefällt mir das, bin ich dann doch ganz froh wenn einfach mal nur der Fernseher läuft und ich auf der Couch liegen kann. Ansonsten dudelt bei mir das Radio, also sehr „mainsteamig“. Früher hab ich gern Christina Aguilera angehört, weil ich die letzten beiden Alben ganz gut fand, nur ist das schon eine ganze Weile her.

Jarwin: Wir fotografieren ja hauptsächlich im Mittelalterbereich. Hast du dazu auch einen Bezug?
L.M.: Nein, Mittelalter weniger. Das ist nicht so ganz meins. Ich war als Jugendlicher immer mal gern auf diesen Mittelalter Spektakeln bei Dresden. Das hat mir ganz gut gefallen, aber die Musik gefällt mir, vor allem wegen den Dudelsäcken, nicht so wirklich. Aber das Eintauchen in eine andere Welt, die Atmosphäre ist schon schön.

Jarwin: Wo kommt denn der Name Louis her? Eigentlich heißt du ja Sven?
L.M.: Sven ist mein Zweitname. Den habe ich von meinem Opa. Sven ist zwar der Rufname aber nachdem sich bei Sven ca. 15 Leute umdrehen und bei Louis vielleicht 2 habe ich mich für diesen entschieden.

Jarwin: Staubkind wird ja schon immer zur schwarzen Szene gerechnet. Hast du einen Bezug zu der Szene?
L.M.: Also ich bin so ein bisschen rein gerutscht. Ich hab zwar früher auch gerne The Cure gehört, habe mich geschminkt und bin mit hoch tupierten Haaren gegangen, aber das hat für mich noch nichts mit schwarzer Szene zu tun gehabt. Vorher hab ich Metal gemacht und dann aber gemerkt, dass in der Szene relativ offen und großherzig mit den ganzen Gefühlen umgegangen wird und das hat mit sehr gut gefallen. Da hab ich mich mit meinen Gefühlen und Texten sehr wohl gefühlt. Hab aber auch immer betont, dass es zwar schön ist, dass wir den Platz gefunden haben, aber dass unsere Musik jeder hören kann. Ich finde es mittlerweile etwas schade, dass die Toleranz in der Szene und dieses ganze Drumherum gelitten hat und es eher noch darum geht, wie man sich präsentiert, nicht mehr so wie man es lebt. Ich finde die Szene mittlerweile etwas bröckelig, es geht nur noch darum sich zu verteidigen. Eigentlich ist „Leben und leben lassen“ immer das was die Szene gefordert hat. Man fand es auch immer ganz cool in Leipzig, wenn einer mal extrem anderes herum gelaufen ist. Das ist in der Szene ein bisschen verloren gegangen. Aber das ist einfach der Lauf der Dinge und vielleicht gibt es ja mal wieder ein paar Leute, die das wieder etwas hoch leben lassen. Ohne intolerant zu sein, ohne irgendwelche Leute auszugrenzen, die vielleicht anders aussehen. Das ist nämlich im Moment ein sehr großes Problem, dass Leute, die normal aussehen ausgegrenzt werden, obwohl wir früher ja das gleiche Problem hatten, weil man anders ausgesehen hat. Aber man vergisst recht schnell. Ja, ansonsten fühlen wir uns nach wie vor sehr wohl. Haben natürlich jetzt durch das Unheilig- Publikum eine bunte Mischung bekommen, das merken wir auch, dass alte Songs anders funktionieren als früher und die neuen Songs natürlich auch. Ich habe jetzt auf der Unheilig- Tour gelernt, mit dem Grafen und Andreas Burani, den ich kennen gelernt habe und der ja aus einer ganz anderen Musikrichtung kommt, zu akzeptieren, dass eben alle sich meine Musik anhören können, egal ob schwarzes, weißes oder buntes T-Shirt. Es gibt eben keine Schublade in die man die Fans reinstecken kann. Am Anfang war ich auch skeptisch, was die Unheilig-Tour angeht, bin aber mittlerweile sehr froh das gemacht zu haben. Das Schöne ist ja, dass man mittlerweile auf Konzerte jeglicher Musikrichtung einfach hingehen kann, egal aus welcher Richtung man kommt. Man kann auf ein Klassikkonzert gehen oder in die Oper, auch wenn man vorher noch nie dort war und ohne einen Frack zu besitzen, genauso wie auf ein Heavy Metal Konzert. Und warum soll nicht auch ein „Normaler“, mit buntem T-Shirt auf ein Gothic-Konzert gehen, wenn es ihm gefällt. Das schöne ist, wir hatten jetzt in Thurgau einen da, der völlig extrem aussah. Nietengürtel, gepierct, zerfetztes Hemd, tätowiert und daneben stand die Hausfrau mit ihrer Tochter. Das fand ich echt cool, es haben sich alle akzeptiert und toleriert und haben dann sogar miteinander ein Gespräh angefangen.

Jarwin: Ja das entwickelt sich im Moment sehr. Ich denke, dass da auch Unheilig mit dafür verantwortlich ist, dass Bands aus der schwarzen Szene immer mehr entdeckt werden und sich das Publikum etwas bunter mischt.
L.M.: Es gibt natürlich Bands, die sich darauf fest legen, die die schwarze Szene vertreten, wie z.B. auch Lacrimosa und ASP, das ist schon sehr szenenspezifisch. Man kann zum Grafen stehen wie man will, man kann auch sagen es ist fragwürdig wie er aus der Szene raue ist. Es hat jeder das Recht sich eine Meinung zu bilden. Das wichtigste ist einfach wie tolerant oder wie höflich man damit umgeht. Da sind ja wirklich Sachen an den Tag gelegt worden, wo ich dachte „mein Gott“. Man muss doch nicht Unheilig- Publikumsfotos machen nur um sie dann in Facebook zu posten und dann die Leute mit Kommentaren an den Pranger stellen, nur weil sie ein rotes T-Shirt tragen und bei Unheilig mitgesungen haben. Da habe ich mich dann schon ein bisschen ans 3.Reich erinnert gefühlt, wo die Menschen anhand ihres Aussehens beurteilt wurden. Da war ich etwas enttäuscht. Kritik kann man schon Äußern, aber es ist immer die Frage in welchem Ton man es macht. Da habe ich mich sofort von einigen Sachen distanziert und gesagt das kann ich nicht unterstützen.

Jarwin: Möchtest du noch irgendetwas los werden?
L.M.: Ja, dass es ein toller Sommer war und ich möchte allen Fans danken, die dabei waren und neu dazu gekommen sind.

Jarwin: Wünsch dir was! Wenn du heute die Möglichkeit hättest dir einen Duett Partner oder Partnerin zu wählen. Gäbe es da jemanden mit dem du gerne einmal zusammen arbeiten würdest?
L.M.: Schwierig. Es gibt im Moment niemanden. Ich überlege schon, wir haben auch jemanden im Auge, aber das möchte ich jetzt nicht verraten. Mit Andreas Burani haben wir damals ein Abschlussduett am letzten Tourtag gemacht. Das war sehr interessant.

Jarwin: Vielen Dank für die Zeit und die offenen Antworten! Es hat uns viel Spaß gemacht. Viel Erfolg weiterhin mit Staubkind.

Carolin und Bernd Sonntag

Staubkind, 27.11.2012 Gasometer Zwickau

Ein bißchen wie Heimkommen war das Konzert von Staubkind am Samstag im Zwickauer Gasometer für Bandchef und Sänger Louis Manke, stammt er doch aus Zwickau, gerade mal 5 km weg wie er in einer Ansage betonte. Leider nur eine von ganz wenigen, denn zu erzählen von seinem bisherigen Musikerleben hat er genug. Und so gibt es unter Interviews auf www.jarwinbenadar.de ein ausführliches Staubkind-Interview. Bereitwillig hat sich Louis viel Zeit für uns genommen, um unsere Neugier zu befriedigen. Wir erlebten einen super netten und entspannten Bandchef, der die letzten Monate genossen hat und die vielen positiven Eindrücke auf sich wirken lässt. Genauso entspannt und sichtbar glücklich und zufrieden stand er übrigens auch auf der Bühne, nichts zu spüren von Nervosität und man sah ihm an, wie er den Moment und das mitgehende Zwickauer Publikum genoss. Das hatte sichtlich Spaß und besonders bei den ruhigen Songs als kräftig mitgesungen wurde hatte das Konzert seine stärksten Momente.

Genauso wie er konnte seine 4-Mann-Band überzeugen und war mit Leidenschaft dabei. Allen voran der Keyboarder Henrik Böhl, der schon nach der Hälfte des Konzerts im eigenen Saft zu schmoren schien. Das lag aber nicht nur an den angenehmen Temperaturen des Gasometers, während draussen der Winter Zwickau einschneite. Sondern vor allem auch an ihm, so leidenschaftlich haute er in die Tasten und lebte die Musik mit. Und da Louis eigentlich fast während des ganzen Konzerts so richtig Gas gab, blieb kaum Zeit zum Luftholen und an abschwitzen war schon gar nicht zu denken. Überhaupt ist der kleine Berliner ein echter Wirbelwind. Ständig ist er von links nach rechts und von rechts nach links auf der Bühne unterwegs und bringt deswegen so manchen Hobbyfotografen zur Verzweiflung weil die Auslöseverzögerung nach Scharfstellen länger dauerte, als Louis auf einen Fleck verweilte.

Staubkind zählen seit der Gründung 2003 zu den Bands der schwarzen Szene, ihre Musik wird ähnlich wie bei Unheilig inzwischen aber nicht nur von den Szeneanhängern gehört, logischerweise genießen sie nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie der „Gothic-Graf“, der inzwischen zum erfolgreichsten Deutschen Sänger mutiert ist. Aber Aufmerksamkeit genießen Staubkind, sicher auch Dank der letzten Unheilig Tour, die man supportet hat inzwischen auch im Nicht-Gothic-Bereich. Das zeigen nicht zuletzt die Verkaufszahlen. „Fang Dir Deine Träume“, 2012 erschienen, nahm mühelos den Weg in die Top 100 Albumcharts. Kein Wunder, ist die Musik von Staubkind durchaus massenkompatibel und das im positiven Sinne. „Fang Dir Deine Träume“ ist aber auch eine gelungene Scheibe geworden und es lohnt sich wirklich einmal reinzuhören. Und so gab es beim Konzert natürlich viel aus der neuen CD, selbstverständlich gab es aber auch Musik aus den zwei früheren Scheiben, man bekam also einen wirklich guten Eindruck vom musikalischen Schaffen Staubkinds, sehr zur Freude vieler Staubkinder, die bereits 2 Std vor Hallenöffnung geduldig vor der Tür warteten. Und neben den ganzen eigenen Songs gab es auch 2 Coverversionen zu Gehör. Die eine, von Selig, mit dem Titel „Ohne Dich“ wurde auf der zweiten Staubkind CD „Traumfänger“ 2004 veröffentlicht, zu einer Zeit als es die Band Selig schon lange nicht mehr gab. Zum Glück hat sich die Band nach ihrer Auflösung 1999 2008 wieder neu gegründet und vielleicht hat der eine oder andere Konzertbesucher nach dem Konzert so richtig Lust bekommen in die Musik um Ausnahmesänger Jan Plewka einmal reinzuhören. Es lohnt sich, wie Manke vor dem Stück betonte.

Coverversion Nummer 2 stammt von Karusell, ist die geheime DDR- Nationalhymne und das melancholische Lied passt geradezu perfekt ins Staubkind Programm. Und da es bis heute im Westen immer noch viel zu wenig Menschen kennen, ist es doppelt schön, dass Staubkind den für mich schönsten Ostsong am Leben halten.

Nichts ist unendlich, so sieht es doch aus heißt es in dem Song. Dies gilt natürlich auch für das Staubkind und so war um 0:00 Uhr nach der Zugabe dann auch endgültig Schluss. Zuvor wurde sich aber noch beim Publikum bedankt, die großartige Location gewürdigt und den Zuhörern mitgeteilt, dass man sich gleich am Merchandise zum Plausch und Autogrammeschreiben wieder trifft.

Scream Silence

Losgegangen ist das Konzert übrigens pünktlich um 21.00 mit dem ein- stündigen Auftritt von Scream Silence, einer befreundeten Berliner Dark-Alternative-Band, der man genug Zeit gab den Gasometer- Besuchern einen Teil ihrer Dark-Rock-Songs vorzustellen. Bereits seit 1998 gibt es Scream Silence nun schon, es sind also alles andere als Newcomer, die da auf der Bühne standen. Und mit 8 Alben hat man bis heute auch einen respektablen Plattenkatalog zusammengebracht. Mit Auftritten beim Mera Luna, dem Blackfield und natürlich auch beim WGT ist die Band in der Gothic Szene auch durchaus bekannt und ihre Werke wurden auch in der Fachpresse wie Sonic Seducer, Zillo und Orkus gelobt. Unter anderem als CD des Monats, das heißt schon was. In all den Jahren gab es einige Besetzungswechsel und auch der Sound veränderte sich. Doch bis heute bleibt man den düsteren Klängen treu. Die passen auch hervorragend zur Stimme von Sänger Hardy Fieting der etwas wie der ältere Bruder von Gitarrist Hagen Schneevoigt ausschaut. Schade, dass die im Gasometer nicht so ganz zur Geltung kam. Das lag zum einen an der relativ kurzen Soundcheckzeit die man zur Verfüügung hatte und am Gasometer selbst. Denn hier einen guten Sound hinzubringen ist für jeden Tontechniker eine echte Herausforderung. Mit Staubkind ist man nicht nur freundschaftlich verbunden, man hat in diesem Jahr ebenfalls eine neue CD am Start, die man schlicht Scream Silence betitelt hat und dem Zwickauer Publikum vorstellen will. Doch natürlich ist auch für ältere Songs Platz auf der Setlist und so bekommt man einen echt guten Überblick über das musikalische Schaffen einer Band die sich etwas wie eine gitarrenlastigere Mischung von Depeche Mode meets the Mission anhört. Der Auftritt, wenn auch nicht klanglich optimal, macht trotzdem Lust auf mehr, auch dem Publikum , so dass es sehr zur Publikumsfreude noch eine musikalische Zugabe gab. Und wenn man sich dann mal auf die neue CD einlässt, wird man feststellen, dass Scream Silence eine erstaunliche Klangvielfalt zu bieten haben, natürlich immer dominiert von Fietings schö anzuhörnder Stimme.

Und so bekamen die Zuhörer im gut besuchten Zwickauer Gasometer viel geboten zu einem sehr fairen Eintrittspreis. Wer Lust auf das musikalische Doppel Staubkind-Scream Silence bekommen hat sollte sich aber beeilen, mehrere Konzerte der Tour melden schon ausverkaufte Hallen.

Bernd Sonntag

Dazkarieh – Eterno Retorno

„Ewige WiederkehrE. Ein Album, das mit diesem Namen betitelt wird, muss man sich einfach genauer betrachten, bzw. genauer anhören!

Es ist das sechste Studioalbum der portugiesischen Folkband Dazkarieh, die seit 1999 zusammen musizieren und seit 2006 auch mit eigenen Kompositionen aufwarten. So zeichnet sich Vasco Ribeiro für die Musik und Joana Negrao für die Texte aller Stücke des aktuellen Albums verantwortlich.

Dazkarieh: Eterno Retorno

Es gibt nur wenige Bands, die es schaffen, etwas ganz eigenes zu kreieren. Dazkarieh gehören definitiv zu diesen Bands! Alte und wunderschöne Instrumente werden mit verzerrten Gitarren kombiniert und mit Elektronik, Schlagzeug und vielerlei Effekten vermischt.

„Eterno Retorno“ beginnt wild, mit viel Schlagzeug und E-Gitarre, beinahe also „(ir)Real“, aber wunderbar harmonisch. Diese Harmonie bleibt auch im weiteren Hörverlauf des Albums bestehen. Laute Töne wechseln in ruhigere Gefilde und wieder zurück. Auch traditionelle Instrumente, wie der Dudelsack oder die Nickelharpa fehlen nicht.
Die Band schafft verschiedene musikalische Atmosphären, von starkem Rock („(ir)Real“ oder „Contos de Cordel“), über mystisch-poetische Klänge („Ladainha do Lago“) bis hin zu wunderschönen rein akustischen Songs („Embalo ao nascer do Sol“).
Die Expressivität und Emotionalität in Joanas Stimme wird zum Teil durch gedoppelte Stimmen im Arrangement verstärkt.

Mit dem neuen Album zeigt sich, dass auch Portugal einiges an musikalischen Größen zu bieten hat. Moderner Folkrock, wunderbar geschrieben und interpretiert!

Besetzung:
Vasco Ribeiro Casais – Nyckelharpa, Bouzouki, Bagpipes
Rui Rodrigues – Guitar, Cavaquinho
Joana Negrao – Voice, Bagpipes, Adufe, Tambourine
Joao Campos- Drums

Trackliste
1 (Ir)Real
2 Terra escura
3 Embalo ao nascer do sol
4 Quatro ciclos
5 Sei que nao sei
6 Guardar segredo
7 Folha vazia
8 Contos de cordel
9 Tronco
10 Sombra
11 Ladainha do lago
12 Primeiro olhar

KvK

Heimataerde – Gottgleich

Heimataerde – Gottgleich

Die Musik von Heimataerde zu beschreiben, war immer schon ein schwieriges Unterfangen. Legt die Band nun schon seit ihrem ersten Album im Jahre 2004 immer wieder eine Schippe obendrauf.
Heimataerde sind eine Mittelalter-Kapelle, die nicht nur allein auch durch die ihre Live-Auftritte beliebt und berüchtigt ist, wo sie als Templer regelmäßig ihr Unwesen treiben. Aber gerade die schrillen und ungewöhnlichen Shows der Band sind ein guter Grund, sie immer wieder für Festivals zu engagieren. Diese Spektakel sollte man sich nicht entgehen lassen.

Heimatærde: Gottgleich, 2 CDs„Gottgleich“ ist das fünfte Album der Band. Es beginnt mit einem Intro („Der Weg“), welches direkt aus einem Soundtrack entsprungen scheint, poetisch dargebracht und musikalisch sehr stimmungsvoll unterlegt. Und noch mehr Stücke dieser Art sind auf „Gottgleich“ zu finden. Das Zusammenspiel von Musik und Gesang ist Heimataerde einmal mehr als wunderbar gelungen, wobei die Spannung steigen dürfte, wenn man daran denkt, wie sie dieses Album visuell bei ihren Auftritten umsetzen werden.

Das Album ist durchsetzt mit gewohnt harten Gitarrenriffs („Templerblut“). Dudelsäcke und Drehleiern fehlen natürlich ebenfalls nicht („God Rest Ye Merry Gentlemen“). Das gesamte Album ist stimmig und der Sprechgesang von Ash kommt gewohnt martialisch daher. Kleine Geschichten, wie zum Beispiel in „Agnus Dei“ und „Outremer“ erzählt, bilden einen schönen Kontrast zu den EBM Klängen, immer passend melodisch begleitet. Poetische Melodien wechseln sich mit mittelalterlichen Klängen ab, wenn auch immer wieder unterbrochen durch die brachialen Gitarren und das harte Schlagzeug („Tief in Dir“, „Dein Opfer“).

Mit „Gottgleich“ wagen sich Heimataerde einmal mehr in Gefilde, die so manch anderer Künstler ihrer Zunft nicht betreten würde. Dabei bleiben sie aber immer hörbar und man ist geneigt, sie vorbehaltlos weiter zu empfehlen. Das Album hat Tiefgang und steckt voller Geheimnisse, die es zu entdecken gilt.

Tracklist
1. Der Weg
2. Templerblut
3. Die Nacht
4. Zwischen den Sternen
5. Angus Dei
6. Wacht auf
7. God rest ye merry gentlemen
8. Tief in dir
9. Outremer
10. Dein Opfer
11. Pilgerlied
12. Al Naharot Bavel
13. Allein
14. Leise fließt der Ebro

KvK

Capercaillie-Helmbrechts Kulturwelten am 26.10.2012

Was lange währt wird endlich gut kann man zum Auftritt der schottischen Folkgruppe sagen, der nach einjähriger Verzögerung glücklicherweise doch noch in Helmbrechts im Rahmen der Kulturwelten stattgefunden hat, selbstverständlich bei ausverkauftem Saal. Das Konzert musste vom letzten auf dieses Jahr verschoben werden, weil just zum angesetzten Termin Bob Dylan mit 2 Capercaillie Mitgliedern tourte und angeblich der Rest der Gruppe in Australien beim Staatsbesuch der Queen einen Auftritt hatte. Endlich hat es aber nun geklappt, wenn auch nicht in voller Besetzung, denn die besteht aus 8 Mitgliedern. Doch Percussionist und Schlagzeuger hat man daheim gelassen, was für den intimen Rahmen einer Accoustic Tour sicher kein Problem darstellte, im Gegenteil. Umso mehr kam der Gesang der großartigen Sängerin Karen Matheson zur Geltung. Mit Jarlath Henderson an den Pipes hat man für Michael McGoldrick , der auch fehlte, einen tollen Ersatz gefunden. Bisweilen handierte er mit 2 Pipes gleichzeitig und begeisterte damit sichtlich Zuhörer und Band. Doch neben den Pipes ist es besonders die Fiddle von Charlie McKerron und das wunderschöne alte Akkordeon von Donald Shaw, die den Sound von Capercaillie prägen. Die Band komplettierten im Helmbrechtser Bügersaal Ewen Vernal am Kontrabass und Manus Lunny mit Bouzouki und Gitarre.

Auf die Sekunde pünktlich um 20.00 erklangen die ersten Takte des „Skye walking Songs“ gefolgt von „An Buachaille Ban“ und sofort kam richtig Stimmung im Saal auf. Capercaillie, der Name ist übrigens der schottisch-gälische Ausdruck für Auerhuhn gibt es nun schon seit 1984 als mit Cascade das erste Album erschien. Und auch wenn die Band bis heute, wie viele Gruppen, einige Besetzungswechsel hinter sich hat, die Gründer Donald Shaw und Sängerin Karen Matheson sind der Band und ihrem Stil bis heute treu geblieben. Um die 18 CDs gibt es seitdem, man hat also einen unerschöpfliche Fundus an Liedern, die man bei einem Liveauftritt spielen kann und davon machte man auch reichlich Gebrauch. Es gab also nicht nur Songs der neuesten CD Roses and Tears zu hören sondern auch älteres.

Leicht hatten es die Besucher nicht, den Songs zu folgen, sind ein Großteil doch in Gälisch gesungen und da nützt selbst gutes Englisch nichts um etwas zu verstehen. Aber irgendwo macht dies aber auch den Reiz der Band aus, die mit dem Song Coisich a Ruin 1992 erstmals einen gälischen Song in den UK Top 40 platzieren konnten. Das zugehörige Album Delirium wurde übrigens in Deutschland mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Englisch wird aber auch gesungen z.B. bei Song Nummer 4 im Programm Don`t you go geschrieben von John Martyn den ersten absoluten Höhepunkt des Konzerts, das anklagende Anti-Kriegslied mit dem ergreifenden Chorus „Don`t you go, don`t you go my son“ ist sicher vielen Konzertbesuchern bleibend in Erinnerung geblieben. Nach „Fasgail an Doraich“ ehren Capercaillie Michael Marra, der im Alter von 60 Jahren am 23. Oktober also gerade mal 3 Tage vor dem Konzert an einem Krebsleiden verstorben ist. Dem Schottische Singer-Songwriter aus Dundee zu Ehren erschallt Green Grow the Rushes `o und man kann eine Stecknadel im Saal fallen höen so andächtig lauscht das Publikum. Bevor es in die Pause geht wird es mit Seice Ruairdh wieder fröhlicher und die nun folgende Pause nützt man zum Verkauf der letzten CD, die immerhin schon 2008 erschienen ist. Trotzdem fand sie reissenden Absatz und die vielen Exemplare langten nicht, um alle Konzertbesucher zu befriedigen.

Nach der Pause ging es mit Calum`s Road und Seinneam Cliu Nam Fear ur weiter. Nach dem Song Evit ar Bar hatte Jarlath Henderson Gelegenheit bei einem Pipe Solo sein Können zu zeigen und Band und Publikum lauschten fasziniert.

Richtig Gänsehaut erzeugt Capercaillie, wenn alle 6 Mitglieder, dominiert natürlich von der Stimme Karen Mathesons mitsangen wie z.B. in Both Sides of the Tweed. Omnia Fans dürften die Zeilen

Let virtue distinguish the brave

lace riches in lowest degree

hink them poorest who can be a slave

hem richest who dare to be free

bekannt vorkommen. Fängt Steve Sic seine Live Version des Lieds En Avant Blonde auf Worlds of Omnia genau mit diesen Worten an.

Capercaillie sind ein akustischer Soundtrack für den Kopf, es lässt sich gar nicht vermeiden sich die Schottischen Highlands vorzustellen über die man gerade läuft oder das fröhliche Pub, in dem gerade eine wunderbare Band stimmungsvoll aufspielt. Capercaillie ist ein musikalischer Schottlandausflug der ganz besonders stimmungsvollen Art der natürlich mit Zugaben und den Songs The Tree und Fear A Bhata (oh my Boathan) unter großem Applaus leider langsam zu Ende geht. Und so sorgte der Auftritt nicht nur bei meinem italienischen Sitznachbarn Cristian, der extra aus Italien zum Konzert angereist war und schon unzählige Konzerte in ganz Europa besucht hat für strahlende Augen.

Danach war aber noch lange nicht Schluss, Autogramme schreiben und ein Plausch mit dem Publikum gehören für Cappercaillie auch dazu und damit dürften sie noch ein paar mehr Fans gewonnen haben, an diesem denkwürdigen Abend.

Bernd Sonntag

Tanzt! Die letzten News zum Festival

Am 17.11. startet zum sechsten Mal Tanzt!, diesmal im Backstage München. Mit IGNIS FATUU + VROUDENSPIL + FOLKSTONE + TROLL BENDS FIR + FUROR GALLICO + MUSICA IMMORTALIS + THE REAL MOTHERFOLKERS hat man ein tolles Line-Up zusammengestellt. Grund für uns mit dem Veranstalter in Person von Michael Sackermann ein kurzes Interview zu führen und ihm letzte Informationen zu entlocken.

Jarwin: Bereits 6 Jahre gibt es nun Tanzt!. Zuerst in Rosenheim, dann in Kufstein und nun im Backstage München. Ein Mittelalter und Folk-Rock-Metal Festival Tanzt! zu nennen ist eher ungewöhnlich. Wieso die Veranstaltung unter dem Namen Tanzt! ?

Michael S : Die Idee die Veranstaltung Tanzt! zu nennen, fiel uns – Petz, Ratz und Dax von Vroudenspil sowie mir – bei einem gemütlichen Fernsehabend im Frühjahr 2007 ein. Die Namensgebung erschien uns aus mehreren Gründen passend. In erster Linie sollten das Festival und die dort auftretenden Bands gute Laune verbreiten. Es gibt die Legende, dass die Menschen im Mittelalter glaubten, dass auf einer Wiese vor den Toren der Stadt der Tod mit den Klängen seiner Geige seine Opfer anlockte. Den Spielleuten sagte man nach, dass sie von Stadt zu Stadt zogen, um die Klänge des Todes zu übertönen, die Menschen somit von ihm fern hielten und sie zu ausgelassenem Tanz aufforderten. Außerdem gibt es etliche Querverweise in der gesamten Mittelalter-Rock-Szene, die die Thematik aufgreifen, ob Songtitel und -inhalte oder auch Bandnamen.

Jarwin: Bei Tanzt! sollen 7 Bands auftreten. Los geht’s um 17.30. Wie muss man sich das denn vorstellen? Umbaupausen gibt es ja sicher auch noch. Dauert das Festival bis 04.00 Uhr oder hat jede Band nur eine sehr begrenzte Zeit für den Auftritt oder gibt es gar 2 Bühnen?

Michael S: Bei Tanzt! bekommt jede Band eine angemessene Spielzeit. Wie auf fast jedem Festival üblich verlängert sich die Spielzeit vom Opener bis zu den Headlinern. Die beiden Headliner spielen jeweils eine Stunde, die anderen Bands knapp unter einer Stunde und die Newcomer von Musica Immortalis, die den Abend eröffnen, heizen dem Publikum mit einer Spielzeit von 30 Minuten ein. Zusätzlich zu den sechs Bands (Ignis Fatuu, Vroudenspil, Folkstone, Troll Bends Fir, Furor Gallico und Musica Immortalis), die in der Backstage Halle spielen, tritt zusätzlich eine siebte Band (The Real Motherfolkers) auf einer zweiten Bühne im Backstage Club mit drei kurzen Sets auf. Hier kann man bei diversen Händlern shoppen, ein Horn Met genießen und bei traditionellen Irish & Scottish Folk eine Auszeit von der schweißtreibenden Party in der Halle nebenan nehmen. Die Umbaupausen versuchen wir dank des professionellen Technik-Teams des Backstage so kurz wie möglich zu halten.

Jarwin: Was erwartet den Konzertbesucher noch?

Michael S: Wie oben bereits erwähnt gibt es eine Hand voll Händler, die CDs, Kleidung, Schmuck und diverse Accessoires anbietet. Natürlich wird neben den üblichen alkoholischen Getränken an der Bar auch Met ausgeschenkt.

Jarwin: Auf welche Band freut man sich als Veranstalter besonders?

Michael S: Da ich Fan der Musikrichtung bin und die Bands ausgesucht habe, freue ich mich auf alle Bands des Line-Ups. Jedoch gibt es natürlich einige persönliche Highlights. Darunter fallen in diesem Jahr die beiden italienischen Bands Folkstone und Furor Gallico, die mit zahlreichen Fans anreisen und mit denen ich in den vergangenen Jahren eine gute deutsch-italienische Freundschaft geschlossen habe. Ein weiteres persönliches Highlight ist ganz klar der Auftritt der Russen Troll Bends Fir, die wegen ihres unterhaltsamen Auftritts mit Sicherheit für den einen oder anderen Besucher DIE Neuentdeckung des Festivals sein könnten.

Jarwin: Besonders bemerkenswert ist, dass dem Mittelalter -Musikfan zu einem wirklich sehr fairen Eintrittspreis tolle Gruppen geboten werden. Wirtschaftlich ist das sicher gar nicht so leicht zu stemmen. Erfolgte deshalb der Umzug nach München und wieviel Zuschauer erhofft man sich als Veranstalter?

Michael S: Das ist in der Tat bemerkenswert. Ehrlich gesagt wäre das Festival wirtschaftlich nicht in seiner Form mit diesen tollen Gruppen realisierbar, wenn vor allem die internationalen Bands nicht außerordentlich entgegenkommend gewesen wären was ihre Vergütung angeht. Tanzt! ist immer noch ein Festival von Fans für Fans, auch wenn nun mit Backstage Concerts GmbH ein professionell agierender Veranstalter im Hintergrund auftritt. Ich hoffe sehr, dass wir im Laufe des Abends erstmals in der Geschichte des Festivals ausverkauft sein werden.

Jarwin: Plant ihr mit dem Tanzt! Festival schon über 2012 hinaus?

Michael S: Ja, die Pläne gibt es. Es steht auch bereits ein Datum fest, das ich hier an dieser Stelle auch gleich offiziell verkünden möchte. Die siebte Ausgabe von Tanzt! findet am 23. November 2013 im Backstage statt. Mehr kann ich aber noch nicht verraten.

Jarwin: Gibt es für alle Kurzentschlossenen, die noch nach München kommen wollen und auch eine Übernachtung suchen, was sicher in einer Stadt wie München nicht sehr schwierig sein wird, überhaupt noch Karten und habt ihr vielleicht sogar einen guten Übernachtungstip auf Lager.

Michael S: Es wird nach jetzigem Stand noch Tickets an der Abendkasse geben. Wir versuchen den Vorverkaufsstand auf unserer Website www.tanzt-festival.de so transparent wie möglich zu machen. Als Veranstalter hofft man einerseits, dass das Festival ausverkauft ist, andererseits jedoch niemanden nach Hause schicken zu müssen. Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls auf unserer Website aufgelistet

Vielen Dank für das kurze Interview, wir freuen uns schon sehr.

Carolin und Bernd Sonntag

Omnia – Live on Earth

In den letzten Jahren ist es bei Omnia Tradition geworden, jedes Jahr im August eine neue CD zu veröffentlichen. Nach der Studio-Album „Musick & Poëtree“ folgt 2012 das Live-Album „Live on Earth“, dass auf der “I don’t speak human” – Clubtour durch die Niederlande Anfang 2012 aufgenommen wurde. Seit der Live-DVD „Pagan Folk Lore“ hat sich bei Omnia der Sound und die Besetzung geändert, sodass es Zeit für eine neue Live-CD wurde, auf der auch Daphyd, Philip und Rob zu hören sind.

Bei einer Laufzeit von 77:42 Min. finden wirklich alle Lieder des Konzertprogramms Platz auf der CD. 18 Lieder, die eine kleine Reise durch die Geschichte Omnias sind, denn neben den neuesten Stücken wie „Free“ und „Dance Until We Die“ sind auch „Auta Luonto“ und das allseits beliebte „Morrigan“ aus den Anfängen der Band auf der CD enthalten. Erstmals auf CD gebrannt ist auch „Noodle The Poodle“, das eigentlich traurige, aber sehr fröhlich wirkende Lied, über einen imaginären Pudel.

Die Auswahl der Lieder ist perfekt für eine Power Pagan Show, wie Omnia ihr Festival-Set nennen. Viele schnelle tanzbare Stücke wechseln sich ab mit kurzen ruhigeren Passagen, in denen die Harfe in den Vordergrund rückt. Nach dem großen Finale mit „Saltatio Vita“, „Entrezomp-ni Kelted“, „Fee Ra Huri“ und „Morrigan“ kann man den Zwang nicht unterdrücken die REPEAT-Taste zu drücken und trotz der langen Spielzeit, erneut in die Welt des Paganfolk einzutauchen.

Der Sound ist perfekt abgemischt. Alle Instrumente, sogar die im Vergleich ruhige Harfe, sind klar zu hören. Bei einem Konzert, je nachdem welchen Platz man vor der Bühne bekommen hat, ist dies nicht immer der Fall. Sascha Pil und Christopher Juul haben ganze Arbeit geleistet und beim Mischen störende Geräusche einfach gelöscht. Die reine Musik steht in höchster Qualität im Vordergrund und man meint gerade live dabei zu sein. Wer schon mal ein Omnia – Konzert besucht hat, der kann vor seinem inneren Auge die Band auf der Bühne spielen und tanzen sehen. Nur der dezente Jubel des Publikums erinnert daran, dass es sich wirklich um eine Aufnahme handelt.

Im Booklet befinden sich, neben zahlreichen Fotos, die Omnia auf den Bühnen dieser Welt zeigen, Zeichnungen von Frontmann Steve Sic. Er ist für das Cover und die Zeichnungen auf der CD und im Booklet verantwortlich, die die CD auf den ersten Blick etwas verspielt wirken lassen. Dabei geht es bei Omnia auch um ernste Themen, wie die Zerstörung der Natur und die geldgierige Gesellschaft, die in „I Dont’t Speak Human“ und „Dance Until We Die“ kritisiert werden. Deshalb haben sie ihre Botschaft auch im Booklet textlich verewigt.

Insgesamt ist „Live on Earth“ das mit Abstand beste Live-Album, was Steve und Jenny in den letzten Jahren geschaffen haben. Die Spielfreude und die Energie in der aktuellen Besetzung mit Daphyd, Philip und Rob ist auf der CD verewigt worden. Einzig Steves Ansagen, bis auf den Übergang zu „Love In The Forest“, fehlen. Dabei sind sie ein wichtiger Teil des Konzertes, denn er erklärt die Bedeutung der Lieder oder bring das Publikum mit lustigen Geschichten zum Lachen. Aber auch ohne die Ansagen, ist die CD eine absolute Empfehlung für Fans und alle, die schon immer eine Omnia-CD kaufen wollten.

Tracklist:

1 Live Show Intro
2 Tine Bealtaine
3 Auta Luonto
4 The Sheenearlahi Set
5 Niiv
6 Free
7 Toys in the Attic
8 I Don’t Speak Human
9 Alive!
10 Wytches‘ Brew
11 Richard Parker’s Fancy
12 Dance Until We Die
13 Love in the Forest
14 Noodle the Poodle
15 Saltatio Vita
16 Etrezomp-ni-Kelted
17 Fee Ra Huri
18 Morrigan

www.worldofomnia.com

The Raven

Festival Mediaval 2012-Teil 3-der Sonntag

Sagax Furor, Ars Floreo und Senos Sento, der Nachwuchswettbewerb im Bereich Spielmannsmusik

Sonntag hieß es dann noch etwas früher aufzustehen, denn diesmal ging der Nachwuchswettbewerb nun in der Kategorie Spielmannsmusik schon um 10.00 Uhr los. Sagax Furor hatten die schwierige Aufgabe den Weckruf über den Goldberg zu schicken, was ihnen so bravurös gelang, dass sie den Wettbewerb auch für sich entscheiden konnten. Mit Dudelsäcken, wilden Getrommel und stimmunsvollen Songs rissen sie das immer zahlreicher erscheinende Publikum mit. Das gelang allerdings auch problemlos Ars Floreo, die zu dritt mit launigen Ansagen und stimmlicher Qualität überzeugen konnten. Da die dritten im Bunde Senos Sento mit ihrer akustischen Musik ebenfalls für Verzückung sorgten hatte es Jury und Publikum wirklich schwer, den Sieger zu bestimmen.

Winterstorm

Apropos Sieger, Winterstorm, der haushohe Gewinner des letzten Jahres, stand um 12 Uhr auf der Bühne und lieferte ein dermaßen gnadenloses Rockbrett ab, dass selbst die verkatertste Metleiche aufgeweckt wurde. So gut gefüllt war die TB um die frühe Zeit noch nie und die Wacken erprobten Jungs aus Bayreuth und Umgebung nützten ihr Heimspiel bravourös. Das Programm, eine Mischung aus Songs von der ersten CD A Coming Storm und den Songs von der neuen, Kings will fall, die erst kurz vor dem Festival Mediaval erschienen ist, kam großartig beim Publikum an, so dass die 100 mitgebrachten CDs bei Weitem nicht reichten. Kein Wunder, selbst wenn man Metal nicht so mag, die gelungene Mischung die die Band für sich gefunden hat kommt einfach an und mit ihren harten, aber höchst melodischen Songs können sie auch die Anhänger der ruhigeren Töne erreichen. Und mit Alex hat man den perfekten Sänger gefunden, er kann singen, performen, die Leute unterhalten nur was die Haare betrifft, da kann er mit den anderen Jungs in der Band nicht mithalten. Eine Stunde Winterstorm verging wie im Flug und wer sie verpasst hat darf sich zurecht ärgern. Eindrucksvoll konnten die Jungs belegen, wieso sie als ganz große Deutsche Metal-Hoffnung gelten.

Chor on Air

Nach dem absoluten Ohrenfreiblasen was Winterstorm zur Perfektion geschafft haben, haben die Veranstalter einen famosen Kontrastpunkt gesetzt. Es war ja schon am Morgen krass, als ein Doppelachsbus die Auffahrt zum VIP-Zelt hochfuhr, sich die Türen öffneten und Mann um Mann und Frau für Frau dem Bus entstiegen. Das wollte gar nicht mehr aufhören und die Festival Mediaval Besucher konnten um 12.00 Uhr alle live miterleben wieso so ein großer Bus für den nächsten Act nötig war. The Chor on Air mit über 70 Leuten stand auf der Bühne. Das hatte es bei einem Festival Mediaval auch noch nicht gegeben. Schon von Weitem waren die stimmgewaltigen Frauen und Männer gut zu hören und lockten immer mehr Neugierige an. Wie geschaffen für das Festival Medival ist dieses gemeinnützige Chorprojekt aus Speyer, die mit ihrer Show Celtic Night Mut bewiesen haben. Entstanden ist es aus der Idee ihres Chorleiters Stefan Golea, der nach einem gemeinsamen Auftritt mit dem Belgischen Scala-Chor ein neues Programm suchte. Mutig deshalb, weil sicher nicht alle Chormitglieder Celtic, Gothic oder Mittelaltermusikfans sind, geschweige denn die Zuhörer, es sei denn man tritt in Selb auf.
Bei mir hatten sie ja schon gleich am Anfang gewonnen, als sie einen der schönsten Subway to Sally Songs Eisblumen in ein wunderhübsches Chorgewand hüllten. Weiter ging es u.a. mit Songs von Nightwish und Epica um nur mal 2 Bands zu nennen. Einen zweiten sehr emotionalen Glanzpunkt setzte man, als man Blackys Tochter und einem Bandmitglied musikalisch mit einem gesungenen Happy Birthday zum Geburtstag gratulierte. Blackys Tochter hatte sich das wahrlich verdient, denn wie die Tage zuvor so musste sie auch an diesem Tag für das Festival arbeiten, wie übrigens viele andere freiwillige Helfer die keinen Geburtstag hatten natürlich auch.

Van Langen

Van Langen zum Dritten hieß es um 12.45 auf der Theaterbühne. Ganz allein stand er da. Grund war eine verlorene Wette mit Blacky. Mit dem hat Marcus Van Langen gewettet, dass es die 3 keine 5 Jahre durchhalten. Falls doch wird er allein auftreten, etwas das ja nicht so oft vorkommt. Und so stand er nun allein auf der Bühne, kämpfte mit einem widerspenstigen Notenständer und dem Wind der seine Text und Notenblätter über die Bühne verteilte. Erst ein Stein gereicht von einer freundlichen Zuhörerin ermöglichtete es, dass es losgehen konnte und Blacky der zum kontrollieren, ob die Wette auch eingelöst wird, auch anwesend war, hatte sicher genauso viel Spaß wie die Leute im Publikum an Marcus van Langen einmal ganz solo.

Lotus Ensemble

Den nächsten Kontrastpunkt gab es um 13.00 Uhr mit dem Lotus Ensemble aus Vietnam. Wie jedes Jahr haben es sich Rudel, Blacky und Oli nicht nehmen lassen Bands auf die Bühne zu holen, die man so in Deutschland nicht oder nie auf einem Festival erleben kann. Egal ob sie aus dem hintersten Sibirien kommen und kein Wort deutsch oder englisch können, wie 2009 Veda Kolod aus Sibirien, oder wie 2012 eben aus Vietnam. Die 2 Frauen und der Bandchef trugen Volkslieder und volkstümliche Melodien aus Nord-, Mittel- und Südvietnam vor. Leider bei recht kleiner Zuschauerkulisse. Viele haben sie verpasst, die zugehört haben hatten bestimmt ihre Freude an den fremdländischen Klängen und den exotischen Instrumenten. Was man von den Asiaten noch lernen konnte ist ihre Gelassenheit. Da wird bei dem Riss einer Seite einfach die Bühne verlassen und ganz cool einfach ein neues Instrument aus dem Kofferraum geholt, ohne das der Sound merklich leidet. Zwar auch, weil ein Teil leider von Band kam, aber trotzdem waren das Lotus Ensemble einen Besuch wert. Schon allein wegen den netten Ansagen ans Publikum.

Spiritual Seasons

Spiritual Seasons aus der Ukraine kann man auch nicht alle Tage hören, Im Gegenteil. Der Auftritt der Folkband war der einzige in Deutschland. Manch einer hat sie zuvor schon auf der Theaterbühne gehört, nun durften sie auch eine Stunde auf der SB ihr Können unter Beweis stellen. Mit tratitionellen Mittelalterklängen, sowie irischen und skandinavischen Folksongs klangen die Ukrainer gar nicht so anders wie man es vielleicht zuvor vermutet hätte.

PurPur

Als absoluter Zuschauermagnet erwies sich um 15.00 Uhr einmal mehr PurPur. Auseinanderhalten kann ich die Zwillinge Judith und Christine bis heute nicht, es sei denn sie stehen ausnahmsweise knapp nebeneinander. Dann hilft der Größenvergleich. Das wars dann aber auch mit dem Unterschied und genauso ähnlich wie die 2 sind, genauso gut passen ihre Stimmen zusammen, die das gemütlich sitzende Auditorium verzauberten. Ich bin immer noch völlig fasziniert davon, wieviel Zuhörer dem Mittellalter-Fantasy-Zwillings-Folk (verstärkt mit Leihgeiger Matthias von der Band Tir Na Nog), wie sie selbst gern ihre Musik bezeichnen, andächtig lauschten.

Viel Applaus und strahlende Gesichter waren der Lohn für die 2 Mädels die ja fast im Dauereinsatz waren. Vor allem Christine mit ihren 9 Auftritten neben PurPur auch mit Saitenweise und Heiter bis Folkig hatte sich ein echtes Mammutprogramm aufgehalst. Es zeigt aber auch wie die 2 die Musik leben. Und daneben werden natürlich auch noch die lieben Kollegen abgefeiert, wie z.B. Omnia beim Abschlusskonzert.

Schelmish

Eine Träne vergiesen musste man dann um 16.00 Uhr als Schelmish letztmalig in Selb auftraten. Letztmalig deshalb, weil sie Ende des Jahres den Namen Schelmish beerdigen. Zum Glück und das ist das einzig positive daran wird man sie auch weiterhin als Musiker erleben. Wir haben ja schon beim Crana Historica davon berichtet, uns war klar das Dextro und Band das durchziehen und das hat Dextro in Selb auch noch einmal deutlich gemacht. Auch wenn manche, die es nicht wussten, dies erst als Witz auffassten. Es ist ja auch schwer zu glauben und irgendwie auch schwer zu verstehen, wenn man die Band auf der Bühne erlebt. Da geht der Punk ab. Vor allem der geschätzte 2 Meter- Trommler Roderick, der von Dextro von Konzert zu Konzert immer wieder mal mit einem neuen Namen bedacht wird, tut der Band und den Sound richtig gut. Jetzt haben sie wieder eine Idealbesetzung gefunden und jetzt soll alles vorbei sein. Noch nicht ganz, es gibt noch eine Tour zusammen mit Saor Patrol und dann natürlich die Rockshow zum Abschluss von 13 Jahren Schelmish live. Und dann wird auch wieder gesungen. Anders wie in Selb, wo die Mittelaltershow auf dem Programm stand. Mit der Rockshow war man ja schon mal live beim Festival Mediaval dabei, fleißige Mediaval Besucher hatten somit das Glück beides live erleben zu können. Und diesmal auch noch Dextro in Crocs auf der Bühne, denn die eigentlichen Bühnenschuhe vergisst der schusselige Dextro schon mal gerne.

Cradem Aventure

Nach der Goldenen Zwerg Verleihung machte die Band Cradem Aventure den Abschluss auf der BB. Die letzten Ostgoten, wie sie sich gern nennen, haben bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Optisch ohne Frage ein Highlight und sehr passend ist die Musik für mich dann doch etwas zu eintönig und wenig abwechslungsreich. Und 2 Mal Instrumentalmusik in Folge mit stark Dudelsacklastigem Sound echt anstrengend. Schade eigentlich, denn die Show und vor allem die Feuerkünstlerin war optisch sehr passend.

Omnia

So das wars fast mit meinem Bericht vom Festival Mediaval. Es fehlt eigentlich nur noch ein paar Worte über das Abschlusskonzert zu verlieren. Wobei was heißt schon „nur noch“. Ganz nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ gabs zum 5. Mal , wegen des Poetry Auftritts letztes Jahr eigentlich zum 6. Mal Omnia live in Selb. Und jedesmal ist die holländische Band ein absolutes Muss und echtes Erlebnis. Soviele Zuhörer haben sich noch nie Sonntag zum Abschlusskonzert vor der Bühne versammelt, schon beim Soundcheck herrschte prächtige Stimmung und Steve Sic Evans van der Harten war in seinem Wohnzimmer (und das ist Selb zweifellos) wie gewohnt schon da zum Scherzen aufgelegt.

Ich möchte gar nicht verhehlen, dass ich die Musik der Band total mag, die Jungs und natürlich Jenny sehr schätze, das haben sie sich aber auch in Selb mit phantastischen Auftritten erspielt. Als ich sie beim ersten Mal gehört habe , war ich völlig fasziniert und die Faszination wird immer stärker. Denn egal was sie an Liedern auch abliefern, ob man Lilly Marlen auf Deutsch singt oder eigentlich viel zu selten neue Songs herausbringt. Es klingt einfach nur schön und wundern braucht sich Steve wirklich nicht, dass sich so viele für den Pagan-Folk der Band begeistern können, wie er das in Selb öffentlich beim Konzert kundtat. Ein schlechtes Omnia Konzert hab ich noch nie erlebt aber eins ist auch Fakt in Selb sind die Holländer schon immer besonders gut. Das haben sie diesmal auch wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen können.

Eins hab ich aber auch noch nicht erlebt, Steve hat alle Ansagen in Deutsch gemacht, sehr zur Freude des Publikums die an dem Spezial-Deutsch des charismatischen Frontmanns so richtig ihre Freude hatten. Vor allem wenn er dann mal wieder für ein, zwei Worte ins Englisch abtrifftete oder nach dem Deustchen Wort suchte. Das war sicher auch eine Wertschätzung an das Publikums und an das wunderbare Festival, was die Band auch dadurch kund tat, dass sie zum 5 Jährigen Jubiläum CDs ins Publikum verschenkten und Steve mit größter Freude kostenlos T-Shirts ins Publikum feuerte. Und man kann ihm das auch getrost glauben, dass er gerne jeden eins schenken würde, aber sie sind halt „independent“, wie er so schön sagte.

Übrigens, lieber Steve, das mit dem „Love in the Forrest“ hat auch so seine negativen Seiten. Welche hatte ein Waldfan am eigenen Leib erleben müssen, als ihn ein schießwütiger Jäger am frühen Morgen keine 6 km vom Festplatz weg, gnadenlos über den Haufen schoss, weil er dachte er ist ein Wildschwein. Omnias Love in the Forrest kann aber nicht der Grund gewesen sein, was den bedauernswerten Kerl bewogen hat um 6 Uhr früh durch den Wald und das angrenzende Maisfeld zu streifen, das Konzert war einen Tag später. Man wird es wohl nie mehr erfahren, warum er sich um 6 Uhr da herumgetrieben hat.

Herrlich auch die Idee, das Publikum mal zu fotografieren und mit wem geht das besser als mit den 3 Fotografen die das Booklet der neuen Live CD mit ihren Fotos bereichert haben: Schade, dass Facebook es nicht zulässt dass sich jeder, der sich erkennt auch markieren kann. Es wär eine geniale Liste geworden, leider lässt Facebook das nicht zu.

2 Zugaben und das stürmisch geforderte „The Morrigan“ als Schlusspunkt bei dem Scherzbold Steve den bedauernswerten Schreiber dieser Zeilen mit seinem Schwert zum Ritter schlagen wollte (hihi), beendeten einmal mehr eine denkwürdige Omnia Vorstellung verbunden mit der Hoffnung auf ein Neues 2013.

Mask

Ganz am Ende war man allerdings noch nicht, als kleines Dankeschön und als musikalischen Rausschmeisser standen die 3 Macher auf der Bühne um Rudi Meier genannt Rudel und seine Band Mask anzukündigen.
Ein richtig stimmungsvoller Abschied war das und Lust wieder in den Alltag zurückzukehren hatte wohl kein einziger der vielen vielen Besucher, die immer noch am Platz verweilten und zum Teil leidenschaftlich mitsangen.

Das Drumherum

Soviel zum Musikprogramm , ein paar Sätze möchte ich jetzt aber unbedingt noch über das Rahmenprogramm verlieren. Denn das macht das Flair dieses Festivals auch aus. Egal ob das Kleinkunstprogramm , das wie jedes Jahr sowohl was Fotos anbelangt, wie auch im Bericht eigentlich viel zu kurz kommt, die Workshops bei denen man sich im Drehleier- , Digeridoo-, Rahmentrommel- und Dudelsackspielen ausbilden lassen konnte. Oder in Kontaktjonglage, Orientalischem Tanz, Mittelalter-Tanz, Schleiertanz, in Poi und besonders exotisch in Khoomei-Obertongesang. Die Kurse hatten großen Zulauf und mit Rüdiger Maul von Faun, Daphd Sens von Omnia, Axel Zwingmann von Ignis Fatuu und Beatrice Baumann auch bekannte Lehrmeister um einmal 4 Namen zu nenen. Apropos Beatrice, sie war auch in diesem Jahr ein strahlender Mosaikstein, egal ob selbst mit Kontaktjonglage solo, oder mit Omnia und Versengold auf der Bühne. Und natülich wenn sie als Stier oder Einhorn mit ihren selbst entworfenen und gefertigten Kostümen über den Platz stelzte und nicht nur die Kinder in Verzückung versetzte. Die Kleinkünstler, egal ob Basseltan, die 2 Herolde die außerdem noch die Moderation wo auch immer sie gebraucht wurden übernahmen, der witzige Gaukler Lupus der mit Jonglage und Akrobatik glänzte, ob Artistica Anam Cara, das Räubertheater Hopsa Viva Insgemein usw., oder die ganzen Lagergruppen von Bautzen bis Erding, die ganzen Kinderprogramme und viele großartige Händler, die Fressstände nicht zu vergessen. Sie alle tragen gewaltig zu der Einmaligkeit dieses Festivals bei. Am meisten jedoch die zahlreichen Besucher, die großartig gewande,t oder ganz normal gekleidet, der wichtigste Teil dieses Festivals sind. Und dies nicht nur wegen ihres Besuchs, sondern ihrer ganzen Art. Das merkt man auch, wenn man sich Tage danach durch Selb bewegt, da wird überall geschwärmt, sei es über die Sauberkeit der Besucher, die Freundlichkeit oder die großartigen Kleider.

Waren die Selber am Anfang sehr reserviert so sind viele inzwischen mächtig stolz auf „Ihr “ Festival und möchten dies auch nicht mehr missen. Vielleicht war auch die Beteiligung des Vereins ENKL Ausdruck dieser Wertschätzung . Der Verein der jedes Jahr in Selb ein großes Meilerfest ausrichtet, hat es sich nicht nehmen lassen und am Wochenende live am Festivalgelände Holzkohle produziert.

Bestimmt haben wir noch 1000 Sachen vergessen zu erwähnen, man möge es uns nachsehen. Wir von Jarwinbenadar.de und gruftimusik.de möchten uns ausdrücklich noch einmal bei den Machern des Festivals bedanken, die viel Herzblut und auch finanzielles Risiko nun schon 5 Jahre investiert haben um jedes Jahr von Neuem ganz vielen Menschen eine große Freude zu machen (die vielen freiwilligen Helfer nicht zu vergessen) und viele positive Reaktionen allein auf Facebook zeugen davon. Und auch das ist ja auch nicht immer üblich , meist heißt Schweigen ja war ok und nur die Kritik wird laut. Zum Glück ist das hier auch etwas anderes.

Der Wermutstropfen des Wochenendes

So bleibt nur noch Lacrimosa und ihren neuen Song „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ zu zitieren. Der Arsch in diesem Fall waren gleich mehrere, die die Gelegenheit nutzten um die Festivalbesucher und Händler massiv zu beklauen. Das erschreckende daran ist, dass das keine Einzelfälle mehr sind, sondern das ganze scheinbar von Musikfestival zu Festival Bandenmässig organisiert ist. Bei Wacken soll es allein über 800 Fälle gegeben haben und in Selb hat die Security scheinbar auch eine Diebesabnde erwischt. Das schlimmste daran, nachdem die mittellaterlichen Foltermethoden ja abgeschafft sind, passiert ihnen nichts. Man nimmt ihnen die Sachen ab und lässt sie wieder frei. Da könnte man sie auch gleich wieder auf den Goldberg fahren. Aber vielleicht muss man sich in Zukunft gerade darauf speziell einstellen, aber das ist bei der Weiträumigkeit des Zeltgeländes und der Parkplätze ein schwieriges und vor allem auch sehr teueres Unterfangen, das letztlich jeder Konzertbesucher zahlen muss. Traurig echt.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Security noch einmal explizit loben, man hat sofort versucht zumindest soweit möglich darauf zu reagieren. verhindern konnte man die zahlreichen Diebstähle der 3 Tage natürlich nur bedingt. Und auch auf dem Festplatz machten sie unauffällig und freundlich ihren Job.
Carolin und Bernd Sonntag