Die Chronik der Unsterblichen : Blutnacht

Interview Andy und Jörg

Wir sitzen hier in Kaiserslautern und machen hier ein kleines Interview mit Andy (Vanden Plas) und mit Jörg (Saltatio Mortis)

-Wie kam es überhaupt zu dieser Zusammenarbeit mit W. Hohlbein und Vanden Plas?

Andy: Es ist im Grunde unser viertes Projekt in dieser Richtung. Ich habe „Abydos“, das ist eine eigene Rockoper, zusammen mit der Band geschrieben und habe dann „ChristO“ geschrieben.
Ludus Danielis ein lateinisches Singspiel, lief parallel dazu. Die Rockoper ChristO, eine Adaption vom Grafen von Montechristo, lief zuerst im Staatstheater am Gärtner Platz, da hat uns der Manager von Wolfgang Hohlbein dann gesehen und fand das total geil.
Wolfgang Hohlbein ist ein mega Rockfan und hat sofort gesagt, er könne sich vorstellen, dass seine Geschichten auch noch in eine andere Richtung transportiert werden könnte. Im Moment überlegen wir, wie man daraus auch einen Kinofilm erstellen kann, z. B. von „Azrael“, das Buch gibt ziemlich viel her. Es sind zwei drei andere Geschichten am Laufen und dann hat sich die „Blutnacht“ ergeben, weil ich denke eine Vampirstory auf der Bühne ist relativ stylisch. Es hat sich dann herauskristallisiert, dass wir darüber ein Rockmusical schreiben.

Jörg: Andy Kunz und ich wir sind seit fast zwanzig Jahren befreundet. Das wurde eine immer engere Freundschaft über die Jahre, was irgendwann mit Gitarrenschleppen bei Vanden Plas bei mir angefangen ist. Das gipfelt jetzt irgendwie darin, dass wir jetzt zusammen auf der Theaterbühne stehen. Und er hat schon immer gesagt, so wie es mit Saltatio Mortis langsam Fuß gegriffen hat, du gehöst eigentlich auf eine Theaterbühne. Das haben wir jetzt drei Stücke lang versucht und es hat das erste Mal funktioniert.

Jörg, Ich habe auch gelesen, dass du mit der Kampfchoreographie zu tun hattest?

Jörg: Ich habe Andy und Manuel Lothschütz, der den Schwarzen Ritter spielt, ein bisschen an die Hand genommen, um die Schwert- und Kampfchoreographien anders zu gestalten, als man das normalerweise im Theater macht. Wir haben deswegen auch völlig gewollt auf dieses Standardbühnenfechten verzichtet, bei dem man mit Degen und solchen Sachen kämpft. Wir haben uns überlegt wir nehmen hochwertige LARP-Schwerter und verpassen jedem der beiden einen Kampfcharakter. Das heißt, der Schwarze Ritter ist getrieben von Vergeltungswunsch und von Hass. Dass er ganz hart an die Sache heran geht, war für mich ganz klar und deswegen haben wir ihm einen Bidenhänder verpasst. Das sollte in die Richtung deutscher Schwertkampf gehen, geradlinig, von oben nach unten, immer gerade, saubere, präzise Schläge. Der Andre Delani wird von Wolfgang Hohlbein dargestellt, als ein Schwertkämpfer mit einer sehr ungewöhnlichen Schwerttechnik, die er sich über Jahrhunderte angeeignet hat. Und da habe ich in die Trickkiste aus dem Shao-Lin Kung Fu zurückgegriffen und habe dem Andy in zwei Monaten einen Crashkurs in chinesischem Schwertkampf gegeben. Und das, was ihr heute Abend sehen werdet, ist die Mischung aus beidem. Wenn beide Fronten aufeinandertreffen, sozusagen.

-Ich habe leider nur das erste Buch gelesen, da war das mit dem Sarazenenschwert. Ist das immer noch aktuell?

Andy: Ja, ist es. Natürlich kenne ich die Bücher von Wolfgang Hohlbein nicht haarklein. Ich habe sie alle gelesen, aber wie es damals anfing, das kann ich jetzt nicht so genau sagen. Bei mir ist das ein Stück weit her. Die ersten drei Bücher kannte ich, weil ich auch Hohlbein-Fan bin und habe mir dann, auf Grund dessen dass wir die Story aus diesem Riesen Fundus entwickelt haben, da habe ich mich so quer rein gelesen und hatte auch das Glück, dass es Hörbücher gab. Da kommt man ein bisschen schneller vorwärts. Aber ich habe jetzt natürlich mir nicht die Mühe gemacht, die ersten nochmal zu lesen. So haarklein weiß ich das natürlich nicht.

Jörg: Wir haben extra geschaut, dass wir eine orientalische Waffe für ihn bekommen. Das heißt ein direktes Sarazenenschwert kriegt man nicht. Und wenn man das als echte Waffe auf die Bühne holen würde, wie soll man sich als jemand, der das nicht tagtäglich macht, bewegen mit so einem schweren Säbel. Wir haben jetzt einen Scimitar genommen, ein schmaleres Krummschwert mit einer leichten Biegung. Hat den Platz eingenommen und funktioniert sehr gut.
Andy: Selbst wenn man so gut kämpfen könnte: Echte Schwerter sind auf der Bühne auch nicht zugelassen. Da gibt es sehr gerade Richtlinien am Theater. Auch offenes Feuer ist ganz ganz schwierig. Das kann man ab und zu umgehen. Wenn beide nur allein auf der Bühne stehen würden und kämpfen, dann kann man sagen ok, wir gehen das Risiko ein. Aber wir haben teilweise in Spitzenmomenten 80-90 Leute auf der Bühne und es kann immer etwas passieren. Da holt jemand mit dem Schwert aus und trifft jemanden am Kopf. Das ist schon gut so und da müssen die Leute sich dran gewöhnen. Einige die verpönen es, aber zu 95 % verstehen es die Leute, dass man das anders nicht darstellen kann auf einer Theaterbühne, und sie sagen „Mensch, wie geil, das sind auch noch hochwertige LARP-Schwerter“. Das funktioniert ganz gut. Wir sind ja auch im Theater und nicht in der Realität.

-Die Figuren, die ihr verkörpert, was haben die für Bedeutungen für euch?

Andy: Ich habe mich natürlich sehr sehr angenähert. Ich habe das ganze Libretto auch mit Christine Winkler und Wolfgang Hohlbein zusammen erstellt und habe mich natürlich dieser Figur angenähert. Da bin ich schon, wie zu einem Bruder geworden. Und auch während der acht Wochen Probezeit nimmt das schon Züge an. Und wenn es normal ist, dass man acht Stunden probt pro Tag und ich dann nochmal umschreiben musste, weil die Szenen nicht genau gestimmt haben… bis zu 16 Stunden haben wir zum Teil daran gearbeitet. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht ganz in seine Rolle schlüpft, dass man sich immer noch einen kleinen Ausweg offen hält.

-Du spielst den Frederic?

Jörg: Ja, der Frederic bin ich. Das ist ja sozusagen mein Theaterdebut. Das ist das erste Mal, dass ich auf Theaterbrettern stehe und dafür ist die Rolle schon angemessen groß. Es ist zum Glück keine größere Rolle, man musste sich schon daran gewähnen. Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich nicht beim ersten Mal schon etwas Größeres bekommen habe. Der Frederic ist eine sehr interessante Rolle. Er ist der Anführer von Kindern, die von dem Gott Loki, seit ca. 600 Jahren, also seit mehreren Jahrhunderten in London festgehalten werden. Also die Seelen, die dort in Straßenkindern wohnen. Diese Straßenkinder werden von Loki ausgeschickt, um zu klauen, um ihn mit Reichtümern zu versorgen. Er kümmert sich dafür ein bisschen um sie. Und der große Bruder von allen Kids ist der Frederic. Er macht es nicht ganz aus Eigennutz. Er will alles tun, um seinen Ziehvater Andre Delany klarzumachen, dass er etwas wert ist. Er buhlt um die Gunst des Ziehvaters, der ja auch einen leiblichen Sohn hat, in dessen Schatten er immer stand. Er will alles richtig machen. Er ist der große Bruder, aber auch der Leitwolf. Und er ist keine nette Person. Er ist durch die Selbstzweifel, durch die Zerrissenheit in ihm, jemand wie ein kochender Wasserkessel, der von Andre gerettet wird im ersten Buch zum Beispiel, der den Leichnam von ihm runterrollt, weil noch nicht einmal die Kraft hat, den goldenen Ritter von sich herabzuwerfen, aber dann aufsteht und ihm noch zweimal gegen den Kopf tritt, das ist eine sehr merkwürdige Person. Es macht aber wirklich Spaß in diese Wolfs – Rolle zu gehen. Ich habe sehr viel Spaß. Ich habe für mich auch das Bild, von einem angeketteten Hund oder Wolf genommen, für die Bewegung oder die Geisteshaltung.

Andy: Wenn das eine sympathietragende Figur ist, auf Grund dessen, dass der Zuschauer diese Zerrissenheit spürt. Wenn so etwas ehrlich interpretiert wird und dramaturgisch umschrieben ist und es auch so umgesetzt wird. Man kann sie durchaus mit einem Täter beschreiben. Er ist jetzt nicht wirklich ein Täter, er versucht ja immer etwas Gutes zu bewirken, den Kindern über den schwierigen Grad zu helfen, dass ihnen nichts passiert. Er wird zu einem Sympathieträger. Das finde ich wichtig, dass das herauskommt. Das ist im Grunde eine tragische Figur, wie Jörg schon gesagt hat. Ich wusste er hat das Talent dazu auf der Theaterbühne zu stehen. Er wäre am Anfang nicht unbedingt überfordert gewesen, aber allein von dieser großen Hürde, wie z.B. den Loki spielen zu müssen, das hätte ihn schon überfordern können. Deshalb musste man schauen, dass man eine Rolle für ihn findet, die ganz zentral ist und das er auf der Bühne ganz präsent ist. Absolut auf Augenhöhe mit den ganz großen Rollen spielt. Ich glaube so konnte man ihn hervorragend heranführen. Sein Debut hat er ja schon gegeben und die Leute vom Theater sind auch sehr begeistert von Jörg. Ich denke schon, dass er dort eine Zukunft hat.

-Würdet ihr sagen Bühne ist Bühne, egal ob Konzert oder Theater? Oder ist das etwas ganz anderes?

Andy: Es ist etwas ganz anderes, man hat natürlich auf der Rockbühne eine Verantwortung, aber da hat man größeren Bewegungsfreiraum. Auf einer Theaterbühne gibt es Verabredungen. Ich würde einmal sagen bei einen Stück von über zwei Stunden gibt es ungefähr 1000 Verabredungen. Wo wer steht. Wann wer was zu tun hat. Wenn man da nicht ganz präzise ist, dann läuft man Gefahr, dass die ganze Mannschaft aus der Geschichte rausschiesst. Das ist natürlich unmöglich. Wenn da etwas ins Stocken kommt, ist das nicht wie bei einem Schauspiel, wo man eine Souffleuse hört. Es ist teilweise so laut auf der Bühne, dass sich jeder voll konzentrieren muss. Man muss ganz präzise sein, hat also nicht diese Freiräume. Die Freiräume hat man, sich auszutoben, sich anzubieten, während der acht Wochen wo man auf der Bühne steht. Dann ist ein Regisseur da der uns sagt, wie es gemacht wird und dann ist das ganze wie aus einem Guss. Es ist nicht ganz so, wie bei den Stellar-Produktionen. Teilweise sehen wir es auch als Tryout und wenn wir bemerken es funktioniert etwas nicht, reden wir mit dem Regisseur und mit der Anna, sie sollen Vorschläge machen, wie wir noch etwas verbessern können. Im Großen und Ganzen ist es eine ganz andere Geschichte, als auf der Rockbühne. Dort geht man rauf und weiü, da kannst du keinen Scheiß bauen. Man muss da auch präzise sein, aber auf eine andere Art und Weise. Da ist es nicht vorgeschrieben, dass du bei dem Lied von links nach rechts gehst. Du weißt, wie das z.B. bei euch auch ist, wenn von hinten ein riesiger Feuerstrahl, dann gibt es auch diese Verabredungen, dass du dann nicht gerade auf der Düse stehen solltest.

Jörg: Was aber auch schon passiert ist! (lacht). Was auch ganz spannend ist, man interagiert nicht mit dem Publikum. Ich bin normalerweise gewohnt auf die Bühne zu gehen und zu sagen „Hier bin ich!“. Und jetzt haben wir zusammen Spaß. Hier hat man auch „Hier bin ich!“, aber ihr seid gar nicht da. Das ist verdammt komisch. Man schaut nicht ins Publikum, ob einer reagiert, nein. Man schaut auf seinen Spielpartner, mit dem man zusammen die Rolle spielt. Man schaut ins Leere, man schaut durch die Leute durch, wenn man nach vorne schaut. Das ist sehr merkwürdig, aber es ist eine Sache, bei der man viel lernen kann. Ich sehe diese vier Auftritte und die Probezeit die ich hatte als ein riesen Geschenk an, für jemanden der hauptberuflich auf der Rockbühne steht. Denn hier lernt man all das, was man auf der Rockbühne nie lernen würde. Man bekommt bei jeder Bewegung, die man macht den Spiegel vorgehalten. Ist das gut, ist das schlecht. Manchmal ist es so bei den Proben, dass man einfach anbietet, wie Andy auch schon gesagt hat. Und solange der Regisseur nicht sagt, „ist völlig scheiße“, ist alles gut. Man geht mit der Idee daran, wenn ich jetzt das mache und das jetzt nicht gut ist, dann bekomme ich bestimmt ein Feedback. Man kriegt wirklich nur ein Feedback, wenn es wirklich nicht gut ist. Dementsprechend ist man immer angespannter, als wenn ich auf eine Rockbühne gehe und sage „so bin ich, so kennt ihr mich und das ist schon in Ordnung“. Es ist eine andere Art das Publikum für sich zu gewinnen. Aber das schöne ist, man muss hier wirklich Fassaden fallen lassen und das sein, was man in diesem Moment ist.

-Andy, wie ist dein Draht zu Fantasy? Vorhin hast du ja auch schon ein bisschen dazu erzählt – Totaler Hohlbein-Fan?

Andy: Ich dachte natürlich, einer will mich verarschen. Die Leute wissen natürlich auch, dass ich Hohlbein-Fan bin. Damals, als ich Abydos geschrieben habe, habe ich mir gewünscht, laut gewünscht und habe das auch immer gesagt, wenn jetzt jemand wie Hohlbein hier ankommt und einfach das Libretto fertig schreiben könnte, das wäre grandios. Ich wusste doch nicht weiter. Ich glaube ich habe acht Libretti geschrieben, bis der Chef des Hauses irgendwann mal gesagt hat, jetzt sind wir auf einer Basis und machen es gemeinsam fertig. Das waren meine ersten Gehversuche. Da habe ich wirklich gesagt, „Hohlbein, das wäre genau der, der so etwas könnte“. Und dann kommt der auf mich zu und fragt mich, ob ich ihm helfen kann ein neues Terrain zu betreten. Das war unglaublich. Ich kann sagen nicht unbedingt jede Fantasy gefällt mir, aber die Geschichten die Wolfgang Hohlbein erfindet, weil sie oft besonders auf historischem Background basieren. Das, gefällt mir schon sehr gut.

Jörg: Der erste Kontakt mit Wolfgang Hohlbein war „Das Auge des Drachen“. Ein Taschenbuch, das irgendwie unter Stephen King mit rausgegeben wurde, er aber eigentlich der Autor war. Das war das erste. Das ist echt lange her, da war ich zwölf oder so. Ansonsten Fantasy, ich liebe Fantasy. Nicht alles, ganz klar. Mir ist zum Beispiel ein fantastisches Mittelalter viel lieber, als wenn ich jemanden da sitzen habe, der mir eine Geschichte erzählen will, der bei jedem Punkt den er hatte, die halbe Bibliothek durchgeschaut hatte, ob jetzt der Bischof wirklich so hieß. Das ist mir, als Konsument, der ich bin, völlig egal. Ich will, dass mich die Geschichte fasziniert. Ich will ein klares Wertesystem, der ist Gut, der ist Böse. Es gibt natürlich auch immer Figuren die dazwischen hin und her sind, aber deren Karten sind dann ganz polarisiert. Das verstehe ich einfach. Es gibt auch immer Figuren, dazwischen, aber die sind in ihren Taten polarisierend. Dieses historische Mittelalter ist nichts für mich, das fand ich im Mittelalterverein früher schon total daneben. Man hat früher die Klamotte genauso genäht, mit der Knochennadel und mit dem Ding. Und dann sag ich: „Ja und woher weißt du das? Aus den Bibliotheken von dort und dort, wo bekannt ist, dass die meisten Urkunden dort gefälscht sind. Weil man darüber im Mittelalter super Land für sich gewinnen konnte, indem man eine ältere Urkunde vorgelegt hat, als der vorherige, der gesagt hat „Das ist mein Stück Land.“ Zu manchen Landstrichen gibt es wirklich 20 Urkunden, wo keiner genau weiß, welches ist die echte. Und dementsprechend bin ich auch der Meinung: Wissenschaft alles schön und gut. Historische Wissenschaft ist ganz wichtig. Aber wenn ich am Wochenende Spaß haben will und auf einen Mittelaltermarkt gehe, dann muss ich mich leider über den Typen kaputt lachen, der zu mir kommt und, wie es mir damals auch passiert ist, weil ich ein Kettenhemd hatte, das ich selbst aus galvanisiertem Draht gemacht hatte. Da waren dann die Typen, die ankamen mit ihren schwarzen Metallkettenhemden, die genauso gemacht waren, wie das früher war. Jedes einzelne vernietet und hat man nicht gesehen. Und ich hatte halt mein Ding aus Draht. Der einzige Unterschied war, als es angefangen hat zu regnen, bin ich locker weiter zum Metstand gelaufen und die anderen sind ins Trockene gerannt. Wir sind in einer Zeit, wo es Antibiotika gibt, wo es warmes Wasser gibt. Warum soll ich mich da verrückt machen. Wir machen das alles, um Spaß zu haben. Und deswegen gilt für mich ganz klar das Mittelalter und unsere Szene die so angeht: Leute habt Spaß! Es ist egal, ob das genauso war, wenn es euch in dem Moment glücklich macht. Conan I ist auch ein toller Film und hat mit Realität auch nichts zu tun. Er gibt zum Beispiel für mich das Bild des barbarischen Schwertkämpfers, den wir uns alle vorstellen. Das ist er. Er kann weder geradeaus reden, noch sonst irgendwas. Aber es ist eine mächtige Gestalt. Er weiß, was er mit seiner Waffe macht und er verfolgt seine Ziele, geradlinig, ohne Umwege. Das ist Fantasy, das finde ich super.

-Kannst du dir vorstellen in Zukunft wieder auf einer Theaterbühne zu stehen? Oder gibt es schon Pläne?

Andy: Die sind schon geschmiedet.
Also wieder Hohlbein?
Andy: Ja, also Hohlbein ist sehr begeistert, von dem was wir gemacht haben. Wir sind im Moment in den Verhandlungen mit Dieter Winkler, was man als nächstes für einen Stoff heranziehen könnte, was Sinn machen würde, was es in der Form noch nicht so oft gibt. Und da gibt es schon ganz coole Ideen. Ich darf natürlich noch nichts Offizielles sagen, aber es ist ein großer alter Stoff, der von Hohlbein neu belichtet wurde. Es ist wirklich fast spruchreif. Ich werde es Jörg als einer der ersten sagen und er kann es dann weiterleiten. Es werden im Moment noch Verträge darüber gemacht usw.

Jörg: Wenn ich die zeitliche Möglichkeit habe, werde ich es immer wieder tun. Die Arbeit hier, hat mich stimmlich auch einige Töne nach oben aufgemacht, weil einfach die Grenze nicht mehr da ist, weil man mit Leuten zusammenarbeitet, die andere Gesangsherangehensweisen haben und andere Techniken nutzen. Die einfach sagen, „Probier doch mal das.“ Die ganze Choreographie, das wir uns auf der Bühne bewegen. Zum Beispiel bin ich einmal eingesprungen und habe den Dracula gespielt in der Probe. Danach kam der Choreograph vom Ballett und sagte: „Seit wann tanzt du?“ Ich habe keine Ahnung vom Tanzen. Das kam alles von der Körperspannung und den Bewegungen vom Kampfsport. Das ist alles so tänzerisch, das würde mir sehr leicht fallen. Da hätte ich total Spaß dran. Deswegen glaube ich, dass das der Anfang von einer ganz lustigen sehr interessanten Sache ist.

Andy: Das glaube ich von ihm sowieso. Bei uns ist es mit Vanden Plas so, dass wir die Theatergeschichte schon seit 20 Jahren machen. Das hat natürlich mit Figuren von Andrew Lloyd Webber oder Jazz angefangen, die wir verkörpert haben. Dann hatten wir die Möglichkeit, nachdem wir uns mit der Band einen Namen gemacht hatten, eigene Sachen schreiben zu dürfen. Das wir das schreiben durften und dass einer der Intendanten so weitsichtig war und das Gefühl hatte, dass wir das können, zu einem Zeitpunkt, wo uns das überhaupt nicht bewusst war, das ist ein großes Geschenk. Der größte Verdienst gilt Johannes Reitmeier, der noch Intendant hier im Haus ist, der uns das damals zugetraut hat und uns mit Abydos die Möglichkeit gegeben hat. Es ist natürlich viel schöner eigene Sachen zu spielen, als Jesus Christ, das schon so oft gespielt wurde. Dr. Jekyll and Mr. Hyde würde mich auch noch interessieren. Das ist so eine Geschichte, die mich persönlich interessieren würde. Aber ansonsten möchte man sich natürlich ausleben, indem man nicht nur auf der Bühne steht, sondern auch gute Stücke schreibt. Das ist mein Ziel und da geht es auch weiter hin.

The Raven
Hermann Kurz

Soley

Eine ganz besondere Premiere gab es am 30. März im Cafe Kunstpause in Bamberg zu erleben. Eine Premiere die besonders die Faun Fans erfreuen wird. Aber auch alle Mittelalterfans dürfen sich zurecht über das Comeback der ehemaligen Faun Sängerin Sandra Elflein so richtig freuen. Sandra Elflein ist nach Kinderpause mit ihrem eigenen Projekt zurück und anders als bei Faun ist sie diesmal der Mittelpunkt und fraglos der Star der Band. Eine Rolle an die sich die bescheidene ruhige und zurückhaltende Musikerin erst gewöhnen muss. Und genauso gespannt wie ich, waren wohl viele der zahlreichen Zuhörer, das Cafe platzte aus allen Nähten um Soley erstmals in der Besetzung live zu erleben. Das sollte im Rahmen einer Vernissage passieren, denn an diesem Abend konnte man nicht nur die großartige Musikerin Sandra Elfllein wieder entdecken, sondern auch die Malerin näher kennen lernen. Und so hingen überall Bilder von ihr. Leider ging das aber etwas unter, denn anders wie bei vielen Vernissagen, wo ein Redner, die Begabung des Künstlers und dessen Bilder lobt, musste hier ein Din A 4 Blatt genügen um etwas mehr über die Malerin Elflein, die ihren Bildern bewußt keine Namen gibt, zu erfahren. Denn jeder soll sich selbst beim Betrachten der Bilder seine eigenen Gedanken machen. Da ich eins sicher nicht bin, ein Kunstkenner kann ich auch zu der Begabung der Malerin Elflein sehr wenig sagen. Allenfalls, dass mir extrem viele Bilder sehr gut gefallen haben. Völlig ungewohnt zu einigen anderen Vernissagen der Vergangenheit. Somit traue ich mir zumindest festzustellen, dass es spanned ist, auch die Malerin Sandra Elfleinzu entdecken. Was ich sicher mit Gewissheit sagen kann, die Musikerin Sandra Elflein ist wieder da und genauso großartig wie sie es je mit Faun war, an die außer das Efeu an den Microständern relativ wenig erinnert. Soley sind neben Sandra Elflein (Geige, Gitarre, und Drehleier), die Harfinistin, Geigerin und Gitarristin Susanne Globisch, die Sandra auch beim Gesang unterstützt, Quirin Hauzenberger (Flöten, Percussion, Gesang) sowie Dominik Schädel an den Percussions. Gesungen wird in Finnisch (laut Band ausbaufähig), Mittelenglisch, Gaelisch und Deutsch und neben Eigenkompositionen gibt es Musik aus verschiedenen Epochen europäischer Folkmusik zu Gehör. Sandra hat es geschafft in dem nicht gerade als Musikhauptstadt Deutschlands bekannten Bamberg 3 Musiker zu finden, die nicht nur die Leidenschaft für Musik, sondern für eine ganz spezielle Art, teilen. Nicht ganz verbergen konnte Soley am Anfang eine gewisse Nervosität, doch die legte sich von Song zu Song und je lockerer die Musiker wurden, desto mehr Spaß hatte das Publikum mit ihnen. Aber auch die 4 hatten sichtbar ihren Spaß, wenn man sich aufgrund der enge der Bühne und des kleinen Saales auch merklich zurückhalten musste. Ausgelassenes Tanzen und Feiern, wildes trommeln und leidenschaftliches Brüllen mancher Mittelalterbands fiel also aus, das ist aber auch nicht wirklich die Musik von Soley. Die geht dann doch viel mehr in die ruhige Ecke mittelalterlicher Musik. Mich würde aber nicht wundern, wenn es in Zukunft nicht auch Soley einmal extrem fetzig und tanzbar gibt. Ich bin auf jeden Fall schon gewaltig gespannt, Lieder für eine CD hat man, das zeigt der Abend überdeutlich, eh schon genug. Wird also Zeit für ne CD. Und darauf können sich nicht nur die Faun Fans freuen.
Zum Abschluss meines kleinen Berichts noch die Setlist, damit man zumindest die Titel der Songs schon mal gehört hat. Diese, wie auch weitere Auftrittfotos findet ihr in unserer Bildergalerie. Mehr vom Soley-Auftritt gibts unter www.gruftimusik.de.
Bernd Sonntag

Songs of Lemuria

Ähnlich wie Atlantis ist Lemuria ein hypothetisch existierender versunkener Kontinent zwischen Madagaskar und Indien oder Amerika und Australien. Vor allen in der Science Fiction Literatur taucht er immer wieder auf, wie z.B. bei H.P. Lovecraft. Und auch den Fans der Serie Perry Rhodan dürfte Lemuria ein Begriff sein. Genaues von der Existenz weiß man also nicht und genauso wie der Kontinent versunken ist, ist das an Lemuria angelehnte Musikprojekt von Nik Page mit dem krankheitsbedingten Ausstieg von Michaela Laubach 2010 in der Versenkung verschwunden. Ich hatte das Glück 2008 in Plauen (hier gibst Bilder) die alte Besetzung noch erleben zu können und war ziemlich geflashed was ich da erleben konnte. Doch zum Glück hat Nik Page das Projekt nicht einfach sterben lassen, sondern ist nun mit neuer Sängerin zurück. Und fast ist alles wie früher und doch auch wieder nicht. Da ich davon ausgehe, dass Songs of Lemuria vielen kein Begriff sind, zuerst ein paar Worte über Nik Page und sein Projekt. Der Ostberliner ist noch ein musikalisches Kind der ehemaligen DDR. Ganze 2 Jahre musste man auf eine Lizenz warten um mit seiner Band Blind Passengers live Auftritte bestreiten zu können. Da kam die Wiedervereinigung gerade recht und die Musik der Synthie Pop Band wurde so populär, dass sich die Blind Passengers sogar auf den größten Festivals wie Rock im Park oder Rock am Ring wiederfanden. Neben den Blind Passengers, der Veröffentlichung eines Science Fiction Romans, seiner Malerei und diversen CDs unter dem Namen Nik Page gründete er 2006 das Klassic-Crossover Project Songs of Lemuria. Die außergewöhnliche Idee weltbekannte und nicht ganz so bekannte Songs mit Piano und Cellobegleitung in schwarz-romantische Hymnen mit fragilem kammermusikalischen Gewand zu stecken und dadurch völlig zu verändern war sehr gewagt und auch sehr mutig. Schon allein auch deshalb weil die weiblichen Partnerinnen Nik Page locker an die Wand singen können. Und so verwundert es auch nicht, dass das Projekt extrem polarisiert, zwischen super schön bis schrecklich gibt es nicht viel dazwischen. Je nach Geschmack der Zuhörer. Und das hat sich auch mit neuer Sängerin wenig verändert. Ich persönlich finde es eh schon sehr spannend, wenn man versucht Klassik und Pop zu verschmelzen, Cantus Buranus von Corvus Corax sind hier ein herausragendes Beispiel. Völlig anders, aber nicht weniger reizvoll sind da natürlich Songs of Lemura, reduziert auf Piano und Cello gehts hier um die leisen Töne und der Begriff Schwarz-Romantisches Kammerkonzert trifft es wirklich gut. Songs of Lemuria sind, neben Nik Page, die neue Sängerin Jasmin M Shaudeen (Jasmin Schulz), sowie am Piano wieder die grandiose Corinna Söller und am Violincello Uwe Christian Müller. Jasmin Schulz wurde beim Bundeswettbewerb Gesang 2009 im Bereich Musical ausgezeichnet und so haben sich Songs of Lemuria auch etwas im Sound gewandelt, weg vom opernhaften mehr in Richtung Musical. Das Konzert an diesem Abend ist zweigeteilt. Teil 1, das romantische Set erzählt die Geschichte einer verhängnisvollen Romanze. Es ist die Geschichte einer klassischen Liebesbeziehung mit Herbeisehnen, Aufflammen, Verglühen und Scheitern. Aus Leidenschaft wird Hass. Es fängt klassisch instrumental an mit der Mainacht von Johannes Brahms. Danach betritt Nik Page die Bühne und beginnt mit In Extremos Die Gier, Hunting High and Low von Aha, I was born to love you von Queen, Freelove von Depeche Mode, die Page Komposition Dein Kuss, das großartige Lied „weißes Papier“ von Element of Crime, Bitter von Oomph bis zu ein Traum für uns von Jasmin M. Shaudeen geht der erste Teil. Eine tolle Zusammenstellung ist das, völlig unterschiedliche Songs von den unterschiedlichsten Musikern werden beeindruckend zu einem harmonischen Ganzen. Und dazu die 2 Stimmen die das ganze auch darstellerisch noch unterstützen . Ganz großes Kino also. Teil 2 ist das konzertante Set. Hier werden melancholische Rockhymnen in ein Neo-Klassisches Gewand gesteckt. Es geht um menschliche Abgründe und Niederlagen, um Einsamkeit Maßlosigkeit und Dummheit, kurz gesagt um das ganz normale Leben. Wieder geht es instrumental los mit Milonga Sin Palabras von Astor Piazzolla. Es folgt Irony von Nik Page und Kommunion an dem er ebenfalls beteiligt war. Dann das großartige Menschen von Joachim Witt, Ordinary World von Duran Duran, eine der Idole von Nik Page. Mit Walking to Heaven, Solange die Erde sich noch dreht und A Frozen Rose gibt es drei weitere Songs an denen Nik Page mehr oder weniger beteiligt ist bevor zwei weitere Covers Seemannslied von Subway to Sally und der absolute Welthit Stairway to Heaven das normale Set beenden. Da man an diesem Konzertabend in der perfekt dafür geeigneten Studiobühne der im letzten Jahr eröffneten Greizer Vogtlandhalle eine Stecknadel hätte fallen hören, konnte man jedes Wort verstehen was gesungen wurde und allein das machte einen bisweilen schon sehr sehr nachdenklich. Wie z.B. Solange die Erde sich noch dreht, die offizielle Titelmelodie der Initiative Umweltsong. Textauszug:
Wenn der letzte Wald brennt
selbst ein Kind schon erkennt,
dass die Seele der Natur
von uns geschlagen nur.
Wenn das Meer die Städte frisst
es zu spät zum Handeln ist
Hab’n wir verraten uns’re Welt
Wenn die Hoffnung wie Asche zerfüllt
Die Börse boomt, gierig und taub
das letzte Nashorn verhungert einsam im Staub
– the time will come –
Für Palmälplantagen den Urwald gefüllt
Kettensägen schneiden durch die Lunge uns`rer Welt
– we have to change –
Da tut es richtig gut, wenn Uwe Christian Müller mit der Nebelmaschine so seine Probleme hat und für den einen oder anderen Lacher sorgt. Sonst würde man auch unterstützt von Musik und dem Spiel der Akteure völlig in die Depression abgleiten. Doch mit den Zugaben holen einen Songs of Lemuria wieder zurück. Mit The Phantom of the Opera gibt den wohl bekanntesten Musical Song und ähnlich wie bei Lucky Luke der in die Sonne reitet nehmen sich zum Schluss erst Nik und Jasmin und dann Corinna und Uwe Christian in den Arm, verlassen die Bühne und lassen ein sicher nachdenkliches und ergriffenes Publikum zurück. Songs of Lemuria sind wieder da, zum Glück muss man sagen. Wieder großes Kino und eine neue Sängerin die wohltuend wenig Diva in sich hat und mit viel Charme und ganz viel Mimik und Gestik beeindruckt. Und da sie auch noch sehr hübsch anzusehen ist, ist sie ein Traum für einen Fotografen, wenn da nur nicht dieses doofe klicken der Kamera wäre. Und so hab ich nur sehr wenige Bilder gemacht um die Andächtigkeit und Intimität des Konzerts nicht zu stören.
Leider werden wir wohl nie erfahren ob Lemuria wirklich existiert hat oder nur eine von vielen sagenumwobenen Märchen ist und der Abend mit Songs of Lemuria brachte hier auch keine Aufklärung und doch gelang es den 4 Musikern für 2 Stunden die Zuhörer in die Welt von Lemuria mitzunehmen, den einen sicher mehr den anderen weniger. Aber immer mit viel Liebe zum Song, zur Inszenierung und zum ganz großem Kino. Vielen Dank dafür.
Bilder gibts in der Bildergalerie und noch ein paar mehr unter www.gruftimusik.de
Bernd Sonntag

Kyoll – American Nukedown

Wenn Dudelsack, Drehleier, Geige auf elektronische Beats und gesellschaftskritische Texte treffen, dann ist Stilbruch an der Tagesordnung. Der Meinung sind sogar die drei Musiker von Kyoll, die auf ihrer EP „American Nukedown“ genau diese Elemente vereinen.

In den fünf Liedern besingen sie die heutige und zukünftige Welt, die in ihren Augen nur schlechter werden kann. Ein Aufruf zur „Revolution“ ist das erste Stück, das mit seinen schnellen Beats und Drehleier- und Dudelsackmelodien zum Tanzen einlädt.

Einen Blick in die Zukunft gibt „Dr. Crank“, der anscheinend unmenschliche Versuche durchführt, die wider der Natur des Menschen sind. Passend ist hier der apokalyptische Sound, den Kyoll kreieren, um diesen Wahnsinn zu verstärken.

Direkt danach geht es in die Vergangenheit. „Früher“ führt in die Zeit, von der die eigene Großmutter zu erzählen weiß, denn früher war alles besser. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum die CD in Vinyloptik daherkommt. Die Großmutter kommt im Stück auch zu Wort und predigt „Es lebe Elektro“. Natürlich stehen die Elektrobeats im Vordergrund, die mit der Stimme von Frau K. im Stück dominieren.

Danach wird es für fast eine Minute ruhig, bevor die sphärische Ruhe von Beats durchbrochen wird, gefolgt vom Dudelsack.“ 100 Jahre zahlen wir mit Blut“ besingt Frau K, allerdings lässt sie offen, was der Grund dafür ist. Das soll sich wohl jeder selbst beantworten. Bei Kyolls Themen, die von Moral, Anarchie, atomarer Bedrohung und neuen Weltordnungen handeln, fällt die Antwort aber nicht schwer. Zum Schluss hört es sich an, als ob die Platte einen Sprung hätte, was ein gutes Ende für „American Nukedown“ gewesen wäre. Stattdessen folgt noch „Untitled Demo“, sozusagen ein zusätzliches Lied, das die Aussichtslosigkeit zum Schwerpunkt hat.

„American Nukedown“ ist sicherlich ein gewagtes Experiment, denn die Kombination aus klassischen Instrumenten mit derben elektronischen Beats und der markanten Stimme von Frau K. ist gewöhnungsbedürftig, geht aber nach mehrmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf.
Und an Kyolls Botschaft ist sicherlich etwas dran. Getreu dem Motto: Freu dich auf die Apokalypse – mit Kyoll wird sie tanzbar!

American Nukedown
1. Revolution
2. Früher
3. Dr. Crank
4. Untitled
5. 100 Jahre

Kyoll sind:
Frau K – Gesang
Gore – Sackpfeife, Drehleier
Tybalt – Geige

www.kyoll.de

The Violet Tribe

The Violet Tribe
3.03.2012 in Köln
Das Arkadas Theater der Kulturen Köln, ein kleines Theater mit nostalgisch angestaubtem Charme war diesmal Schauplatz der Aufführung von The Violet Tribe.
Von einer ebenfalls sehr kleinen Tribüne mit fast ausgebuchten Plätzen konnten die Zuschauer das Panoptikum fast hautnah auf den Brettern (wörtlich, weil auf knarrendem Holzdielenboden), die die Welt bedeuten, erleben.
Denn ein Sammelsurium von Sehenswürdigkeiten oder Kuriositäten ist das Programm von The Violet Tribe allemal.
Sehenswert waren die sieben Grazien auf jeden Fall in ihren glamourösen je nach Szene wechselnden Bühnenoutfits, von Barockkleid, bis Zylinder und bourlesque angehauchtem Zubehör, Piratenoutfit, Gespenstischer Verkleidung, goldenen Masken und Bauchtanzkostümen mit Kopfschmuck – la Mata Hari.
Nicht nur das, sondern sie sind allesamt geniale Tribal- Fusion Bauchtänzerinnen mit absoluter Körperbeherrschung und kunstvoll ästhetischen Bewegungen. Aber ebenso beeindruckend ist auch die musikalische Leistung der Truppe. Jede der Damen begeistert mit Gesang und spielt auch noch mindestens ein Instrument , wie z.B. Hackbrett, Rahmentrommel, Flöte, E-Bass, Keyboard, Schalmei, Darbuka, Gitarre u.v.m.
So wurde zu jedem Song eine spezielle Choreografie einzelner oder mehrerer Tänzerinnen gezeigt, die so unterschiedlich waren, wie die Musikrichtungen der einzelnen Songs. Balkanbeats, bittersüße Balladen, skurrile Elektronik, barocke Elemente, ein Auszug aus Macbeth, eine Farinelli-Arie wurden hier in ein buntgemischtes Gesamtbild verpackt mit spanischen, altfranzösischen, arabischen und deutschen Texten und zu einer gelungenen Einheit verschmolzen. Gelungen ist das, in dem man das kunterbunte Programm in eine Rahmengeschichte vom „Grand Hotel“ einbaut, die von seinen unterschiedlichen Luxussuiten und deren kuriosen Bewohnern erzählt, das Ganze von Bianca auf ihre ganz eigene reizende und lockere Art anmoderiert.
Als netter Pausenfüller wurden Seifenblasen auf die Zuschauer gepustet und immer für eine Überraschung gut, hat „Herr Biedermann“,auch ein dubioser Hotelgast, diesmal 500$-Scheine ins Publikum geworfen- leider Spielgeld. (Beim letzten Auftritt in Essen gab es zum Song „Spooky“ grüne, im Dunkeln leuchtende Spinnen.)
Auch sei an dieser Stelle der einzige männliche Musiker der Band genannt Dr.P , neben Bianca Stücker, treibende Kraft der Gruppe .
Diesmal war das Programm noch umfangreicher als beim letzten Auftritt, denn neben der neuen 2.CD „Grand Hotel“ spielten sie auch noch 5 Lieder ihrer 1.CD „The Violet Tribe’s Ravishing Collection of Curios“ und doch verging die Zeit wie im Fluge und man dachte am Schluss nur „och, schon vorbei….!“ Aber sie waren darauf „vorbereitet“ und hatten noch 2 Zugaben in petto, bei denen sie zum Schluss dann noch einmal alle in einer gemeinsamen Formation mit einer ATS- (American Tribal Style) Darbietung zur Höchstform aufliefen und das Publikum mit Schwung verabschiedeten.

Ein Besuch bei The Violet Tribe ist wie Eintauchen in eine Welt der Fantasie und schöner Bühnenbilder und von einer Musik, die vielfältiger nicht sein kann mit verzaubernden Klängen und manchmal schon fast sirenenhaftem Gesang.

Michaela, die Nebelkrähe

 

Underground Music & Bellydance präsentierte am 03.03.2012:
GRAND HOTEL
Eine akustisch-visuelle Führung durch ein
fragwürdig-phantastischerstaunliches Etablissement.

Starry Night (The ballroom)
The Gypsy Suite
Ministry of Steel
Canción Del Pirata (An uninvited guest appears)
The Steam Song Zarani (The oriental salon)
The Baroque Suite
l Think No (The hotel bar)
Spooky, spooky (The hotel swamp)
Act II, Scene II (The hotel theater)
Zugabe:
Lamma Badda
High Ideals

TVTsind:
Cinnamon Star/Bianca Stücker: Gesang,
Musik & Texte, Hackbrett,
Rauschpfeife, E-Bass, Performance
Dr. P/Oliver Pietsch:
Gitarre Svenja Pein:
Performance, Gesang,
Konzertgitarre,
Percussion
Miss Lily Qamar/Lily Dux: Performance, Hackbrett,
Gesang
Svahara Aicanór/Svenja Niedergriese:
Performance, Gesang,
Percussion

Außerdem wird das Grand Hotel bevölkert von spektakulären Gästen:
Arzo
Miss Lily Quamar
Tala
Cristina Zegarra
Katha-lndrani
Die Musik wurde geschrieben und produziert von:
Bianca Stücker
Die Gruppenchoreographien konzipierte:
Svenja Niedergriese
Für die Solo-Choreographien sind verantwortlich:
die jeweiligen Tänzerinnen
Im Handel erhältlich:
The Violet Tribe: Grand Hotel
(Equinoxe Records/ALIVE2011).
The Violet Tribe: The Violet Tribe’s Ravishing Collection
of Curios
(Equinoxe Records/ALIVE 2010)

The Violet Tribe Movie Clip Mix Köln

www.theviolettribe.de

Faun Acoustic Tour, Bochum 2012

Es ist eines der ersten Konzerte, das Faun in der Neubesetzung spielen. Sonja Drakulich und Stephan Groth feiern ihre Prämiere auf der Acoustic Tour 2012 und stellen sich dem erwartungsvollen Publikum, das in Bochum in der Christuskirche Platz genommen hat. Für Fauns Balladen ist die Kirche genau der richtige Ort, denn in ihr klingen die Lieder noch schöner und sphärischer.

Und so füllen sich an diesem Dienstagabend die Kirchenbänke und das wie immer sehr gemischte Publikum begutachtet die Bühne, auf der zum ersten Mal Sonjas Hackbrett steht. Als die Band die Bühne betritt, fallen sofort die schönen Kleider der Damen auf. Im Licht der Scheinwerfer erstrahlen Fiona und Sonja in goldenen Tönen und bilden den Kontrast zu den schwarzgekleideten Herren.

Eröffnet wird das fast 2,5 stündige Konzert von altbekannten Liedern, wie „Ne Alouj El“ und „Da Que Deus“. Sonja und Fiona harmonieren gut miteinander, aber an die zusätzliche Stimme von Stephan muss man sich erst gewöhnen. Da Sonja erst seit 2,5 Wochen in Deutschland weilt ist es auch kein Problem, dass der Text bei „Von Den Elben“ teilweise abgelesen werden muss. Bei dem umfangreichen Programm, ist es schon eine Leistung, in der kurzen Zeit alles zu lernen. Dafür schauen die anderen bei den Liedern von Stellamara ab und zu auf ihre Hilfszettel.

Da Fiona ihren Dudelsack immer dann stimmt, wenn Oliver gerade eine Ansage macht, wird von ihm gleich auf die kleine Katze hingewiesen, die dort drinnen eingesperrt ist und diese Töne von sich gibt. Auch lässt er es sich nicht nehmen zu sagen, Stephan mässe eine neue Platte in seine Drehleier einlegen, wenn dieser etwas daran verstellen muss. Und das mit seinem charakteristischen Sarkasmus, der das Publikum immer zum Lachen bringt.

Nach der Geschichte von „Herr Heinerich“ geht es in die 20 minütige Pause, die genutzt werden kann, um die ein oder andere CD zu erwerben. Aber eigentlich wollen alle nur, dass es weitergeht. Der zweite Teil des Abends bietet viel Neues. Das erste Stück „3 Wanderer“ aus dem Repertoire von Stephans Band „Liederlicher Unfug“, fügt sich gut ein und wird ohne Sonja gespielt. Danach folgt „Polska Fran Larsson“, ein rein instrumentales Stück, bei dem nur Fiona, Oliver und Stephan auf der Bühne sind. Als auch Sonja und Rüdiger wieder oben sind, folgt das Lied „Szerelem“ von Stellamara, was wie Oliver sagt eins der schwersten Stücke ist, das sie je gespielt haben. Das merkt man Faun aber gar nicht an und wird mit viel Applaus vom Publikum belohnt. Bei diesem Stück, wie auch den ganzen Abend hindurch, zeigt Stephan seine unglaublichen Fähigkeiten an der Drehleier. Fast mühelos spielt er die kompliziertesten Läufe und hat dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. Er ist eine wahre Bereicherung für Faun.

Noch ein neues Stücke präsentieren sie mit „Subrali Sa Se Subrau“, das vierstimmig a capella gesungen wird, bevor bei „Ynis Avalach“ wieder alle zu ihren Instrumenten greifen und Rüdiger ein langes und wirklich sehr beeindruckendes Solo hinlegt. Er selbst ist ganz in Trance und auch die anderen Faune lauschen seinem Können mit einem Lächeln im Gesicht. Sein verdienter Applaus muss aber schnell wieder aufhören, da das Lied ohne Unterbrechung weitergespielt wird.

Als Oliver als letztes Stück „Cuncti Simus Concanentes“ ansagt, möchte er, da es in lateinischer Sprache ist, es auch auf Latein einzählen. Sein Versuch es mit „i, ii, iii“ zu machen, führt allerdings zu viel Gelächter im Publikum und auf der Bühne. Auch sei es möglich, dass Faun bei entsprechenden Reaktionen aus dem Publikum, noch eine Zugabe spielen werden. Und so gibt es die erste Zugabe (Tinta) und auch noch eine zweite Zugabe (Tagelied), bevor Faun mit Standing Ovations verabschiedet werden. Glückliche Gesichter auf beiden Seiten.

Die Acoustic Tour mit ihren unveröffentlichten und neuen Liedern ist wahrlich sehr schön anzuhören und gar nicht so ruhig, wie man sich so eine Tour vorstellt.

Setlist:

Ne Alouj El
Da Que Deus
Karuna
Von Den Elben
The Butterfly/Adam Lay Ibounden
Resulina
Herr Heinerich

3 Wanderer
Polska Fran Larsson
Szerelem
Halling
Subrali Sa Se Subrau
Ynis Avalach
Cuncti Simus Concanentes

Tinta

Tagelied

Omnia in Nürnberg

Eins muss ich zu meinem kleinen Omnia-Bericht und den Bildern gleich vorausschicken. Sie werden dem Abend auf keinem Fall gerecht. Denn die Energie, die bei diesem Konzert von der Bühne herunter auf die Zuschauer wirkte, und vor allem auch die Energie des Publikums, die auf die Bühne zurückreflektiert wurde, gelingt es mit keiner Kamera der Welt in Bildern einzufangen. Leider muss man sagen. Denn Omnia verwandelten den Hirsch in ein Tollhaus. War die Stimmung im letzten Jahr schon sehr gut, in diesem Jahr war die im vorderen Bereich gutgefüllte Sauna Hirsch ein echter Hexenkessel und Magier Steve und seine Flöten und der Rest von Omnia taten alles, um den Leuten einen unvergessenen Abend zu bescheren. Und dabei hatten sie, wie immer wenn sie live auf der Bühne stehen, sichtlich Spaß. Den hatte aber auch das Publikum, das nur teilweise aus Nürnberg kam, wie man spätestens nach Steves Publikumsfrage feststellen konnte. So bestand die erste Reihe neben einer ganzen Reihe von Omnia Fans, die sie schon gestern in München gesehen hatten über einer Familie aus der Nähe von Heilbronn auch aus 4 Personen aus der Ecke von Selb. Denn Dank des Festivals Mediavals, bei dem Omnia 2012 wieder eines der Highlights sein werden, hat man selbst in der kleinen Grenzstadt inzwischen mitbekommen, welch grandiose Band Omnia ist. Da maximal ein Drittel echte Nürnberger/innen waren, war die „Audience“ für Steve von nun an die „Audience partly from Nürnberg“.
Ich habe in den letzten Jahren ja schon mehrere Omnia Konzerte erlebt und in der Zeit gab es ja auch einige Besetzungswechsel und trotzdem kommt es einen vor, wie wenn Omnia immer besser und besser werden. Auch wenn vor allem Luka und Maral sicher sehr positiv in Erinnerung bleiben. Das liegt vor allem auch daran, dass Gitarrist Philip Steenbergen (diesmal mit kurzen Haaren) und Slidgeridoospieler Daphyd Sens, der in Nürnberg 1 Jähriges Bandjubiläum feiern durfte (natürlich mit Ständchen vom Publikum versteht sich) „Stenny“ immer besser ergänzen und das jüngste Bandmitglied Rob van Barschot an den Drums ebenfalls gehörig für Action sorgt. Und so klingen viele Songs in neuem Gewand mit neuer Besetzung zwar anders, aber nicht weniger reizvoll, als früher. Und man ist auch weiterhin akustisch unterwegs und versucht nicht mit allerlei elektronischen Gimiks den Sound zu verändern. Warum? Die Antwort gibt Steve im Laufe des Konzerts unter großen Jubel des Publikums mit den Worten „because we are not a bunch of pussies“.

Ein weiterer Grund liegt sicher auch im Repertoire der Band. Die neueste CD der Band „Musick and Poetree“ ist das bisher abwechslungsreichste Album und führte dazu, dass man Omnia erstmals beim Festival Medival in Selb mit zwei sehr unterschiedlichen Programmen erleben konnte. Dem ruhigen Poetry-Teil und der lauteren Rockversion. Mit der Rockversion von Omnia tourte man die letzten Wochen durch Deutschland mit dem Abschluss nun im Nürnberger Hirsch. Nach einer Pause geht es dann im Mai in Deutschland u.a in Giesen und Leipzig weiter. Wer also nicht auf Selb warten kann, oder bis dahin große Entzugserscheinungen hat, sollte mal den Konzertplan studieren. Ich befürchte ich muss das auch machen, denn bereits am nächsten Tag erfasst einen so ein komisches Gefühl von Entzug. Und zwar nicht von diesem komischen Zeug an denen sich Holländer legal erfreuen dürfen und das die Band „natürlich nicht im Backstagebereich hat, weil man ja in Deutschland ist“ ( wie Steve vor der Zugabe mitteilte) sondern nach der Omnia-Musik, die auch Tage später nicht aus dem Kopf verschwinden will. Omnia sind einfach das perfekteste holländische Rauschmittel und das völlig ohne Gesundheitsrisiken und Nebenwirkungen. Aber sie machen fraglos süchtig.

Den Tourplan sollten aber auch all diejenigen aufmerksam studieren, die diese Band noch nie gehört haben. Das ist wirklich fahrlässig, wenn man mit Musik etwas anfangen kann. Und man muss kein Mittelalterfan sein, damit einem die Musik gefüllt. Man muss sich nur einfach darauf einlassen, so wie die nette Dame neben mir, die Omnia nicht kannte und nur weil die Freundin hin wollte mitgegangen ist. Und die danach total begeistert war, wie ich das schon vielfach nun bei Konzerten erlebt habe. Und sie haben es wirklich verdient vor vollen Häusern zu spielen, weil es großartige Musiker sind, weil sie etwas zu sagen haben und weil sie ohne Angst sich unbeliebt zu machen ihre Meinung herausposauen. Da bekommen nicht nur die Herren Politiker ihr Fett ab, denen wohl nicht wenige die Hölle wünschen, weil man inzwischen mehr für den Staat , als für sich arbeitet. Das wird genauso thematisiert an diesem Abend „maybe they let you keep a little bit“, wie der Überwachungsstaat incl. Steueridentifikationsnummer ala Orwell, die „not tattooed on your forehead“ ist, noch nicht. Es wird aber auch jeder einzelne Konzertbesucher in die Pflicht genommen etwas zu tun, für eine lebenswertere Welt und für das Recht auf Individualismus. Und das macht Steve auf seine ganz eigene charmante und unterhaltsame Art, die man nur live erleben kann und die es nicht auf Platte gibt. Und ein Statement darf auf keinen Konzert fehlen „Your government tells you , you need them. This is a great lie, without you there is no Germany“

Aber zurück zum Programm das ohne die ruhigen Poetry-Songs auskommt, die sind aber nicht vergessen sondern sollen in einer eigenen Tour wieder zu Gehör kommen. Das wurde bereits im Vorfeld angekündigt, so dass auch niemand enttäuscht ist, wenn gerade sein Poetry-Lieblingssong fehlt. Das ist eh ein Problem bei Omnia mit den Lieblingssongs. Es gibt inzwischen einfach soviele gute Lieder, dass irgendwas eigentlich immer fehlt. Diesmal fraglos „The Raven“ , aber dafür gab es das Kult-Kriegslied der Band „The Morrigan“ im Zugabeteil zusammen mit Steves Liebeserklärung an seine Heimat Cornwall zu hören. „The Morrigan“ wurde lautstark durch das Publikum unterstützt und bei Cornwall sah man auch im Publikum die eine oder andere kleine Cornwall-Flagge.

Es war der Höhepunkt eines Programms voller Höhepunkte. Egal ob Free, Human, Alive, Dance until we die (mit Daphyd im Duett gesungen), Love in the Forrest usw, es folgte Highlight auf Highlight, die Stimmung im Publikum und bei der Band stieg und stieg und Jenny hab ich selten so ausgelassen und fröhlich strahlend gesehen wie an diesem Abend. Egal ob an der Harfe, am Keyboard oder tanzend und trommelt sie sprühte nur so vor Energie.

Was das Erlebnis Omnia außerdem noch ausmacht, ist der optische Eindruck, das Licht und vor allem natürlich der Ton. Und alles war, wie man es von Omnia gewöhnt ist, einfach perfekt. Einen großen Fehler hatte der Abend trotzdem, er ging viel zu schnell zu Ende, auch wenn sich die Jungs und Jenny natürlich auch danach wieder viel Zeit für ihr Publikum nahmen und fleißig Autogramme schrieben. Und wie es bei einem Entzug halt so ist, nach der Vorfreude und dem Höhepunkt Konzert folgt die nächsten Tage erst mal Ernüchterung, weil der nächste Live-Auftritt mal wieder viel zu lange dauert. Zwar gibt es Omnia bis dahin auf CD, mit live zu vergleichen ist das aber leider nicht. Omnia sind eine geniale Live-Band mit extrem hohen Unterhaltungswert, geboren für die Bühne und ein echtes Muss, nicht nur für Pagan-Folk, Gothic, Mittelalter und Folkmusikfreunde sondern für alle, die Musik lieben. Und jedes Konzert kann man etwas neues lernen. Diesmal den Unterschied zwischen Pogo und Pagan Pogo. Der Anfang ist der gleiche , hüpfen , tanzen , durchdrehen zur Musik aber fällt einer neben Dir hin „pick him up“ wie Steve erkärte. Als dann nach dem vermeintlichen Konzertende die Musik einsetzte , ein unträgliches Zeichen , dass das Konzert nun zu Ende ist, hatte das Publikum noch immer nicht genug. Und so ließen sich Omnia erweichen, sicher auch ein Ausdruck dafür, wieviel Spaß man an diesem Abend selbst hatte und es gab das Sahnehäubchen oben drauf mit einer weiteren Zugabe, die stürmisch gefeiert wurde und fast nahtlos nach einem Erfrischungsweizen in die Autogrammstunde überging.

Bernd Sonntag

Harpyie

Ich freue mich sehr, als erste ein Interview mit der neuen Band „Harpyie“ führen zu dürfen. Treffpunkt ist der Probenraum der Band. Auf die Probe und die Songs bin ich sehr gespannt!

Ihr nennt euch Harpyie. Diesen Namen habe ich mal bei einer Suchmaschine eingegeben und eine Erklärung gefunden. Eine Harpyie ist der mächtigste Adler der Erde. Wie kommt ihr auf den Namen und in welchem Kontext steht er zu euch? Oder gibt es eine ganz andere Erklärung?
Mechthild: Es war mein Urlaub auf Kreta, da begegnete ich!!!!.
Aello: Wir haben ein Brainstorming gemacht. Der Bandname sollte etwas „reißerisches“ haben. Es ging um geflügelte Worte und Mythologie. Ja und dann war der Bandname Harpyie geboren.
Eine Harpyie ( „Reißer“, lateinisch harpeia) ist ein geflügeltes Mischwesen der griechischen Mythologie.

Wer ist Harpyie?
Aello stellt mir die Harpyien vor:
Ocypus, der Schnellfüßige (oder schwarzer Moderkäfer), Schlagzeug, Percussion, Gesang
Podargo , der Schnellfliegende Gitarre, Laute
Aello, die Windböe, Gesang, Schalmei
Gyronimus, der Basstard, Bass
Garik Sturmbringer, Sackpfeifen, Flöten
Michael von Ullrichstein, Sackpfeifen, Flöten
Mechthild Hexengeige, Geige, Gesang

Wie habt ihr zusammengefunden?
Aello: Ein paar von uns kannten sich vorher schon, der Rest hat auf ein Zeitungsinserat geantwortet. Und nun spielen wir zusammen.

Welche Art der Musik macht ihr?
Jetzt antwortet fast jeder mal: Es ist eine Mischung aus verschiedenen Musikrichtungen. So richtig festlegen wollen wir uns nicht. Man kann es als eine Mischung aus Mittelalterrock und Folkmetal bezeichnen.

Anfang 2012 kommt eure erste CD „Blindflug“ auf den Markt. Was erwartet uns?
Aello: Ein frischer Wind wird über die Hörer hinwegfegen. Druckvoll und leicht und transparent wie Luft. Es wird aber auch ruhigere Stücke geben.
Blindflug ist für uns ein „Dokument“ des Zusammenkommens, des Findens! Wir sind 7 Vögel, die in der Musik Zusammenhalt finden.

Wo und wann kann man euch live erleben?
Gyronimus: Unser erstes Live-Konzert ist am 17.03.12 in Hamburg. Wir freuen uns riesig und sind total gespannt:
Taverna Cerritus mit Harpyie und Drachenflug
Samstag, 17. März 2012 um 20:00
Kulturpalast Hamburg

Was gibt es noch zu Harpyie zu sagen und worauf können wir uns freuen?
Aello: Wir machen es ein wenig anders, wie andere Bands: Unser Konzept und die nötigen Vorbereitungen sollen komplett abgeschlossen sein, dann geht es auf die Bühne. Mittlerweile haben wir auch das erste Fotoshooting hinter uns und der Merchandise läuft auf Hochtouren. Auch das erste Musikvideo ist fertig.
Also, Bühnen der Festivals, wir kommen angerauscht!!!!!!

Danke für den netten Abend mit guter Musik und viel Harpyien-Spaß. Vielleicht gibt es ja nach dem ersten Konzert ein zweites Interview mit euch.

Am 24.03.12 findet das CD-Release mit Harpyie, TrRollheimen und Vogelfrey in Bad Oeynhausen statt. Hier gibt es Karten:
Link

Weitere Infos zur Band:
zur Bandseite
bei Facebook

(Inge Becker, 02.11.11)

Corvus Corax

Corvus Corax
Sverker-Tour
Interview mit Castus am 09.12.2011 in der
Christuskirche Bochum
Mit einer Ansprache von Castus über den Ursprung der nordischen Lieder wurde das Konzert feierlich und leise eingeleitet, um dann mit bombastischem Paukendröhnen erst einmal gehörig Spannung aufzubauen. Dazu kamen die sieben Musiker mit einem neuen Fantasie – Bühnenoutfit auf die Bühne, nämlich eine Art Schottenröcke und die Gesichter hinter eigenartigen altertümlichen Masken verborgen. Wenn mich nicht alles täuscht, war es eine alte Indische Hochzeitsmaske, die Castus vor seinem Gesicht trug, mit langen nach vorne fallenden Haartroddeln, unter die er das Mikrofon schieben musste. Die gleiche Maske, die auch das schöne nackte Mädchen auf dem Cover von der neuen CD „Sverker“ trägt.
Auf jeden Fall haben sie es von Anfang an geschafft, dass alle Blicke gebannt auf die Bühne starrten. Hinzu kam natürlich das besondere Ambiente der Kirchenatmosphäre, was aber wie immer bei Corvus Corax die Fans nicht vom Tanzen und Feiern abhalten lässt. Im Gegenteil- sie ließen sich wie immer zum Trinken, Mitsingen und -grölen von der Band auffordern. Zumal bei dem Lied „Trinkt vom Met“ echter Met aus einem Horn, was zuvor noch laut erklang, für jeden der wollte, ausgeschenkt wurde.
Schon beim Reinhören der neuen Sverker war ich begeistert von dem neuerdings nordischen Einfluss der Lieder, was sich beim Konzert der „Sverker-Tour“ dann durch die gelungene Show bestätigte. Mystisch und zugleich faszinierend, aber in der gewohnten Corvus Corax Art und Weise, macht es Spaß und gute Laune dabei zu sein. Mir auf jeden Fall auch mehrmals, denn ich war auch in der Passionskirche in Berlin dabei. Dort spielt Corvus Corax jedes Jahr zu Weihnachten auf bis zu 3 hintereinander folgenden Tagen vor vollem Haus, mit einer noch besseren Akustik als schon in der Christuskirche in Bochum.
Nach dem Konzert in Bochum habe ich mich an Castus‘ Rockzipfel gehängt und durfte ihm nach der üblichen Belagerung durch seine Fans noch schnell ein paar Fragen stellen:

*Was hat Euch zu Eurer neuen CD inspiriert?

Also die Sammlung dieser gesamten Texte ging über 15 Jahre. Eigentlich sogar noch länger.
Als wir 1993 die CD „Inter Deum et Diabolum Semper Musica Est“ gemacht haben, da gab es einige Sachen, die konnten wir da nicht mitnehmen, die waren einfach zu martialisch und zu nordisch. Das hat nicht mehr in die CD reingepasst. Und so habe ich mich dafür verantwortlich gefühlt und sie die ganzen Jahre über gesammelt.

*Wo hast Du sie z.B. gesammelt, bzw. gefunden?

Ich bin viel in Bibliotheken und in Klöstern unterwegs, oder auch bei Freunden, die irgendwelche Wissenschaftler sind, wie Geschichtsprofessoren, oder so.

*Also weniger in Kneipen oder in den Ländern selber?

Nein weniger. Wir waren selber noch nicht in den Ländern. Das ist vielleicht jetzt ein Grund dort auch mal unterwegs zu sein. Also, Wim war schon mal in Irland und in Schottland.

*Also in Norwegen und Dänemark noch nicht?

Nein. Ich bin gerade nach Island eingeladen worden.
Andis Halla, die uns auf unserer CD gesanglich unterstützt, singt auch bei „Apassionata“ die Hauptstimme. Sie hat mir das Altnordische beigebracht. Sie kennt sich damit sehr gut aus. Es ist so ähnlich wie Isländisch, nur noch uriger. Sie kannte sich durch ihre Gesangsausbildung damit aus und hat mir geholfen. Sie ist eine gute Freundin und hat mich jetzt eingeladen zum Nordlichter gucken in Island, ein Traum.

*Passiert in dieser Richtung musikalisch dann noch mehr?

Oah, jaa. Wir haben immer ganz viele Ideen, dafür ist Corvus Corax ja bekannt, dass wir nicht einschlafen und nicht nur eine Sache machen.

*Aber live kann Andis Halla mit ihrer grandiosen Stimme nicht dabei sein?

Tja, wir würden uns freuen, aber man weiß ja, wie viel die „Apassionata“
unterwegs ist. In den USA gibt es jetzt 60 Termine, aber sie hat auch gar keine Lust jetzt soviel zu machen, weil sie selber auch noch ein Soloprojekt hat. Also sie wäre schon gerne dabei, aber es geht gar nicht.

*Sie ist nicht die Frau mit der Maske auf dem Booklet Eurer CD?
Nein.

*Wird verraten, wer das ist?

Nö, das ist ein Model.

*Was habt Ihr mit der Königlich Dänischen Botschaft zu tun?

Die Königlich Dänische Botschaft hat uns weitergeholfen mit der Aussprache der Texte. Wir haben die alten Texte gehabt, nur wie spricht man Altdänisch mit Färöischem Akzent aus?
Teilweise sind die Texte aus Bibliotheken, teilweise sind es alte Schriften von den Färöern Inseln. Die haben dort vor 150 Jahren noch eine fast mittelalterliche Musikkultur gehabt. Das ist natürlich sehr interessant für uns gewesen, diese alte Folklore, die zum Teil noch auf Wachswalzen überliefert ist.
Da haben wir über die Königlich Dänische Botschaft Leute gesucht, die uns die Aussprache beibringen, und auch gefunden. Neben der Königlich Dänischen Botschaft in Berlin befinden sich auch andere Nordische Botschaften, wie die von Island und dort haben wir Leute gefunden.

*Aber die Gruppe Valravn hat Euch jetzt nicht dazu inspiriert?

Kenn ich nicht! Neeh.

*Die musst Du unbedingt kennenlernen, weil die Sängerin kommt von den Färöer Inseln.

So! Dann wird sie das im Blute haben, was wir in mühsamer Kleinarbeit recherchiert haben. Gut, sie wird sicherlich nicht das Sverker – Lied so singen, wie wir.
Das interessiert mich natürlich, denn sie hätte mir diesen Färöischen Akzent beibringen können.

*Kannst du zu den einzelnen Liedern was sagen, oder übersetzen?

„Gjallarhorni“ – das ist das Kampfhorn. Das ist ein Text aus der Völuspä.
Die Völuspä ist im Prinzip die Ur-Edda. Die Edda wurde in der christlichen Zeit aufgeschrieben und die Völuspä stammt aus dem 10. Jahrhundert , als die Wikinger dachten, dass die Welt untergeht. Sie sind dann alle zum christlichen Glauben gewechselt, weil sie gehürt hatten, dass man dann aufersteht, nach dem Weltuntergang.
In der Völuspä erfolgt die Beschreibung des Weltunterganges und der Welt danach. Das Gimli ist dann sozusagen das goldene Zeitalter danach und wird im letzten Song beschrieben. Gjallarhorni ist aus der Zeit des Ragnarök, das heißt des Weltuntergangs.

Bei „Sverker“ geht es um den Dänenkönig Sverker, der gesagt hat: „Nimmt ein Ritter das Schwert in die Hand, dann weinen so viele.“ Also man sollte, bevor man zuschlägt, erst mal reden.

Das dritte ist „Fiach Dubh“- der Ruf des Raben. Vom schwarzen Vogel, der auf der Weide steht und über die Weite ruft.

*Was ist das für eine Sprache?

Das ist Alt- Gälisch.
Und „Sverker“ ist Alt- Dänisch, Färöisch.
„Trinkt vom Met“ ist Deutsch, ein alter Wikingerspruch, den wir bearbeitet haben.
„The Drinking Loving Dancers“ ist ein alter Keltischer Spruch, den wir ins Englische übersetzt haben.
„L‘ Mbealtaine“ ist das bekannte irische Frühlingsfest, in Alt-Gälisch.

„Haufrue“ ist Alt- Dänisch. Das ist das Lied der Nixe, die vom Dänenkönig gefangen wurde:
Denn die Frau des Dänenkönigs kann keine Kinder bekommen und die Nixe soll ihm 5 Söhne gebären. Und wenn sie die Söhne geboren hat, dann wird sie wieder freigelassen. Das ist der Deal, aber die Königin ist krank und nicht froh darüber und und eifersüchtig. Sie redet darüber mit der Nixe und die Nixe will das auch alles gar nicht. Das ist also die Geschichte und zum Schluss sind alle im Himmel!

„Baldr“:
Nach dem Ragnarök sind alle Götter tot. Odin, Thor, alle sind tot. Nur der eine Sohn von Odin, nämlich Baldr steht auf. Eine sehr interessante Geschichte, denn es ist zur Zeit der Christianisierung entstanden. So haben sie wahrscheinlich ihre eigene Religion mit der christlichen verbunden. Es ist wie der Gottessohn, der aufersteht, nur bei den Wikingern heißt er Baldr.

*In welcher Sprache ist das?

„Baldr“ ist Alt- Nordisch. Die Wikinger haben im 8. Jahrhundert alle Alt- Nordisch gesprochen. Die Isländer sind die einzigen, die heute noch so ähnlich sprechen. Durch die Christianisierung und die Lateinischen Einflüsse haben sich die Sprachen verändert.

Dann haben wir das „Ragnarök“, wie gesagt der Weltuntergang und das Gimli, das Goldene Zeitalter danach.

„Tjgundi bii „. Es ist so ähnlich, wie das Taghorn aus dem Mittelalter. Es sind nur Hörner, die man hört. Einmal die, die wir aus Antilopenhörnern gebaut haben und diese Riesenhörner. Es ist einfach ein schönes Musikstück, was typisch nordisch ist.

„N’Lama Sa“ ist Alt- Gälisch oder Mittelhoch- Gälisch und eine Hommage an unsere Ahnen. Es geht dabei ums Altern, in Würde altern mit Stolz.

*Stimmt mein Eindruck, dass Ihr Euch so ein wenig aus der Ecke, der wilden Spielleute mit ihren Trinkliedern von „Wein, Weib und Gesang“ wegbewegt, hin zu gefühlvolleren und leiseren Weisen?

*Nee, stimmt nicht! Denn wenn Du an unser Bühnenprogramm denkst, haben wir ja zwischendurch, was sonst auch keiner macht, Met ausgeschenkt. Wir mixen das. Wir sind eben „Venus, Vina, Musica“, das ist Corvus Corax. Wir wollen becircen, wir wollen die Hohe Minne. Das ist die Liebe, wobei sich die Körper nicht berühren. Aber auch die Niedere Minne. Wir sind zu allen Schandtaten bereit. Das ist Corvus Corax und auch immer gewesen.
Natürlich ist es auch so, dass wir uns jetzt auch weiterentwickeln konnten, und zwar dadurch, dass wir jetzt diesen Besetzungswechsel hatten, der uns ja guttat, weil wir sind musikalisch nicht mehr so eingegrenzt. Wir sind alle gute Musiker und brauchen keine Rücksicht mehr auf Leute nehmen, die viele Sachen nicht können.

*Mehr Gesang war aber jetzt auch dabei. Ich hatte das Gefühl, dass du Deine Stimme mehr dazu benutzt hast, um zu zeigen, was Du drauf hast.

Ja, denn man braucht auch nicht mehr diskutieren mit Leuten, die keinen Geschmack haben.

*Wie waren die ersten 3 Sverkerauftritte? Waren die auch so gut besucht?

In Leipzig war ja Premiere. Großartig! In Magdeburg auch, großartig!
Von gestern rede ich nicht. Die Leute hatten gute Laune, die haben es nicht mitgekriegt.
Das ist immer so ein Problem. Wir sind auch gerade erst aus Mexiko zurÜck. Die beiden Muggen vorher (Mugge heißt „musikalisches Gelegenheitsgeschäft“), die waren gro?artig. Aber gestern hatten wir ein extremes Stimmungsproblem.
Was heute wohl ok war, weil die Kirche trocken und kalt war. Heute war deshalb vielleicht nicht so ein hei?es Feeling unter den Leuten, aber das ist fÜr die Instrumente sehr gut.
Unsere Instrumente sind ja alles Naturinstrumente. Wenn die irgendein Problem haben, kriegen wir auch das Problem. Saiteninstrumente und Blasinstrumente gehen bei Hitze und bei Kälte auseinander. Wenn es warm wird, werden Saiteninstrumente tiefer und Blasinstrumente höher. Und gestern hatten wir es dann auch noch so, dass die Blasinstrumente sich auch noch unterschiedlich zueinander verstimmt haben. Das sind auch noch Nachwehen von Mexiko.
Und dann haben wir ja auch zum Teil ganz neue Instrumente eingesetzt.
Die ganzen Hörner sind neu. Wir machen es ja gerne, aber das ist natürlich auch eine Herausforderung, wenn man neue Instrumente spielt.
Ich weiß nicht, ob den Leuten das mit der Stimmung aufgefallen ist.
Wir spielen jetzt mehr die größeren Säcke und das ist es auch, was Corvus Corax neu ausmacht, es klingt alles etwas tiefer und martialischer.
Wir sind so geblieben so wie wir sind, aber musikalisch haben wir uns darauf besonnen, was wir wirklich können. Diese großen Dudelsäcke zu spielen fordert mehr Kraft und auch mehr Geschicklichkeit. Das kann man eben auch nicht mit jedem machen.

*Noch ein paar Fragen zu Mexiko:
Wie war es in Mexiko und Mexiko-City?

Also Mexiko war großartig! Als wir angekommen sind, hatten wir gar keine Zeit uns zu akklimatisieren, sondern sind direkt weitergeflogen nach Hermosillo. Dort haben wir am ersten Tag mit Berlinskibeat gespielt, am nächsten Tag mit Corvus Corax.
40 Grad im Schatten und alle unsere Instrumente sind dadurch so dermaßen hoch geworden, dass es bei Berlinskibeat ein leichtes Problem gab. Aber das haben wir alles gemeistert.
Bei Corvus Corax war es noch wärmer. Aber egal, es ist von Vorteil, dass wir in Wim einen Instrumentenbauer haben. Sie sind alle zusammen gebaut worden und sind auch alle zusammen höher gegangen. So waren wir dann 10 Cent höher als normal.
Am zweiten Tag von Berlinskibeat habe ich den Leuten gesagt, „Kommt morgen alle wieder und bringt noch jemanden mit“. Am nächsten Tag musste die Polizei dann die Hauptstraße absperren, denn das Konzert fand an der Hauptstraße statt. Das haben die aber gerne gemacht und es war der ganze Platz voll, 10- oder 15-tausend Leute! Man konnte nicht wirklich sehen, wie viel Leute da waren, das verschwamm im Dunkeln.

*10- bis 15-tausend?

Ja, das ist da so in Mexiko!
Dann sind wir erst mal zurückgeflogen und hatten einen Auftritt mit der Cantus Buranus in Metepec. Das ist in den Bergen, von Mexiko-City 2 – Stunden entfernt.
Ein großartiger Auftritt, die Cantus Buranus wie ein Rockkonzert! Die kannten Cantus Buranus irgendwie aus dem Internet und haben dann teilweise mitgegrölt. Das ging dann ab, als ob die da alle Pilze genommen hätten!
Dann ging es dann weiter nach Mexiko-City. Da hatten wir eine große Halle, die war ausverkauft mit Cantus Buranus. Das war das einzige Konzert, das mit Eintritt war.
Ansonsten hatten uns die Städte eingekauft, sozusagen als Geschenk ans mexikanische Volk. So was machen wir sehr gerne, weil die Mexikaner sehr dankbar sind für so was.
In Metepec haben wir noch mit Panteön Roccocö zusammengespielt. Also nicht ich, sondern nur Wim und Vit und wir werden mit denen sicherlich mal irgendwann auf Tour gehen. Die sind in Mexiko soo bekannt. Die kann man im Prinzip hier vergleichen mit den Ärzten. Das ist Ska mit Bläsern, das passt sehr gut zu Berlinskibeat.
Ja, also in Mexiko:
ausverkauftes Haus, großartige Show, großartiges Orchester, auch in Metepec. Unterschiedliche Chöre und Orchester von da, aber großartig!

*Das geht so ohne Proben?

Wir haben ja geprobt. Aber wir haben denen auch die Partitur rüber geschickt. Und der Dirigent hat mit denen auch noch einen Tag vorher geprobt. Es geht. Es steht alles in den Noten. Unser musikalisches Geheimnis haben wir sozusagen in Noten gebannt.
Und dann haben wir in Valle de Bravo gespielt, den ersten Tag mit Cantus Buranus. Eine große Bühne, ein bisschen wie eine Arena aufgebaut, sodass die Leute, von oben herunter geguckt haben und das war auch wieder für umsonst.
Dort gibt es einen See, den haben sie in den Fünfzigern aufgestaut und dort wohnen wenig Leute.
Am Wochenende kommen die reichen Mexiko-City-Leute und machen da ihre Party. Wir haben am Wochenende gespielt, so war es ein Mix aus den Reichen und den armen Spielleuten. Und wir hatten unseren Spaß.
Mit der Cantus Buranus, das war schon mal großartig! Aber am nächsten Tag mit Berlinskibeat, sozusagen unser Abschlusskonzert, das war wirklich so der Hammer! Die wollten uns nicht von der Bühne lassen! Aber wir haben mit Berlinskibeat noch nicht wirklich so ein großes Repertoire. Wir sind ja noch eine Schülerband, wir sind ja noch relativ jung. Wir mussten „Champagner für alle“ dann nochmal spielen.
Unsere Zugaben, die hörten nicht auf. Das war großartig und auch ein schönes „Aufwiedersehn“, denn wir werden im April und Oktober Mexiko wieder sehen!

*Gibt es denn in Mexiko überhaupt eine richtige Mittelalterszene?

Ja! Da gibt es sogar Mittelalterbands, die sich noch wirklich in der Geschichte auch auskennen. Denn hier kennen ja nur wenige noch die Geschichte.
Wim und ich waren ja die ersten, die hier mit Dudelsack und Trommel rumgezogen sind und den Leuten gesagt haben, wir wollen nicht das verfuckte akademische Mittelalter , was auch seine Berechtigung hat. Sondern wir sind Spielleute, das heißt Rockmusik des Mittelalters.
Das ist ja Corvus Corax, die weltliche Musik, einfach Partymusik. Das gab es vor Corvus Corax noch nicht, außer im Mittelalter. Also wir haben das Mittelalter sozusagen neu erfunden.

*Was spielen die denn in Mexiko?

Die spielen da Geitars. Das sind diese spanischen Dudelsäcke und die spielen Corvus Corax nach. Die machen unsere Musik nach.
Aber wir haben da sehr viele Freunde. Und wir haben denen jetzt gesagt: „Lasst uns doch mal darüber nachdenken, wie das wäre, wenn ihr jetzt den Einfluss der Azteken und der Mayas nehmt und mit unserer Musik mischt!“ Und das wird gerade gemacht. Das finden wir sehr interessant.

*Habt Ihr Euch da schon mit irgendwelchen Musikern so angefreundet, dass ihr vielleicht mal ein Projekt zusammen macht?

Doch, kann passieren! Weil wir ja viel in Mexiko sind und uns das Land überhaupt gefüllt und die Leute fetzen.

* Was konntest Du Dir bisher von Mexiko anschauen, was hast Du bis jetzt gesehen?

Die Frage geht zu weit, weil ich war diese Jahr dreimal in Mexiko.

*Also von Sehenswürdigkeiten hast Du schon alles gesehen?

Alles! Jaa, noch nicht alles, aber viel, ich kenne die Aztekenpyramiden, ich kenne die Mayapyramiden. Ich war in Yucatán tauchen. Ich habe vor Belize geschwommen, aber das ist gefährlich, was ich da gemacht habe. Da war so ein Unwetter und ich wurde durch die Strömung abgetrieben. Das war gefährlich, aber ich leb‘ ja noch. Und es gibt da auch Krokodile, aber die mögen Spielleute wohl nicht. Spielleute haben einen bitteren Nachgeschmack.

*Der Song Ragnarök wurde von Euch so beschrieben, dass es der perfekte
Soundtrack für eine denkwürdige Weltuntergangsparty sein könnte. Wann veranstalten wir diese Weltuntergangsparty mit Euch?

Ich weiß jetzt auch nicht wie angstvoll die Welt ist, weil nächstes Jahr am 25.(21.) Dezember ja die Welt untergeht, laut Mayakalender.
Wir haben mit den Mayas geredet und uns haben die gesagt: „Das ist ja Quatsch, nur der Kalender ist da zu Ende.“
Also geht’s da natürlich weiter! Ich denke mal:
Wir werden sicherlich eine Weltuntergangsparty machen in Berlin!

*Ich wäre auf jeden Fall sehr dafür und auch dabei!

Wir werden nächstes Jahr auch sicherlich wieder in der Passionskirche spielen, hoffe ich. Und die Weltuntergangsparty werden wir einfach auch machen und das wird sicher am 25. sein.
Und wir hoffen, dass ganz viele Mexikaner vorbeikommen. Oder es kann auch sein, das wir das in Mexiko machen, aber das glaube ich eher nicht.

*… -Dankeschöön!

Bitteschöön!
Michaela, die Nebelkrähe

www.corvuscorax.de

Sverker
Trackliste:

01 Intro Gjallarhorni
02 Gjallarhorni
03 Sverker
04 Fiach Oubh
05 Trinkt Vom Met
06 The Drinking Loving Dancers
07 L‘ á Mbealtaine
08 Haufrue
09 Baldr
10 Ragnarök
11 Tjgundi Bii
12 Né Láma-Sa

Sverker – Tourdaten:

16.02.12 Hamburg – Knust
17.02.12 Wilhelmshaven – Pumpwerk
18.02.12 Bremen – Lagerhaus

23.02.12 Frankfurt – Nachtleben
24.02.12 Wuppertal – LCB
25.02.12 Kaiserslautern – Kammgarn

01.03.12 Cottbus – Gladhouse
02.03.12 Ingolstadt – Eventhalle Westpark
03.03.12 Annaberg-Buchholz – Alte Brauerei

09.03.12 CH Pratteln – Z7
10.03.12 Herford – X
11.03.12 Celle – CD Kaserne

Valravn

Valravn
– Interview
auf dem Folklorefest in Krefeld am 03.09.2011

Valravn, mit der vor Lebensfreude und Esprit sprühenden Sängerin Anna-Katrin ist seltsamerweise in der deutschen Mittelalterszene noch ziemlich unbekannt. Vielleicht kommt es daher, dass sie sich musikalisch nicht eindeutig einordnen lassen und aus einer uns noch weniger bekannten Region stammen. Ursprünglich kommt Ann-Kathrin Egilströd von den Färöer-Inseln, das ist eine im Mittelalter entdeckte und besiedelte Inselgruppe im Nordatlantik zwischen den Britischen Inseln, Norwegen und Island.
(Die Bewohner werden Färinger genannt (selten: Färöer). Sie sprechen die färöische Sprache, die aus dem Altwestnordischen stammt und mit Isländisch und Norwegisch verwandt ist. Die Färinger sehen sich als Nachfahren aus der Wikingerzeit auf den Färöern und als eigenständiges Volk, nicht als Dänen.)
Nun aber leben und arbeiten sie alle in Dänemark. Dementsprechend kommen auch ihre Lieder aus dem hohen Norden und erklingen in fremdländischen Sprachen. Von alten Mythen und Geschichten handeln sie und haben nicht selten eine traditionelle Herkunft, traditionelle Folksongs aus Dänemark, Island und den Färöern – neu interpretiert. Dabei verwenden sie neben traditionellen Instrumenten wie Nyckelharpa, Viola, Davul, Flöten und diversen Percussion-Instrumenten auch elektronische Samples und Keyboard-Elemente. Zudem arrangiert die Band nicht nur altes Liedgut neu, sondern komponiert auch eigene Stücke.
Zum festen Bestandteil der Band gehören außerdem noch Christopher Juul (auch bekannt von Euzen) und Juan Pino.

Valravn, befreundet mit Faun und Omnia, können sich durchaus mit diesen messen. Eine Nominierung in den Kategorien Album des Jahres, Künstler des Jahres und Debütalbum des Jahres bei den Danish Music Awards 2008
haben sie bereits vorzuweisen.
Eine vielversprechende junge Band, die mit Ihrem ganz eigenem Stil das Bild der Mittelalterszene noch bunter und vielfältiger, musikalisch
anspruchsvoller macht.

Noch ganz gefangen von der auch das „Normalo“-Publikum begeisternden Ausstrahlung der Sängerin, durfte ich ihr nach ihrem faszinierendem Auftritt auf dem Krefelder Stadtfolklorefest einige Fragen Stellen:

*Was für Probleme waren das heute auf der Bühne?

Es gab technische Probleme mit der Stage- Crew, die irgendwie eine Verbindung nicht hinkriegten…ich weiß auch nicht.

*Hat Dich diese Sache gestresst?

Für uns ist es schön, wenn wir anfangen können, wenn wir fertig sind. Aber die Bühne war noch nicht fertig, so mussten wir warten. Aber das Wichtigste war, dass das Publikum nicht gestresst war. Das Publikum war ok, dann sind wir auch ok.
*Was bedeutet „Valravn“?

„Valravn“ bedeutet Folgendes:
Das Wort ist aus der Nordischen Mythologie und es ist ein Mann, der sich in einen Raben verwandelt hat. Für uns ist es ein Symbol für Transformation.

*Wo bist Du aufgewachsen?

Auf den Färöer Islands. Sie sind nahe Island, ein kleines Land.

*Und lebst Du immer noch dort?

Nein, ich lebe jetzt in Dänemark, um zu studieren.

*Was studierst Du?

Ich habe gerade mit Elektronischer Komposition angefangen. (Electronic Compsition) Am Konservatorium.

*Und die anderen Bandmitglieder?

Sie arbeiten als Musiker. Mit den Bands.

*und sie leben in der selben Gegend, wie Du?

Ja, als wir anfingen, haben wir alle in Kopenhagen gewohnt. Nun leben wir alle an verschiedenen Orten in Dänemark.

*Und wie habt Ihr Euch kennengelernt? Z.B. Maria von „Euzen“, sie singt bei Euch ab und zu.

Maria kommt aus Norwegen und ist die Freundin von Christopher Juul. Er macht die Elektronik bei uns.

*Wie bist Du zur Musik gekommen? Wie hast Du angefangen?

Ich habe als Kind, als junger Teenager angefangen. Ich habe nur für mich selbst gesungen, nicht in der Öffentlichkeit. Das kam erst später. Ich habe am Theater gearbeitet. Und Du arbeitest da mit der Stimme und da habe ich auch gesungen vor den Leuten und das war der eigentliche Start.

*Haben Deine Eltern auch mit Musik zu tun?

Mein Vater ist Maler. Er macht auch Musik, aber nicht beruflich. Ich habe 2 Brüder und eine Schwester. Meine Schwester ist auch Künstlerin und mein Bruder macht auch Musik, aber nicht beruflich. Die Familie meines Vaters ist sehr kreativ, sie machen Musik und malen.

*Wie bekannt bist Du auf den Färöer Inseln? Und wo bist Du am bekanntesten? In Deutschland?

Ich denke am bekanntesten ist die Band in Dänemark. In Dänemark und in Deutschland. Wir haben jede Menge Gigs in Dänemark und in Deutschland.

*Was denkst Du ist der Unterschied zwischen dem Publikum in Dänemark und dem in Deutschland?

Das ist schwer zu beantworten, denn jede Stadt in Deutschland ist schon anders. Die Leute sind immer sehr offen, deswegen ist es immer spannend, nicht zu wissen, was passieren wird.

*Wann habt ihr das erste Mal in Deutschland gespielt?

Ich weiß nicht mehr genau, es ist schon ein paar Jahre her.

*Magst Du Deutschland und unser Wetter?

Oh ja ich mag Deutschland, heute ist Sommer hier, so schönes Sommerwetter. Ich kann heute hier in meinem kleinen Kleid nachts herumlaufen. Das kann ich nicht in Dänemark, da ist es so kalt. Auch der Sommer war kalt.Ja, heute ist es wunderschön!

*Wie nennt ihr Eure Musik?

Wir nennen es Folktronica. (ein musikalisches Subgenre, das für eine Verschmelzung von Electronica und Folk steht )

*Deine Stimme hört sich ein bisschen wie die von Björk an.

Ja das habe ich schon einmal gehört.

*Und was denkst darüber? Ist es typisch für die Stimmen aus dem Norden?

Ich denke schon. Sie ist von Island. Es ist in der Nähe von den Färöern Inseln. Aber ich denke, sobald Du ein wenig mit Deiner Stimme experimentierst und aus dem Norden kommst, wirst Du immer mit Björk verglichen, das passiert nicht nur mir so.

*Was ist das für ein Apparat mit dem Du auf der Bühne arbeitest?

Du meinst das mit der Stimme. Ich habe da 3 verschiedene Sound-Effekte mit denen ich arbeiten kann.

*Ich mag Deine Outfits. Machst Du sie selber?

Oh nein, dieses hier habe ich in Berlin gefunden in einem Vintage-shop.

*Und das auf dem Castlefest, das war sehr ausgefallen. Es steht Dir sehr gut.

Das Schwarze, das ist ein Designerstück von den Färöer Inseln, das Lable nennt sich „Gudrun & Gudrun“ und sie haben es mir gegeben. Und ich mag es schöne Kleider zu finden. Es haben auch schon zwei andere Designer mir Kleider gegeben. Ich mag sie!

*Es sieht so aus, als ob Du selber eine Menge Spaß auf der Bühne hättest. Du versprühst so viel Lebensfreude dabei, was sich auch unweigerlich aufs Publikum überträgt.

Ja, das habe ich. Es ist wie ein Freiraum auf der Bühne, um sich zu entfalten. Es macht Spaß unsere Lieder dem Publikum zu präsentieren. Ja ich mag das.

*Was machst Du gerne in Deiner Freizeit?

Ich lese gerne und ich mag sehr gerne Essen, auch zu kochen. Ich mag eine Menge Dinge! Ich mag auch gerne Musik hören.

*Welche Musikrichtung?

Jede Art von Musik. Ich entdecke gerne Musik, ich entdecke gerne neue Dinge.
Aber es sehr schwierig meine Freizeit von meiner Arbeitszeit zu trennen.
Es ist eigentlich das Gleiche. Ich glaube, nur wenn ich esse, denke ich nicht ans Arbeiten.

*Wo holst Du Dir Deine Inspirationen?

Ich glaube die Inspiration kommt viel , wenn wir zusammen sind und improvisieren, dann findet sich eine Melodie und wir machen einen Song. Es ist sehr unterschiedlich.

*Hast Du ein Vorbild?

Ich habe ein Menge Vorbilder. Ich denke, mein größtes Vorbild ist in Deutschland Hildegard von Bingen. Ich mag sie sehr. Sie ist sehr inspirierend.

*Was stresst Dich auf einer Tour? Was magst Du nicht?

Wenn etwas nicht pünktlich klappt, wie heute die Technik.
Aber wenn Du dann das Publikum genau triffst (wie heute) und es entsteht eine Art von Magie zwischen der Bühne und dem Publikum, das macht Spaß!

*Wie war es heute für Euch? Das Publikum war doch völlig anders als bei Eurem Auftritt auf dem Castlefest in Holland.

Ja es war völlig anders, aber die Leute waren nett. Auf das Castlefest kommen die Leute bewusst, weil sie die Musik lieben und die Atmosphäre. Hier ist es ein Stadtfest und viele Leute kennen uns nicht. Sie sind hierher gekommen einfach um zu feiern.

* Aber es hat den Leuten gefallen.

Und uns gefiel das Publikum.

*Was für Pläne und Träume hast Du für die Zukunft?

Meine Pläne jetzt gerade sind, eine kleine Pause zu machen und dann mit der Arbeit an neuem Material zu starten , dann eine neue CD zu machen und dann wieder zu kommen.

*Wann wird das sein?

Ich weiß es nicht. Die Zeit wird es bringen. Wir brauchen etwas Zeit für neue Inspirationen.

*Hast Du auch schon mal andere Musik gemacht, z.B. Jazz oder Klassik?

Nein, ich habe nur Theater gespielt.

*Was war Euer größter oder beeindruckendster Auftritt?

Oh wir hatten schon so viele Auftritte und alle waren irgendwie besonders.
Der größte war vielleicht auf dem Roskilde- Festival in Dänemark.

*Und auf welchem Festival würdest Du gerne spielen?

Ich würde sehr gerne auf dem Sziget- Festival in Ungarn spielen!

*Möchtest Du uns noch irgendeine Message mit auf den Weg geben?

Ja, die Message ist:
Folge Deinem Herzen und Deinen Träumen und Du wirst es bekommen. Du musst es Dir nur wünschen!

*Danke für das nette Interview!!

2011 ist ein Electronicsampler von Valravn erschienen, auf denen einige ihrer Lieder noch einmal in einer Electro-Version zu hören sind:

Recoded

Tracklist:
1. Koder Pa Snor (Orka Remix)
2. Kelling (Midi Lidi Remix)
3. Farin uttan at verda vekk (Carmen Rizzo Remix)
4. Kroppar/Stand Up (Omnia Remake)
5. Marsk (Pawel Rychert Remix)
6. Seersken (Transglobal Underground Remix)
7. Under bolgen blo (Sören Bendixen Remix)
8. Kraka (The KennethBager Experience Remix)
9. Sjon (Euzen Remake)
10.Koder pa snor (Faun Remix)

Weiterhin erschiene Titel:

Koder paa snor 2009
Valravn 2007
Krunk Krunk 2007
Krunk EP 2005

www.valravn.net

Michaela

Euzen – Sequel

Nach dem hochgelobten Debut-Album „Endaimonia“ (2009) bringen die Dänen Euzen zwei Jahre später den Nachfolger „Sequel“ heraus. Diese CD ist eine Reise durch traumhafte Klangwelten und ausdrucksstarke Texte. Alte Instrumente wie Dulcimer und Bouzouki treffen auf klassisches Klavier und elektronische Beats und verschmelzen mit der vielfältigen Stimme von Sängerin Maria Franz zu einer neuen Traumwelt.

Mit dem Klavier, das zentrale Instrument vieler Lieder der CD, fängt häufig alles an, bevor elektrische Gitarre und Beats die Hauptrolle übernehmen. So bekommt jedes Lied seinen eigenen Charakter und keins klingt wie das andere. Alleine „Surreal Medley“ ist eine Aneinanderreihung von unterschiedlichsten Melodien und Takten, die trotzdem miteinander harmonieren und das Lied zu etwas besonderem machen.
Die Kompositionen sind innovativ und selten vorhersehbar, sodass man immer wieder überrascht wird. Oft wird man beim Hören aus seinen Träumen gerissen, denn viele Lieder enden plötzlich und ohne Vorwarnung, auch noch nach mehrmaligem Hören.

Kurz vor Schluss überraschen Euzen mit „Vilje“, das mit norwegischem Text und größerem Fokus auf die alten Instrumente, in den hohen Norden entführt. Als hätte man noch nicht die ganze musikalische Vielfalt von Euzen gehört, werden in den knappen vier Minuten von „Glitch“ wieder neue, interessante Klänge eingebaut, diesmal allerdings mit Fokus auf Marias Gesang, die ihre Stimmgewalt und -vielfalt zeigt. Mal mädchenhaft und federleicht, mal kraftvoll und selbstbestimmt; auf „Sequel“ sind alle Facetten zu hören.

Thematisch sagen Titel wie „The Great Escape“ und „Judged By“ schon aus, dass es um die inneren Werte in den Texten geht. Der Aufruf zur Selbstverwirklichung und Freiheit ist allgegenwärtig und wird ehrlich und voller Überzeugung besungen. Getreu dem Satz „felt nothing like before and stay in that feeling“ laden Euzen den Hörer ein, in ihre Welt einzutauchen und sie zu erleben.

Tracklist:
1.The Great Escape
2.Judged By
3.You’re On
4.Notion
5.Surreal Medley
6.Coherence
7.Cruel All By Myself
8.Run
9.Vilje
10.Glitch
11.Sequel

Besetzung:
Maria Franz: vocals, loops, piano
Christopher Juul: piano, keys, electronics, guitar, dulcimer, theremin
Harald Juul: guitars, mandoline, guzheng, banjo, bouzouki
Jon Pold Christensen: elektr. & acoust. bass
Kristian Uhre: Live drums, elektr. percussion, backvokals

www.euzen.dk

Eisheilige Nacht Bochum

Eisheilige Nacht – Ruhrcongress Bochum, 27.12.2011

Acht Städte. Sechs Bands. Die diesjährige Festivaltour von Subway to Sally fährt von Wien über Giessen, Pratteln (CH), Bremen, Bochum, Fürth und Bielefeld zum traditionellen Jahresabschluss nach Potsdam. Mit dabei sind neben Fiddlers Green, Letzte Instanz, Megaherz, Tanzwut und Feuerschwanz sowie, als Special Guest in Potsdam, Alexx von Eisbrecher.
Das verspricht neben einem Schwarzen Herbst ein durch und durch Eisheiliger Winter zu werden!

Seit einigen Jahren veranstalten Subway to Sally die „Eisheilige Nächte“. Diese werden von Jahr zu Jahr größer, immer mehr Bands begleiten sie dabei und immer mehr Städte werden bereist. So findet im Dezember 2011 zum ersten Mal eine Eisheilige Nacht in Österreich statt.

Subway to Sally luden also ein und sie kamen. Feuerschwanz, Fiddlers Green, Letzte Instanz. In Bochum waren sie mit dabei. Und mit Ihnen kamen zahlreiche Fans, um die Shows der genannten Bands zu genießen.

Einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, gaben all diese grandiosen Bands die dritte Show ihrer „Eisheiligen Nächte“ – Tour 2011.

Nachdem Feuerschwanz und Fiddlers Green ihr Set gespielt und damit den Fans ordentlich eingeheizt hatten, betrat die Letzte Instanz die Bühne. Die Jungs aus Dresden, Berlin und München gaben ein buntes Potpourri ihrer Hits der letzten Jahre. Auch die Ankündigung auf ein neues Album im September und die dazu gehörige Tour im Oktober 2012 fehlten nicht.

Subway to Sally als Headliner im Annschluss an die Instanz, spielten ein sagenhaftes Programm. Mit viel Feuer und Feuerwerkskörpern gaben Eric und seine Mannen (natürlich wie immer auch mit einer wunderbaren Frau Schmidt) alles und begeisterten damit alle Angereisten vom Anfang bis zum Ende.

Viele Songs ihres neuen Albums „Schwarz in Schwarz“ wurden gespielt, aber auch Klassiker, wie „Feuerkind“, „Eisblumen“, „Veitstanz“ und das viel umjubelte „Sieben“ als eine der Zugaben, fehlten nicht. Als besondere Überraschung spielten einige Mitglieder der befreundeten Bands von Feuerschwanz, Fiddlers Green und Letzte Instanz gemeinsam mit dem Hauptact ein paar Takte. Ein Fest!

Erst mit den letzten Klängen des immer frenetisch geforderten Verses aus „Julia und die Räuber“ endete dieser wunderbare Abend. So kann Weihnachten jedes Jahr enden.

Katharina von Kleve

Saltatio Mortis

Interview mit Lasterbalk den Lästerlichen und Alea dem Bescheidenen von Saltatio Mortis auf dem Mittelalterlichen – Lichter-Weihnachtsmarkt in Telgte am 10.12.2011, die sich vor ihrem ersten Auftritt an diesem Wochenende noch Zeit für ein ausführliches Gespräch genommen haben.

*Ich wollte euch nochmal dazu gratulieren, dass eure neue CD -Sturm Aufs Paradies- so gut angekommen ist und direkt auf Platz 3 gelandet ist.

Lasterbalk: Letztendlich hat keiner drauf gewettet, dass die Scheibe so hoch einsteigt. Die Hoffnung war tatsächlich, dass wieder die 10 geknackt wird oder es, vielleicht ein bisschen darüber geht. Die optimistischsten Bandinternen Wetten waren auf Platz Sieben. Das war der gnadenloseste Optimist. Die Berufspessimisten haben nicht mal an die Top Ten geglaubt. Und dann natürlich auf drei, das ist erstaunlich.

*Man hört ja sofort, dass die Musik sich irgendwie verändert hat, also im Vergleich zu der „Wer Wind Sät“ hat sich was geändert.

Alea: Also ich bin der Meinung, dass Saltatio Mortis ein wundervolles Abbild ist, für das alte Sprichwort „Alles ist im Wandel“ und sobald etwas stehen bleibt, ist es tot. Und wir sind sehr lebendig, deswegen bewegt sich die Sache auch immer weiter. Jede CD ist ein Abbild von dem, was die Band derzeit leisten kann und auch ist. Jeder ist in den letzten Jahren gewachsen, an der Sache die Saltatio Mortis bedeutet, und dieses Erwachsen werden zeigt sich halt auch in dem, was wir aufnehmen.

*Also fließt von jedem von euch etwas in die CD mit ein?

Lasterbalk: Was man vielleicht ergänzend dazu sagen kann ist, ich saß gestern Abend lang mit Luzi dem L zusammen. Wir haben uns über Songs und Songwriting usw. unterhalten. Da kam eine Aussage von ihm, die ich sehr spannend fand. Er sagte: „Wenn man eure gesamten Songs, die modernen Rocksongs, nebeneinander hört, dann sind das brutale Unterschiede von den Anfängen bis heute. Das hat sich unglaublich weit entwickelt, da sind unglaublich viele und ganz andere Schwerpunkte usw., aber man hört trotzdem vom Zweiten Gesicht bis Sturm aufs Paradies den Saltatio Song raus. Woran liegt das?“ Da sind wir hängen geblieben. Es liegt ein Stück weit genau an den beiden Gestalten, die neben dir sitzen, weil von Anfang an haben Alea und ich irgendwie immer so unser Bauchgefühl mit eingebracht in die Songs. Das Drumherum kann sich dann verändern. Das kann mal rockiger werden, das kann vielleicht mal ruhiger werden, es kann mal melancholischer werden und es kann mal kämpferischer werden. Letztendlich bleibt’s aber ein Saltatio Song, weil wir nehmen das sehr ernst, das Miteinander. Da zusitzen und auch mal nicht zu wissen, warum wir einen Song nicht gut finden. Aber, wenn wir einfach das Gefühl haben, der ist nicht gut, ist er nicht gut. Da kann der Rest der Band oft sagen „aber, aber, aber“. Letztendlich ist es, dass wir auf unseren Bauch hören. Und das machen wir sehr konsequent und deshalb wird auch das nächste Album ein Saltatio Album, auch wenn es wieder anders klingt.

*Habt ihr Lieblingslieder? Also mir gefällt „Eulenspiegel“ und „Nachtigall und Rose“ sehr gut. Und was ist euer Favorit?

Alea: Also ich bin ja bekennender Balladen-Fan und aus diesem Grund ist „Gott Würfelt Nicht“ für mich ganz wichtig. Ansonsten würde ich jetzt sagen „Hochzeitstanz“.

Lasterbalk: Also die „Ode An Die Feindschaft“ gefällt mir. Klar, ich hab logischerweise einen größeren Textzugang zu den Songs. Ich find den Text schön auf den Punkt, aber was mich an dem Song wirklich kickt, es ist so ein geradeaus erdiger Rock ’n Roll Song. Ich steh da einfach drauf. Ich brauch da keine komplexe Dudelei. Wenn’s geradeaus läuft, find ich es total cool. Das mag ich genau an dem Song. Und „Hochzeitstanz“ find ich auch sehr geil, weil es ist ein extrem schwieriges Thema, dann auch noch sehr gewagt angegangen ist und dann vom Text, bis zur Musik finde ich, sehr gelungen ist. Ich steh ja v
öllig auf den Song.

*Dann noch eine Frage zu eurem ganzen Layout: Euer Cover sieht ein bisschen aus wie ein Mix aus Französischer Revolution und Paradies. Wie kommt man auf diesen Mix?

Lasterbalk: Wir hatten eine große Brainstorming-Session sozusagen zum Thema Artwork. Artwork ist immer eine große Baustelle an so einer Platte, größer als man das gemein so meint, weil da auch ganz viele Leute mitreden wollen. Das geht von der Plattenfirma los, über Grafiker, weil man es nicht selber macht, über Fotografen, über Bookingagenturen usw. Jeder hat etwas Schlaues zu sagen. Jeder sagt auch was Schlaues und es ist auch gar nicht falsch, was die sagen. Letztendlich lösen tut es keiner, außer man selbst. Und wir saßen so da, wussten schon wieder „Oh Gott, die Artwork-Nummer geht los, was machen wir denn?“ Und man hat ja noch einen eigenen Anspruch noch daran, darüber hinaus. Ich hab dann so die Geschichte begonnen, indem ich gesagt hab, na ja, wer Wind sät ist der erste Teil eines Zitats, der zweite Teil bleibt offen, wird Sturm ernten. Für mich sollte also dieser Sturm direkt nach vorn, Teil des Konzepts sein. Und das muss nicht notwendigerweise im Titeltext sein. Das kann genauso eine bildhafte Darstellung sein. Und dann haben wir ganz lange überlegt, wie kann man Sturm ins Bild bringen. Wir haben ganz lange überlegt, wie kriegt man eine Bewegung auf einem statischen Bild gefangen usw. über diese Diskussion sind wir auf Sturm auf die Bastille gekommen, das war so ein Bild. Dann sind wir bei „Freiheit für das Volk“ hängen geblieben, bei diesem berühmten Bild und da kam dann der Fotograf dazu, der gesagt hat „Ey, wir schießen das nach. Wir bauen einfach dieses Ding im Fotostudio nach. Da hab ich gesagt: „Das ist aber sehr gewagt, Otto.“ Jetzt ist aber Otto Kasper einfach, dass muss man bei der Gelegenheit nochmal sagen, ein Künstler, ein richtig großartiger Fotograf. Schaut euch bei der Gelegenheit im Internet nach Otto Kasper um.Das war im Studio geiles Arbeiten mit dem Typen, ganz großes Kino. Der hat so eine Vision gehabt, die wir da erarbeitet haben und hat die mit uns umgesetzt. Das war tolles Arbeiten, das war künstlerisches Arbeiten auf der ganzen Linie.

Alea: Um das noch einmal zu unterstützen, die Hälfte von den Sachen, die man da um uns Drumherum sieht, die waren physisch da. Dass heißt, der Hügel auf dem wir da stehen, der lag im Studio. Die Heizkörper, die Waschmaschine, alles. Der Hintergrund hinter uns ist gemalt, hinten dran als Leinwand. Keine Ahnung, es war einfach Wahnsinn. Man kommt da in eine Kulisse rein.
Lasterbalk: Er hat sich da unglaublich viel Mühe gegeben und wir haben auch ganz lang über Requisiten gesprochen. Zum Beispiel, was uns wichtig war, war diese Verbindung zur Modernen, die wir auch in der Musik haben und deshalb ist es ein Stück weit auch Zivilisationsschrott über den wir da stürmen. Das ist eine Adaption des Gemäldes. Das ist ja keine Kopie. Und ich finde, es ist uns gut gelungen. Da darf man, soll auch, eine ganze Menge ruminterpretiert werden.

*Die „Manufactum“ auf Platz 25, die „Wer Wind Sät“ auf Platz 10, „Sturm Aufs Paradies“ auf Platz 3. Und die nächste CD? Muss die auf Platz 1 landen?

Lasterbalk: Nein. Also ich würde jetzt lügen, wenn ich sage, ich wünsche mir das nicht. Ich glaub, ganz ehrlich, wenn du jetzt sagst, wünschst du dir, dass die Platte auf eins geht, würde jeder Musiker sagen, er wünscht es sich nicht. Aber in dem Moment, wo ich jetzt sage, ich muss eine Platte auf eins bringen, dann setze ich mich unter falschen Druck. Wir sind gerade schon an neuen Songs machen, für die neue Platte, und tatsächlich der Fokus wandert bei mir ganz weit weg von Zahlen und Bewertungen, sondern wie muss die neue Platte klingen. Was ist zu mindestens ein Teil der Vision für die neue Platte. Was sagt mir mein Bauch, wo müssen die neuen Songs hin. Was für Worte wollen aus der Feder, was für Töne müssen dazu gespielt werden. Also ich habe jetzt gerade einen Text, wo ich die Urfassung mal im Bus dem Alea gezeigt habe, der nicht sofort den Huck daran erkannt hat und dann hat er gesagt, das ist noch unrund. Da hat er nicht unrecht und ich habe nochmal eine Weile daran rumgeschraubt. Jetzt kam irgendwie per Mail das Feedback vorgestern oder gestern „Hey, hab ich gerade durchgelesen. Hammer, geht voll rein!“. Hat mich einfach tierisch gefreut. Das war so geil, ok jetzt ist es angekommen. Und jetzt kommt der nächste Punkt. In der Hoffnung, dass es bei Alea genau das gleiche, klack macht, er liest den Refrain, hat eine Melodie dazu und dann wird ein Song draus. Und irgendwann werden wir mehrere von den Songs haben und dann werden wir uns zusammen setzen und sagen „Wie soll die Platte klingen?“ Da muss der Fokus sitzen. Letztendlich möchte ich eine Platte machen, wo ich endlich, wie bei „Sturm Aufs Paradies“, aus dem Studio gehe und sage, das ist eine gute Platte. Dann muss der Rest der Welt entscheiden, wo sie landen soll.

Alea: Es ist genau das, was du sagst. Und wenn Musik zu Zahlen oder zu Noten wird. Davon bin ich auch immer noch ein Verfechter. Wenn es nur darum geht, die Note und den Spannungsbogen und den Taktwechseln in dem Song unterzukriegen, dann wird es meiner Meinung seelenlos. Denn ganz ehrlich, wenn einem Musiker sein Herz sagt, an der Stelle muss ein Taktwechsel hin, dann muss er da hin. Aber nur damit er in einem Stück drin ist, damit man der Welt zeigt, dass man das jetzt irgendwie auch kann, das ist dann der Moment, wo wir in eine Richtung tendieren, die zu diesen Mega Symphonic Metal Bands oder Prog Metal Bands fährt, wo es einige sehr gute gibt, die sich einfach genau in diesen Spielereien verlieren. Das braucht meiner Meinung kein gesundes Herz.

Lasterbalk: Also uns geht’s um Gefühl bei der Musik. Wir als Künstler, wir beide, die wir da sitzen haben Spaß dran, wenn wir einen Song hören können, wenn Tränchen im Augenwinkel sind, die Gänsehaut kommt und man sagt „Boah, geil!“ Auf jeder Platte gab es bisher einen Song, wo wir gesagt haben, der wird und der wird genau so, weil wir dran glauben und er war jedes Mal der Richtige. Trotz Produzent der jedes Mal gesagt hat, vielleicht nehmen wir ihn doch nicht auf die Platte. Wenn wir beide uns totsicher sind, der Song ist es, sind wir bisher nie gescheitert. Das ist einfach so. Da muss man sich einfach mal drüber klar werden. Man kann es vielleicht nicht begründen, warum das so ist, man kann auch nicht begründen, warum ein anderer Song vielleicht etwas nicht hat. Es ist eine Intuitionsgeschichte, aber deshalb machen wir Musik. Und wie gesagt, es wäre aber auch gelogen, wenn man sich nicht über Platz eins freut. Natürlich.

Alea: Natürlich, es ist ja irgendwo ein Ritterschlag.

*Ihr seid ja gerade von der Rocktour zurück und jetzt spielt ihr wieder hier auf dem Mittelaltermarkt. Was reizt euch so daran, dass ihr sogar im Winter bei dieser Kälte hier auf dem MPS spielt?

Lasterbalk: Zum einen ist es natürlich eine Verbundenheit gegenüber Gisbert Hiller und sein MPS. Ich mag mir gar nicht vorzustellen was passiert, wenn ich ihm sage wir spielen nicht auf dem Weihnachtsmarkt! Das würde er nicht überleben, mal davon abgesehen. (lach) Ich saß gerade bei meinem ersten warmen Met mit dem Holzwurm, ein guter alter Freund und Kollege von uns. Wir haben so von der Tour erzählt mit leuchtenden Augen. Große Hallen, tolle Ideen und Showabschlussgags und „hast du das gesehen“ und die ganzen schönen Geschichten. Und ich hab gesagt: „Du, aber weißt du was, ich steh hier und es ist gut so. Es ist so wie Nachhause kommen. Du bist an deiner Taverne, da steht dann die Melli und hat einen warmen Met in der Hand.“
Und du hast so viele Leute, die über so viele Jahre jeden unserer Schritte mit begleitet haben, im Guten wie im Bösen. Das ist ein Heimkommen. Ich steh hier mit meinen matschigen Stiefeln im Matsch auf der Erde und das ist eine Erdung, die einen hier erfährt. Und ich hoffe, dass es uns vergönnt sein wird, das möglichst lange noch zu machen. Weil, es ist tatsächlich so schön für mich, so verwurzelt zu sein. Dafür kommen wir hier her.

*Aber man merkt den Instrumenten schon die Kälte an?

Alea: Ganz ehrlich, für die Instrumente ist das hier ungefähr so wie ein Waterloo. Die Trommeln spannen sich auf eine Weise, wie sie noch nie in ihrem Leben gespannt waren, weil die Felle sich verkürzen. Die Dudelsäcke sind in einer Tonart, in der sie eigentlich nicht für gemacht wurden. Aber das einfachste sind dann eben die Instrumente, die man viel offener stimmen kann, wie eine Gitarre oder eine Drehleier, die werden dann einfach darauf angeglichen. Alles andere hat keinen Sinn, man wüde die Instrumente einfach kaputt machen. Man muss einfach sagen, für diese Temperaturen sind sie nicht gebaut, weil der Dudelsack an sich kommt aus dem warmen osmanischen Land und das hier wollte er glaube ich nie. (lach)

Lasterbalk: Wir sind mit einem großen Truck und einem großen Bus auf der Tour gewesen. Mit 16 Leuten, davon war die Hälfte Crew. Wir hatten eine Lichtshow dabei, wir hatten die große Tonanlage dabei. Wir haben technisch viel umgesetzt, dass es gut klingt für die Leute. Hier stehen zwei Miniböxchen rechts und links, wir haben ein riesen Lärmschutzproblem mit den Nachbarn, Dann einen Veranstalter, der uns ins Genick springt, wenn wir nur zu laut sind. Wir haben die Hälfte der Instrumente gar nicht abgenommen. Wir spielen also im wahrsten Sinne des Wortes so gut wie unplugged. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Letztendlich wird es auch für mich dieses Mal aufs Neue spannend sein, ob unser Publikum da mitgeht. Ich kann mir das extrem schwer vorstellen, wenn du das letzte Mal die Band gehört hast und jetzt nach Telgte fährst auf einer Bretterbühne und im Prinzip unverstärkt hörst. Am Ende des Tages wissen wir mehr.

*Ihr pflegt ja einen sehr engen Kontakt zu euren Fans. Ihr seid nach dem Konzert immer da, gebt Autogramme, sprecht mit ihnen. Ihr seid aber auch im Internet sehr aktiv in allen möglichen Seiten, facebook, auf der Homepage. Ist das nicht wahnsinnig viel Arbeit?

Alea: Natürlich ist das viel Arbeit. Das ist aber eine Arbeit, die lohnenswert ist. Weil, wir haben durch diese ganze Präsenz, dadurch dass wir nach dem Konzert am Merch-Stand stehen ,nie die Menschlichkeit verloren. Es ist verdammt wichtig. Es gibt so viele Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, die vergessen haben, dass sie auch nur Menschen sind. Ich hätte mir, als ich Fan von Bands war, genauso etwas gewünscht. Wenn ich dann die Möglichkeit habe das zu geben, um die Freude zu erleben, die wir einfach verbreiten, durch das was wir tun, diese auch noch gespiegelt zu bekommen, also zurück zu bekommen. Das ist doch eine ganz großartige Sache, die sich gegenseitig befruchtet. Das ist ein Gewinn für jeden. Und deswegen ist das auch eine Anstrengung, die es wert ist, es zu tun. Weil es ist menschlich.

Lasterbalk: Es ist natürlich so. Arbeit? Ja! Ich versuch es mal anders zu formulieren. Teile unserer Crew, große Teile unserer Crew, sind mit uns gewachsen. Sie sind seit Jahren, schon seit zehn Jahren teilweise dabei. Von den aller aller, aller ersten Schritten, auf den allerkleinsten Märkten, wo wir alle zusammen nachts um drei durch irgendwelche Matschpfützen noch unsere kleinen Kisten in irgendwelche Busse getragen haben, zusammen Schulter an Schulter. Mittlerweile ist es so, während die Band draußen ist und Autogramme gibt und für ein Schwätzchen dasteht, baut die ganze Crew ab. Die Crew ist fertig mit LKW laden, Bus laden und hat den ersten Drink schon, da sind wir immer noch draußen. Du musst dann einfach sehen, wenn wir draußen sind, und für unsere Fans da sind, arbeiten ja andere auch. Letztendlich ist es so, wir machen Musik für Menschen. Wir wollen Menschen mitnehmen und bewegen. Es wäre eigentlich total dumm, wenn wir nicht genau zu den Menschen gehen und mit denen reden. Das machen wir, und das ist einfach unser Teil. Genau wie bei anderen, Crewmitgliedern, Licht zu machen oder eine Kiste zu schieben oder was auch immer. Ich finde da ist nichts mehr oder weniger Wert, aber alles ist dann doch ein Teil des ganzen, was uns ausmacht.

*Bleibt denn bei der ganzen Arbeit, die ihr so macht mit Touren, Vorbereitungen usw. noch Zeit irgendetwas anderes zu, was vielleicht nicht mit Saltatio Mortis zu tun hat?

Lasterbalk: Wenig, ganz wenig. Es ist so, ich habe in elf Jahren Saltatio Mortis gelernt, bzw. lernen müssen, weil mir da mein Körper sehr deutliche Signale gegeben hat, mich auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ich bin sei seit einem halben oder dreiviertel Jahr unter die begeisterten Schwimmer gegangen, wodurch ich einfach eine neue Herausforderung für mich entdeckt habe und mir auch damit meine Ziele stecke. Bis zum Ende des Winters will ich, zum Beispiel, meine 1000 Meter Kraulschwimmen können. Das sind Dinge, die dann viel Spaß machen. Ich lese sehr viel, koche sehr gern, bin ein Genussmensch und hab einfach meine Fenster, wo ich Ipad, Handy, wie auch immer aushabe, beziehungsweise auf stumm schalte. Selbst wenn ich es vergesse auszumachen, wenn ich in der Küche stehe und koche und es klar ist, jetzt wird gekocht, und dann wird Wein getrunken. Dann geh ich nicht ans Telefon. Dann bin ich nicht erreichbar. Und es kann nicht so wichtig sein, als dass ich nicht vier Stunden später mal gucken kann, wer hat angerufen. Das gucke ich dann auch und dann bin ich auch da, auch mal nachts um zwölf. Aber ich habe so meine Spots, meine Blasen, da gehöre ich mir oder mir und meiner Freundin oder mir und meinem Sport oder was auch immer. Und das muss man lernen egal wo man ist, denn sonst überlebt man da keine weiteren Jahre.

Alea: Man muss sich auch Träume erfüllen. Das ist ganz ganz wichtig. Das was wir hier leben, das ist eigentlich schon ein erfüllter Traum. Aber wenn man dann aufhört zu träumen ist man eigentlich eher tot. Dass heißt, es gibt noch so viel was einen ereilt und so viel was du erleben willst. Da muss man sich einfach auch mit den Menschen, mit denen man zusammen lebt, bei seinem Traum absprechen. „Hey, ist es OK, wenn ich das auch noch mache?“ Aber man hat sich so kennen gelernt und man muss auch immer einen Schritt weiter gehen, damit dieses Feuer, was einen ja auch stark macht, diese Begeisterung, dieses Leben… erleben. Richtig Leben ist ja erleben. Wer sein Leben nicht erlebt und nur lebt, der ist eigentlich schon tot. Er hat nämlich nichts von dem, was sich je vorgestellt hat, was er sein könnte oder erleben könnte, durchgebracht. Und es ist verdammt wichtig. Selbstverwirklichung ist mittlerweile das Wichtigste am Leben. Und nur wenn man sich selbst findet auf diesen Wegen, auf was alles herauskommt, kann man sagen: Das bin ich.

Lasterbalk: Und aber auch bereit sein, den Preis für seine Selbstverwirklichung zu zahlen. Ich glaube letztendlich ist es nicht wirklich „Ich möchte auf der Bühne stehen und bejubelt werden“. Das wollen sie wahrscheinlich alle, wenn wir hier rumfragen. Sondern auch bereit sein, dafür durchaus demutsvoll Dinge zu tun. Frag mich mal, wie viele Stunden ich jeden Tag an meinem Instrument sitze. Frag mal ihn (Alea), wie lang er jeden Tag an seiner Stimme und seinem Körper arbeitet. Nicht in einem Bodybuilder-Sinne, sondern in einem emotionalen Sinne, für seine Bühne. Das sind Dinge, die man auch mal ganz gerne mal übersieht. Wie wir uns regelmäßig in der Band zusammen setzen, über Songs sprechen, über Probleme sprechen, über Dinge, die angefallen sind und und und. Das ist ein Kraftakt für so viele Menschen. Das ist Teil des Preises. Wie viel wir weg sind, wie wenig uns unsere Frauen sehen usw. Aber wenn man sagt, ich möchte das und ich möchte es wirklich, dann klappt es auch.

*Wo seht ihr euch mit Saltatio Mortis in fünf Jahren?

Alea: Auf dem gleichen Weg, wie jetzt auch. Lernen. Erleben.

Lasterbalk: Wahrscheinlich werden ein paar graue Haare dazugekommen sein.

Alea: Ein paar Falten!

Lasterbalk: Wir werden alle ein paar Falten mehr haben, ganz sicher. Hier und da wird bestimmt eine Speckrolle auftauchen, wo sie früher nicht war. Wir werden vielleicht auch nicht mehr jede Nacht durchfeiern, das könnte ich mir auch vorstellen. Auch da sind wir schon disziplinierter geworden.

Alea: Jetzt schon nicht mehr. (lach)

Lasterbalk: Aber wir werden im Großen und Ganzen den Weg weitergegangen sein, den wir seit einer Weile gehen. Wir werden viel an unserer Musik, an unseren musikalischen Fähigkeiten an unserem musikalischen Ausdruck, aber auch an dem was wir zu sagen haben arbeiten. Wir werden viel reflektieren, nachdenken, wir werden Songs schreiben. Da werden hoffentlich viele Songs dabei sein, die Leuten gefallen und es werden ganz bestimmt einige dabei sein, die Leuten nicht gefallen, aber alles ist Teil unseres Weges. Ich kann nur hoffen, dass wir sowohl auf der Bühne heute, als auch auf den großen Bühnen der Welt spielen dürfen. Dass wir genau den Mix weitermachen. Das wäre mein größter Wunsch.

*Dann bedanke ich mich für das Interview und wünsche viel Spaß heute.

Lasterbalk/Alea: Dankeschön.

The Raven